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Full text of "Analyse des Harns"

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Histon. 1183 



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IV. Anhang. Das Histon. 

Das Histon ist zuerst von Kossei aus den Kernen der Gänseblutkörperchen 
dargestellt worden. Es findet sich auch in der Thymusdrüse, in den Spermatozoen 
einiger Fischarten. Auch das aus Hämoglobin darstellbare Globin rechnet zu der 
Klasse der Histone (Schulz). Die Histone stehen zwischen den eigentlichen Ei- 
weissstoffen und den Protaminen (Kossei und Pringle). Sie sind durch basische 
Reaktion, den hohen N-gehalt (17 — 20%), sowie dadurch, dass sie bei der Hydro- 
lyse reichliche Mengen von Hexonbasen ergeben, gekennzeichnet (Kossei und 
Kutscher). Die Histone kommen in den Zellkernen gebunden an Nucleinsäure 
bzw. Nuclein vor (Lilienfeld). Im Harn eines leukämischen wurde freies 
Histon nachgewiesen (Kolisch und Burian) *). 

A. Eigenschaften. 1. Es ist in Wasser löslich, wird aus de. 

konzentrierten Lösung durch Alkohol gefällt; der Niederschlag löst sich 

wieder in Wasser. Wird bei der Dialyse zurückgehalten. Die wässerige 

Lösung des Histons aus den Gänseblutkörperchen koaguliert nicht 

beim Kochen (Kosse 1), das Histon aus den Leucocyten gibt dabei 

aber einen Niederschlag, welcher in Mineralsäure sehr 

leicht löslich ist (Lilienf eld) 2 ). 

2. Die neutrale Lösung wird mehr oder minder vollständig ge- 
fällt durch Lösen von Ammonsulfat, Magnesiumsulfat, Chlorammon, 
Chlornatrium, Natriumcarbonat in derselben; ferner durch Ammoniak, 
Kalkwasser und Natronlauge (im Überschuss löslich); nicht gefällt oder 
nur getrübt durch einfach saures Natriumphosphat, Chlorcalcium, die 
Bleiacetate, Quecksilberchlorid, Essigsäure, Schwefelsäure. Salpeter- 
säure gibt einen Niederschlag, welcher beim Er- 
wärmen verschwindet und beim Erkalten wieder auf- 
tritt. 

3. Aus der salzsauren Lösung fällt auf Zusatz von 
Ammoniak ein (auch in überschüssigem Ammoniak) völlig un- 
löslicher Niederschlag (Kossei). Dieser Niederschlag löst sich 
in verdünnter Salzsäure, und auf Zusatz von Alkohol und Äther ent- 
steht ein in Wasser löslicher Niederschlag von salzsaurem Histon 
(Lilienfeld). 

Der Ammoniakniederschlag gab 52,31% C, 7,09 °/o H und 18,46 % N. 
4. Im Gegensatz zu den Eiweisskörpern wird das Histon (wie 
das Protamin) nach Mathews 3 ) aus neutraler wässeriger Lösung 
gefällt durch Ferrocyankalium, Kaliumdichromat und pikrinsaures Na- 



x ) A. Kossei und H. Pringle, Zeitschr. f. physiol. Ch. 49. 307. 1906. — 
A. Kossei und F. Kutscher, Ebenda 31. 188. 1900. — Fr. N. Schulz, Ebenda 
24. 449. 1898. — Kolisch und Burian, Zeitschr. f. klin. Med. 29. 374. 

2 ) A. Kossei, Zeitschr. f. physiol. Ch. 8. 511. 1884. — L. Lilienfeld, 
Ebenda 18. 482. 1893; Du Bois Archiv 1892. 170 u. 551. — Kossei, Sitzungsber. 
d. Gesellsch. z. Beförderung d. gesamt. Naturwissensch. zu Marburg 1897. 58 

3 ) A. Mathews, Ztschr. f. physiol. Ch. 23. 402. 1897. 



11*1 



1184 Schulz, Ei weisskörper. 



trium, ferner durch alkalisches oder neutrales wolframsaures Natron 
und durch Jodjodkalium. 

5. Histon gibt die Biuretreaktion. 

6. Neutrale Histon- oder Histonsalzlösungen erzeugen in salz- 
armer Lösung von Eiweisskörpern (Ovalbumin, Eiereiweiss, Serum- 
albumin, Serumglobulin, Blutserum) einen Niederschlag. Der ent- 
standene Niederschlag ist in 10 o/o NaCl-Lösung und in Alkalien löslich 
(Bang)i). 

E. Der Bence-Jonessche Eiweisskörper. 

A. Vorkommen. Dieser eigentümliche Eiweisskörper, den man 
längere Zeit fälschlich zu den Albumosen gerechnet hat (Kühn e) 
(Huppert bezeichnet ihn als Heteroalbumose des Harns), wurde im 
Jahre 1848 zum ersten Male im Harn eines Kranken von Bence- 
Jones beobachtet und chemisch eingehender charakterisiert. Der 
Körper ist fast immer leicht dadurch nachzuweisen, dass er beim Er- 
wärmen des Harns bei mittlerer Temperatur (40 — 60°), je nach dem 
Salzgehalt und Säuregrad des Harns, ausfällt und beim weiteren Er- 
wärmen zum Sieden ganz oder teilweise wieder in Lösung geht. Der 
B e nc e - J o n e s sehe Eiweisskörper ist nicht so selten, wie man an- 
fangs glaubte. Trotz des so charakteristischen Verhaltens beim Er- 
wärmen waren im Jahre 1898 nur 7 Fälle beschrieben (E 1 1 i n g e r). 
Im Jahre 1907 waren schon mehr als 100 Fälle bekannt (Mohr) 2 ). 
Auch in neuester Zeit sind zahlreiche weitere Beobachtungen ver- 
öffentlicht worden, die im einzelnen nicht aufgezählt werden können. 

Was klinisch diesen Eiweisskörper so interessant macht, ist dessen 
diagnostische Bedeutung. Kahler machte zuerst darauf auf- 
merksam, dass in den damals bekannten Fällen es sich um Erkran- 
kungen an Myelomatose (multiplen Myelomen, Osteosarkome) handelte, 
eine Erkrankung, weiche früher öfters mit Osteomalacie verwechselt 
worden ist. Bei fast allen bis jetzt bekannten Fällen handelt es sich 
ebenfalls um diese Knochenmarkserkrankung. Nur wenige Ausnahmen 
sind bekannt, und diese zum Teil nicht völlig aufgeklärt. In eincir* 
Falle von Raschke soll es sich tatsächlich um eine schwere Osteo- 
malacie gehandelt haben, ebenso in einem Falle von Jochmann 



x ) J. Bang, Zeitschr. f. physiol. Ch. 27. 463. 1899. 

2 ) H. Bence- Jones, Philosoph. Transact. 1848. 1. 55; Ann. d. Ch. u. 
Pharm. 67. 97. ■ — W. Kühne, Verhandl. d. naturhist. med. Vereins zu Heidelberg, 
2. Heft 1; Zeitschr. f. Bio]. 19. 209. 1883; 20. 40. 1884. — Huppert, Prager med. 
Woohenschr. 4. 1889; Zeitschr. f. physiol. Ch. 22. 501. 1897. — A. Ellinger, 
Deutsches Archiv f. klin. Med. 62. 255. 1898. — L. Mohr, v. Noordens Handb. 
d. Pathol. d. Stoffwechsels IL 864. 1907. 



Bence-Jones sches Ei weiss. 1185 

und Schlimm und von Gascard. Askanazy sowie v. Deca- 
s t e 1 1 o x ) beschreiben Fälle von Lymphämie mit lymphoider Hyper- 
plasie, bei denen ebenfalls dieser Eiweisskörper auftrat. 

Ausser im Harn ist der Eiweisskörper nachgewiesen im Mark 
des kranken Knochen (Parkes-Weber, Hutchinson, Macleod), 
im Blut, Lymphdrüsen, Exsudatflüssigkeit (E 1 1 i n g e r) 2 ). 

Die Mengen des Bence-Jones sehen Eiweisskörpers schwanken 
in den beschriebenen Fällen zwischen x / 4 — 1 / 2 °/oo und 6,7 °/ (Bence- 
Jones). Mitunter verschwindet er eine Zeitlang aus dem Harn, um 
später wieder zu erscheinen. Die Höhe der Ausscheidung veranlasste 
M a g n u s - L e v y zu der Annahme, dass der Körper direkt oder indirekt 
aus der Nahrung stamme. Die vorliegenden Stoffwechseluntersuchungen 
haben nicht zu unzweideutigen Ergebnissen geführt. V o i t und S a 1 - 
v e n d i fanden, dass die Menge des ausgeschiedenen Eiweisses ab- 
hängig ist von der Gesamteiweisszersetzung in erster Linie, in ge- 
ringerem Grade von der Beteiligung des Körpereiweisses an der Zer- 
setzung. Nach A 1 1 a r d und Weber ist dagegen weder die Menge, 
noch die Art des dargereichten Eiweisses von Einfluss auf die Inten- 
sität der Ausscheidung. Es ist gelegentlich beobachtet worden, dass 
bei Unterernährung infolge interkurrenter Pneumonie die Ausscheidung 
des Bence-Jones sehen Eiweisskörpers zunahm ; das würde dafür 
sprechen, dass ein Zusammenhang mit einem stärkeren Zerfall von 
Körpereiweiss besteht. Untersuchungen von Abderhalden und 
Rostoski 3 ) mit Hilfe der biologischen Methode ergaben, dass der 
Bence-Jones sehe Eiweisskörper - nicht als etwas für den Menschen- 
körper Fremdes angesehen werden darf. Es handelt sich also keines- 
falls um direkt wieder ausgeschiedenes Nahrungseiweiss, sondern um 
Eiweiss, das zu Körpereiweiss geworden ist. 

Nach Decastello 4 ) scheint eine Schädigung der Nieren Vor- 
bedingung für die Ausscheidung des Bence-Jones sehen Eiweiss- 
körpers zu sein. 



*) 0. Kahler, Prager med. Wochenschr. 1889. 33. — A. Raschke, Ebenda 
1894. 649. — G. Jochmann und O. Sc hu mm. Münchener med. Wochenschr. 
1901. 1340. — M. Gascard, Compt. rend. de la Soc. biol. 64. 13. 1908. — S. Aska- 
nazy, Deutsches Archiv f. klin. Med. 68. 34. — A. v. Decastello, Verhandl. d. 
Kongr. f. inn. Med. 25. 620. 1908; Zeitschr. f. klin. Med. 67. 319. 1909. 

2 ) F. Parkes-Weber, R. Hutchinson und J. J. R. Macleod, Med.chir. 
Transact. 86. 395. 10. März 1903; s. auch Deutsche med. Wochenschr. 1903. Nl. 18, 
Vereinsbeilage. — Hier ist die Literatur bis zum Jahre 1903 zusammengestellt. — 
A. Ellinger 1. c. 

3 ) Magnus -Levy, Zeitschr. f. physiol. Ch. 30. 200. 1900. — F. Voit und 
H. Salvendi, Münchener med. Wochenschr. 1904. Nr. 24. — E. Allard und 
S. Weber, Deutsche med. Wochenschr. 1906. 1251. — E. Abderhalden und 
O. Rostoski, Zeitschr. f. physiol. Ch. 46. 125. 1905. 

4 ) Decastello 1. c. 



1186 Schulz, Eiweisskörper. 



B. Eigenschaften. Trotz der zahlreichen chemischen ein- 
gehenden Untersuchungen lässt sich bisher keine genügende Charak- 
teristik des Bence-Jones sehen Eiweisskörpers geben. Es ist von 
verschiedenen Seiten darauf hingewiesen worden, dass der Bence- 
Jonessche Eiweisskörper kein einheitlicher Stoff ist (Hugounenq, 
Ville et Derrien, Voit und Salvendi); es spricht dafür das 
wechselnde Verhalten gegenüber Ammoniumsulfat und anderen Neutral- 
salzen, sowie auch sonstige Unterschiede. Das gemeinsame Charak- 
teristikum ist die Hitzelöslichkeit. Man hat daher von Globulin und 
Albumin ja auch Histon mit Bence-Jones scher Reaktion gesprochen. 
In dem Falle von Matthes 1 ) scheint neben dem eigentlichen Eiweiss- 
körper ein Nucleoproteid vorhanden gewesen zu sein. 

1. Die hervorstechendste Eigenschaft des Bence-Jones sehen 
Eiweisskörpers ist das Verhalten beim Erwärmen. Abderhalden 
und R o s t o s k i 2 ) schildern dasselbe f olgendermassen : Bei einem neu- 
tral reagierenden Harn erfolgte bei 55 — 60° eine leichte, schleierartige 
Trübung, und bei 60° trat ein dicker flockiger Niederschlag ein. Säuerte 
man denselben Harn bis zur leicht sauren Reaktion an, so erfolgte die 
erste Trübung bei 48 — 49°, die Ausfällung bei 52 — 53°. Bei noch 
stärkerem Säuregehalt erfolgte die erste Ausfällung bei 42° und die 
dicke Flockenbildung später. Bei Siedetemperatur löste sich der Nieder- 
schlag wieder auf, um beim Abkühlen von neuem wieder zu erstehen, 
und zwar war die Aufhellung beim Sieden an einigen Tagen vollkommen, 
an anderen blieb eine Trübung bestehen. Ebenso gelang es, bei Tem- 
peraturen zwischen 40 und 55° bei saurer Reaktion, bei Temperaturen 
von 60 — 65° bei neutraler oder ganz schwach saurer Reaktion an einigen 
Tagen das Eiweiss vollkommen auszufällen, an anderen Tagen blieb noch 
Eiweiss im Filtrat nachweisbar. 

DieJAusscheidung gelingt besonders T gut, wenn man den Harn vorher mit 
der gleichen Menge destillierten Wassers verdünnt oder mehrere Male auf die ent- 
sprechende Temperatur erwärmt. 

Auch der Salzgehalt ist nicht ohne Einfluss auf diese eigentümliche Ge- 
rinnungserscheinung. Je nach der Acidität und dem Salzgehalt des Harnes 
wechseln daher die Temperaturgrenzen, bei welchen Fällung eintritt. Auch andere 
Bestandteile des Harns, wie z. B. der Harnstoffgehalt sind von Einfluss auf das 
Verhalten dieses Eiweisskörpers. 

Der durch Dialyse salzarm gemachte Harn gerinnt nicht beim 

Erwärmen. Es ist daher bei sehr salzarmen Harnen ein Zusatz von NaCl 

zu empfehlen (S p ae t h) 3 ). 



*) Hugounenq, Lvon medical 96. 87. 1901. — J. Ville und E. Derrien, 
Compt. rend. de la Soc. biol. 62. 679. 1907. — Voit und Salvendi 1. c. — 
M. Matthes, Verh. d. Congr. f. inn. Medic. XIV. 476. 1896. 

2 ) Abderhalden und Rostoski 1. c. 

3 ) Spaeth, Untersuchung des Harns III. Auf. S. 433. 1908. 



Ben ce - Jones sches Eiweiss. 1187 



Der aus dem Harn isolierte Eiweisskörper zeigt beim Erwärmen 
wesentlich andere Eigenschaften, s. später sub 12. 

2. Durch Alkohol erfolgt Fällung. Wurde der Niederschlag sofort 
abzentrifugiert, so gelang seine Auflösung wieder. Bei längerem Ver- 
weilen unter Alkohol wird er jedoch unlöslich. 

3. Durch Kochsalz oder Magnesiumsulfat entsteht bei Sättigung 
im nativen sauren Harn eine schwache Trübung, im neutralisierten 
Harn blieb auch diese aus. Durch Ammoniumsulfat wird der Eiweiss- 
körper sowohl aus dem nativ sauren als auch aus dem neutralisierten 
Harn vollkommen ausgefällt. Die Grenzen lagen im neutralisierten Harn 
zwischen 42 und 58% Sättigung (Abderhalden und Rostoski). 
An einigen Tagen wurde noch ein später bei 72 o/o Sättigung ausfallender 
Körper konstatiert (Abderhalden und Rostoski). 

4. Beim Dialysieren passiert der Eiweisskörper die Membran nicht. 
Im salzfreien Wasser bleibt er in Lösung. 

5. Der Eiweisskörper enthält gelegentlich geringe Mengen P. Meist 
wurde er P-frei gefunden (s. bei kryst. Körper). 

6. Durch Zusatz des gleichen Volums gesättigter Kochsalzlösung 
und Ansäuern mit Essigsäure tritt vollkommene Ausfällung ein. Der 
Niederschlag löst sich beim Erhitzen nicht. Erst bei reichlichem Zu- 
satz von Essigsäure verschwindet der Niederschlag beim Erhitzen. 

7. Verhalten gegen Säuren. Durch Verdünnen des Harns und 
Zusatz von Essigsäure lässt sich mitunter eine massige Trübung er- 
zielen. Salpetersäure bewirkt in der Kälte einen dichten Niederschlag, 
der sich im Überschuss nicht löst, beim Erhitzen ganz oder teilweise 
in Lösung geht. — Durch Salzsäure und Schwefelsäure entsteht eben- 
falls in der Kälte ein Niederschlag, der sich beim Erhitzen vollkommen 
löst. Der Schwefelsäureniederschlag kehrte beim Erkalten überhaupt 
nicht, der Salzsäureniederschlag sehr langsam und unvollkommen wieder. 
Der Trichloressigsäureniederschlag löste sich beim Erhitzen nur zum 
Teil, das meiste war koaguliert; genau so verhielt sich die Pikrinsäure- 
fällung. 

Die Fällung mit Salzsäure in der Kälte lässt sich namentlich, 
wenn der Eiweisskörper in kleinen Mengen vorhanden ist, mit Vorteil 
als Schichtprobe ausführen (Bradshave) 1 ). 

8. Mit Essigsäure und Ferrocyankalium entsteht ein Niederschlag, 
der sich beim Erwärmen, wenn genug Essigsäure hinzugegeben wird, 
wieder auflöst. 

Die Biuretreaktion des Eiweisskörpers (am isolierten Eiweiss an- 
gestellt) ist rotviolett. 



x ) J. R. Bradshave, Münchener med. Wochenschr. 54. 336. 1907. 



1188 Schulz, Ei weisskörper. 



9. Während so das Verhalten dieses Eiweisskörpers vielfach an 
das der Albumosen erinnert, beweist das Verhalten bei Hydrolyse, dass 
es sich um einen nativen Eiweisskörper handelt. Alkalien und Säuren 
verwandeln den Körper rasch in Albuminat bezw. Acidalbumin. Er 
ist sehr wenig resistent gegen Pepsinsalzsäure und liefert, wie G r u 1 1 e - 
r i n k und G r a a f f *) zeigten, alle bisher bekannten primären und 
sekundären Verdauungsprodukte der Eiweisskörper, auch Heteroalbu- 
mose. Magnus-Levy hatte die Heteroalbumose vermisst. 

10. Der Körper ist gelegentlich von Magnus-Levy 2 ) krystal- 
linisch erhalten worden. Versuche nach der Hofmeister sehen 
Methode, durch freiwilliges Verdunsten der ammoniumsulfathaltigen 
Lösung Krystalle zu erhalten, schlugen ihm fehl. Als er eine Lösung, 
die etwas weniger wie 40 Vol. gesättigter Ammoniumsulfatlösung ent- 
hielt, in verschlossener Flasche bei Zimmertemperatur fortstellte, zeigte 
sich nach 4 Monaten, dass millimetergrosse Krystalle an den Wandungen 
des Gefässes sich abgeschieden hatten. Diese Krystalle Hessen sich 
umkrystallisieren. Es gelang Magnus-Levy aber nicht, trotz viel- 
facher Versuche ein zweites Mal diese Krystalle zu erhalten. 

Grutterink und Graaff 3 )]konnten nach einem abweichenden Verfahren 
in einem anderen Falle regelmässig Krystalle erhalten. 

Zunächst wird der Eiweisskörper durch Zusatz des doppelten Volumen 
konzentrierter Ammoniumsulfatlösung ausgefällt. Dieser Niederschlag wurde mit 
einer zur Lösung nicht genügenden Menge Wasser in eine gesättigte Lösung ge- 
bracht. Diese Lösung wird mit dem gleichen Volum destillierten Wassers ver- 
dünnt. Bestimmungen des Ammoniumsulfatgehaltes dieser verdünnten Lösung 
ergaben, dass derselbe (aus dem dem Niederschlage anhaftenden Ammoniumsulfat 
stammend!) ziemlich konstant einem Gehalt von 10,1 — 10,45 Volumprozent einer 
gesättigten Lösung entsprach. Zu dieser verdünnten Lösung werden auf je 100 cem 
5,6 cem n/i- Schwefelsäure hinzugegeben. Innerhalb 25 Stunden bilden sich schöne 
weisse Krystalle ( Globulithen, Prismen, Nadeln). Die Krystalle liessen sich reinigen 
durch wiederholtes Dekantieren mit Wasser; sie waren fast farblos. 

Die Krystallisation gelingt auch, wenn man die konzentrierte Lösung des 
Ammoniumsuff atniederschlages zuerst durch 14tägige Dialyse vom Ammonium - 
sulfat befreit und dann 10 Volumprozent gesättigte Ammoniumsulfatlösung wieder 
hinzugibt. 

Grutterink und Graaff sind der Meinung, dass die so dargestellten Ei- 
weisskrystalle ein reines einheitliches Eiweiss darstellen, soweit bei Eiweiss 
von rein und einheitlich überhaupt die Rede sein kann. Die leichte Aussalz- 
barkeit dieses Eiweisskörpers ermöglicht sicher eine gute Abtrennung von anderen 
Eivvoissstollen. Ob aber in dem untersuchten Falle ausschliesslich das krystal- 
linisch gewonnene Eiweiss bei der Bence-Jonesschen Reaktion beteiligt war, 
bleibt unentschieden. Ebenso fehlen einschlägige Untersuchungen bei anderen 
Fällen dieser Anomalie. 

11. Die Bestimmung der Spaltungsprodukte nach der E. Fisch er sehen 
Estermethode an dem durch Aussalzen mit Ammoniumsulfat gewonnenen amorphen 

x ) Alide Grutterink und Cornelia J. de Graaff, Zeitschr. f. physiol. Ch. 
46. 473. 1905. 

2 ) A. Magnus-Levy 1. c. 

3 ) A. Grutterink und C. J. de Graaff, Zeitschr. f. physiol. Ch. 34. 393. 1902. 



Bence- Jonessches Eiweiss. 1189 



Eiweissstoff ergab: auf 100 g trockenes Eiweiss Glycocoll 1,7 g, Alanin 4,5 g, 
Leucin 10,6 g, Prolin 1,9 g, Phenylalanin 1,5 g, Glutaminsäure 6,0 g, Asparagin- 
säure 4,5 g. Tyrosin 1,7 g (Abderhalden und Rostoski). 

Der Bence-Jonessche Eiweisskörper zeigt qualitativ dieselbe Zusammen- 
setzung, wie die übrigen gewöhnlichen Eiweisskörper. Die Werte kommen denen 
des Serumalbumin und des Serumglobulin nahe. Der verhältnismässig hohe Gehalt 
an Tyrosin spricht gegen die Annahme, dass ein tiefer abgebautes Eiweiss vorliegt. 

Reach 1 ) kommt zu dem Ergebnis, dass der Bence-Jonessche Eiweiss- 
körper mit keinem anderen Eiweisskörper übereinstimmt. 

12. Die wesentlichen Eigenschaften des von G r u 1 1 e r i n k 
und de Graaff gewonnenen Krystallprä parates sind folgende : 

a) Die Krystalle färben sich mit organischen Färbstoffen (Säurefuchsin, 
Safranin, Methylenblau). Durch Zuf Hessen von Permanganatlösungen färben sie 
sich braun unter Erhaltung der Form. Sie sind ohne Formveränderung mit 
Alkohol fixierbar. 

b) Bei den prismatischen Krystallen handelt es sich anscheinend um sechs- 
seitige Prismen mit aufgesetzten Pyramiden. Die Krystalle sind doppelbrechend, 
optisch positiv, gehören wahrscheinlich dem hexagonalen System an. 

c) Die mit Alkohol und Äther gewaschenen, an der Luft getrockneten 
Krystalle verlieren beim Trocknen bei 100° 7,5% an Gewicht. Bei weiterem 
Trocknen bei 110° ändert sich das Gewicht nicht mehr. 

d) Die Krystalle haben die Zusammensetzung: 52,42% C, 6,83% H, 
15,66% N, 1,46% S, 0,1% Asche, 0,561% leicht abspaltbare S, Fe-Spur, kein P. 
Die Krystalle lösen sich sehr schwer in kaltem Wasser; die Lösungen reagieren 
gegen Lackmus schwach sauer, ohne dass Schwefelsäure dabei nachweisbar ist. 
In Harnstofflösung (2%) sind sie etwas besser löslich. In kochendem Wasser 
lösen sie sich völlig und bleiben beim Abkühlen in Lösung. Die Erhitzung hat 
aber das Eiweiss verändert, denn diese Lösung ist im Gegensatz zu der salzfrei 
dialysierten Lösung des Ammoniumsulfatniederschlages des Harns durch geringe 
Mengen anorganischer Salze (Ammoniumsulfat, Chlorammonium, Kochsalz) fällbar. 

e) Die kalt gesättigte wässerige Lösung war fällbar durch Alkohol, durch 
Salpetersäure in der Kälte (Lösung beim Erwärmen), durch konzentrierte NaCl- 
Lösung und Essigsäure, durch Sättigen mit NaCl, durch verdünnte Kupfersulfat- 
lösung, durch Essigsäure -Ferrocyankalium (Lösung beim Erwärmen), durch 
Pikrinsäure, durch Metaphosphorsäure, Trichloressigsäure (letztere beiden lösen 
sich beim Erwärmen). Die Probe von Adamkiewicz war deutlich violett, die 
Probe von Mo lisch positiv, die Biuretprobe rotviolett. 

f) Dass bei Einwirkung von Pepsinsalzsäure alle bisher bekannten Ver- 
dauungsprodukte der nativen Eiweisskörper entstehen, ist schon erwähnt. 

C. N a c hweis und Darstellung. Zum Nachweis dient vor 
allem das eigentümliche Verhalten des im Harn gelösten Eiweisses beim 
Erwärmen (s. vorher). Ferner kann eine Schichtprobe mit starker Salz- 
säure, namentlich wenn der Eiweisskörper nur in geringer Menge vor- 
handen ist, zur Entdeckung dieses Eiweissstoffes dienen. Im übrigen 
sind die oben erwähnten Eigenschaften zur Charakterisierung heran- 
zuziehen. Die Darstellung des Eiweissstoffes kann entweder darauf aus- 
gehen, nach dem von Grutterink und Graaff angegebenen Ver- 
fahren deri Eiweisskörper in Krystallform abzuscheiden, oder aber darauf, 
den durch Aussalzen gewonnenen amorphen Niederschlag weiterhin zu 



•) F. Reach, Deutsches Archiv f. klin. Med. 82. 390. 1905. 



1190 Schulz, Eiweisskörper. 



reinigen. Zum Aussalzen genügt der Zusatz des doppelten Volumens 
konzentrierter Ammoniumsulfatlösung zu dem Harn. Man kann natür- 
lich auch Ammoniumsulfat in Substanz in dem Harn auflösen und 
sich durch Proben von der Vollständigkeit der Ausfällung überzeugen. 
Die Reinigung kann geschehen durch wiederholtes Auflösen und Wieder- 
fällen dieses Ammoniumsulfatniederschlages. 

Neumeister 1 ) gibt folgende Vorschrift. Man salzt den Eiweiss- 
körper mit Ammoniumsulfat aus und trägt den abgepressten, noch 
feuchten Niederschlag in 3 o/o ige siedende Kochsalzlösung ein unter 
tropfenweiser Zugabe von Salzsäure, bis Lösung erfolgt ist. Man filtriert 
mit Hilfe eines Heisswassertrichters ; aus dem völlig klaren Filtrate 
scheidet sich dann beim Abkühlen ein Niederschlag aus, der durch 
Dekantieren und Zentrifugieren von der Mutterlauge getrennt wird und 
dann wiederholt noch mit Wasser gewaschen und zentrifugiert wird, 
bis der Niederschlag von Salzen frei ist, was daran zu erkennen ist, 
dass er ;sich beim Zentrifugieren nicht mehr völlig absetzt, sondern sich 
durch milchige Trübung zu lösen beginnt. Dann bringt man den Nieder- 
schlag in einen Pergamentschlauch oder in einen Dialysator und dia- 
lysiert mehrere Wochen, bis in der Aussenflüssigkeit (gesättigtes Chloro 
formwasser, das häufig gewechselt wird) kein Kochsalz mehr nachweisbar 
ist. Der neutral reagierende Inhalt des Schlauches oder des Dialysators 
wird in einem Becherglase mit absolutem Alkohol versetzt, der abge- 
schiedene Eiweisskörper abfiltriert, mit absolutem Alkohol und Äther 
gewaschen und im Vakuum getrocknet. 

Dieses Darstellungsverfahren bedeutet sicher eine gründliche Reini- 
gung, aber auch eine weitgehende Veränderung des im Harn zunächst 
vorhandenen Eiweisskörpers. 

Anhang. 

Der krystallinische Eiweisskörper des Harns. 

Meist zu den Fällen von „Bence-Jones" gerechnet wird ein 
von Byrom-Bramwell und Noel-Paton 2 ) beschriebener Fall. 
Es ist aber heute nicht mehr feststellbar, ob der Fall hierher gehört. Ob 
Knochenmarksveränderungen vorlagen, ist nicht bekannt. Die Eigen- 
schaften sind nicht ganz typisch, namentlich was das Verhalten beim 
Erwärmen anbelangt. 

*) R. Neumeister, Lehrbuch d. physiol. Chemie. IL Aufl. S. 805. 1897. 

2 ) Byrom-Bramwell und Noel-Paton, Reports from the Laboratory 
of the R. Coli of Physicans, Edinburgh 4. 47. 1892. — Noel-Paton, Proc. Roy. 
Soc. Edinburgh 1892. 102. — Ausführlich mitgeteilt bei Hup per t, Zeitschr. f. 
physiol. Ch. 22. 500. 1897. 



KrystalUnischer Eiweisskörper des Harns. 1191 



Fall von Byrom-Bramwell und Noel-Paton. Dieser Fall ist darum 
von Bedeutung, weil der in ihm enthaltene Eiweisskörper krystallisiert 
erhalten wurde. Tägliche Harnmengen von ungefähr 1,5 Liter, hohe Dichte (1,030), 
Reaktion sauer, Eiweissgehalt gewöhnlich 2 — 3% (1,5 — 7,5), Cylinder oder Epi- 
thelien nicht vorhanden. Beim Erwärmen des Harns trat erst milchige Trübung 
ein, dann folgte plötzlich die Abscheidung einer faserigen, fibrinähnlichen, kleben- 
den, dehnbaren und elastischen Masse; der Harn erstarrte dabei fast in ganzer 
Masse. Die Koagulation begann bei 59 — 60° und war bei 62° vollendet. 

Beim Aufbewahren schied der Harn in der Regel den Eiweisskörper kry- 
stallinisch ab, manchmal schon nach 1 — 2 Tagen, manchmal erst nach Wochen 
und Monaten. Das entstandene krystallinische Sediment machte bei der ersten 
Wahrnehmung desselben V 5 des Harnvolumens aus. Nach Noel-Paton konnte 
der Eiweisskörper auch ausserhalb des Harns zur Krystallisation gebracht werden, 
wenn der frische Harn mit dem gleichen Volumen gesättigter Ammonsulfatlösung 
vermischt, der entstandene Niederschlag mit halbgesättigter Ammonsulfatlösung 
gewaschen und in einem Pergamentschlauch nach Zusatz von etwas Thymol erst 
drei Tage gegen fliessendes Wasser, dann noch 48 Stunden gegen oft gewechseltes, 
destilliertes Wasser dialysiert wurde. 

Die spontan entstandenen und die in angegebener Weise erhaltenen Krystalle 
waren gleich. Sie bildeten farblose lange schmale Tafeln mit zweiflächiger, stumpf- 
winkliger Zuspitzung. Aus ihren Lösungen (Harn) schieden sie sich in kugeligen 
Aggregaten höchstens von Stecknadelkopfgrösse aus. Sie waren unlöslich in 
kaltem und in heissem Wasser sowie in Alkohol, aber löslich in verdünnten Neutral - 
Salzlösungen. In gesättigter Chlornatriumlösung lösten sie sich nicht, wohl aber in 
verdünnte rer; nicht in 100%iger Magnesiumsulfatlösung, aber in 93%iger; teil- 
weise in 16%iger Ammonsulfatlösung, vollständig aber in verdünnterer. Sie 
lösten sich ferner in Säuren (Salzsäure, Schwefelsäure, Essigsäure) und in Alkali- 
hydraten (Kalilauge, Ammoniak) ; beim Verdunsten der ammoniakalischen Lösung 
traten die Krystalle manchmal wieder auf. 

Durch diese Löslichkeitsverhältnisse erscheint die Fähigkeit der Substanz 
bedingt, sich aus dem Harn krystallinisch abzuscheiden. Die Krystalle traten 
nur dann auf, wenn der Harn seine saure Reaktion beibehielt; wurde er beim Auf- 
bewahren ammoniakalisch, was übrigens nur auffallend selten geschah, so blieben 
die Krystalle aus. Dass sie sich überhaupt bildeten, wird darauf bezogen, dass 
neben dem Eiweisskörper relativ wenig Salze im Harn zugegen waren. So wurde 
einmal der Salzgehalt zu nur 1,475% bestimmt. 

Die Krystalle sind von Murray analysiert worden. 0,965 g Substanz hinter- 
liess beim Verbrennen eine unwägbare Menge Asche. Bei 110° verloren die Krystalle 
6,01 und 6,6% an Gewicht. Bei der Verbrennung gaben sie im Mittel zweier gut 
stimmender Analysen 51,89% C, 6,88 H, 16,06 N, 1,24 S und 23,93% O. Phosphor 
enthielten sie nicht. 

Die Lösung der Krystalle in Neutralsalzlösung koagulierte je nach der Art 
des Salzes bei 56 — 59°. Sie gaben die Xanthoproteinreaktion und die Lieber- 
mannsche Eiweissreaktion ; beim Erwärmen mit konzentrierter Schwefelsäure 
färbten sie sich rot. Beim Erhitzen entwickelten sie den Geruch nach verbrannten 
Federn. 



IV. Die Album os en des Harns. 

Gerade auf diesem Gebiete ist die Nomenklatur eine ausserordent- 
lich wechselnde gewesen, so dass es notwendig ist, vorab einige Defini- 
tionen zu geben, die dem jetzt bei den physiologischen Chemikern all- 
gemein üblichen entsprechen. Man geht am besten aus von den bei der 
Magenverdauung durch Pepsinsalzsäure entstehenden Produkten. Als 



1192 Schulz, Ei weisskörper. 



erstes Umwandlungsprodukt wird das Acidalbumin betrachtet. Es 
unterscheidet sich von dem unveränderten Eiweiss im wesentlichen da- 
durch, dass es 1. beim Erhitzen in schwach saurer Lösung nicht ko- 
aguliert, 2. dass es in verdünnten Neutralsalzlösungen unlöslich ist, dass 
also beim Neutralisieren der sauren oder auch der alkalischen Lösung 
ein Neutralisationsniederschlag entsteht. 3. Ist das Acidalbumin sehr 
leicht durch Neutralsalze aussalzbar. Es steht dem unveränderten Ei- 
weiss insofern noch nahe, als es, wenn es gefällt ist, leicht koagulier- 
bar ist. 

Ein Vorkommen von Acidalbumin im unzersetzten Harn ist bisher nicht 
beobachtet worden. 

Bei den eigentlichen Verdauungsprodukten unterscheidet man Al- 
bumosen und Peptone. Als Peptone im modernen Sinne des 
Wortes bezeichnet man die eiweissartigen Verdauungsprodukte, welche 
mit Ammoniumsulfat nicht aussalzbar sind. Diese Bezeichnung stammt 
von Kühne und seiner Schule her. Brücke bezeichnete mit dem 
Namen Pepton ein Gemenge, das sich im wesentlichen mit dem heutigen 
Begriff „sekundäre Albumosen" deckt. Das echte Pepton im Sinne 
Kühnes, das hier von jetzt ab mit dem Namen Pepton schlecht- 
weg bezeichnet werden soll, ist im Harn mit Sicherheit wohl überhaupt 
nicht nachgewiesen. 

Untersuchungen von Devoto, von Schütz (in Hupperts Laboratorium), 
Schutter, Senz, Hirschfeld, Jankowski, Stadelmann vermissten dasselbe 
im Harn Kranker. Nach Thomson fehlt es im Harn Schwangerer, und nach 
Sior x ) im Harn gesunder und kranker Kinder. 

Nur Ito 2 ) hat neuerdings angegeben, dass sich bei Verarbeitung grösserer 
Harnmengen (300 ccm) und nach einem besonderen, von ihm angewandten Verfahren 
verhältnismässig häufig echtes Pepton neben Albumosen nachweisen lasse. Er 
fand in acht Fällen von Pneumonia crouposa 7 mal Albumosen (im Alkohol - 
niederschlag), 6 mal Pepton, in zwei Fällen von Pleuritis supurativa fehlten 
Albumosen und Pepton, in fünf Fällen von Phthisis fanden sich 3 mal Albumosen 
und 1 mal Pepton. Bei 13 Wöchnerinnen fand er 5 mal Albumosen, 1 mal Pepton. 
Bei Schwangeren, sowie bei Ulcus ventriculi fehlte Pepton. Eine Bestätigung 
dieser Angaben ist nicht erfolgt. 

Dagegen finden sich häufiger im Harn Albumosen. Albu- 
mosen sind zu definieren als nicht koagulierbare, in neutralen ver- 
dünnten Salzlösungen lösliche Eiweissstoffe, welche mit Ammonium- 
sulfat aussalzbar sind. Man unterscheidet zunächst primäre Albu- 



*) L. Devoto, Zeitschr. f. physiol. Ch. 15. 471. 1891. — J. A. Schutter, 
Jahresber. f. Tierch. 1886. 228; 1888. 117. — K. Senz, Über Albumosen und 
Peptonurie. Diss. Berlin 1891; Zentralbl. f. d. med. Wissensch. 1892. 825. — 
H. Hirschfeldt, Diss. Dorpat 1892. — P. Jankowski, Diss. Dorpat 1893. — 
E. Stadelmann, Untersuchungen über die Peptonurie. Wiesbaden 1894. — 
H. Thomson, Deutsche med. Wochenschr. 44. 1889. — L. Sior, Jahresber. f. 
Kinderheilk. 37. 352. 

2 ) Midori Ito, Deutsches Archiv f. klin. Med. 71. 29. 1901. — S. auch 
Rostoski, Sitzungsber. d. Würzburger med.-physik. Gesellsch. 1901. 



Albumosen. 1193 



mosen und sekundäre Albumosen (Deuteroalbumosen). Die 
primären Albumosen sind bei neutraler Reaktion aussalzbar 
durch halbe Sättigung mit Ammoniumsulfat, die man am einfachsten 
erreicht, indem man zu der betreffenden Albumosenlösung das gleiche 
Volum einer kalten gesättigten, neutral reagierenden Lösung von Am- 
moniumsulfat hinzugibt. Die primären Albumosen entsprechen also der 
Globulininfraktion des Bluteiweisses. Die primären Albumosen werden 
wiederum getrennt in Heteroalbumose und Protalbumose. 
Unterwirft man eine Lösung der primären Albumosen der Dia- 
lyse, so fällt die Heteroalbumose aus. Lässt man diesen Hetero- 
albumosenniederschlag unter Wasser stehen, so koaguliert derselbe schon 
in der Kälte langsam, d. h. er verliert die Fähigkeit, sich in verdünnter 
Salzlösung wieder aufzulösen. Intensiver wirkt auf den Niederschlag 
siedendes Wasser, sowie Alkohol koagulierend. Diese koagulierte 
Heteroalbumose hat man auch als Dysalbumose bezeichnet. 
Die sekundären Albumosen (Deuteroalbumosen) entsprechen in 
ihrem Verhalten gegen Ammoniumsulfat etwa den Albuminen; sie sind 
in halbkonzentrierter neutraler Ammoniumsulfatlösung löslich, dagegen 
fällbar beim Sättigen der Lösung mit Ammoniumsulfat; sie sind nicht 
fällbar bei Dialyse ihrer salzhaltigen Lösungen. Es genügt dabei aber 
nicht das Sättigen bei neutraler Reaktion, sondern man muss, um un- 
bedingt alles mit Ammoniumsulfat Aussalzbare zu entfernen, nachdem 
man bei neutraler Reaktion ausgesalzen hat, die Flüssigkeit ansäuern 
und nochmals mit Ammoniumsulfat sättigen und dann wiederum nach 
Entfernung des eventuell auftretenden Niederschlages nochmals bei al- 
kalischer Reaktion fällen. Auch haben die mit Ammoniumsulfat ge- 
sättigten Lösungen die Neigung, nachdem sie durch Filtration geklärt 
sind, nachträglich sich wieder zu trüben und leichte Niederschläge ab- 
zusetzen. Es geht daraus hervor, dass es nicht so einfach ist, eine 
ganz sichere Abtrennung der sekundären Albumosen von dem Pepton 
herbeizuführen. Die sekundären Albumosen hat man in verschiedene 
Fraktionen wieder zerlegt, wovon später noch die Rede sein soll. Für 
die praktischen Zwecke der Harnuntersuchung spielen diese Unter- 
abteilungen der sekundären Albumosen keine Rolle, zumal auch die 
primären Albumosen, sowie das Pepton, keineswegs als rein und ein- 
heitlich gelten können. 

Das a- und b-Pepton Meissners, sowie sein Metapepton waren Albumosen. 
Das Peptonum sicc. von Witte (Rostock), sowie andere käufliche, sog. „Pep- 
tone" bestehen wesentlich aus Albumosen. 

Es sollen zunächst die V e r d a u u n g s a 1 b u m o s e n und das 
Pepton in ihren wesentlichen Eigenschaften charakterisiert werden. 



1194 Schulz, Ei weisskörper. 



1. Die Verdauungsalbum osen. 

Unsere jetzigen Kenntnisse von der Beschaffenheit der Albumosen 
rühren von Kühne und seinen Schülern, sowie von der Hofmeister- 
schen Schule 1 ) her; bei einer näheren Charakterisierung der Harnalbu- 
mosen hat man auf die Eigenschaften der Verdauungsalbumosen Bezug 
zu nehmen. 

Die unten angeführten Eigenschaften sind hauptsächlich die der durch 
Pepsinverdauung gewonnenen Fibrinalbumosen. Albumosen anderer Darstellungs- 
weisen oder aus anderen Eiweisskörpern bieten in einzelnen Punkten Abwei- 
chungen dar. 

Eigenschaften. 1. Die sekundären Albumosen und die Prot- 

albumosen lösen sich leicht in Wasser, die Heteroalbumose dagegen 

nur sehr wenig, bei 40° besser als in der Kälte (Neuraeister) 2 ). 

Alle Albumosen lösen sich in massig konzentrierten Neutralsalzlösungen, 

in verdünnten Säuren, in Alkalihydraten und in Alkalicarbonaten. 

Aus der Lösung in Säuren oder in Alkalien wird die Heteroalbumose durch 
Neutralisieren wegen der lösenden Wirkung des beim Neutralisieren gebildeten 
Salzes nicht vollständig gefällt. Durch Kohlensäure wird eine alkalische Albumose- 
lösung nach Adamkiewicz nur getrübt, nicht gefällt. Der durch Verdünnung 
einer Heteroalbumoselösung in Salzwasser auftretende Niederschlag löst sich 
nicht bloss in Neutralsalz, sondern auch in den genannten Reagentien. 

Unter Alkohol, beim Aufbewahren in trockenem Zustande, bei der Fällung 
durch Sättigen mit Salz, beim Kochen verliert die Heteroalbumose teilweise oder 
ganz die Fähigkeit, sich in Kochsalz zu lösen. Die koagulierte Albumose (Dys- 
albumose) löst sich langsam, aber vollständig in Salzsäure von 0,1- — 0,2% und 
gibt beim Neutralisieren Heteroalbumose und Dysalbumose. Sie löst sich in der 
Wärme in Sodalösung von 1% und wird dabei wieder in Heteroalbumose über- 
geführt (in Salzwasser löslich, durch Dialyse abscheidbar). In selbst salzfreier 
Deuteroalbumoselösung löst sich nach Neumeister 3 ) Dysalbumose und wird 
aus dieser Lösung bei Abwesenheit von Protalbumose durch Steinsalz nicht gefällt; 
Salpetersäure erzeugt in einer solchen Lösung keinen Niederschlag, wohl aber 
Kupfersulfat einen im Überschuss unlöslichen. 

2. a) Alle Albumosen werden aus schwach alkalischer, neutraler 

oder schwach saurer Lösung durch Sättigen derselben mit Amnion- 

sulfat oder auch Zinksulfat gefällt (W e n z , Pick) 4 ). 

Nach Kühne 5 ) lassen sich die schwer fällbaren Anteile der Albumose nur 
in der Weise vollständig abscheiden, dass man die Lösung nacheinander bei al- 
kalischer und bei saurer Reaktion mit Ammonsulfat sättigt. 

*) Kühne und Chittenden, Zeitschr. f. Biol. 20. 11; 22. 409; 25. 358. — 
Chittenden, Studies from the laborat. of physiol. ehem. Sheffield scient. school 
of Yale University 2. 126. u. 156. 1887. — Kühne, Zeitschr. f. Biol. 29. 1. 308; 
30. 221. — R. Neumeister, Ebenda 23. 381. 402; 24. 267; 26. 57. 324; Lehrbuch 
d. physiol. Ch. 1. 184. 1893. — Eine selbständige Untersuchung der Albumose 
von Hertha Monatshefte f. Ch. 5. 266. — E. P. Pick, Zeitschr. f. physiol. Ch. 
24. 246. 1897. — E. Zunz, Ebenda 27. 219. 1899. — F. Hofmeister, Ergebn. 
d. Physiol. (Spiro-Asher) I. 1. 759. 1902. 

2 ) Neumeister, Zeitschr. f. Biol. 24. 269. 

3 ) Neumeister, Zeitschr. f. Biol. 23. 393. 

4 ) J. Wenz, Zeitschr. f. Biol. 22. 10. — E. P. Pick 1. c. 

5 ) Kühne, Zeitschr. f. Biol. 29. 1. 



Verdauimgsalbumosen. Eigenschaften. 1195 



b) Durch Sättigen ihrer Lösungen mit Kochsalz wird die 

Heteroalbumose fast vollständig, die Protalbumose nur teilweise (etwa 

zur Hälfte) niedergeschlagen, die Deuteroalbumose dagegen gar nicht. 

Der in Lösung bleibende Rest der Heteroalbumose kann durch Dialyse, 

der Rest der Protalbumose, sowie ein Teil der Deuteroalbumose, aus 

der mit Salz gesättigten Lösung durch Essigsäure abgeschieden werden. 

Die Dysalbumose ist in Salzwasser unlöslich. 

Eine Heteroalbumoselösung in Salzwasser trübt sich beim Verdünnen 
mit Wasser, eine gesättigte sogleich, eine nicht gesättigte erst nach stärkerem 
Verdünnen. 

3. Alkohol fällt alle Albumosen vollständig aus ihren neutralen 
Lösungen, wobei nur die Heteroalbumose teilweise koaguliert (in Dys 
albumose übergeführt) wird. Die beiden anderen Albumosen lösen sich 
nach dem Fällen wieder leicht und vollständig in Wasser. Aus saurer 
oder alkalischer Lösung fällt Alkohol die Albumosen nicht; aus einer 
solchen Lösung in 60o/oigem Alkohol wird die Albumose nach Hof- 
meister beim Neutralisieren nahezu vollständig in Flocken abge- 
schieden. 

4. Die Lösungen drehen die Ebene des polarisierten Lichtes 

nach links. 

Nach Salkowski beträgt [a]u = — 78 bis — 80°. Kühne u. Chittenden *) 
bestimmten die spezifische Drehung der Heteroalbumose zu — 60,7 bis — 68,7°, 
die der anderen Albumosen zu — 70,5 bis — 81,2° mit ebenso grossen Schwankungen 
für ein und dieselbe Albumose. 

5. Die Heteroalbumose dialysiert nach Kühne 2 ) in neu- 
traler oder schwach saurer Lösung nur ganz unwesentlich, in alkalischer 
Lösung merklich, aber auch nur langsam. Die Protalbumose und die 
Deuteroalbumosen dialysieren in schwach saurer Lösung besser als 
in alkalischer; von beiden dialysiert aber die Protalbumose schneller 
als die Deuteroalbumose. 

Das Verhalten der verschiedenen Albumosen beim Aussalzen ist 
namentlich von E. P. Pick zur Charakterisierung und Fraktionierung 
benutzt worden. Die wesentlichen Ergebnisse der Pick sehen Unter- 
suchungen hat Hofmeister 3 ) in beistehender Tabelle zusammen- 
gestellt. 

6. a) Eine mit Heteroalbumose gesättigte, neutrale 
Lösung in schwacher (lo/oiger) Kochsalzlösung gibt beim Erwärmen 
eine starke Trübung, welche ihr Maximum bei ungefähr 60° erreicht; 



x ) Salkowski, Virchows Archiv 81. 560. — Kühne und Chittenden 
a. a. O 20 51 

2 ) Kühne, Zeitschr. f. Biol. 29. 20. 

3 ) E. P. Pick, 1. c. — F. Hofmeister, Ergebnisse der Physiol. I. 1. 
759. 1902. 

Neu bauer-Huppert, Analyse des Harna. 11. Aufl. 76 



1196 



Schulz, Ei weisskörper. 



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Verdauungsalbumosen. Eigenschaften. 1197 



Säure und Salz scheinen den Koagulationspunkt herabzusetzen. Die 
Trübung verschwindet in viel Essigsäure vollkommen, löst sich aber 
nicht wieder in der Wärme und nicht in Kochsalz. Versetzt man 
dieselbe Lösung vor dem Kochen mit Kochsalzlösung gleicher oder 
stärkerer Konzentration, so ist die beim Erhitzen auftretende Trübung 
um so geringer, je mehr Salz zugesetzt wurde, und bleibt endlich 
ganz aus. Solche Lösungen mit überschüssigem Salz, welche beim 
Kochen noch trüb werden, trüben sich beim Erkalten unter Abscheidung 
eines undeutlich flockigen Niederschlags stärker als vorher, ohne dass 
jedoch die Albumose vollständig ausfällt. Durch einen passenden Salz- 
zusatz lassen sich nach Kühne und Chittenden ungesättigte Albu- 
moselösungen herstellen, die beim Erwärmen milchig, dann beim Kochen 
klar werden und beim Erkalten Flocken absetzen. 

Es kommt dabei aber nicht allein auf das Verhältnis der Menge der Albumose 
zur Menge der Salzlösung, sondern auch auf die Konzentration der Salzlösung 
an; so kann eine Albumoselösung in 3%iger Kochsalzlösung, welche sich beim 
Erhitzen nur wenig und beim Erkalten nicht viel stärker trübt, nach dem Ver- 
dünnen mit l%iger Salzlösung beim Erhitzen und Erkalten einen bedeutenden 
Niederschlag geben. 

Dieses Verhalten von Heteroalbumosenlösung gab Hup per t Anlass, den 
Bence-Jonesschen Eiweisskörper (s. dort) und die Heteroalbumose in Parallele 
zu setzen, ja sogar zu identifizieren. 

b) Die mit Kochsalz gesättigten Lösungen der sekundären 
Albumosen trüben sich bei der ihnen eigentümlichen schwach al- 
kalischen Reaktion beim Kochen gar nicht. 

c) Versetzt man die Lösung einer Albumose mit dem gleichen 
Volumen gesättigter Kochsalzlösung (Steinsalz) und darauf mit Essig- 
säure, so entsteht ein Niederschlag, der sich beim Erwärmen löst und 
beim Erkalten wieder auftritt. Die primären Albumosen geben dabei 
noch bei einer Verdünnung von 1 : 1000 eine deutliche Trübung, die 
Deuteroalbumose bloss bei 1 : 100 (Neumeiste r) x ). 

Setzt man zu wenig Essigsäure zu, so löst sich der Niederschlag in der 
Wärme nicht vollständig; verwendet man zu viel Essigsäure, so kann sich der 
Niederschlag schon in der Kälte lösen oder er tritt gar nicht erst auf. — Nur die 
Albumosen des Fibrins geben diese Reaktion, die Deuteroalbumosen aus Myosin, 
Vitellin, Eiereiweiss geben sie dagegen nicht. 

Eine in der Wärme klar bleibende Lösung von Heteroalbumose in Salz- 
wasser trübt sich nach Kühne und Chittenden auf Zusatz von Essigsäure, 
Salpetersäure oder Salzsäure und klärt sich durch mehr Säure wieder. Salpeter- 
säure färbt die Lösung, schon in der Kälte, zugleich gelb. Die wieder klar ge- 
wordenen Lösungen bleiben auch beim Kochen und Wiedererkalten klar; fügt man 
mehr Kochsalz hinzu, so entsteht aufs neue ein Niederschlag; das Auftreten des 
Niederschlages ist also von dem Verhältnis zwischen Salz und Säure abhängig. 
Erhitzt man eine derartige trübe Lösung oder eine solche, die von vornherein nur 
mit so viel Säure versetzt worden war, dass eine eben merkliche Trübung entstand, 
so nimmt die Trübung in der Wärme zu, verschwindet beim Kochen und kehrt 

x ) Neumeister, Zeitschr. f. Biol. 26. 334. 

76* 




1198 Schulz, Eiweisskörper. 



in der Kälte wieder. Der Niederschlag ist auch hier kein vollständiger, es bleibt 
immer noch Albumose in Lösung. 

Eine alkalische Heteroalbumosenlösung kann beim Kochen völlig klar 
bleiben. 

d) Wird eine mit Heteroalbumose nahezu gesättigte Lösung in Kochsalz 
von 3 — 4% tropfenweise mit konzentrierter Salzsäure versetzt, bis sich der 
anfangs entstehende Niederschlag beim Umschütteln wieder löst, so wird beim 
Neutralisieren ein Teil der Albumose gefällt. Ebenso gibt eine mit konzentrierter 
Natronlauge versetzte, nahezu gesättigte Heteroalbumoselösung beim Neutralisieren 
einen Niederschlag. Kühne und Chittenden nehmen an, dass dabei ein dem 
Alkalialbuminat vergleichbarer Körper, Albumosat, entsteht. Kochen der 
Albumose mit verdünnter Soda oder Salzsäure von 0,2% ändert ihre Eigen- 
schaften dagegen nicht. 

7. Salpetersäure gibt mit einer wässerigen Deutero- 
albumose lösung keinen Niederschlag, er tritt erst auf Zusatz von 
Kochsalz auf und bei den meisten Deuteroalbumosen (aus Fleisch, Eier- 
eiweiss etc.) erst in salzgesättigter Lösung. Die Flüssigkeit färbt sich 
aber schon in der Kälte gelb. Die primären Albumosen geben da- 
gegen auch ohne Salzzusatz Fällung bei einer Verdünnung von 3 : 100. 

Bei Zusatz von wenig Säure verschwindet der Niederschlag beim Um- 
schütteln wieder, durch mehr Säure wird er dauernd und ein weiterer Zusatz von 
Säure löst den Niederschlag wieder. Ein massiger Niederschlag verschwindet 
beim Erwärmen und tritt beim Erkalten wieder auf. 

8. Durch Essigsäure und Ferro cyankalium werden die 
primären Albumosen gefällt; die sekundären Albumosen werden im allge- 
meinen nicht gefällt (K u t s c h e r , P i c k) x ) ; nur die Deuteroalbumosen A 
(nach Pick) zeigen mit Essigsäure-Ferrocyankalium eine Spur von 
Trübung. Die Niederschläge lösen sich (der aus Heteroalbumose bei 
Gegenwart einer genügenden, einige Prozent betragenden Menge Salz) 
in überschüssiger Essigsäure, massige Niederschläge lösen sich auch 
beim jErwärmen und treten beim Erkalten wieder auf. Die Niederschläge 
unterscheiden sich aber darin, dass sich die der sekundären Albumosen 
in Kochsalz lösen, die der Heteroalbumose dagegen nicht. 

Bei Zusatz von zu viel Essigsäure kann der Ferrocyankaliumniederschlag 
ganz ausbleiben, und auf Zusatz von zu viel Ferro cyankalium brauchen die sekun- 
dären Albumosen gar nicht auszufallen. Die Gegenwart von Pepton wirkt störend. 

9. T r i c hl o r e s s ig säur e gibt nach Obermayer mit Albu- 
mosen einen in der Wärme löslichen Niederschlag. Nach Martin 2 ) 
wird Heteroalbumose am leichtesten gefällt, Deuteroalb umose am 
schwersten ; verdünnte Deuteroalbumoselösung gibt mit Trichlor- 
essigsäure keinen Niederschlag. Die Niederschläge lösen sich in Lauge. 
Von den Pick sehen Fraktionen gibt die sekundäre Albumose A eine 
starke Fällung, B ebenfalls einen Niederschlag, C nur eine Opalescenz. 



x ) F. Kutscher, Zeitschr. f. physiol. Ch. 23. 116. 1897. E. P. Pick, I.e. 
2 ) Fr. Obermayer, Wiener med. Jahrb. 1888. 375; Jahresber. f. Tierch. 
1889. 7. — C. J. Martin, Journ. of Physiol. 15. 377. 



Verdauungsalbumosen. Eigenschaften. 1199 

10. Von Metallsalzen fällen schwefelsaures Kupfer, sowie beide Blei- 
acetate in Kochsalz gelöste Heteroalbumose stark, die Niederschläge sind im 
Überschuss der Reagentien unlöslich. Quecksilberchlorid fällt nur die mit Essig- 
säure versetzte Lösung, der Niederschlag löst sich erst in einem sehr grossen Über- 
schuss von Eisessig. 

Mit der wässerigen Lösung der Protalbumose geben Kupfersulfat und 
Bleiessig im Überschuss lösliche, in der Wärme unlösliche Niederschläge, Queck- 
silberchlorid einen im Überschuss unlöslichen Niederschlag. Durch Kupfer- 
sulfat sind nach Neumeister x ) noch Spuren der Protalbumose (1: 10 000) 
nachweisbar. Bleizucker fällt nur die genuin alkalische, nicht die angesäuerte 
Lösung, der Niederschlag ist im Überschuss des Reagens löslich. 

Die Deuteroalbumosen geben mit den Metallsalzen dieselben Reaktionen 
wie die Protalbumosen, nur werden sie nach Neumeister selbst in konzentrierter 
Lösung durch Kupfervitriol nicht gefällt. ■ — Dies gilt für das Gemenge von 
sekundären Albumosen, wie es durch Sättigen einer Lösung von sekundären 
Albumosen mit Ammoniumsulfat erhalten wird. Bei Fraktionierung nach Pick 
erhält man eine „sekundäre Albumose A", welche durch CuS0 4 fällbar ist. 

Kupferoxydul (Kupfervitriol in Gegenwart von Bisulfit) fällt die (sekun- 
dären) Albumosen quantitativ (Hup per t) 2 ). 

11. Bei dem Hof meist ersehen Verfahren zur Entfernung des Ei weisses 
beim Nachweis des Harnpeptons (Fällen durch Eisenchlorid bei neutraler Re- 
aktion, S. 1125) werden nach Neumeister,sowie nach Matthes 3 ) die Albumosen, 
im besonderen die Deuteroalbumose, nur höchst unvollständig niedergeschlagen. 

12. Chondroitinsäure gibt nach Mörner mit Albumosen in Gegenwart 
von 0,2% Salzsäure oder Essigsäure eine in Chlornatrium leicht lösliche, milchige 
Trübung, und durch Nucleinsäure werden Albumosen entschieden weniger leicht 
gefällt als Ei weiss, doch gibt eine neutrale Nucleinsäurelösung nach Kutscher 
mit Albumose einen Niederschlag von Nuclein. — ■ Taurocholsäure fällt nach 
Maly und Emich Albumose nicht; der sich bildende Niederschlag besteht aus 
Taurocholsäure. — Ein sehr empfindliches Fällungsmittel ist nach Kossei sowie 
nach Kutscher das Protamin, aber nur für die Protalbumose, nicht für die 
Deuteroalbumose; der Niederschlag tritt noch ein bei einer Verdünnung von mehr 
als 1 : 10 000. — Nach Loew 4 ) wird Albumose (Wittesches Pepton) im Gegen- 
satz zu Eiereiweiss und Kühneschem Pepton durch Formaldehyd sofort gefällt. — 
Mit einer Lösung von Globulin oder Syntonin in der gerade genügenden Menge 
Natriumcarbonat, aber nicht mit Serum- oder Eieralbumin geben nach Kutscher 
Proto- und Deuteroalbumose Niederschläge, welche sich in überschüssigem Alkali 
und in Säure lösen. 

13. Alkaloidreaktionen. Von Phosphorwolframsäure und Phos- 
phormolybdänsäure werden nach Neumeister nur die primären Albumosen 
vollständig niedergeschlagen, von der Deuteroalbumose entgehen geringe Mengen 
der Fällung. AI mensche Tanninlösung fällt die Albumosen (noch bei 1 : 100 000), 
die Deuteroalbumose löst sich aber in salzfreier Flüssigkeit nach Kutscher, 
wie das Kühne sehe Pepton, im Überschuss des Reagens. — Jodquecksilber- 
kalium (in schwach salzsaurer Lösung), sowie überschüssige Pikrinsäure geben 
nach Neumeister selbst mit sehr verdünnten Albumoselösungen voluminöse 
Niederschläge; der mit dem Quecksilbersalz erzeugte Niederschlag löst sich beim 
Sieden in der sauren Flüssigkeit. Auch die Niederschläge, welche Metaphos- 
phorsäure und Pikrinsäure mit den Albumosen geben, lösen sich in der Wärme 
wieder auf. Bei den Pikrinsäureniederschlägen ist das besonders 



x ) Neumeister, Zeitschr. f. Biol. 23. 383. 

2 ) Hupp er t, Zeitschr. f. physiol. Ch. 22. 559. 

3 ) Neumeister, Zeitschr. f. Biol. 26. 334. — M. Matthes, Berliner 
klin. Wochenschr. 31. 531. 1894. 

4 ) K. A. H. Mörner, Skandin. Archiv 6. 379 u. 374. 1895. — Kutscher, 
a. a. O. — Maly und Emich, Monatsh. f. Ch. 4. 96. — Kossei, Deutsche med. 
Wochenschr. 1894. 147. — Loew, Jahresber. f. Tierch. 1888. 273. 



1200 Schulz, Eiweisskörper. 



schön zu beobachten. — Die Fällungen der Deuteroalbumosen mit Jodqueck- 
silberjodkalium, Jodwismutjodkalium, Jodjodkalium und HCl sind zum Teil im 
Überschuss von HCl leicht löslich. — Die Metaphosphorsäure fällt nach Kühne 
und Chittenden die Albumosen nicht vollständig, es bleibt ein durch Sättigen 
der Lösung mit Ammonsulfat noch fällbarer Anteil derselben in Lösung. Die 
Pyrogallus säure ist entgegen der Angabe von Axenfeld x ) kein spezifisches 
Fällungsmittel der Albumosen. Über andere Alkaloidreaktionen der Albu- 
mosen s. S. 1087. — Bang 2 ) hat in dem Gemenge der Albumosen auch Stoffe ge- 
funden, die durch die Alkaloidreagentien bei neutraler Reaktion und durch 
Alkalien gefällt werden, also überwiegend basischer Natur sind. 

14. Von den Farbenreaktionen sind mit Erfolg die Xanthoproteinreaktion, 
die Millonsche und die Biuretreaktion angestellt worden; in reinen Albumosen- 
lösungen tritt die Biuretreaktion nach Neumeister noch ein bei einer Verdünnung 
von 1:10 000. Alle Albumosen liefern nach Kühne und Chittenden beim 
Kochen mit alkalischer Bleilösung Schwefelblei. 

2. Das Verdauungspepton. 

Obschon echtes Pepton kaum mit Sicherheit im Harn nach- 
gewiesen ist, seien die wesentlichen Eigenschaften bezw. Unterschei- 
dungsmerkmale dieser schwer definierbaren Stoffe hier kurz aufgeführt. 

1. Die Peptone sind ungemein löslich in Wasser, auch in Eisessig, allen Salz- 
lösungen, zum Teil sind sie auch in 96%igem Alkohol löslich. 

2. Sie geben noch in sehr grosser Verdünnung die Biuretreaktion mit rein 
roter Farbe, die Xanthoproteinreaktion, und auch teilweise die anderen Farben- 
reaktionen der Eiweissstoffe. 

3. Die Peptone der Pepsinverdauung des Fibrins lassen sich in einen, in 
96 °/ igem Alkohol löslichen Teil (Pepton B) und einen unlöslichen Teil (Pepton A) 
zerlegen. 

4. Die Reaktion von Molisch ist mit diesem Pepton A positiv, mit dem 
Pepton B negativ. Die Reaktion von Adamkiewicz ist mit beiden negativ (Pick). 

5. Phosphorwolframsäure und Phosphormolybdänsäure, sowie Pikrinsäure 
und Gerbsäure geben in konzentrierten Lösungen Niederschläge, welche sich 
beim Erwärmen lösen, beim Erkalten wiederkehren. Das Tanninpraecipitat ist 
auch in Essigsäure löslich. 

6. Jodquecksilberjodwasserstoff, Jodwismutj od Wasserstoff, Trichloressigsäure, 
Jod Jodwasserstoff fällen in wässeriger Lösung nicht, wohl aber nach Kühne 3 ), 
Cohnheim und Krieger, Pick in konzentrierter Chlorcalciumlösung, Calcium - 
nitratlösung und Ammoniumsulfatlösung. Ferrocyanwasserstoff und Metaphos- 
phorsäure fällen nicht, ebensowenig Salpetersäure, auch nicht in salzgesättigter 
Lösung. 

7. Die Peptone sind linskdrehend. Borkel 4 ) fand für ein Pepsinfibrin - 
pepton [ccJd 20 = — 36,36°. Siegfried und Scheermesser für ein Pepsin- 
Glutinpepton = — 77,5°. 

In betreff der Harnpeptide, auf deren Anwesenheit ans dem Vorkommen 
peptid artiger Bindung geschlossen wird, siehe bei Peptidbindung bzw. bei den 
Amidosäuren sowie S. 1247. 

x ) R. Neumeister, Zeitschr. f. Biol. 26. 340. — Kutscher 1. c. — Kühne 
und Chittenden a. a. O. 22. 448. 1886. — Axenfeld, Ann. di chim. e di farm. 
[4] 5. 193; Jahresber. f. Tierch. 17. 5. 1887. 

2 ) J. Bang, Zeitschr. f. physiol. Ch. 27. 463. 1899. 

3 ) W. Kühne, Zeitschr. f. Biol. 29. 320. 1892. — O. Cohnheim und H. Th. 
Krieger, Ebenda 40. 95. 1900. — E. P. Pick 1. c. 

4 ) C. Borkel, Zeitschr. f. physiol. Ch. 38. 289. 1903. — W. Scheermesser. 
Ebenda 37. 363. 1903. 






Harnalbumosen. Vorkommen. 1201 

3. Die Harnalbumosen. 

A. Vorkommen. Albumosurie. Es finden sich zahlreiche An- 
gaben über das Vorkommen von ^Albumosen im Harn bei den ver- 
schiedensten abnormen Zuständen. Es scheint sich im wesentlichen 
um Stoffe zu handeln, die den sekundären Albumosen vergleichbar 
sind (Neumeister, Hofmeister, Krehl und Matthes) 1 ). Die 
Angaben über Vorkommen von Albumosen im Harn sind vorsichtig 
zu bewerten, da Verwechslungen mit gewöhnlichem Eiweiss leicht vor- 
kommen können, und auch ein sekundäres Entstehen von Albumosen 
durch Einwirkung chemischer Agentien auf gewöhnliches Eiweiss zu 
Täuschungen iVnlass geben kann. Näheres siehe beim Nachweis der 
Albumosen. Die teilweisen Widersprüche in den Angaben, z. B. über 
die Häufigkeit der Albumosurie bei einfach fieberhaften Krankheiten, 
sind sicher auf den verschiedenen Wert der angewandten Nachweis- 
methoden wenigstens zum Teil zurückzuführen. 

Mittels der gewöhnlichen Albumosenreaktionen fand v. Jaksch Albumosen 
vorübergehend im Harn in einem Fall von Darmtuberkulose, Senator 7 mal bei 
verschiedenen Krankheitsprozessen, Lob häufig bei Masern (im Beginn der Defer- 
veszenz), Heller in 2 von 7 Scharlachfällen, Köttnitz in einem Fall von Gravi- 
dität mit toter Frucht, aber auch in 2 Fällen bei gesunden Schwangeren mit 
lebender Frucht; die Albumose soll hier aus dem Fruchtwasser stammen. Lassar 
sah Albumose vor dem Eintritt der eigentlichen Albuminurie im Harn von Kanin- 
chen erscheinen, die mit Petroleum übergössen waren, Jitta 2 ) im Harn von 
Kaninchen nach subkutaner Injektion von Stoffen, welche die Blutkörperchen 
zerstören (Glycerin, Wasser, wässerige Hämoglobinlösung). 

Nach v. Noorden, sowie nach Posner lässt sich in spermahaltigem Harn 
Albumose nachweisen; sie ist nach Posner 3 ) nicht in den Spermatocoen, sondern 
in der Samenflüssigkeit enthalten und stammt aus den accessorischen Drüsen. 

Georges, sowie Hugounenq haben in je einem Falle von syphilitischerNe- 
phritis bei Milchdiät Albumose im Harn aufgefunden, und Hugounenq betrachtet 
Albumosurie als eine Teilerscheinung dieser Krankheit. Aber schon vorher hat 
Gerard bei Nephritikern in der ersten Zeit der Milchbehandlung neben Eiweiss 
auch Albumose im Harn nachgewiesen. Graziani 4 ) hat mehrfach bei Syphilitikern 
mit Knochenschmerzen Albumosen gefunden. 

!) R. Neumeister, Zeitschr. f. Biol. 26. 339. 1891. — F. Hofmeister, 
Zeitschr. f. analyt. Ch. 30. 110. — L. Krehl und M. Matthes, Archiv f. klin. 
Med. 54. 505. 1895. 

2 ) v. Jaksch, Zeitschr. f. klin. Med. 8. 216. 1884. — Senator, Die Albu- 
minurie im gesunden und kranken Zustande. Berlin 1882. 9. — M. Lob, Zentralbl. 
f. klin. Med. 15. 1889. — Zentralbl. f. d. med. Wissensch. 31. 1891. — J. Heller, 
Berliner klin. Wochenschr. 48. 1889. — A. Köttnitz, Deutsche med. Wochenschr. 
30. 1888. 613. 44—46. 1889. — Lassar, Virchows Archiv 77. 157. — N. M. J. 
Jitta, Jahresber. f. Tierch. 1885. 474. 

3 ) C. v. Noorden, Archiv f. klin. Med. 38. 237. 1885. — O. Posner, Berliner 
klin. Wochenschr. 21. 1888. 417; Zentralbl. f. d. med. Wissensch. 1890. 497; 
1892. 225. 

4 ) Georges, Journ. de chimie et de pharm. [6] 5. 326; Chem. Zentralbl. 
1897. 1. 1064. — L. Hugounenq, Journ. de chimie et de pharm. [6] 5. 427; Chem. 
Zentralbl. 1897. 1. 1216. — E. Gerard, Journ. de chimie et de pharm. [5] 26. 104; 
Chem. Zentralbl. 1892. 2. 658. — G. Graziani, Jahresber. f. Tierch. 32. 783. 1902. 



1202 Schulz, Eiweisskörper. 



Als grundlegend sind die Untersuchungen von F. Hofmeister und von 
Maixner zu betrachten. An dem weiteren Ausbau der Lehre haben sich wesent- 
lich beteiligt v. Jaksch, Pacanowski, Fischel, Stadelmann, O. Brieger, 
W. Robitschek, Krehl und Matthes x ) u. a. 

Nach Fischel tritt bei der Rückbildung des puerperalen Uterus Albu- 
mose im Harn auf; die Albumosurie beginnt meist nach der Geburt, dauert aus- 
nahmslos bis zum 4., sehr häufig noch bis zum 7. Tag und erlischt nach dem 12. Tag 
vollkommen (Puerperale Form). Fischel hat ferner gefunden, dass schon 
im Harn Schwangerer nicht gar selten Albumosen meist in geringer Menge erscheinen, 
selbst schon 8 Wochen vor der Geburt, eine Wahrnehmung, die noch keine Er- 
klärung gefunden hat. Diese Befunde von Fischel sind im wesentlichen bestätigt 
worden von Biagio, Köttnitz, Hirschfeldt, Jankowski, für den Abortus 
von Senz. Ito 2 ) fand bei Wöchnerinnen in der Zeit vom 1. — 10. Tag in 8 von 
13 Fällen Albumosen, bei zwei Schwangeren im letzten Monat vermisste er sie. 

Bei Unterbrechung der Ernährung physiologischer Gewebe kommt es 
zur Albumosurie; Pacanowski wies sie nach in je 2 Fällen von Embolie und von 
Gehirnapoplexie. Bei Kompression des Rückenmarkes infolge von Wirbelkaries 
nahm sie wahr E. Robitschek 3 ), bei Gangrän W. Robitschek, bei Ulcus cruris 
Hirschfeldt. 

Albumosurie beobachteten Schultzen und Riess bei akuter Leber- 
atrophie, Stadelmann bei interstitieller Hepatitis und bei Lebercarcinom, 
Pacanowski ferner manchmal bei Icterus catarrhalis, Bouchard in vielen Fällen 
von Leberschwellung bei fieberlosen Kranken. (Hepatogene Form.) Zu der- 
selben Form dürfte die Albumosurie zu rechnen sein, welche zuerst Schultzen 
und Riess, dann Maixner sowie v. Jaksch bei akuter Phosphorvergiftung 
wahrnahmen. Fischel hat sie durch Vergiftungsversuche an Hunden hervor- 
gerufen. Nach einer Beobachtung von W. Robitschek 4 ) tritt das Pepton bald 
nach der Vergiftung in grossen Mengen auf und nimmt im Verlauf der Krankheit 
immer mehr ab. Brieger vermisste Albumosen bei Lebercirrhose und in einem 
Fall von akuter Leberatrophie, Robitschek traf es bei Lebercirrhose nur einmal 
an (in einem mit Meningitis komplizierten Fall). 

Maixner wies zuerst Albumosen im Harn |bei Magenkrebs nach; er 
hielt die Albumosurie für abhängig vom Sitz des Carcinoms. Pacanowski glaubt 
aber, dass sie dem Carcinom überhaupt eigentümlich ist, er beobachtete sie auch 
bei Carcinom des Oesophagus, des Rectums, des Uterus, E. Robitschek bei 
Nierenkrebs, Brieger dagegen fand Albumosen wieder nur bei Carcinom des 
Magens, des Oesophagus und des Duodenums, auch in einem Fall von Magen- 
geschwür, dagegen nicht bei Caiciuomen anderer Lokalisation (Uterus, Mamma, 
Peritoneum, Gehirn, Leber etc.). Uri und Lilienthal fanden bei Magencarcinom 

x ) F. Hofmeister, Zeitschr. f. physiol. Ch. 4. 253; Prager med. Wochenschr. 
33 u. 34. 1880. — Maixner, Prager Viertel jahrsschr. 143. 75. — v. Jaksch, Zeit- 
schr. f. klin. Med. 6. 413. 1882. — H. Pacanowski, Ebenda 9. 429. 1885. — 
W. Fischel, Archiv f. Gynäkol. 24. 400. 1884; Zentralbl. f. Gynäkol. 27. 1889. — 
E. Stadelmann, Archiv f. klin. Med. 33. 526. 1883. — O. Brieger, Über das 
Vorkommen von Pepton im Harn. Diss. Breslau 1888. — W. Robitschek, 
Zeitschr. f. klin. Med. 24. 556. — L. Krehl und M. Matthes, Deutsches Archiv 
f. klin. Med. 54. 501. 1895. 

2 ) Biagio, Zentralbl. f. Gynäkol. 1887. 529. — A. Köttnitz a. a. O. — 
H. Hirschfeldt, Diss. Dorpat 1892. — P. Jankowski, Diss. Dorpat 1893. — 
(Hirschfeldt und Jankowski, auch bei Stadelmann, Untersuchungen über 
die Peptonurie, Wiesbaden 1894. 68.) — K. Senz, Über Albumosurie und Pepton- 
urie, DisV Berlin 1891. — Midori Ito, Deutsches Archiv f. klin. Med. 71. 29. 1901. 

3 ) E. Robitschek, Prager med. Wochenschr. 1896. 116. 

4 ) Schultzen und Riess, Charite-Ann. 15. Chem. Zentralbl. 1869. 681; — 
Bouchard, L'Union med. 136. 137. 1886; Virchow-Hirschs Jahresber. 1886. 
1. 249. — Fischel, Arch. f. Gynäk. 24. 420. — W. Robitschek, Deutsche med. 
Wochenschr. 24. 1893. 



i 



Harnalbumosen. Vorkommen. 1203 



in 2 / 3 der Fälle Albumosen, bei gutartigen Magendarmerkrankungen in 13%. Ito 1 ) 
fand bei Ulcus ventriculi in 2 von 8 Fällen Albumosen. 

Ausserordentlich häufig ist Albumosurie bei der Resorption an farblosen 
Blutzellen reicher Exsudate beobachtet worden (pyogene Form), sie tritt auf 
nach Maixner bei croupöser Pneumonie zumeist im Lösungsstadium (und vor- 
her, Brieger, Ito), bei eiteriger Pleuritis (Ito), Bronchoblennorrhöe, Lungen- 
erweiterung bei Phthisis (Ito), Meningitis cerebrospinalis epidemica, Abscess- 
bildung usw. v. Jaksch fügte diesen Krankheitsformen noch hinzu den akuten 
Gelenkrheumatismus und verschiedene Fälle von Sepsis mit Eiterherden, ferner 
einen Fall von einer geborstenen eiterigen Ovariencyste; einen ähnlichen Fall 
beobachtete Küster, v. Jaksch zeigte ferner, dass bei der tuberkulösen Meningitis 
das Pepton im Harn fehlt, wenn die Krankheit nicht mit Eiteransammlung (in 
der Lunge) kompliziert ist. Wassermann beobachtete Albumosurie auch bei 
Knocheneiterung, Hirse hfeldt sowie Schultess bei Osteomyelitis, Pacanowski 
ferner bei chronischer Pneumonie, Angina, Muskelrheumatismus, Parotitis etc., 
Brieger bei exsudativer Peritonitis, Schultess bei Parotitis epidemica, bei 
Angina und bei Diphtheritis, W. Robitschek in einem Fall von Morbus Base- 
dowii mit Myxödem. Sehr bemerkenswert ist der gleichfalls von Pacanowski 
geführte Nachweis, dass auch bei akuten Krankheiten Albumose im Harn auf- 
tritt, und zwar im Beginn der Defervescenz, wie Pacanowski besonders häufig 
bei Typhus abdominalis, aber auch bei Typhus exanthematicus, Pocken, Scharlach, 
Erysipelas, Intermittens beobachtete; Hirschfeldt und Jankowski, Belfiore 
bestätigen diese Angaben für Variola, Schultess, Tobeitz, Nemser für Schar- 
lach; die einschlägigen Beobachtungen von Heller bei Scharlach und von Lob 
bei Masern sind oben erwähnt. Senz sah Pepton bei akutem Pemphigus auf- 
treten. Grocco beobachtete Albumosurie bei Malaria zur Zeit der Anfälle 
und Robitschek bringt einen ebensolchen Fall bei. Durch Injektion von Tuber- 
kulin wird nach Kahler und nach Devoto Albumosurie hervorgerufen. Fieber 
an sich aber bewirkt nach Schultess keine Albumosurie. Bei infektiösen Kinder- 
krankheiten sind im allgemeinen häufiger Albumosen im Harn zu konstatieren 
(Sommerfeld, Cattaneo, Valvassori). ■ — Nach Heilseruminjektionen tritt 
regelmässig Albumose im Harn auf (Cattaneo). - — Nach Tuberkulininjektionen 
häufig (Halpern 2 )). 

Bei Leukämie fanden nur Köttnitz und E. Robitschek Albumosen im 
Harn, dagegen Maixner, v. Jaksch 3 ) nicht; in 2 Fällen, welche W. Robitschek 
untersuchte, war die Reaktion schwach oder zweifelhaft. 

Bei Blutergüssen unter die Haut ist wiederholt Albumosurie zur Beob- 
achtung gekommen (hämatogene Form), so bei Skorbut (v. Jaksch), Purpura 
haemorrhagica (Grocco), traumatischer Ecchymose (Pacanowski); diese Wahr- 
nehmungen sind mehrfach bestätigt worden. Es handelt sich hier entweder um 
Resorption des ergossenen Blutes oder wie bei der Embolie um Ernährungs- 
störungen oder um beides zugleich. 

x ) Maixner, Zeitschr. f. klin. Med. 8. 234. 1884. — H. Ury und E. Lilien- 
thal, Archiv f. Verdauungskrankh. 11. 72. 1904. — Midorilto, Deutsches Archiv 
f. klin. Med. 71. 29. 1901. 

2 ) M. Wassermann, De la peptonurie etc. These. Paris 1885. — E. 
Schultess, Archiv f. klin. Med. 58. 325. 1897. — P. Grocco, Annali univ. di 
med., Agosto 1884; Virchow-Hirschs Jahresber. 1884. 1. 242. — Belfiore, Gazz. 
d. Ospedali 1901 Nr. 24. 3. T. 31. 823. — A. Tobeitz, Archiv f. Kinderheilk. 34. 
Heft 3 u. 4. 1903. — M. Nemser, St. Petersburger med. Wochenschr. 1899. Bei- 
lage p. 8. — P.Sommerfeld, Archiv f. Kinderheilk. 23. 193. 1897. — Cl. Cattaneo, 
Jahrb. f. Kinderheilk. 46. 263. 1897. — Valvassori, Jahrb. f. Tierch. 32. 785. 
1902. — M. Halpern, Berliner klin. Wochenschr. 1903. 685; Gazz. lekarska 38. 
776. 1903. 

3 ) Köttnitz, Berliner klin. Wochenschr. 33. 1890. 794. — Maixner, 
Zeitschr. f. klin. Med. 8. 247. — v. Jaksch, Zeitschr. f. klin. Med. 6. 423; Zeitschr. 
f. physiol. Ch. 16. 247. 



1204 Schulz, Ei weisskörper. 



Der oben angeführten Beobachtung von Jitta über die Be Wirkung von 
Albumosurie durch Substanzen, welche Blutkörperchen zerstören und zweifellos 
auch andere Gewebe schädigen, schliessen sich an die von Schultess über Anti- 
pyrin, von Piccinini 1 ) über Antifebrin und Guajacol (subkutan) und von 
W. Robitschek über Kohlenoxyd, von Halpern über Silbernitrat, Jodtinktur, 
Pyrodin (Acetylphenylhydrazin), von Haack über Silbernitrat und Jodtinktur. 

Nach einer besonderen Methode (s. dort) haben Morawitz und Dietschy 
bei fieberlosen Krankheiten Albumosen stets vermisst. 

Dass nach subkutaner oder intravenöser Injektion von Albumosen Albu- 
mosurie auftritt, ist eine oft bestätigte Tatsache (s. auch Halpern, Cevidalli 
und Jennoni 2 )). 

Häufig ist die Albumosurie nach Maccabruni, Morro, Koppen bei 
Geisteskranken, namentlich nach Fron da sowie nach Meyer und Meine 3 ) 
bei Paralytikern. 

Bei reiner Nephritis fehlt Albumose im Harn (Jolowicz) 4 ). 

Eine besondere Erörterung erheischt die ,, febrile Albumosurie". 

Krehl und Matthes kamen ebenso wie ihr Schüler Schultess zu dem 
überraschenden Resultat, dass bei 90% fiebernder Kranker Albumosen im Harn 
ausgeschieden werden, die als Deuteroalbumosen charakterisiert werden konnten. 
Fieberlose Kranke zeigten dagegen in 77% keine Albumosurie. Nur Magenkranke 
und solche, bei denen die Temperatur durch Antipyretica künstlich herabgesetzt 
war, zeigten bisweilen auch im fieberfreien Zustand Albumosen im Harn. Zum 
Nachweis wurde der eiweissfreie, resp. durch Essigsäure vom Nucleoalbumin 
befreite Harn mit dem Gfachen Volum Alkohol gefällt und der entstandene Nieder- 
schlag nach 12 — 24 Stunden mit warmem Wasser extrahiert. Mit dem Filtrat 
wurde dann die Biuretprobe angestellt. Durch diese Untersuchungen schien die 
Existenz einer febrilen Albumosurie bewiesen. Die Lehre von der febrilen Albu- 
mosurie steht aber mit früheren Untersuchungen (s. vorher) zum Teil im Wider- 
spruch, denn bei vielen mit hohem Fieber verlaufenden Infektionskrankheiten 
(Typhus, Miliartuberkulose, Scharlach) hatte man in einem grossen Prozentsatz 
der Fälle die Albumosen vermisst. Auch spätere Untersucher, die zum Teil 
nach anderer Methode arbeiteten, konnten sich von der regelmässigen Beziehung 
zwischen Fieber und Albumosurie nicht überzeugen (v. Aldor, Nemser, Fi mg an, 
Ehrström, Haack, Sommerfeld, Klemperer). Gegen die von anderen 
angewandten Methoden haben Morawitz und Dietschy 5 ) Bedenken erhoben 
(s. später). Nach einer neuen Methode gelangten dieselben zu Resultaten, die 
von denen anderer Untersucher wesentlich abweichen. Sie fanden zunächst bei 
fieberlosen Krankheiten (Leukämie, Nephritis, maligne Tumoren, Pneumonie nach 



x ) A. Piccinini, Ann. di chim. e di farm. 18. 230. 1890; Jahresber. f. 
Tierch. 1893. 578. — M. Halpern, 1. c. — E. Haack, Archiv f. exper. Pathol. 
u. Pharm. 38. 175. 1897. 

2 ) Halpern 1. c. ■ — Cevidalli und Jennoni, Jahresber. f. Tierch. 31. 
823. 1901. 

3 ) Maccabruni, Morro, bei Fronda, — Koppen, Archiv f. Psychiatrie 
20. 1889. — R. Fronda, Jahresber. f. Tierch. 1894. 631. — H. Meyer und H. Meine, 
Archiv f. Psychiatrie 27; Zentralbl. f. d. med. Wissensch. 1896. 320. 

4 ) Jul. Jolowicz, Diss. Würzburg 1902. 

5 ) L. Krehl und M. Matthes, Deutsches Archiv f. klin. Med. 54. 501. 
1895. — E. Schultess, Ebenda 58. 325, sowie 60. 55. 1897. — L. v. Aldor, 
Berliner klin. Wochenschr. 1899. 746 u. 785. — M. Nemser, St. Petersburger 
med. Wochenschr. 1899. Beilage 8. — D. O. Connel Finigan, Diss. Berlin 1902. — 
R. Ehrström, Akademisk Afhandling. Helsingfors. Archiv f. Gynäk. 63. 695. 
1901. — E. Haack, Archiv f. exper. Pathol. u. Pharm. 38. 175. 1897. — Sommer- 
feld, Archiv f. Kinderheilk. 23. 193. 1900. — G. Klemperer, Studien zur Ätiologie 
des Fiebers. Verhandl. d. Gesellsch. deutsch. Naturf. u. Ärzte. Kassel 1903. — 
P. Morawitz und R. Dietschy, Archiv f. exper. Pathol. u. Pharm. 54. 88. 1906. — 
R. Dietschy, Diss. Basel 1906. 



Harnalbumosen. Eigenschaften. 1205 

dem Entfiebern, Urticaria, Arthritis urica, Tuberculosis pulmonalis mit Amyloid- 
niere) niemals Albumosen. Bei den verschiedensten fieberhaften Krankheiten 
fanden sie in 30 von 80 Fällen Albumosen. Es ist demnach eine direkte Beziehung 
zwischen erhöhter Temperatur und Albumosurie keineswegs erwiesen, vielmehr 
hat man vorläufig keinen Grund, das Auftreten von Albumosen im Harn von 
anderen Momenten als von der Resorption zerfallenden Zellmaterials abhängig 
zu machen. 

Küthe 1 ) hat nach der Methode von v. Aldo r (für die Bedürfnisse des mucin- 
reichen Pferdeharns modifiziert, s. später) den Harn von Pferden und Kühen 
untersucht. Bei gesunden Pferden und Kühen treten keine Albumosen auf. Bei 
verschiedenen akuten, fieberhaften Krankheiten der Pferde besteht Albumosurie. 
Bei der Brustseuche ist die Albumosurie unabhängig von der Resorption der 
Exsudate. Erhebliche Tuberkulose scheint mit ständiger Albumosurie verbunden 
zu sein. Die Menge der ausgeschiedenen Albumosen soll auf den Grad der All 
gemeinstörung schliessen lassen. 

Histon trafen Krehl und Matthes an bei allgemeiner Peritonitis, bei 
Pneumonie in der zweiten Hälfte der Krankheit, bei Erysipel und bei Scharlach, 
dagegen nicht bei Tuberkulose. ■ — Ko lisch und Burian wiesen es nach in einem 
Fall von Lymphämie. Eine Verbindung desselben, das Nucleohiston, gibt Jolles 2 ) 
an in einem Falle von Pseudoleukämie gefunden zu haben. 

Über die Grösse der Albumosenausscheidung hat Maixner 3 ) nach 
der kolorimetrischen Methode von Hofmeister einige Beobachtungen angestellt. 
Am meisten erscheint im Harn bei Empyem (0,66% des Harns oder 4,96 g in der 
Tagesmenge) und bei der croupösen Pneumonie im Lösungsstadium (0,69 und 
0,76% oder über 4 g in der Tagesmenge). Andererseits können die Albumosen - 
mengen aber auch sehr gering sein (0,065% in einem Fall von zellenarmem 
Empyem). Viel fand sich auch in einem Fall von Peritonitis suppurativa (0,33 
bis 0,74%), wohl wegen der grossen Resorptionsfläche. 

B. Eigenschaften der sekundären Albumosen insbesondere. 
(Ergänzung zu S. 1194.) 

1. Die Albumosen sind in ihrer Zusammensetzung, aber, soweit 
bis jetzt bekannt, nicht in ihren chemischen Eigenschaften, nach dem 
Eiweisskörper, aus welchem sie entstanden sind, verschieden. Das 
Eiterpepton ist nach F. Hofmeister 4 ) ein echtes Eiweisspepton. 

2. Die Albumosen sind amorph. Sie lösen sich leicht in Wasser, 
schwer dagegen, wiewohl besser als Albumin, in Alkohol; Alkohol fällt 
aus neutraler Lösung zusammenfliessende Flocken, die sich auch 
nach noch so langem Verweilen unter Alkohol wieder leicht in Wasser 
lösen. Seine wässerigen Lösungen diffundieren zwar nicht besonders 
leicht, aber doch leichter als die Lösungen des Albumins und des 
Globulins. Es lenkt die Ebene des polarisierten Lichts nach links ab. 
Durch mehrstündiges Erhitzen der trockenen sekundären Albumosen 
auf 140° werden dieselben in eine Substanz verwandelt, welche die 



x ) Heinrich Küthe, Albumosurie bei Tieren. Diss. Giessen 1908. 

2 ) L. Krehl und M. Matthes, Zentralbl. f. inn. Med. 1895. 387; Archiv 
f. klin. Med. 54. 509. 1895. — R. Ko lisch und R. Burian, Zeitschr. f. klin. Med. 
29. 374. 1896. — A. Jolles, Bericht d. ehem. Gesellsch. 30. 172. 1897. 

3 ) Maixner, Zeitschr. f. klin. Med. 11. 342. 1886. 

4 ) F. Hofmeister, Zeitschr. f. physiol. Ch. 4. 270. 



1206 Schulz, Eiweisskörper. 



Reaktionen der primären Albumosen gibt (Hofmeister, Hen- 
ninger) 1 ). 

Die verschiedenen Albumosen besitzen ein verschiedenes Drehungs vermögen ; 
die spezifische Drehung des „Fibrinpeptons" bestimmte F. Hof meister 2 ) zu [a]o = 
— 63,5°. Dieses „Fibrinpepton" war ein Gemenge von Albumosen und Pepton. 

3. Die Albumosen vereinigen sich, wie die anderen Eiweisskörper, 

mit Basen und mit Säuren, sowie mit Salzen. 

Versetzt man eine Albumosenlösung mit Kalk- oder Barytwasser, so fällt 
nach Henninger 3 ) Kohlensäure nur einen Teil der Basis; Alkohol scheidet dann 
aus der Flüssigkeit Kalk- oder Barytpepton ab. — Die Verbindungen des Peptons 
mit Salzen (Chlorcalcium, Phosphaten usw.) sind gleichfalls in Alkohol unlöslich. 

4. In der Siedehitze gibt eine Albumosenlösung bei keiner Reak- 
tion einen Niederschlag. 

5. Von 'den Neutralsalzen gibt nur das Ammonsulfat, beim Sättigen 
der Lösung mit dem Salz, mit den sekundären Albumosen einen Nieder- 
schlag. Wie das Ammonsulfat verhält sich nach B ö m e r auch das 
Zinksulfat. Die mit Kochsalz gesättigte Lösung der Harnalbumosen 
wird nach K r e h 1 und M a 1 1 h e s 4 ) durch Zusatz von salzgesättigter 
Essigsäure nicht vollständig gefällt. 

6. Durch Salzsäure, Schwefelsäure, Salpetersäure, Essigsäure 
werden die sekundären Albumosen weder in der Wärme noch in der 
Kälte gefällt; in einer mit Bittersalz gesättigten Peptonlösung entsteht 
aber auf Zusatz von Säure ein Niederschlag von Pepton (Hof- 
meister) 5 ). 

7. Fast alle eiweissfällenden Reagentien (S. 1112 u. ff.) schlagen 
auch die sekundären Albumosen nieder. Vom Eiweiss unterscheidet es 
sich aber dadurch, dass es nach Brücke (in Gegenwart von Neutral- 
salz) durch Essigsäure und Ferrocyankalium nicht gefällt wird. 

a) Die Phosphorwolframsäure fällt bei Gegenwart einer Mineral- 
säure. Die Fällung ist nach Hirsch ler vollständig; nach Schulze und 
Barbieri entsteht noch mit Albumosenlösungen von 0,02% deutliche Trübung. 
Der Niederschlag löst sich in der Wärme. Von der Phosphorwolframsäure werden 
die Albumosen auch bei Gegenwart von Essigsäure niedergeschlagen, während 
andere durch Phosphorwolframsäure fällbare Harnbestandteile (Kreatinin usw.) 
wohl bei Gegenwart einer Mineralsäure, aber nicht von Essigsäure mit Phosphor- 
wolframsäure Niederschläge geben (F. Hofmeister). In Gegenwart von Essig- 
säure ist die Fällung jedoch unvollständig (Schulze und Barbieri) und braucht 
auch gar nicht einzutreten; Albumosenlösungen mit nur wenig mehr als 0,01% 
werden durch Essigsäure und Phosphorwolframsäure erst in einigen Minuten 

*) F. Hofmeister, 1. c. — A. Henninger, De la nature et du röle 
physiologique des peptons. Paris 1878. — Compt. rend. 86. 1413 u. 1461. 1878. 

2 ) F. Hofmeister, a. a. O. 272. 

3 ) A. Henning er, De la nature et du röle physiol. des peptons. Paris 
1878. 43. 

4 ) A. Bömer, Zeitschr. f. analyt. Ch. 34. 562. 1895. — L. Krehl und 
M. Matthes, Archiv f. klin. Med. 54. 505. 1895. 

5 ) F. Hofmeister, Zeitschr. f. analyt. Ch. 20. 319. 



Harnalbumosen. Eigenschaften. 1207 



milchig getrübt (Hofmeister). Ebenso ist nach Maixner x ) in Gegenwart 
freier t Phosphorsäure die Fällung nicht so vollständig, als in Gegenwart von 
Salzsäure. 

bj Tannin fällt die Albumosen nur aus neutralen oder schwach sauren 
Lösungen; in Essigsäure oder Salzsäure ist der Niederschlag löslich. Reine Lösung 
sekundärer Albumosen gibt auch bei beträchtlicher Konzentration mit Gerbsäure - 
lösung nur eine Trübung, jedoch sofort einen dichten Niederschlag, wenn in der 
Lösung Neutralsalz enthalten ist, bei genügendem Salzgehalt der Lösung wird 
die Albumose noch in einer Verdünnung von 1 : 10 000 durch Gerbsäure als deut- 
liche Trübung nachgewiesen. In Berührung mit Wasser gibt der Gerbsäurenieder- 
schlag Gerbsäure ab und Albumose geht in Lösung (F. Hofmeister). 

c) Rhodankalium und Essigsäure, das Reagens von Zouchlos, schlägt 
Albumose nicht nieder (Schick). 

d) Nach Dillner sowie Obermayer kann Albumose zwar auch durch 
Metaphosphorsäure gefällt werden, der Niederschlag löst sich aber leicht wieder 
in der überschüssigen Säure (S. 1114). 

e) Die Niederschläge, welche die Albumosen geben mit Pikrinsäure, Salicyl- 
sulfonsäure, Asaprol, Aseptol, Trichloressigsäure, Wolframsäure, mit 
Chromsäure und mit Jodquecksilberkaliuni (Tanrets Reagens) lösen sich 
in der Wärme und treten in der Kälte wieder auf. Der Pikrinsäureniederschlag 
löst sich nach Johnson 2 ) im Gegensatz zum Eiweiss in wenig kalter Salpeter- 
säure. 

f) Quecksilberchlorid fällt die Albumosen aus neutraler Lösung, aber 
nicht aus essigsaurer. Spieglers Reagens soll nach seiner Angabe zwar Albumose 
niederschlagen, aber nicht Harnalbumosen. 

8. Von Metallsalzen fällen die Albumosen, ausser den unter 7 
genannten noch salpetersaures Quecksilberoxyd, essigsaures Blei und 
Ammoniak, salpetersaures Silber und wenig Ammoniak, Kupferoxydul- 
salz, Goldchlorid und Platinchlorid; basisch essigsaures Blei gibt nur 
eine Trübung. Mit Eisenoxydsalzen geben sie keinen Niederschlag, färben 
sich aber mit ihnen rot wie andere Eiweisskörper und wie die Amido- 
säuren. 

Eisenoxydsalz schlägt auch dann die Albumosen nicht nieder, 
wenn die Flüssigkeit neutralisiert und danach gekocht wird, während 
auf diese Weise echte Eiweisskörper und ein Teil der Albumosen ge- 
fällt werden (S. 1199). Auch Kupfersulfat gibt nach K r e h 1 und 
M a 1 1 h e s 3 ) mit der neutralen Lösung der Harnalbumosen keinen 
Niederschlag. 

9. Die Farbenreaktionen der Eiweisskörper (S. 1089) geben 

die sekundären Albumosen gleichfalls, die Xanthoproteinreaktion schon 

in der Kälte; die Biuretreaktion ist mehr rot bis rotviolett wie die des 

Albumins. 

Die Biuretfärbung ist nach Hofmeister in einer 5 cm dicken Schicht 
noch sichtbar bei einer Verdünnung von 1 : 12 000, nach Schulze und Barbieri 



x ) A. Hirschler, Zeitschr. f. physiol. Ch. 11. 28. 1887. — Schulze und 
Barbieri, Journ. f. Landwirtsch. 29. 291 u. 287. 1881. — Maixner, Zeitschr. 
f. klin. Med. 11. 344. 1886. 

2 ) G. Johnson, Brit. Med. Journ. 1883; Zeitschr. f. analyt. Ch. 23. 115. 

3 ) L. Krehl und M. Matthes, a. a. O. 



1208 Schulz, Eiweisskörper. 



in 3 — 4 cm dicker Schicht nicht mehr bei einer Verdünnung von 1 : 10 000, wohl 
aber bei der halben Verdünnung. 

10. Fibrin,, pepton' liefert beim Schütteln mit Bromlauge nach Schulze 
und Barbieri 1 ) auf 1 g Substanz 9,0 ccm Stickstoff (0° und 760 mm Hg), beim 
Behandeln mit Kaliumnitrit und verdünnter Schwefelsäure nach Sachsse -Kor- 
mann 24,5 ccm; Leim„pepton" aufjl g mit Bromlauge 14,2 ccm, mit salpetriger 
Säure 13,3 ccm N 2 . 

C.Nachweis. 1. Zum Nachweis von Album oseüberhaupt 

bedient man sich der unter S. 1195 und 1197 angegebenen Reaktionen 

mit Salz- und Essigsäure, mit Salpetersäure und mit Ferrocyanwasser- 

stoff. Es sind dieselben, welche zum Aufsuchen von Eiweiss im Harn 

verwandt werden. Diese direkten Proben im Harn sind weder sehr 

genau, noch schützen sie genügend vor Verwechslungen. Sie sind nur 

zur vorläufigen Orientierung brauchbar. 

a) Versetzt man einen albumosehaltigen Harn sogleich nach dem Kochen 
mit etwas Salpetersäure, so bleibt er klar und trübt sich nur schwach, indem er 
sich zugleich stärker gelb färbt ; beim Erkalten oder Abkühlen entsteht aber ein starker 
weisser oder gelber oder rötlichgelber Niederschlag, der sich beim Erwärmen löst, 
beim Erkalten wiederkehrt. In der Kälte gibt der Harn auf Zusatz von wenig 
Salpetersäure einen Niederschlag, der beim Umschütteln wieder verschwindet, 
mit mehr Salpetersäure aber einen dauernden Niederschlag ; dieser löst sich gleich- 
falls in der Wärme und tritt beim Erkalten wieder auf. — Diese Reaktion ist nicht 
ganz sicher, weil bei der Einwirkung der Säure auf Eiweiss auch Albumose ent- 
stehen und andererseits, weil wenig Albumose übersehen werden kann; albumose- 
armer Harn gibt selbst in der Kälte nur dann einen Niederschlag, wenn er mit 
sehr wenig Salpetersäure versetzt wird. 

b) Bei der Prüfung des Harns mit Essigsäure und Ferrocyankalium 
entsteht ein Niederschlag, der sich in der Wärme löst und beim Erkalten wieder 
auftritt. Er löst sich auch in überschüssiger Essigsäure und, bei Abwesenheit 
von Heteroalbumose, auch in Neutralsalzlösungen (Kochsalz, Ferrocyankalium). 
In sehr salzreichen oder albumosearmen Harnen kann der Niederschlag (wenn 
nur oder vorwiegend die sekundären Albumosen vorhanden sind) sehr schwach 
sein, er tritt aber mit unverkennbarer Deutlichkeit auf, wenn man den Harn vor 
der Reaktion auf das Mehrfache verdünnt. 

Für sich allein beweist ein auf Zusatz von Essigsäure und Ferrocyankalium 
entstehender Niederschlag nichts für die Gegenwart von Albumose, da auch Ei- 
weiss einen solchen gibt. Die Prüfung der Löslichkeit des Niederschlages in der 
Wärme ist nicht verlässlich, weil Ferrocyanwasserstoff in der Wärme für sich 
einen (blauen) Niederschlag bildet; auch die Prüfung des Niederschlages auf seine 
Löslichkeit in Essigsäure und in Salz ist unsicher. Tritt aber bei dieser Probe 
ein starker Niederschlag ein, dagegen in dem noch heissen Harn auf Zusatz von 
Salpetersäure keiner oder ein im Vergleich mit jenem nur schwacher, so ist die 
Gegenwart der Albumose gesichert. In albumosearmen (unverdünnten) Harnen 
kann auch der Ferrocyankalium -Niederschlag schwächer ausfallen, als der ist, 
welcher n dem mit Salpetersäure versetzten, gekochten Harn beim Erkalten 
auftritt. 

c) Stellt man die Eiweissprobe durch Kochen des Harns mit Salz und 
Essigsäure nach Panum an, so bleibt Eiweiss ungelöst, in Anwesenheit von 
Albumose entsteht aber in der heiss filtrierten Flüssigkeit beim Erkalten ein 
Niederschlag. Dann tritt auch bereits beim Zusatz der Reagentien ein Nieder- 
schlag auf, der sich beim Kochen löst, während das Eiweiss abgeschieden wird. 
Dieses Verfahren schützt am besten vor einer Verwechselung der Albumose mit 
Eiweiss. 



*) E. Schulze und Barbieri, 1. c. 






Harnalbumosen. Nachweis. 1209 



Bei allen diesen Reaktionen setzt sich die Albumose nur selten in scharf 
begrenzten Flocken ab; meist ist die Flüssigkeit nur gleichmässig getrübt, im 
günstigsten Falle lagern sich in der trüben Flüssigkeit undeutliche Flocken ab; 
die Niederschläge haben das Aussehen schlecht koagulierter Albuminlösungen. 

d) Pikrinsäure (B. 7. e.) gibt mit Harn, auch wenn er nur wenig Albumoss 
enthält, einen mächtigen, sehr feinflockigen gelben Niederschlag, der sich auch 
beim Erwärmen wieder löst und beim Erkalten wieder zum Vorschein kommt. 
Da normaler Harn beim Kochen mit Pikrinsäure einen grobflockigen Niederschlag 
gibt, so muss man den Harn heiss filtrieren, wenn man sich von der Bildung eines 
beim Erkalten entstehenden Niederschlages mit Sicherheit überzeugen will (S. 1 116). 

e) Wie weit sich die übrigen Eiweissreagencien, deren Albumosenieder- 
schläge in der Wärme löslich sind (B. 7. e.), für den Nachweis von Albumose im 
Harn eignen, ist nicht bekannt. 

Die Trichloressigsäure-Niederschlag (Seite 1198) tritt nach Martin 
sehr schnell nach dem Kochen auf und man muss daher, wenn man ihn gesondert 
erhalten will, durch einen Wasserbadtrichter filtrieren. Mit der Lösung des Nieder- 
schlages in Lauge lässt sich die Biuretreaktion anstellen. — Jodquecksiiber- 
kalium fällt aus saurer Lösung Eiweiss, Albumose, Alkaloide; die Vorschrift 
zur Trennung derselben ist S. 1119 angegeben. Das Reagens fällt übrigens nacli 
Tanret oft aus normalem Harn eine nicht näher bekannte Substanz. 

2. Die zum Nachweis der Harnalbumosen dienenden Proben sind 
solche, welche Eiweisskörper überhaupt anzeigen (allgemeine Eiweiss- 
reaktionen). Sie dürfen also nur auf Harn angewendet werden, der 
frei von allen anderen Eiweisskörpern ist. Enthält der Harn Eiweiss, 
so muss dieses bis auf die letzten Spuren abgeschieden werden, wozu 
die Fällung mit Eisenchlorid (S. 1125) empfehlenswert ist; blosses 
Kochen des Harns ist völlig unzureichend. Enthält der Harn mucin- 
ähnliche Substanz in solcher Menge, dass er sich auf Zusatz von 
Essigsäure merklich trübt, so versetzt man ihn mit nur so viel essig- 
saurem Blei, dass ein dichter flockiger Niederschlag entsteht. 

a) Direkt im Harn lassen sich die Albumosen, hauptsächlich 
wegen ihrer meist zu geringen Menge, nicht sicher nachweisen. Die 
dazu in yorschlag gebrachten Proben können nur zu einer Vorprüfung 
dienen. 

a) Nach Hofmeister 1 ) versetzt man den Harn mit 1 / 5 Volumen 

konzentrierter Essigsäure und darauf mit Phosphorwolframsäure. Bleibt 

die Probe auch nach längerem Stehen völlig klar, so enthält der Harn 

keine Albumosen, zeigt dagegen die Probe sofort oder nach einiger Zeit 

(10 Minuten) eine milchige Trübung, so kann der Harn Albumosen 

enthalten. 

Der negative Ausfall der Prüfung ist nicht ganz verlässlich; Brieger 2 ) 
sah die Reaktion in 8 Fällen ausbleiben, in welchen sich der Harn bei genauerer 
Untersuchung als albumosehaltig erwies. 

(3) v. Jaksch 3 ) prüft den eiweissfreien Harn mittels der Biuret- 



x ) Hofmeister, Zeitschr. f. physiol. Ch. 5. 73. 1881. 

2 ) O. Brieger, a. a. O. 42. 

3 ) v. Jaksch, Mitteil, des Wiener med. Doktorenkollegiums 10; Jahresber. 
f. Tierch. 1885. 238. 



1210 Schulz, Eiweisskörper. 



probe; tritt sie ein, so gilt der Harn als albumosenhaltig. Eine Kon- 
trolle durch eine andere Nachweismethode ist nötig. 

Die Färbung ist nicht violett, sondern rot oder braunrot, weil der gelbe 
Harn das Blau des Violett auslöscht. Man kann nach dem Vorschlage von Posner- 
Salkowski 1 ) die Kupfersulfatlösung auf den alkalisch gemachten Harn schichten; 
eine Lösung mit 5 ccm kalt gesättigter Kupfersulfatlösung im Liter besitzt dazu 
die genügende Konzentration. 

y) Die Petrische Diazoreaktion (s. S. 1C95) ist nicht auf den Harn an- 
wendbar. Normaler Harn wird nach Pacanowski mit dem Reagens braunrot, 
ohne indes nach Brieger 2 ) die übrigen Erscheinungen einer Albumosenlösung 
zu zeigen, und Albumosenharn verhält sich nach Brieger wie normaler. 

3. Sicherer gelangt man zum Ziele, wenn man die Albumosen 
aus dem Harn abscheidet. 

a) Phosphorwolframsäureverfahren, a) Verfahren von Hof- 
meister. Hofmeister 3 ) hat dazu Fällung mit Phosphorwolfram- 
säure oder mit Gerbsäure empfohlen. Von diesen beiden Methoden 
führt die erste nicht bloss schneller zum Ziele, sondern sie gibt auch 
schärfere Resultate; während man mittels der Gerbsäure nur dann 
noch Albumosen im Harn nachweisen kann, wenn er 0,15 bis 0,20 g 
im Liter enthält, lässt sich mittels der Phosphorwolframsäure noch 0,1 g 
im Liter auffinden. (Wegen des Verhaltens' des echten Peptons [„Kühne"] 
zu Phosphorwolframsäure und Gerbsäure s. S. 1200.) 

Um Albumosen aus dem Harn abzuscheiden, wird er (0,5 Liter), wenn 
nötig, nach der unter C. 2. angegebenen Weise von Eiweiss und der mucinähn- 
lichen Substanz befreit, dann zunächst mit 0,1 Volum konzentrierter Salzsäure 
und darauf abwechselnd mit Phosphorwolframsäure und Salzsäure versetzt, bis 
er mit keinem dieser Reagentien einen Niederschlag mehr gibt. Der Niederschlag 
wird bald abfiltriert ; denn lässt man ihn unter der Flüssigkeit stehen, so scheidet 
sich auf ihm ein zweiter rötlicher Niederschlag (von Harnsäure ?) ab, welcher auf 
den späteren Nachweis der Albumosen störend einwirkt. Der Niederschlag wird 
auf dem Filter mit einer Lösung von 3 — 5 Volumen konzentrierter Schwefelsäure 
in 100 ccm Wasser gewaschen, bis das Filtrat farblos abläuft, dann noch feucht 
mit überschüssigem festen Bariumhydrat innig verrieben, schliesslich nach Zusatz 
von etwas Wasser kurze Zeit gelinde erwärmt und filtriert; bei stärkerem Erhitzen 
erhält man dunkel gefärbte Filtrate, was möglichst zu vermeiden ist. Auch kann 
man den Phosphorwolframsäureniederschlag in kohlensaurem Natron lösen. — 
Die neben den Albumosen aus dem Harn fallenden Substanzen beeinträchtigen 
den Nachweis der Albumosen nicht. 

Mit der Lösung stellt man die Biuretprobe an, welche, wegen der gelben 
Farbe der Lösung, wie beim Harn (s. oben) nur eine rote Färbung ergibt. Schichtet 
man die Kupfervitriollösung auf die Peptonlösung, so fällt langsam schwefelsaurer 
Baryt aus und die Biuretfärbung ist dann gut an der überstehenden klaren Flüssig- 
keit zu sehen. Die Flüssigkeit zu filtrieren, ist nicht rätlich, weil dadurch die 
Färbung an Intensität einbüsst. Hat man den Phosphorwolframsäure-Nieder- 
schlag in kohlensaurem Natron gelöst, so kommt selbstverständlich die Störung 
durch den Barytniederschlag in Wegfall. 

*) C. Posner, Du Bois' Archiv 1887. 495. 

2 ) Pacanowski, Gazetta lekarska 19. 1884; Virchow-Hirschs Jahresber. 
1884. 1. 155; Zeitschr. f. klin. Med. 9. 431. 1885. — Brieger, a. a. O. 43. 

3 ) Hofmeister, Zeitschr. f. physiol. Ch. 4. 253 u. a. a. O. 



Harnalbumosen. Nachweis. 1211 



Diese Albumosenlösungen sind immer mindestens gelb ; manche Harne, so stark 
ikterische, liefern auch (direkt oder erst auf Zusatz von Natron) eine rote Lösung, 
mit der sich die Biuretreaktion gar nicht anstellen lässt. Die Entfärbung mittels Tier- 
kohle ist verwerflich, weil diese auch die Albumosen leicht aufnimmt (Hofmeister, 
Schulze und Barbieri). Dagegen lässt sich das von Schulze und Barbieri x ) 
geübte Entfärben von Peptonlösungen aus Pflanzen mit einigen Tropfen konzen- 
trierter Bleizuckerlösung mit Vorteil auch auf den Harn anwenden. W. Fisch el 
hat solche rote Lösungen entfärben können, indem er sie nach dem Ansäuern mit 
Luft schüttelte. — Manche färbende Substanzen, wie Gallenfarbstoffe, lassen sich 
aus dem Harn im Voraus durch essigsaures Blei entfernen. 

ß) Salkowski 2 ) hat dieses Verfahren in folgender Weise ab- 
gekürzt. 

Es werden 50 ccm Harn in einem Becherglas mit 5 ccm Salzsäure (oder 
Essigsäure) angesäuert, mit Phosphorwolframsäure gefällt und alsdann auf dem 
Drahtnetz oder auf dem Wasserbad erwärmt, wobei sehr bald eine harzige Ab- 
scheidung erfolgt, welche sich entweder am Boden des Gefässes ablagert oder 
auf der Oberfläche der Flüssigkeit schwimmt. Man giesst die Flüssigkeit vom 
Niederschlag ab oder filtriert ihn ab, wenn er nicht aneinanderhaftet, spült ihn 
zweimal mit Wasser ab und löst ihn in ungefähr 10 ccm l%iger Natronlauge. Die 
anfangs tiefblaue Lösung macht beim weiteren Erwärmen einer graugelben Platz; 
einige Tropfen Lauge beschleunigen die Entfärbung. Mit dieser Lösung nimmt 
man die Biuretreaktion vor. — Enthält der Harn Eiweiss oder auch mucinähnliche 
Substanz, so müssen diese vor der Behandlung mit Phosphorwolframsäure ent- 
fernt werden. Ein Harn mit 0,02% Albumosen gibt bei Verwendung von 50 ccm eine 
starke Reaktion, ein solcher mit 0,015% noch eine deutliche, bei 0,01% ist sie 
jedoch zweifelhaft. 

Aus urobil inreichen Harnen kann das Urobilin mit dem Phosphorwolfram- 
säure-Niederschlag mechanisch ausgefällt werden und die Lösung gibt dann, auch in 
Abwesenheit von Albumosen die Biuretreaktion. Eine Verwechslung des Urobilins 
mit den Albumosen istabtr nurdann zu fürchten, wenn der Harn direkt denUrobilin- 
streifen zeigt. Entfernung des Urobilins durch die Bleiacetate, durch Amylalkohol 
oder Kohle ist mit Verlust an Albumose verbunden. In solchem Falle stellt 
Salkowski die Probe nur mit 10 — 15 ccm Harn im Reagenzglas an; die Biuret- 
reaktion ist dann zwar blass, aber von reinerer Färbung. Nach Cerny 3 ) kann 
man das Urobilin ausschalten, indem man den Phosphorwolframsäureniederschlag 
mit Barythydrat im Überschuss zerlegt und dann anhaltend mit Luft schüttelt. 
Am günstigsten verlaufen die Versuche, wenn der Phosphorwolframsäurenieder- 
schlag mit verdünnter H 2 SO i gewaschen wird vor der Zerlegung. 

y) Nach v. Aldor-Salkowski. 6 — 10 ccm Harn werden 
mit 1 — 2 Tropfen Salzsäure angesäuert und so lange mit 5 o/ iger Phos- 
phorwolframsäure versetzt, als noch ein Niederschlag entsteht. Nach 
einigem Zentrifugieren erhält man einen konsistenten Niederschlag am 
Boden der Eprouvette; man giesst die Flüssigkeit ab, schüttelt den 
Niederschlag kräftig mit einigen ccm absolutem Alkohol, zentrifugiert 
wieder und setzt diese Manipulation so lange fort (2 — 3 mal), bis Alkohol 
und Sediment farblos bleiben. Man übergiesst mit Wasser, fügt kon- 
zentrierte Natronlauge hinzu, bringt die Blaufärbung durch Schütteln 



x ) Schulze und Barbieri a. a. O. 294. 

2 ) Salkowski, Zentralbl. f. d. med. Wissensch. 1894. 113; Berliner klin. 
Wochenschr. 34. 353. 1897. 

3 ) Zdenko Cerny, Zeitschr. f. analyt. Ch. 40. 592. 1901. 

Neubauer-Huppert, Analyse des Hains. 11. Aufl. 77 



1212 Schulz, Eiweisskörper. 



mit Luft zum Verschwinden und fügt nun CuS0 4 hinzu. — Bei künst- 
lichen Gemischen konnte durch diese Biuretreaktion noch ; 2 %° , Albu- 
mosen nachgewiesen werden. Eiweissharne werden nach v. A 1 d o r 
vorher mit Trichloressigsäure gefällt. Die durch Urobilin bedingte 
Fehlerquelle kann als beseitigt angesehen werden. F i n i g a n *■) hat 
diese Methode mit Erfolg benutzt. Er verwirft aber das Enteiweissen 
mit Trichloressigsäure, da hierbei auch Albumosen mitgerissen werden. 
Er enteiweisst, indem er nach Zusatz von Essigsäure und Sättigen 
mit Kochsalz in Substanz den Harn kocht und h e i s s filtriert. 

Im Pferdeharn ist es wegen des in grosser Menge vorhandenen Mucins 
nötig, besondere Vorsichtsmassregeln zu ergreifen. Küthe benützt daher Blei- 
acetat zum Enteiweissen, nachdem er sich davon überzeugt hatte, dass weder 
primäre noch sekundäre Albumosen durch Bleiacetat in erheblichen Mengen nieder- 
geschlagen werden. Küthe versetzt 20 ccm unfiltrierten Pferdeharn mit 10 
Tropfen neutraler Bleiacetatlösung, wodurch der grösste Teil des Mucin ent- 
fernt wurde. Zum Filtrat wird dann konzentrierte Essigsäure gegeben, wodurch 
der Rest des Mucin niedergeschlagen wird. Es wird unter Beimischung von 
Kieselgur filtriert, aus dem Filtrat durch erneuten Zusatz von konzentrierter 
Essigsäure etwa noch vorhandenes Mucin völlig , ausgefällt. Die so erhaltene 
mucin- und eiweissfreie Flüssigkeit wird nach v. Aldor weiterbehandelt. — Ent- 
eiweissen des Harns zum Albumosennachweis mit Bleiacetat empfiehlt auch 
Freund 2 ). 

Freund setzt bei Eiweissgehalt bis zu 0,1% 2 Tropfen einer 10%igen Blei- 
zuckerlösung zu 10 ccm Harn. Bei höherem Eiweissgehalt säuert er zunächst 
mit 1 Tropfen 20%iger Essigsäure an, kocht und setzt dann, ohne zu filtrieren, 
1 oder 2 Tropfen 20%ige Sodalösung zum Neutralisieren und dann 2 — 3 Tropfen 
Bleizuckerlösung hinzu. In dem enteiweissten Filtrat stellt er die Biuretprobe an. 
Empfindlichkeit angeblich 1 : 1.2 000. 

Eine andere Vorschrift von Freund 3 ) lautet: 10 ccm Harn werden mit 
2—3 Tropfen 20°/ iger Essigsäure und 5 ccm 20° iger Bleiacetatlösung auf- 
gekocht. Dem Filtrat wird KOH zugesetzt so lange noch ein Niederschlag ent- 
steht, abermals aufgekocht und filtriert. Im Filtrat wird direkt mit CuS0 4 die 
Biuretreaktion angestellt. Kontroll versuche mit Witte -Pepton ergaben, dass 
nur geringe Mengen bei diesem Verfahren verloren gehen. 

Ssadowen 4 ) empfiehlt, um den störenden Einfluss der Harnpigmente 
(Urobilin) zu beseitigen, dieselben durch Oxydation mit Permanganat bei salz- 
saurer Reaktion zu zerstören, und erst dann den Albumosennachweis zu beginnen. 
Er will dann bei Verwendung der Methode von Salkowski 0,01% Albumosen in 
25 ccm sicher nachweisen. 

25 — 50 ccm eiweissfreier Harn werden im Becherglase bis nahe zum Sieden 
erhitzt, dann werden 2,5 — 5 ccm Salzsäure hinzugefügt und nun eine 3 — 5%ige 
Permanganatlösung hinzugegeben. Zunächst 2 — 10 ccm auf einmal, je nach der 
Farbe des Harns, dann vorsichtig und weniger; der Harn bekommt plötzlich eine 

x ) L. v. Äldor, Berliner klin. Wochenschr. 1899. 764 u. 785. — Finigan, 
Diss. Berlin 1901. (Beide Arbeiten aus dem Laboratorium von Salkowski.) 

2 ) H. Küthe, Diss. Giessen 1908. — E. Freund, Wiener klin. Rundschau 
1898. Nr. 8. 

3 ) E. Freund, Zentralbl. f. inn. Med. 22. 648. 1901. 

4 ) A. Ssadowen, Russ. Archiv f. Pathol., klin. Med. u. Bakteriol. 5. 37. 
1898; Jahresber. f. Tierch. 28. 274. 1898; 29. 322. 1899. 



Harnalbumosen. Nachweis 1213 



hellgelbe Farbe oder wird ganz farblos. Die Albumosen sollen hierbei nicht an- 
gegriffen werden. 

b) Fällung mit Tannin nach Hofmeister. 

Man fällt den (wenn erforderlich, nach S. 1125 durch Fällen mit Eisenchlorid 
vorbereiteten) Harn mit Tannin aus, bringt den Niederschlag nach 24stündigem 
Stellen auf ein kleines Filter und wäscht ihn mit Wasser, in welchem etwas 
Tannin und schwefelsaure Magnesia gelöst sind. Der Niederschlag wird darauf 
in einer Schale mit gesättigtem Barytwasser gut verrieben und nach Zusatz einiger 
Stücke Bariumhydrat einige Minuten im Sieden erhalten; wird der Niederschlag 
nicht schon in der Kälte möglichst vollständig im Barytwasser verteilt, so bäckt 
er in der Wärme leicht zu harzartigen Klumpen zusammen, welche vom Baryt 
dann nur langsam angegriffen werden. Nach dem Kochen filtriert man in einen 
Kolben, fügt noch etwas Barytwasser hinzu und schüttelt die dunkelbraune 
Flüssigkeit so lange kräftig, bis das Filtrat farblos oder nur schwach gelb er- 
scheint. Mit dem Filtrat stellt man die Biuretprobe an; dazu kann man vorher 
den Baryt durch Neutralisieren mit Schwefelsäurejausfällen. 

Neumeister 1 ) trocknet den Tanninniederschlag im Exsiccator, zerreibt 
ihn und erwärmt ihn, wenn nötig mit dem Filter, mit dem Barytwasser und dem 
festen Baryt 3 — 5 Minuten auf dem siedenden Wasserbad. 

c) Das Verfahren von Devoto beruht darauf, dass Albumin und 
Globulin beim Erhitzen in einer gesättigten Ammonsulfatlösung völlig 
unlöslich werden, ein Albumosenniederschlag sich aber im Wasser wieder 
löst. Es bietet vor den anderen Methoden den Vorteil, dass man Eiweiss 
und mucinähnliche Substanz nicht besonders zu entfernen braucht. 

Es werden in 200 — 300 ccm Harn auf 100 ccm 75 g fein gepulvertes Amnion - 
sulfat in gelinder Wärme und unter fleissigem Rühren gelöst. Man lässt die Flüssig- 
keit dann 20 — 40 Minuten in einem Dampftopf (einem bedeckten Topf) mit sieden- 
dem Wasser stehen. Man filtriert heiss, bringt den Niederschlag auf das Filter, 
übergiesst ihn portionsweise mit siedendem Wasser und fängt die einzelnen Filtrate 
in Reagenzgläsern auf. Die ersten Filtrate sind farblos, die späteren gefärbt; 
in der Regel ist aber Albumose schon in den nicht oder wenig gefärbten Filtraten 
nachweisbar. Man stellt die Biuretprobe in der Weise an, dass man die Filtrate 
mit viel konzentrierter Natronlauge mischt und mit verdünnter Kupfersulfat- 
lösung überschichtet; nur bei einem so reichlichen Zusatz von Lauge, dass alles 
Ammoniumsulfat in Natriumsulfat übergeführt ist und noch freie Lauge vor- 
handen ist, tritt die Biuretfärbung auf, sonst nur eine Blaufärbung. ■ — Wirft man 
in das Filtrat Ammonsulfat, so entsteht in der Umgebung des Salzes nach einiger 
Zeit eine Trübung; die Albumosen werden durch das Salz gefällt. ■ — Pekel- 
haring 2 ) weist die Albumosen im Filtrat mittels der Xanthoproteinreaktion nach. 

Man kann in mehreren Filtraten hintereinander die Albumosen nach- 
weisen; es lassen sich noch 2 mg ,,Wittesches Pepton" mit aller Sicherheit auf- 
finden. Nur bei bluthaltigem Harn versagt das Verfahren, weil das Hämoglobin 
nicht vollständig koaguliert wird. 

Nach v. Jaksch geben beim Harn die Methoden von Hofmeister und 
von Devoto übereinstimmende Resultate. E. Robitschek hat unter v. Jaksch 
25 Harne nach den Methoden von Hofmeister, Salkowski und Devoto unter- 
sucht und dabei 14 mal nach keinem Verfahren Albumosen gefunden, dagegen 
5 mal nach jeder Methode, 5 mal Albumosen nach Hofmeister und nach Sal- 
kowski, aber nach Devoto keines und 1 mal bloss nach Salkowski, aber 



!) R. Neumeister, Zeitschr. f. Biol. 30. 459. 1894. 

2 ) L. Devoto, Zeitschr. f. physiol. Ch. 15. 465. 1891. — C. A. Pekelharing, 
Untersuchungen über das Fibrinferment, Amsterdam 1892. 46. 

77* 



1214 Schulz, Eiweisskörper. 



zweifelhaft. W. Robitschek 1 ) hat unter 537 Beobachtungen in vier Fällen 
nach Hofmeister starke Reaktion erhalten, wo Devoto negativ ausfiel und in 
einem Falle nach Devoto starke Reaktion wahrgenommen, während die Probe 
nach Hofmeister zweifelhaft ausfiel; in den übrigen Fällen stimmten die Resul- 
tate bei Hofmeister und bei Devoto überein. 

d) Verfahren von Bang 2 ). Dasselbe beruht auf dem gleichen 
Prinzip, wie das Von Devoto. Die Gefahr, dass durch das längere Sieden 
im Dampftopf nachträglich erst Albumosen entstehen, ist dabei vermieden. 
Auch das Urobilin ist dabei berücksichtigt. 10 ccm Harn werden mit 
8 g Ammoniumsulfat zum Sieden erhitzt und dann einige Sekunden 
im Sieden erhalten. Die noch heisse Flüssigkeit wird in einer Hand- 
zentrifuge 1 / 2 — 1 Minute zentrifugiert und dann von dem Bodensatz 
getrennt. Aus dem letzteren wird das Urobilin soweit als möglich durch 
Extraktion mit Alkohol und wiederholtes Zentrifugieren ausgezogen. 
Den dann ungelösten Rückstand schlemmt man in wenig Wasser auf, 
erhitzt zum Sieden, filtriert, wobei das koagulierte Ei weiss zurück- 
bleibt, und entfernt aus dem Filtrate noch etwa vorhandenes Urobilin 
durch Ausschütteln mit Chloroform. Die wässerige Lösung wird nach 
dem Abpipettieren des Chloroform zur Biuretprobe benutzt. 

Die Empfindlichkeitsgrenze liegt bei etwa 0,05% Albumose im Harn. Bei 
Gegenwart von Hämatoporphyrin wird dieses erst mit BaCL ausgefällt, das über- 
schüssige BaCl 2 mit ein wenig Ammoniumsulfat ausgefällt und dann das Filtrat 
wie oben benutzt. 

e) S c h u 1 1 e s s bediente sich zur Abscheidung der Albumosen, 
wie ehemals Gerhardt 3 ), der Fällung mit Alkohol. 

Von Haus aus eiweissfreier Harn wurde filtriert und in der Absicht, die 
mucinähnliche Substanz zu fällen, vorsichtig mit Essigsäure versetzt. Von dem 
Filtrat wurden 25 — 30 ccm mit dem 6fachen Volumen absolutem Alkohol ver- 
mischt, der Niederschlag nach 12 — 24 Stunden abfiltriert, in warmem Wasser 
gelöst, das Filtrat mit sehr verdünnter Essigsäure auf mucinähnliche Substanz 
untersucht und schliesslich zur Biuretprobe verwandt. Das Resultat wurde durch 
die Tanninprobe oder nach Salkowski nachgeprüft. 

Krehl und Matthes 4 ) verarbeiteten die Lösung in der Weise weiter, dass 
sie dieselbe bei schwach saurer Reaktion in der Siedehitze mit Ammonsulfat sättigten, 
den dabei entstandenen Niederschlag in heissem Wasser lösten, die Schwefelsäure 
mit Bariumhydrat ausfällten und das Filtrat, wenn es klar war, zur Vertreibung 
des Ammoniak eindampften. War danach noch Schwefelsäure oder Baryt in 
Lösung, so wurden diese gefällt und mit der nur wenig Kubikzentimeter betragen- 
den Flüssigkeit die Biuretprobe angestellt, oder sie wurde vorher noch in das 
8fache Volumen Alkohol eingetragen und der Niederschlag über Schwefelsäure 
im Luftstrom getrocknet. 



*) v. Jaksch, Zeitschr. f. physiol. Ch. 16. 243. 1891. — E. Robitschek, 
Prager med. Wochenschr. 11. 1896. 116. — W. Robitschek, Zeitschr. f. klin. 
Med. 24. 556. 

2 ) J. Bang, Skandinav. Archiv, f. Physiol. 8. 272. 1898. 

3 ) E. Schultess, Archiv f. klin. Med. 58. 330. 1897. — C. Gerhardt, 
Archiv f. klin. Med. 5. 214. 1868. 

4 ) L. Krehl und M. Matthes, Archiv f. klin. Med. 54. 505. 






Harnalbumosen. Nachweis. 1215 



4. Zur Auffindung des von ihnen als histonähnlich bezeichneten 
Körpers (s. bei Histon), der aber doch wohl eine Albumose gewesen ist, 
gelangten Krehl und Matthes 1 ) in folgender Weise. 

Bei der Verarbeitung des nach 3. e) erhaltenen Alkoholniederschlages kam 
es vor, dass das Bariumsulfat immer wieder durch das Filter ging, und dass, wenn 
endlich nach tagelangem Filtrieren ein klares Filtrat erhalten worden war, dieses 
die Biuretreaktion nicht mehr gab. Durch Wasser oder durch verdünntes Ammoniak 
konnte dem Niederschlag die Eiweisssubstanz nicht entzogen werden, wohl aber 
durch verdünnte Salzsäure, und aus dieser Lösung konnte der die Biuretreaktion 
gebende Eiweisskörper wieder durch Ammoniak und Baryt gefällt werden. 

Kolisch und Burian 2 ) wuschen den Alkoholniederschlag aus dem eiweiss- 
freien oder enteiweissten Harn mit heissem Alkohol, lösten ihn in heissem Wasser 
und säuerten die Lösung nach dem Erkalten mit Salzsäure an. Nach mehrstündigem 
Stehen wurde der grösstenteils aus Harnsäure bestehende Niederschlag abfiltriert 
und das Filtrat mit Ammoniak versetzt, wobei neben Mineralbestandteilen das 
Histon ausfällt. Der Niederschlag wurde so lange mit ammoniakalischem Wasser 
gewaschen, bis das Filtrat keine Biuretreaktion mehr gab, und der Niederschlag 
in Essigsäure gelöst. Mit dieser Lösung wurde die Biuretreaktion erhalten; sie 
gab ferner beim Kochen einen Niederschlag, welcher sich in Mineralsäure auflöste. 

5. Das Verfahren von Morawitz und Dietschy 3 ). Dasselbe 
ist zwar umständlich und zeitraubender, vermeidet aber eine Anzahl 
von Gefahren, die den anderen bisher aufgeführten Methoden anhaften 
(S. 1126). 

500 ccm Harn werden unter Toluol gesammelt und möglichst 
frisch verarbeitet. Der Harn wird mit saurem phosphorsaurem Kali 
schwach angesäuert und mit dem doppelten Volum 96°/oigen Alkohol 
im Wasserbade 5 — 6 Stunden am Rückflusskühler gekocht, wobei die 
Temperatur im Inneren des Kolbens nicht über 80 — 90° steigen darf. 
Das Wasserbad darf nicht bis zum Sieden erhitzt werden. Nach dem 
Erkalten wird abfiltriert, das klare Filtrat auf dem Sandbad bei 50 — 60° 
abgedampft, bis der Alkohol vertrieben ist. Man engt zweckmässig auf 
300 ccm ein. Der Harn wird dann mit Zinksulfat in Substanz gesättigt. Der 
Flüssigkeit werden nach der Angabe von Z u n z auf 100 ccm Harn 2 ccm 
verdünnte Schwefelsäure zugesetzt und die Lösung des Zinks durch ge- 
lindes Erwärmen befördert. Es wird dann filtriert, der Niederschlag 
zur Entfernung des Urobilins 24 Stunden mit wasserfreiem Alkohol, 
der nach Bedarf mehrmals gewechselt wird, extrahiert. Mit dem Wasser- 
extrakt des Niederschlages wird dann die Biuretreaktion angestellt. 

Die Art des Enteiweissens gibt keine Veranlassung zur sekun- 
dären Entstehung von Albumosen, denn bei eiweisshaltigen Harnen 
war häufig der Albumosenbefund negativ. Andererseits ist die Ent- 
eiweissung vollständig. Die Methode der Alkoholkoagulation gibt keinen 

x ) Krehl und Matthes, a. a. O. 508. 

2 ) R. Kolisch und R. Burian, Zeitschr. f. klin. Med. 29. 377 1896. 

3 ) P. Morawitz und R. Dietschy, Archiv f. exper. Pathol. u. Pharm. 
54. 92. 1906. — R. Dietschy, Diss. Basel 1906. — E. Zunz, Zeitschr. f. physiol. 
Ch. 27. 219. 189. 



1216 Schulz, Ei weisskörper. 



Anlass zu Verlusten an Albumosen, denn. aus dem Koagulum Hessen 
sich keine Biuretreaktion gebende Substanzen ausziehen. Sekundäre 
Albumosen lassen sich, wenn man von 500 ccm Harn ausgeht, in Ver- 
dünnung 1 : 5000 — 10000 nachweisen. Auch für zugesetztes Wittepepton 
liegen die Grenzen ungefähr ebenso. 

6. Methode zum Nachweis von echtem Pepton (im Sinne Kühnes) 
von Ito-Rostoski x ). 300 ccm filtrierter saurer Harn werden auf dem Wasser- 
bad bei einer Temperatur von 60 — 70° mit Ammoniumsulfat gesättigt, nach dem 
Erkalten abfiltriert, das Filtrat alkalisch gemacht mit verdünnter Lösung von 
Natriumcarbonat, bei 60 — 70° abermals gesättigt und wieder nach dem Abkühlen 
filtriert, das Filtrat durch stark verdünnte Essigsäure neutralisiert und bei 40 — 50° 
von neuem mit Ammoniumsulfat gesättigt, und schliesslich nach dem Erkalten 
nochmals filtriert. In dem Filtrat wurde nicht direkt die Biuretreaktion angestellt, 
wie das frühere Untersucher mit negativem Erfolg taten, sondern das etwa vor- 
handene Pepton zuerst ausgefällt. Hierzu wird das letzte Filtrat mit der gleichen 
Menge destilliertem Wasser verdünnt und dann bei neutraler Reaktion tropfen- 
weise unter sorgfältigem Vermeiden eines Überschusses frisch bereitete Tannin- 
lösung zugesetzt. Der Niederschlag wird am nächsten Tag abfiltriert, auf dem 
Filter im Exsiccator getrocknet, im Mörser zerrieben und eventuell samt dem 
Filter in einem kleinen Porzellantiegel mit etwas Barytwasser Übergossen und 
unter Zusatz von etwas feingepulvertem Baryt 3 Minuten aufs kochende Wasser- 
bad gestellt. Nach 1 — 2 Stunden wird abfiltriert und nun entweder gleich, oder 
wenn das Filtrat stark gefärbt war, nach seiner Entfärbung mit etwas neutralem 
Bleiacetat die Biuretreaktion angestellt. 

Bei Zusatz von 0,3% Pepton zu Harn war die Probe positiv. 

Als absolut sicheren Beweis für die Gegenwart von Pepton kann man den 
positiven Ausfall der Biuretreaktion wohl noch nicht ansehen. Es wäre notwendig, 
das Pepton in dieser Lösung noch anderweitig zu charakterisieren. 

D. Bestimmung der Harnalbumosen. 

1. Nach Maixner. Maixner bediente sich dazu der kolori- 
metrischen Methode von Hofmeister 2 ). Die Harnalbumosen wurden 
mit Salzsäure und Phosphorwolframsäure aus dem Harn ausgeschieden 
und mit Bariumhydrat oder kohlensaurem Natron wieder in Freiheit ge- 
setzt. Mit der Lösung wurde eine Biuretprobe angestellt und mit der 
Färbung derselben die einer anderen Biuretprobe verglichen, zu welcher 
eine bestimmte Menge Albumosen verwendet worden war. 

Von der auf ein bestimmtes Volumen gebrachten Lösung der Harnalbumosen 
werden 20 ccm in einen Glastrog mit planparallelen Wänden gemessen, mit 
schwacher Natronlauge und soviel Kupfersalz versetzt (Acetat, wenn die Lösung 
Baryt enthält), dass eine möglichst deutliche Biuretfärbung entsteht; die hinzu- 
gefügten Reagenzlösungen werden gemessen und den 20 ccm Lösung hinzugezählt. 
Dann erteilt man einer Albumosenlösung von bekanntem Gehalt (ungefähr l%ig) 
in gleicher Weise eine starke Biuretfärbung. Aus dem Gehalt und dem verwendeten 
Volumen der reinen Albumosenlösung und dem Volumen der Zusätze wird der 
Gehalt der gefärbten Albumosenlösung berechnet. Diese Lösung dient zur Her- 

x ) Midori Ito, Deutsches Archiv f. klin. Med. 71. 33. 1901. — Rostoski, 
Verhandl. d. physik.-med. Gesellsch. in Würzburg 1901. 

2 ) E. Maixner, Zeitschr. f. klin. Med. 11. 344. 1886. — F. Hofmeister, 
Zeitschr. f. physiol. Ch. 5. 135; 6. 57. 






Hämoglobin. Vorkommen. 1217 

Stellung der Vergleichsprobe; da die Harnalbumosenlösung gelb ist, das Wasser, 
welches zur Vergleichsprobe verwendet wird, aber nicht, so würden die Biuret- 
proben der beiden Flüssigkeiten einen ungleichen Farbenton besitzen. Man färbt 
daher das Wasser der Vergleichsprobe durch einige Tropfen Harn ebenso gelb, 
wie die Harnpeptonlösung ; dieser Harn wird vorher zur Fällung der Phosphor- 
säure mit kohlensaurem Natron versetzt und filtriert. Von der gefärbten Albumosen- 
lösung mischt man dann in einem zweiten, gleich weiten Glastrog abgemessene 
Mengen mit 20 ccm des gefärbten Wassers, bis die Biuretfärbung in dieser Probe 
ebenso stark ist, wie in der mit dem Harnpepton. Es enthalten dann gleiche 
Volumina der beiden Proben gleichviel Albumosen, und da die Gesamtvolumina 
der Flüssigkeit in beiden Proben, sowie die absolute Menge der Albumosen in der 
Vergleichsprobe bekannt sind, so lässt sich der Gehalt der Harnalbumosenlösung 
und somit auch der Gehalt des Harns an Albumosen berechnen. Den Gehalt der 
reinen Albumosenlösung an Albumosen hat Maixner durch Polarisation nach 
[a]o = — 63,5° (s. Seite 1206) bestimmt. Bei Versuchen mit wässerigen Albumosen- 
lösungen fand Maixner immer etwas weniger Albumosen wieder, als er zu 
den Versuchen genommen hatte. Das Verfahren gestattete wegen dieses Ver- 
lustes und auch deshalb nur eine ungefähre Bestimmung der Albumosen, weil 
die Harnalbumose nicht die von Maixner der Bestimmung zugrunde gelegte 
spezifische Drehung zu haben braucht. 

2. Nach Dutto 1 ). Die Albumosen werden durch einen Über- 

schuss von Jodwismutkalium gefällt, der Niederschlag nach 12 — 24 

Stunden mit Wasser gewaschen, welches mit Schwefelsäure schwach 

angesäuert ist, und im Vakuum getrocknet. Im Niederschlag bestimmt 

man die Menge des Wismuts als Oxyd oder besser als Metall. 1 g 

metallisches Wismut entspricht 6,8 — 7,1 g Albumosen. 

V. Hämoglobin. 

A. Vorkommen. Hämoglobin kommt im Harn in zweierlei 

Formen vor, in den Blutkörperchen eingeschlossen (Hämaturie) oder in 

freiem Zustande im Harn gelöst (Hämoglobinurie). 

Hämaturie kommt zustande dadurch, dass in den Nieren oder in den 
weiteren Harnwegen Blutungen stattfinden oder dass wie bei der Menstruation 
dem Harn Blut beigemischt wird, welches nicht aus den Harnwegen stammt. 
Der Farbstoff kann nachträglich aus den Blutkörperchen ausgelaugt werden, 
wenn der Harn globulizide Eigenschaften hat (Camus) 2 ). Es ist dann aber 
durch die mikroskopische Untersuchung feststellbar, dass „Schatten" von Blut- 
körperchen vorhanden sind. Wenn keine nachträgliche Hämolyse eingetreten 
ist, dann erweist die mikroskopische Untersuchung die Gegenwart von Erythro- 
cyten. Ausserdem kann gelöster Blutfarbstoff in den Harn übertreten (Hämo- 
globinurie), wenn im Blute gelöster Blutfarbstoff vorhanden ist. Die Veranlassung 
zur ,,Hämoglobinämie" bzw. Hämoglobinurie geben entweder von aussen ein- 
gebrachte „Blutgifte", z. B. Arsenwasserstoff, ferner zahlreiche Gifte bakteriellen 
Ursprungs bei Infektionskrankheiten, ferner hämolytisch wirkende Stoffe (Hämo- 
lysine), die bei Bluttransfusionen mit artfremdem Blut eingeführt werden. End- 
lich können im Körper selbst entstehende und abnormerweise ins Blut gelangende 
Stoffe, wie Gallensäuren und nicht näher bekannte hämolytisch wirkende Stoffe, 
die bei Erfrierungen, Verbrennungen, starker Abkühlung und Überwärmung ent- 
stehen, Anlass zu Hämoglobinurie geben. Hierher gehören auch gewisse Krank- 

x ) Dutto, Deutsche Med. Ztg.; Chcm. Zentralbl. 1894. 2. 1022. 
2 ) Jean Camus, Die Hämoglobinurien. These de Paris 1903. 123. 



1218 Schulz, Eivveisskörper. 



heitszustände, die als „paroxysmale Hämoglobinurie", als „epidemische Hämo- 
globinurie der Kinder", als „schwarze Harnwinde der Pferde" bekannt sind. 

B. Eigenschaften. Das Hämoglobin, die Verbindung eines 
Eiweisskörpers mit Hämatin, besitzt in den wesentlichen Stücken die 
Eigenschaften des Albumins, welche aber durch die Gegenwart des 
Hämatins in der Verbindung in chemischer und optischer Hinsicht einen 
Zuwachs erhalten haben. Es geht mit Sauerstoff eine molekulare Ver- 
bindung ein (Sauerstoff-Hämoglobin). Das im Harn vorkommende Hämo- 
globin ist das sauerstoffhaltige. Der im Hämoglobin mit Hämatin ver- 
bundene Eiw T eisskörper (Globin) wird durch Spuren freier Säure in 
salzarmen Lösungen frei gemacht. Das Globin ist ein histonähnlicher 
Eiweissstoff (Schulz) *•). 

1. Beide Hämoglobine, das sauerstofffreie „Hämoglobin", sowie 
das sauerstoffhaltige „Oxyhämoglobin" sind krystallisationsfähig. Die 
Krystalle des Sauerstoff-Hämoglobins sind scharlachrot, die des Hämo- 
globins violettrot, im durchfallenden Lichte grün. Sie lösen sich beide 
in Wasser und schwachen Salzlösungen. Das Hämoglobin ist viel leichter 
löslich, wie das Oxyhämoglobin, daher schwer krystallisierbar. Bei 
längerem Verweilen des krystallisierten Hämoglobins unter Alkohol wird 
es in Wasser unlöslich (Parahämoglobin). Im Vakuum, beim Behandeln 
mit indifferenten Gasen (Wasserstoff, Stickstoff, Stickoxyd, Kohlensäure), 
sowie bei der Einwirkung gewisser reduzierender Substanzen, wie 
Schwefelammon, alkalische Ferro- oder Stannotartratlösung (S t o k e s), 
Natriumhydrosulfit (S c h ü t z e n b e r g e r), Hydroxylamin und Hydra- 
zin (Curtius, Hüfner) wird dem Sauerstoff-Hämoglobin der Sauer- 
stoff entzogen, ebenso bei der Fäulnis; in Berührung mit atmosphäri- 
schem Sauerstoff nimmt das reduzierte Hämoglobin sehr leicht wieder 
Sauerstoff auf. Unter der Einwirkung der verschiedenartigsten Sub- 
stanzen, welche D i 1 1 r i c h 2 ) aufzählt, geht das Hämoglobin in das 
Methämoglobin über. Es handelt sich sowohl um oxydierende als auch 
um reduzierende Substanzen. Auch die ß-Strahlen des Radium wirken 
in dieser Weise. Am gebräuchlichsten zur künstlichen Erzeugung von 
Methämoglobin ist die Reaktion mit Ferricyankalium, bei welcher zu- 
nächst der gesamte locker gebundene Sauerstoff in Freiheit gesetzt 
wird (Haidane) 3 ). Bei der sich daran anschliessenden Methämo- 
globinbildung werden, dann zwei Sauerstoffatome (H a 1 d a n e) oder zwei 
Hydroxylgruppen (Hüfner, v. Z e y n e k) 4 ) in feste Bindung aufge- 
nommen. 



x ) Fr. N. Schulz, Zeitschr. f. physiol. Ch. 24. 449. 1898. 

2 ) Curtius, Journ. f. prakt. Ch. [2] 39. 27. 1889. — Hüfner, Du Bois' 
Archiv 1894. 156. — P. Dittrich, Archiv f. exper. Pathol. 29. 247. 1891. 

3 ) J. Haidane, Journ. of physiol. 22. 298. 1898 und 25. 295. 1900. 

4 ) R. v. Zeynek, Archiv f. Physiol. (Engelmann) 1899. 460. — G. Hüfner, 
Ebenda 491. 



Hämoglobin. Eigenschaften. 1 219 



2. Konzentrierte Lösungen des Sauerstoff-Hämoglobins (Oxyhämo- 
globin) sind dunkelrot, aber durchsichtig (lackfarben, im Gegensatz zum 
deckfarbenen Blute), verdünnte gelblichrot; die Färbung ist auch bei 
starker Verdünnung noch wahrnehmbar. Bei genügender Verdünnung 
zeigen die Lösungen vor dem Spektralapparat zwei Absorptionsstreifen, 
einen schmäleren und dunkleren, a, der links an D grenzt, und einen 
breiten und weniger dunklen, ß, rechts E um ein Geringes überschreitend. 
Die Ränder beider Streifen sind rechts stärker als links verwaschen 
(Tafel I, Spektr. 1 a). 

Lösungen des sau erst offfreien Hämoglobins sind, wie 
seine Krystalle, in auffallendem Licht violettrot, in durchfallendem grün- 
lich. Sie zeigen bei etwas stärkerer Konzentration, wie die Lösungen 
des Sauerstoffhämoglobins, einen breiten Absorptionsstreifen, y, zwischen 
D und E, der D etwas überschreiten kann, E nicht erreicht und an 
der linken Seite stärker verwaschen ist als an der rechten; idie 
dunkelste Stelle desselben nimmt nahezu den Ort ein, an welchem die 
beiden Streifen des Sauerstoffhämoglobins getrennt sind (Spektrum 1 b). 
Dieses Spektrum ist schwächer als das des Sauerstoffhämoglobins. 

Der Streifen a des Sauerstoff-Hämoglobins ist in 1 cm dicker Schicht gerade 
noch sichtbar, wenn die Lösung 0,015 g Hämoglobin in 100 ccm enthält, der 
Streifen ß wird erst sichtbar, wenn die Lösung 0,04 g Hämoglobin in 100 ccm 
enthält. Verstärkt man die Konzentration der Lösung allmählich, so werden 
die beiden Streifen des 0> -Hämoglobins immer dunkler, aber auch immer breiter, 
so dass sie endlich zu einem zusammenf Hessen. 

Den Streifen y des sauerstofffreien Hämoglobins erhält man am einfachsten, 
wenn man einer Sauerstoff-Hämoglobinlösung, welche ihre Streifen recht kräftig 
zeigt, Schwefelammon hinzumischt. Der Streifen y tritt dann nach einiger Zeit 
auf; zugleich erscheint dann bei genügender Konzentration im Rot zwischen C 
und D noch ein zweiter, sehr schmaler und sehr schwacher Streifen (6), welcher 
mit dem eigentlichen Spektrum des Hämoglobins nichts zu tun hat, sondern einer 
spezifischen Wirkung des Schwefelammons auf das Hämoglobin seinen Ursprung 
verdankt (Sulfhämoglobin). 

Nach den photometrischen Bestimmungen von Vierordt 1 ) nimmt die 
Lichtabsorption im Spektrum des Sauerstoff-Hämoglobins von A — D zu, erreicht 
bei einer gewissen Verdünnung der Lösung in D — D 19 E, dem Ort des Streifens a, 
das erste Maximum, nimmt dann von D 19 E bis D 54 E wieder etwas ab, worauf 
in D 54 E — D 87 E, dem Ort des Streifens ß, das zweite Absorptionsmaximum 
folgt. Dann sinkt die Absorption erheblich und erreicht in E 45 E — E 63 F ein 
drittes Minimum, steigt darauf wieder und nimmt gegen das violette Ende schnell zu. 
— Die zwei direkt sichtbaren Streifen des Oxyhämoglobin besitzen ein Maximum 
der Absorption bei i 579 und 542 ,«,«, sie sollen bei 10 mm dicker Schicht, 
photographisch bis 1 : 14700, vom geübten Auge bis 1 : 10000 Verdünnung er- 
kennbar sein. Der dritte Streifen im Violett (Soret's Band) mit dem Maximum 
bis Ä = 415 itft ist sogar bis 1:40000 photographisch nachweisbar. 

Im Spektrum des reduzierten Hämoglobins nimmt die Lichtstärke von 
C 65 D — D sehr schnell ab, die Absorption ist am stärksten zwischen D 19 E und 

x ) Vierordt, Die Anwendung des Spektralapparates zur Photometrie etc. 
Tübingen 1873. 110 u. 126. Die quantitative Spektralanalyse etc. Tübingen. 
1876. 55. 



1220 Schulz, Ei weisskörper. 



D 54 E (Streifen y), etwas geringer zwischen D 54 E und D 87 E; dann steigt die 
Lichtstärke wieder beträchtlich bis E 45 F, erreicht zwischen diesem Ort und 
E 63 F ein Maximum der Helligkeit, nimmt dann wieder ab und erreicht ein weiteres 
Maximum der Helligkeit zwischen F und F 10 G. Dann nimmt die Absorption 
nach G hin ab. — Das Maximum der Absorption liegt bei A = 559 ftp,, 

3. Aus seiner wässerigen Lösung wird das Oxyhämoglobin gefällt 
durch Schütteln der Lösung mit Natriumcarbonat (H o p p e - S e y 1 e r), 
vollständig durch Sättigen derselben mit Ammonsulfat; die untere Grenze 
liegt bei 65 Vol. o/o Sättigung, die obere erst nahe bei der vollständigen 
Sättigung (Schulz). Durch Kochsalz und Magnesiumsulfat wird Oxy- 
hämoglobin bei neutraler Reaktion nicht ausgesalzen. Nach Kraus 1 ) 
gelingt die Fällung auch durch Zusatz von 4 Vol. mit etwas Baryt ver- 
setzter Kaliumacetatlösung oder von 4 Vol. einer mit Kaliumacetat ge- 
sättigten Mischung von 1 Vol. Wasser mit 0,25 — 0,375 Vol. starkem 
Alkohol auf 1 Vol. Oxyhämoglobinlösung (Blut). 

4. Das Oxyhämoglobin wird nicht durch alle Metallsalze gefällt, 
nicht durch Silbernitrat, die Bleiacetate, Quecksilberchlorid, Eisenchlorid ; 
dagegen wird es niedergeschlagen durch Kupfersulfat, Chlorzink, Zink- 
acetat im Überschuss, durch salpetersaures Quecksilberoxyd und Queck- 
silberoxydul, Bleiessig und Ammoniak, Eisenchlorid und (wenig) Ammo- 
niak. Bei Gegenwart von zinkfällenden Salzen (Phosphaten, Carbonaten) 
geht idas Oxyhämoglobin leicht in den Zinkniederschlag ein, durch essig- 
saures Eisenoxyd, sowie durch Bleioxyd kann eine Oxyhämoglobin- 
lösung wie eine Albuminlösung (S. 1125) völlig vom Oxyhämoglobin be- 
freit werden. 

Als Salze, welche das Oxyhämoglobin nicht fällen, führt Jutt 2 ) an Mangano- 
sulfat, Ferrosulfat, Thalliumcarbonat, Kaliumchromat, Natriumwolframiat. Nach 
C. G. Lehmann gibt das Oxyhämoglobin mit Kaliumdichromat einen reichlichen 
Niederschlag. Eine mit Bleizucker versetzte Oxyhämoglobinlösung trübt sich nach 
einiger Zeit, eine mit Bleiessig versetzte Lösung zeigt die Trübung sogleich, viel- 
leicht von beigemengtem Methämoglobin. 

5. Phosphorwolframsäure, Gerbsäure, Jodquecksilberkalium, Na- 
triumwolframiat etc. fällen das Oxyhämoglobin in saurer Lösung wie 
Ei weiss. 

6. Erwärmt man eine wässerige Oxyhämoglobinlösung, so tritt in 
derselben schon unterhalb der Siedetemperatur ein brauner Nieder- 
schlag (von koaguliertem Eiweiss und Hämatin) auf. Die Koagulations- 
temperatur beträgt 64° (P r e y e r 3 ) ; jedoch tritt schon bei längerem Er- 
wärmen auf 54° Koagulation ein. Die Koagulation des Oxyhämoglobins 
erfolgt unter denselben Bedingungen, wie die des Albumins (s. dort), 

x ) Fr. N. Schulz 1. c. 449. — Fr. Kraus, Archiv f. exper. Pathol. 26. 
197. 1890. 

2 ) J. Jutt, Pharm. Post 30. 185; Chem. Zentralbl. 1897. 1. 1031. 

3 ) W, Preyer, Pflügers Archiv 1. 395. 1868. 



Hämoglobin. Eigenschaften. 1221 



doch scheidet sich das Koagulum in Abwesenheit von Neutralsalz nicht 
vollkommen ab. Auch wird das Oxyhämoglobin beim Erhitzen in einer 
mit Ammonsulfat gesättigten Lösung nach Devoto nicht vollständig 
unlöslich. 

7. Durch Alkohol wird das Oxyhämoglobin nur langsam denaturiert. 
Aber schon vor vollständiger Denaturierung (Koagulation) beeinflusst 
Alkohol das O-Bindungsvermögen und auch die Eisenbindung. 

8. Alkalihydrate, alkalisch reagierende Salze, sowie Säuren zer- 
legen das Hämoglobin in Eiweiss (Globin) und Hämatin. 

Wie auf die Globuline, wirken auch auf das Oxyhämoglobin Alkalihydrate 
oder alkalisch reagierende Salze in verdünnter Lösung mit geringerer Energie 
zersetzend ein, als verdünnte Säuren. Bei diesen Zersetzungen bleiben die Produkte 
in Lösung oder erscheinen als Niederschläge, wenn die Verhältnisse derart sind, 
dass eine Albuminlösung bei der Einwirkung der Basen oder Säuren eine Lösung 
oder einen Niederschlag bilden würde. Konzentrierte Mineralsäuren geben z. B. 
Niederschläge von Acidalbumin; Neutralsalze und Säuren zusammen fällen 
das Hämoglobin in der Wärme vollständig, wie das Albumin. Lösungen und 
Niederschläge des zersetzten Hämoglobins unterscheiden sich aber durch ihre 
Färbung von den analogen (ungefärbten) Produkten des Albumins. 

Bei Einwirkung von sehr geringen Mengen Säure entsteht nicht Acid- 
albumin, sondern ,, Globin" (Schulz, Lawrow) 1 ). Versetzt man eine salzfreie 
Hämoglobinlösung mit ganz wenig Säure und schüttelt dann mit Äther unter Zusatz 
von wenig Alkohol, so geht das Hämatin in den Äther, während das Globin in 
der wässerig-alkoholischen Flüssigkeit bleibt. Aus dieser Lösung ist es fällbar 
durch Ammoniak. Das Globin ist ein histonähnlicher Eiweissstoff. 

9. Erwärmt man auch nur eine Spur Oxyhämoglobin mit Eisessig 
und einer Spur Kochsalz, so krystallisiert Chlorhämatin (Hämin) in 
dunkelbraunen, rhombischen Täfelchen aus (Formel C 34 H 33 N 4 FeC10 4 ). 

Wird eine wässerige Oxyhämoglobinlösung mit einer konzentrierten, 
wässerigen Phenollösung erwärmt, so erfolgt nach Kramm 2 ) Zer- 
legung in Hämatin (C 34 H 34 N 4 Fe0 5 ) und Eiweiss; das Hämatin findet 
sich in der (unteren) Phenolschicht. 

10. Das Oxyhämoglobin wirkt ebensowenig wie die anderen Blut- 
farbstoffe direkt oxydierend auf Guajaktinktur. Dagegen hat es wie alle 
eisenhaltigen Blutfarbstoffe die Fähigkeit, als Katalysator („Ozonüber- 
träger") bei gleichzeitiger Anwesenheit von peroxydhaltigen Reagentien, 
wie Terpentinöl, Guajaktinktur zu bläuen. 

C. Nachweis. Für den chemischen Nachweis des Oxyhämo- 
globins überhaupt ist es gleichgültig, ob der Harn Blutkörperchen ent- 
hält oder nicht; den Nachweis von gelöstem Oxyhämoglobin kann man 
nur in negativer Weise so führen, dass man sich von der Abwesenheit 
der Blutkörperchen überzeugt (vgl. Sedimente). Bluthaitiger Harn ist trüb 
und besitzt eine mehr oder minder ausgesprochene blutrote Färbung. 



x ) Fr. N. Schulz, Zeitschr. f. physiol. Ch. 24. 449. 1897. — D.Lawrow, 
Ebenda 26. 343. 1908. 

2 ) W. Kramm, Deutsche med. Wochenschr. 3. 1896 45. 



1222 Schulz, Eiweisskörper 



Die Farbe von Harn, welcher gelöstes Oxyhämoglobin enthält, kann 
zwischen rot und schwarz schwanken, er kann durchsichtig oder, wegen 
reichen Gehalts an Farbstoff, undurchsichtig sein. 

Für den Nachweis des Oxyhämoglobins als solchen ist nur die 
spektroskopische Untersuchung ausschlaggebend; die übrigen Reaktionen 
werden auch vom Methämoglobin erhalten. 

1. a) Man giesst eine Probe des Harns — wenn er stark alkalisch 
war, nach schwachem Ansäuern mit Essigsäure — in ein Glasgefäss 
(Reagenzglas ; Becherglas, Glaskästchen mit parallelen Wänden) und 
bringt dieses vor den weit geöffneten Spalt eines Spektralapparats, in. 
welchen man helles Tageslicht oder das Licht einer stark leuchtenden 
Gas- oder Petroleumlampe fallen lässt und beobachtet die Gegend von 
D bis E. Ist das Gesichtsfeld wegen zu starken Hämoglobingehalts der 
Lösung zu dunkel, so verdünnt man die Flüssigkeit allmählich mit 
Wasser; ist Oxyhämoglobin vorhanden, so treten endlich die Absorptions- 
streifen a und ß (B. 2) allmählich mehr oder minder deutlich hervor; 
enthält der Harn dagegen kein Oxyhämoglobin, so hellt sich das Spek- 
trum in Gelb und Grün immer mehr auf, ohne dass dunkle Streifen, 
sichtbar werden. Enthält der Harn viel anderen Farbstoff, so muss er 
zur Aufhellung des Spektrums stark verdünnt werden und dabei kann 
die Verdünnung leicht so weit gehen, dass das Oxyhämoglobinspektrum 
gar nicht gesehen werden kann. 

Neben dem Oxyhämoglobinspektrum oder statt dessen kann der in 
Rot liegende Streifen des Methämoglobins (s. dort) zugegen sein. — Eine 
Verwechslung des Oxyhämoglobinspektrums ist bei Verwendung einfacher 
Spektralapparate, welche keine genaue Bestimmung der Lage der Ab- 
sorptionsbänder gestatten, möglich mit dem alkalischen und nament- 
lich dem metallischen Spektrum des Hämatoporphyrins (Tafel JI, Spek- 
trum 5 b und 5 d), welche direkt am Harn beobachtet worden ßind. 
Vor einer solchen Verwechslung kann man sich schützen durch Über- 
führung des Sauerstoff-Hämoglobins in sauerstofffreies mittels Schwefel- 
ammon nach B. 1 oder in Hämochromogen nach C. 1 b. 

Über geeignete Spektralapparate siehe vorher. 

Man hat sich vor einer unvorsichtigen Verdünnung des Harns in acht zu 
nehmen, weil man durch einen zu starken Wasserzusatz leicht über die Grenze 
hinausgelangt, innerhalb welcher die Streifen noch wahrgenommen werden; bei 
Gegenwart von nur wenig Hämoglobin kann auch bloss der Streifen a sichtbar 
sein. Störende Farbstoffe (Urobilin, Gallenfarbstoff) lassen sich aus dem Harn 
durch Fällen mit basisch essigsaurem Blei entfernen, wobei das Hämoglobin in 
Lösung bleibt, aber Methämoglobin gleichfalls niedergeschlagen wird; doch darf 
man die Fällung nur in von Haus aus klarem oder in filtriertem Harn vornehmen, 
weil etwa vorhandene Blutkörperchen mitgefällt werden würden. Umgekehrt 
kann man die Dicke der vom Licht durchwanderten Schicht vergrössern, wenn 
die Orte der Absorptionsstreifen keine Verdunkelung aufweisen. Übrigens lassen 



Hämoglobin. Nachweis. Spektrum. 1223 



sich nach Vierordt x ) auch dann, wenn nicht die geringste Andeutung von Ab- 
sorptionsbändern vorhanden ist, Spuren von Sauerstoff -Hämoglobin noch an der 
sehr merklich stärkeren Absorption zwischen D7E und D 15 E, sowie zwischen 
D 64 E und D 87 E, sowie Spuren von reduziertem Hämoglobin an der Absorption 
in D 19 E bis D 54 E erkennen. 

Harne mit nicht zu starker Eigenfarbe lassen sich sehr wohl in einer 
Schicht von 10 — 20 cm Dicke spektroskopieren, so cass man sie vorteilhaft in 
Polarisationsröhren einfüllt und diese mit der Längsrichtung vor den Spalt des 
Spektriskops legt. In 20 cm dicker Schicht lässt sich noch ein Blutgehalt von 
0,005 ° (2 Tropfen Blut auf die Tagesmenge Harn) erkennen. (Schumm) 2 ). 

Trüben Harn hat man vor der Untersuchung zu filtrieren. Ist der Filter- 
rückstand rot, so kann er Blutkörperchen enthalten; man stellt dann aus dem 
Rückstand durch Behandeln desselben mit Wasser eine Lösung her, welche sich 
zur spektroskopischen Untersuchung noch besser eignet, als der Harn selbst. 

Nach Camus 3 ) verändert längeres Einwirken des Harns auf Hämoglobin 
die Eigenschaften des Hämoglobins so, dass eine leichte Hämoglobinurie spektro- 
skopisch verkannt werden kann. Eine Eisenbestimmung im Harn soll dann als 
Ersatz eintreten. 

b) Ist das Spektrum des Sauerstoff-Hämoglobins schwach oder 
nicht sichtbar, so empfehlen Lewin und Posner, sowie Linos- 
s i e r 4 ) so zu verfahren, dass etwa vorhandenes Hämoglobin in redu- 
ziertes Hämatin (Hämochromogen) übergeführt wird, dessen Spektrum 
stärker ist als das des Hämoglobins. 

Man reduziert zunächst das Sauerstoff -Hämoglobin. Linossier schlägt dazu 
vor, der Probe einen Tropfen der Lösung eines hydroschwefligsauren Salzes zuzu- 
setzen; dieses auch käufliche Salz erhält man leicht, wenn man Zink auf saures schwef- 
ligsaures Natron einwirken lässt, jedoch nur kurze Zeit, da eine starke Lösung des 
Salzes das Hämoglobin fällt. Statt des Hydrosulfits kann man sich auch einer 
Schwefelammonlösung bedienen, die Reduktion verläuft dann aber langsamer. Das 
Spektrum des reduzierten Hämoglobins ist schwächer, als das des Sauerstoff-Hämo- 
globins; es kann also geschehen, dass das vorher noch sichtbare Spektrum ver- 
schwindet. Fügt man der Flüssigkeit dann einige Tropfen konzentrierte Natron- 
lauge zu, so kommt das Spektrum des Hämochromogens (Taf. III. 3. Spektrum 3) 
zum Vorschein, in welchem der Streifen a der dunklere ist; dieser liegt zwischen a 
und ß des Spektrums des Sauerstoff-Hämoglobins. Das Spektrum verschwindet 
beim Erwärmen auf 50° und kehrt beim Erkalten wieder. — Verwendet man statt 
Schwefelammon und Natronlauge nacheinander sogleich eine überschüssiges Alkali- 
hydrat enthaltende Schwefelkalium- oder Schwefel na triumlösung, so entsteht so- 
gleich Hämochromogen. — Leider bewirkt de» Zusatz von Kalilauge eine oft sehr 
starke Trübung durch die sich ausscheidenden Phosphate des Ca. u. Mg, so dass 
man nur in dünnen Schichten spektroskopieren kann (Schumm) 5 ). 

c) Zum schnellen und einwandfreien Nachweis von Blutfarbstoff 
im Harn empfiehlt Schumm folgende Extraktionsmethode, die es ge- 
stattet, den chemischen Nachweis durch die Guajakprobe oder die Ben- 
zidinprobe mit dem spektroskopischen Nachweis zu vereinigen. Mit 



*) Vierordt, Zeitschr. f. Biol. 10. 29. 1874. 

2 ) O. Schumm, Zeitschr. f. Physiol. u. Path. d. Stoffwechsels 1908, auch 
separat erschienen bei Urban und Schwarzenberg 1908. 

3 ) J. Camus, These de Paris 1903. 

4 ) L. Lewin und C. Posner, Zentralbl. f. d. med. Wissensch. 1887. 355. — 
G. Linossier, Bull, de la soc. chim. [2] 49. 691. 1888. 

:> ) O. Schumm, 1. c. sowie Münchn. med. Wochenschr. 55. 1488. 1908. 



1224 Schulz, Eiweisskörper. 



dieser Probe werden sowohl Oxyhämoglobin als auch Methämoglobin 
und eventuell auch Hämatin nachgewiesen. 

50 ccm Harn werden mit 5 — 10 ccrh Eisessig und 40 — 50 ccm Äther 
im Scheidetrichter stark geschüttelt. Nach erfolgter Trennung der beiden 
Schichten (eventuell müssen einige Tropfen Alkohol hinzugegeben 
werden) lässt , man die untere wässerige Harnschicht abfliessen. Die 
Ätherlösung wird mit 5 ccm Wasser geschüttelt und die wässerige 
Schicht wieder abgelassen. Zu der gewaschenen Ätherlösung gibt man 
mehrere ccm Ammoniak und schüttelt unter Kühlung 1 / 2 Minute. Die 
Reaktion muss nach dem Schütteln noch stark alkalisch sein. Man lässt 
nunmehr die mehr oder weniger stark gefärbte wässerige Schicht, die 
den Blutfarbstoff als Hämatin enthält, mit einem Teil der Ätherlösung 
(zum Schutz gegen Reoxydation der wässerigen Lösung) in ein am 
besten planparalleles Glas von 2 — 4 cm Durchmesser fliessen, setzt 
etwa 5 — 10 Tropfen gesättigter Schwefelammoniumlösung zu und unter- 
sucht spektroskopisch auf Hämochromogen. Ein Teil der Ätherlösung, 
siehe oben, kann zur Anstellung der Guajakprobe oder der Benzidin- 
probe benutzt werden. 

2. Man erhitzt den Harn wie zum Nachweis des Albumins 
(S. 1106) zum Kochen; bei Gegenwart von Hämoglobin ist das 
Gerinnsel nicht weiss, sondern mehr oder minder braun, um so weniger 
aber, je mehr Eiweiss neben dem Blut im Harn enthalten ist. 

Wesentlich schärfer wird die Probe in folgender Weise. Der Harn 
wird bei. ganz schwach saurer Reaktion gekocht; falls kein deutliches 
Gerinnsel eintritt, gibt man etwas Eiweisslösung oder Eiweissharn (blut- 
frei) hinzu. Das entstandene Koagulum wird abfiltriert, ausgewaschen; 
dann wird mit ca. 20 ccm Alkohol, dem einige Tropfen konzentrierte 
Schwefelsäure zugesetzt sind, verrieben, zum Sieden erhitzt und fil- 
triert. Das Filtrat wird mit NaOH alkalisiert und mit einigen Tropfen 
Schwefelammoniumlösung versetzt zur Reduktion des Hämatins. Die 
Flüssigkeit zeigt jetzt das Spektrum des Hämochromogen. Bei Ver- 
arbeitung grösserer Harnmengen gestattet diese Probe den Nachweis 
sehr geringer Blutmengen. — Nach S c h u m m lassen sich jedoch kleine 
Blutmengen so nicht mehr sicher nachweisen. 

3. Man macht den Harn mit Natronlauge stark alkalisch und 
kocht auf. Dabei liefert das Hämoglobin Hämatin, welches von den 
zugleich abgeschiedenen Erdphosphaten aufgenommen wird; der ent- 
stehende flockige Niederschlag ist schön blutrot (Heller) 1 ). Sehr 
empfindliche Probe. 



x ) Heller, Zeitschr. d. k. k. Gesellseh. d. Ärzte zu Wien. 48. 1858. 



Hämoglobin. Nachweis. 1225 



Die Probe gelingt nach Rosenthal 1 ) noch mit Harn, welchem auf das 
Liter 1 ccm Blut zugesetzt ist; bei nur halb soviel Blut ist sie unsicher. 

Lässt sich die rote Färbung des Niederschlages nicht erkennen, weil der 
Harn, z. B. ikterischer, zu dunkel ist, so filtriert man den Niederschlag ab. Der 
Niederschlag löst sich in Essigsäure mit roter Farbe und entfärbt sich an der Luft 
allmählich. — Nach dem Gebrauch von Senna, Santonin, Rheum etc. geht gelber 
Farbstoff in den Harn über, der durch Alkalien gleichfalls rot wird; der Phosphat- 
niederschlag wird in diesem Falle von Essigsäure mit citronengelber Farbe gelöst 
und färbt sich an der Luft violett. — Auch andere pathologische Farbstoffe (Hämato- 
porphyrin) enthaltender, hämoglobinfreier Harn kann nach Fi lehne einen roten 
Niederschlag geben. Der hämatinhaltige Niederschlag zeigt das alkalische Hämatin- 
spektrum und lässt sich so leicht von dem durch Chrysophansäure oder Hämato- 
porphyrin gefärbten Niederschlag unterscheiden (Garrod) 2 ). 

Nach Schumm darf die Probe nur als Vorprobe gelten, da ihr negativer 
Ausfall kleinere Blutmengen, die aber klinisch noch von Bedeutung sind, nicht 
ausschliesst. 

Nach M e r z 3 ) sind es wahrscheinlich die Mg-salze und Kalk- 
eiweissverbindungen, welche beim Sieden bluthaltigen Harns mit Kali- 
lauge die Hämatinfällung auslösen. 

4. Gleichfalls sehr kleine Mengen Hämoglobin lassen sich nach 
Struve 4 ) im Harn noch nachweisen, wenn man den Harn mit Tannin 
fällt und mit dem Niederschlag die Häminprobe (B. 9) anstellt. 

Struve erhielt Hämin noch aus 20 ccm eines Harns mit 0,023% Blut, 
Rosenthal dagegen bei solcher Verdünnung nicht mehr, wohl aber noch, wenn 
dem Harn auf das Liter 0,5 ccm Blut zugesetzt war. 

Nach Struve soll man den Harn erst mit etwas Ammoniak oder Alkali- 
hydrat, dann mit Tannin versetzen, mit Essigsäure ansäuern, den Niederschlag 
auf einem Filter sammeln, auswaschen und nach dem Trocknen (in gelinder Wärme) 
der Häminprobe unterwerfen. Man kann auch den Harn direkt mit Tannin, wenn 
nötig unter Essigsäurezusatz, fällen. 

Die Häminprobe stellt man in folgender Weise an: Man bringt ein sehr 
kleines Körnchen des Niederschlages auf einen Objektträger, legt ein Kochsalz- 
kryställchen daneben, bedeckt mit dem Deckglas und füllt den Raum zwischen 
beiden Gläsern mit Eisessig. Dann erwärmt man das Präparat über einer kleinen 
Flamme, aber so, dass die Flüssigkeit nicht ins Sieden gerät, indem man zugleich 
den verdunsteten Eisessig immer wieder ersetzt. Bei Gegenwart von Hämo- 
globin umgibt sich das farbige Körnchen zunächst mit einer braunen Lösung und 
es erscheinen dann in der Nähe des Niederschlages oder in ihm selbst die charakte- 
ristischen rhombischen, braunen Kryställchen des Hämins. — Struve empfiehlt, 
die Essigsäure in der Kälte einwirken zu lassen. 

Schumm löst den Tanninniederschlag in NH 3 , setzt Schwefelammonium 
hinzu und Spektroskopie rt. Empfindlichkeitsgrenze 1 : 5000 bei Verarbeitung 
von 100 ccm Harn. 

5. Rosenthal veraschte den Tanninniederschlag nach dem Auswaschen in 
einer Platinschale, löste die Asche in einigen Tropfen Salzsäure in der Wärme und 
prüfte die verdünnte, wenn nötig vorher durch ein mit Salzsäure gewaschenes 
schwedisches Filter filtrierte Lösung mit einer Mischung von Ferro- und Ferri- 



x ) C. Rosenthal, Virchows Archiv 103. 516. 1886. 

2 ) W r . Filehne, Virchows Archiv 117. 417. 1889. — Garrod, Edinburgh 
Med. Journ. Aug. 1897. 115. 

3 ^ G. F. Merz. Geneesk. Tijdsch. o. Nederlandsch-Indie 47. 2. 226. 1907. 
4 ) H. Struve, Zeitschr. f. analyt. Ch. 11. 29. 



1226 Schulz, Eiweisskörper. 



cyankalium auf Eisen. Nach Zusatz von 0,5 ccm Blut zu 1 Liter normalem oder 
eiweisshaltigem Harn wurde selbst noch bei Verwendung von 25 ccm Harn deut- 
lich Berlinerblau erhalten, während blutfreier, normaler oder eiweisshaltiger Harn 
eine viel schwächere Eisenreaktion gab. 

6. Zur Isolierung kleiner Mengen Blut aus Harn hat sich W o 1 f f 
der schon von G u n n i n g und van Geuns 1 ) ausgeführten Fällung 
des Hämoglobins mit essigsaurem Zink bedient (B. 4). 

Zur Bildung des Niederschlages sollen 30 — 60 ccm Harn mit 0,1 Volumen 
3%iger Zinkacetatlösung im Wasserbad erwärmt werden. Die ammoniakalische 
Lösung des Niederschlages benützt Wolff zur spektroskopischen Untersuchung. 

Schumm reduziert die ammoniakalische Lösung und spektroskopiert dann. 
Die Empfindlichkeitsgrenze fand er dann bei 1 : 20000. 

7. Sehr empfindlich und leicht ausführbar ist die von Sonnen- 
schein 2 ) angegebene Probe durch Fällung des Hämoglobins mit wolf- 
ramsaurem Natron (S. 1117). 

Der Harn wird nach reichlichem Zusatz von Essigsäure mit wolframsaurem 
Natron gefällt, der schmutzig rosenrote Niederschlag auf einem Filter gesammelt 
und auf dem Filter in massig verdünntem Ammoniak gelöst. Die braunrote 
Lösung zeigt das Spektrum des alkalischen Methämoglobins (Taf. I. 2. Spek- 
trum 2 b). Es lassen sich so noch Spuren Blut nachweisen. 

8. Die nunmehr folgenden Reaktionen beruhen auf der Fähig- 
keit des Blutfarbstoffes und seiner eisenhaltigen Farbstoffderivate (Hämo- 
chromogen, Hämatin), Oxydation zu vermitteln. Das älteste hierauf 
beruhende Verfahren ist die van Deen sehe Guajakprobe , bei 
welcher Guajakonsäure zu Guajakblau oxydiert wird. Diese Oxydationen 
gehen nicht direkt vor sich, sondern es muss Sauerstoff in leicht akti- 
vierbarer Form vorhanden ,sein, wie er im alten Terpentinöl sich vor- 
findet oder im H 2 2 gegeben ist. Die Aktivierung dieses Sauerstoffes 
kann durch verschiedenste anorganische (viele Colloide) und organische 
Stoffe (z. B. katalytische Fermente) bewirkt werden. Die Reaktionen 
sind daher nicht eindeutig. Für den Harn kommt als Fehlerquelle ins- 
besondere die Gegenwart von Leucocyten (bezw. Eiter) in Betracht. 
Man hat vielfach versucht, diese Probe schärfer zu machen. In der 
Regel werden die Reaktionen dadurch aber weniger eindeutig. 

1. Guajakproben. 

a) Die alte Guajakprobe nach van Deen mit Terpentinöl. 

Die Guajakprobe. In einem Reagenzrohr mischt man gleiche 
Teile Guajaktinktur und alten Terpentinöles, welches an der Luft unter 
dem Einfluss des Lichtes stark ozonhaltig, Avie man früher sagte, oder 
was richtiger ist, an Peroxyden reich geworden ist (Lieberman n). 



x ) C. H. Wolff, Pharm. Zentralh. 28. 617. 1887; Chem. Zentralbl. 299. 
1888. — J. W. Gunning urd J. van Geuns, Ebenda 37. 1871. — O. Schumm 1. c. 

a ) F. C. Sonnenschein, Vtjschr. f. gerichtl. Med. [21. 17. Heft 2. Chem. 
Zentralbl. 424. 1873. 



Hämoglobin. Nachweis. Guajakprobe. 1227 



Zu diesem Gemenge, welches keine Blaufärbung zeigen darf, setzt man 
dann Harn. Bei Gegenwart von Blut oder Blutfarbstoff tritt nun an 
der Berührungsstelle der Flüssigkeiten erst ein blaugrüner und dann 
ein schön blauer Ring auf. Beim Umschütteln wird das Gemenge mehr 
oder weniger schön blau. Normaler und auch eiweisshaltiger Harn 
gibt diese Reaktion nicht (Hammarsten) 1 ). Die G u a j a k t i n k t u r 
benutzt man zweckmässig als 1 — 5 o/o ige Lösung in 96o/oigem Alkohol. 
Das beim Zusetzen der Guajaktinktur zum Harn sich ausscheidet nie 
Harz kann durch Zusatz von Alkohol absol. wieder gelöst werden (Hol- 
länder) 2 ). 

Die Reaktion kommt nach Liebermann in der Weise zustande, dass 
der Blutfarbstoff auf das in dem Terpentinöl enthaltene Peroxyd wirkt. Durch 
den entstehenden aktiven .Sauerstoff wird die Guajakonsäure zu Guajakblau 
(Guajakonsäureozonid). Terpentinöl enthält weder Ozon noch H...Q., (Eng ler 
und Weinberg, Carlson, Liebermann, Vitali 3 )). 

Eiter gibt die Blaufärbung schon ohne Terpentinöl. Die bläuende Wirkung 
des Eiters geht im Gegensatz zu der des Blutfarbstoffes beim Erhitzen verloren. 
Einen in Zersetzung befindlichen, alkalischen Harn muss man vorher schwach 
ansäuern. Das Terpentinöl soll am Tageslicht, die Guajaktinktur in dunkler 
Flasche aufgehoben werden. Die Reagentien sind in zweifelhaften Fällen mit 
Blut auf ihre Brauchbarkeit zu prüfen. Die Probe ist sehr scharf. Bei negativem 
Ausfall sind daher auch Spuren von Blut auszuschliessen. Bei positivem Ausfall 
ist, da die Probe nicht entscheidend für Blutfarbstoff ist, die Probe durch andere 
Proben zu kontrollieren. 

Nach Aisberg bläut Hämoglobin (und seine Derivate) wahrscheinlich 
deshalb, weil es in Gegenwart von H»0 2 Eisen abspaltet. Carlson sowie Pighini J ) 
betonen die Wirksamkeit von „kolloidalem Eisenoxyd"; letzterer glaubt, dass 
bei der Guajakreaktion des Blutes das Hauptelement das ausserhalb des Hämo- 
globins befindliche Eisen des Blutes sei. 

Die Reaktion mit G u a jakonsaüre (sowie mit A 1 o i n , siehe 
später) wird von allen eisenhaltigen Derivaten des Hämoglobin gegeben. 
Mit Hämatoporphyrin ist dieselbe negativ (Bück m aste r). Blut 
gibt die Guajakreaktion auch nach dem Aufkochen. Eiter nicht. 
Humatin, Hämin geben die Reaktion, Bilirubin nicht (Lesser, Moi- 
tes s ier) 5 ). 



x ) 0. Hammarsten, Lehrbuch d. physiol. Ch. 6. Aufl. 1907. 647. 

2 ) Hugo Holländer, Budapesti orvosi ujsag 1905. Nr. 39; Jahresber. f. 
Tierch. 35. 141. 1905. 

3 ) Lieber mann, Pflügers Archiv 104. 207 u. 227. 1904. — Vitali, Jahresber. 
f. Tierch. 18. — C. Eng ler und Weinberg, Ber. d. ehem. Gesellsch. 31. 3046. — 
C. E. Carlson, Zeitschr. f. physiol. Ch. 48. 59. 1906. — L. Liebermann und 
P. Lieber mann, Pflügers Archiv 108. 489. 1905. 

4 ) K. L. Aisberg, Archiv f. exper. Pathol. u. Pharm. 1908. Supplement- 
band. Schmiedeberg-Festschrift. 5. 39. — G. Pighini, Arch. Fissilogica 4. 67. 
1908; Jahresber. f. Tierch. 38. 188. 1908. 

3 ) G. A. Buckmaster, Journ. of physiol. 35. 45. 1907. — E. J. Lesser, 
Zeitschr. f. Biol. 49. 571. 1907. — J. Moitessier, Compt. rend. Soc. biol. 57. 
373. 1904. 

Neubauer-Huppert, Analyse des Harns. 11. Aufl. 78 



1228 Schulz, Eiweisskörper. 



Nach Schumm 1 ) erreicht man die grösste Genauigkeit (1 : 40000), 
wenn man zu 5 ccm Harn 3 — 5 Tropfen Guajaktinktur und 20 Tropfen 
Terpentinöl hinzusetzt und unter öfterem Schütteln einige Minuten stehen 
lässt. 

A. Bolland 2 ) bedient sich statt der Guajaktinktur einer 0,5%igen 
Lösung von Guajaconsäure. Bolland gibt die Empfindlichkeitsgrenze zu 1:12 000 
an. Durch Zusatz von Zitronensäure wird die Guajakreaktion des Blutfarbstoffes 
nicht gestört, die Reaktion mit Eisensalzen dagegen gehemmt. 

Nach Schröder 3 ) soll man für verschiedene Blutverdünnungen verschieden 
konzentrierte Guajaktinkturen benutzen, und zwar 5, 0,5, und 0,l%ige in 96%igem 
Alkohol. Bei Verwendung von Harn direkt soll man je 2 ccm Guajaktinktur und 
Terpentinöl mit 10 ccm Harn zusammengeben. Bei Benutzung eines Ätherextraktes 
nach Weber je 1 ccm Guajaktinktur, Terpentinöl und Ätherextrakt. — Nach 
Schumm und Rothschild kommt man sehr wohl mit einer Guajaktinktur 
aus, wenn man sich an die obige Vorschrift von Schumm hält. 

Schu m m gibt doch dem Terpentinöl den Vorzug vor dem Wasser- 
stoffsuperoxyd (s. unter b), vorausgesetzt, dass man gutes Terpentinöl 
hat. Dieses beschafft er sich in folgender Weise. Man lässt käufliches 
Terpentinöl in weiten, flachen Schalen in dünner Schicht bei Zimmer- 
temperatur am Tageslicht längere Zeit stehen. Es wird dabei dick- 
flüssig und riecht kaum mehr wie Terpentinöl (das spezifische Gewicht 
beträgt 1,23 gegen 0,87 des frischen Öles). Wegen der Sirupkonsistenz 
ist dieser an sich sehr wirksame Sirup ungeeignet. Man verdünnt ihn 
daher mit etwa der fünffachen Menge gewöhnlichen Terpentinöles. Dieses 
Öl bildet reichlich Jod aus Jodkaliumlösung als Zeichen seiner Wirk- 
samkeit. 

Galle bläut häufig Guajaktinktur (Schumm) 4 ). Über das Ver- 
halten von Gallenharn ist mir nichts bekannt geworden (Schul z). 

Die Verwendung des Terpentinöls hat manche Nachteile. Vor allem 
den, dass die Wirksamkeit sehr verschieden ist, je nach der Vorbehandlung. 
Ferner ist das Verschmieren der Reagenzgläser unangenehm. Letzteres lässt sich 
nach Schaer 5 ) erheblich mindern, wenn man als Lösungsmittel des Guajak-Harzes 
und des Blutfarbstoffes hoch konzentrierte Chloralhydratlösung benutzt. 

b) Die Guajakprobe mit Wasserstoffsuperoxyd. Wasserstoffsuper- 
oxyd ist vielfach als Ersatz für Terpentinöl empfohlen worden (Schmilinsky , 
Holländer, Schaer, Carlson) 6 ); Carlson unterschüttet ein Gemisch von 
Harn und Guajaktinktur mit Wasserstoffsuperoxydlösung. Die Blaufärbung ent- 
steht dann in dem unteren Teil der Flüssigkeit. Nach den eingehenden Versuchen 
von Schumm steht das Wasserstoffsuperoxyd dem guten Terpentinöl an Em- 
pfindlichkeit aber nach, s. vorher. 

x ) J. O. Schumm, Zeitschr. f. physiol. Ch. 48. 69. 1906; 50. 375. 1907. 

2 ) A. Bolland, Zeitschr. f. analyt. Ch. 46. 621. 1907. 

3 ) Knud. Schröder, Jahresber. f. Tierch. 37. 188. 1907. 

4 ) O. Schumm, Zeitschr. f. physiol. Ch. 50. 374. 1907. 

5 ) E. Schaer, Pharm. Zentralbl. 46. 568. 1905. 

6 ) Schmilinsky, Münchener med. Wochenschr. 2145. 1903. — H. Hollän- 
der 1. c. — Ed. Schaer 1. c. — Carlson 1. c. 



Hämoglobin. Nachweis. 1229 



Eine ganze Anzahl von Fehlerquellen bei dieser Guajakprobe, 
sowie bei den anderen Oxydationsproben, wird ausgeschaltet, wenn 
man den Nachweis nicht im Harn direkt, sondern im nach Ansäuern 
mit Eisessig gewonnenen Ätherextrakt anstellt. Diesen Vorschlag hat 
zuerst Weber 1 ) gemacht. Von der Verwendung des Essigsäureäther- 
extraktes ist dann später vielfach Gebrauch gemacht worden. 

Die genauere Vorschrift zur Herstellung des Essigsäureäther- 
extraktes siehe S. 1224. 

2. Proben mit Barbad os-Aloin. Aloin wird unter ähnlichen 
Bedingungen, wie sie bei der Guajakprobe in Betracht kommen, rot 
(Schaer, Klunge, Rössel, Boas u. a.). 

a) Vorschrift von Rössel 2 ). 4 — 6 ccm Harn werden mit 15 — 20 
Tropfen konzentrierter Essigsäure und 6 — 8 ccm Äther lebhaft ge- 
schüttelt. Zum dekantierten Äther werden 15 — 20 Tropfen altes Terpen- 
tinöl (oder 10 — 20 Tropfen frisches starkes Wasserstoffsuperoxyd) hin- 
zugegeben und dann 30 — 40 Tropfen frischer Lösung von Barbados- 
aloin. Nach 1 — 3 Minuten tritt Rotfärbung ein. Beim Verdünnen mit 
dem gleichen Volum Wasser wird die Farbe intensiv kirschrot. 1 : 10 000 
Blut werden sicher angezeigt. Störende Stoffe sollen im Harn nicht 
vorhanden sein. Die Aloinprobe ist also nicht sehr empfindlich. 

Die Aloinlösung wird bereitet durch Auflösen von Aloin in mit 
dem gleichen Volum Wasser verdünntem Alkohol von 90%. 

b) Vorschrift von Boas 3 ). Der Essigsäureätherextrakt wird mit 20 bis 
30 Tropfen Terpentinöl und 10 — 15 Tropfen Aloinlösung versetzt. Einige Tropfen 
Chloroform beschleunigen die Reaktion. 

Schaer verwendet starkes Chloralhydrat als Lösungsmittel, v. Torday 4 ) 
verwendet 3% alkoholische Lösung. 

M. Einhorn 5 ) stellt sich ein Aloin papier durch Tränken von Filtrier- 
papier mit einer Lösung von Aloin in 70%igem Alkohol her. Dieses Papier wird 
in die zu untersuchende Flüssigkeit eingetaucht und dann mit Wasserstoffsuper- 
oxyd Übergossen. Binnen y 2 bis 1 Minute soll Blaufärbung eintreten. Längeres 
Warten ist nicht zu empfehlen. 

3. Verfahren von R. u. 0. Adler 6 ). Benzidin probe. 
Die Probe kann angestellt werden mit einer wässerigen Blut- 
lösung oder auch mit Essigsäureätherextrakt (s. vorher). 

x ) H. Weber, Berliner klin. Wochenschr. 441. 1893. 

2 ) O. Rössel, Deutsches Archiv f. klin. Med. 76. 505. 1903. — Derselbe, 
Compt. rend. de la soc. biol. 55. 347. 1903. 

3 ) J. Boas, Deutsche med. Wochenschr. 00. 865. 1903. 

4 ) E. Schaer, Zeitschr. f. analyt. Ch. 42. 7. 1903. — A. v. Torday, Orvosi 
Hetilap 49. 229. 1905; Wiener klin. Rundschau 19. 453 u. 491. 1905. 

5 ) M. Einhorn, Deutsche med. Wochenschr. 33. 1089. 1907. 

6 ) R. und O. Adler, Zeitschr. f. physiol. Ch. 41. 67. 1904. — D. Vitali, 
Bull. Chim. Farm. 42. 177. 1903; 43. 81. 1904. — N. Tarugi, Gaz. chim. ital. 
32. IL 505. 1903; 33. IL 216. 1904. 

78* 



1230 Schulz, Eiweisskörper. 



Zur Anstellung in wässeriger Lösung wird mit etwas Wasserstoff- 
superoxyd und einigen Tropfen Essigsäure versetzt und hierauf einige 
ccm Benzidinlösung hinzugefügt. Bei Gegenwart von Blut tritt eine 
prachtvolle Grünfärbung auf. Auch nach dem Kochen ist die Probe 
positiv. — Bei Verwendung eines Essigsäure-Ätherextraktes verfährt man 
in der gleichen Weise. Man setzt alkoholischer Benzidinlösung etwas 
H 2 2 und einige Tropfen Essigsäure hinzu. — Zur Verwendung kommt 
eine in der Hitze konzentrierte und nach dem Abkühlen filtrierte alko- 
holische Lösung von Benzidin. 

In der gleichen Weise wie Blutfarbstoff können wirken: Eisen- 
oxydulsalze (V i t a 1 i), Rhodansalze (T a r u g i), oxydierende Fermente 
(indirekte Oxydasen). Auch reduzierende Substanzen können störend 
wirken (Harnsäure). Bei Verwendung einer gekochten Flüssigkeit bezw. 
eines Essigsäure-Ätherextraktes (nach Weber) lassen sich diese Fehler- 
quellen umgehen. 

Die Probe ist mit Blutlösungen 1 : 100 000 noch deutlich. Gua jakprobe 
1 :5000 (Hager); Teichmannsche Probe 1 : 20 000 (R. und O. Adler). Nach 
Schumm und Westphal 1 ) ist die Empfindlichkeit sogar 1 : 200 000 (die der 
Guajakprobe 1 : 25 000). Mit Harn ist die Reaktion weit weniger empfindlich 
(Schumm). 

Die im Handel vorkommenden Benzidinpräparate sind nicht gleichwertig. 
Vorschriftsmässig hergestellte Lösungen zeigten gelegentlich schon nach 5 Tagen 
eine deutliche Abnahme der Wirksamkeit. Es kommt vor, dass ältere Benzidin - 
lösungen an sich bei Zusatz von Wasserstoffsuperoxyd und Essigsäure schon eine 
bläulichgrüne Färbung geben. Man hat daher die Benzidinlösung vorher einer 
Prüfung zu unterziehen (Schumm und Westphal). Das Benzidin Merck wird 
mehrfach empfohlen (Schumm, Walter) 2 ). 

S e m a 1 3 ) empfiehlt die Benzidinprobe in folgender Form. Man 
löst in der Wärme 1 g Benzidin in 10 ccm Eisessig und 30 ccm Wasser, 
filtriert und ergänzt das Gesamtvolum auf 40 ccm. Zu 25 ccm Harn 
fügt man einige Tropfen 10%iger Essigsäure und erwärmt leicht bis 
zum Erscheinen einer geringen Trübung. Dann filtriert man den Harn, 
wäscht das Filter mit heissem Wasser, tränkt es zuerst mit 1 / 3 ver- 
dünntem H 2 2 (12 Vol. o/ ) U nd nachher mit 1 / 2 ccm der Benzidinacetat- 
lösung unter Drehbewegungen des Trichters, so dass alle Teile des 
Filters durchfeuchtet werden. Die geringsten Blutspuren bewirken fast 
sogleich eine starke blaue Färbung des Filters, welche durch Zusatz 
von Essigsäure grau, durch Salzsäure gelb wird. Eiweiss und Eiter ent- 
haltende Harne können nach einiger Zeit, wenn das Filter trocken ge- 
worden ist, eine von der charakteristischen deutlich verschiedene 
schmutziggrüne Färbung zeigen. 

x ) O. Schumm und C. Westphal, Zeitschr. f. physiol. Ch. 46. 512. 1906. — 
O. Schumm, Deutsche med. Wochenschr. 33. 1741. 1907. 

2 ) E. Walter, Deutsche med. Wochenschr. 36. 309. 1910. 

3 ) O. Semal, Ann. de pharm. 14. 145. 1908. 



Hämoglobin. Nachweis. 1231 



Nach Oettinger und Girault x ) ist die Empfindlichkeit der Benzidin- 
probe 1 : 250 000, die der van Deen-Weberschen Guajakprobe 1 : 25 000. 

M. Einhorn 2 ) stellt sich ein sehr empfindliches Benzidinpapier her, indem 
er mit benzidingesättigtem Eisessig Filtrierpapier durchtränkt. Das Papier wird 
in die betreffende Flüssigkeit eingetaucht und dann mit Wasserstoffsuperoxyd 
Übergossen. Die Grünfärbung soll innerhalb l / 2 Minuten eintreten. 

Weinberger empfiehlt die mit der zu untersuchenden Flüssigkeit durch- 
tränkten Papierstreifen zur Hälfte in die H.CX-Lösung eintauchen zu lassen. Die 
durch Eintrocknen bedingte Spontanbläuung bleibt dann aus. 

Utz 3 ) empfiehlt eine konzentrierte Lösung von Benzidinpurpursäure Merck 
in Eisessig oder Alkohol, von welcher man 10 — 12 Tropfen mit 2 l / 2 — 3 ccm 3%igem 
Wasserstoffsuperoxyd mischt. Die Pyridinlösung ist nicht haltbar (Utz). 

Siegel 4 ) hatte angegeben, dass die Benzidinprobe mit Milch und Eiter 
keine Reaktion gebe, dass sich der Blutfarbstoff bei dieser Reaktion von den 
Oxydasen unterscheide. Dieser Angabe ist aber von Sc hu mm und Westphal 
widersprochen worden. 

4. Verfahren von R. u. 0. A d 1 e r 5 ) m i t M a 1 ac h i t g r ü n. 
Man versetzt den Essigsäure-Ätherextrakt mit Lcucomalachitgrün- 

reagens und etwas Wasserstoffsuperoxyd. Sollte hierbei etwas von 
der Leucobase ausfallen, so kann diese durch etwas Eisessig wieder 
in Lösung gebracht werden. Bei Gegenwart von Blut tritt Grün- 
färbung auf. 

Das Reagens stellt man folgendermassen dar: Man bereitet eine konzen- 
trierte Lösung der völlig farblosen, chemisch reinen Leucobase 6 ) des Malachit- 
grün (Tetramethyldiamidotriphenylmethan) in Eisessig. Zur Entfernung der 
selbst bei Verwendung eines vollkommen farblosen Präparates meist auftretenden 
minimalen Grünfärbung setzt man der Lösung eine gleiche Menge von Chloroform 
zu. Man tropft nun in die Mischung unter vorsichtigem Schwenken so lange 
Wasser, bis das Chloroform vollständig ausgefallen ist. Hierauf trennt man das 
grün gefärbte Chloroform von dem darüber befindlichen Reagens. Eine etwa 
vorhandene Trübung des Reagens, welche durch Ausfallen der Leucobase bedingt 
sein kann, wird durch Zusatz von Eisessig beseitigt. Sollte das Reagens noch 
Spuren einer Grünfärbung aufweisen, so wird diese durch Ausschütteln mit wenig 
Chloroform beseitigt. Das so bereitete Reagens muss vollkommen farblos sein. 

Bei Gegenwart reichlicher Mengen von Eisensalzen kann trotz Vorhanden- 
sein von Blut die Grünfärbung ausbleiben und an deren Stelle eine Gelbfärbung 
auftreten. Eisensalze sind daher auszuschliessen, was im Harn und namentlich 
im Essigsäure -Ätherextrakt der Fall ist. 

Die Schärfe der Reaktion ist die gleiche wie bei der Benzidinprobe. Nega- 
tiver Ausfall dieser beiden Proben zeigt, dass selbst minimale Blutspuren fehlen. 
Bei positivem Ausfall sind die obenerwähnten Fehlerquellen zu berücksichtigen. 

5. Die Paraphenylendianiinchlorhyd ratprobe von 
Boas 7 ). 



x ) Oettinger und Girault, La semaine med. 26. 325. 1906. 

2 ) M. Einhorn, Deutsche med. Wochenschr. 33. 1089. 1907. — Weinberger, 
Münchener med. Wochenschr. 55. 2538. 1908. 

3 ) F. Utz, Chemikerztg. 31. 737. 1907. 

4 ) M. Siegel, Münchener med. Wochenschr. 33. 1579, 1905. — Schumm 
und Westphal 1. c. 

5 ) R. und O. Adler, Zeitschr. f. physiol. Ch. 41. 67. 1904. 

6 ) Reine Leucobase, sowie fertiges Reagens liefert Grossdrogerie Wilhelm 
Adler, Karlsbad. 

7 ) J. Boas, Zentralbl. f. d. inn. Med. 27. 601. 1906. 



1232 Schulz, Eiweisskörper. 



Zu dem Eisessig-Ätherauszug werden 1 — 2 Tropfen 0,5o/ ige Para- 
phenylendiaminchlorhydratlösung und 1 ccm n/ 2 alkoholische KOH zu- 
gegeben. Nach Zufügen von 10 — 15 Tropfen 3 o/o H 2 2 und kurzem 
Umschütteln färbt sich die Flüssigkeit bei Anwesenheit von Blut oliven- 
grün, wobei der grüne Ring zwischen Äther- und H 2 2 -Schicht beson- 
ders charakteristisch ist. Die Probe mit Guajaktinktur oder Aloin ist 
für verdünnte Blutlösungen etwa gleichwertig, die Benzidinreaktion ent- 
schieden schärfer. Dagegen ist die Probe für den Harn nach S c h u m m 
weniger empfindlich. Sie bietet aber den Vorteil, dass blutfreier, eiter- 
haltiger Harn keine oder nur sehr undeutliche Reaktion gibt. 

Sc hu mm und Remstedt 1 ) empfehlen bei dieser Reaktion bei wässerigen 
Blutlösungen die Reagentien in folgender Reihenfolge zuzusetzen: 2 Tropfen 

1 2%ig e Paraphenylendiaminchlorhydratlösung, 1 ccm 9 alkoholische KOH, 1 ccm 

H 2 2 und dann tropfenweise etwa 5 Tropfen 30% ige Essigsäure. Der charak- 
teristische Farbenumschlag tritt beim Zusatz der Essigsäure ' ein und zwar zu- 
nächst momentan Olivgrünfärbung; allmählich entsteht Rot-, Braunrot- oder 
Violettfärbung. 

6. E. Rieglers Hydrazinreagens auf Blutfarbstoffe 2 ). Die Re- 
aktion beruht darauf, dass durch Reduktion mit Hydrazin in alkalisch-alkoho- 
lischer Lösung Hämochromogen erzeugt und spektroskopisch identifiziert wird. 

10 ccm Harn werden mit 10 ccm Reagens geschüttelt und % Stunde stehen 
gelassen; dann spektroskopisch auf die Streifen des Hämochromogens geprüft. 
Bei sehr geringen Blutmengen wird das Kochkoagulum eventuell nach Zusatz 
von Eiweiss (s. vorher) mit dem Reagens behandelt. 

Das Reagens wird hergestellt, indem man 10 g Natriumhydroxyd in 100 ccm 
Wasser löst und diese Lösung mit 5 g Hydrazinsulfat bis zur Lösung schüttelt 
Dann werden 100 ccm Alkohol von 96% zugefügt und nach Schütteln und zwei- 
stündigem Stehen filtriert. Das Reagens ist wasserklar und unbegrenzt haltbar. 

7. Die Blutprobe mit Phenolphthalein. Phenolphthalin wird durch 
Sauerstoffübertragung zu Phenolphthalein (Meyer). Utz 3 ) bestätigt diese Angabe 
von Meyer. 

Slowzow 4 ) gibt folgende Vorschrift : Man löst 2 g Phenolphthalein in 100 ccm 
20%iger Lauge und reduziert mit 10 g Zinktalg. Die durch Erwärmen farblos 
gewordene Flüssigkeit wird unter flüssigem Paraffin aufbewahrt. Zur Reaktion 
mischt man 1 ccm derselben mit 2 ccm der zu untersuchenden Flüssigkeit und 
setzt 1 — 2 Tropfen 10%iges Wasserstoffsuperoxyd hinzu. Bei Gegenwart von 
Blut tritt sofort eine deutliche Rotfärbung ein. 

Delearde und Benoit halten die Phenolphthaleinprobe für brauchbar, 
Pozzi-Escot 5 ) verwirft sie dagegen wegen zu zahlreicher Fehlerquellen. Er erhielt 
auch in einigen blutfreien Harnen positive Reaktion. 

J ) O. -Schumm und H. Remstedt, Zentralbl. f. d. inn. Med. 27. 992. 
1906; s. auch bei Schumm, Zeitschr. f. physiol. Ch. 50. 390. 1907 sowie Zen- 
tralbl. f. d. Physiol. u. Pathol. d. Stoffwechsels 1908. Separatabdruck. Seite 9. 

2 ) E. Riegler, Zeitschr. f. analyt. Oh. 43. 539. 1904. 

3 ) F. Utz, Chem. Ztg. 1903. 115'. — E. Meyer, Münchn. med. Wochen- 
schrift 1903. 1492. 

4 ) B. J. Slowzow, Jahresb.f. Tierch. 39. 116. 1909. — Wratschl909. 641. 

5 ) Delearde u. Benoit, Compt. rend. soc. biol. 64. 1048. 1908. — 
L'echo med. du Nord 12. 326. 1908. — M. Emm. Pozzi-Escot, Bull. soo. 
chim. de Belgique 22. 415. 1908. 



Methämoglobin. 1233 



VI. Methämoglobin. 

A. Vorkommen. Das Methämoglobin ist im Bhit und Harn angetroffen 
worden; doch sind nicht alle hierüber gemachten Angaben verlässlich, da der 
Nachweis öfter auf eine unvollständige spektroskopische Untersuchung gegründet 
war und deshalb Verwechslungen mit dem Hämatin nicht ausgeschlossen sind. — 
Nach Hoppe-Seyler x ) enthält jeder Harn mit gelöstem Blutfarbstoff in frischem 
Zustand Methämoglobin, das beim Stehen des Harns aber zu Hämoglobin und 
weiterhin zu Sauerstoff-Hämoglobin wird. 

B. Eigenschaften. 1. Das Methämoglobin besitzt dieselbe elementare 
Zusammensetzung wie das Oxyhämoglobin, hält aber den Sauerstoff fester gebunden. 
Durch schwache Oxydationsmittel (Ferricyankalium etc.), durch die Einwirkung 
saurer Salze etc. verwandelt sich das Sauerstoffhämoglobin in Methämoglobin 
(S. '2 '8). Erwärmen des Harns allein auf ungefähr 46° bewirkt nach Lewin und 
Posner 2 ) die Überführung des Sauerstoffhämoglobins in Methämoglobin, stärkeres 
Erwärmen (auf ungefähr 48°) führt zur Bildung von Hämatin. Reduktionsmittel 
( Schwefelammon etc.) verwandeln das Methämoglobin in sauerstofffreies Hämo- 
globin, das seinerseits wieder Sauerstoff aufnehmen kann. Die Fäulnis bewirkt 
die gleiche Reduktion. 

2. Das Methämoglobin krystallisiert in braunen mikroskopischen Nädelchen 
oder Tafeln; seine Lösungen sind gleichfalls braun. 

3. In neutraler Lösung zeigt das Methämoglobin das Spektrum Tafel I 2 a. 
Die vier Streifen entsprechen nach Bertin-Sans den Wellenlängen 633, 580, 
538,5, 500; nach Vier or dt liegt der Streifen I des Methämoglobinspektrums 
zwischen C 15 D und C 65 D, der Streifen II zwischen D 8 E und D 30 E und der 
Streifen III zwischen D 73 E und E 5 F. 

Die Streifen II und III besitzen nahezu die Lage von a und ß im Spektrum 
des Sauerstoffhämoglobins, nur ist II blasser als III, im Gegensatz zu den Hämo- 
globinstreifen. Nach Araki, sowie nach Dittrich 3 ) rühren diese zwei Streifen 
von Hämoglobinresten her, nach Bertin-Sans sind sie dagegen dem Methämo- 
globin eigentümlich. Streifen IV ist am besten bei grosser Verdünnung der Lösung 
zu sehen. Der Streifen I, der dunkelste und auffälligste, fällt zusammen mit 
dem Streifen des Hämatins in saurer Lösung (Taf. I 3 a) und dem des Cholecyanins 
in saurer Lösung (Taf. II 6 a). Auf Zusatz von Ammoniak nimmt aber das 
Methämoglobinspektrum das Aussehen von Taf. II 6 b an und ist dadurch vom 
alkalischen Spektrum des Hämatins und des Cholecyanins verschieden. 

4. Seine übrigen Eigenschaften sind die des Hämoglobins; doch unter- 
scheidet es sich von diesem noch dadurch, dass es durch basisch essigsaures 
Blei oder in neutraler Lösung durch neutrales essigsaures Blei gefällt wird. 

C. Nachweis. Der Nachweis des Methämoglobins ist nur durch das Spektro- 
skop sicher zu führen. Doch darf man sich nicht allein durch das Auftreten 
des Spektrums, welches das Methämoglobin in neutraler Lösung zeigt, zur An- 
nahme bewegen lassen, dass der Farbstoff vorhanden sei, sondern hat, um Ver- 
wechselungen, namentlich mit Hämatin vorzubeugen, das Spektrum nach B. 3. 
noch näher zu untersuchen. Die daselbst angegebenen Reaktionen lassen sich 
auch mit Harn recht wohl ausführen. 

Beeinträchtigt kann das Spektrum des Methämoglobins werden durch die 
Gegenwart anderer Farbstoffe, die so wie das Hämoglobin selbst ein Absorptions- 



x ) Hoppe-Seyler, Zeitschr. f. physiol. Ch. 5. 6. 

2 ) L. Lewin und C. Posner, Zentralbl. f. d. med. Wissensch. 1887. 355. 

3 ) H. Bertin-Sans, Comptes rendus 106. 1243. 1888. — Vierordt, Die 
quantitative Spektralanalyse etc. Tübingen 1876. 60. — T. Araki, Zeitschr. f. 
physiol. Ch. 14. 405. 1890. — P. Dittrich, Archiv f. exper. Pathol. 29. 247. 1891. 



1234 Schulz, Eiweisskörper. 



spektrum besitzen, deren Streifen in die Region der Streifen des Methämoglobins 
(in alkalischer Lösung) fallen, oder die, wie der Gallenfarbstoff oder das Urobilin, 
das Gesichtsfeld verdunkeln. Der Gallenfarbstoff lässt sich in solchem Falle in 
der Weise entfernen, dass man den Harn mit Ammoniak schwach alkalisch macht 
und mit Chlorcalcium ausfällt. Sauerstoffhämoglobin sowie Urobilin lassen sich 
vor dem Methämoglobin nicht abscheiden; ist die Gegenwart dieser für die Beob- 
achtung störend, so fällt man den Harn, nach Entfernung des Gallenfarbstoffes 
durch Chlorcalcium, mit basisch essigsaurem Blei, zerlegt den Niederschlag mit 
kohlensaurem Natron und untersucht die so gewonnene Farbstofflösung spektro- 
skopisch. 



VII. Die Proteinsäuren des Harns. 

A. Vorkommen und Bedeutu n g. 

Erst in neuerer Zeit ist eine ^Gruppe von Stoffen bekannt ge- 
worden, die offenbar hochmolekulare Verbindungen enthält, die durch 
ihren Stickstoffgehalt sich als in Beziehung zum Eiweissstoffweehsel 
stehend dokumentiert. Hierher gehört die Uroprotsäure C 1 o e 1 1 a s , die 
verschiedene n Oxyproteinsäuren, die Bondzynki und seine Schüler 
beschrieben haben, die Uroferrinsäure von Thiele und andere Sub- 
stanzen mehr, die man früher zu den stickstoffhaltigen Extraktivstoffen 
des Harns rechnete. Die Darstellung und chemische Charakterisierung 
dieser Proteinsäuren ist schwierig, dagegen ist verhältnismässig leicht, 
sich über die absolute Menge dieser Stoffe einen Anhaltspunkt zu ver- 
schaffen. Es scheinen bestimmte Beziehungen zwischen der Menge dieser 
Stoffe und bestimmten Erkrankungen zu bestehen, so dass die Bestim- 
mung dieser Stoffe beträchtliches klinisches Interesse gewonnen hat. 
Bei der Schwierigkeit der Darstellung ist es nicht zu verwundern, dass 
die Angaben über die Eigenschaften beträchtlich voneinander abweichen. 

Es seien zunächst die Beobachtungen der Reihe nach aufgeführt. 

C. Voit beobachtete zuerst im Harn eine N- und S- enthaltende Substanz, 
die ebenso wie der Harnstoff eine Verbindung mit salpetersaurem Quecksilber- 
oxyd eingeht, deren Elementaranalyse aber keine übereinstimmenden Ergebnisse 
hatte. Er berechnete die Menge des in dieser Substanz enthaltenen Kohlenstoffs 
auf bis zu 12 g pro Tag. Pettenkofer und Voit berechneten später den C- Gehalt 
dieser Verbindung auf etwa 5 g beim Menschen. Bondzynski und Gottlieb 
gelang es 1897 aus dem Harn von Hunden eine neben Harnstoff durch salpeter- 
saures HgO fällbare Säure darzustsllen und zu analysieren, die sie wegen ihrer 
Ähnlichkeit mit der von Maly bei Oxydation von Ei weiss mit Permanganat ge- 
wonnenen Peroxyproteinsäure „Oxyproteinsäure" nannten. Bei Phosphorver- 
giftung soll diese Säure vermehrt sein. Sie fanden, dass der N der Säure 2 — 3% 
vom Gesamtharnstickstoff des Menschen und 2%% von dem des Hundes aus- 
mache. Töpfer gelangte bei einer Nachprüfung dieser Angaben zu einem in 
braunen Drusen krystallisierenden, sauren, durch alkalische Sublimatlösung fällbaren 
Stoffe. Er berechnete im Harn die vorhandene Menge Harnstoff, Harnsäure, 
Ammoniak, Alloxurkörper, Kreatinin und Hippursäure und fand so, dass von 
der Gesamtmenge des Harnstickstoffs nur ein Rest von V 10 % ^ ur Substanzen 






Proteinsäuren. Vorkommen. 1235 



unbekannter Artübrigblieben. — Cloetta 1 ) isolierte ein Gemenge von Säuren der 
Oxyproteinsäuregruppe, das er Uroproteinsäure nannte. Bei Zersetzung mit 
Schwefelsäure erhielt er Ameisensäure, Kohlensäure und Ammoniak. 

Pregl 3 ) ging auf die Voit sehen Angaben zurück, isolierte ein nach dem 
damaligen Stand der Frage einheitlich erscheinendes Gemenge von Oxyprotein- 
säuren und bestätigte die Zahlenwerte von Bondzynski und Gottlieb. — 
Pfaundler fand bei seiner Fraktionierung des Harnstickstoffs eine Gruppe, die 
durch Phosphorwolframsäure nicht fällbar ist und deren Stickstoff fest gebunden 
ist, die ungefähr hinsichtlich ihrer Grössenordnung dem entspricht, was Bond- 
zynski und Gottlieb für ihre Oxyproteinsäure ermittelt hatten; in dieser 
Gruppe ist ein beträchtlicher Teil der Oxyproteinsäure enthalten. — Bond- 
zynski und Panek gewannen aus der Oxyproteinsäure durch Bleiessigfällung 
eine andere Säure, die sie Alloxy proteinsäure nannten, deren Anteil am Ge- 
samtstickstoff sie zu 0,68% bezifferten. In 24 Stunden wurden 1,2 g Alloxy- 
proteinsäure ausgeschieden. — Donze undLambling berechneten die Gesamt- 
menge derjenigen mangelhaft charakterisierten Stoffe, deren Quantum und N- Gehalt 
noch nicht bestimmt war und fanden, dass dieselben 2,5 — 8,4% des Gesamtstick- 
stoffs ausmachten. — Unter dem Namen Uroferrinsäure beschrieb Thiels 
eine schwefelhaltige Säure, von der Zusammensetzung C 85 H 5r ,N 8 SO ]3 , welche er nach 
einem, der Siegfriedschen Eisenammoniakalaunmethode zur Peptongewinnung 
nachgebildeten Verfahren aus Harn isoliert hatte. Die Existenz dieser Verbindung 
wurde von Bondzynski und seinen Schülern in Zweifel gezogen. Lieber- 
mann ist jedoch diesen Zweifeln entgegengetreten. Bondzynski, Dom- 
browski und Panek stellten 1905 eine dritte Oxyproteinsäure dar. Sie 
fanden, dass nach Abfiltrieren des bei saurer Reaktion durch Quecksilberacetat 
ausfallenden Niederschlages beim Neutralisieren mit Natriumcarbonat ein weiterer 
reichlicher Niederschlag sich ausscheidet. Sie bezeichnen die bei saurer Reaktion 
ausfallende Substanz als Antoxy proteinsäure, die andere Säure nannten sie 
Oxyproteinsäure. — Durch Extraktion mit heissem Alkohol aus dem mit Baryt 
zerlegten Phosphorwolframsäureniederschlag des Harns konnte Häri eine stick- 
stoffhaltige Säure C3 H^7N,0 13 Zn t isolieren. Häri hebt hervor, dass seine Säure 
verschieden sei von Urobilin, Oxyproteinsäure, Alloxyproteinsäure und Uroferrin- 
säure. — Abderhalden und Pregl haben durch Dialyse aus dem Alkoholextrakt 
des Harns ein Gemenge von Stoffen isoliert, das keine freien Aminosäuren ent- 
hielt, bei der Hydrolyse jedoch Benzoesäure, Alanin, Phenylalanin, Leucin lieferte. 
Sie sprechen dasselbe als polypeptidartigen Körper an. 

Ginsberg fand nach einer besonderen Methode zur quantitativen Be- 
stimmung der Oxyproteinsäurefraktion des Harnes, dass beim Menschenharn 
3,1 — 5,0% des Gesamtstickstoffs auf diese Gruppe fallen, so dass dieselbe mit 
etwa iy 2 — Sy 2 g pro Liter die Menge sämtlicher anderer stickstoffhaltiger orga- 
nischer Stoffe des Harns, mit Ausnahme des Harnstoffs, übertrifft. Im Hunde- 
harn entfallen unabhängig von der Ernährung und der Individualität 2% des 
Gesamt-N auf diese Gruppe. Auch bei Pferd, Kaninchen, Gans bewegen sich 
die Werte in der gleichen Grössenordnung. Bei Erkrankungen (Mensch) fand 



x ) C. Voit, Zeitschr. f. Biol. 1. 127. 146. 1865. — M. v. Pettenkofer und 
C. Voit, Ebenda 2. 470. 1866. — St. Bondzynski und R. Gottlieb, Zentralbl. 
d. med. Wissensch. Nr. 33. 577. 1897. — G. Töpfer, Ebenda, Nr. 41. 705. 1897. — 
M. Cloetta, Archiv f. exper. Pathol. u. Pharm. 40. 29. 1897. 

-) F. Pregl, Pflügers Archiv 75. 87. 1899. — M. Pfaundler, Zeitschr. f. 
physiol. Ch. 30. 76. 1900. — St. Bondzynski und K. Panek, Ber. d. ehem. 
Gesellsch. 35. 2959. 1903. — Donze und Lambling, Journ. de physiol. et pathol. 
gen. 5. 225. 1903; Compt, rend. soc. biol. 55. 1023. 1903. — O. Thiele, Zeitschr. 
f. physiol. Ch. 37. 251. 1900. — St. Bondzynski, St. DombrowskiundK. Panek, 
Ebenda, 46. 83. 1905. — H. Liebermann, Ebenda 52. 129. 1907. — P. Hari, 
Magyar orvosi archivum 6. 539. u. 585. 1905; — Zeitschr. f. physiol. Ch. 46. 1. 
1905. — E.Abderhalden und F. Pregl, Ebenda 46. 19. 1900. 



1236 Schulz, Eiweisskörper. 



Ginsberg keine auffallenden Verschiebungen dieses Mengenverhältnisses, jedoch 
war die Zahl seiner darauf gerichteten Untersuchungen nur gering. Bei Phosphor- 
vergiftung (Hund) war die Oxyproteinsäureausscheidung erheblich vermehrt. — ■ 
E. Salkowski (s. auch S. 469) fand, dass im normalen Harn der N- Gehalt des 
Alkoholniederschlages etwa 3 — 5% des Gesamtstickstoffes ausmacht, während in 
pathologischen Fällen (Carcinomkranke) derselbe auf 8 — 9 % steigt. In einem Falle 
von Phosphorvergiftung, von akuter gelber Leberatrophie bei einer Schwangeren, 
stieg derselbe sogar auf 28%. Salkowski fand in seinem Alkoholniederschlage, 
dass mindestens zwei Körper vorhanden waren, ein stickstoffreicherer und ein 
stickstoffärmerer. Vor allem soll es sich um ein schwer dialysabeles, kolloidales, 
durch Säure hydrolysierbares, stickstoffhaltiges Kohlehydrat handeln. Mit Rück- 
sich auf die späteren Untersuchungen von Salomon und Saxl weist Salkowski 
darauf hin, dass seine mit dem primitiven Alkohol verfahren (s. S. 469) gewonnenen 
Werte nicht mit den Oxyproteinsäurewerten identifiziert werden können, dass 
aber doch vielleicht die nach diesem einfachen Verfahren gewonnenen Werte eine 
ähnliche Bedeutung gewinnen können, wie die nach dem komplizierteren Ver- 
fahren der Bestimmung des Oxyproteinsäurestickstoffes. Das Verfahren ist zwar 
einfach, hat aber doch Schwierigkeiten, die zu Fehlern führen können. — Nach einem 
hiervon abweichenden Verfahren bestimmte Gawinski 1 ) den N der Proteinsäuren, 
und zwar für den gesunden Menschen bei gemischter Kost zu 4,5 — 6,8% des Gesamt-N, 
bei möglichst reichlicher Fleischkost zu 5,24%, bei Milchkost zu nur 2,9%. Bei 
Untersuchung des Harns von 6 Typhuskranken war 4 mal der Proteinsäure-N 
erhöht (7,52%, 9,48%, 10,03%, 14,69% des Gesamt-N), 2 mal war derselbe niedrig 
(2,4% und 3,59%). In einem ikterischen Harn (Lebercirrhose) betrug derselbe 
8,65 %. 

Salomon und Saxl 2 ) bestimmten, anlehnend an das Verfahren von 
Gins b erg. Sie fanden im allgemeinen wesentlich niedrigere Werte wie Gins b er g 
und Gawinski. Bei 92 nicht carcinomatös Erkrankten schwankte der Oxy- 
proteinsäurestickstoff um 1%% (1,1 — 2,1) in 88 Fällen, also der grossen Mehrzahl. 
Nur 3 Fälle gaben Werte über 2,1. Bei zweien derselben war Carcinom in Frage. 
Im dritten Falle handelte es sich um sekundäre Lebercirrhose nach Cholelithiasis. 
Von 38 untersuchten sicheren Carcinomfällen, die 64 mal untersucht Avurden, 
gaben 31 Fälle Werte über 2%%, zuweilen bis Sy 2 %. Nur 3 Carcinome hatten 
einen Wert, der unter 2% lag. Ähnlich hohe Werte ergab die Untersuchung von 
12 hochgraviden Frauen. Das Verhältnis der Oxyproteinsäure zum Gesamt- 
stickstoff war in den einzelnen Tagesportionen das gleiche wie im Gesamtharn. 
Die Nahrungsaufnahme, sowie die Art der Nahrung, ebenso wie Fieber, Anämie, 
Kachexie beeinflussen den relativen Oxyproteinsäurewert nicht nennenswert. 
Der Wert dieser Angaben beruht natürlich auf der Zuverlässigkeit der Methode. 

Kojo hat auf Anraten von Salkowski ein Verfahren ausgearbeitet um 
die Menge des durch Blei- bezw. durch Zinksalze fällbaren N zu bestimmen. 
In dieser N-Fraktion sind die Oxyproteinsäuren enthalten, aber auch andere 
Stoffe, z. B. Harnsäure. Nach dem ,, Bleiverfahren 1 ' erhält er im Mittel 1.3 % 
des Gesamt N bei Gesunden (Max. 1.5%), 3,03% bei Karzinomkranken (Mini- 
mum 2.15%, Maximum 4.62 °/o). Nach dem ,, Zinkverfahren" wurden mit Zink- 
sulfat erhalten bei Gesunden 1.32-1.54 °/o (Mittel 1.45%) des Gesamt N, mit 
Zinkchlorid 1.30—1.52% (Mittel 1.42 °/'o), bei Carcinomatösen 2.10—4.35% 
(Mittel 3.63%) bezw. 2.28— 4.74% (Mittel 3.4%). Bei „direkter Fällung" des 
Harns mit Zinkchlorid bezw. Sulfat wurde folgende Werte erhalten : mit Zinksulfat 

*) W. Ginsberg, Hofmeisters Beiträge z. ehem. Physiol. u. Pathol. 10. 
411. 1907. — E. Salkowski, Berliner klin. Wochenschr. 42. 1581 u. 1618. Nr. 51 
u. 52. 1905; ebenda 47. 533. 1746. u. 2297. 1910. — H. Salomon und P. Saxl, 
Harnbefund bei Carcinomatösen. Beiträge z. Carcinomforsch. Aus der I. med. 
Klinik in Wien. Verlag Urban und Schwarzenberg. 1910. — W. Gawinski, Zeit- 
schr. f. physiol. Ch. 58. 454. 1909. 

2 ) Salomon und Saxl 1. c. 






Antoxyproteinsäure. 1237 



im normalen Harn 1.70— 1.82 °/o (Mittel 1.73%) des Gesamt N, mit Zinksulfat 
im Karzinomharn 2,53 — 5.12% (Mittel 4.26 %), mit Zinkchlorid in Karzinomharn 
2.76—5.18% (Mittel 4.28%).'— Einhorn, Kahn und Rosenbloom 1 ) fanden 
nach dem Verfahren von Salkowski-Kojo normalerweise 1.9% (1.2 — 2.2%), 
bei Karzinomatösen 4.5% (2.3—8.5%). 

B. Die einzelnen Proteinsäuren. 

I. Antoxyproteinsäure. 

A. Eigenschaften. 1. Die mittlere Zusammensetzung der 
Säure (aus dem Silbersalz berechnet) beträgt C 43,21 o/ , H 4,9lo/ , 
N 24,40o/ 0; S 0,61o/o, 26,33o/ . Der geringe S-Gehalt ist nicht auf 
die Behandlung mit SH 2 zurückzuführen, denn eine Darstellung unter 
Umgehung der Behandlung mit SH 2 führte ebenfalls zu einem S-haltigen 
Ba-Salz. Eine Verunreinigung mit Oxyproteinsäure oder mit Alloxy- 
proteinsäure ist ebenfalls unwahrscheinlich. Der S wird beim Kochen 
mit Alkali abgespalten. 

2. Die Salze. Die antoxyproteinsauren Salze mit Na und K 
sind in Wasser sehr leicht löslich; ihre konzentrierten wässerigen 
Lösungen geben mit absolutem Alkohol beim Vermischen Emulsionen, 
welche Tropfen eines dicken Sirupes absetzen. Das Ca- und das Ba- 
Salz sind als weisse Pulver darstellbar, die in Wasser sehr leicht lös- 
lich sind. In absolutem Alkohol ist das Ba-Salz sehr schwer, das Ca- 
Salz etwas leichter löslich. Das Bariumsalz fällt aus wässeriger Lösung 
durch Alkoholzusatz in leichten Flocken, die sich unter Alkohol nach 
einiger Zeit zu einem schweren körnigen Pulver umwandeln. Die wässe- 
rigen Lösungen der Erdalkalisalze der Antoxyproteinsäure reagieren 
alkalisch. Auch das Cadmiumsalz ist aus der wässerigen Lösung durch 
Alkohol fällbar, dasselbe wird erhalten durch Schütteln der wässerigen 
Lösung der freien Säure mit Cadmiumhydroxyd. Das Silbersalz wird 
aus der wässerigen Lösung eines Alkali- oder Erdalkalisalzes durch 
eine Silbernitratlösung gefällt, welcher Niederschlag durch Wasserzusatz 
gelöst wird. In Alkohol ist das Silbersalz noch schwieriger löslich wie 
das Ba-Salz. Zur Darstellung des Silbersalzes jempfiehlt es sich, das 
Natriumsalz durch Umsetzen mit Silbernitrat in das Silbersalz über- 
zuführen, weil sowohl das Natriumsalz als auch das Natriumnitrit 
verhältnismässig leicht in verdünntem Alkohol löslich ist, während das 
Silbersalz aus wässeriger Lösung schon durch massigen Zusatz von 
Alkohol ausgefällt wird. In trockenem Zustand ist das Silbersalz ziem- 
lich lichtbeständig. 



!) Kojo, Zeitschr. f. physiol. Ch. 73. 416. 1916. — M. Einhorn, M. Kahn 
und J. Rosenbloom, Arch. f. Verdauungskr. 17. 557. 1911. 



1238 Schulz, Eiweisskörper. 



3. Die Antoxyproteinsäure, sowie ihre Salze werden mit Queck- 
silbern itrat und mit Quecksilberacetat gefällt, durch letzteres Salz so- 
gar aus stark mit Essigsäure angesäuerter Lösung. Bleiessig fällt die 
reine Antoxyproteinsäure nicht. 

4. Aus konzentrierter Lösung wird die Säure durch Phosphor- 
wolframsäure als anfangs flockiger, später zu einer klebrigen Masse zu- 
sammensinternder Niederschlag gefällt, welcher jedoch sowohl im Über- 
schuss als auch in verdünnter Schwefelsäure und in Wasser sich ziem- 
lich leicht löst. 

5. Die Säure ist optisch aktiv und zwar ziemlich stark rechts- 
drehend. 

6. Die Säure gibt keine der charakteristischen Eiweissreaktionen 
(Biuret, Mi Hon). 

7. Die Säure gibt bei Anstellung der Diazoreaktion mit Diazo- 
benzolsulfosäure nach Ehrlich die charakteristische carminrote Fär- 
bung, ebenso mit Paradiazoacetophenon nach Friedenwald. 

B. Darstellung und Nachweis. Nach der Entfernung der 
Phosphorsäure mit Kalk, der Schwefelsäure mit Baryt und dem Aus- 
fällen des Ca- und Ba-Überschusses mit C0 2 wird der Harn bis zur 
Konsistenz eines dünnen Sirupes in vacuo bei 55° eingeengt, durch 
abwechselndes Einengen und Erkaltenlassen und dabei erfolgende Kry- 
stallisation von einem grossen Teil des NaCl und einem Teil des Harn- 
stoffes befreit und dann mit einem Alkoholäthergemisch (2 : 1) mehrere 
Male ausgezogen. Der in Alkoholäther unlösliche Bückstand wird in 
Wasser gelöst und behufs Entfernung der Alloxyproteinsäure mit Blei- 
essig gefällt. Der Bleiniederschlag dient zur Darstellung der Alloxy- 
proteinsäure (s. dort). Zu dem Filtrat wurde nach dem Entfernen des 
Blei mit Natriumcarbonat, dem Neutralisieren mit Essigsäure, dem Ein- 
engen und schwachen Ansäuern mit Essigsäure eine 20% ige Lösung 
von Quecksilberacetat zugesetzt, so dass noch eine Fällung entstand. 
Der reichliche weisse Niederschlag wird auf -einer Nutsche abfiltriert, 
durch wiederholtes Herausnehmen aus dem Trichter und Zerreiben mit 
Wasser in einem Porzellanmörser bis zum Verschwinden der Chlor- 
reaktion im Filtrat gewaschen und dann mit Schwefelwasserstoff zer- 
legt. Das Filtrat vom Sulfid wird nach Verjagen des SH 2 mit eiaem 
Luftstrom nochmals mit Quecksilberacetat bei saurer Reaktion gefällt und 
der Niederschlag nach dem Auswaschen wieder mit SH 2 zerlegt. Der 
SH 2 wird verjagt wie oben, dann die Säure mit Barythydrat gebunden, 
nach Entfernen des überschüssigen Baryt mit Kohlensäure in Vacuo 
bis zur Sirupkonsistenz eingeengt und dann durch Eingiessen in kon- 
zentrierten Alkohol das Bariumsalz gefällt. Zur Entfernung des noch 






Oxyproteinsäure. Eigenschafter. 1239 



anhaftenden Chlors wird entweder wiederholt mit Wasser gelöst und 
mit Alkohol umgefällt oder in das Ag-Salz übergeführt. Zu diesem 
Zwecke wird das Ba-Salz mit Natriumsulfat in das Na-Salz übergeführt 
und zwar möglichst vollständig, aber unter Vermeidung des geringsten 
Überschusses von Natriumsulfat. Dann wurde eine zur Ausfüllung des 
anhaftenden Chlors eben ausreichende Menge Silbernitrat hinzugegeben, 
das Chlorsilber entfernt, das Filtrat mit einem Überschuss von Silber- 
nitrat versetzt und dann mit Alkohol im Verhältnis 1 : 1 versetzt. Das 
Silbersalz wird anfangs mit 50°/oigem, dann mit 97o/ igem Alkohol 
und Äther gewaschen und im Vakuumexsikkator getrocknet. — Es 
stellte sich heraus, dass die so hergestellten Salze der Antoxyprotein- 
säure doch noch nicht frei waren von Alloxyproteinsäure. Zu noch 
reineren Präparaten gelangt man, wenn man das Barytsalz mit einer 
zur vollständigen Zerlegung unzureichenden Menge Schwefelsäure ver- 
setzt, dann im Vakuum bis zur Sirupkonsistenz einengt, dem Sirup 
mit absolutem Alkohol die freie Säure entzieht und dann durch Binden 
derselben an Baryt das Bariumsalz wieder herstellt. Dieses Barium- 
salz gibt im Gegensatz zu dem eisten Präparat mit Bleiessig keine 
Fällung mehr. 

II. Oxyproteinsäure 1 ). 

A Eigenschaften. 1. Die Oxyproteinsäure hat die Zusammen- 
setzung (aus der Analyse des Silbersalzes berechnet) C 39,62o/ , 
H 5,64o/o. N 18,08o/o, S l,12o/ , 35,54o/ . Der S wird beim Kochen 
mit Kalilauge wenigstens zum Teil als SH 2 abgespalten. 

2. Von den Salzen ist das Barytsalz C 43 H 74 N 14 31 SBa 4 gut 
bekannt. Aus seiner wässerigen Lösung fällt es durch Alkohol in 
Flocken, welche bei längerem Verweilen unter Alkohol in harte, sandige 
Knollen und Kugeln ohne krystallinische Struktur übergehen. Es ist sehr 
hygroskopisch, in Wasser ungemein leicht löslich, in absolutem Alkohol 
schwer löslich. — Das Silbersalz lässt sich bereiten durch Umsetzung 
einer Lösung des oxyproteinsauren Na mit einer alkoholischen Lösung 
von Silbernitrat. Das oxyproteinsäure Silber ist viel leichter löslich in 
Wasser und Alkohol wie das antoxyproteinsaure Silber; auch weniger 
lichtbeständig und empfindlicher gegen Erwärmen. Durch Sublimat wird 
die freie Säure nicht gefällt, wohl aber durch salpetersaures oder 
schwefelsaures Quecksilberoxyd. Das Mercurisalz ist amorph und 
unlöslich. 

3. Die Lösungen der oxyproteinsauren Salze sind optisch inaktiv. 



*) Die folgenden Angaben sind der Arbeit von Bondzynski, Dombrowski 
und Panek (1. c.) entnommen. 



1240 Schulz, Eiweisskörper. 



Die Alkalisalze konnten in fester Form in analysenreinem Zustande nicht 
erhalten werden. 

4. Phosphorwolframsäure schlägt die Oxyproteinsäure nicht nieder. 

5. Die Säure gibt die Xanthoproteinprobe nicht, bildet beim 
Erwärmen mit bleihaltiger Lauge kein Schwefelblei und färbt sich mit 
M i 1 1 o n schem Reagens nur ganz schwach chamois. Die Biuretprobe 
gibt sie nicht, ebenso nicht die Ehrlich sehe Diazoreaktion. Gegen- 
teilige frühere Angaben von Bondzynski und P a n e k beziehen sich 
auf durch Antoxyproteinsäure verunreinigte Präparate. 

6. Bei der Zersetzung mit Schwefelsäure liefert sie, wie die Per- 
oxyproteinsäure, kein Tyrosin. 

7. Die Oxyproteinsäure stellt anscheinend eine höhere Oxydations- 
stufe wie die Antoxyproteinsäure dar. 

B. Nachweis und Darstellung, a) Nach Bondzynski 
und Gottlieb. Aus dem mit Baryt ausgefällten Harn wird sie mit 
anderen Substanzen durch Alkohol als Barytsalz niedergeschlagen. 
Zur Darstellung der Säuren bedienten sich Bondzynski und Gött- 
lich des folgenden Verfahrens. 

Der Harn wurde bis fast zum Sirup eingedampft und der Rückstand mit 
Schwefelsäure (auf 1 Liter Harn 10 cem 20% ige Schwefelsäure) und dem 5 fachen 
Volumen Alkohol vermischt, das Filtrat mit viel Wasser verdünnt, mit Barythydrat 
im Überschuss versetzt, der überschüssige Baryt mit Kohlensäure entfernt, der 
Alkohol vertrieben und das Filtrat auf ein kleines Volumen eingeengt. Auf Zusatz 
von 4 — 6 Volumen Alkohol fallen reichlich Flocken, die nach einiger Zeit schmierig 
werden; nach dem Lösen in wenig Wasser und Fällen mit absolutem Alkohol 
bleibt aber der Niederschlag flockig und lässt sich gut absaugen. Nach dem 
Trocknen im Exsiccator bildet er ein gelbliches Pulver. Aus der wässerigen Lösung 
desselben wurde der Baryt mit Schwefelsäure entfernt, das Filtrat mit Mercuri- 
nitrat gefällt, 

b) Nach Bondzynski, Dombrowski und Panek. 

Der Harn wird direkt in vacuo eingedickt. Das lästige Schäumen 
lässt sich hierbei vermeiden, wenn man vorher eine geringe Menge 
Alkohol hinzusetzt und die Destillation unter fortwährendem Zufliessen 
der zu destillierenden Flüssigkeit verlaufen lässt und dabei Sorge 
trägt, dass der Destillierkolben nicht zu viel Flüssigkeit enthält. Der 
erhaltene dünne Harnsirup wurde bis zum Auftreten einer schwachen 
Blaufärbung an mit Kongorot gefärbten Papierstreifen mit verdünnter 
Schwefelsäure und darauf mit l 1 / 2 Vol. Alkohol versetzt. - Von aus- 
geschiedenen Alkalisulfaten wurde abfiltriert, die alkoholische Lösung 
mit Wasser verdünnt und mit Barytwasser gefällt, der Barytüberschuss 
gleich darauf mit C0 2 zur Ausfällung gebracht und die Flüssigkeit dann 
von dem gesamten Barytniederschlag abfiltriert. Das Filtrat wurde in 
vacuo bis zur Sirupkonsistenz gebracht und nach dem Entfernen eines 
grossen Teils des Natriumchlorid durch Auskrystallisieren in der Kälte 



; 



Oxyproteinsäure. Nachweis. 1241 



mit konzentriertem Alkohol gefällt. Der erhaltene Niederschlag von 
Bariumsalzen wurde nach dem Trocknen im Exsiccator in Wasser ge- 
löst und die Lösung mit Bleiessig gefällt. Der Bleiniederschlag enthält 
die Körper der Alloxyproteinsäuregruppe und wurde zur Darstellung 
derselben benutzt. Das Filtrat dient zur Darstellung der Antoxyprotein- 
säure, vor allem aber zur Darstellung der mit Quecksilberacetat beim 
Neutralisieren fällbaren Verbindung. Aus dem Filtrate wurde das Blei 
durch Natriumcarbonat gefällt; die Essigsäure wird durch Äther aus- 
gezogen; dies geschieht, indem das Filtrat vom Bleiniederschlag mit 
Essigsäure neutralisiert, eingeengt und nach dem Entfernen der Alkali- 
metalle durch Zusatz von V-/ 2 Volum Alkohol und Verjagen des Alkohols 
mit Äther im Ätherextraktionsapparat extrahiert wurde. Das mit Äther 
extrahierte essigsäurefreie Gemisch wurde in das Bariumsalz umge- 
wandelt, welches mittels der Fällung mit Alkohol schliesslich in 
trockenem Zustand erhalten wurde. 

In dieser ziemlich wörtlich wiedergegebenen Vorschrift befindet sich eine 
Unklarkeit. Bei der Entfernung der Essigsäure heisst es, man solle das Filtrat 
vom Bleiniederschlag mit Essigsäure neutralisieren. Es ist nicht ersichtlich, wie 
die gebundene Essigsäure durch Äther ausgezogen werden soll. Im Original 
steht, man solle vor der Extraktion die Alkalimetalle nach „der bereits bekannten 
Methode" entfernen. Das kann sich nur auf die früher beschriebene Ausfällung 
mit 1% Volumen Alkohol beziehen. Ich vermute, dass die Vorschrift etwa folgen- 
dermassen lauten soll: Das Filtrat vom Bleiniederschlag wird mit verdünnter 
Schwefelsäure unter Benutzung von Kongopapier (s. oben) neutralisiert. Dann 
wird mit 1 % Volumen Alkohol das Alkalisulfat entfernt und mit Äther extrahiert. 
Dann wird mit Baryt behandelt, der Barytüberschuss mit C0 2 entfernt, die Flüssig- 
keit von dem gesamten Barytniederschlag abfiltriert etc., wie oben. Es würde 
sich demnach darum handeln, mit dem Bleiniederschlag die gleiche Prozedur zu 
wiederholen, die mit dem ursprünglichen Harn vorgenommen worden war. Die 
Entfernung des Natriumacetates hat ausgesprochen den Zweck, die Fehlerquelle 
zu beseitigen, die dadurch entsteht, dass Natriumacetat die Fällung mit Queck- 
silberacetat hindert. In Abderhaldens Handbuch der Analyse hat Rona die 
Vorschrift wörtlich aus dem Original übernommen. 

Das Präparat von Barytsalzen, welches frei sein soll von Natrium- 
acetat, dient zur Fällung mit Quecksilberacetat. Eine wässerige Lösung 
wurde mit Essigsäure leicht angesäuert und mit einer 20°/oigen Lösung 
von Quecksilberacetat versetzt. Es entsteht ein reichlicher Niederschlag 
(viel reichlicher, wie der bei der Darstellung der Antoxyproteinsäure 
beschriebene); aus diesem Grunde wurde die veränderte Vorschrift ge- 
geben. Noch reichlicher ist die Fällung beim Neutralisieren des Filtrates. 
Es wird abwechselnd bald die Lösung von Quecksilberacetat, bald eine 
Sodalösung so lange zugesetzt, als ein weisser Niederschlag noch aus- 
fällt. Mit dem Erscheinen eines gelben Niederschlages wird die Fällung 
unterbrochen. Dieser Niederschlag besteht zum grössten Teil aus dem 
Quecksilbersalz der Oxyproteinsäure, welche sich als identisch erwies 
mit der von Bondzynski und G o 1 1 1 i e b beschriebenen Oxyprotein- 
säure. 



1242 Schulz, Eiweisskörper. 



Abgesehen von der guten Ausbeute, hat dieses Verfahren den Vorteil, dass 
die Quecksilberniederschläge wenig mit Chlor verunreinigt sind. 

Die Reinigung der erhaltenen Salze der Oxyproteinsäure bot keine beson- 
deren Schwierigkeiten. Schon die letzte Fraktion des bei saurer Reaktion aus- 
gefallenen Quecksilberniederschlages erwies sich als aus einem mehr oder weniger 
reinen Salz der Oxyproteinsäure bestehend. Von den letzten Spuren anhaftender 
Antoxyproteinsäure liessen sich die Salze befreien durch Umfallen mit Queck- 
silberacetat. indem jedesmal die ersten Fraktionen jeder Fällung verworfen wurden, 
und dies so lange wiederholt wurde, bis die Präparate keine Diazoreaktion mehr 
gaben. Das reine Quecksilbersalz wurde schliesslich mit SH. zerlegt, nach dem 
Verjagen von SH.. zum Entfernen der aus etwa mit ausgefallenem Quecksiiler- 
acetat entstandenen Essigsäure mit Äther ausgezogen und dann in das Ba-Salz 
oder Ag-Salz übergeführt, in der gleichen Weise wie bei der Antoxyproteinsäure 
beschrieben. 

III. Die Alloxyproteinsäure. 

A. Eigenschaften. 1. Die Säure hat die Zusammensetzung 
(aus der Analyse des Ag - Salzes berechnet) C 41,33o/ , H 5,70<>/o, 
N 13,55o/o, S 2,19o/o, 37,23o/o. Bondzynski und Panek hatten 
einen wesentlich höheren Schwefelgehalt gefunden und zwar ungefähr 
60/0 auf die freie Säure berechnet. Der Unterschied wird darauf zurück- 
geführt, dass früher die Lösungen in offenen Schalen bei Luftzutritt 
eingedampft wurden, während jetzt im Vakuum eingeengt wird. 

2. Die freie Alloxyproteinsäure ist sowohl in Wasser als auch 
in konzentriertem Alkohol leicht löslich und wird auch aus der alko- 
holischen Lösung durch Äther nicht ausgefällt. Die Salze sind in 
Alkohol schwerer löslich wie die der Antoxyproteinsäure und der Oxy- 
proteinsäure. 

3. Die Lösung des Bariumsalzes ist optisch inaktiv. 

4. Durch Phosphorwolframsäure, Tannin, Ferrocyankalium und 
Essigsäure, sowie durch Eisenchlorid wird die Alloxyproteinsäure nicht 
gefällt. Sie wird dagegen gefällt durch Quecksilberacetat und Queck- 
silbernitrat. 

5. Alloxyproteinsäure gibt die gewöhnlichen Eiweissreaktionen 
(z. B. die Biuretreaktion) nicht. Auch nicht die Ehrlich sehe Diazo- 
reaktion. F c h 1 i n g sehe Lösung wird durch die Alloxyproteinsäure 
weder direkt noch nach dem Kochen mit Säure reduziert. — Die Säure 
enthält keinen Schwefel in Form von Schwefelsäure, dagegen durch 
Alkali als SH 2 abspaltbaren S. 

Nach Liebermann 1 ) enthält die „Alloxyproteinsäure" aber 
tatsächlich doch Ätherschwefelsäure; sie ist nach ihm keine einheitliche 
Substanz. Durch Eisenalaun konnte er eine Substanz aus ihr isolieren, 
die sich wie Uroferrinsäure verhielt. 



x ) H. Liebermann, Zeitschr. f. physiol. Ch. 52. 133. 1907. 






Uroferrinsäure. 1243 



B. Nachweis und Darstellung. Nach Bondzynski, 
Dombrowski und P a n e k. 

Als Ausgangsmaterial zur Darstellung dienten die Bleiniederschläge, 
welche bei der Gewinnung von Antoxyproteinsäure sowie von Oxy- 
proteinsäure, von dem diese enthaltenden Filtrate getrennt werden. Die 
genannten, in reinen Lösungen durch Bleiessig nicht fällbaren Säuren 
werden von der Alloxyproteinsäure in nicht unbedeutenden Mengen 
mitgerissen, welche zunächst entfernt werden müssen. Dies geschieht 
durch fraktionierte Zerlegung des Bleiniederschlages mit Oxalsäure. Die 
Oxalsäure zerlegt nämlich in einem Gemisch der Bleisalzc dieser Säuren 
zuerst die Salze der Oxyproteinsäuregruppe. Der Bleiniederschlag wird 
daher nach dem Auswaschen, wobei, um mit einer geringen Menge 
Wasser eine ergiebige Beinigung zu erzielen, ein Rührwerk benutzt 
wird, in zwei nacheinander folgenden Operationen anfangs mit einer 
sehr verdünnten Lösung von Oxalsäure, schliesslich mit einem Über- 
schuss der Säure, und zwar ebenfalls unter stetem Umrühren, zerlegt. 
Die bei diesen Zerlegungsprozessen erhaltenen Filtrate wurden durch 
Binden der freien Säure mit Kalkhydrat, Entfernen des Kalküber- 
schusses mit Kohlensäure, Einengen bei gelinder Wärme in vacuo und 
Fällen mit Alkohol auf das Calciumsalz der in Rede stehenden Säure ver- 
arbeitet. Während die erste geringe Fraktion eine intensive Diazo- 
reaktion gab und offenbar stark mit Antoxyproteinsäure verunreinigt 
war oder zuweilen sogar, wie aus der Ba- und N-Bestimmung sich er- 
gab, aus antoxyproteinsaurem Ca bzw. Ba bestand, enthielten die zweiten, 
grösseren Fraktionen, nach einer Umfällung mit Alkohol und Ausziehen 
mit Alkohol eventuell in einem S o x h 1 e t sehen Apparat, nur Ca- 
Salze von mit Bleiessig fällbaren Verbindungen. Durch Zerlegen mit 
Oxalsäure, Filtrieren vom oxalsaurem Ca, Ausfällen des Oxalsäureüber- 
schusses mit BaOH, Entfernen des überschüssigen BaOH mit C0 2 und 
Fällen des eingeengten Filtrates mit konzentriertem Alkohol wird das 
Ca-Salz in das Ba-Salz umgewandelt. 

Ausser den hier beschriebenen drei Proteinsäuren beschreiben 
Bondzynski, Dombrowski und P a n e k noch eine vierte Säure, 
die sie mit dem Harnfarbstoff, dem Urochrom, in Beziehung bringen. 
Näheres siehe bei Urochrom. 

IV. Die Uroferrinsäure von Thiele 1 ). 

A. Vorkommen. Nachdem schon früher von Salkowski, 
Thudichum, Siegfried Beobachtungen über mit Eisensalzen fäll- 

*) 0. Thiele, Zeitschr. f. physiol. Ch. 37. 251. 1903. — E. Salkowski, 
Pflügers Archiv 2. 351. 16. 306; — Thudichum, Ebenda 15. 433. 1877. — M. 
Siegfried, Zeitschr. f. physiol. Ch. 27. 345. 1894. 

Neubauer-Huppert, Analyse des Harns. 11. Aufl. 79 



1244 Schulz, Eiweisskörper. 



bare Stoffe im Harn gemacht waren, gelang es T h i e 1 e , einen derartigen 
Stoff näher zu charakterisieren. Er nannte ihn Uroferrinsäure. 

B. Eigenschaften. Die Uroferrinsäure hat die Formel C 35 H 56 
N 8 S0 19 , entsprechend der Zusammensetzung C 45,45 o/ , H 6,08 o/o, 
N 12,12 o/o, S 3,46 o/ . 

2. Die Säure stellt durch Äther gefällt ein lockeres, weisses Pulver 
dar, das nur wenig hygroskopisch ist, sich jedoch äusserst leicht in 
Wasser, gesättigter Ammoniumsulfatlösung und auch in trockenem 
Methylalkohol löst. In absolutem Alkohol ist die Uroferrinsäure schwer 
löslich. In Benzol-Chloroformäther, Essigäther, Petroläther ist sie unlös- 
lich. Krystallisiert wurde sie nicht erhalten. 

3. Der Schwefelgehalt ändert sich nicht bei Behandlung mit SH 2 , 
wohl aber wird derselbe erhöht bei Behandlung mit reichlich Schwefel- 
ammonium. Etwa die Hälfte des Schwefels kann bei längerem Kochen 
mit starker Salzsäure als Schwefelsäure abgespalten werden. Die Uro- 
ferrinsäure zeigt also das Verhalten einer Ätherschwefelsäure. Alkalische 
Bleioxydlösung spaltet keinen Schwefel ab. — Liebermann 1 ) fand 
bei direkter Bestimmung, dass der Ätherschwefelsäuregehalt von Thiele 
tatsächlich etwas zu hoch angegeben ist. 

3. Die Substanz reagiert stark sauer, sie zerfliesst auf der Zunge 
und hinterlässt einen unangenehm bitteren Geschmack. 

4. Das Zinksalz (C 35 H 50 N 8 SO 19 Zn 3 ) und das analoge Ba-Salz sind 
beide in Wasser sehr leicht löslich; sie werden aus konzentrierter 
wässeriger Lösung von absolutem Alkohol in rein weissen Flocken gefällt. 

5. Die Säure gibt folgende Reaktionen: Millon, Biuret, Adamkiewicz, 
Molisch sind negativ. Phosphorwolframsäure erzeugt schon in ver- 
dünnten wässerigen Lösungen weisse, voluminöse Niederschläge. Queck- 
silbernitrat und Quecksilbersulfat erzeugen schon in stark verdünnten 
Lösungen bedeutende, in weissen Flocken ausfallende Niederschläge, 
während Sublimat und auch Pikrinsäure keine Niederschläge geben. 
Metaphosphorsäure fällt nicht. Eisenchlorid, Silbernitrat, Bleiacetat rufen 
erst in ziemlich konzentrierter Lösung Trübungen hervor. 

6. Im Gegensatz zur Chondroitinschwefelsäure ruft Uroferrinsäure 
weder direkt noch nach Zusatz von Essigsäure in Eiweisslösungen Fäl- 
lungen hervor. 

7. Die Uroferrinsäure ist optisch aktiv und zwar linksdrehend und 
annähernd [a D ] 18 = — 32,5. 

8. Beim Erhitzen mit Säure im Rohr oder beim Kochen mit Salz- 
säure und Zinnchlorür Hessen sich neben melaninartigen Stoffen Kohlen- 

x ) H. Liebermann, Zeitschr. f. physiol. Ch. 52. 142. 1907. 






Uroferrinsäure. 1245 



säure, Ammoniak, Schwefelsäure (s. oben), Äthylsulfid ( ? ), Schwefel- 
wasserstoff, mit Sicherheit Asparaginsäure nachweisen. Arginin, Histidin, 
Xanthinbasen fehlten. 

0. Bondzynski, Dombrowski und P a n e k halten die Uro- 
ferrinsäure für aus der Alloxyproteinsäure bezw. dem Urochrom durch 
Säurewirkung entstanden. Liebermann stellte eine Uroferrinsäure 
dar unter Vermeidung des Erwärmens mit Säure. Auch in dieser Säure 
Hess sich qualitativ Ätherschwefelsäure {nachweisen. 

C Darstellung. 1500 Liter Harn wurden auf dem Wasserbade 
bei 40 — 50° unter Zusatz von etwas Ammoniak und zur Verhinderung 
der Fäulnis während (des ßindampfens von Chloroform oder Thymol 
auf ca. 60 Liter konzentriert. Der dickflüssige Sirup wurde portionen- 
weise mit 80 Liter 90 o/o igem Alkohol bei gewöhnlicher Temperatur 
drei Stunden lang kräftig durchgerührt, worauf die Flüssigkeit abgesaugt 
und der Niederschlag [nochmals mit der doppelten Menge seines Ge- 
wichtes an 60 o/o igem Alkohol extrahiert wurde. Nunmehr wurde die 
weitaus grösste Menge des Alkohols auf dem Wasserbad bei massiger 
Temperatur vertrieben. Das vorher mit Schwefelsäure genau neutrali- 
sierte Extrakt wurde mit dem gleichen Volumen Wasser verdünnt und 
dann so lange mit einer wässerigen Lösung von Eisenammoniakalaun- 
lösung versetzt, als eben noch ein Niederschlag entstand. Ein Über- 
schuss des Fällungsmittels ist zu vermeiden. Von dem Eisenniederschlag 
wird abgesaugt und, nachdem die Flüssigkeit durch Erwärmen auf dem 
Wasserbad bei 40° vom Alkohol ganz befreit ist, mit Ammoniumsulfat 
bei 40° gesättigt. Zum Sättigen waren etwa 100 kg Ammoniumsulfat 
erforderlich. Der bis zur Chlorfreiheit mit gesättigter Ammonium- 
sulfatlösung gewaschene Niederschlag, welcher jdie Uroferrinsäure ent- 
hält, wurde mit verdünnter Schwefelsäure gelöst, durch gelindes Er- 
wärmen mit starkem Ammoniak vom Eisen befreit. Filtrat und Wasch- 
wasser des Eisenhydroxydniederschlages, welche zusammen etwa 
70 Liter betrugen, wurden neutralisiert und mit etwa 50 kg Ammonium- 
sulfat wieder gesättigt. Nunmehr wurde zur Entfernung der mit Schwefel- 
säure entfernbaren Schmieren so lange eine Mischung von drei Teilen 
gesättigter Ammoniumsulfatlösung und ein Teil konzentrierter Schwefel- 
säure' zugegeben, als noch eine Trübung entstand. Es fielen grosse 
weisse Flocken aus, die sich aber bald gelb bis gelbbraun färbten. Nach 
dem Abfiltrieren wurde aus der schwach sauren Flüssigkeit mittelst 
ammoniumsulfatgesättigter Eisenammoniakalaunlösung wieder ausgefällt, 
der Niederschlag abgesaugt, auf der Nutsche mit gesättigter Ammonium- 
sulfatlösung gewaschen und dann mit einer gerade. ausreichenden Menge 
von 50 o/o iger Schwefelsäure unter längerem Durchrühren gelöst. . . 

79* 



1246 Schulz, Eiweisskörper. 



Die schwefelsaure Flüssigkeit, welche den zweimal gefällten Eisen- 
niederschlag gelöst enthält, wurde mit- dem doppelten Volum 96o/ igen 
Alkohols im Scheidetrichter kräftig durchgeschüttelt. Nach kurzer Dauer 
bilden sich beim Stehenlassen zwei Schichten, deren untere abgelassen 
und zum zweiten Male mit 50 % iger Schwefelsäure zur gänzlichen 
Lösung noch nicht zersetzter Partikelchen verrührt wird, worauf die 
Flüssigkeit nochmals mit 96 o/o igem Alkohol im Verhältnis 1 : 3 ge- 
schüttelt wird. Die gewonnenen oberen alkoholischen Schichten wurden 
mit konzentriertem Ammoniak bis zur neutralen Reaktion versetzt, wo- 
durch ein gelblichweisser Niederschlag, der im wesentlichen aus Ammo- 
niumsulfat bestand, ausgefällt wurde. Derselbe wurde abgesaugt und 
dreimal mit 90 °/o igem ammoniakalischem Alkohol gewaschen. Filtrat 
mit Waschflüssigkeit wurden dann durch Vakuumdestillation vom 
Alkohol befreit. Die zurückbleibende Flüssigkeit enthält nur noch ge- 
ringe Mengen von Fe und von Schwefelsäure. Ein Teil des Eisens wurde 
noch entfernt, indem zu der Flüssigkeit 60 ccm Barytlösung gegeben 
wurden und dann sofort C0 2 eingeleitet wurde bis zur neutralen Reaktion. 
Die Flüssigkeit wurde nach dem Filtrieren zu Sirupkonsistenz eingeengt, 
der klare Sirup (ca. 250 ccm) wurde mit dem zehnten Teil seines ge- 
wichtes an Eisessig versetzt und dann sofort, also ohne ihn vorher mit 
Alkohol zu verdünnen, unter kräftigem Umrühren in ca. 10 Liter abso- 
luten Alkohol langsam eingetropft. Die Substanz, welche sich in hell- 
braunen Flocken rasch zu Boden senkte, wurde abgesaugt, mit Alkohol 
tüchtig ausgewaschen und im Vakuum über Schwefelsäure getrocknet. 
Die Ausbeute betrug 30 g. 

V. Die stickstoffhaltige Säure von Häri. 

A. Vorkommen. Dieselbe wurde als Zink-, Silber- und Cadmium- 
verbindung von H a r i *) aus normalem Menschenharn dargestellt. Der 
Körper wurde nur in seinen Verbindungen isoliert. 

B. Eigenschaften. 1. Die genannten Verbindungen sind inWasser 
und Alkohol kaum, in Äther, Chloroform, Benzol, Petroläther gar nicht 
löslich. Die Zink- und die Cadmiumverbindungen sind dagegen leicht 
löslich in verdünnten Säuren und Alkalien. Frisch gefällt und in Wasser 
aufgeschwemmt ist die Zinkverbindung sogar löslich durch Einleiten 
von C0 2 . 

2. Die Elementaranalyse der Verbindungen führte übereinstimmend 
zu der Formel C 30 H 45 N 12 O 13 , richtiger C 30 H 44 N 12 O 13 oder C 30 H 46 N 12 O 13 . 

2 ) P. Hari, Orvosi Archivum 6. 585. 1904; Zeitschr. f. physiol. Ch. 46. 
1. 1905. 



Polypeptid. 1247 



Die Zusammensetzung des Zn-Salzes entspricht der Formel C 30 H 37 N 12 
13 Zn. In mehreren Präparaten der Zinkverbindung Hess sich etwas 
Schwefel (0,3 — 0,5 °/o) nachweisen. Es ist unentschieden, ob dieser 
Schwefel der Verbindung angehört oder einer Verunreinigung. 

C. DarstellungnachHäri. 10 — 20 Liter frischer Harn werden 
ohne vorheriges Ansäuern mit einer 10 o/o igen Lösung von Phosphor- 
wolframsäure gefällt. Der Niederschlag wird auf dem Filter gewaschen, 
sodann mit Ätzbaryt zersetzt und aus dem in Lösung gegangenen Anteil 
Baryt durch C0 2 entfernt. Die Entfernung des Baryt wird am besten 
sofort vorgenommen, da bei längerem Stehen die Ausbeute sich ver- 
ringert, Das Filtrat wird nun auf dem Wasserbad zu einem eben noch 
feuchten krystallinischen Brei eingedampft, und der braune, eigentüm- 
lich riechende Rückstand mit 96 o/ igem Alkohol zunächst einige Stunden 
hindurch digeriert, nachher heiss extrahiert und schliesslich das alko- 
holische Extrakt stark eingeengt. Aus diesem fallen nach dessen Erkalten 
hauptsächlich aus Kreatinin bestehende Krystallmassen aus; die von 
diesem abgegossene und filtrierte, dunkelbraune, alkoholische Lösung wird 
mit überschüssigem Äther versetzt, wobei eine gelblich-weisse Emulsion 
entsteht. Aus dieser scheidet sich nach wenigen Minuten schon eine 
dickflüssige, gelbbraune Schichte ab, die - - nach dem Abgiessen der 
Hauptmasse des Äthers und nach vorsichtigem Verjagen seiner letzten 
Spuren — in wenig Wasser gelöst eine braune, intensiv ialkalisch 
reagierende Flüssigkeit darstellt. Diese Flüssigkeit wird mit einer Lösung 
eines Zinksalzes, Silbersalzes oder Cadmiumsalzes versetzt. Es ent- 
stehen dann voluminöse, gelbbraune Niederschläge, die auf der Nutsche 
gesammelt, gut ausgewaschen, anfangs bei Zimmertemperatur im Vakuum 
über Schwefelsäure, nachher im Trockenschrank bei 98 — 99 ° oder bei 
60 ° im Vakuum getrocknet werden. 

VI. Der p o 1 y p e p t i d a r t i g e Körper von Abderhalden und 

Pre g 1. 

A. Vorko m m e n und Eigenschaften. Aus Menschenharn 
lässt sich in nachstehend beschriebener Weise ein Sirup, bestehend aus 
schwer dialysierbaren Stoffen gewinnen, der keine Aminosäuren mehr 
enthält, der aber bei der Hydrolyse mit Salzsäure mit der „Estermethode" 
reichlich Aminosäuren liefert. Es Hessen sich, feststellen: viel Glycocoll, 
Alanin, Leucin, Glutaminsäure, Phenylalanin und wahrscheinlich Aspa- 
raginsäure; viel Huminsubstanzen. Es handelt sich nach der Ansicht 
von Abderhalden und Pre gl 1 ) um einen polypeptidartigen Körepr, 



x ) E. Abderhalden und F. Pregl, Zeitschr. f. physiol. Ch. 46. 19. 1905. 



1248 Schulz, Eiweisskörper. 



um einen Abkömmling der Eiweissstoffe, der dem totalen Abbau im 
Stoffwechsel entgangen ist. 

B. Darstellung. Der Trockenrückstand von menschlichem Harn, 
in dem weder mit E s b a c h s Reagens noch mit konzentrierter Salpeter- 
säure Eiweiss nachgewiesen werden konnte, wurde friit absolutem Alkohol 
extrahiert und aus dieser Lösung durch Eintragen von gepulverter Oxal- 
säure die Hauptmasse des Harnstoffes entfernt. Aus dem Filtrat vom 
Harnstoffoxalat wurde die überschüssige Oxalsäure mit Baryt und aus 
dem neuerlichen Filtrat der Baryt mit Schwefelsäure gefällt. Durch mehr- 
tägige Dialyse des Filtrates vom Bariumsulfat wurden die letzten Reste 
krystallinischer Substanzen möglichst entfernt. Nach dem Einengen der 
dialysierten Flüssigkeit auf ein kleines Volumen stellt dieses Präparat 
eine durchsichtige bräunliche, sirupöse Flüssigkeit dar. — Durch 
Schütteln der alkalischen Flüssigkeit mit ß-Naphthalinsulfochlorid lässt 
sich zeigen, dass die Flüssigkeit keine freien Aminosäuren mehr enthält. 

C. Verfahren zur quantitativen Bestimmung der x y - 
p r o t e i n s ä u r e f r a k t i o n. 

Die Bestimmung der Gesamtmasse der hier in Betracht kommenden 
N-haltigen Säuren des Harns hat, wie oben auseinandergesetzt, klinisches 
Interesse gewonnen. Es handelt sich nicht um exakte Bestimmungs- 
methoden, sondern um Isolierungen dieser Fraktion und Berechnung 
der Menge aus dem N-gehalt. Bei der Schwierigkeit der Isolierung können 
kleine Abweichungen beträchtliche Differenzen in der Ausbeute be- 
dingen. Es sind daher nur Werte vergleichbar, die nach dem gleichen 
Verfahren gewonnen sind. Es kommen folgende Verfahren in Betracht. 
Das Verfahren von G a w i n s k i , das von G i n s b e r g , das von 
Salomon und Saxl, die Methoden von Kojo, das Alkohol verfahren 
Salkowskis. 

I. Das Verfahren von Salomon und Saxl 1 ). 

Die Methode beruht darauf, dass zunächst aus dem eingeengten 
Harn die Säuren als Barytverbindungen durch Alkohol-Äther ausgefällt 
werden. Diese Barytverbindungen werden mit Quecksilberacetat und 
Soda gelöst und dann die Hg-Verbindungen der Proteinsäuren gefällt. In 
den Niederschlägen wird dann der Stickstoff bestimmt und mit dem 
Gesamtstickstoff in Relation gebracht. 

250 ccm Harn — gleichgültig ob der Tagesmenge entnommen oder 
ob einer Teilmenge entsprechend — werden bei neutraler Reaktion auf- 



x ) H. Salomon u. P. Saxl. Harnbefund bei Carcinomatösen. Beiträge 
zur Carcinomforschung. Aus I. med. Klinik in Wien. Verlag Urban u. Schwarzen- 
berg 1910. 41. 






Bestimmung der Oxyproteinsäuren. 1249 

gekocht, filtriert und mit heissgesättigter Lösung von Bariumhydroxyd 
gefällt. Das Bariumhydroxyd werde wirklich in siedendem Wasser bis 
zur Sättigung gelöst. Man benötigt zur Ausfällung gewöhnlich 500 ccm 
einer auf diese Weise gesättigten Lösung auf 250 ccm Harn. Nach Ab- 
setzen des Niederschlages überzeugt man sich von der Vollständigkeit 
der Fällung. Sodann zersetze man den Überschuss des Bariumhydroxyds 
durch Einleiten von Kohlensäure. Man lasse so lange Kohlensäure 
einlaufen, bis die Reaktion neutral wird. Sodann erhitze man stark und 
filtriere heiss einen möglichst grossen aliquoten Teil ab (600 ccm). Beim 
Erhitzen wird die Reaktion in der Regel wieder deutlich alkalisch. 
Man leite nun in das Filtrat abermals Kohlensäure ein, bis die Reaktion 
wieder neutral ist, erhitze zum Sieden und filtriere so heiss wie mög- 
lich. Die Ausfällung mit Kohlensäure muss möglichst sorgfältig ge- 
schehen, da sonst beim späteren Eindampfen Bariumsalze ausfallen, 
die später störend einwirken, (da bei stärkerer Konzentration Baryt 
hydrolysierend wirkt. Nun dampfe man zunächst auf freier Flamme, 
dann auf dem Wasserbade auf ein Volum von 40 — 50 ccm ein. War 
die Kohlensäureausfällung korrekt und ist nach dieser heiss filtriert 
worden, so bleibt die Flüssigkeit hierbei klar. Ist auf 40 — 50 ccm ein- 
geengt (Kontrolle im Messzylinder!), so giesse man die eingeengte Flüssig- 
keit in ein Gemisch von wasserfreiem Äther und 95o/ igem Alkohol (1:2), 
von welchem man 100 ccm nimmt, wobei man mit 10 ccm destilliertem 
Wasser nachwasche. Man verschliesse gut, schüttle gut durch and lasse 
24 Stunden stehen, wobei es sich empfiehlt, anfänglich etwa jede Stunde 
einmal kräftig durchzuschütteln. Es fällt ein in der Flüssigkeit schwe- 
bender, mehr oder minder feiner und beweglicher Niederschlag aus. 
Bei Abweichungen von der Vorschrift, y,. B. zu starkem Einengen, 
legt sich dagegen ein sirupöser Niederschlag an die Wandung des Ge- 
fässes an. Eine derartige Bestimmung soll nicht verwertet werden. — 
Nach 24 stündigem Stehen filtriere man den Ätheralkohol ab, wasche 
sorgfältig mit Ätheralkohol (1:2) nach; den Rückstand nehme man in 
1 Liter Wasser auf. War die Kohlensäureausfällung korrekt, so löst 
sich der Rückstand klar und vollständig. Nun teile man in zwei Hälften 
und führe in beiden die Bestimmung zu Ende. 

Man fällt mit heissgesättigter Quecksilberoxydacetatlösung und 
10 o/o iger Sodalösung, beides abwechselnd in geringen Mengen zusetzend, 
bis ein dauernd rötlich gefärbter Niederschlag auszufallen beginnt. Nun 
wird der Niederschlag abfiltriert und in ihm der N-gehalt nach K j e 1 - 
d a h 1 bestimmt, wobei nicht mit Kupfersulfat, sondern mit metallischem 
Quecksilber oxydiert werden muss. Den Sulfidzusatz vor der Destil- 
lation nicht ausser Acht lassen! (S. S. 486.) Ferner wird in 10 ccm 
Harn der Gesamt-N bestimmt. 



1250 Schulz, Eiweisskörper. 



IL Das Verfahren von Ginsberg 1 ). Das Verfahren beruht auf dem 
gleichen Prinzip, wie das von Salomon und Saxl. .1000 ccm Harn, dessen Gesamt- 
N- Gehalt bekannt ist, werden mit heissgesättigter Barytlösung im Überschuss 
gefällt, durch C0 2 vom Barytüberschuss befreit, ein aliquoter Teil heiss abfiltriert 
und bis zum dünnen Sirup eingeengt. In diesem starken Einengen besteht der 
Hauptunterschied gegenüber dem Verfahren von Salomon und Saxl. Der Sirup 
wird nach dem Prinzip von Mörner-Sjöquist mit Ätheralkohol 1 : 2 erschöpft, 
d. h. nach Zusatz des 20fachen VolumenÄtheralkohols durchgeschüttelt und während 
24 Stunden stehen gelassen in verschlossenem Gefäss. Der Niederschlag oder 
Sirup, von dem abgegossen, eventuell abfiltriert wurde, wird mit Ätheralkohol 
nachgewaschen und dann in Wasser gelöst. Mit dieser Lösung wird verfahren 
wie bei Salomon und Saxl. Diese Lösung, bzw. die ,, Barytfraktion", enthält 
anscheinend nur die Ba- Salze der drei Proteinsäuren und einen zurzeit unbekannten 
N-haltigen Rest. Die „Barytfraktion" ist frei von Harnstoff, Harnsäure, Am- 
moniak, Kreatinin und Hippursäure. 

Ginsberg erhielt nach seinem Verfahren, wie oben erwähnt, wesentlich 
höhere Werte wie Salomon und Saxl. 

III. Das Verfahren von Gawinski 2 ). Das Verfahren beruht auf der 
Isolierung der Proteinsäuren als Barytverbindungen und Bestimmung des Stick- 
stoffs in diesem Bariumsirup. 1 L Harn wird nach leichtem Ansäuern mit Essig- 
säure im Vakuumapparat bei 55° zum dünnen Sirup eingeengt. Dann wird ver- 
dünnte Schwefelsäure zugesetzt bis zum Erscheinen eines Farbenumschlages an 
mit Kongorot gefärbtem Papier, um die organischen Säuren frei zu machen, 
und mit dem 2— 3fachen Volum absoluten Alkohol die Sulfate gefällt. Es 
wird abgesaugt und mit 75%igem Alkohol gewaschen. Die alkoholische Flüssig- 
keit, welche die freien Proteinsäuren enthielt, wurde mit dem 2— 3 fachen 
Volum Wasser verdünnt und mit Barythydrat bis zum geringen Überschuss 
versetzt. Es entstand ein Niederschlag, welcher schwefelsaures, phosphor- 
saures und harnsaures Baryt enthielt. Im Filtrat befanden sich die Proteinsäuren 
als Barytverbindungen. Nach dem Entfernen des Baryts aus der alkalischen 
Flüssigkeit mit C0 2 wird das Filtrat im Vakuum bis zur dicken Sirupkonsistenz 
eingeengt und der letztere mit Alkohol-Äthermischung (s. oben) extrahiert, zur 
Entfernung des Harnstoffes. Der dunkelgefärbte, unlösliche, schmierige Rückstand 
wurde nach 24 Stunden durch Dekantieren (eventuell Filtrieren) vom Alkohol- 
Äther getrennt, dann in einer kleinen Menge lauen Wassers gelöst. Die Lösung 
wurde nach Zusatz von geglühtem Seesand in Hof meist ersehen Glasschalen 
in Portionen von etwa 10 ccm bis zur Trockne gedampft. Dann wurde im Mörser 
zerrieben und die ganze Masse in Papierdüten im Soxhletschen Apparat mit 
Alkohol ausgezogen. Nach 3 — 5 stündiger Extraktion mit dem absoluten Alkohol 
wurde der Inhalt der Düte sorgfältig mit lauem Wasser ausgelaugt, die erhaltene 
Lösung filtriert und auf ein bestimmtes Volum (100 ccm) gebracht. Da sich der N 
dieser Lösung durch Quecksilberacetat vollständig ausfällen lässt, so wurde auf 
diese Ausfällung verzichtet und der „Barytsirup" direkt zur Stickstoffbestimmung 
benutzt. 

Die von Gawinski erhaltenen Werte sind ähnlich wie die von Ginsberg 
erhaltenen, also auch wesentlich höher, wie die von Salomon und Saxl. 

IV. Bleiverfahren von Kojo. Die von Kojo angegebenen Verfahren 
verzichten ebenso wie das Alkoholverfahren von Salkowski (s. S. 469), auf Rein- 
darstellung der Oxyprotainsäurefraktion. 100 ccm frischer Harn werden durch vor- 
sichtigen Zusatz von alkalischer Chlorbariumlösung (Gemisch von 1 Teil 10°/oiger 
Chlorbariumlösung und 2 Teilen kaltgesättigtem Barytwasser) genau ausgefällt, 
nach 15 Minuten von dem entstandenen Niederschlag von Bariumphosphat und 

J ) W. Ginsberg, Hofmeisters Beiträge 10. 411. 1907. 

2 ) W. Gawinski, Zeitschr. f. physiol. Ch. 58. 454. 1909. — Eine vorläufige 
Mitteilung hat Gawinski schon 1907 gemacht und zwar vor dem Erscheinen der 
Arbeit von Ginsberg. 



Bestimmung der Oxyproteinsäuren. 1251 

Bariumsulfat abfiltriert und mit Wasser dreimal nachgewaschen. Das Wasch - 
wasser (vom Filtrate getrennt aufgefangen) wird bis zu ca 10 ccm eingedampft 
und dem Filtrate hinzugefügt. Dann wird mit Essigsäure genau neutralisiert 
(eher etwas alkalisch gehalten), darauf setzt man dem Filtrat käufliche Blei- 
subacetatlösung (Liq. Plumbi subacet. Ph. IV) zu, so lange, bis kein Nieder- 
schlag mehr entsteht. Je nach der Konzentration des Harns ist die Menge 
Bleisubacetat natürlich verschieden, bei 1015 spez. Gewicht sind etwa 30 — 35 ccm 
des Reagens erforderlich. Nach etwa \'a Stunde filtriert man durch ein ange- 
feuchtetes Filter, bringt den Niederschlag mit dem Gummiwischer vollständig 
aufs Filter, wäscht mit lauwarmen Wasser nach, bis das Waschwasser mit Mer- 
kurinitrat keine Reaktion auf Harnstoff mehr gibt. Das Filter wird dann durch- 
stossen, der Niederschlag in eine Abdampfschale gespritzt, das Filter zuerst mit 
25 ccm verdünnter Schwefelsäure (1:5), dann mit Wasser na chsewaschen; schliesslich 
wird die Lösung auf dem Wasserbad bis etwa 20 ccm eingedampft, dann spült 
man die Flüssigkeit in einem Kjeldahlkolben, setzt 10 ccm conc. H 2 S0 4 und 0,4 g 
HgO hinzu und bestimmt den N wie gewöhnlich. 

Man berechnet wie viel ° o des Gesamtstickstoffs der fällbare Stickstoff 
beträgt. 

V. Das Zinkverfahren von Kojo. 100 ccm frischer Harn werden durch 
vorsichtigen Zusatz von Kalkmilch schwach alkalisiert, mit Chlorkalzium genau 
ausgefällt (alkal. Chlorbariumlösung ist auch verwendbar, wenn die spätere Fälluug 
mit Zinkchlorid vorgenommen wird), nach % Stunde von dem Niederschlag von 
Ca-Phosphat abfiltriert, mit Wasser dreimal nachgewaschen; das Filtrat wird mit 
Essigsäure versetzt, &o dass die Reaktion schwach alkalisch bleibt. Ist die Reaktion 
etwas zu stark alkalisch, so bekommt man später beim Zusatz von Zinklösung eine 
grössere Menge von Zinkniederschlag, aus welcher der Harnstoff sehr schwer ausge- 
waschen werden kann. Man setzt dann dem Filtrat 10 %ige wässerige Zinksulfatlösung 
oder Zinkchloridlösung so lange hinzu, bis kein Niederschlag mehr entsteht, die 
Reaktion darf jedoch auf keinen Fall sauer werden. Harn von 1015 spez. Gewicht 
erfordert etwa 30 ccmZinklösung. Nach etwa % Stunde filtriert man durch ein ange- 
feuchtetes Filter, wäscht mit Wasser sorgfältig nach, bis das Wasser keine Harn- 
stoffreaktion mehr gibt (mit Mercurinitrat). Der auf dem Filter gebliebene 
Niederschlag wird (wie oben angegeben) in eine Abdampfschale gespritzt (oder 
auch direkt in den Kjeldahl -Kolben) und dann wie oben weiter behandelt. 

Das Zinkverfahren hat vor dem Bleiverfahren den Vorteil, dass der Harn- 
stoff sich leichter aus dem Niederschlag auswaschen lässt. 

VI. Das direkte Verfahren von Kojo. Harn wird (ohne Entfernung 
der Phosphorsäure) mit Na. 2 C0 3 schwach alkalisiert und dann 10 %>ige Lösung von 
Zinksulfat oder Zinkchlorid hinzugefügt. E? wird filtriert, nachgewaschen und 
der Niederschlag dann nach Kjeldahl verarbeitet. 

Die Werte sind etwas höher wie nach dem „Bleiverfahren" und „Zink- 
verfahren", aber in ganzen Reihen von normalen Harnen und Karzinomharnen 
immer konstant. 

Die Menge des nach dem „direkten Verfahren" fällbaren Stickstoffs ist ab- 
hängig von dem Grade der Alkaleszenz. Da in der Vorschrift von Kojo nur steht, 
man solle „schwach alkalisieren", so bedarf die Vorschrift der Ergänzung. Man 
bekommt bei wechselnder Alkaleszenz stark voneinander abweichende Werte. 
Trotz zahlreicher Versuche in dieser Richtung bin ich noch nicht zu einem ab- 
schliessenden Ergebnis gekommen. Auch gegen das „Zinkverfahren" und das 
„Blei verfahren" habe ich Bedenken. (Schulz). 

VII. Das Alkoholverfahren von Salkowski 1 ) (s. auch S. 469). 100 ccm 
Harn (bei Harn von höherem spez. Gew. wie 1015 nur 50 ccm) werden auf dem 
Wasserbad auf ein kleines Volumen (ca. 10 ccm) eingeengt. Der Harn muss frisch, 
eiweissfrei und sauer sein. Reagiert er nicht sauer, so säuert man ihn mit einigen 
Tropfen Essigsäure an. Nach völligem Erkalten wird in derselben Schale 

*) E. Salkowski, Berl. klin. Wochenschr. 47. 1748. 1910. 



1252 Schulz, Eiweisskörper. 



mit absol. Alkohol gefällt. Es ist sorgfältig darauf zu achten, dass der Schalen- 
inhalt flüssig, nicht krystallinisch erstarrt ist, denn in diesem Fall ist die völlige 
Entfernung des Harnstoffs unmöglich. Der Zusatz des Alkohols geschieht allmählich 
unter ständigem Umrühren. Man filtriert nach 1 Stunde durch ein Filter von 
etwa 14 cm Durchmesser (Schleicher n. Schüll 597), wäscht mit Alkohol absolut, 
unter sorgfältiger Berücksichtigung des Filterrandes, bis der Waschalkohol frei 
von Harnstoff ist. Um das zu prüfen, werden 10 ccm des Waschalkohols ver- 
dunstet, der Rückstand in einigen ccmWasser gelöst und zu der Lösung im Reagens- 
glas etwa das gleiche Volum verdünnter Bromlauge hinzugegeben. Die Brom- 
lauge muss öfters frisch bereitet werden, indem man wenige ccm Brom in etwa 
20 ccm Natronlauge löst und dann das mehrfache Volum Wasser hinzugibt. Falls 
noch Harnstoff in dem Waschalkohol vorhanden ist, macht sich beim Umschütteln 
eine Entwicklung von Stickstoff blasen bemerkbar. Eine Unterbrechung des Aus- 
waschens ist unzulässig. Trocknet der Niederschlag auf dem Filter an, so ist die 
völlige Entfernung des Harnstoffs unmöglich. Nach beendigtem Auswaschen 
löst man den in der Schale gebliebenen Rückstand in wenig lauwarmem Wasser, 
giesst dieses auf das Filter und wäscht das Filter gründlich mit warmem Wasser 
nach. Ist das Volum nicht zu gross geworden, so macht man direkt eine N-Be- 
stimmung nach Kjeldahl, andernfalls engt man vorher ein. Man legt an Säure 
soviel vor, wie zur Bindung des Gesamt-N aus 10 ccm Harn (bzw. aus 5 ccm) er- 
forderlich ist. 

Das Verfahren erfordert Übung und liefert leicht zu hohe Werte für den 
Proteinsäurestickstoff. (Salkowski bezeichnet den nach seinem Verfahren be- 
stimmten N als KN = kolloidaler Stickstoff.) 

Anhang. 

Die Diazoreaktion. 

A. Auftreten. 

Ausgehend von der G r i e s sehen Entdeckung der Diazofarbstoffe 
fand Ehrlich, dass im Harn Stoffe enthalten sind, die mit Sulfanil- 
säure (Para-Amidobenzolsulfosäure) schöne Färbungen geben. Die Re- 
aktion ist vielfach modifiziert worden; es hat sich eine umfangreiche 
Literatur über diese Reaktion gebildet. Huber 1 ) zitiert 261 Abhand- 
lungen über die Diazoreaktion im Harn. 

Ehrlich vertrat zunächst die Meinung, dass bei gesunden 

Menschen die Reaktion sich nie finde, dass sie also stets ein 

Zeichen von Erkrankung sei. 

Dieser Meinung treten auf Grund zahlreicher Beobachtungen bei Georgerski, 
Escherich, Brecht, Löwinson, Dohrendorff, Spickoff, Löwe, Lenhartz, 
Michaelis, Biring, Clemens, Barde, Janeso, Baccarini-Cevidalli, Ca- 
mürri, Brehmer, Cnopf, See, Pape, von Noorden, Friedenwald, Jez, 
Umikoff, Engeland 2 ). Alle diese Beobachter fanden nie ausgesprochene Rot- 
färbung, wohl aber ausgesprochene gelbe und orange Färbungen. 

x ) J. P. Griess, Ber. d. ehem. Gesellsch. 11. 1856. 1878. — P. Ehrlich, 
Zeitschr. f. klin.Med. 5. 285. 1882. — E. Huber, Die Ehrlichsche Diazoreaktion. 
Eine Monographie mit Beiträgen über den Ausfall der Reaktion bei gesunden und 
kranken Tieren. Diss. Bern. 1910. Dort umfassende Besprechung der gesamten 
Literatur. t$$jj 

2 ) P. Ehrlich, Zeitschr. f. klin. Med. 5. 285. 1882. — Charite-Annalen 8. 
140. 1883. — med. Wochenschr. 9. 549. 1883. — Georg iewsky, Jahresber. f. 






Diazoreaktion. 1253 






Diesen Beobachtungen stehen Angaben von Penzoldt gegen- 
über, der (mit von der Ehrlich sehen Vorschrift abweichenden Me- 
thode) unter 72 normalen Harnen 14 mal rote, 30 mal gelbrote, 27 mal 
rotgelbe, 1 mal gelbe Färbung hatte. Bei besseren Ständen angehörigen 
Gesunden schien die Färbung dunkler zu sein, bei Soldaten ergaben sich 
an den einzelnen Tagen Schwankungen. Petri fand auch bei 20 Ge- 
sunden rote Reaktion. Auch Karthin 1 ) fand im Harn Gesunder 
positive Reaktion. — Nach den Erfahrungen über die Antoxypro- 
teinsäure (s. dort) ist anzunehmen, dass zwischen normalen und 
abnormen Harnen nur ein gradueller Unterschied besteht. 

Beim Hund fand Hub er 2 ) ähnliche Verhältnisse wie beim Menschen. Bei 
erwachsenen Herbivoren (Pferd, Rind, Schaf, Ziege, Kaninchen) ist die Reaktion 
rot; bei Schweinen und Kälbern bald gelb, bald rot. 

Ausgesprochen positive (s. später!) Diazoreaktion findet man bei 
verschiedenartigsten fieberhaften Erkrankungen, während bei fieberlosen, 
chronischen Krankheiten die Reaktion nur ausnahmsweise deutlich 
positiv ist. Nach den grundlegenden Untersuchungen E h r 1 i c h s , die 
durch die zahlreichen späteren Untersucher nur unwesentlich modifiziert 
worden sind, lassen sich die fieberhaften Erkrankungen nach ihrem Ver- 
halten bei der Diazoreaktion in drei Gruppen einteilen: 

1. Fast regelmässig fehlt sie bei Gelenkrheumatismus, Meningitis, 
Rubeola und Varicellen; 

2. häufiger, je nach der Schwere des Falles, ist sie vorhanden bei 
Pneumonie, Scharlach, Diphtherie, Erysipel; 

3. Regelmässig ist sie positiv bei Typhus abdominalis und exan- 
thematicus, vorgeschrittener Phthise, Masern. 

Wegen Einzelheiten sei auf die umfassende Darstellung bei H u b e r 
verwiesen. 

Tierch. (Maly). 13. 185. 1883. — Escherich, Deutsche med. Wochenschr. 1885. 
Nr. 45. — Brecht, Diss. Berlin 1883. — Löwinson, Diss. Berlin 1883. — Doh« 
rendorff, Diss. Göttingen 1884. — Spiethoff, Diss. Berlin 1884. — E. Löwe, 
Diss. Berlin 1888. — Michaelis, Münchn. med. Wochenschr. 46. 897. 1899. — 
Zeitschr. f. diätet. u. physikal. Therapie 3. 140. 1899. — Piering, Zeitschr. f. Heil- 
kunde G. 51. 1885. — Clemens, Wien. med. Blätter 22. 127. 1899. — Deutsch. 
Arch. f. klin. Med. 63. 74. 1899. — Barde, These med. Bordeaux 1899. — 
Janeso, Orvosi hetilap. 1901. Nr. 19. — Baccarini und Cevidalli, La clin. 
med. 1901. Nr. 3. — Camürri, Gaz. degli osp. 1903. Nr. 56. — Brehmer, Diss. 
Leipzig 1884. — Cnopf, Diss. Würzburg 1887. — See, La phthise bacillaire 
des hommes. Paris 1884. S. 280. — Pape, Diss. Freiburg 1892. — v. Noorden, 
Pathologie des Stoffwechsels 1893. 216. — Friedenwald, New York med. Journ. 
58. 745. 1893. — Jez, Wien. med. Wochenschr. 1896. Nr. 52. — Umikoff , 
Jahrb. f. Kinderheilk. 44. 335. 1897; 45. 20. 1898. — Engeland, Münchn. med. 
Wochenschr. 55. 1643. 1908. 

*) Penzoldt, Berl. klin. Wochenschr. 1883. Nr. 14 u. Nr. 49. 755. — Petri, 
Zeitschr. f. klin. Med. 6. 472. 1883. — Karthin, The med. News. 1893. Nr. 21. 

2 ) Huber 1. c. 



1254 Schulz, Eiweisskörper. 



B. Wesen der D i az or e ak t i on. 

Nach den Erfahrungen von Bondzynski, Dombrowski und 
P a n e k gibt die Antoxyproteinsäure in typischer Weise die Ehrlich- 
sche Diazoreaktibn. Nach Weisz ist auch das Urochromogen, das mit 
den Proteinsäuren des Harns in Zusammenhang steht, eine Substanz, 
die die Ehrlich sehe Reaktion gibt. Man wird daher heute zunächst 
in dem Auftreten dieser Stoffe die Ursache für die Diazoreaktion des 
Harns suchen. Mit der Auffindung und Erforschung der Proteinsäuren 
bzw. des Urochromogen haben frühere Versuche von Ehrlich, 
Brieger, Clemens, Engeland 1 ) u. a. durch Blei-, Baryt- oder 
Silberfällung den fraglichen Körper zu fassen, anscheinend ihre Erledi- 
gung gefunden. Dass Tyrosin sowie Histidin rote Diazokörper geben 
können, ist auch bekannt (s. dort). 

C. Anstellung der Reaktion. 

1. Eh rli.chs 2 ) Vorschriften. Man setzt zu etwa 1 / 3 Reagenz- 
glas Harn das gleiche Volum des sauren Diazoreagens. Dabei kann es 
zu einer „primären Farbenreaktion" kommen und zwar entweder zu 
einer primären Verdunkelung oder zu einer primären Vergilbung (pri- 
märes Eigelb). 

Bei der primären Verdunklung ruft jeder Tropfen des sauren Reagens schwärz- 
liche Wolken hervor, die schliesslich ins ausgesprochene Dunkelviolett spielen. 
Diese primäre Verdunklung ist bedingt durch Bilirubin, welches sich mit Sulfo- 
benzol zu einem in saurer Lösung violettblauen, in alkalischer Lösung grünen, 
bei neutraler Reaktion roten Färbkörper paart. 

Bei der primären Vergilbung ruft das Reagens tiefdunkelgelbe, dem 
Schaum in ausgesprochenen Fällen deutlich Orangefärbung verleihende Färbung 
hervor. Nach Ammoniakzusatz geht das Orange meist in Schwefelgelb über. Die 
Färbung hängt mit einem Gehalt an Urobilinogen zusammen (s. dort S. 1409). 

Setzt man nunmehr Ammoniak hinzu, so kommt es zur Aus- 
bildung der „sekundären Farbenreaktion". In pathologischen Harnen 
mit ausgesprochen positiver Reaktion entsteht eine intensive Carmin- 
oder Scharlachfarbe, deren Farbe sich sowohl beim Hindurchsehen, als 
auch namentlich an dem beim Schütteln entstehenden Schaum bemerk- 
bar macht. Schon ein leichter Stich des beim normalen Harn nicht 
eigenfarbigen Schaumes ins Rote berechtigt zur Annahme des fraglichen 
Körpers. Nach 12 stündigem Stehen beobachtet man an den obersten 
Schichten des entstehenden Niederschlages eine bald schmälere, bald 
breitere, durch intensive Dunkelfärbung ausgezeichnete Zone. Diese 

*) P. Ehrlich, Deutsche med. Wochenschr. 10. 419. 1884. — Brieger, 
Münchn. med. Wochenschr. 4<>. 395. 1899. — Clemens, Verh. d. Kongr. f. inn. 
Med. 1904. 458. — Engeland, Münchn. med. Wochenschr. 55. 1643. 1908. 

-) P. Ehrlich, Deutsche med. Wochenschr. 10. 419. 1884. 



, 



Diazoreaktion. 1255 



Zone ist manchmal rein grün, in anderen Fällen grünlich-schwarz oder 
violett. Die violette Färbung kommt zustande durch einen auch im 
normalen Harn vorkommenden roten Niederschlag. 

Ausnahmsweise beobachtete Ehrlich 1 ), dass nach Ammoniak- 
zusatz die Flüssigkeit sich tief gesättigt gelb färbt, so dass auch der 
Schüttelschaum eine exquisite Dotterfärbung zeigt. Beim Stehen bildet 
sich ein gelb gefärbtes Sediment. Die Reaktion hängt voraussichtlich 
mit Gallenfarbstoffen bzw. ihren Derivaten zusammen. 

Für die Herstellung des Reagens gibt Ehrlich folgende 
Vorschrift. Man hält zwei Lösungen vorrätig: eine 1 / 2 °/oige Lösung von 
Natriumnitrit und eine 20 fach verdünnte, mit Sulfanilsäure gesättigte 
Salzsäure. Zum Gebrauch werden 50 cem der Sulfanilsäure mit 1 cem 
Nitritlösung (oder 3 cem mit einem Tropfen) gemischt. Die Sulfanil- 
säurelösung enthält etwa 5 g Sulfanilsäure im Liter. Das fertige Reagens 
soll farblos sein ; es ist nach Ehrlich einige Tage haltbar. Man bereite 
trotzdem frisch. 

Das käufliche Natriumnitrit enthält häufig zu geringe Mengen Nitrit (Ehr- 
lich). Blad und Videbeck 2 ) raten das Nitrit folgendermassen zu prüfen: Man 
löst einige Körner in Wasser. Im Falle der Reinheit entwickeln sich auf Zusatz 
einiger Tropfen Salzsäure rote Dämpfe von Untersalpetersäure. Oder man setzt 
zu der Lösung 1 Tropfen Kaliumpermanganatlösung hinzu. Dasselbe soll durch 
das Nitrit entfärbt werden. 

Ammoniakzusatz erzeugt in der mit Natriumnitrit versetzten Sul- 
fanilsäurelösung an sich eine intensiv gelbe Färbung, während das 
Reagens mit Kalilauge nur ganz blassgelb wird. P e n z o 1 d t und P e t r i 
haben daher empfohlen, statt des Ammoniak Kalilauge zu nehmen. 
Ehrlich gibt aber doch dem Ammoniak den Vorzug, da bei positivem 
Ausfall die Färbung mit Ammoniak viel reiner rot sei. Auch sei bei 
Verwendung von Kalilauge eine Verwechslung mit der betreffenden 
Reaktion des Traubenzuckers zu befürchten (S. 384, Curtmann) 3 ). 

Man soll nur frischen Harn ohne alkalische Harngärung benutzen 
(Ehrlich, Pape, Coste, Flamm and, Ott, Weisz) 4 ). Im 
sauer gemachten Harn hält sich nach Ehrlich die Reaktion be- 
liebig lang. 

Petri benutzt eine gesättigte Lösung von Sulfosalicylsäure, welche pro 
Liter 50 cem offizinelier Salpetersäure enthält. 100 cem dieser Lösung mischt 
er mit 5 cem 5%iger Natriumnitritlösung. Später stellte er das Reagens in 7 ver- 
schiedenen Konzentrationen her, die er dann in 7 verschiedenen Proben mit demselben 



!) P. Ehrlich, Charite-Annalen 8. 140. 1883. 

2 ) Blad und Videbeck, Hospitals-Tidende 1900. Nr. 48. 

3 ) P. Ehrlich, Deutsche med. Wochenschr. 9. 549. 1883. — Penzoldt, 
Berl. klin. Wochenschr. 1883. Nr. 14. — Petri, Zeitschr. f. klin. Med. 6. 472. 1883. 
— Curtmann, Pharmaz. Rundschau 10. 278. 

4 ) P. Ehrlich, Charite-Annalen 8. 140. 1883. — Pape, Diss. Freiburg. 
1892. — Coste, These med. Paris 1899. — Flammand, Diss. Berlin 1899. — 
Ott, Wien. klin. Rundschau 13. 740. 1903. — Weisz, Wien. klin. Wochenschr 
19. 1307. 1906. 



1256 Schulz, Chondroitinschwefelsäure. 

Harn benutzte. Ranke konstruierte ein besonderes Reagenzglas, in dem nur die 
gerade erforderliche Menge des Reagens bereitet wird. Zahlreiche andere Ab- 
änderungsvorschläge siehe bei Hub er l ). 

Ehrlich empfiehlt einen Überschuss von Ammoniak rasch zu- 
zusetzen. S a h 1 i 2 ) zieht es dagegen vor, das Ammoniak allmählich 
zuzusetzen, so dass es sich auf den Harn schichtet. 

2. Ersatzproben. 

Ehrlich 3 ) hat versucht, an Stelle der Sulfanilsäure mit Hilfe anderer 
aromatischer Körper (Metaamidobenzolsulfo- Ortho- und Para-Toluidin, Sulfo- 
naphthylamin, Sulfoamidoazobenzoldisulfosäure, Paranitranilin, Dimethylpara- 
phenylendiamin) analoge Lösungen herzustellen. Keine hatte aber Vorzüge vor 
der Sulfanilsäure. 

Seng 4 ) empfahl das Paranitrodiazobenzolsulfat als fertiges Diazoreagens. 
Das Reagens hat aber keinen Eingang gefunden. 

Beck empfiehlt das Paraamidoacetophenon, einen unter Ehr- 
1 i c h s Leitung von Friedenwald ausgearbeiteten Körper. — Eine 
mit 50 ccm HCl angesäuerte Lösung von 0,5 g dieses Stoffes in 10000 ccm 
und eine 0,5 o/o ige Lösung von Natriumnitrit dienen als Ausgangslösungen. 
Zum Gebrauch werden 200 ccm der Lösung mit 5 ccm der Lösung II 
gemischt. Das fertige Reagens wird mit Harn zu gleichen Teilen versetzt 
und dann 1 / 7 Vol. Ammoniak am besten tropfenweise zugesetzt. Der 
Ausfall der Reaktion soll deutlicher sein wie mit Sulfanilsäure. Jez, 
Flammand, Bloch, Sievers, Ott bestätigen das. Ebenso 
Gieseler, Zunz, Weisz, Holmgren; Michaelis und 
Blumenthal 5 ) konnten dagegen in dem teuren Paraamidoaceto- 
phenon keinen Vorteil gegenüber der Sulfanilsäure sehen. 

VIII. Eiweissabkömmlinge. 

1. Chondroitinschwefelsäure. 

C 18 H 26 N0 13 -S0 3 .OH. 

A. Vorkommen. Nach K. A. H. M ö r n e r 6 ) in kleiner Menge 
konstanter Bestandteil des Harns. Findet sich nach K. A. H. Mörner 7 ) 

"iyPetri, Zeitschr. f. klin. Med. 6. 472. 1883; 7. 500. 1884. — Ranke, 
Fortschr. d. Med. 17. Nr. 36. 1899. — Hub er, 1. c. 

2 ) Sahli, Lehrb. d. klin. Untersuchungsmethode 5. Aufl. 682. 1909. 

3 ) P. Ehrlich, Charite-Annalen 8. 140. 1883. 

4 ) Seng, Wien. med. Presse 1899. Nr. 37. 1505. 

5 ) Beck, Charite-Annalen 19. 583. 1894. — Friedenwald, New- York, 
med. Journ. 58. 745. 1893. — Jez, Wien. med. Wochenschr. 1896. 2270. — 
Flammand, Diss. Berlin 1899. — Bloch, Ärztl. Rundschau 9. 481. 1901. — 
Sievers, För. Ar. 1901. Nr. 7. Helsingfors 1902. — Ott, Wien. klin. Rundschau 
18. 740. 1903. — Gieseler, Zeitschr. f . Tuberk. u. Heilwesenstätten 3. 406. 1902. 
— Zunz, Bull. Acad. roy. d. med.de Belgique 16. 797. 1903. — Weisz, Wien, 
klin. Wochenschr. 20. 985. 1907. — Holmgren, Münchn. med. Wochenschr. 
1904. 1758. — Michaelis, Berl. klin. Wochenschr. 1900. 274. — Blumenthal, 
Deutsche Klinik. 4. 3. Abt. 10. 1907. 

6 ) K. A. H. Mörner, Skandin. Archiv 6. 378. 1895. 

7 ) Mörner a. a. O. 398. 



,1 



Eigenschaften. 1257 



auch in der Rinderniere (nach C. T h. Mörner im echten Knorpel- 
gewebe und der Intima der grossen Arterien, nach d d i in der Amyloid- 
leber). Die im normalen Harn vorkommende Menge ist grösser, als 
vom gleichzeitig vorhandenen Eiweiss gebunden werden kann. 

Die Säure ist von C. Th. Mörner und namentlich von Schmiedeberg 
eingehend untersucht, ihre Beziehung zum Eiweiss und zum Harn von K. A. H. 
Mörner festgestellt worden. Neuere Untersuchungen stammen von Müller und 
Stähelin, Steudel, Orgler und Neuberg, Fränkel, Pons 1 ). 

Die Chondroitinschwefelsäure ist unter den nichtdialy säbeln 
Stoffen des Harns nachweisbar (Ebbecke, Sasaki, Pons) 2 ). 
Die tägliche Menge beträgt etwa 0,08—0,09 g entsprechend 0,005 g 
Schwefel = 0,5o/o des Gesamtschwefels (Pons). 

B. Eigenschaften. 1. Amorph, in Wasser leicht löslich, in 
Lösung und in fester Form dem arabischen Gummi ähnlich, reagiert stark 
sauer, ist nur aus salzhaltiger Lösung durch Alkohol fällbar, in Eisessig 
unlöslich und darum aus wässeriger Lösung durch mehrere Volumen 
Eisessig fällbar. Mineralsäuren schlagen sie aus ihren Salzen nicht 
nieder, ebensowenig Essigsäure in gewöhnlicher Verdünnung. Pikrin- 
säure sowie Tannin fällen sie gleichfalls nicht (M ö r n e r). 

2. Ihre Lösungen drehen die Ebene des polarisierten Lichts nach 
links (Mörner). 

3. Verbindungen, a) Die Säure gibt mit Metall salzen neutrale 

Salze. Nur Zinnoxydul- und Quecksilberoxydulsalz, basisches Bleiacetat, 

sowie Ferri- und Uransalz nach dem Abstumpfen ihrer sauren Reaktion 

geben mit der Säure Niederschläge, andere Metallsalze nicht. Das 

(basische) Eisensalz löst sich mit brauner Farbe in Kalilauge und in 

Ammonsulfat, das Kupfersalz mit rein blauer Farbe (Mörner). 

Von der Säure hat Sohmiedeberg ein Kupfersalz mit 1 AtCu und Kali- 
salze mit 1 und 3AtK dargestellt; sie sind amorph, in Wasser löslich. Von den 
Kupfer und Kalium zugleich enthaltenden basischen Salzen sind die stark 
basischen kupferreichen in Wasser unlöslich, die weniger basischen kalium- 
reichen löslich. 

b) M i t E i w e i s s. a) Die Chondroitinschwefelsäure fällt ange- 
säuerte Leimlösung (C. Th. Mörner), sowie Eier- und Serumalbumin- 
lösung (Schmiedeberg). Der Niederschlag aus der Leimlösung ist 
flockig, löst sich in überschüssiger Mineralsäure, in Kochsalz und in 



1 ) C. Th. Mörner, Skandin. Archiv 1. 210. 1889. — O. Schmiedeberg, 
Archiv f. exper. Pathol. 28. 355. 1891. — Fr. Müller, Zeitschr. f. Biol. 42. 468. 
1901. — H. Steudel, Zeitschr. f. physiol. Ch. 34. 371. 1902. — A. Orgler und 
C. Neuberg, Ebenda 37. 407. 1903. — S. Fränkel, Festschrift f. Lieben (Liebigs 
Annalen) 1906. 541. — Ch. Pons, Archiv intern, de Physiol. 8. 393. 1909. 

2 ) N. Ebbeoke, Biochem. Zeitschr. 12. 485. 1908. — Sasaki, Hofmeisters 
Beiträge f. ehem. Physiol. u. Pathol. 9. 386. 1907. — Ch. Pons. Ann. soc. med 
de Gand 86. 288. 1906; Hofmeisters Beiträge 9. 393. 1907; Archiv intern, de 
Physiol. 8. 393. 1909. 



1258 Schulz, Chondroitinschwefelsäure. 

Ferrocyankalium, kann also durch diese Substanzen verhindert werden. 
Nach K. A. H. M örne r gibt eine mit Essigsäure oder Salzsäure bis zu 
0,2 o/o versetzte Lösung von Chondroitinschwefelsäure (aus Knorpel) 
mit Pepton keinen Niederschlag, mit A lbumosen eine in Kochsalz 
leicht lösliche, milchige Trübung, mit wenig E i w e i s s (Eieralbumin, 
angesäuertem Blutserum) eine milchige Trübung, mit mehr Eiweiss einen 
flockigen, in Kochsalz unvollständig löslichen Niederschlag. Nach 
C h. Pons werden aus Pferdeblut dargestelltes Fibrinoglobulin, Euglobu- 
lin, Pseudoglobulin, mit Conalbumin vermischtes Serumalbumin, Globin, 
Wittepepton bei gleichzeitigem Zusatz von Chondroitinschwefelsäure und 
Essigsäure gefällt. Echtes Pepton (Kühne) wird dagegen nicht gefällt. 
Die Verbindung der Chondroitinschwefelsäure mit Eiweiss kann der 
Kürze wegen C h o n d r o p r o t e i d oder (insbesondere die mit Albumin) 
Chondroalbumin genannt werden. 

Fügt man zu 5 ccm Harn einige Tropfen verdünnte Essigsäure und 5 — 6 
Tropfen einer verdünnten Natriumchondroitinsulfatlösung, so entsteht noch bei 
Anwesenheit von 0,005 g Eiweiss im Liter eine starke Trübung. Diese Probe ist 
empfindlicher, wie die He llersche Probe, namentlich wenn der Harn vorher dialy- 
siert wurde (Pons) *). 

Eine von K. A. H. Mörner mit Chondroitinschwefelsäure aus Harn (mit 
Essigsäure und Chloroform ausgefälltem dialysiertem Harn) und überschüssigem 
Serumalbumin dargestellte Verbindung bestand nach dem Ergebnis der Elementar- 
analvse aus 12 Teilen Chondroitinschwefelsäure und 88 Teilen Albumin (gefunden 
51,36% C, 14,32 N, 2,18 Gesamtschwefel, 0,50 S in der Schwefelsäure und 0,04 P; 
berechnet 51,55% C, 14,39 N, 2,20 Gesamtschwefel und 0,68 S in der Schwefel- 
säure). 

Die Eiweissverbindungen sind löslich in Alkalihydrat und 

in Säure, aber die Löslichkeit in Säure ist etwas verschieden je nach 

dem Gehalt der Verbindung an Eiweiss und je nach der Verdünnung 

der Lösung, aus welcher die Verbindung gefällt wurde. 

Eine Lösung der Verbindung mit dem Maximum an Eiweiss (aus 1 Teil 
Chondroitinschwefelsäure und ungefähr 10 Teilen Eiweiss) in schwachem Ammoniak 
gab bei einem Gehalt von 2,33% organischer Substanz mit wenig Essigsäure einen 
Niederschlag, welcher bei Zusatz von 1% Salzsäure oder 12% Essigsäure noch 
nicht in Lösung ging; der Niederschlag aus einer 10 fach verdünnten Lösung löste 
sich aber bei einem Gehalt der Flüssigkeit von 0,2% Salzsäure und 1% Essigsäure. 
Aus der 25 fach verdünnten Lösung (mit 0,09% organischer Substanz) wurde die 
Fällung durch 0,2% Essigsäure durch einen Zusatz von 0,1 — 0,75° Kochsalz 
nicht verhindert, sondern eher befördert, aber 1 — 8% Chlornatrium wirkte hindernd. 
Eine geringe Menge Natriumphosphat war ohne Einfluss auf die Fällbarkeit. 

Der Niederschlag der Verbindung mit nur halb so viel Eiweiss aus 0,25%iger 
Lösung wurde noch nicht von 1% Salzsäure gelöst. Durch Essigsäure von 0,2 
bis 5% wurde die Lösung nicht gefällt, aber auf Zusatz von 0,2 — 1% Kochsalz 
und zwar die an Säure reichste am leichtesten. 

Aus der geringeren Löslichkeit der eiweissarmen Verbindung erklärt 

sich das Verhalten des chondroitinschwefelsauren Eiweisses bei der 



*) Ch. Pons, Ann. de la soc. med. de Gand 86. 288. 1906. 






Eigenschaften. 1259 

Pepsin verdauung. Wird nämlich 0,5 o/ ige Lösung der eiweiss- 
reicheren Verbindung in 0,2 o/ Salzsäure der Einwirkung von Pepsin 
ausgesetzt, so tritt ein flockiger Niederschlag von chondroitinsehwefel- 
saurem Eiweiss auf; die Lösung ist durch die Verdauung eiweissärmer 
geworden, und es scheidet sich dann die an Chondroitinschwefelsäure 
reichere, in verdünnter Salzsäure unlösliche Verbindung ab. 

Schichtet man eine verdünnte Lösung des Chondroalbumins auf 
konzentrierte Salpetersäure (Heller sehe Eiweissprobe), so 
entsteht an der Grenze beider Flüssigkeiten ein Eiweissring und einige 
Millimeter darüber ein zweiter Ring. 

Durch mehrere Volumen Eisessig wird eine konzentrierte Lösung 
des Chondroalbumins opalescent, eine verdünnte gar nicht verändert. 

ß) Die Lösung der eiweissreicheren Verbindung wurde durch Ein- 
tragen von Kochsalz nicht, durch Eintragen von Magnesium- 
sulfat nur unvollständig gefällt, fast vollständig aber durch Zusatz 
von 2 Volumen neutraler gesättigter A m m onsulfat lösung. Die 
eiweissärmere Verbindung wurde teilweise durch Kochsalz, fast voll- 
ständig durch Magnesiumsulfat und durch 2 Volumen der gesättigten 
Ammonsulfatlösung gefällt. 

y) Ein normaler stark saurer Harn konnte bis zu 0,1 °/o mit 
Chondroalbumin versetzt werden, ohne dass eine Trübung eintrat. Beim 
Schichten dieses Harns auf konzentrierte Salpetersäure entstanden die 
zwei getrennt übereinander liegenden Ringe wie bei der Probe mit 
einer wässerigen Chondroalbuminlösung. Der mit 3 Volumen Wasser 
verdünnte Harn gab aber nur eine sich einige Millimeter in den Harn 
erstreckende diffuse Trübung. Wenig Essigsäure erzeugte in dem Harn 
keine Trübung, eine grössere Menge Essigsäure eine schwache; in dem 
verdünnten Harn rief Essigsäure nur eine schwache Trübung hervor. 
Nachdem aber aus dem Harn durch Dialyse der grösste Teil der Chloride 
entfernt worden war, bewirkte Zusatz von Essigsäure bis zu 0,2 o/o 
binnen kurzem einen reichlichen Niederschlag. 

o) Die mit Essigsäure bis zu schwacher Opalescenz und schwach 
saurer Reaktion versetzte Lösung der Verbindung in schwachem 
Ammoniak wird beim Kochen nur etwas stärker opalescent; eine mit 
dem gleichen Volumen gesättigter Kochsalzlösung versetzte Lösung gibt 
dagegen beim Kochen einen Niederschlag. 

e) Verdünnte, mit einem geringen Überschuss von Salzsäure ver- 
setzte Lösungen geben, wie reine Eiweisslösungen, mit Fcrrocyankalium, 
Pikrinsäure nebst Zitronensäure (E s b a c h s Reagens), Jodquecksilber- 
kalium, Sulfosalicylsäure, Metaphosphorsäure flockige Niederschläge, mit 
Trichloressigsäure eine starke Trübung. Sublimat fällt nicht, nach- 

Neubauer-Huppert, Analyse des Harns. 11. Aufl. 80 



1260 Schulz, Chondroitinschwefelsäure. 

fraglicher Zusatz von Kochsalz erzeugt eine schwache Trübung. — 
Die essigsaure Lösung wird durch Fef f ocyankalium und durch Jod- 
quecksilberkalium gefällt. 

£) Das Chondroproteid gibt die Farbenreaktionen des Ei- 

weisses (Violettfärbung mit Salzsäure, Xanthoprotein- und Biuret- 

röaktion, die Reaktion von Millon und von A d amkie wi c z). 

Das Chondromucoid des Knorpels färbt sich nach C. Th. Mörner mit 
Methylviolett und Essigsäure blau, mit Anilinrot und Essigsäure rot, mit Eisen- 
chlorid und Ferrocyankalium blau. 

rj). Alkalische Kupferoxydlösung wird durch Chondro- 
albumin nur dann reduziert, wenn ein grosser Überschuss von Alkali- 
hydrat und Kupferoxyd zugegen ist; die Reduktion tritt aber auch 
dann nur allmählich ein und ist schwach. Bei längerem Erwärmen mit 
(5 o/o) Schwefelsäure auf dem Wasserbad liefert die Verbindung aber, 
wie die Chondroitinschwefelsäure, neben Schwefelsäure die reduzierende 
Substanz. 

#) Aus stark alkalischen Lösungen der Eiweissverbindungen (Glutin oder 
Glutinpepton) werden durch Alkohol oder durch Kupferacetat und Alkohol die 
entsprechenden Salze der Chondroitinschwefelsäure abgeschieden. 

4. Die Chondroitinschwefelsäure ist in freiem Zustande unbeständig, 
sie beginnt in saurer Lösung nach Schmiedeberg wie eine Äther- 
schwefelsäure schon bei Zimmertemperatur Schwefelsäure abzuspalten. 
Bei tagelangem Erwärmen mit verdünnter Salzsäure auf 40 — 50 ° zer- 
fällt die Chondroitinschwefelsäure in Chondroitin und Schwefel- 



saure : 



C lg H 26 N0 13 -SO s . OH + H 2 = C 18 H 27 NO M + H 2 S0 4 . 



Das Chondroitin ist eine einbasische Säure, löst sich langsam aber 
leicht in Wasser, ist eingetrocknet dem arabischen Gummi ähnlich und 
hält bei Gegenwart von Alkalihydrat Kupferhydrat in Lösung, ohne 
dieses beim Erhitzen zu reduzieren. 

Beim Kochen des Chondroitins mit verdünnter Schwefelsäure oder 
Salzsäure liefert es unter Braunfärbung, beim Kochen mit 2 — 3 o/o iger 
Salpetersäure ohne Farbenveränderung und ohne Oxydation als einzige 
nachweisbare Zersetzungsprodukte Chondro sin und Essigsäure : 

C 18 H 27 N0 14 + 3 H 2 = C 12 H 21 NO n + 3 CH 3 . COOH. 

Das Chondrosin ist eine Substanz vom Charakter der Amidosäuren, 
die nur mit Säuren beständige Verbindungen bildet. Von den Metallsalzen 
fällt sie nur Bleiessig mit viel Ammoniak, aber auch nur zum Teil. Die 
Substanz ist gummiähnlich, ihre Lösung färbt sich beim Stehen gelb oder 
bräunlich. Sie hält bei Gegenwart von Alkali Kupferoxyd und Queck- 
silberoxyd in Lösung, ohne aus der Kupferoxydlösung, im Gegensatz 






Eigenschaften. 1261 



zum Traubenzucker, bei gewöhnlicher Temperatur, selbst nach längerer 
Zeit, Kupferoxydul abzuscheiden. In der Wärme tritt die Reduktion 
des Kupfer oxyds ebenso leicht und schön ein wie mit Trauben- 
zucker. Von 1 Mol. Chondrosin werden 5,5 Mol. Kupferoxyd reduziert, 
von 1 Mol. Traubenzucker 5 Mol. Kupferoxyd; auf gleiche Gewichte 
Substanz reduziert das Chondrosin nur halb so stark als Trauben- 
zucker. Das Sulfat dreht die Ebene des polarisierten Lichtes nach 
rechts, [a]o = 36,9°. 

Schon bei der Digestion der Chondroitinschwefelsäure mit ver- 
dünnten Säuren in massiger Wärme entsteht neben dem Chondroitin re- 
duzierendes Chondrosin, ^sogleich, wenn man die Chondroitinschwefel- 
säurelösung mit der Säure kocht oder längere Zeit auf dem Wasserbade 
erwärmt. Die Lösung färbt sich nach C. Th. Mörner beim Erwärmen 
mit überschüssiger Kalilauge wie eine Zuckerlösung goldgelb oder orange- 
gelb und reduziert ausser Kupferoxyd auch Wismutoxyd. 

Durch hydrolytische Spaltung mit Barytwasser soll nach 
Schmiedeberg aus dem Chondrosin b-Glucosamin und b-Glucuron- 
säure entstehen, die er allerdings nicht als solche isolierte, sondern 
auf deren Auftreten er schloss, da durch Zersetzung Säuren entstanden, 
die er auf diese Stoffe zurückführte. 

Die Schmiedeberg sehen Formulierungen lassen sich heute 
nicht mehr aufrecht erhalten. Fr. Müller und Stähelin sowie 
S t e u d e 1 konnten trotz der heute wesentlich verbesserten Methodik 
das Glucosamin nicht fassen. Orgler und Neuberg konnten die 
Glucuronsäure nicht nachweisen. Sie wiesen darauf hin, dass der 
kolloidale Charakter und das hohe Molekulargewicht (zu 2022 für 
Chondroinsulfat bestimmt), sowie die Resistenz des Chondrosins gegen 
HN0 3 gegen die Schmiedeberg sehen Formulierungen spreche. 
Orgler und Neu berg sowie F r ä n k e 1 kamen zu dem Schluss, 
dass der N nicht an dem eigentlichen Kohlehydrat (Glucosamin) hafte, 
sondern in Form einer Aminokohlehydratsäure vorhanden sei (C 6 H 13 6 N 
bezw. C 6 H n 6 N). — Orgler und Neuberg bekamen mit einer 
nach Schmiedeberg dargestellten Chondroitinschwefelsäure keine 
Reaktion mit Orcin- bezw. Phloroglucin. Fränkel fand dagegen an 
einem nach d d i x ) bereiteten Präparat diese Proben positiv. 

Pens 2 ) hat neuerdings den Versuch gemacht, nach neueren Me- 
thoden die Spaltungsprodukte der Chondroitinschwefelsäure zu charak- 
terisieren. 

C. Nachweis. Zur Abscheidung der Chondroitinschwefelsäure 
aus dem Harn bedient man sich nach K. A. H. Mörner der Eigen- 

x ) R. Oddi, Archiv f. exper. Pathol. 33. 376. 1894. 
2 ) Ch. Pons, Archiv, intern, de Physiol. 8. 393 1909. 

80* 



1262 Schulz, Chondroitinschwefelsäure. 

schaft derselben, mit Eiweiss in salzarmer, schwach saurer Lösung un- 
lösliche Verbindungen zu bilden. Von den Salzen wird der Harn durch 
Dialyse befreit. Die im Eivveissharn enthaltene Menge Eiweiss kann aus- 
reichen, alle vorhandene Chondroitinschwefelsäure zu binden, im nor- 
malen Harn ist aber der" Gehalt an Eiweiss dafür zu gering ; es ist daher 
^vor oder nach der Dialyse) noch ein Zusatz von Eiweiss erforderlich. 
Ein Liter Harn ist ausreichend. 

Man verfährt demnach nach K. A. H. Mörner in folgender Weise: Der 
normale oder eiweisshaltige Harn wird so lange gegen fliessendes Wasser dialysiert, 
bis er nur noch geringe Mengen Chloride enthält, die Flüssigkeit, wenn nötig, 
filtriert und bis zu 0,1 — 0,2% mit Essigsäure versetzt. Um die Verbindung des 
Eiweisses mit der Chondroitinschwefelsäure zum Absetzen zu bringen, ist es nötig, 
die Flüssigkeit mit Chloroform kräftig zu schütteln. Nach 1 — 2tägigem Stehen 
lässt sich dann der Niederschlag abfiltrieren, ohne dass der Niederschlag durch 
das Filter geht. Bei eiweissfreien Harn wird das Filtrat mit wenig Blutserum 
(1,5 ccm auf das Liter) oder einer entsprechenden Menge (0,25 g) Serumalbumin 
vermischt und der sich bei ruhigem Stehen absetzende Niederschlag gleichfalls 
auf einem Filter gesammelt. 

Pons 1 ) gibt folgende Vorschrift: Der frische, filtrierte Harn wird in Schilf- 
säcke (s. S. 19) eingeführt, welche 4 — 5 Stunden in oft erneuertem Wasser ver- 
bleiben. Der dialysierte Harn wird, falls er trüb ist, was oft vorkommt, mit Kieselgur 
geschüttelt und filtriert, so lange, bis er völlig klar geworden ist. Dann wird er in drei 
Reagenzröhren A, B, C verteilt. A dient zur Kontrolle, B wird mit Essigsäure 
versetzt, zu C kommen 5 — 6 Tropfen einer aus reinem Leim (20 cg), 10 ccm Eisessig 
und 200 ccm destilliertem Wasser bestehenden Flüssigkeit. Falls Chondroitinschwefel- 
säure vorhanden ist, so erhält man eine beträchtlichere Trübung in C wie in B. 
Eventuell vorhandenes Eiweiss muss vor der Dialyse entfernt werden. 

Für die qualitativen Proben sind diese Niederschläge bereits geeignet, für 
die Analyse bedürfen sie aber einer Reinigung. Man fällt sie zunächst noch einmal 
aus schwach ammoniakarischer Lösung mit Essigsäure (und Chloroform), löst 
wieder in schwachem Ammoniak, setzt 2 — 3 Volumen Alkohol zu und fällt mit 
Essigsäure. Endlich wird der Niederschlag mit Alkohol und mit Äther gewaschen 
und getrocknet. Wiewohl bei dieser Behandlung viel Farbstoff im Alkohol gelöst 
bleibt, ist der (direkt aus dem Harn erhaltene) Niederschlag doch stets braun 
gefärbt, bisweilen ziemlich stark. 

a) Die Niederschläge werden dann in schwachem Ammoniak ge- 
löst und darauf untersucht, ob sie beim Erwärmen mit Salzsäure 
Schwefelsäure und Chondrosin liefern. Man prüft die Lösung durch 
Zusatz von wenig Chlorbarium auf Schwefelsäure, bringt die klar ge- 
bliebene oder die trübe gewordene Flüssigkeit nach dem Filtrieren auf 
einen Salzsäuregehalt von 2,5 — 5 % und erwärmt einige Stunden auf 
dem Wasserbad. Die frei gewordene Schwefelsäure hat sich in der 
braun gewordenen Flüssigkeit als Bariumsulfat abgeschieden. Das 
Chondrosin gibt sich dadurch zu erkennen, dass die Flüssigkeit nach 
dem Zusatz von stark alkalischer F e h 1 i n g scher Lösung bis zur 
alkalischen Reaktion beim Erwärmen Kupferoxydul abscheidet. 
Der positive Ausfall der Reduktionsprobe allein beweist die Gegenwart 



x ) Ch. Pons 1. 



Nachweis. 1263 



der Chondroitinschwefelsäure nicht, da sie auch von dem im Harn vor- 
handenen und in gleicher Weise darstellbaren Mucoid erhalten wird; zur 
Ergänzung des Beweises ist die Auffindung der Schwefelsäure uner- 
lässlich. Eine Verwechslung mit dem Nucleoalbumin, welches zugleich 
mit Chondroalbumin ausfällt, ist weniger zu befürchten. Zwar liefert 
Nucleoalbumin im allgemeinen bei der Behandlung mit Mineralsäure auch 
Kupferoxyd reduzierende Substanzen, aber gerade das Nucleoalbumin 
des Harns scheint hierin eine Ausnahme zu machen. 

Das Bariumsulfat kann bei Verwendung von nur wenig Substanz wegen 
seiner nicht allzu geringen Löslichkeit in der konzentrierten Salzsäure übersehen, 
oder auch durch ausgefallenes Eiweiss verdeckt sein. Es empfiehlt sich daher 
wenigstens bei zweifelhaftem Ausfall der Reaktion, die Flüssigkeit mit Ammoniak 
schwach alkalisch zu machen, wodurch das Eiweiss in Lösung gebracht und gelöstes 
Bariumsulfat abgeschieden wird. K. A. H. Mörner hat den Nachweis der Schwefel- 
säure dadurch gesichert, dass er den Barytniederschlag auswusch, nach dem Ver- 
brennen des Filters mit Soda und Salpeter schmolz und in der angesäuerten wässe- 
rigen Lösung der Schmelze che Schwefelsäure aufsuchte. 

b) Die Lösung des Niederschlages in schwachem Ammoniak kann auch 
mit Salzsäure bis zu 0,2 — 0,3% versetzt und mit Pepsin bei 40° digeriert werden. 
Ein dabei entstehender Niederschlag beweist aber für sich nicht die Gegenwart 
von Chondroitinschwefelsäure, weil Eiweiss auch in Gegenwart von Nucleinsäure, 
von Taurocholsäure oder von Metaphosphorsäure bei der Verdauung Niederschläge 
gibt. Der Niederschlag ist noch besonders nach C. a) zu untersuchen. 

c) Wenn die Menge der Substanz ausreicht, ist auch das Verhalten 
der Lösung des Niederschlages gegen die eiweissfällenden Reagentien 
[B. 3. b) e) S. 1259] zu ermitteln; sie unterscheiden die Eiweiss Ver- 
bindung der Chondroitinschwefelsäure vom Mucoid (S 1165). 

d) K. A. H. Mörner hat ausserdem mit Erfolg noch das Verhalten der 
Niederschläge in 0,25%iger Lösung gegen Kochsalz in verschiedener Konzentration 
und gegen andere Neutralsalze (B. 3. b. a) und ß) zur Identifizierung der Nieder- 
schläge mit dem Chondroalbumin verwendet, und endlich auch solche Niederschläge 
aus Eiweissharn der Elementaranalyse unterworfen. Nach dem Ergebnis der- 
selben bestand der eine, wie der mit Serumalbumin erhaltene (B. 3. b. a) aus 
12 Teilen Chondroitinschwefelsäure und 88 Teilen Serumalbumin (gefunden 
51,36% C, 14,13 N. 2,34 Gesamt-S, 0,2 P); der andere lieferte 13,49% N und 
0,95% S in der Schwefelsäure, während sich für eine Verbindung von 16 Teilen 
Chondroitinschwefelsäure mit 84 Teilen Serumalbumin 13,76% N und 0,95% 
Schwefel berechnen. Über die Zusammensetzung der Niederschläge aus normalem 
Harn ist bei der Beschreibung der „mucinähnlichen Substanz" (Seite 1173) be- 
richtet. Auch hat Mörner versucht, aus den aus Harn erhaltenen Eiweissnieder- 
schlägen die Chondroitinschwefelsäure nach dem Verfahren von Schmiedeberg 
zu isolieren und dabei Substanzen mit den Eigenschaften der freien Säure erhalten. 
Diese für den von Mörner angestrebten Zweck wertvollen Untersuchungen sind 
jetzt für den Nachweis der Chondroitinschwefelsäure im Harn entbehrlich. 

D. Bestimmung. Nach Pons 1 ). Die Bestimmung stützt sich 

auf folgende zwei Eigenschaften der Chondroitinschwefelsäure: sie 

dialysiert nicht und bei Einwirkung von konzentrierten Mineralsäuren 

spaltet sie neben Kohlehydrat Schwefelsäure ab. Da besondere Ver- 



l ) Ch. Pons, Hofmeisters Beiträge z. ehem. Physiol. u. Pathol. 9. 393. 1907. 



1264 Schulz, Nucleinsäure. 



suche ergeben haben, dass die anderen Ätherschwefelsäuren dialysieren, 
und dass einstündiges Erhitzen mit konzentrierter Salzsäure genügt, 
um eine maximale Schwefelsäureabspaltung* aus der Chondroitinschwefel- 
säure hervorzurufen, gestaltet sich das Verfahren f olgendermassen : 
200 — 500 ccm Harn werden 3 — 5 Tage in Dialysierschläuchen gegen 
fliessendes Leitungswasser dialysiert, dann mit 10 ccm gesättigtem 
Barytwasser versetzt, um die aus dem Leitungswasser stammenden 
Sulfate zu entfernen. Nach 24 Stunden wird filtriert unter öfterem 
Zurückgiessen auf das Filter. Das gesamte Filtrat wird in einem ge- 
räumigen Kolben mit 10 ccm BaCl 2 -Lösung und 10 ccm kpnz. HCl 
bis zur Hälfte eingekocht, nochmals 10 ccm HCl hinzugegeben und bis 
auf 26 — 30 ccm eingedampft. Das ausgeschiedene BaS0 4 wird dann 
in der üblichen Weise gewichtsanalytisch bestimmt. 

2. Nucleinsäure*). 

A. Vorkommen. Im Harn findet sich nach K. A. H. Mörner 1 ) 
Nucleinsäure in sehr kleiner Menge, in geringerer als die Chondroitin- 
schwefelsäure, wie es scheint in grösserer Menge, als von dem vor- 
handenen Eiweiss gebunden werden kann. Bisweilen scheint sie zu 
fehlen. 

Nach intravenöser Injektion geht Nucleinsäure in den Harn über 

(Schittenhelm und Bendix 2 ). 

In der Niere ist Nucleoalbumin von Lönnberg, sowie von Halliburton 
und Brodie 3 ) nachgewiesen worden. 

B. Eigenschaften. 1. Die Nukleinsäuren sind Verbindungen 
von Phosphorsäure, Purinbasen (Guanin, Adenin, Xanthin, Hypo- 
xanthin), Pyrimidinbasen (Thymin, Cytosin, Uracil) und einer stickstoff- 
freien Substanz, als welche bei einigen Pentose und zwar C-Xylose und 
Hexose erkannt worden sind. Der Gehalt an Phosphor beträgt etwa 
8—10 0/0. 

Die Xanthinbasen sind in den Nucleinsäuren in einer Form enthalten, in 
welcher sie nicht unmittelbar nachgewiesen werden können. 

2. Sie sind amorph, reagieren stark sauer, lösen sich in Ammoniak 

und den Hydraten der fixen Alkalien und werden aus diesen Lösungen 

nicht durch Essigsäure, aber durch geringe Mengen Salzsäure (bis 

0,3 o/o) gefällt. Alkohol fällt sie in Gegenwart von Salzsäure vollständiger 



*) S. auch den Abschnitt „Nucleinsäure, Purinstoffe, Allantoin". 
*) K. A. H. Mörner, Skandin. Archiv 6. 372. 1895. 

2 ) A. Schittenhelm und E. Bendix, Zeitschr. f. exper. Pathol. u. Therap. 
2. 166. 1905. 

3 ) F. Lönnberg, Jahresber. f. Tierch. 1890. 11; Skandin. Archiv 3. 1. 
1892. — W. D. Halliburton, Journ. of Physiol. 13. 806. 1892. — Halliburton 
und T. G. Brodie, Ebenda 17. 135. 1894. 



Eigenschaften. 1265 



als Wasser. Eisessig in grossem Überschuss gibt mit Nucleinsäure 
einen Niederschlag (Mörner). — Die Guanylsäure von Bang wird 
auch durch Essigsäure aus ihrer Lösung in Alkali niedergeschlagen. 

3. Sie fällen Eiweiss sowie Leim aus saurer Lösung, Albumosen 
weniger vollständig, Pepton (Kühne) gar nicht. Aach Kutscher 1 ) 
gibt die neutrale Lösung eines Nucleinsäuresal/.es mit wässeriger Albu- 
moselösung einen Niederschlag von Nuclein. Mit dem Eiweiss ver- 
binden sich die Nucleinsäuren in mehreren Verhältnissen. Die eiweiss- 
reichen Verbindungen werden als Nucleoalbumin (Nucleo- 
proteide), die eiweissärmeren als Nucleine bezeichnet. 

a) Die natürlich vorkommenden Nucleoalbumine enthalten 
bis ungefähr l,5o/o Phosphor (die Nucleohistone sind zum Teil phosphor- 
reicher), sind amorph, lösen sich nicht in Wasser, aber in schwachen 
Neutralsalzlösungen, werden durch Sättigen ihrer Lösungen mit Ammon- 
sulfat vollständig, mit Magnesiumsulfat oder Chlornatrium unvollständig 
gefällt. Sie lösen sich ferner in Alkalihydrat und in Alkalicarbonat 
und können durch Säuren aus diesen Lösungen gefällt werden; auch 
lösen sie sich in Essigsäure und in verdünnten Mineralsäuren (0,25 
p. m. Salzsäure), wodurch sie sich von den Nucleinen unterscheiden. 
Die Lösungen in Salzwasser geben beim Erwärmen Niederschläge, indem 
sich koaguliertes Eiweiss abspaltet. Sie werden durch alle Fällungsmittel 
der Eiweisskörper gefällt und geben alle Farbenreaktionen der Eiweiss- 
substanzen. Bei wiederholtem Auflösen und Fällen zersetzen sie sich 
unter Abspaltung eines phosphorreichereri Anteils. Unter der Einwirkung 
von Pepsinsalzsäure verlieren sie Eiweiss, und es scheidet sich das 
eiweissärmere, in der Verdauungssalzsäure unlösliche Nuclein ab. Beim 
Erhitzen mit massig verdünnter f Mineralsäure liefern einige derselben 
unter Braunfärbung eine Kupferoxyd in alkalischer Lösung reduzierende 
Substanz, und diese Zersetzung kann bereits bei mehrstündigem Er- 
wärmen (mit 3 o/o iger Schwefelsäure) im Wasserbad eintreten. Ein aus 
einem Harn spontan ausgefallenes Nucleoalbumin mit 1,79 <y Phosphor 
vertrug jedoch nach S a 1 k o w s k i 2 ) halbstündiges Kochen mit un- 
gefähr 8 o/o iger Salzsäure, ohne diese Zersetzung zu erleiden. Erhitzen 
mit verdünnter Säure setzt zugleich die Xanthinbasen in Freiheit. 

b) Die Nucleine scheiden sich bei der Verdauung der Nucleo- 
albumine mit Magensaft als amorphe Niederschläge ab. Sie lösen sich 
nicht in Wasser, sind in Alkalihydrat (auch in Ammoniak), in Alkali- 
carbonat und in Alkaliphosphat löslich und werden aus diesen Lösungen 
durch Säuren gefällt; in Barytwasser sind sie unlöslich. In Essigsäure 

!) Fr. Kutscher, Zeitschr. f. physiol. Ch. 23. 118. 1897. 
2 ) Salkowski, Virchows Archiv 131. 320. 1893. 



1266 Schulz, Nucleinsäure. 



und in verdünnten Mineralsäuren lösen sie sich, zum Unterschied von 
den Nucleoalbuminen, nicht, wohl aber in konzentrierten Mineralsäuren. 
Sie sind intensiver sauer als ihre Muttersubstanzen, die Nucleoproteide. 

c) Wie die natürlichen Eiweissverbindungen der Nucleinsäure, so 

unterscheiden sich auch die künstlichen nach ihrem Gehalt an Eiweiss 

durch ihre Löslichkeit in Säuren. 

Versetzt man nach Mörnerjeine Nucleinsäurelösung mit viel Eiweiss (Blut- 
serum oder Eieralbumin), etwa dem Fünffachen der Nucleinsäure, so gibt Essig- 
säure einen Niederschlag, der sich nach dem Waschen und abermaliger Fällung 
aus ammoniakalischer Lösung wie Nucleoalbumin schon bei einem Zusatz von 
0,4% Essigsäure vollständig und auch sehr leicht in Salzsäure löst. Ein mit mehr 
Nucleinsäure bereiteter Niederschlag aus Blutserum löst sich dagegen selbst in 
5%iger Essigsäure nicht und nicht in Salzsäure bei einem Gehalt von 0,4%, ver- 
hält sich also wie Nuclein. Ein aus Eieralbumin mit überschüssiger Nucleinsäure 
bereiteter Niederschlag löste sich schon in Salzsäure von 0,2%. 

d) Aus salzarmem Harn wird nach Mörner Eiweiss durch 

Nucleinsäure ebenso gefällt, wie aus wässeriger Lösung. 

Für diesen Versuch wurde der Harn von der immer in ihm enthaltenen 
eiweissfällenden Substanz befreit; er wurde dialysiert, bis er nur noch wenig 
Chloride enthielt, bis zu 0,2% mit Essigsäure versetzt, mit Chloroform kräftig 
geschüttelt und das Filtrat mit überschüssigem Serumalbumin ausgefällt. Die 
abermals filtrierte Flüssigkeit gab mit Nucleinsäure jetzt einen Niederschlag, 
welcher nach dem Trocknen 1,06% Phosphor (und 1,64% Schwefel) enthielt. 

4 Die Nucleinsäure gibt weder die Fällungs- noch die Farben- 
reaktionen des Ei weisses. 

Nach Mörner gibt sie die Biuretreaktion nicht; sie wird zwar durch das 
Millonsche Reagens gefällt, der Niederschlag wird aber beim Kochen nicht gefärbt, 
sondern bleibt weiss. 

5. Beim Erhitzen der Nucleinsäuren mit verdünnter Mineralsäure 
entsteht unter gleichzeitiger Abspaltung der Xanthinbasen, wenigstens 
bei einigen derselben, eine Kupferoxyd in alkalischer Lösung redu- 
zierende Substanz (Kohlehydrat). Beim Kochen mit Alkali kann Gelb- 
färbung und Karamelgeruch auftreten. 

C. Nachweis. Man hat zunächst die Nucleinsäure aus dem Harn 
abzuscheiden und diesem Zweck dient dasselbe Verfahren, durch welches 
die Chondroitinschwefelsäure aus dem Harn gewonnen wird (s. S. 1261). 
Beide Säuren werden so nebeneinander als Eiweissverbindungen er- 
halten, und ihnen kann sich, sicher bei ikterischem Harn, auch tauro- 
cholsaures Eiweiss beigesellen. Der Nachweis gründet sich auf den 
Gehalt der Nucleinsäure an Phosphorsäure und an Xanthinbasen. 

Um die Phosphorsäure aufzufinden, muss der Niederschlag mit Soda und 
Salpeter geschmolzen und die Lösung mit molybdänsaurem Ammon in salpeter- 
saurer Lösung geprüft werden. Dieser bloss qualitative Nachweis hat aber nur 
dann Wert, wenn das untersuchte Präparat beim Verbrennen für sich keine oder 
nur Spuren Asche hinterlässt; denn die in der Schmelze gefundene Phosphorsäure 
kann auch den das Präparat begleitenden anorganischen Salzen entstammen. 
Einem hieraus entspringenden Irrtum entgeht man durch gleichzeitige quantitative 









Nachweis. 1267 



Bestimmung der Asche und der Phosphorsäure; ist die Menge der Phosphorsäure 
grösser, als in Kalkphosphat von dem Gewicht der Asche enthalten sein kann, 
so ist man zu der Annahme berechtigt, dass wenigstens der Überschuss als Nuclein- 
säure vorhanden war, um so mehr, als in die Asche ja auch die Schwefelsäure der 
Chondroitinschwefelsäure und andere anorganische Stoffe eingehen. - - Der Nieder- 
schlag,* welcher bei der Pepsinverdauung des unmittelbar aus dem Hain ge- 
wonnenen Präparates entsteht, muss reicher an Phosphor sein, als das ursprüng- 
liche Präparat. Kann man mit den beiden Niederschlagen Phosphorsäurebestim- 
mungen ausführen und entspricht der Befund der soeben gemachten Voraussetzung, 
so ist eine Irrung durch eleu Aschegehalt des Präparates ausgeschlossen. Eine 
Verunreinigung der Harnniederschläge durch das gleichfalls phosphorhaltige Leci- 
thin ist nicht ernstlich zu furchten. 

Da der Niederschlag zum bei weitem grösseren Teil aus chondroitinschwefel- 
saurem Biweiss besteht, so ist in dvn Niederschlägen aus dem Harn nur wenig 
Phosphorsäure zu erwarten, keineswegs so viel, als das reine Nucleoalbumin oder 
Nuclein enthält. Mörner fand in dem direkt aus Harn erhaltenen Niederschlag 
0,04 — 0,2%, in dem Verdauungsniederschlag <»,4 1% Phosphor. 

Der Nachweis von X an t h i n leisen in den Niederschlägen bestätigt nicht 
bloss den aus der Gegenwart der Phosphorsäure gezogenen Schluss in erwünschter 
Weise, sondern er allein genügt für den Nachweis der Nucleinsäure. Mörner 
verfuhr dabei in folgender Weise: Es wurde der mittels Serumalbumin aus 8,5 Liter 
normalem Harn und der direkt aus l und :>,(> Liter eiweisshaltigem Harn (nach 
Soarlatina) erhaltene Niederschlag mit 0,1 normaler Schwefelsäure erhitzt, die 
neutralisierte Lösung mit Bleiessig gefällt, das überschüssige Blei mit Schwefel- 
wasserstoffentfernt und das Filtral eingedampft. Dieses gab mit ammoniakalischer 
Silberlösung einen Niederschlag, der nach dem Waschen in einigen Tropfen Sal- 
petersäure von 1,1 Dichte gelöst wurde. Beim Erkalten schieden sich Nadeln 
und Gruppen von Nadeln aus. 

Das Auftreten eines Niederschlages bei der Verdauung des Nieder- 
schlages aus dem Harn beweist allein nichts für die Anwesenheil von Nucleoalbumin. 
denn ein solcher entsteht auch hei der Verdauung \<>n ha weiss in Gegenwart von 
Chondroitinschwefelsäure, von Taurocholsäure und Metaphosphorsäure; die Chon- 
droitinschwefelsiure ist aber immer in dem Eiweissniederschlag aus Harn ent- 
halten, während die Nucleinsäure fehlen kann. 



3. F 1 ei s chsäur e. 



«ioHi S N 8 6 . 



A. Vorkommen. Die nach Siegfried und nach Balke an- 
geblich mit dem Antipepton identische Fleischsäure ist von Sieg- 
fried im Fleischsaft entdeckt, von ihm im Harn aufgefunden und von 
Rockwood 1 ) aus Harn dargestellt worden. Wie im Fleischsaft kommt 
sie auch im Harn wesentlich als Phosphorfleischsäure vor. 

Sie findet sich nach Balke und Ide 2 )« auch in anderen Geweben (Leber, 
Niere); in der Milch kommt nach Balke die ihr ähnliche Oxylsäure vor. 



x ) P. Balke, Zeitschr. f. physiol. Ch. 22. 248. 1896. — M. Siegfried, 
Berichte d. k. sächs. Gesellsch. d. Wissensch., Mathemat. physik. Kl. 1893. 485; 
Berichte d. ehem. Gesellsch. 27. 2762. 1894; Du Bois' Archiv 18. 401. 1894. — 
C. W. Rock wo od, Du Bois Archiv 19. 1. 1895. 

2 ) Balke und Ide, Zeitschr. f. physiol. Ch. 21. 385. 1896. 



1268 Schulz, Fleischsäure. 



Nachdem die Nichtexistenz eines Antipeptons in dem damaligen 
Sinne sich herausgestellt hat, ist der Vergleich der Fleischsäure (mit 
dem „Antipepton" hinfällig geworden. 

B.Eigenschaften. 1. Die Fleischsäure wird aus ihrem Barium- 
salz [4. b)] durch Fällen des Baryts mit Schwefelsäure, Eindampfen des 
Filtrats im Wasserbad bis zum dünnen Sirup und Fällen mit Alkohol 
dargestellt. Aus den so erhaltenen hellgrauen, zusammenfliessenden 
Flocken wird die Säure durch sehr häufiges Lösen in Wasser und Fällen 
mit Alkohol als fast weisses Pulver analysenrein erhalten. 

2. Die Säure ist leicht löslich und äusserst hygroskopisch; beim 
Eindampfen ihrer Lösung wird sie teilweise unlöslich. Durch Sättigen 
ihrer wässerigen Lösung mit Ammonsulfat wird sie nicht gefällt. Sie 
löst sich schwer in Alkohol, leichter in der Wärme als in der Kälte; 
aus der heiss gesättigten alkoholischen Lösung scheidet sie sich beim 
Erkalten in undeutlichen, mikroskopischen Krystallen aus. Sie löst sich 
auch in Phenol und in Eisessig, aber, namentlich in höherer Tem- 
peratur, unter Zersetzung. In Äther, Benzol, Petroläther, Chloroform 
ist sie völlig unlöslich. Sie reagiert auf Lackmus sauer, schmeckt aber 
nicht sauer, sondern angenehm nach Fleischextrakt. 

3. Sie ist einbasisch. Ihre Salze sind, mit Ausnahme des 

Silber- und des Ferrisalzes, aus der Säure und dem Metallhydrat oder 

-carbonat dargestellt worden. 

Die Alkalisalze reagieren alkalisch; die alkalische Reaktion tritt bei Zusatz 
von Alkalihydrat zu einer Lösung der Säuren schon ein, bevor die für die Bildung 
des normalen Salzes erforderliche Menge Basis zugesetzt ist. ■ — ■ Das Ammon- 
salz gibt beim Eindampfen seiner Lösung auf dem Wasserbad Ammoniak ab, 
aber schwer alles. — Das Bariumsalz, (C.oH^NsCy.Ba, 2H 2 0, ist leicht löslich 
und reagiert alkalisch. Durch Alkohol wird es aus seiner Lösung krystallinisch 
gefällt. Kohlensäure scheidet aus dem Salz den Baryt nicht ab. Das Zinksalz, 
(CioHnNgOs^Zn, erstarrt im trocknen Vakuum krystallinisch. — Das Kupfersalz, 
(C 10 H,4N 3 O ä ) 2 Cu, ist in wässeriger Lösung, auch in verdünntester, ebenso nach 
dem Fällen mit Alkohol, grün. — Das Silbersalz, CoH^NaO^Ag,, 2 ILO, wird 
aus der konzentrierten Lösung eines fleischsauren Salzes durch Zusatz von Silber- 
nitrat erhalten. Schwer löslich in kaltem Wasser, leichter in heissem; aus der 
heiss gesättigten Lösung scheidet es sich undeutlich krystallinisch ab. Es lässt 
sich nur unter erheblichem Verlust umkrystallisieren. Sein Krystallwasser ver- 
liert es schon einige Grade unter 100°. Das mit Alkohol gefällte Silbersalz scheint 
nach Rockwood kein Krystallwasser zu enthalten. — Das Ferrisalz entsteht 
aus dem Bariumsalz durch Kochen der Lösung desselben mit Eisenchlorid; es 
bleibt zum Teil kolloid gelöst und scheidet sich erst beim Aussalzen, am besten 
mit Kochsalz, ab. In Alkalien ist es, im Gegensatz zum Carniferrin, unlöslich. 
Das Salz ist basisch; in demselben sind 51,4 — 54% Eisen gefunden worden. Durch 
Zersetzen mit Bariumhydrat liefert es wieder das Bariumsalz. 

4. a) Die Phosphorfleischsäure ist eine nucleinsäureartige 
Verbindung der Fleischsäure mit Phosphor und wird deshalb von 
Siegfried als Nucleon bezeichnet. Sie löst sich in Wasser und 
wird aus dieser Lösung durch Alkohol gefällt. 



Eigenschaften. 1269 



b) Ihr Barium salz ist in Wasser löslich, reagiert alkalisch und 
wird durch Kohlensäure nicht zersetzt. Beim Kochen mit Barium- 
hydrat gibt es einen Niederschlag von Bariumphosphat. Calcium- 
salz verhält sich wie das Bariumsalz. 

c) Das F e r r i salz, Carniferrin, fällt als rostbrauner amorpher 
Niederschlag beim Kochen des Baryum- oder Calciumsalzes mit Eisen- 
chlorid. Umgekehrt kann das Bariumsalz aus dem Ferrisalz durch 
Behandeln mit einer zur völligen Zersetzung unzureichenden Menge 
Bariumhydrat dargestellt werden. Das Ferrisalz enthält nach Analysen 
von Balke 1 ) in 100 Teilen 22,46 C, 3,03 H, 5,54 N, 29,19 Fe, 
2,04 P; es kommen danach auf 1 At. P 6 At. N und 6 At. Fe. 
Es löst sich in Alkalihydrat, auch in Ammoniak, schwieriger in Natrium- 
carbonat; ferner in Säuren und auch in Eisenchloridlösung. Die 
Lösungen sind je nach der Konzentration hell- bis dankelbraun. Die 
Lösungen in Alkali halten sich lange unzersetzt, wenn sie kein über- 
schüssiges Alkalihydrat enthalten. 

Verdünnte alkalische Lösungen des Carniferrins geben mit Schwefcl- 
ammon erst nach langer Zeit, selbst erst nach Stunden einen Nieder- 
schlag von Schwefeleisen; die Flüssigkeil färbt sich erst grün, dann 
schwarz. Die Zersetzung erfolgt schneller bei Gegenwart eines grossen 
Überschusses von Schwefelammon sowie beim Erhitzen. — Essigsäure 
und B'errocyankalium geben gleichfalls erst nach langer Zeit oder beim 
Kochen Berlinerblau; Verwendung einer Mineralsäure statt der Essig- 
säure bei der Reaktion beschleunigt die Bildung des blauen Nieder- 
schlags. — Nach Zusatz von Salzsäure zu einer Carniferrinlösung geht 
die braune Farbe derselben erst beim Erhitzen in die gelbe der ver- 
dünnten Eisenchloridlösung über. 

d) Das Carniferrin entwickelt nach Siegfried 2 ) mit Mineral- 
säuren schon unterhalb 100 ° Kohlensäure, gibt bei der Behandlung 
mit Mineralsäure (verdünnter Salpetersäure) loder starkem Ammoniak 
ein F e h 1 i n g sehe Flüssigkeit reduzierendes, Furfurol und Osazon 
bildendes, aber von Traubenzucker verschiedenes Kohlehydrat (Glucu- 
ronsäure?); die Menge Kohlensäure, welche das Carniferrin auf 1 Mol. 
Fleischextrakt entwickelt, beträgt nach Krüger 3 ) wahrscheinlich 1 Mol. 
Das Carniferrin liefert beim Behandeln mit Bariumhydrat unter Bildung 
eines Niederschlages von Eisenoxyd und phosphorsaurem Baryt fleisch- 
saures Barium, welches in Lösung bleibt; daneben entsteht noch Bern- 
steinsäure und Milchsäure (Fleischmilchsäure aus dem Präparat aus 



*) Balke, Zeitschr. f. physiol. Ch. 21. 363 u. 374. 

2 ) Siegfried, Bericht d. ehem. Gesellsch. 28. 515. 1895; Zeitschr. f. physiol. 
Ch. 21. 360. 

3 ) Th. R. Krüger, Zeitschr. f. physiol. Ch. 22. 95. 1896. 



1270 Schulz, Fleischsäure. 



Fleischsaft, Gärungsmilchsäure aus dem . Carniferrin aus Milch). Die 
Zersetzung mit Bariumhydrat nimmt man am besten bei 50 ° vor ; in 
der Kälte ist die Zerlegung unvollständig, beim Kochen entwickelt sich 
Ammoniak. 

5. a) Mit Salzsäure liefert die Fleischsäure kein Chlorhydrat, 
sondern nach Art einer ungesättigten Verbindung ein Additionsprodukt 
von der Zusammensetzung C 10 H 15 N 3 O 5 , H Cl. Die Verbindung reagiert 
sauer. 

Aus der Lösung der Fleischsäure in kalter Salzsäure fällt Alkohol einen 
Körper, welcher zwar Chlor enthält, aber so fest gebunden, dass es nicht unmittel- 
bar durch Silbernitrat nachweisbar ist. Die wässerige Lösung des mit Alkohol 
chlorfrei gewaschenen Niederschlages scheidet mit salpetersaurem Silber erst beim 
Erhitzen mit Salpetersäure Chlorsilber ab. Leichter als durch Säuren wird das 
Chlor durch Alkalien abgespalten; doch lässt sich das Additionsprodukt durch 
kohlensaures Natron neutralisieren, ohne Salzsäure abzugeben. In dieser Hinsicht 
verhält sich also die Fleischsäure wie nach Paal ') die Peptone überhaupt. 

b) Behandelt man ein Metallsalz der Fleischsäure mit Schwefelwasser- 
stoff, so entsteht eine schwefelhaltige Säure; Arnhold fand in einer solchen 
10% Schwefel. — Wird Fleischsäure an der Luft mit Schwefelammon eingedampft, 
so vereinigt sich die dabei entstandene Thioschwefelsäure mit der Fleischsäure. 
Dieses Verhalten ist aber nach älteren Erfahrungen 2 ) nichts der Säure Eigen- 
tümliches. 

6. Die Fleischsäure gibt einen Niederschlag mit Nuclein säure, 
wie die Eiweisskörper. Sie wird gefällt durch Tannin, unvollständig 
durch Phosphorwolfram säure und Schwefelsäure ; Pikrin- 
säure trübt die Lösung, die Trübung verschwindet beim Erwärmen und 
tritt beim Erkalten wieder auf. Trichloressigsäure gibt in Gegen- 
wart von Kochsalz einen geringen harzigen Niederschlag. Nicht gefällt 
wird sie durch Ferrocyankalium und Essigsäure, Sublimat, Bleiessig. 

7. Bei Anstellung der Biuretreaktion wird die Flüssigkeit 

r o t. Die M i 1 1 o n sehe Reaktion wird mit der Fleischsäure nicht 

erhalten. 

Die aus Harn dargestellte Fleischsäure wurde bei der Biuretreaktion, nach 
Rockwood, nicht rot, sondern blau oder blaugrün. 

8. Durch Permanganat wird die Fleischsäure zu Oxyfleischsäure C 30 H 41 N 9 O 15 
oxydiert (Balke) 3 ). 

9. Beim Erhitzen der Fleischsäure mit Salzsäure auf 130 ° ent- 
stehen Ammoniak, Lysatin, C 6 H 13 N 3 2 , Lysin C 6 H 14 N 2 2 und noch zwei 
Amidosäuren, aber kein Tyrosin. 

C. Darstellung und Nachweis. Rockwood hat 200 Liter 
Harn auf 6 Liter eingedampft und das Filtrat in der Kälte mit Barium- 



J ) C. Paal. Berichte d. ehem. Gesellsch. 27. 1835. 1894. 

2 ) Huppert, Ann. d. Ch. u. Pharm. 126. 252. 1863. — J. Specht, Ebenda 
373. — Werther, Journ. f. prakt. Ch. 90. 128. — A. Fröhde, Ann. d. Ch. u. 
Pharm. 130. 127. 

3 ) P. Balke, Zeitschr. f. physiol. Ch. 22. 255. 



Darstellung und Nachweis. 1271 

hydrat in geringem ttberschuss versetzt. Der Niederschlag wurde ab- 
filtriert und mehrmals mit kaltem Wasser gewaschen. In diesem Filtrat 
entstand auf Zusatz von Eisenchlorid schon in di>\- Kälte ein im Über- 
schuss des Fällungsmittels löslicher Niederschlag, der ein Gemenge 
mehrerer sehr hygroskopischer, Stickstoff- und schwefelhaltiger Säur in 
enthielt. Die von diesem Niederschlag abfiltrierte Flüssigkeit gab dann 
beim Kochen mit Eisenchlorid «'inen flockigen Niederschlag von phos- 
phorfleischsaurem und von basisch fleischsaürem Eisenoxyd. Das 
kolloide fleischsaurc Eisen könnte, wenn nötig, durch Zusatz von Koch 
salz niedergeschlagen werden. 

In dem Niederschlag wären dann die beiden Säuren aufzusuchen. 
Von den beiden Eisensalzen löst sich das phosphorfleischsaure in Alkali 
(Ammoniak), das andere nicht. Lässl die alkalische Lösung die Gegen- 
wart von Eisen mittelst IVi roeyankalium und Essigsäure und nament- 
lich mittelst Schwefelammon ersl beim Erhitzen erkennen, so verhält sie 
sich wie eine Lösung von Caniifcrrin ; auf den Ausfall der Reaktion mit 
Ferrocyanwasserstoff allein ist nichts zu geben, da Ferrocyankalium 
und Essigsäure für sich beim Kochen einen blauen Niederschlag liefern. 
Es könnte noch die Phosphorsäure nachgewiesen werden, wozu man die 
Lösung mit Bariumhydrat /.u erwärmen hätte; die Phosphorsäure Eindel 
sich als Baryumsalz neben Eisenoxyd im Niederschlag. Rock wo od 
hat dazu und zugleich zum Behuf einer quantitativen Bestimmung des 
Phosphors den (über Schwefelsäure;) getrockneten Niederschlag mit 
Natriumhydrat und Salpeter geschmolzen; es fanden sich (mittelst der 
Molybdänmethode) nur 0,22 o/o Phosphor. Bei Verwendung reiner Sab 
stanz wäre aus einem solchen Befund auf die Gegenwart von nur wenig 
Phosphorfleischsäure zu schliessen. 

Zum Nachweis der Fleischsäure müsste der ursprüngliche Nieder- 
schlag nach B. 4. d) mit Bariumhydrat behandelt und der Baryt wieder 
mit Schwefelsäure ausgefällt werden. Mit der so erhaltenen Lösung 
werden dann die in B. 6. und 7. angeführten Reaktionen (mit Weg- 
lassung der Nucleinsäure) angestellt. Charakteristisch sind ferner die 
grüne Farbe des Kupfersalzes, welches sich leicht durch Kochen 
der Säure mit Kupferhydrat oder Kupfercarbonat erhalten lässt, und 
die Art, wie die Salzsäure von der Fleischsäure gebunden ist. Diese 
Chlorverbindung erhält man durch Fällen einer Lösung der Fleisch- 
säure in konzentrierter Salzsäure mit Alkohol und Auswaschen mit Alko- 
hol ; die Lösung des Niederschlages darf mit Silbernitrat erst dann einen 
Niederschlag geben, nachdem sie mit Natriumhydrat (chlorfreiem, aus 
Natrium dargestelltem) gekocht und wieder mit Salpetersäure angesäuert 
ist. Da auch beim Verdunsten von Schwefelammon für sich Thio- 
schwefelsäure entsteht, so ist die Bildung dieser Säure beim Verdunsten 



1272 Schulz, Gallensäuren. 



von Schwefelammonium mit der fraglichen Substanz (B. 5.) für den 
Nachweis der Fleischsäure nicht zu gebrauchen. Reicht das Material 
noch .aus, so kann zur völligen Sicherung des Resultates noch das Silber- 
salz dargestellt und analysiert werden. 

Die Lösung der Säure wird auf dem Wasserbade konzentriert, mit Am- 
moniak nahezu neutralisiert, in verdünntem Alkohol gelöst und die Lösung mit 
Silbernitrat ausgefällt. Der Niederschlag kann Chlorsilber enthalten, welches 
dann aus chlorhaltiger Säure herrühren würde; bei Gegenwart von Chlorsilber 
löst sich der Niederschlag nicht vollständig in Salpetersäure. Das chlorfreie 
Salz kann sofort zur Analyse verwandt werden, das chlorhaltige Salz wird mit 
Wasser ausgekocht, das Filtrat mit Alkohol gefällt und der Niederschlag, wie 
die von vorneherein chlorfreie Substanz mit Alkohol und mit Äther gewaschen 
und über Schwefelsäure getrocknet. Das reine (noch kristallwasserhaltige) Salz 
enthält 42,60% Ag; bei 100° verliert es 7,1 ° Kristallwasser und enthält dann 
45,86% Ag. 

Ein Verfahren zur quantitativen Bestimmung der Fleischsäure in Gewebs- 
säften ist von Balke und Ide 1 ) angegeben worden. 



4. Gallensäuren. 

A. Vorkommen. Gallensäuren sollen nach H o e n e und 
Dragendorff in Spuren auch im normalen Harn nachweisbar sein, 
was von M a c k a y und von v. Udränszky in Abrede gestellt wird. 
Auch nach Mörner ist das Vorkommen von Gailensäure (Taurochol- 
säure) im normalen Harn keineswegs die Regel; er vermisste sie selbst 
bei der Untersuchung sehr grosser Mengen (90 Liter) Harn. A j e 1 1 o 
und C a c a c e vermissten im Harn von gesunden Menschen, von Hund, 
Kaninchen, Ochs, Pferd, Schwein stets Gallensäuren. Sie fanden sie 
konstant bei Ikterus. Subkutan injizierte Gallensäuren gingen stets in den 
Harn über. In einigermassen erheblichen Mengen treten sie aber im 
ikterischen Harn auf, sowie nach Pouchet 2 ) in wechselnden Mengen 
in dem nach dem Stadium algidum der Cholera entleerten Harn. Wie 
es scheint, sind die Gallensäuren des Harns die sogenannten gepaarten 
Gallensäuren. 

Araki 3 ) fand sie im Harn eines mit Arsen vergifteten Hundes. 

Die Angaben von Billard 4 ), wonach im Herbivorenharn (Pferd, Rind) 
Gallensäuren als normale Bestandteile konstant vorkommen sollen, beruhen 
auf der Deutung der Hay sehen Probe (S. 17). Die geringe Oberflächenspannung 
des Herbivorenharns kann aber auch andere Ursachen haben, wie einen Gehalt 
an Gallensäure. Der positive Ausfall der Pettenko ferschen Probe im Harn 



!) Balke u. Ide, Zeitschr. f. physiol. Ch. 21. 386. 1896. 

2 ) S. Ajello und E. Cacace, Giorn. intern, delle scienze med. 1901. Heft 9. 
- A. G. Pouchet, Comptes rendus 100. 362. 1885. — K. A. H. Mörner, 
Skandin. Archiv 6. 371. 1895. 

3 ) Araki, Zeitschr. f. physiol. Ch. 17. 337. 

4 ) G. Billard, Compt. rend. soc. biol. 58. 369. 1905, sowie 750. - 
E. Nicolas, Ebenda 566 u. 807. 1905. 



Eigenschaften. 1273 



kann nicht als Beweis angesehen werden (s. später). Besonders darauf gerichtete 
Untersuchungen ergaben denn auch, dass nach Hoppe -Sey ler, nach Dragen- 
dorf-Vogel, nach Theillt're sich keine Gallensäuren im Herbivorenharn nach- 
weisen lassen. Billard will andererseits mit nach Neuko m m bereiteten Extrakten 
aus Herbivorenharn Pettenkofersche Probe erhalten haben, aber ohne das 
charakteristische Spektrum. 

B. Eigenschaften. 1. Die in der Galle vorkommenden Gallen- 
säuren sind amidartige, der Hippursäure analoge Verbindungen der stick- 
stofffreien Cholalsäuren mit Glycokoll oder mit Taurin. Aus diesen sog. 
gepaarten Gallensäuren lassen sich durch Zersetzung derselben [mit 
Alkalihydraten oder den Hydraten der alkalischen Erden, sowie mit 
Säuren die Cholalsäuren darstellen, <li<\ je nach der Tierart, Verschieden- 
heiten weniger in den Eigenschaften als in di>\- Zusammensetzung 
aufweisen. Die Galle des Menschen enthält nach Schotten zwei 
Cholalsäuren, von welchen die eine mit der Cholalsäure der Rindergalle 
identisch ist (Cholalsäure), und die Fellinsäure. Die Hundegalle enthält, 
wie es scheint, dieselbe Cholalsäure. Die Gallensäuren besitzen einen 
bitteren Geschmack. Alle Gallensäuren lassen sich nach MMiu 1 ) durch 
Sättigen ihrer Losungen mit Ammonsulfat fällen. 

a) Die Cholalsäure (Cholsäure), C.,,11 |0 (L, welche aus ihren 
Salzen durch Säuren amorph gefällt wird, krystallisiert nach Mylius 2 ) 
aus heissem Wasser wasserfrei in mikroskopischen Krystallen, aus 
Äther (Strecker) oder beim Verdünnen ihrer Lösung in Eisessig mit 
Wasser bis zur milchigen Trübung in rhombischen Tafeln mit 1 Mol. 
H 9 0, aus Alkohol mit 1 Mol. C 2 H 6 in orthorhombischen Tetraedern 
oder Octaedern. 

Auch mit anderen Alkoholen (Methyl-, Allylalkohol) und mit Aceton (je 
1 Mol.) liefert sie krystallisierende Verbindungen. 

Sie löst sich in 4000 Teilen kaltem und 750 Teilen kochendem 
Wasser, in 21 Teilen kaltem Alkohol (von 70 o/ ) und in 27 Teilen 
Äther, sehr schwer in Schwefelkohlenstoff, äusserst leicht in Eisessig. Sie 
ist optisch aktiv; für die krystallalkoholhaltige beträgt für Lösungen mit 
0,5—2,Oo/o nach Vahlen [a] D =-[-31,5, für die alkoholfreie +37,0, 
nach Pregl +35,1. Sie schmilzt bei 198° (Mylius). Beim Erhitzen 
auf 200 ° oder beim Kochen mit Säuren verwandelt sie sich in ein in 
Wasser und Alkohol unlösliches, in Äther sehr schwer lösliches Anhydrid, 
das D y s 1 y s i n C 24 H 36 3 . Sie entwickelt in der Hitze terpentinartig 
riechende Dämpfe. Der Cholsäure eigentümlich ist nach Mylius 3 ) 



!) C. Schotten, Zeitschr. f. physiol. Ch. 10. 175. 1886; 11. 268. 1887. — 
C. Mehu, Joum. de pharm, et de chimie [4] 28. 164. 1878. 

2 ) Mylius, Berichte d. ehem. Gesellsch. 19. 369. 1886. 

3 ) E. Vahlen, Zeitschr. f. physiol. Ch. 21. 264. 1895. — Mylius, Zeitschr. 
f. physiol. Ch. 11. 314. 1887. — F. Pregl, Pflügers Archiv 71. 303. 1898. 



1274 Schulz, Gallensäuren. 



die Fähigkeit, mit Jod in Gegenwart eines Jodids eine krystallinische, 
blaue Verbindung, Jodcholsäure, (C 24 H 40 O 5 J) 4 HJ, zu bilden. 0,02 g 
krystallisierte Cholsäure werden in 0,5 g Alkohol gelöst und mit 1 ccm 
n/ 10 -Jodjodkaliumlösung versetzt; das Gemisch wird allmählich mit 
Wasser versetzt. Die Flüssigkeit erstarrt plötzlich zu einem dunkeln 
Brei von Krystallnadeln, die im durchfallenden Licht blau erscheinen. 

Die Cholsäure ist einbasisch. Die Alkalisalze krystallisieren, lösen sich 
sehr leicht in Wasser und werden durch Alkalilrydrate oder -carbonate gefällt; 
das Baryt salz bildet feine, seidenglänzende Nadeln und löst sich in 30 Teilen 
kaltem Wasser; das Magnesiasalz löst sich noch leichter; das krystallisierende 
Bleisalz und das amorphe Silbersalz sind in Wasser unlöslich. „Die meisten 
Salze lösen sich in Alkohol und werden aus dieser Lösung durch Äther gefällt. 
Sie drehen rechts, aber schwächer wie die Säure, die Alkalisalze nach Vahlen 
in l%iger wässeriger Lösung ungefähr 30°, in alkoholischer stärker; ihre spezifische 
Drehung nimmt mit steigender Konzentration erheblich ab. 

Reaktion von Hammarsten 1 ). Trägt man gepulverte Cholalsäure in 
25%ige Salzsäure bei Zimmertemperatur in eine mit Glasstöpsel versehene Flasche 
ein, schüttelt um und lässt, ohne von dem Ungelösten abzufiltrieren, stehen, so 
ändert sich allmählich die Farbe. Sie wird zuerst gelblich oder gelblichgrün; 
nach 4 bis 6 — 8 Stunden ist sie mehr oder weniger blauviolett und nach 24 Stunden 
ist sie regelmässig schön blauviolett. Filtriert man, so erhält man ein indigblaues, 
klares Filtrat, welches sich bald aber trübt und eine flockige, gelblichweisse Fällung 
absetzt. Die Filtration kann mehrmals wiederholt werden, das Fütrat trübt sich 
immer wieder. Die Farbe des Filtrates wird allmählich bläulichgrün, grünlich, 
gelbgrün, gelb. Die blauviolette Lösung zeigt einen Absorptionsstreifen um die 
D- Linie herum. Die erwähnte Fällung gibt die Pettenkof ersehe Probe, nicht 
aber die Myliussche Jodprobe. 

b) Die Fellinsäure, C 23 H 38 4 , wird aus ihren Salzen durch 
Säuren in weissen amorphen Flocken niedergeschlagen. Aus Alkohol 
krystallisiert sie nur schwierig, sie scheidet sich meist in durchsichtigen 
spröden Massen ab, aus Benzol dagegen, sowie auf Zusatz von Äther 
zur alkoholischen Lösung krystallisiert sie in glänzenden, nahezu recht- 
winkligen Täfelchen. Die amorphe Säure schmilzt bei 142 °. Beim 
Erhitzen entwickelt sie wie die Cholalsäure terpentinartig riechende 
Dämpfe. 

Die Säure ist gleichfalls einbasisch. Das Bariumsalz krystallisiert mit 
4 H.>0 in sternförmig gruppierten Nadeln beim Versetzen der alkoholischen Lösung 
mit Wasser, löst sich in 870 Teilen kaltem Wasser, nicht besser in heissem, wenig 
oder gar nicht in absolutem Alkohol oder solchem von 96%, in verdünntem Alkohol 
besser als in Wasser. Das Magnesium salz, mit 2% H 2 ist in Wasser so gut wie 
unlöslich, aus seiner alkoholischen Lösung fallen auf Zusatz von Wasser glänzende, 
weisse, wollige Nadeln, die unter dem Mikroskop als platte rechtwinkelige Prismen 
erscheinen. — Lassar-Cohn 2 ) hat die Beobachtungen von Schotten bestätigt. 

c) Die Glykoeholsäure, C 23 H 39 3 CO . NH . CH 2 . COOH, der 
Rindsgalle bildet farblose Nadeln oder Prismen, löst sich schwer in 
kaltem Wasser (1: 300), leichter in kochendem Wasser (1 : 120) 
und in Alkohol, auch in Chloroform, aber wenig in Äther. Sehr leicht 



x ) O. Hammarsten, Zeitschr. f. physiol. Ch. 61. 495. 1909. 
2 ) Lassar-Cohn, Zeitschr. f. physiol. Ch. 19. 563. 1897. 









Eigenschaften. 1275 



löslich in Alkali, unlöslich in verdünnten Säuren. Sp. 138 — 140°. Sie 

fällt nach Maly 1 ) Eiweisskörper in saurer Lösung nicht. 

Aus der heissen wässerigen Lösung krystallisiert sie, aus der alkoholischen 
dagegen nicht. [«]d = -29° (in alkoholischer Lösung). Beim Erwärmen ihrer 
Lösung in konzentrierter Schwefelsäure wird sie anter Verlust von 1 Molekül 
Wasser in die Cholonsäure verwandelt, welche sich nicht in Wasser, alter in 
Alkohol löst. Ihre Salze mit den Alkalien oder alkalischen Erden sind in Wasser 
und in Alkohol löslich, die meisten Salze der schweren Metalle anlöslich; ihre lös- 
lichen Salze werden durch neutrales und basisches essigsaures Blei gefällt, sowie 
durch Kupfer-, Silber- und Eisenoxydsalze, aber nicht durch Quecksilberchlorid; 
die freie Säure ist durch Bleizucker nicht fällbar. Versetzt man die alkoholische 
Lösung des glycocholsauren Natrons mit Äther bis zur dauernden Trübung, so 
krystallisiert das s,dz aus. Die spezifische Drehung des in Alkohol gelösten Natron- 
salzes beträgt für gelbes Licht -f 25,7°. 

d) Die Tau roc hol säu c e , C 2 3H 39 3 CO — NH . CH 2 . CIL . S( > ,1 1 . 

der Rinds- (und Hunde-) Galle bildet feine, leicht zerfliessliche Nadeln, 

löst sich leicht in Wasser, schwer löslich in Alkohol und in 

Essigäther; unlöslich in Äther, Benzol, Chloroform, Aceton, Ligroin. 

Sie fällt nach Maly, wie Mörner 2 ) bestätigt, Eiweiss in saurer 

Lösung sehr vollständig, aber Albumose nicht. Salze beeinträchtigen 

nach Mörner die Fällung. 

Sie dreht rechts. Ihre Salze verhalten sich wie die der Glycocholsäure; 
aus ihren löslichen Salzen wird sie aber nicht gefällt durch Kupfer- und Silber- 
salze, durch Quecksilberchlorid, sowie durch neutrales Bleiacetat, sondern nur 
durch basisch essigsaures Blei, vollkommen durch essigsaures Blei und Ammoniak; 
das taurocholsaure Natron kann in derselben Weise krystallisiert erhalten werden, 
wie das glycocholsäure. In alkoholischer Lösung besitzt ihr Natronsalz für gelbes 
Licht eine spezifische Drehung von +24,5°. 

e) In der Menschengalle findet sich eine durch Essigsäure sowie 
durch Chlorcalcium und Chlorbarium fällbare Gallensäure, vielleicht 
Glykochol einsäure (Hammarsten 3 ). 

2. Die Pe t te nk o f e r sehe Reaktion. Setzt man zu einer 
Lösung von Gallensäuren, die nur Spuren derselben zu enthalten braucht, 
2 / 3 Volumen englische Schwefelsäure so langsam hinzu, dass sich das 
Gemisch nicht über 60 ° erwärmt, darauf 3 — 5 Tropfen einer Lösung 
von 1 Teil Rohrzucker in 4 — 5 Teilen Wasser und schüttelt um, so 
färbt sich die Flüssigkeit erst rot, dann sehr schön violett (Petten- 
kofer). Die Reaktion tritt ebenso ein, wenn der Zucker vor der 
Schwefelsäure der Gallensäurelösung zugesetzt wird. Die heute meist 
angewandte Vorschrift lautet: (Man gibt zu der zu prüfenden Lösung 
einige Tropfen Rohrzuckerlösung 1 : 10 und dann vorsichtig und lang- 
sam konzentrierte Schwefelsäure. Man sorge eventuell durch Kühlung 



x ) R. Maly, Monatshefte f. Ch. 4. 91. 1882. — K. A. H. Mörner a. a O. 

2 ) K. A. H. Mörner/a. a/O. 
Uä 3 ) Hammarsten, Nova Acta Reg. Societ. Scient. Upsal., Ser. III. 16. 
1893; Jahresber. f. Tierch. 1893. 331. 

Neubauer-Huppert, Analyse des Harns. 11. Aufl. 81 



1276 Schulz, Gallensäuren. 

in Wasser dafür, dass die Temperatur 60—70 ° nicht übersteigt. — Man 
kann die Probe auch zuerst als Schichtprobe vornehmen und nachträg- 
lich unter Kühlung durchmischen. — Verdünnt man die erhaltene 
farbige Flüssigkeit (mit Alkohol) so stark, dass sie vom Spektrum 
nur das Violett absorbiert, so zeigt sie nach Schenk 1 ) einen Ab- 
sorptionsstreifen zwischen D und E und einen zweiten vor F. 

Kurz nach Eintritt der Rotfärbung ist nach v. Udranszky auch ein 
bereits von Bogomoloff 2 ) wahrgenommener, scharf begrenzter Absorptions- 
streifen zwischen C und D, näher bei D, zu sehen, der aber in den meisten Fällen 
bald verschwindet; das Gesichtsfeld hellt sich dann bis etwa zur Mitte zwischen D 
und E auf. 

Wie M y 1 i u s 3 ) gezeigt hat, beruht die Pettenkofer sehe Re- 
aktion auf der Verwandlung des Zuckers durch die Schwefelsäure in 
Furfurol. 

Ville 4 ) vertritt neuerdings die Auffassung, dass die bei der Hydrolyse 
von Rohrzucker entstehende Glucosefund Fructose direkt bei der Reaktion be- 
teiligt sind. Dagegen spricht, dass die Reaktion mit Fufurol ebensogut geht 
(s. unten). 

Die Pettenkofer sehe Reaktion tritt nicht ein bei Gegenwart 
von Formalin (J a f f e) 5 ) ; das beruht wahrscheinlich auf einer Einwir- 
kung des Formaldehyds auf das Furfurol. 

Von dieser Reaktion sind (mehrere Modifikationen angegeben worden. 

a) Nach Neukomm c ) ist bei der Anstellung der Probe im Reagenzglas 
eine purpurrote, nur schwach ins Violette spielende Färbung noch wahrnehmbar 
mit 3 cem einer 0,l%igen Cholsäurelösung ; Glycocholsäure ist noch weniger emp- 
findlich. Die Gallensäuren lassen sich aber durch die purpurviolette Färbung 
noch mit voller Schärfe in einem Tropfen einer 0,05%igen Lösung nachweisen, 
wenn man die Flüssigkeit mit einem Tropfen auf das fünffache Volumen verdünnter 
Schwefelsäure und einer Spur Zuckerlösung in einer Schale mischt und unter 
Umschwenken vorsichtig und gelinde erhitzt. Bei stärkerer Verdünnung der 
Lösung konzentriert man dieselbe vorher. Beim Erwärmen der Probe im Wasser- 
bade tritt die Reaktion unvergleichlich sicherer ein, als beim Erwärmen über der 
freien Flamme. 

b) Wenn man zu eingedampfter Gallensäurelösung ein Tröpfchen sehr 
verdünnter Rohrzuckerlösung und dann einen Tropfen konzentrierter Schwefel- 
säure setzt, so erhält man nach Külz 7 ) die Färbung sehr schön und schnell, auch 
ohne dass man erwärmt; tritt die Reaktion nicht bald ein, so kann man sie noch 
dadurch hervorrufen, dass man das Schälchen kurze Zeit auf das Wasserbad stellt. 

c) Versetzt man nach Vitali 8 ) ein gallensaures Salz unter Umrühren mit 
einigen Tropfen konzentrierter Schwefelsäure, einigen Körnchen Zucker und dann 

x ) Pettenkofer, Ann. d. Ch. u. Pharm. 52. 90. 1844. — S. L. Schenk, 
Anat. -physiol. Untersuchungen. Wien 1872. 47; Jahresber. f. Tierch. 2. 232. 

2 ) v. Udranszky, Zeitschr. f. physiol. Ch. 12. 372. 1888. — Th. Bogomo- 
loff, Zentralbl. f. d. med. Wissensch. 1869. 532. 

3 ) F. Mylius, Zeitschr. f. physiol. Ch 11. 492. 1887. 

4 ) J. Ville, Bull. soc. chim. de France [4] 1. 965. 1907. 

5 ) M. Jaffe, Therapie d. Gegenwart 1902; Jahresber. f. Tierch. 32. 369. 1902. 

6 ) J. Neukomm, Archiv f. Anat. u. Physiol. 1860. 365. 

7 ) Külz, Zentralbl. f. d. med. Wissensch. 1875. 515; Zeitschr. f. analyt. 
Ch. 15. 106. 

8 ) Diosc. Vitali, Berichte d. ehem. Gesellsch. 14. 547. 



Eigenschaften. 1277 



mit ein paar Tropfen Alkohol, so erwärmt sich die Flüssigkeit von selbst so stark, 
dass die Violettfärbung auftritt. 

d) Wenn man nach Drechsel x ) die Substanz, welche auf Gallensäure 
geprüft werden soll, z. B. ein winziges Körnchen cholsaures Natron, nebst einer 
Spur Rohrzucker in 1 — 3 Tropfen einer Mischung von 5 Volumen sirupdicker 
Phosphorsäure und 1 Volumen Wasser löst und die Lösung durch Eintauchen 
in kochendes Wasser erwärmt, so stellt sich in kürzester Frist eine schöne Rot- 
färbung ein. 

e) v. U d r ä n s z k y 2 ) wendet direkt Furfurol an. Man setzt zu 
1 ccm der wässerigen oder alkoholischen Lösung der Substanz 1 Tropfen 
0,1 o o ige wässerige Furfurollösung, lässt unter die Mischung 1 ccm 
konzentrierte Schwefelsäure fliessen und kühlt ab, um die Reaktion 
zu massigen. Bei Gegenwart von nur 0,033 mg Cholsäure tritt nach 
längerem Stehen noch pfirsichblütrote Färbung ein, und bei 0,05 mg 
Cholsäure sind auch die Absorptionsstreifen deutlich zu sehen. — Eine 
10 o/o ige Rohrzuckerlösung richtet so viel aus, wie die 0,1 o/o ige Fur- 
furollösung. 

f) Charakteristisch für die Gallensäuren ist die Reaktion nur dann, wenn 
das Rot der Färbung eine unzweifelhafte Beimischung von Blau (violett) zeigt. 
Ein Überschuss an Zucker macht die Flüssigkeit braun oder schwarz, ein Über- 
schuss an Furfurol orange- bis ziegelrot. Rote und selbst violette Färbung geben 
überdies eine Reihe anderer Substanzen, so Eiweiss, Ölsäure (Kunde), Ricinöl- 
säure (Neukomm), Amylalkohol, Cholesterin, Benzol, Phenol, Terpentinöl, 
Nelkenöl, Campher, Salicylsäure, Pyrogallussäure, Piperin, Morphin etc. (King- 
zett und Hake) und viele andere Substanzen, welche v. Udränszky zusammen- 
gestellt hat. — Die roten Flüssigkeiten, welche mit Eiweiss, Ölsäure, Amylalkohol 
entstehen, zeigen keine Absorptionsstreifen (Bogomoloff 3 ), Schenk). Von 
einigen anderen Substanzen hat v. Udränszky ermittelt, dass die Reaktions- 
produkte Absorptionsspektren geben, doch besitzen die Streifen eine andere Lage 
als bei der Cholsäure. — Gleichzeitige Gegenwart oxydierender Körper verhindert 
diese Farbenreaktionen (Hup per t). 

3. Versetzt man Gallensäure in Substanz mit Bariumsuperoxyd oder Blei- 
superoxyd, Zinnchlorid, oder Antimonchlorür und Schwefelsäure oder Salzsäure, 
so treten, wie Casali 4 ) angibt, farbige Substanzen in bestimmter Reihenfolge 
auf, zuerst Gelb, dann Rot, Weinrot, Violett, Blauviolett. 

4. Nach Pickering 5 ) geben die Cholsäure und die Taurocholsäure, wie das 
Cholesterin, die Xanthoproteinreaktion unter Entwickelung roter Dämpfe. 

5. Cholsäure lähmt wie die gepaarten Gallensäuren das Herz 
(Röhrig). 

6. Die Gegenwart von Gallensäurensalzen setzt die Ober- 
flächenspannung in Lösungen herab (s. Seite 18). Hierauf beruht 
die Probe von Haycraft (s. später). 



*) E. Drechsel, Journ. f. prakt. Ch. [2] 24. 44; 27. 424. 
3 ) v. Udränszky a. a. O. 

3 ) Th. Bogomoloff, Zentralbl. f. d. med. Wissensch. 1868. 529; 1869. 
484 u. 532. 

4 ) A. Casali, Zentralbl. f. d. med. Wissensch. 1878. 583; Zeitschr. f. analyt. 
Ch. 18. 128. 

5 ) J. W. Pickering, Journ. of Physiol. 14. 372. 1893. 

81* 



1278 Schulz, Gallensäuren. 



C. Nachweis. Der Nachweis der- Gallensäuren wird mittelst 
der Pettenko ferschen Reaktion geführt, und zwar am besten in der 
Modifikation von Udränszky [B. 2. e)], weil man bei dieser nur sehr 
wenig Substanz nötig hat und sich die Bedingungen für das Gelingen 
der Reaktion leicht erfüllen lassen. Weil viele andere Substanzen 
eine ähnliche Färbung geben, wie die Gallensäuren, so soll man sich 
nicht bloss mit dem Auftreten der Färbung begnügen, sondern die 
farbige Lösung noch spektroskopisch untersuchen. M a c k a y 1) hat sich 
zum Nachweis der Gallensäuren lediglich ihrer physiologischen Wir- 
kung auf das Herz bedient. Das Verfahren könnte auch zur Kontrolle 
der Pettenko f er sehen Probe benützt werden. 

Um den störenden Einfluss zu beseitigen, welchen andere Substanzen 
(B. 2. f), die sich bei der Pettenkoferschen|Probe auch rot oder violett färben, 
auf diese ausüben, schlägt Vitali vor, die fragliche Substanz nach Zusatz ver- 
dünnter Schwefelsäure einzudampfen, bis die Färbung durch violettrot in gelb 
übergegangen ist, und allmählich Wasser hinzuzusetzen ; bei Gegenwart von Gallen- 
säuren entsteht zunächst eine gelbgrüne Färbung und endlich ein blaugrüner 
Niederschlag, der, nach dem Abgiessen der Flüssigkeit, unter Zusatz von sehr 
wenig Zucker in Alkohol gelöst und in einer Porzellanschale bei gelinder Wärme 
verdunstet wird. Waren Gallensäuren vorhanden, so wird der Rückstand nach 
dem Verdunsten des Alkohols prächtig rotviolett und beim Stehen an der Luft 
durch Wass3ranziehung blau. Die übrigen Substanzen färben sich dabei entweder 
gar nicht rotviolett oder nur in geringem Masse. 

Mackay verfuhr so, dass er den Harn mit 2 — 3 Volumen starkem Alkohol 
fällte, das Filtrat eindampfte und mit dem Rückstand das Verfahren 2 — 3 mal 
wiederholte, die alkoholische Lösung mit Äther fällte, und den Niederschlag, 
welcher die Gallensäuren enthalten sollte, in Wasser löste. Es wurde dann das 
Herz eines Frosches blossgelegt, dasselbe in situ mit einem Tröpfchen einer l%igen 
Atropinsulfatlösung benetzt, um die Hemmungswirkung des Vagus auszuschliessen, 
und dann mit der wässerigen Lösung des Harnauszuges betropft. Bei Gegenwart 
von Gallensäuren vermindert sich die Häufigkeit der Herzkontraktionen bis zum 
völligen Stillstand. 

1. Der direkte Nachweis von Gallensäuren im Harn mit 
der Pettenko f er sehen Probe ist so gut wie aussichtslos, weil der 
normale Harn dabei eine Färbung annimmt, welche mit der bei der 
Pettenko ferschen Probe verwechselt werden kann, und auch da, 
wo dies nicht der Fall ist, der ikterische Harn wegen seiner Farbe 
und des immer noch zu geringen Gehaltes an Gallensäuren zur direkten 
Anstellung der Probe nicht geeignet ist. 

a) Setzt man zu normalem Harn vom Menschen oder Hund konzentrierte 
Schwefelsäure, ohne zu mischen, so entsteht an der Berührungsstelle beider Flüssig- 
keiten ein schön weinroter, öfter ins Violette spielender Ring; schüttelt man um, 
so erscheint die Flüssigkeit weinrot, nicht selten auch violettrot. Diese Färbungen 
sind vorzüglich durch das Indican und die Skatoxylschwefelsäure bedingt. Eine 
völlig unzweideutige Reaktion gibt der Harn erst bei einem Gehalt von 0,5% 
Gallensäure (Neukomm). 

Dampft man nach Stokvis 2 ) 1 — 2 cem Harn mit 1 — 2 Tropfen sehr ver- 
dünnter Rohrzuckerlösung auf dem Wasserbade zur Trockne ein und setzt dann 

x ) J. C. H. Mackay, Archiv f. exper. Pathol. 19. 279. 1885. 
2 ) Stokvis, Archiv f. klin. Med. 33. 115. 1883. 



Nachweis. ]279 



einige Tropfen verdünnte Schwefelsäure (1:5) oder Phosphorsäure zu, so erhält 
man fast mit jedem menschlichen Harn eine recht schöne Pettenkofersehe 
Reaktion. 

Auch der in Äther unlösliche Anteil des alkoholischen Auszuges normaler 
Harne gibt in wässeriger Lösung nach Mackay bei der Pettenkoferschen Probe 
immer eine violette Färbung, ohne dass er, nach seinem negativen Verhalten 
das Froschherz, Gallensäure enthält. 

Mit einer ebensolchen Lösung erhielt v. Udränszky eine rotbraune Km 
furolreaktion ohne Absorptionsstreifen. Auch ein nach Dragendori'i (2. e.) 
bereiteter Chloroformauszug aus normalem Harn gab in alkoholischer Lösung eine 
schwach rotgefärbte Lösung, gleichfalls ohne das Absorptionsspektrum ; die wasse- 
rige Lösung der fragliehen Substanz wurde mit dem Millonschen Reagens rot. 
dürfte also aromatische Oxvsäuren (s. dort) enthalten haben. 

b) Nach v. Udränszky kann man bei der direkten Untersuchung des 

Harns so verfahren, dass man einen Tropfen desselben mit 1 CCm 'Wasser vei 
dünnt. Normaler Harn mit 0,12% ('holsäure gibl dabei nach kurzer Zeit eine 
schön kirschrote Färbung und zeigt auch ohne weitere Verdünnung die Absorptions- 
streifen; nach 24 Stunden ist die Flüssigkeil dunkelblau. Knthält dci Hain 
weniger Cholsäure, so ist die Verdunkelung, welche der normale Harn hei der 
Probe erleidet, so bedeutend, dass die ( iallensäurereaktion ganz verdeckt wird. 
Bei ikterischen Harnen ist der Nachweis durch die stärkere Eigenfarbe (\r* Harns 
noch besonders erschwert . LäSSl sich die Reaktion mit einem Tropfen Harn nicht 

erzielen, so gibt sie mit grösseren Mengen Harn meistens auch kein besseres Resultat. 
Mit ikterisenem Harn gelingt die Reaktion in vielen Fällen nicht. 

c) Nach Strassburg ') soll man den Harn mit etwas Robrzuckerlösung 
versetzen, einen Streifen Fliesspapier in denselben eintauchen und dasselbe t rocknen 
lassen. Betupft man den Streifen darauf mit einen] Tropfen konzentrierter Schwelel- 
säure und lässt diese etwas abfliessen, so entsteht nach etwa, ' , .Minute eine 
besonders im durchfallenden Licht hervortretende schöne violette Färbung, wenn 
der Harn Gallensäurc enthält. Man soll so noch 0,3 g Gallensäure im Liter Harn 
nachweisen können. Normaler Barn gibt keine violette, sondern nur eine röt- 
liche, und wenn zu viel Zucker zugesetzt weiden ist. eine bräunliche Färbung. 
„Geleimtes" Papier färbt sich durch die in ihm enthaltenen Harze mit Schwefel- 
säure allein violettrot. 

d) Auch der Niederschlag, den man heim Sättigen des Harns mit Ammon- 
sulfat erhält, ist zum Nachweis der 1 Gallensäuren nicht geeignet. Der Nieder- 
schlag aus normalem Harn enthält farbige Substanzen, die mit Schwefelsäure 
eine rote Lösung geben. 

e) Probe nach Haycraft. Gallensäurehaltiger Harn hat die Eigenschaft, 
dass auf die Oberfläche gebrachte Schwefelblumen nach einigen Minuten unter- 
sinken. 

f) Nach Inouye und Ito 2 ) geben die Gallensäuren mit Vanilin und 
Schwefelsäure eine charkteristische Reaktion. Wenn man 2 cem einer verdünnten 
wässerigen Lösung cholsaurer Salze mit 0,03 g Vanilin versetzt und dann vor- 
sichtig 2 cem konzentrierter HoS0 4 hinzuf Hessen lässt, so stellt sich an der Be- 
rührungsfläche ein schön roter Ring ein, und beim Umschütteln nimmt die Mischung 
zunächst eine prachtvoll rote, darauf braune oder gelbe Farbe an, die später in 
Violett übergeht. Diese violette Lösung zeigt bei Verdünnung mit Eisessig einen 
breiten Absorptionsstreifen um D sich nach C und E erstreckend. 

Empfindlichkeitsgrenze für Cholalsäure 1 : 22 000, für Glycocholsäure 
1 : 15 000, für Taurocholsäure 1:11 000. 

2. Wenn man die Gallensäuren mit zweifelloser Sicherheit im Harn 
nachweisen will, so müssen sie aus d e m H a r n d a r g e s t e 1 1 1 werden. 

!) G. Strassburg, Pflügers Archiv 4. 461. 1871. 

2 ) K. Inouye und H. Ito, Zeitschr. f. physiol. Ch. 57. 313. 1909. 



1280 Schulz, Gallensäuren 



Man kanr. sie dazu entweder als Bleisalze oder Chininsalze oder (die 

Taurocholsäure) als Eiweissverbindung ausfällen, oder dem Harn mittelst 

Chloroform entziehen. 

a) Nach Neukomm 1 ) verdampft man mindestens 300 — 500 ccm Harn 
im Wasserbade bis fast zur Trockne und extrahiert den gebliebenen Rückstand 
mit gewöhnlichem Alkohol; die weingeistige Lösung wird von neuem verdunstet 
und der Rückstand mit absolutem Alkohol extrahiert. Die so gewonnene, nun- 
mehr ziemlich salzarme Lösung wird vom Weingeist befreit, der Rückstand mit 
wenig Wasser aufgenommen und die Lösung mit Bleiessig ausgefällt, wobei ein 
Überschuss sorgfältig zu vermeiden ist; es ist nicht unzweckmässig, die Fällung 
fraktioniert auszuführen; der Niederschlag wird nach etwa 12 stündigem Stehen 
gesammelt, gewaschen und zwischen Fliesspapier leicht abgetrocknet. Um andere, 
dem Bleiniederschlage beigemengte Substanzen möglichst zu entfernen, zieht man 
das gallensaure Blei mit siedendem Weingeist aus, verdampft die Lösung unter 
Zusatz von kohlensaurem Natron zur Trockne und behandelt den Rückstand 
zur Gewinnung des gallensauren Natrons mit absolutem Alkohol. Das so erhaltene 
Natronsalz enthält neben den Gallensäuren immer noch kleine Mengen eines 
harzigen Harnbestandteiles, welcher sich mit Schwefelsäure braunrötlich, zuweilen 
auch schwach blau oder violett und beim Erwärmen unter Zuckerzusatz rot- bis 
gelbbraun färbt. Selten ist diese Färbung so stark, dass dadurch die Gallensäure- 
reaktion verdeckt wird, ist dies aber nach einer vorläufigen Prüfung der Fall, so 
fällt man die Gallensäuren aus der wässerigen Lösung noch einmal mit Bleiessig, 
sammelt den Niederschlag nach einigem Stehen und zersetzt ihn, wie oben, mit 
kohlensaurem Natron. — Es lässt sich nach dieser Methode noch 0,01 g Gallen- 
säure, selbst noch die Hälfte, in 100 ccm Harn nachweisen. 

b) Nach Hoppe -Sey ler fällt man den Harn direkt mit Bleiessig und ein 
wenig Ammoniak aus, wäscht den Niederschlag mit Wasser, kocht ihn nach dem 
Trocknen in gelinder Wärme mehrmals mit absolutem Alkohol aus und filtriert 
heiss. Die alkoholische Lösung des gallensauren Bleies verdunstet man mit einigen 
Tropfen Sodalösung zur Trockne, kocht den Rückstand mit absolutem Alkohol 
aus, verdunstet die Lösung auf ein kleines Volumen und versetzt sie in einer ver- 
schliessbaren Flasche reichlich mit Äther, wodurch die gallensauren Salze zu- 
nächst als amorpher Niederschlag gefällt werden; derselbe verwandelt sich oft 
nach längerem Stehen in Büschel schöner Krystallnadeln. — Auch von Hilger 2 ) 
ist dieses Verfahren mit gutem Resultat befolgt worden. — Nicolas 3 ) wiederholt 
die Bleifällung, nachdem er zum ersten Male mit Soda zur Trockne gedampft hat, 
indem er mit etwas Wasser aufnimmt und die filtrierte wässerige Lösung nochmals 
mit basischem Bleiacetat versetzt. Der Bleiniederschlag wird dann wie oben 
behandelt. Er zieht dann wieder mit Wasser aus und stellt die Pettenkofersche 
Reaktion an. 0,01 in 1000 sind so nachweisbar. 

c) Mörner 4 ) entfernte die Hauptmenge des Kochsalzes durch Dialyse aus 
dem Harn, versetzte ihn bis zu 0,1 — 0,2% mit Essigsäure und schüttelte ihn 
kräftig mit viel Chloroform. Dabei fällt das Eiweiss des Harns in Verbindung 
mit den im Harn enthaltenen eiweissfällenden Substanzen aus, unter denen sich 
die Taurocholsäure befindet. Wenn sich der Niederschlag in einigen Tagen gut 
abgesetzt hatte, wurde er abfiltriert, in schwachem Ammoniak gelöst und wie 
zuerst mit Essigsäure und Chloroform gefällt. Der Niederschlag wurde abermals 
in wenig Ammoniak -gelöst, die Lösung mit 2 — 3 Volumen Alkohol versetzt und mit 
Essigsäure gefällt. In der alkoholischen Lösung befindet sich, wenn sie zugegen 
ist, die Taurocholsäure. Das stark gefärbte Filtrat wurde neutralisiert, eingedampft, 

x ) Neukomm a. a. O. 370. 

2 ) A. Hilger, Archiv d. Pharmacie 206. 385; Zeitschr. f. analyt. Ch. 15. 
105. 1876. 

a ) E. Nicolas, Compt. rend. soc. biol. 58. 566. 1905. 
*) K. A. H. Mörner, Skandin. Archiv 6. 371. 1895. 






Nachweis. 1281 



der Rückstand mit starkem Alkohol ausgezogen, die Lösung wieder verdunstet, 
der Rückstand in wenig Alkohol gelöst und mit Äther gefällt. Dieser Nieder- 
schlag gab bei der Verarbeitung von ikterischem Harn die Pettenkof ersehe 
Reaktion, auch nach Entfernung der festen Fettsäuren durch Barytsalz, und 
schmeckte bitter. 

Auch Vitali x ) benutzt bei dem einen seiner Verfahren die Fällbarkeit der 
Taurocholsäure durch Eiweiss zum Nachweis. Der (ikterische) Harn (60 cem) 
wird mit Schwefelblei bis zur vollständigen Entfärbung geschüttelt, Filtrat und 
Waschwasser auf % des ursprünglichen Harnvolumens eingedampft, mit etwas 
Eiweiss vermischt und unter Zusatz der nötigen Menge Essigsäure koaguliert. 
Der Eiweissniederschlag wird gewaschen, mit Alkohol ausgezogen und die Lösung 
verdunstet; der Rückstand dient zur Anstellung der Pettenkof ersehen Reaktion. 

d) Vitali gründet ferner ein anderes Verfahren auf die Löslichkeit des 
gallensauren Chinins in Chloroform. Der nach o) entfärbte Harn wird mit einer 
konzentrierten Lösung von essigsaurem Chinin, dann mit Chloroform und so viel 
Alkohol versetzt, dass sich das Chloroform löst. Das Chloroform wird wieder, 
ohne zu schütteln, durch Wasser gefällt, verdunstet und der Rückstand zur 
Pettenkoferschen Probe verwendet. 

e) Um die Gallensäuren aus dem Harn mittels Chloroform auszuziehen, 
säuert man nach Dragendorff 2 ) 120 — 150 cem Harn mit einigen Tropfen Salz- 
säure an und schüttelt ihn mit 30 g Chloroform wenigstens eine Stunde lang. Man 
trennt den Harn durch Abgiessen und übergiessl «las durch Einschluss von 
farbigen Substanzen braune Chloroform mit 6 — 8 cem absolutem Alkohol, wobei 
der Alkohol die trübenden Flocken aufnimmt, während das Chloroform wieder 
vollkommen klar wird. Man filtriert darauf, wobei auf dem Filter häufig eine 
dicke Gallerte entsteht, welche das Chloroform einschliesst und nicht mehr ab- 
fliessen lässt. Löst man jedoch diese Gallerte vom Filter durch Rühren mit einem 
Glasstabe ab, so filtrieren Chloroform und Alkohol schnell durch. Das vom Alkohol 
getrennte Chloroform lässt man auf Uhrgläsern verdunsten. 

Wiewohl Dragendorff nach seinem Verfahren Gallensäuren aus Harn in 
unzweifelhafter Weise dargestellt hat, kann die Pettenkof ersehe Probe dennoch, 
wenn sie mit dem Chloroformauszug angestellt wird, namentlich wenn dieser nicht 
erst von der färbenden Substanz befreit wird, zu Irrungen Anlass geben. Nach 
Külz 3 ) erhält man die charakteristische Färbung auch dann, wenn man dem 
Chloroformauszug aus nicht ikterischem Harn, namentlich dem gefärbten, bloss 
Schwefelsäure zusetzt, wodurch Gallensäuren nicht gefärbt werden. 

f) Jolles 4 ) empfiehlt folgendes Verfahren: Man versetzt 50 cem Harn 
mit einer 3%igen Caseinlösung (wasserlösliches Casein), fügt unter fortwährendem 
Umschütteln verdünnte H 2 SOi so lange hinzu, bis das Casein ganz ausgefällt ist 
(0,8 — 0,9 cem 10%ige Säure sind meist erforderlich). Den Niederschlag zieht man 
mit 10 cem absolutem Alkohol durch 1 Stunde aus, vom Filtrat werden 4 — 5 cem 
mit 1 Tropfen einer 5%igen Rhamnoselösung und 4 — 5 Tropfen konzentrierte 
HCl versetzt, zum Kochen erhitzt und 1—2 Minuten darin erhalten. Nach dem 
Erkalten setzt man 2 cem Äther hinzu und schüttelt um. Bei Anwesenheit von 
Gallensäuren ist eine charakteristische grüne Fluoreszenz wahrzunehmen. 



x ) Vitali, Atti della R. Acad. delle Sc. di Bologna 1892; Zeitschr. f. analyt. 
Ch. 31. 725; Jahresber. f. Tierch. 1892. 539; 1894. 676. 

2 ) Dragendorff, Pharm. Zeitschr. f. Russland 1868. 4. Heft; Zeitschr. 
f. analyt.. Ch. 8. 102. 1869. — A. Vogel, Zeitschr. f. analyt. Ch. 11. 467. — Joh. 
Hoene, Über die Anwesenheit der Gallensäuren im physiologischen Harn. Dorpat 
1873. 25. 

3 )*Külz, Allg. med, Zentralztg. 57. 1875. 

*) A. Jolles, Zeitschr. f. physiol. Ch. 57. 30. 1908; Chemikerztg. 33. 
1238. 1909. 



1282 Schulz, Gallensäuren. 



Witteis und Welwart 1 ) halten die Probe für unbrauchbar. — Jolles 
verteidigt sich aber gegen diesen Angriff. 

g) Meillere 2 ) versetzt den Harn mit l%iger Schwefelsäure und schüttelt 
denselben in Portionen von je 10 ccm mit einem grossen Überschuss von Äther 
(Essigäther oder Chloroform). Das Ätherextrakt wird mit saurem Wasser ge- 
waschen und dann mit 5 ccm Ammoniak (Yö) ausgeschüttelt und die ammonia- 
kalische Flüssigkeit durch Zusatz von Wasser auf einen aliquoten Teil des an- 
gewandten Harns aufgefüllt. Von dieser, durch Erwärmen ätherfrei gemachten 
Lösung bestimmt Meillere die Oberflächenspannung mittels Duclau x's Tropfen- 
zähler. Andererseits wird mit 1 ccm der Lösung die Pettenkof ersehe Reaktion 
angestellt. Man verdampft in einer Schale zur Trockne, giesst auf den Rückstand 
5 Tropfen Schwefelsäure (mit % Wasser verdünnt), gibt ein stecknadelkopfgrosses 
Stück Saccharose dazu und erhitzt im Wasserbad auf 40 — 50°, wobei die Saccharose 
rosa Färbung annimmt, wenn Gallensäuren vorhanden sind. Die Flüssigkeit 
zeigt im Spektroskop einen Streifen zwischen D und E und einen vor F. 0,01 g 
sind in einem Liter Harn nachweisbar. 



!) F. Witteis und N. Welwart, Ebenda 33. 1133. 1909. 
2 ) Meillere, Compt. rend. soc. biol. 58. 906. 1905. 



Die Farbstoffe des Harns. 

Von F. X. Schulz-Jena. 



An prä formierten Farbstoffen kommen im frischen Harn stets 
vor das Urochrom und das Hämatoporphyrin, häufig das Uroerythrin, 
auch das Urobilin in gestandenem Harn . Das Urochrom erteilt dem 
Harn die gelbe Grundfarbe, das Hämatoporphyrin und das Uroerythrin 
sind rot, das Urobilin ist braun. Gelegentlich treten auf unter patho- 
logischen Verhältnissen, abgesehen vom Hämoglobin und Methämoglobin, 
das Hämatin, das Urorubrohämatin und Urofuscohämatin, die Gallen- 
farbstoffe und das Melanin; ferner gewisse aus Medikamenten (Chryso- 
phansäure, Santonin etc.) oder Nahrungsmitteln (Kirschen, Heidelbeeren 
etc.) stammende Farbstoffe. 

Im Harn sind ferner Substanzen enthalten, welche bei der Ein- 
wirkung von Reagenticn farbige Zersetzungsprodukte liefern (C h r o m o - 
gene). Aus der Indoxylschwefelsäure und Indoxylglycuronsäure ent- 
stehen das Indigblau und das Indigrot; andere rote Farbstoffe gehen 
hervor aus der Skatoxylschwefelsäure, der Skatoxylglycuronsäure und 
der Skatolcarbonsäure. Ein rotes Chromogenderivat eigner Art ist das 
Urorosein. Das leicht zersetzliche Urobilinogen ist die Muttersubstanz 
des Urobilins. Gewisse braune und schwarze Farbstoffe entstehen bei 
der Einwirkung von Säuren auf den Harn aus dem Urochrom, und 
andere, den Huminsubstanzen zuzuzählende, wie es scheint, aas den 
Kohlehydraten desselben. 

Die sich durch die Einwirkung von Säure auf Zucker bildenden schwarzen 
Huminsubstanzen von wechselnder Zusammensetzung (das in Alkalien unlösliche 
Humin und die in Alkalien lösliche Huminsäure, beide in Wasser und in Alkohol 
unlöslich) liefern nach F. Hoppe- Seyler beim Erhitzen mit Kaliumhydrat auf 
240 — 250° Oxalsäure, Ameisensäure, Essigsäure, zuweilen kohlenstoffreichere Fett- 



1284 Schulz, Farbstoffe. 



säuren, Protokatechusäure (Brenzcatechin- Carbonsäure), Brenzcatechin- und 
Hymatomelansäure, eine gleichfalls dunkel gefärbte, der Huminsäure ähnliche, 
aber in Alkohol lösliche Substanz. Wird die .Zersetzung des Zuckers bei Gegen- 
wart von Harnstoff vorgenommen, so entsteht nach v. Udränszky stickstoff- 
haltige Huminsubstanz, welche beim Schmelzen mit Kaliumhydrat dieselben Zer- 
setzungsprodukte, wie die stickstofffreien Huminkörper, auch einen der Hymato- 
melansäure entsprechenden Rest, ausserdem aber Ammoniak gibt. Dieselben Humin - 
Substanzen liefert nach v. Udränszky der Harn beim Kochen mit Salzsäure. Da 
nun jeder Harn Kohlehydrate enthält, so scheint es kaum einem Zweifel zu unter- 
liegen, dass die Huminkörper aus diesen hervorgehen; auch die Glycuron- 
säure liefert nach F. Hoppe-Seyler Huminkörper. Als einen, wenn auch nicht 
sehr kräftigen Beweis für die Abkunft der Huminsubstanzen des Harns aus seinen 
Kohlehydraten führt v. Udränszky an, dass die Ausbeute an dem Produkt aus 
Harn in einem ziemlich konstanten Verhältnis zu seiner Reduktionsfähigkeit steht ; 
Levulinsäure konnte jedoch v. Udränszky aus 10 Liter mit Salzsäure gekochtem 
Harn nicht gewinnen. Bedeutsam ist aber, wegen der Bildung von Furfurol aus 
Kohlehydraten durch Säuren, der Umstand, dass die schwarze Substanz, welche 
bei der Einwirkung von Furfurol auf Harnstoff entsteht (s. Seite 544), nach 
Schiff 1 ) gleichfalls stickstoffhaltig ist. 

Das tierische Gummi (S. 468) wird durch Bleiesssig und Ammoniak gefällt, 
ein solcher Niederschlag aus Harn wird also bei der Behandlung mit Säuren Humin- 
substanzen liefern können. Aber auch durch andere Bleisalze erzeugte Nieder- 
schläge können das tierische Gummi, als Kolloidsubstanz, mit niederreissen. Den 
Bleiacetatniederschlag aus Harn von Gesunden und Kranken fand Mörner 2 ) 
reich an solchem „Chro mögen". Es ist ferner zu berücksichtigen, dass auch die 
gepaarten Glycuronsäuren durch Bleisalze gefällt werden und dass die Glycu- 
ronsäure bei der Behandlung mit Säuren gleichfalls Huminsubstanzen bildet. 
Endlich ist zu erwägen, dass auch die Harnfarbstoffe durch Bleiacetat nieder- 
geschlagen werden, und dass bei der Zerlegung dieser braune Substanzen auf- 
treten müssen, aus dem Urochrom durch Zersetzung desselben. In dieser Hinsicht 
ist von Bedeutung, dass sich nach Plösz (s. Uromelanin), sowie nach Giacosa 
(s. bei ,, Giacosa' s Farbstoff") das Chromogen der schwarzen Farbstoffe dem 
Harn (völlig) durch Amylalkohol entziehen lässt. 

Erschwert wird die Untersuchung der Harnfarbstoffe noch da- 
durch, dass eine Veränderung der präformierten Farbstoffe während ihrer 
Darstellung nicht ausgeschlossen ist und ferner dadurch, dass auch die 
angewandten Reagentien selbst zur Quelle dem Harn fremder Farbstoffe 
werden können; der häufig ,als Extraktionsmittel verwendete Amyl- 
alkohol kann bei der Einwirkung von Säuren urobilin- und uromelanin- 
ähnliche Körper liefern. 

Das Harnspektrum. Der normale Harn weist keine Ab- 
sorptionsbänder auf; aber er absorbiert das Licht in verschiedenen 
Regionen des Spektrums mit ungleicher Stärke. Vierordt 3 ) hat bei 
sechs normalen (pigmentreichen Nacht-)Harnen den Extinktionskoeffi- 
zienten bestimmt und folgende Werte gefunden: 



*) F. Hoppe-Seyler, Zeitschr. f. physiol. Ch. 13. 66. 1889. — L. von 
Udränszky, Zeitschr. f. physiol. Ch. 12. 42. — Derselbe, a. a. O. 11. 537. 1887; 
12. 33. 1888. — F. Hoppe-Seyler, a. a. 0. 96. — H. Schiff, Bericht d. ehem. 
Gesellsch. 10. 773. 1877. 

2 ) K. A. H. Mörner, Zeitschr. f. physiol. Ch. 11. 33. 1887. 

3 ) Vierordt, Die quantitative Spektralanalyse etc. Tübingen 1876. 78. 



Allgemeines. 



1285 





Exstinktionskoeffizienten 


Spektralregion 


absolut 


relativ 


Maximale 
Abweichung 


C 15 D — C 65 D 


0,0515 


1 


1,84 


D87E — E 8F 


0,0819 


1,59 


2,14 


E 8F — E26F 


0,0966 


1,88 


2,15 


E 26 F — E 45 F 


0,1062 


2,06 


1,93 


E 45 F — E 63 F 


0,1159 


2,25 


1,83 


E 63 F — E 80 F 


0,1259 


2,44 


1,71 


E 80 F — F 


0,1379 


2,68 


1,57 


F — F21 G 


0,1768 


3,37 


1,40 


F 21 G — F 44 G 


0,1995 


3,87 


1,47 


F44G — F65G 


0,2325 


4,51 


1,49 


F 65 G — F 87 G 


0,2818 


5,47 


1,68 


F87G — G10H 


0,3298 


6,40 


1,68 



Nach diesen Messungen wächst die vom Harn bewirkte Licht- 
absorption in der Richtung von Rot gegen Violett. Es verhalten sich 
aber nicht alle Harne in dieser Hinsicht gleich, die Absorption nimmt 
nicht in allen Harnen gleichmässig zu, sondern es kommen sehr er- 
hebliche Schwankungen vor, wie aus den Zahlen der Tabelle für die 
maximale Abweichung ersichtlich ist; diese geben an, wievielmal grösser 
der Extinktionskoeffizient des am stärksten absorbierenden Harns ist, 
als der des am schwächsten absorbierenden, in derselben Spektral region. 
Dieses Anwachsen der Absorption nach dem blauen Ende und die 
maximalen Abweichungen erklären sich in einfacher Weise aus dem 
spektralen Verhalten der einzelnen im Harn vorkommenden Farbstoffe. 
Das Urochrom absorbiert das Licht in zunehmender Stärke vom roten 
zum violetten Ende des Spektrums, wie der Harn selbst. In das Rot 
fällt der Absorptionsstreifen a des alkalischen Hämatoporphyrins, in die 
Gegend D 87 E — E 8 F der Streifen y des alkalischen und ß des 
metallischen Hämatoporphyrins, welche beide im Harn vorkommen 
können, ferner a des Uroerythrins, und auf das blaue Ende des Spektrums 
fallen die breiten und dunklen S1 reifen von b des alkalischen Hämato- 
porphyrins, ß des Uroerythrins und der des Urobilins. 

In pathologischem (sehr farbstoffreichen) Harn sind Streifen 
des Hämatoporphyrins, des Uroerythrins und der des Urobilins direkt 
wahrgenommen worden. 

Ähnliche Bestimmungen hat Mörner x ) mit eingedampftem Menschenharn, 
Vierordt weiter mit Harn vom Meerschweinchen, Kaninchen und Hund, ferner 
mit Harnen von fiebernden und fieberfreien Kranken ausgeführt. Die Harne der 
Kranken absorbierten das Licht 1% — 9 mal so stark als stark pigmentierter normaler 
Harn, und die Stärke der Lichtabsorption war in den einzelnen Spektralregionen 
der des normalen Harns nicht proportional. 

x ) K. A. H. Mörner, Zeitschr. f. physiol. Ch. 11. 127. 1887. 



1286 Schulz, Farbstoffe. 



Der Farbstoff des Harns lässt sich durch die Bleiacetate, sowie durch 
Phosphorwolframsäure und Phosphormolybdänsäure fällen, aber nicht vollständig. 
Aus Menschen- und aus Hundeharn schlägt Bleizucker nach Vierordt 1 ) den 
gelben, das Blau und Blaugrün besonders absorbierenden Bestandteil (Urochrom, 
Urobilin, Hämatoporphyrin, Uroerythrin) stärker nieder als andere. Bleiessig 
verhält sich ähnlich, wirkt aber in dieser Hinsicht schwächer. 

Aus dem Bleiacetatniederschlag des Harns Gesunder und Kranker gewann 
Mörner 2 ) Farbstoffe, welche Schwefel (einmal 5%) enthielten und bisweilen 
auch eisenhaltig waren. Barytwasser fällte nur wenig Farbstoff, von anderer 
Beschaffenheit als das Phymatorhusin (Melanin). 

Manche Harne werden beim Stehen an der Luft dunkler, die normalen, 
weil sich bei ihnen Urobilin aus dem Urobilinogen bildet, die melanotischen wegen 
der Entstehung von Melanin aus dem Melanogen durch Oxydation und die Carbol- 
harne aus ähnlicher Ursache. 



I. Urochro m. 

A. Vorkommen. Die Farbe des normalen Harns scheint im 
wesentlichen durch einen bestimmten Farbstoff bedingt zu sein, den 
man Urochrom nennt. Er macht die Hauptmenge der Harnfarbstoffe 
aus, soweit nicht pathologischerweise abnorme Farbstoffausscheidung 
statthat, und erteilt dem Harn die gelbe, orange bis braune Färbung. 
Die Uratsedimente enthalten nach Garrod 3 ) immer etwas Urochrom 
allein oder neben Uroerythrin und anderen Farbstoffen. 

Bereits 1798 vermuteten Fourcroy und Vauquelin, dass der Harnstoff 
an der Harnfarbe schuld sei, eine Ansicht, die Berzelius widerlegte. — Proust 
hat 1799 sich eingehender mit dem Harnfarbstoff beschäftigt. Er beschreibt 
zwei verschiedene Farbstoffe, von denen der eine die Uratsedimente färbt. Den 
anderen konnte er als „Urinharz", welches in Wasser unlöslich, in Alkohol sowie 
in Alkali löslich war, durch Erhitzen des eingeengten Harns mit Mineralsäuren 
erhalten. Daneben erhielt er durch Einwirkung der Säure ein vom Urinharz ver- 
schiedenes, schwarzes Pulver, das in Wasser und Alkohol unlöslich, in Alkali dagegen 
löslich war. Berzelius bestätigte im wesentlichen diese Angaben; er rechnete 
den Harnfarbstoff zu den Extraktivstoffen. — Lehmann befreite den Harn 
durch Ausfrieren von einem Teil der Salze, dampfte im Vakuum zum Sirup ein und 
zog dann mit Alkohol und Äther den Farbstoff aus. Nach ihm sollte der „färbende 
Extraktivstoff" bei der Zersetzung Harnstoff liefern. — Scharling zog den 
nach Lehmann dargestellten Harnsirup mit Äther aus. Er erhielt dabei eine 
in Wasser unlösliche Substanz. Er erwärmte diese Substanz mit Kalilauge und 
erhielt dann beim Ansäuern mit Schwefelsäure graue Flocken, die er durch Auf- 
nehmen mit Äther reinigte. Diesen Körper nannte er Omichmyloxyd (öftiyua = 
der Harn). Aus dem Omichmyloxyd erhielt er beim Zerlegen mit Mineral- 
säuren Benzoesäure. Sein Präparat wird also wohl wesentlich die damals noch 
unbekannte Hippursäure enthalten haben. — Lieb ig stellte ebenfalls das von 
Proust schon beschriebene „schwarze Harnharz" dar; er glaubte, dass das- 
selbe durch Oxydation durch den Luftsauerstoff aus dem eigentlichen Harnfarb- 
stoff entstanden sei. — Marcet stellte den Harnfarbstoff dar, indem er den ein- 
gedampften Harn mit Alkohol auszog, dann durch Äther den Harnstoff ausfällte 

x ) Vierordt. a. a. 0. 93. 

2 ) K. A. H. Mörner. a. a. 0. 133. 139. 

3 ) Archibald E. Garrod, Journ. of Physiol. 17. 441. 1895; Journ. of 
Pathol. and Bacteriol. 3. 103. 1896. 



Urochrom. 1281 



und die alkoholisch-ätherische Farbstoff lösung verdunstete. — Scherer ver- 
suchte aus dem mit Bleiessig erzeugten Niederschlag den Farbstoff zu ge- 
winnen. — Harley extrahierte einen vorher konzentrierten Harn mit Alkohol, 
fällte den Alkoholauszug mit Kalkwasser und zog den entstandenen Niederschlag 
mit salzsäurehaltigem Alkohol aus; nach dem verdunsten des Alkohols erhielt 
er den Harnfarbstoff als amorphen, rotbraunen, harzigen Rückstand, der in W 
nicht, dagegen in Alkohol, Äther, sowie Alkali leicht löslich war und beim Ver- 
brennen eine zum grossen Teil aus Eisenoxyd bestehende Asche hinterliess. Er 
nannte den Farbstoff Urohämatin und leitete denselben vom Blutfarbstoff ab. 
Tichborne J ) gründete eine Methode der Darstellung auf die Beobachtung 
de Lunas, dass sich Harnfarbstofflösungen durch ammoniakalische Lösung von 
Kupfernitrat entfärben lassen. Tichborne versetzte eingeengten Harn (1,163 
spezifisches Gewicht) mit dieser Kupferlösung. Beim Neutralisieren mit ver- 
dünnter Schwefelsäure fiel ein Kupferniederschlag aus, welcher den ganzen Färb- 
stoff, sowie etwas Harnstoff und Eiweiss enthielt. Der Kupferniederschlag wurde 
mit Schwefelsäure gelöst, der Harnfarbstoff mit Alkoholäther extrahiert und durch 
nochmaliges Umfallen mit Kupferlösung gereinigt. Der Harnfarbstoff Tich- 
bornes war in Wasser und Weingeist löslich, in absolutem Alkohol und in Äther 
dagegen unlöslich. Von basischem Bleiaeetai wurde er vollständig gefällt. Tich- 
borne betrachtete seinen Farbstoff als ein Zersetzungsprodukl der Hippursäure. 

Die von diesen älteren Untersuchen] gewonnenen and beschriebenen 
Farbstoffe sind sicherlich zum Teil durch Zersetzung des ursprünglichen 

Harnfarbstoffes entstanden und alle mehr (»der weniger unrein ge- 
wesen. Auch die neueren Untersuchungen von Sc h unk, Thu- 
dichum, Garrod, Dombrowski, Hohlweg, Salomonsen 
und Mancini, Weisz 2 ) haben die Frage nach der Natur des Harn- 
farbstoffes noch nicht zur vollen Aufklärung gebracht. Aber immerhin 
ist es neuerdings gelungen, einigermassen diesen Farbstoff zu charak- 
terisieren und seine Beziehungen zu anderen Farbstoffen klarzustellen. 
Es ergeben sich aber auch jetzt noch solche Differenzen in den x\n- 
gaben der verschiedenen Untersucher je nach der angewandten Methode, 
dass es notwendig ist, die nach den verschiedenen Methoden dargestellten 
Farbstoffe getrennt zu beschreiben, obschon es wahrscheinlich ist, dass 
ihnen allen ein und der gleiche Farbstoff zugrunde liegt. 

Die schwarzen Farbstoffe, welche man in verschiedener Weise aus dem 
Harn dargestellt hat, sind zum Teil wenigstens Zersetzungsprodukte des Urochroms. 

Dombrowski bestimmte den Urochromgehalt nach seiner 
Kupfermethode zu 0,3885 g in 24 Stunden im normalen Harn, zu 
0,7769 g bei Pneumonia crouposa, zu 0,8682 g, 1,0358 g, 0,7601 g, 
1,0572 g in vier Fällen von Typhus in der dritten Woche. Es wurden 



x ) Fourcroy und Vauquelin, Ann. de Chemie 31. 68. 1798. — L. Proust, 
Ann. de Chemie 36. 1799; Ann. de Chemie et Physique 14. 257. 1826. — B. Berze- 
lius, Lehrb. d. Ch. 4. Aufl. 9. 553. 1840. — J. C. Lehmann, Journ. f. prakt. Ch. 
25. 1. — Scharling, Ann. d. Chemie u. Physik 42. 265. 1842. — J. Liebig, 
Ebenda 50. 168 u. 172. 1844. — Marcet, Biblioth. Univ. de Geneve 1852. 144. — 
.Scherer, Ann. d. Chemie u. Phys. 57. 180. 1857. — Harley, Journ. f. prakt. Ch. 
.14. 164. — Tichborne, Chemie. News 5. 163. 1862. 

2 ) Zitate s. später. 



1288 Schulz, Farbstoffe. 



als Urochrom ausgeschieden 0,27 o/o des Gesamtstickstoffs beim normalen, 
0,35 o/o im Pneumonieharn und 0,48 — 1,25 % im Typhusharn. 
Marischier bestimmte das Urochrom nach einer Modifikation der 
Methode von Browinski und Dombrowski. Bei Blinddarment- 
zündung, fieberloser Pleuritis exsud., Morbus Basedowii (je ein Fall) 
schwankte die Menge zwischen 0,37 — 0,86, also etwa der Norm ent- 
sprechend. 0,8 — 1,4 g fanden sich bei Diabetes insipidus (ein Fall). 
Schilddrüsenextrakt steigerte die Ausscheidung von 0,168 auf 0,35 — 0,81 g 
bezw. von 0,21 — 0,31 g auf 0,46 — 2,4 g pro die. Browinski und 
Dombrowski bestimmten den Urochromgehalt bei gesunden Men- 
schen, welche gemischte Kost enthielten, zu 0,37 — 0,69 g, im Mittel zu 
0,5 g pro 24 Stunden. Beim Übergang zu reiner Milchkost sank der 
Urochromgehalt (Milch und Kartoffeln) bis zu 2 / 3 oder sogar 1 / 2 (0,2237 
bis 0,432 g) des ursprünglichen Gehaltes herab, trotzdem die Grösse 
des Eiweissumsatzes unverändert blieb, um nach reiner Fleischkost 
(Fleisch und Kartoffeln) das beobachtete Maximum (1,19 g) der Aus- 
scheidung zu erreichen. Stark gesteigert [war die Menge bei Typhus 
(0,909 g), vergrössert bei Lebercirrhose (0,703—0,796 g). Die Steige- 
rung war nicht nur absolut, sondern auch im Verhältnis zum Gesamt- 
stickstoff. — Hohlweg schätzt die Urochrommenge auf 3,1g in 
25 Liter, das würde bei einer täglichen Harnmenge von 2 Liter etwa 
0,12 g pro die ausmachen. Ältere Versuche von Klemperer 1 ), die 
Urochrommenge auf kolorimetrischem Wege zu bestimmen, sind zu wenig 
zuverlässig, um zum Vergleich herangezogen zu werden. 

B. Ursprung des Urochrom. Während Garrod die Ansicht 
vertrat, dass das Urochrom in naher chemischer Beziehung zum Uro- 
bilin steht und damit zu den Gallenfarbstoffen bezw. dem Hämatin, 
vertritt Dombrowski die Ansicht, dass eine derartige Beziehung 
nicht besteht, dass das Urochrom dagegen ein Produkt des Eiweiss- 
abbaues sei, ebenso wie die Proteinsäuren. 

Eine Hauptstütze Garrods für seine Ansicht war die Über- 
führbarkeit des Urochrom in Urobilin durch Einwirkung von Acet- 
aldehyd. Nach den Erfahrungen von Dombrowski und auch von 
Hohlweg scheint die Angabe Garrods auf einem Irrtum zu be- 
ruhen (s. bei Eigenschaften der verschiedenen Urochrome). 

Dombrowski stützt seine Ansicht einmal darauf, dass bei der 
Zersetzung des Urochrom nicht das für das Hämatin und seine Ver- 



x ) St. Dombrowski, Zeitschr. f. physiol. Ch. 54. 390. 1908. — Jul. 
Maris chl er, Tygodnik lekarski 4. 457. 1909; Jahresber. f. Tierch. 39. 321. 1909. — 
J. Browinski und St. Dombrowski, Journ. de physiol. et pathol. generale 
1908. 819; Bull, de l'Acad. des scienc. de Cracowie 1908; Rozprawy Akad. umiejct- 
nosci [3] 8. 155. 1908. — F. Klemperer, Berl. klin. Wochenschr. 1903. 313. 
— Münchn. med. Wochenschr. 1903. 269. 



Urochrom von Dombrowski. Eigenschaften. 12R9 

wandte charakteristische Hämopyrrol, sondern einfaches Pyrrol ent- 
steht. Ferner legt er grossen Wert auf den Schwefelgehalt seines Uro- 
chroms. Weitere Erfahrungen müssen lehren, ob dieser Schwefel wirk- 
lich integrierender Bestandteil des Urochrommoleküls ist, wie Dom- 
browski annimmt. Liebermann 1 ) hat gegen die chemische Reiuheit 
des Urochroms (Dombrowsk i) Bedenken geäussert, die aber nicht 
durch eigene Beobachtungen genügend gestützt werden. Dagegen ist das 
Urochrom Hohlwegs schwefelfrei gewesen. Hohlweg glaubt, dass 
das Urochrom Dombrowskis mit schwefelreichen Stoffen verun- 
reinigt gewesen sei. Es müsste sich dann um sehr stark verunreinigte 
Präparate oder um eine ausserordentlich schwefelreiche Verunreinigung 
handeln, da die Präparate Dombrowskis bis zu 5 o/o Schwefel ent- 
hielten. Dombrowski ist dagegen der Meinung, dass bei der Dar- 
stellungsweise Hohlwegs durch die Einwirkung des Eisessigs der 
Schwefel abgespalten sei. - Eine weitere Stütze würde die Annahme 
Dombrowskis finden, wenn es sich bestätigte, dass die Menge des 
Urochrom in direktem Zusammenhang mit der Grösse des Eiweisszerfalls 
steht, wie das seine tund Marischlers Bestimmungen vermuten lassen. 

I. Das Urochrom von Dombrowski. 

A. Eigenschaften. 1. Das Urochrom hat die Eigenschaften einer 
Säure. Es färbt blaues Lackmuspapier stark rot.. Es ist in Wasser leicht 
löslich, bildet in konzentrierter Lösung einen rotbraunen Sirup, der 
beim Eintragen in 97o/ igen Alkohol einen reichlichen flockigen Nieder- 
schlag fallen lässt. Die alkoholische Lösung wird durch Äther ge- 
gefällt, wobei ein reichlicher dunkelgelber Niederschlag entsteht. 

2. Es gibt ähnlich wie die Proteinsäuren ein in Wasser leicht, in 
Alkohol dagegen schwer lösliches Barium- und Natriumsalz. 
Diese Salze sind amorph wie auch die Kupferverbindung. Analysiert 
wurde Kupferurochrom C 36,76 o/ , H 3,56 o/ , N 9,72 o/ , S 2,57 o/ , 
Cu 21,38 o/o; Silberurochrom C 22,61 o/ , H 2,43 o/ , N 4,1 o/ , S 1,2 o/ , 
Ag 51,97 o/o; Ca-Urochrom C 36,10 o/ , H 4,41 o/ , N 6,82 o/ , S 2,25 o/ , 
Ca 13,99 o/o. Das freie Urochrom hatte die Zusammensetzung: Prä- 
parat A = C 45,32 o/o, H 5,26 o/ , N 9,49 o/ , S 5,59 o/ , 34,34 o/ . Prä- 
parat B = C 43,42 0/0, H 5,33 o/ , N 10,78 o/ , S 5,89 o/ , 34,58 o/ . 

Auffallend sind die starken Schwankungen im Schwefelgehalt der 
verschiedenen Präparate. Silberurochrom anderer Darstellung : C 24,60, 
H 2,85, N 6,63, S 2,47, Ag 42,86. 

3. Ausser durch Kupferacetat wird das Urochrom aus den Lösungen 
durch basisches Bleiacetat und Quecksilberacetat gefällt. 

x ) Hans Liebermann, Zeitschr. f. physiol. Ch. 52. 129. 1907. 



1290 Schulz, Farbstoffe. 



Eine frische Eisenchloridlösung fällt aus den Urochromlösungen einen 
bräunlichen flockigen Niederschlag. Phosphorwolfram säure und 
Phosphormolybdänsäure geben in Urochromlösungen einen 
reichlichen Niederschlag, welcher sich jedoch beim Waschen mit stark 
verdünnter Säure leicht wieder auflöst. Jodjodkaliumlösung sowie Jod- 
quecksilberkaliumjodid geben mit Urochromlösungen keinen Niederschlag. 
Quecksilber fällt aus wässerigen Urochromlösungen fast gar keinen 
Niederschlag aus. In einer Alkohollösung gibt dagegen eine alkoholische 
Quecksilberchloridlösung einen reichlichen flockigen Niederschlag. Aus 
wässerigen und alkoholischen Lösungen fällen Gold- und Platinchlorid 
das Urochrom nicht aus. 

4. Frisch gewonnenes Urochrom löst sich in 90 °/o i g e m Al- 
kohol leichter auf wie getrocknetes. Die alkoholische Lösung hat 
eine schön goldgelbe Farbe. In absolutem Alkohol löst sich das Uro- 
chrom sehr schwer. Die alkoholische Lösung ist haltbar. Äther fällt 
aus der Lösung einen leichten flockigen Niederschlag (s. oben). In 
Äther, Benzol, Essigäther, Chloroform ist das Urochrom nicht löslich. 

5. Beim Verbrennen des Urochroms auf dem Platinblech ent- 
steht in reichlicher Menge ein Kohlenschwamm. 

6. Auf Zusatz von Mineralsäuren ändern die goldgelben Uro- 
chromlösungen bei Zimmertemperatur ihre Farbe nicht. Beim Erwärmen 
nehmen sie eine rotbraune Farbe an. Durch Ammoniak wird die Farbe 
wässeriger Urochromlösungen nicht geändert. Kalilauge und Natronlauge 
ändern ebenfalls die Farbe nicht, es wird jedoch schon bei Zimmer- 
temperatur bleischwärzender Schwefel abgespalten. 

7. Wässerige Urochromlösungen geben mit Natronlauge und 
Nitro prussidnatrium eine purpurrote Farbe, welche rasch ver- 
blasst, ins braunrot übergeht und dann ganz verschwindet. Eine ähn- 
liche Reaktion lässt sich unter Umständen am Cystein beobachten 
(Mörner) 1 ). 

8. Das Urochrom ist ungewöhnlich leicht zersetzlich. 

9. Wenn zu einer schwachen, mit einer verdünnten Ferricyankalium- 
lösung vermischten Eisenchloridlösung (S e 1 m i s Reagens) freies Uro- 
chrom hinzugefügt wird, schlägt die blassgelbe Farbe der Mischung 
sogleich in eine intensiv himmelblaue um, wobei sich ein Niederschlag 
von Berlinerblau bildet. 

10. Jodsäure wird durch Urochrom zu Jodwasserstoff reduziert 
unter Ausscheidung von Jod, das man leicht mit Schwefelkohlenstoff 
ausziehen kann. Keine der Proteinsäuren gibt diese Reaktion. 



x ) K. A. H. Mörner, Zeitschr. f. physiol. Ck. 28. 611. 



ii 



I Urochrom von Dombrowski. 1°01 

11. Goldchlorid wird von Urochrom nicht reduziert beim Er- 
wärmen; ammoniakalische Silberlösnng gibt keinen Silberspiegel. 

12. Weder die alkalischen noch die sauren goldgelben Urochrom- 
lösungen geben einen Absorptionsstreifen, dagegen absorbieren die 
Lösimgen stark die violetten Strahlen und zwar liegt der Beginn der 
Absorption in konzentrierten Lösungen bei X = 470 468 \x\x } bei ver- 
dünnten Lösungen bei X = 444 — 442 jlxjll. Mit Zinkchlorid and Ammoniak 
fluoreszieren die Urochromlösungen nicht. 

13. Zusatz von Aldehyd zu der Lösung des Urochrom in alko- 
holischer Lösung hatte kein Auftreten eines Streiten zur Folge. Ob 
mit Ammoniak und Chlorzink grüne Fluorescenz eintritt, darüber äussert 
sich G a r r o d nicht. 

Dombrowski hat mit Rücksicht auf die Ansicht Garrods, 
dass nur durch Wärme und Lichl abgestandener Aldehyd die Über- 
führung des Urochrom in Urobilin verursache, sich ausdrücklich be- 
müht, sich „aktiven Aldehyd" zu beschaffen. Er überzeugte sich von 
der Wirksamkeit des von ihm benutzten Präparates, indem er feststellte, 
dass Urobilinlösungen, die nach dem Abdampfen auf dem Wasserbad 
ihre optischen Eigenschaften eingebüsst hatten (Hopkins und 
Garrod), ebenso wie Urobilinlösungen, die nach Lliva und Chio- 
dera 1 ) durch Oxydation mit Kaliumpermanganat ihren charakteristi- 
schen Streifen verloren halten, unter dem Einfluss dieses Aldehyd- 
präparates ihren Streifen wieder erhielten. 

Dombrowski ist demnach der Meinung, dass G a r r o d m seinen 
Lösungen ein Gemenge von Urochrom mit anderen Farbstoffen vielleicht 
mit dem erwähnten Chromogen des Urobilin vor sich gehabt habe. 

14. Beim Vermischen des Silberurochrom mit Methyljodid entsteht 
bei Zimmertemperatur eine esterartige Verbindung, die in Äther, Benzol 
unlöslich, in Chloroform schwerlöslich, in Methylalkohol leicht lös- 
lich war. Die methylalkoholische Lösung hinterlässt beim Verdunsten 
im Vakuum eine dunkelgelbe harzige Masse, die sich zu einem Pulver 
zerreiben Hess, frei von Jod, aber S-haltig war. In methylalkoholischer 
Lösung gibt sie mit Kupferacetat eine in Wasser unlösliche Kupfer- 
verbindung. 

15. Bei trockener Destillation mit Zinkstaub, sowie auch bei Re- 
duktion mit Jodwasserstoff und Phosphoniumjodid, sowie auch bei 
direktem Erhitzen des Kalksalzes und des Kupfersalzes entsteht ein 
pyrrolartiger Körper. Die genauere Untersuchung ergab, dass es sich 



x ) F. G. Hopkins und A. E. Garrod, Journ. of Physiol. 22. 264. 1898. — 
A. Riva, Gaz. med. di Tornio 47. Nr. 12. 1896. — Chiodera, Ebenda Nr. 39: 
Zentralbl. d. med. Wissensch. 1898. 291. 

Neubauer-Huppert, Analyse des Harns. 11. Aufl. 82 



1292 Schulz, Farbstoffe. 



nicht um Hämopyrrol, sondern allem Anschein nach um einfaches 
Pyrrol handelte. Dombrowski glaubt daher die Möglichkeit einer 
Umwandlung von Urochrom in Urobilin und umgekehrt ausschliessen 
zu können. 

16, 60,7 o/o des Gesamtschwefels waren mit Lauge als Sulfid ab- 
spaltbar, 10 o/o wurden in oxydierter, als Schwefelsäure abspaltbarer 
Form vorgefunden. Cystin Hess sich als Spaltungsprodukt nicht nach- 
weisen. 

B, Darstellung. Zu 10 Liter Harn werden 86g Calciumacetat, 
53 g Bariumacetat und 43 ccm 21o/ iges Ammoniak hinzugegeben. Nach 
mehrstündigem Stehen enthält dann das Filtrat weder Schwefelsäure 
noch Phosphorsäure und ist auch beinahe frei von Harnsäure. Das 
überschüssige Ammoniak wird mit Essigsäure neutralisiert und das 
Filtrat mit einer Lösung von Kupferacetat versetzt, deren saure Reaktion 
vorher mit Ammoniak abgestumpft ist. Bald zeigt sich ein amorpher 
grünlichgrauer Niederschlag, welcher nach 24 Stunden auf einem 
Büchnerfilter gesammelt und sorgfältig mit Wasser ausgewaschen wird. 
Die Darstellung des freien Urochrom aus der Kupferverbindung kann 
in folgender Weise erfolgen. Die in Wasser suspendierte Kupferverbin- 
dung wird mit Schwefelwasserstoff zerlegt bei 45 — 50°, das Filtrat vom 
Schwefelkupfer wird bei 40 — 45° im Vakuum in C0 2 -Atmosphäre zum 
Sirup eingedampft. Der Sirup wird in 97 o/o igen Alkohol eingegossen, 
wobei ein ziemlich reichlicher flockiger Niederschlag entsteht. Die alko- 
holische Lösung von gesättigt gelber Farbe wird mit 2 — 3 Vol. Äther 
versetzt, wobei ein reichlicher, flockiger, amorpher, dunkelgelber Nieder- 
schlag ausfällt. Dieser Niederschlag wird auf gehärtetem Filter ge- 
sammelt, im Vakuum über Schwefelsäure getrocknet und gepulvert. 
Die Ausbeute des freien Urochrom betrug 0,5 — 0,7 g aus 100 Liter 
Harn. 

Die Darstellung des Silbersalzes aus dem Kupfersalz erfolgt in 
folgender Weise. Der Kupferurochromniederschlag wird bei 50° mit SH 2 
zerlegt, der überschüssige SH 2 im Vakuum in C0 2 -Atmosphäre bei ge- 
lindem Erwärmen verjagt. Die gelblichrote Flüssigkeit wird mit einem 
kleinen Überschuss von Barytlösung versetzt; ein gelber flockiger Nieder- 
schlag, der etwas Urochrom mit niederreisst, wird abfiltriert. Im Filtrat 
wird der Barytüberschuss sofort mit C0 2 entfernt, die Flüssigkeit im 
Vakuum konzentriert und aus dem erhaltenen Sirup das Bariumurochrom- 
salz vermittels starken Alkohols in Form von amorphen Flocken ge- 
fällt. — Zur Bereitung des Silbersalzes wird das Bariumurochrom in 
Wasser gelöst, mit Natriumsulfatlösung versetzt und zwar so, dass eher 
ein kleiner Überschuss von Bariumsalz verbleibt als ein Überschuss 
von Natriumsulfat. Nach Konzentrieren der Lösung im Vakuum wird das 



Bestimmung des Urochroms. 1293 



Chlor (das dem Baryturochrom von der Darstellung her anhaftet [0,72 g 
auf NaCi berechnet in 10 g Bariumurochrom] ) mit Silbernitrat gefällt, 
das Filtrat vom Silberchlorid mit Alkohol und einem Überschuss einer 
konzentrierten Silbernitratlösung versetzt. Das ausfallende Silbersalz 
wird zunächst mit schwachem Alkohol, und wenn das Filtrai die Ete- 
aktion auf Nitrat nicht mehr gibt, mil starkem Alkohol und Äther ge- 
wuschen und dann getrocknet. 

C. B es ti m in ii n g (I c s I' r o c h r o m. 

1 . Nach Browinski und Dombrowski in der Verein- 
fachung v o n M a rischler. 

A. Prinzip. Die Methode beruht auf dem Vermögen des Uro 
chroms, Jodsäure unter Abscheidung von Jod zu reduzieren. 

B.Ausführung. 200 cem Harn werden mit 60 g Chlorammonium 
zur Entfernung der Harnsäure versetzt. Es wird abfiltriert und 
dann 5 cem einer 5°/oigen Lösung von Jodsäure hinzugegeben. Das ab- 
geschiedene Jod wiid in einem Scheidetrichter mit Schwefelk »hlenstoff 
ausgezogen und in dieser Lösung mit n/100 Natriumsulfatlösung titriert. 
Aus der gefundenen Jodmenge wird durch Multiplikation mit dem Faktor 
0,8452 der N-gehalt d(^ Urochroms festgestellt. Da das Urochrom 
ll,15o/o N enthält, so kann man aus dem N-gehalt dann den Urochrom 
gehalt berechnen. 

Von reinem Urochrom, nach Dombrowski dargestellt, machen 0,2049 g 
0,02703 g Jod aus Jodsäure frei ; daraus ergibt sich der obige Faktor 0,8452. — Die 
Entfernung der Harnsäure ist notwendig, da Harnsäure ebenfalls Jodsäure unter 
Ausscheidung von Jod reduziert. 

Browinski und Dombrowski isolierten zuerst den Farb- 
stoff und machten dann mit der Lösung des Farbstoffes die Bestimmung. 
800 — 1000 cem Harn wurden zunächst mit einer ammoniakalischen Lösung 
von Calcium- "und Bariumacetat behufs Entfernung von Harnsäure, Phos- 
phorsäure und Schwefelsäure behandelt (s. bei Darstellung). Dann wurde 
der Farbstoff mit Kupferacetat gefällt. Der Kupferniederschlag wird mit 
Schwefelwasserstoff (bei 50°) zerlegt. Der überschüssige Schwefelwasser- 
stoff im Vakuum mit Kohlensäure verdrängt. Die Farbstofflösung (150 
bis 200 cem, eventuell im Vakuum auf dieses Volum eingeengt) wird dann 
wie oben beschrieben mit Jodsäure versetzt usw. 

2. Bestimmung nach Dombrowski. 

A. Prinzip. Durch Kupferacetat werden neben dem Urochrom 
auch Purinkörper gefällt. Bestimmt man den Stickstoff gehalt des Kupfer- 

82* 



1294 Schulz, Farbstoffe. 



niederschlages und ausserdem den N-anteil der Purinstoff e, so ergibt 
die Differenz den Urochromstickstoff. 

B. Ausführun g. Der in grösserem Zeitraum (48 — 72 Stunden) 
abgesonderte Harn wird mit Barythydrat und Bariumacetat ausgefällt. 
Es wird filtriert und mit Kupferaeetat gefällt. Der N-gehalt des Kupfer- 
niederschlages wird nach K j e 1 d a h 1 bestimmt. In einer anderen Portion 
wird der Kupferniederschlag in Ammoniak gelöst und dann ungeachtet 
eines noch ungelöst zurückbleibenden Rückstandes mit ammoniakaliseher 
Lösung von Silbernitrat versetzt. Der entstehende Niederschlag der 
Silberverbindungen der Purinkörper wird nach Kjeldahl analysiert. 
Die Differenz der beiden Bestimmungen ergibt den Urochromstickstoff. 
Urochrom hat 11,15 o/o N. 

Frisch gefälltes, reines Urochromkupfersalz ist in Ammoniak leicht löslich; 
aus dieser Lösung wird Urochrom im Gegensatz y zu den Purinkörpern durch 
ammoniakalische Silberlösung nicht gefällt. 

Vergleichende Versuche haben ergeben, dass bei Behandlung mit Krüger- 
Wulff schein Reagens (Lösung von schwefelsaurem Kupfer und Natriumsulfit) 
das Urochrom weniger vollständig ausgefällt wird, wie einfach durch 
Kupferaeetat. Es ist das auffallend, da das Urochromkupfer eine Oxydulver- 
bindung ist. Es muss also das Kupferoxyd zunächst zu Oxydul reduziert werden. 
Es war zu erwarten, dass durch diese Reduktion, die sich voraussichtlich auf 
Kosten des Urochroms vollzieht, ein Verlust an Urochrom eintrete. 

Die nach der Kupfermethode erhaltenen Werte stimmen in der 

Grössenordnung mit denen nach dem Jodverfahren erhaltenen überein. 



II. Das Urochrom von Hohlweg 1 ). 

A. Eigenschaften. 1. Das Urochrom stellt ein feines 
braunes Pulver dar, welches in Wasser und Eisessig leicht löslich ist. 
Es ist noch ziemlich löslich in Methylalkohol und verdünntem Äthyl- 
alkohol, unlöslich in absolutem Alkohol, Amylalkohol, Aceton, Benzol, 
Chloroform, Ligroin, Äther und Essigäther. Es stimmt also in seinen 
Löslichkeitsverhältnissen mit dem Urochrom von G a r r o d und von 
Dombrowski üb er ein. 

2. Die wässerige Lösung hat deutliche Harn färbe; sie zeigt 
keinen Absorptionsstreifen im Spektrum. Mit ammoniakali- 
scher Chlorzinklösung tritt nicht die Reaktion des Urobilin auf 
(s. dort). 

3. Der Farbstoff wird durch Silbernitrat als rotbrauner, durch 
Quecksilberacetat als gelber Niederschlag, beidemal unter voll- 
ständiger Entfärbung gefällt. Die Fällungen mit Phosphor wolf- 
ramsäure, Phosphormolybdänsäure, Kupferaeetat, 



l ) H. Hohlweg, Biochem. Zeitschr. 13. 199. 1908. 



Urochrom von Hohlweg. 1295 



Bleiessig sind weniger vollständig. Also auch hier im wesentlichen 
Übereinstimmung mit «Jen beiden anderen als Urochrom beschriebenen 
Stoffen. 

4. Nach kurzer Behandlung der Farbstofflösung mil einem Acet- 
aldehyd in der Wärme und naehherigcm Zusatz von ammoniakalischer 
Chlorzinklösung trat nicht sofort, wohl aber bei 24 stündigem Stehen an 
der Luft eine ausserordentlich deutliche, grüne Fluor es cenz ein. 
Im Spektrum war eine diffuse Absorption am stärker gebrochenen 
Ende des Spektrums vorhanden, aber nicht der charakteristische Streifen 
des Urobilin, den Garrod mit seinem Urochrom unter gleichen He 
dingungen beschreibt (s. dort und bei Urochrom Dombrowski). 

5. Die Substanz zeigt sehr deutlich die Molischs che Reak- 
tion mit a-Naphthol, und -'ine ausserordentlich starke Fichten- 
spanreaktion. 

6. Die Analyse ^(^ Rohproduktes ergab C 47,58 o/ 0; il 6,30 o/o, 
N 9,89 oo, also C:H:N = 5,62:8,86: 1. 

7. Ein Versuch, durch Einwirkung von J o d w a s s e r s to f f u n d 
Phos p honiu m j o d i d Hämopyrrol zu gewinnen, verlief negativ. 

8. Das Urochrom war im Gegensatz zu dem von Dombrowski 
dargestellten s c h w e f e 1 f r e i. Trotzdem glaubt Hohlweg annehmen 
zu können, dass sein „Rohurochrom der Hauptmenge nach aus dem 
selben Pyrrolderivat besteht, wie das von Dombrowski mit Hilfe dei 
Kupfermethode dargestellte". 

B. Darstellung des Urochrom nach Hohlweg- 
Sa 1 o m o n s e n. 

P r i n z i p. Das Urochrom wird zunächst durch Tierkohle dem Harn 
entzogen. Der Farbstoff wird dann der Tierkohle durch Eisessig entzogen 
und aus der Eisessiglösung entweder durch Ausfällen mit Äther oder 
durch Verdunsten des Eisessig die Substanz gewonnen. 

Die Abtrennung des Harnfarbstoffes durch Tierkohle hatten früher 
Kramm und auch Klemperer 1 ) benutzt. 

Ausführung nach II o h 1 w e g - S al o m o n s e n 2 ). Normaler 
Harn wird durch Kalkmilch alkalisch gemacht, mit Chlorcalciumlösung 
vollständig ausgefällt, das Filtrat mit Salzsäure neutralisiert und nun bei 



1 ) W. Kramm, Deutsche med. Wochenschr. 1896. 25 u. 42. — G. Klem- 
perer, Berliner klin. Wochenschr. 1903. 313; Münchner med. Wochenschr. 1903. 
269. 

2 ) H. Hohlweg 1. c. — K. E. Salomonsen, Biochem. Zeitschr. 13. 
205. 1908. 



1296 Schulz, Farbstoffe. 



niederer Temperatur im Vakuum zum Sirup eingeengt. Nach Erkalten 
und Stehen wurde der flüssige Anteil von dem in grossen Mengen aus- 
krystallisierten Kochsalz getrennt; doch setzen sich bei weiterem monate- 
langem Stehen immer wieder Krystalle ab. Der dickflüssige klare, 
schwarzbraune Sirup wird nun mit Tierkohle behandelt. 

Hohlweg schüttelt mit reiner, nicht allzu feiner Tierkohle in 
der Schüttelmaschine mehrere Stunden. Die Tierkohle wird alsdann 
auf dem Filter gesammelt; die filtrierende Flüssigkeit war zunächst 
noch mehr oder weniger intensiv gefärbt, wurde aber nach einer er- 
neuten gleichen Behandlung mit frischer Tierkohle fast vollkommen 
farblos erhalten. 

Salomonsen umgeht das Schütteln, indem er den eingeengten 
Harn durch ca. 5 cm breite und 50 cm lange, mit Tierkohle gefüllte 
Glasröhren langsam filtriert. Es war eine Einrichtung getroffen, welche 
bewirkte, dass der Harn nur ganz langsam, tropfenweise abfloss. Man 
kann das erreichen, indem man das Filtrierrohr mit einem eng ausge- 
zogenen Glasrohr endigen lässt, oder indem man ein Gummistück mit 
einer- Glasspitze ansetzt, ähnlich wie bei einer Bürette, und nun (die 
Weite des Gummistückes durch eine Klemmschraube entsprechend 
einstellt. 

Die auf dem Filter bzw. in dem Filterrohr befindliche Tierkohle 
wird mit heissem Wasser bis zur Chlorfreiheit gewaschen. Dabei laufen 
nur die ersten Portionen noch gefärbt ab, während nachher das Wasser 
keine Spur von Farbstoff mehr aufnimmt. Die Tierkohle wird dann auf 
Tontellern bei 40° getrocknet. Die getrocknete Tierkohle wird nunmehr 
mit konzentriertem Eisessig, und zwar etwa 1 / 3 — 1 / 2 des ursprünglich 
verwandten Harnsirups, ausgezogen. Hohlweg tut das wieder in der 
Schüttelmaschine, Salomonsen indem er die Tierkohle in das Filter- 
rohr zurückbringt und nun langsam den Eisessig hindurchfliessen lässt. 

Aus der Eisessiglösung, die intensiv dunkelbraun mit einem Stich 
ins Bötliche ist, wird der Eisessig im Vakuum bei 25° abdestilliert, 
der erhaltene Bückstand wird zur Entfernung des anhaftenden Eisessigs 
mehrmals mit Äther behandelt. Es hinterbleibt dann das Urochrom als 
brauner, pulverisierbarer Körper. 

Eine andere Art der Gewinnung des Urochroms besteht nach Hohl- 
weg darin, dass der Eisessigauszug mit dem 10 fachen Volumen Äther 
gefällt wird. Es scheiden sich dann dunkelbraune Massen ab, die nach 
zweimal 24 stündigem Trockenen bei 40° in der Beibeschale sich zu 
einem feinen braunen Pulver verarbeiten lassen. 

Salomonsen engt den Eisessigauszug bei 35 — 40° im Vakuum 
ein und versetzt dann den dickflüssigen Bückstand mit dem 10 fachen 
Volum Äther. 



Urochrom von Garrod. 1297 



Aus 500 ccm eingedampftem Harn, entsprechend 25 Liter gewöhn- 
lichem Harn, konnte Hohlweg 3,1 g Substanz erhalten. 

Darstellung nach Kramm 1 ). Der Farbstoff wird, wie oben beschrieben, 
an Tierkohle gebunden und die Tierkohle ausgewaschen und getrocknet. Dann 
wird die Tierkohle mit einer wasserfreien gesättigten Phenolalkohollösung aus- 
gezogen, in welche zwar gelblich gefärbte Stoffe aus der Kohle, aber kein eigentlicher 
Harnfarbstoff hineingeht. Wenn diese Lösung nichts mehr aufnimmt, dann wird 
mit wasserfreier, gesättigter Phenolchloroformlösung ausgezogen. Aus dieser 
Lösung ist der Farbstoff durch Verdunsten des Chloroforms im Vakuum und 
Fällung mit Äther oder mit absolutem Alkohol zu gewinnen. 

Darstellung nach Klemperer 2 ). Harn wird mit Tierkohle bis zur 
Entfärbung geschüttelt, die Tierkohle wird mit Wasser gut ausgewaschen (wobei 
Indican weggeht), die getrocknete Tierkohle wird dann mit Alkohol extrahiert. 
Diese Extrakte benutzt Klemperer dann zur kolorimetrischen Abschätzung des 
Harnfarbstoffes. Einen praktischen Wert kann man diesen Schätzungen kaum 
zusprechen. Zum Vergleich diente Echtgelb (v. Seitz). 



III. Das Urochrom nach Garrod 3 ). 

A. Herkunft. Für die tdentitäl des von Garrod dargestellten 

Farbstoffes mit dem im Harn vorkommenden sprechen folgende Um- 
stände. Lösungen des l'rochroms besitzen je nach ihrer Konzentration 
die Farbe des normalen Harns in allen ihren Tönen von gelb durch 
orange bis braun. Der Farbstoff selbst weist, wie der Harn selbst, vor 
dem Spektroskop keine Absorptionsstreifen auf. Entsprechend seiner 
Unlöslichkeit in Äther wird durch Äther dein Harn kein Farbstoff ent- 
zogen. Die Harnsäure scheidet sich aus Lösungen des Harnfarbstoffes 
nach Farbe und Form so aus, wie ans dem Harn. 

Für seine verwandtschaftlichen Beziehungen zu anderen Farbstoffen 
ist die von Riva mitgeteilte Tatsache wichtig, dass Urobilin bei vor- 
sichtiger Oxydation mit Permanganat einen dem Urochrom ähnlichen 
Farbstoff liefert. 

B. Eigenschaften. 1. Nach den Ermittelungen von Garrod 
ist das Urochrom stickstoffhaltig, (aber eisenfrei und ist, da es eine 
deutliche Xanthoproteinreaktion gibt, den aromatischen Verbindungen 
zuzuzählen. Es verhält sich wie eine Säure, seine Lösungen reagieren 
aber auf Lackmus amphoter. Auf dem Platinblech verbrennt der Farb- 
stoff unter Abscheidung von viel Kohle. 

2. In trocknem Zustand ist das Urochrom amorph und braun, 
ausserordentlich hygroskopisch, nach dem Verweilen über Schwefelsäure 
aber hart. In der Kälte ist es so gut wie geruchlos, auf dem Wasser- 
bade aber erweicht es und riecht dann schwach urinös. 



*) W. Kramm, 1. c. 

2 ) G. Klemperer, 1. c. 

3 ) A. E. Garrod, Proceed. of the Roy. Soc. 55. 394. 1894. 



1298 Schulz, Farbstoffe. 



3. Es löst sich in Wasser sehr leicht, leicht auch in rektifiziertem 
Weingeist, viel weniger leicht aber in absolutem Alkohol; beim Ab- 
dampfen seiner alkoholischen Lösung büsst es etwas von seiner Löslich- 
keit in Alkohol ein. Essigäther, Amylalkohol sowie Aceton lösen es nur 
spärlich. In Äther, Chloroform, sowie Benzol ist es ganz unlöslich, 
Mischungen von Äther oder Chloroform mit Alkohol lösen es aber 
einigermassen. 

4. Seine Lösungen zeigen, auch nach Zusatz einer Säure, nur eine 
diffuse Absorption des Spektrums von der violetten Seite her; Zusatz 
von Chlorzink und Ammoniak ruft keine Fluorescenz hervor. 

5. Gegen Metallsalze verhält sich der Farbstoff ganz so wie 
das Urochrom von Thudichum. Die Lösung wird fast vollständig 
entfärbt durch die Bleiacetate, Silbernitrat und essigsaures Quecksilber- 
oxyd; dem gelben Quecksilberniederschlag kann der Farbstoff zwar 
durch salzsäurehaltigen Alkohol entzogen werden, aber mit brauner 
Farbe, also nicht mehr unverändert. Essigsaures Quecksilberoxydul 
gibt keinen Niederschlag. Phosphorwolfram- und Phosphormolybdän- 
säure fällen den Farbstoff gleichfalls. 

6. Das Urochrom erleidet sehr leicht Zersetzungen. 

Die alkoholische Lösung des Farbstoffes] hält sich lange Zeit unverändert, 
die wässerige Lösung dagegen wird braun, auch in verschlossener Flasche, schneller 
in der Wärme oder beim Abdampfen. Durch einen Zusatz von etwas Ammoniak 
kann diese Zersetzung hintangehalten werden. Alkalien ändern die Farbe der 
verdünnten Lösung nicht, konzentrierte wird aber etwas brauner. Geringe 
Mengen einer Mineralsäure ändern die Farbe der Lösung nicht sofort, grössere 
aber färben rötlich braun. Zink und Salzsäure entfärben die Lösung, wie den 
Harn selbst; Zusatz von Wasserstoffsuperoxyd ruft die Fäbrung nicht wieder 
hervor. Beim Erwärmen mit Salzsäure oder Schwefelsäure auf dem Wasserbade 
wird die Lösung des Farbstoffes, auch wenn sie frei ist von Indoxylschwefelsäure, 
braun und hinterlässt beim Verdunsten einen fast schwarzen Rückstand, Wasser 
löst einen Teil desselben. Diese Lösung ist orangefarben ähnlich einer Lösung 
des unveränderten Farbstoffes, nur etwas dunkler, und der in Lösung befindliche 
Körper löst sich nach dem Verdunsten kaum in Alkohol, erteilt aber Chloroform 
eine gelbe Farbe. Dem ursprünglichen, mit Wasser behandelten schwarzen 
Rückstand entzieht Alkohol mehr Farbstoff mit Sepiafarbe; die Lösung weist 
aber keine Absorptionsstreifen auf. Die heisse alkoholische Lösung setzt beim 
Erkalten einen dunklen pulverigen, amorphen Niederschlag ab. Der übrige, in 
Wasser und in Alkohol unlösliche Rest des Rückstandes löst sich nicht in ver- 
dünnten Säuren, kaum in Amylalkohol, aber leicht in starkem Ammoniak, verhält 
sich also wie das Uromelanin von Thudichum. Auch diese Lösung bot keine 
Absorptionsstreifen dar. 

7. Bei der Behandlung von reinem Urochrom mit reinem Aldehyd 

erhielt Garrod 1 ) einen dem Urobilin ähnlichen Farbstoff. 

Das verwendete Urochrom war so rein als möglich, zeigte kein Absorptions- 
band und war völlig frei von dem Chromogen des Urobilins. Die Bildung des 
Urobilins erfolgte mit der neutralen alkoholischen, aber nicht der wässerigen Lösung 



x ) A. E. Garrod,. Journ. of Physiol. 21. 190. 1897. 



. 



Urochrom von Garrod. 1299 



des Urochroms oder dem Harne selbst, schon in Zimmertemperatur, schneller 
in der Wärme. Das entstandene Urobilin zeigte ein dem des Urobilins vollständig 
gleiches Absorptionsband, und auf Zusatz von Calorzink und Ammoniak trat eine 
schön grüne Fluoreszenz und der Streifen des Urobilinzinks auf. Von dem natür- 
lichen Urobilin aus Harn unterschied sich der Farbstoff aber in ähnlicher Weise 
wie das künstliche aus Bilirubin und Hämatin dargestellte Auch das von Riva 
aus natürlichem Urobilin gewonnene Urochrom gab bei der Behandlung mit 
Aldehyd ein Urobilin, welches mit dem natürlichen ähnliche Unterschiede dar- 
bot wie jene. Das nach Kram in dargestellte Urochrom verhielt sich wie das 
von Garrod. 

8. Fällt Harnsäure aus einer mit Urochrom versetzten Lösung aus, 
so besitzen die Krystalle die gelbe bis braune Farbe und die Wetzstein- 
form, wie die aus Harn spontan auskrystallisierte Harnsäure; wird die 
Harnsäure aus der Lösung durch Zusatz einer Säure abgeschieden, so 
ist sie so braun gefürhl wie die aus Harn durch Säuren gefällte 
Harnsäure. 

C. Darstellung, a) Nach Garrod. Das Verfahren beruht 
darauf, dass dem mit Ammonsulfat gesättigten Harn das Urochrom 
durch absoluten Alkohol entzogen wird; es ist mit grossen Verlusten 
verbunden. 

Es werden 0,5 — 1 Liter konzentrierter normaler Harn in gelinder Wärme 
mit Ammonsulfat gesättigt. Das Filtrat ist rein goldgelb, aber etwas blasser als 
der verwendete Harn. Der Niederschlag enthält das Urobilin, das Hämatopor- 
phyrin, das Uroerythrin und etwas Urochrom. Auch von einem urobilinreichen 
pathologischen Harn erhält man ein Filtrat von ebenso rein gelber Farbe wie aus 
normalem, ohne den Urobilinst reifen; dagegen enthält das Filtrat Spuren Hämato- 
porphyrin und ausserdem Indoxylschwefelsäure. 

Das Filtrat wird mit absolutem Alkohol versetzt. Es fällt Ammonsulfat 
aus und wenn man nicht viel Alkohol genommen hat, so sammelt sich auf der 
Salzlösung eine klare gelbe Schicht Alkohol an, welche die Hauptmenge des gelben 
Farbstoffes enthält. Garrod macht über die Menge des Alkohols, die man zu 
verwenden hat , keine näheren Angaben ; Huppert hielt 2 — 3 Volumen absoluten 
Alkohol auf 10 Volumen salzgesättigten Harn für das günstigste Verhältnis. Die 
geringen Mengen Farbstoff, welche in der Salzlösung zurückbleiben, lassen sich 
ihr zwar durch nochmalige Behandlung mit Alkohol entziehen, die Ausbeute ist 
aber so gering, dass sie den Verbrauch von Alkohol nicht lohnt. Verwendet man 
statt absoluten Alkohol rektifizierten Weingeist, so braucht man eine beträchtlich 
grössere Menge. 

Den alkoholischen Auszug giesst man in viel Wasser und sättigt abermals 
in gelinder Wärme mit Ammonsulfat, worauf sich die alkoholische Farbstoff- 
lösung wieder abscheidet. Man verliert dabei etwas Urochrom, entfernt aber 
dafür Harnstoff und andere Beimengungen in vorteilhafter Weise. Die orange- 
goldgelbe alkoholische Lösung mischt sich nicht mit Chloroform, weil sie noch 
Wasser und Ammonsulfat enthält. Um diese zu beseitigen, giesst man die Lösung 
auf festes Ammonsulfat und erwärmt schwach; es bilden sich zwei Schichten, von 
denen die untere das meiste des vorher in Lösung gewesenen Ammonsulfates auf- 
genommen hat. Die aufschwimmende Lösung wird dann auf dem Wasserbade 
zur Trockne verdunstet, wobei man sie aber durch zeitweiligen Zusatz von Ammoniak 
alkalisch zu halten hat, um die Zersetzung der noch beigemengten Indoxylschwefel- 
säure zu verhindern. Der braune, in der Wärme halbflüssige, in der Kälte er- 
starrende, stark urinös riechende Rückstand enthält noch etwas Ammonsulfat 
und Indoxylschwefelsäure. Er wird ein- oder zweimal mit Es igäther gewaschen, 
welcher die Indoxylschwefelsäure, aber nur wenig gelben Farbstoff wegnimmt. 



1300 Schulz, Farbstoffe. 



Man lässt dann den Rückstand einige Stunden in verschlossener Flasche unter 
absolutem Alkohol stehen und erhält so eine schön gelbe Lösung; ein weiterer 
Anteil des Farbstoffes kann dem Rückstand .durch eine zweite Extraktion mit 
absolutem Alkohol entzogen werden. Durch das Verweilen unter Alkohol scheint 
das Urochrom teilweise an Löslichkeit in Alkohol eingebüsst zu haben; löst man 
jedoch diesen Rest de? Rückstandes in Wasser und wiederholt die Darstellung 
des Farbstoffes wie mit dem Harn, so erhält man jetzt eine von Indoxylschwefel- 
säure freie Lösung. 

Der zuerst erhaltene alkoholische Auszug scheidet auf Zusatz von Salzsäure 
und einer Spur Chlorkalk noch Indigo ab. Er wird so weit konzentriert, bis seine 
Farbe reich orange geworden, dann in etwas mehr als sein Volumen Äther gegossen 
und der dabei amorph ausfallende Farbstoff auf einem mit Äther befeuchteten 
Filter gesammelt. Ein Teil des Farbstoffes bleibt im Filtrat gelöst. Enthält 
die eingedampfte Lösung Wasser, so fällt der Farbstoff auf Zusatz von Wasser 
nicht in fester Form aus, sondern es scheiden sich einige Tropfen sehr konzentrierter 
Farbstofflösung ab, die mit durch das Filter gehen. Zur weiteren Reinigung wird 
das trocken gewordene Filter mit dem an ihm haftenden Farbstoff zunächst einige 
Zeit in Chloroform eingeweicht, das dabei farblos bleibt, dann in absolutem Alkohol, 
welcher Farbstoff aufnimmt, aber nicht so leicht als vorhin. Lässt man das Filter 
dann einige Stunden in Wasser liegen, so erhält man eine orangefarbene oder gelbe 
Lösung, die keine Indigoreaktion mehr geben darf. Die Lösung zeigt keinen 
Spektralstreifen, ist also frei von solchen Farbstoffen. Aber es ist möglich, dass 
sie noch etwas Harnstoff enthält, wie man daran erkennt, das sie auf Zusatz von 
Bromlauge eine geringe Menge Stickstoff entwickelt, um so weniger aber, je gründ- 
licher das Filter mit dem gefällten Farbstoff mit Äther gewaschen wurde. Beim 
Verbrennen hinterliess der Farbstoff noch eine Spur in Wasser leicht lösliche weisse 
Asche, welche keine Kohlensäure enthielt und anscheinend nur aus Natriumphos- 
phat bestand. 

b) Nach Kramm *). a) Schüttelt man 4 — 5 Volumen Harn mit 1 Volumen 
90%iger Phenollösung (Acid. carbol. liquefactum), so erscheint, wenn nach 12 bis 
24 Stunden Scheidung eingetreten ist, der (aufschwimmende) Harn nur in dicker 
Schicht schwach hellgelb, das Phenol braun. Der Rest im Harn noch enthaltener 
Farbstoffe kann zugleich mit dem gelöst gebliebenen Phenol durch Sättigen des 
Harns mit Kochsalz oder Natriumsulfat, am vollkommensten mit Ammonsulfat 
entzogen werden; das ausgesalzene Phenol ist dunkelbraun. Versetzt man das 
Phenol mit dem gleichen Volumen Äther (oder Essigäther, Chloroform, Benzol, 
Amylalkohol) und schüttelt mit Wasser, so wird die (obere) ätherische Phenol- 
lösung mattrosa bis rubinrot (von Urobilin und Hämatoporphyrin), die wässerige 
(untere) Schicht gelb; diese zeigt die diffuse, von grün bis violett reichende Ab- 
sorption einer Urochromlösung und enthält neben dem Urochrom noch viel andere 
organische und anorganische Substanzen, von denen sie nicht befreit werden konnte. 

ß) Man schüttelt Harn mit guter Tierkohle, wäscht sie chlorfrei, trocknet 
sie im Vakuum und erschöpft sie mit einer gesättigten alkoholischen Phenol- 
lösung, welche das Urobilin aufnimmt. Die Kohle wird darauf mit einer gesättigten 
Lösung von Phenol in Chloroform behandelt, das Chloroform im Vakuum ver- 
dunstet und aus dem rückständigen Phenol das Urochrom durch Alkohol oder 
Äther gefällt. 

c) Verfahren von Bocchi 2 ). 

Der Harn wird mit Ammoniumsulfat gesättigt, nach 12 stündigem 
Stehen abfiltriert und aus dem Filtrat der Farbstoff mit absolutem 
Alkohol ausgezogen. Die alkoholische Lösung wird in viel Wasser ge- 

x ) W. Kramm, Deutsche med. Wochenschr. 2 u. 3. 1896. 25 u. 42. 
2 ) O. Bocchi, Beitr. z. ehem. Physiol. u. Pathol. 11. 79. 1907. 



Urochrom von Thudichum. 1301 

gössen, mit Ammoniumsulfat gesättigt, die abgeschiedene Pigmentlösung 
mit dem Scheidetrichter abgetrennt und nach Zusatz von etwas festem 
Ammoniumsulfat im Vakuum bei höchstens 25° verdunstet. Dieselbe 
Operation wiederholt man mit der im Scheidetrichter nach einiger Zeit 
sich wieder abscheidenden Pigmentlösung. Der Rückstand wird mit 
absolutem Alkohol aufgenommen, eingeengt, dann in Wasser gelöst 
und nach Zugabe einiger Tropfen sehr verdünnter Essigsäure mit 
basischem Bleiacetat gefällt. Der Niederschlag wird auf dem Filter mit 
viel Wasser durch Dekantieren wiederholt gewaschen, dann mit einer 
20°,oigen Xa.JiP0 4 -Lösung durch tüchtiges Umschütteln während einiger 
Minuten zerlegt Die Mischung wird in absoluten Alkohol gegossen, 
filtriert und das Filtrat mit viel Wasser verdünnt, mit Ammoniums ulfal 
gesättigt und wie vordem behandelt. Endlich nimmt mau den Rück- 
stand mit Alkohol auf und fällt mü dem doppelten Volum UImt. 
Man erhält so rotbräunliche Flocken, die sieh allmählich absetzen. 
Die so erhaltene Substanz, mit Alkohol mit gewaschen, stellt eine» 
amorphe Masse dar, die alle Eigenschaften <\c* sog. Urochrom hat. 
Sie unterscheidet sich von dem sonst nach (i a rrod erhaltenen Produkt 
dadurch, dass sie indican- und harnstofffrei ist und von hasischem 
Bleiacetat vollkommen ^'hillt wird. 

Dieses Urochrom sowie die in einigermassen reinem Zustande er- 
haltenen Kupfer- bzw. Silbersalze wurden analysiert. Die Analysen- 
resultate hat Bocchi aber noch nicht mitgeteilt. 

D. Nachweis. Eigentümlich für das Urochrom ist seine Unfäll- 
barkeit beim Sättigen seiner Lösung mit Ammonsulfat, seine Farbe und 
sein Spektrum, d. h. vor allem das Fehlen charakteristischer Streifen, 
und die leichte Zersetzung desselben durch Säuren in braune |oder 
schwarze Substanzen. Die Unlöslichkeit in Äther hat es unter jden 
Harnfarbstoffen mit dem Urorosein gemein, die Fällbarkeit durch Phos- 
phorwolframsäure (oder Phosphormolybdänsäure), Bleiacetat mit anderen 
Harnfarbstoffen. 

IV. Das Urochrom nach Thudichum. 

Thudichum 1 ) erhielt sein Urochrom nach verschiedenen Methoden, von 
welchen hier nur eine wiedergegeben wird, in betreff der übrigen aber auf das 
Original verwiesen werden muss. 

Zur Darstellung des Urochroms hat Thudichum den Harn zunächst 
mit Bariumhydrat und essigsaurem Baryt ausgefällt, wodurch wenigstens das 
Hämatoporphyrin entfernt wird. Nach 24 Stunden wird der Niederschlag ab- 
filtriert und das Filtrat mit Bleizucker und Ammoniak ausgefällt; dabei werden 
Urobilin und Indoxylschwefelsäure mit niedergeschlagen. Den ausgewaschenen 

x ) Thudichum, Brit. med. Journ. 2. 509. November 5. 1864; Schmidt's 
Jahrbücher 125. 154; Journ. f. prakt. Ch. 104. 257. 



1302 Schulz, Farbstoffe. 



Bleiniederschlag zerreibt man in einer Porzellanschale mit verdünnter Schwefel- 
säure, sättigt im Filtrat die überschüssige Säure mit kohlensaurem Baryt ohne 
Anwendung von Wärme, macht das Filtrat. mit Barytwasser alkalisch und be- 
handelt mit Kohlensäure. Bei der Behandlung des Bleiniederschlages mit Schwefel- 
säure kann bereits eine Zersetzung des Urochroms eintreten. Garrod, x ) zog einen 
solchen Bleiniederschlag mit verdünnter kalter Schwefelsäure aus und neutralisierte 
sofort mit Ammoniak; der so gewonnene Farbstoff war einigermassen löslich in 
Äther und in Chloroform, während sich der unzersetzte Farbstoff in diesen Flüssig- 
keiten nicht löst. 

Nach Thudichum wird dann weiter das Filtrat der mit Baryt von der 
Schwefelsäure befreiten Flüssigkeit jetzt mit einer Lösung von essigsaurem Queck- 
silberoxyd ausgefällt und der entstandene Niederschlag mit kaltem und heissem 
Wasser ausgewaschen. Die so erhaltene Quecksilberverbindung muss eine gelbe 
Farbe haben; ist sie grau oder dunkel gefärbt, so muss nach dem Zersetzen mit 
Schwefelwasserstoff die Behandlung mit Bleizucker etc. wiederholt werden. Aus 
dem möglichst reinen Urochrom- Quecksilberoxyd wird durch Schwefelwasserstoff 
der Farbstoff als gelbe Lösung gewonnen. Immer enthält diese Lösung noch 
etwas Salz- oder Essigsäure. Die Salzsäure kann man durch Schütteln mit frisch 
gefälltem Silberoxyd entfernen, wobei aber ein Teil des Urochroms sich mit dem 
Silber zu einem voluminösen Niederschlag verbindet, während die Flüssigkeit 
viel essigsaures Silberoxyd in Lösung enthält. Die gelbe alkalische Lösung wird 
endlich durch Schwefelwasserstoff vom Silber befreit, worauf das Filtrat nach 
dem Verdunsten auf dem Wasserbade das Urochrom als amorphe, feste, gelbe 
Substanz zurücklässt. 

Das so erhaltene Urochrom bildet gelbe Krusten, die sich zum Teil in Wasser 
mit rein gelber Farbe lösen. Seine wässerige schwefelsaure, sowie die alkoholische 
Lösung zeigen nach Thudichum 2 ) einen schwachen, schmalen Absorptions- 
streifen zwischen F und G, der mit seinem linken Rande an F grenzt, dagegen 
keinen Streifen in der neutralen oder alkalischen Lösung, während das Urochrom 
von Garrod keinen Absorptionsstreifen aufweist. In Alkohol ist es schwer lös- 
lich, leichter in Äther, sehr verdünnten Mineralsäuren und Alkalien. Durch 
die Löslichkeit in Äther unterscheidet sich dieses Urochrom scharf von dem von 
Garrod dargestellten. Aus seinen alkalischen Lösungen wird es durch Säure nicht 
gefällt. Die wässerige Lösung wird mit der Zeit dunkler, schliesslich rot, trübt 
sich und setzt harzige Flocken ab. Erwärmen begünstigt die Zersetzung, nament- 
lich bei Gegenwart von Säuren. Zucker wird dabei nicht gebildet. Aus der 
wässerigen Lösung wird das Urochrom durch Silbernitrat als gelatinöse, in Sal- 
petersäure lösliche Masse gefällt; Bleizucker gibt einen weissen, flockigen Nieder- 
schlag. Bleiessig und essigsaures Quecksilberoxyd fällen gelblich. Salpeter- 
saures Quecksilberoxyd gibt einen weissen Niederschlag, der beim Kochen fleisch- 
farben wird, während die überstehende Flüssigkeit sich rosenrot färbt. 

Durch Oxydation an der Luft wird das Urochrom zunächst rot. Unter dem 
Einfluss von Säuren liefert die gelbe lösliche, sowie die rote Substanz drei unlös- 
liche Körper, die sich bei hinlänglich langem Kochen einer sauren Urochromlösung 
nach Zusatz von Wasser in braunen, sich zusammenballenden Klumpen absetzen. 
Beim Behandeln dieses Bodensatzes mit Alkohol bleibt ein braunes, in Ätzkali 
lösliches und daraus durch Essigsäure fällbares Pulver, das Uromelanin zurück. 
Die prächtig rubinrot gefärbte, alkoholische Lösung liefert durch Fällen mit Wasser 
ein rotes Harz, welches durch Äther in zwei Körper zerlegt werden kann. Die 
ätherische Lösung hat eine sehr schöne rote Farbe und enthält eine harzige Säure, 
die Omicholsäure. In Äther unlöslich bleibt eine gelbe Substanz zurück, das 
Uro pittin, welches aus absolutem Alkohol krystallisiert erhalten wurde. Von 
diesen Zersetzungsprodukten zeigt das Uropittin (in alkoholischer Lösung) einen 
schwachen Streifen zwischen E und F, der etwas mehr nach Violett zu liegt, als 

*) Garrod, Journ. of Physiol. 17. 406. 

2 ) Thudichum, Journ. of the ehem. Soc. [2] 13. 397 u. 401. 1875. 



Urochrom von Weisz. 1303 



der Urobilinstreifen, und die ätherische Lösung des Omicholins, welche rot ist und 
grün fluoresziert, weist einen Streifen zwischen D und E, an D angrenzend, auf. 
Thudichum 1 ) hat auch das Verhalten seiner Harnfarbstoffe zu Benzoyl- 
chlorid untersucht. 

V. Die Chrom oxy proteinsäure von Bocchi und Ghelfi. 

A. Vorkommen. Die von Bocchi und Ghelfi als Barytsalz 
isolierte, dem Harn eine gelblich-grüne Farbe verleihende Substanz 
isl vom Urochrom schwer zu unterscheiden. Oliari 2 ) konnte das 
Vorhandensein dieser Säure, die als Träger der „Diazoreaktion" 
angesehen wird, in zahlreichen Fällen hei fieberhaften Erkrankungen 
von Kindern (Masern, Diphtherie, Pneumonie, Gastroenteritis, Cholera 
infantum), sowie auch bei allgemeiner, chronischer Tuberkulose und 
bei Knochentuberkulose dartun. 

Die Chromoxyproteinsäure enthält nach Weis/ das U ro- 
ch r o m o g e n (s. dort). 

B. Eigenschaften. 1. Die Substanz ist rötlich-braun, verleih! 
ihren Lösungen eine mein- oder weniger intensive, gelbe Farbe. 

2. Sie enthielt S und N. 

3. Sie verhält sich wie eine Säure; wird durch Bleiacetat nichl 
gefällt, bildet ein in Alkohol nicht lösliches, in Wasser leicht lösliches 
Barytsalz. 

4. Die freie Säure ist in Wasser und Alkohol löslich, in Äther 
und Chloroform nicht löslich. Sie reagiert sehr stark mit dem Ehr- 
lich sehen Diazoreagens. 

5. Sie wird durch Ammoniumsulfat nicht gelallt. Durch essigsaures 
und salpetersaures Quecksilber wird sie gefällt. 

6. Sie gibt die Biuretreaktion nicht. 

7. Das Barytsalz reagiert nicht mit dem Ehrlich sehen Reagens. 

VI. Das Urochrom von Weisz 3 ). 
A. Vorkommen und Bedeutung. 

Neuerdings hat Weisz Anschauungen über die Natur und Ent- 
stehung des Harnfarbstoffes ausgesprochen, welche, wenn sie sich be- 
wahrheiten, geeignet erscheinen wesentlich grössere Klarheit in dieses 
verwickelte Gebiet bringen, 



J ) Thudichum, Chem. News 68. 275. 1893; Chem. Zentralbl. 1. 176. 1894. 

2 ) O. Bocchi u. A. Ghelfi, II. Tommasi 2. 5. u. 15. Heft 1908. 
Jahresber. f. Tierch. 38. 815. — A. Oliari, Über das Vorhandensein von 
Chromoxyproteinsäure im Harn der Kinder. — Officina Fresching-Parma 1908. 
Jahresb. f. Tierch. 38. 815. 1908. 

3 ) M. Weisz, Biochem. Zeitschr. 30. 333. 1911. 



i 



1304 



Schulz, Farbstoffe. 



Nach Weisz ist das Urochrom Dombrowskis (s. dort) mit 
dem {normalen Harnfarbstoff nicht identisch und spielt für die normale 
Harnfarbe eine untergeordnete Rolle. Der normale Harnfarb- 
stoff ist neben dem Urochrom Dombrowskis in der durch 
Bleiessig fällbaren Proteinsäurefraktion (enthalten, unterscheidet sich 
aber von dem Urochrom Dombrowskis dadurch, dass sein Blei- 
salz in Essigsäure löslich ist und auf diese Weise von dem Uro- 
chrom getrennt werden kann. Der normale Harnfarbstoff 
von Weisz ist hervorgegangen aus einem Urochromogen, welches in 
seinen Fällungsreaktionen mit den Proteinsänren übereinstimmt. Dieses 
Urochromogen ist nach Weisz der eigentliche Träger der E h r - 
lichschen Diazoreaktion. Weisz unterscheidet zwei Uro- 
chromogene. Das Urochrom ß, welches diese Reaktion ohne weiteres 
gibt und das Urochrom a, welches an sich keine Diazoreaktion gibt, wohl 
aber nach dem Stehen im Brütschrank. Beide Chromogene können durch 
Oxydation, z. B. mit Kaliumpermanganat, in das echte Urochrom des 
Harns übergeführt werden. Den Zusammenhang des echten Urochroms 
mit den Proteinsäuren drückt Weisz durch folgendes Schema aus. 



Proteinsäurefraktion 

(d. i. die Fraktion jener Substanzen, welche wasserlösliche durch Alkohol 
fällbare Barytsalze bilden). 



Alloxyproteinsäurefraktion 
(fällbar durch Bleiessig) 



Antoxyproteinsä uref raktion 

(fällbar durch Quecksilber- 

acetat bei schwach saurer 

Reaktion) 



Oxyproteinsäure- 

f raktion (fällbar 

durch Hg-Acetat 

bei soda-alkalischei 

Reaktion) 






In verdünn- 
ter Essig- 
säure unlös- 
liche Frak- 
tion des Blei - 
nieder- 
schlags; 
(Urochrom 

Dom- 

browski, 

direkt durch 

Kupfer- 
acetat fäll- 
bar.) 



Tn verdünnter Essigsäure 
lösliche Fraktion des 
Bleiessigniederschlags. 



Echtes 
Urochrom 
(normaler 
Harnfarb- 
stoff). 



farblose 
Alloxy pro- 
teinsäure. 



In über- 
schüssiger Es- 
sigsäure un- 
lösliche Frak- 
tion des Hg- 
Acetatnieder- 
schlags: An- 
toxyprotein- 
säure des nor- 
malen Harns. 



In über- 
schüssiger 
Essigsäure lös- 
liche Fraktion 
des 
Hg-Acetat- 
niederschlags : 
Urochromo- 
gen. Geht 
durch Oxyda- 
tion über in 
echtes 
Urochrom. 



Nach der Ansicht von Weisz ist die Antoxyproteinsäure von 
Bondzynski, Dombrowski und P a n e k ein Gemisch von Antoxy- 









Urochrom von Weisz. 1305 



proteinsäure und Urochromogen. Dieser letzteren Ueiniengung soll der 
positive Ausfall der Diazoreaktion in der A n to x y p r o te i n - 
säure von Bondzynski, Dombrowski und Panek zuzu- 
schreiben sein. So würde es sich erklären, warum der normale Hain 
zwar Antoxyproteinsäure enthält, aber keine deutlich positive Diazo- 
reaktion im Sinn.- Ehrlichs gibt. 

In der Überführbarkeit des Urochromogens in Urochrom durch 
Oxydation ist ein .Mittel gegeben, um kolorimetrisch den Gesamtgehalt 
an Urochrom zu bestimmen. Diese Bestimmungen ergaben, dass be- 
stimmte Beziehungen zwischen Ausfall der Diazoreaktion and Gehaltan 
Urochromogen bestehen. Das Urochrom gibt keine Diazo- 
reaktion. Mit der Überführung des Urochromogen ß in Urochrom 
verschwindet in Diazoharnen die positive Diazoreaktion. 

B. Kolo rime trisc he Bestimmung des Urochromogens 

u n < I I' r C h r in s n a c li W e i s /.. 

Als Vergleichsfarbe wurde eine Lösung von Echtgelb (Müller, 
Leipzig) benutzt. Es wurde 1 g Echtgelb in 500 ccm dcst. Wasser 
gelöst. Die Lösung war dunkelorangerot. Von dieser Lösung wurden 
10 ccm auf 100 ccm and davon wieder 20 ccm auf 800 ccm mit Wasser 
verdünnt. Die letzte Verdünnung zeigte eine hellgelbe Farbe mit grün- 
lichem Stich, wie sie auch den Urochromlösungen zukommt. Die Ver- 
gleichslösung enthält demnach 0,1 g Echtgelb auf 20 Liter Wasser. 
Die in 100 ccm dieser Farbstofflösung enthaltene Farbstoffmenge wurde 
= 100 gesetzt. 

Ausführung. Zu 25 ccm Harn werden etwa 20 g fein pulveri- 
siertes Ammoniumsulfat hinzugefügt. Unter häufigem Umrühren mit 
einem Glasstab löst sich der grösste Teil des Ammoniumsulfates. Nach 
etw T a 1 / 2 stündigem Stehen haben sich dem Urochrom beigemengte andere 
Farbstoffe (Urobilin und Urobilinogen, Hämatoporphyrin, Uroerythrin) 
abgeschieden. Hierauf wurde mit einer heiss gesättigten Ammonium- 
sulfatlösung auf 50 ccm aufgefüllt. Nach der Filtration sind früher sehr 
verschieden gefärbte Harne sehr wohl untereinander vergleichbar ge- 
worden. Von diesem Filtrat werden 10 ccm in einem Dubosqschen 
Kolorimeter (s. S. 680) mit 10 ccm obiger Echtgelbfärbung ver- 
glichen. 

Wenn, in seltenen Fällen, die kolorimetrische Bestimmung durch zu starke, 
vom Urochrom Dombrowskis herrührende Braunfärbung erschwert wird, kann 
man den Farbstoff Dombrowskis zuerst mit Bleiacetat bei schwach saurer 
Reaktion entfernen und erst dann aussalzen. Es ergab sich aber dabei ein 
geringer Verlust des normalen Urochrom. 



1306 Schulz, Farbstoffe. 



Zur Bestimmung des Urochromogen wurde eine zweite Portion 
des Harnes (25 ccm) unter öfterem Umschütteln tropfenweise mit einer 
1 °/ 00 Permanganatlösung so lange versetzt, als noch eine deutliche 
Zunahme der Gelbfärbung zu sehen war. Dies erkennt man leicht an 
der oberen Grenze der Flüssigkeit, wo sich das Permanganat mit dieser 
vermischt. Die zuzusetzende Menge schwankt zwischen 10 und 30 Tropfen. 
Ein Überschuss ist zu vermeiden, weil der Harn dadurch einen störenden 
Stich ins Bräunliche erhält. Man kann auch so lange die Permanganat- 
lösung hinzugeben, bis das Negativwerden der E h r 1 i c h sehen Diazo- 
reaktion anzeigt, dass alles Urochroni verschwunden ist. Nach beendigter 
Oxydation wird ebenso verfahren wie mit dem ursprünglichen Harn. 
Die Differenz zwischen dem Urochromgehalt des nicht oxydierten und 
des oxydierten Harnes ergibt die Menge des Urochromogens. Diese 
Differenz ist nach Weisz ein direktes Mass für die Ehrlichsche 
Diazoreaktion. 

Beispiel: Bei einer Tagesmenge von 900 ccm Harn habe sich ergeben, 
dass das Verhältnis von Echtgelblösung zu dem auf das zweifach verdünnten 
Harnfütrat = 20 : 22 war, dann ist dieses Verhältnis zunächst wegen der Ver- 
dünnung des Harns zu verdoppeln auf 40 : 22 und es ergeben sich demnach 
4.0 000 

. =1 1636 Einheiten Echtgelb. 

VII. Der Harnfarbstoff nach Schunck. 

Schunck 1 ) hat zwei Harnfarbstoffe unterschieden, das Urian und das 
Urianin. Um sie darzustellen, hat Schunck Harn mit Bleizucker gefällt, das 
Filtrat mit Bleiessig, diesen zweiten Niederschlag ausgewaschen, mit Schwefel- 
wasserstoff oder verdünnter kalter Schwefelsäure zerlegt, die Flüssigkeit, wenn 
nötig, mit kohlensaurem Blei neutralisiert und darauf bei gewöhnlicher Tem- 
peratur im Luftstrom konzentriert. Der sirupöse Rückstand wurde in wenig 
Alkohol gelöst und viel mit Äther versetzt, wobei sich das Urianin, C 19 H_>7N0 14 , 
abscheidet und das Urian, C^H^NO^,, in Lösung bleibt. Die Existenz eines 
dritten, in Alkohol und in Äther unlöslichen Körpers blieb dahin gestellt. Beide 
Körper zersetzen sich leicht beim Erhitzen mit Wasser oder verdünnten Säuren, 
das Urian gibt dabei einen braunen, harzartigen Körper: Uroretin, und das 
Urianin einen in Alkohol unlöslichen Niederschlag: Uromelanin. Dieser Befund 
weicht also noch weit mehr von dem Garrods ab, als der T hu die hu ms. 

VIII. Derivate des Urochroms und Verwandtes. 

Die braunen oder schwarzen Farbstoffe, welche beim Behandeln 
des Harns mit Säuren entstehen, entstammen sicher zum Teil dem 
Urochrom, nach v. Udränszky aber auch den im Harn enthaltenen 
Kohlehydraten; diese bilden unter der Einwirkung von Säuren Humin- 
substanzen (S. 1309). R o s i n scheint geneigt, den Ursprung der dunkel- 
gefärbten Farbstoffe, welche er beim Kochen des Harns mit Salpeter- 



*) Schunck, Proceed. of the Roy. Soc. 15. 1; 16. 72. 126. 135; Journ. f. 
prakt. Ch. 97. 382; Zeitschr. f. Ch. [2] 2. 753. 1866; Jahresber. d. Ch. 1866. 750. 



Uromelanin. 1307 



säure (Ros e n b a e h sehe Probe) neben Indigrot und Indigblau erhielt, 
gleichfalls von der Indoxylschwefelsäure abzuleiten. Der Gegenwart von 

Hu min Substanz schreibt v. Udränszky auch die dunkle Färbung zu, 
welche manche frisch entleerte Harne direkt darbieten. Hierher ge- 
hören auch die Karbolharne. 

a) Uromelanin von Plosz 1 ). 

Das Uromelanin stellte Plosz in der Weise dar, dass er Harn bei Zutritt 
von Luft 10 — 20 Minuten mit 5—10% Salzsäure kochte, die entstandene braune 
Flüssigkeit mit Amylalkohol schüttelte, welcher den Farbstoff aufnimmt, und 
den Amylalkohol abdestillierte. Die erhaltene Substanz besass nach dem Waschen 
mit Wasser, schwacher Natronlauge und Salzsäure wesentlich dieselben Eigen- 
schaften, wie die Huminkörper von v. Udranszky und wich nur in einigen Punkten 
von diesen ab. Die sehr bedeutende Ausheute (5- — 6 g aus der Tagesmenge Harn) 
weist auf eine starke Verunreinigung durch Abkömmlinge des Amylalkohols hin; 
es bildete sich dabei auch dev spektroskopiech dem Urobüm ärmliche Körper. 

Bemerken weit ist die Angabe von Plosz, dass sieh das Chromogen dem 
Harn durch blosses Schütteln mit erneuerten Menden Amylalkohol so vollständig 
entziehen lässt, dass sich der Harn bei der nachträglichen Behandlung mit Säure 
nicht mehr färbt. 

b) Das Uromelanin von Dombr.o ws.ki 2 ). 

Der Stoff wurde von Dombrowski aus der rohen Kupferver- 
bindung des Urochroin durch Erwärmen mit Saure dargestellt. 

A. Eigenschaften. 1. Das Uromelanin stellt schwarze, 
glitzernde, wie Asphalt aussehende Körner dar. Es ist unlöslich in 
Wasser, Alkohol. Äther, verdünnter Salzsäure, dagegen löslich in 
Ammoniak. Aus dieser Lösung wird es durch Ansäuern mit Salzsäure 
gefällt. Das in ganz verdünntem Ammoniak gelöste Uromelanin bleibt 
in Lösung, wenn das überschüssige Ammoniak durch Erwärmen und 
durch Stehenlassen über Schwefelsäure entfernt wird. 

2. Das Uromelanin hat die Zusammensetzung C 59,19, II 4,56, 
N 10,63, S 3,44. Das Proteinochromogen von Nencki C 59,8, H 4,5, 
N 10,0, S 2,8. 

3. Bariumsalz und Silbersalz sind in Wasser sehr schwer löslich. 
Das Uromelaninsilber enthielt 8,28o/ N, 2,53o/ S, 24,32o/ Ag. Aus den 
analytischen Daten berechnet sich die Formel des Uromelanin zu 
C 47 H 44 N 7 S0 13 . 

B. Darstellung. Kupferurochrom wird mit dem 20 fachen Volum 
10o/oiger Salzsäure 8 Stunden gekocht. Der gebildete schwarze Nieder- 
schlag wird auf ein Filter gebracht, mit. Wasser zur Entfernung der. Salz- 
säure gewaschen, dann mit Alkohol und mit Äther und zur Entfernung 



x ) Plosz, Zeitschr. f. physiol. Ch. 8. 89. 1883. 

2 ) St. Dombrowski, Zeitschr. f. physiol. Ch. 54. 227. 1908; 62. 358. 1909. 

Neubauer-Huppert, Analyse des Harns. 11. Aufl. 83 



1308 Schulz, Farbstoffe. 



freien Schwefels, welcher als Produkt. dieser Hydrolyse sich regelmässig 
ausscheidet, mit Schwefelkohlenstoff gewaschen. Das Präparat kann 
durch Auflösen in verdünntem Ammoniak und Neutralisieren mit Salz- 
säure nochmals gereinigt werden. 

C. Beziehungen des Uromelanin. Thudichum hat 
einen Stoff als Uromelanin beschrieben, den er folgendermassen (dar- 
stellte. Er fällte mit Schwefelsäure angesäuerten Harn mit Phosphor- 
molybdänsäure; das Filtrat wird mit Eisenchlorid gefällt und dieser 
letztere Niederschlag mit Schwefelsäure behandelt. Der so erhaltene 
melaninartige Stoff verdankt sicher neben dem Harnfarbstoff auch noch 
den Proteinsäuren seine Entstehung, ist also sicherlich nicht einheitlich 
gewesen. Dasselbe gilt von dem „schwarzen" Körper von Proust. 
Thudichum schreibt seinem Uromelanin die Formel C 36 H ;t 3N 7 O ;L0 
zu. Die Überlegungen von Mancini 1 ), wonach das Uromelanin ein 
Anhydrit des „Uropyrrols" sei, bedürfen weiterer Kontrolle. 

c) Bromuropyrryl. 

Mit dem Namen U r o p y r r y 1 wurde auf Vorschlag Hofmeisters 
ein Stoff bezeichnet, dessen Bromprodukt Salomonsen und Man- 
cini 2 ) aus dem nach Hohlweg dargestellten Urochrom gewannen. 

A. Eigenschaften. 1. Die reine bromierte Substanz stellt ein 
gelbes körniges Pulver dar. Die Substanz ist doppelbrechend, was für 
eine bessere Charakterisierbarkeit derselben spricht. Die Substanz ist 
löslich in heissem Wasser, etwas löslich in absolutem Alkohol, unlöslich 
in Äther, Chloroform, Amylalkohol, Phenol, Benzol. Alkalien lösen 
zu brauner Lösung, aus der Essigsäure bei genügender Konzentration 
einen braunen Niederschlag fällt. 

2. Die möglichst wenig Alkali enthaltende Lösung fällt mit Kupfer- 
acetat, Kupfersulfat, Eisenchlorid, neutralem Bleiacetat. 

3. Beim Erhitzen mit Zinkstaub oder mit Kalkhydrat geben die 
geringen Mengen sehr starke Pyrrolreaktion. 

4. Sie enthält nach wiederholter Fällung mit Brom keinen Schwefel 
und ist dann nahezu oder ganz aschefrei. 

5. Das Bromprodukt hat die Zusammensetzung C 35,12, H 3,50, 
Br 38,18, N 8,10, O 14,80. Es lässt sich daraus die Formel 
C 36 H 41 Br 6 N 7 12 berechnen. Dieser Formel entspräche die Zusammen- 
setzung C 34,75, H 3,32, Br 38,58, N 7,90, O 15,45. 



x ) L. Proust, 1. c. — Thudichum, Journ. f. prakt. Ch. 104. 257. 1868; 
Compt. rend. de l'Acad. dessciences 106. 1803. 1868. — St. Mancini, Bioohem. 
Zeitsohr. 13. 208. 1908. 

2 ) K. E. Salomonsen, Biochem. Zeitschr. 13. 204. 1908. — St. Manoini, 
Ebenda 13. 208. 1908. — Hohlweg, Ebenda 13. 199. 1908. 



Huminsubstanzen. 1309 



Die Formel unterscheidet sich, wenn man die 6 Br durch 6 H er- 
setzt denkt, von der T hu di c hu in sehen Uromelaninformel nur durch 
ein Plus von 2 Wassermolekülen. 

6. Beim Erwärmen des in Wasser verteilten Bromuropyrryls mit 
überschüssigem Brom auf dem Wasserbad geht nach einigen Minuten 
ein grosser Teil der Substanz in Lösung, während sich ein dunkel 
gefärbter bromreicher Sirup am Boden absetzt. Die Brombehandlung 
wurde 4 Stunden fortgesetzt. Der wasserunlösliche Anteil ist höchst- 
wahrscheinlich B r o m a n i 1. In der Lösung Hess sich Oxalsäure 
und eine ölige bromhaltige, schwefelfreie Säure, welche die Fichten- 
spanreaktion in ausgesprochener Weise gab, nachweisen. 

B. Darstellung. Das Rohurochrom (das nach Möglichkeit durch 
Eindampfen im Vakuum bei 40° von Eisessig befreit sein muss, da 
sonst die Ausfällung des Bromproduktes behindert wird) wird in mög 
liehst wenig Wasser gelöst, filtriert, und das braune Filtrat bei niedriger 
Temperatur am besten unter Eiskühlung mit überschüssigem Brom ver- 
setzt. Es fällt ein Niederschlag aus, der sich am Boden des Gefässes 
in Form eines dichten braunroten Sirups sammelt. Nach einigem Stehen 
auf Eis wird dekantiert und der Bodensatz mit Wasser gewaschen. 
Dabei verwandelt er sich unter Abgabe von überschüssigem Brom in 
eine gelbe breiartige Masse, die isich leicht mit Wasser auswaschen 
lässt. Zur weiteren Reinigung wird das Rohprodukt in Lauge gelöst, 
die Lösung filtriert und in möglichst konzentrierter Lösung leicht an- 
gesäuert. Der ausfallende braune, körnige Niederschlag wird in Wasser 
gelöst und die gesamte Lösung neuerlich mit Brom behandelt. Nach 
nochmaliger Wiederholung der Brombehandlung wird der körnige, schön 
gelbe Niederschlag in der Reibeschale reichlich mit Wasser gewaschen, 
dann abfiltriert über Kali und dann über Schwefelsäure getrocknet. 

d) Die Huminsubstanz von Udranszky 1 ). 

A. Eigenschaften. Die von Udranszky aus dem Harn dargestellte 
Huminsubstanz bildet spröde, glänzende, schwarzbraune Plättchen, ist fast gar 
nicht löslich in kaltem Wasser, verdünntem Alkohol, Äther, Chloroform, verdünnten 
Säuren, sehr schwer in warmem Wasser, absolutem Alkohol, Petroläther, kon- 
zentrierter Schwefel- und Salzsäure, gut aber in Amylalkohol und in konzentriertem 
Ammoniak, sehr leicht in Kali- oder Natronlauge. Huppert berichtet, dass die 
Lösungen keine Absorptionsstreifen zeigen. Konzentrierte, etwas salpetrige Säure 
enthaltende Salpetersäure löst die Substanz mit schön roter, bald verblassender 
Farbe. Sie ist nicht sublimierbar; beim Erhitzen für sich entwickelt sie den Geruch 
nach Ameisensäure und hinterlässt beim Verbrennen eine Spur eisenfreie Asche. 
Die durch Schmelzen mit Kaliumhydrat entstehenden Produkte sind S. 1 283 ange- 
geben. 100 cem Harn gaben 0,023—0,033, im Mittel 0,029 g Huminsubstanz. 



x ) L. v. Udranszky, Zeitschr. f. physiol. Ch. 11. 537. 1887; 12. 13. 1888. 

83* 



1310 Schulz, Farbstoffe. 



Das Produkt aus normalem Harn enthielt 55,3 — 56,3% C, 4,2 — 4,4 H, 
8,4 — 10,3 N; ein Präparat aus diabetischem Harn 55,8% C, 4,25 H, 10,0 N; aus 
Traubenzucker und Harnstoff gewonnene Huminsubstanz 57,8% C, 4,0 H, 6,7 N; 
der schwarze stickstofffreie, beim Schmelzen mit Kaliumhydrat bleibende Rück- 
stand enthielt 62,0—62,7% C und 3,7-^,0 H. 

B. Darstellung. Dargestellt wurde die Substanz, indem der Harn auf 
7,, eingedampft mit 0,1 Volumen Salzsäure 48 Stunden stehen gelassen und das 
Filtrat gekocht wurde. Nach 2 stündigem Kochen war schon der grösste Teil der 
Substanz gebildet, nach 18 stündigem Kochen war das Maximum der Ausbeute 
erreicht. Das erhaltene feine schwarze Pulver wurde mit kaltem und warmem 
Wasser, mit Alkohol und Äther gewaschen, 3 — 4 mal in Natronlauge gelöst und 
mit Schwefelsäure wieder gefällt und endlich über Schwefelsäure getrocknet. Ein 
in dem orangegelben oder kirschroten Filtrat gebliebener Rest konnte nach dem 
Neutralisieren mit Kreide durch phosphorsaures Natron zugleich mit dem Kalk- 
phosphat niedergeschlagen werden. 

Kommt bei der Darstellung der Substanz, wie bei dem Verfahren von Plosz, 
Amylalkohol in Anwendung, so ist die Ausbeute bedeutend grösser und das 
Produkt von anderer Beschaffenheit, v. Udränszky erhielt so aus 100 ccm Harn 
0,052 und 0,068 g der Substanz und der braune, nach dem Abdestillieren des Amyl- 
alkohols bleibende Rückstand gab an warmes Wasser, sowie an Äther einen 
zitronengelben Körper ab, dessen konzentrierte wässerige Lösung, ähnlich wie 
eine Urobilinlösung, zwischen E und F des Spektrums und über F hinaus eine 
diffuse Absorption zeigte, beim Verdünnen einen schmäleren, gleichfalls nicht 
scharf begrenzten Streifen und ausserdem eine schwache grüne Fluorescenz besass. 
Diese besonderen Erscheinungen rühren nach F. Hoppe-Seyler von der Ein- 
wirkung der Salzsäure auf Amylalkohol her, welche schon bei gewöhnlicher Tem- 
peratur stattfindet, und sind nach v. Udränszky l ) bedingt durch einen Furfurol- 
gehalt des rohen Amylalkohols. 

e) Die braunen bei der Rosenbachschen Probe entstehenden Stoffe. 

Nach Rosin 2 ) hinterlässt das Chloroform, mit welchem die beim Kochen 
des Harns mit Salpetersäure entstandenen Indigfarbstoffe gewaschen worden 
sind, beim Verdunsten eine braune Substanz, welche in Chloroform leichter lös- 
lich ist, als das Indigblau und Indigrot. 

Ligroin nimmt aus ihr einen rotbraunen, schön fluorescierenden Farbstoff 
auf, welcher in Alkohol, Äther, Chloroform leicht löslich ist. Dem mit Ligroin 
behandelten Rückstand entzieht danach Äther noch einen rotbraunen, durch 
Ligroin als braunes Pulver fällbaren Körper, der sich auch in Alkohol und in 
Chloroform löst. Der nun bleibende dunkelbraune Rückstand löst sich nur in 
Chloroform und in Alkohol und wird durch Ligroin als dunkelbraunes Pulver 
niedergeschlagen. 

f) Präformierte Huminsubstanz nach v. Udränszky 3 ). 

Die braune Substanz, von welcher v. Udränszky annimmt, dass sie prä- 
formiert im Harn vorkommt, wurde von ihm aus Pferdeharn gewonnen. 

Der Harn wurde mit Essigsäure schwach angesäuert, mit Bleizucker aus- 
gefällt, der Niederschlag mit kaltem und warmem Wasser gewaschen, darauf mit 
konzentrierter Sodalösung zerrieben, die dunkelbraune Lösung mit Essigsäure 
angesäuert und zur Entfernung etwa vorhandener Protokatechusäure, deren Auf- 
treten beim Schmelzen des Produktes mit Kaliumhydrat für die Huminsubstanzen 
bezeichnend ist, mit Äther ausgeschüttelt. Die Lösung wurde mit Ammoniak 

J ) F. Hoppe-Seyler, Berichte d. ehem. Gesellsch. 8. 602. 1885. — 
v. Udränszky, Zeitschr. f. physiol. Ch. 13. 254. 1889. 

2 ) H. Rosin, Virchows Archiv 123. 538 u. 563. 1881. 

3 ) L. v. Udränszky, Zeitschr. f. physiol. Ch. 12. 51. 1888. 



Karbolharne . 1 81 1 



wieder alkalisch gemacht und mit Chlorcalcium bei möglichstem Luftabschluss 
gefällt. Der voluminöse Niederschlag wurde mit ausgekochtem Wasser, mit 
Alkohol und mit Äther gewaschen und über Schwefelsäure getrocknet. 

Der Niederschlag enthielt etwas Eisen und viel Kalk, wie die aus normalem 
Harn durch Säure darstellbare Huminsubstanz Stickstoff, unterschied sich von 
dieser aber durch einen viel geringeren Kohlenstoff- und Stickstoff geh alt; er bestand 
aus 22,6% C, 2,3 H, 3,2 N, 54,2 O und 7,7 Ca (vgl. S. 1310). Die Substanz bildete 
ein feines braunes Pulver, das sich in kaltem Wasser, in Alkohol, Äther, Ammoniak 
nicht löste, sehr wenig in warmem Wasser, leicht in konzentrierten Säuren, nament- 
lich in Salzsäure. Aus den Lösungen in konzentrierten Säuren schieden sich nach 
einiger Zeit schwarze Flocken aus, die sich in Natronlauge lösten und aus der 
Lösung durch Schwefelsäure wieder gefällt wurden. Beim Schmelzen mit Kalium- 
hydrat entstanden Ammoniak in geringer Menge, Oxalsäure, Ameisensäure, Essig- 
säure, Buttersäure und höhere Fettsäuren, Protokatechusäure, Brenzcateohin und 
ein der Hymatomelansäure entsprechender Körper von annähernd derselben Zu- 
sammensetzung wie bei anderen Huminkörpern (vgl. S. 12H.'}). 

Das Auftreten von Huminsubstanz im Pferdeharn mag mit der Nahrung 
des Tieres zusammenhängen. Ob sich Huminkörper auch in anderen, vor allem 
dem Menschenharn finden, ist zwar möglich, aber nicht untersucht. 

g) Die Karbolharne. 

Die Harne, welche namentlich nach der ausseien Anwendung von 
Phenol gelassen werden, besitzen unmittelbar nach der Entleerung ent- 
weder die normale Harnfarbe, oder sie sind grünlichbraun. Beiderlei 
Harne dunkeln dann beim Stehen an der Luft von oben herein, der 
normal gefärbte wird grünlichbraun, und darauf, wie auch der mit dieser 
Färbung entleerte, schwarzbraun. Ebenso oder ganz ähnlich verhalten 
sich auch Harne, welche nach der Einverleibung anderer aromatischer 
Substanzen entleert werden, so Salol, Hydrochinon, Brenzcatechin, 
Anilin, Paramidophenol, Salicylsäure, oder welche schon von Haus 
aus dergleichen Substanzen enthalten, wie der brenzcatechinhaltige 
Pferdeharn. 

Die Ursache der eigentümlichen Färbung des Phenolharns ist von 
Baumann und Preusse 1 ) in der Gegenwart wahrscheinlich mehrerer 
Oxydationsprodukte des Hydrochinons nachgewiesen worden. 

Solchem, mit grünlichbrauner Färbung entleertem saurem Harn lässt sich 
durch Schütteln mit Äther eine Substanz entziehen, welche sich in Wasser mit 
bräunlicher Farbe löst und auf Zusatz von Ammoniak schwarzbraun wird, aber 
Silberlösung nicht reduziert und bei der Oxydation kein Chinon gibt, also nicht 
aus Brenzcatechin oder Hydrochinon besteht. 

Lässt man Harn, welcher Hydrochinonschwefelsäure enthält, in alkalische 
Gärung geraten, so wird Hydrochinon frei und oxydiert sich in der alkalischen 
Flüssigkeit unter Bildung brauner Substanzen an der Luft ; der Harn wird dunkler ; 
normaler, mit Hydrochinon versetzter Harn verhält sich ebenso. Ohne Zweifel 
erleidet auch das Brenzcatechin, welches in Karbolharnen gleichfalls nachgewiesen 
wurde, dieselbe Veränderung, und auf einen analogen Vorgang dürfte sich die 

J ) E. Baumann und C. Preusse, Du Bois' Archiv 1879. 245; Baumann, 
Pflügers Archiv 13. 291. 



1312 Schulz, Farbstoffe. 



Färbung und Farbenveränderung von Harn, der nach Zufuhr anderer aromatischer 
Substanzen entleert wurde, zurückführen lassen. 

Das Endprodukt gehört aber den Huminsubstanzen an. F. H o p p e - 

S e y 1 e r hat die Bildung solcher aus Protocatechusäure und Pyrogallol 

ausserhalb des Organismus dargetan und v. Udranszky 1 ) Humin- 

substanz in dergleichen Harn nachgewiesen. 

Der Harn eines äusserlich mit Phenol behandelten Hundes wurde filtriert, 
mit Ammoniak schwach alkalisch gemacht, mit Chlorcalcium gefällt und der 
Niederschlag nacheinander mit kaltem und warmem Wasser, mit Alkohol und 
mit Äther gewaschen. Bei anhaltendem Schütteln des Niederschlages mit kalt 
gesättigter Ammoniumcarbonatlösung wurde fast aller Farbstoff von dieser aufge- 
nommen. Sie wurde bei 60° eingedampft, mit verdünnter Schwefelsäure ange- 
säuert, die sich ausscheidenden Flocken, wie vorher der Niederschlag, gewaschen, 
in Natronlauge gelöst, die Lösung mit Schwefelsäure gefällt und der Niederschlag 
nach dem Waschen über Schwefelsäure getrocknet. 

Die so erhaltene Substanz stellte schwarze Plättchen dar und lieferte beim 
Schmelzen mit Kali kein Ammoniak, aber, wie Huminsubstanz (S. 1283) Oxal- 
säure, flüchtige Fettsäuren, Brenzcatechin, Protocatechusäure und einen braunen 
Schmelzrückstand mit den Eigenschaften einer Säure. 

Aus Harn von Hunden, denen Brenzcatechin und Hydrocbinon innerlich 
verabreicht worden war, sowie auch aus normalem nach Zusatz von Hydrochinon 
dunkel gewordenen Harn konnte gleichfalls stickstofffreie Huminsubstanz dar- 
gestellt werden. 

Ähnliche dunkle Farbstoffe sind auch bei anderer Gelegenheit wahrge- 
nommen worden. Der Harn eines Kranken, welcher Resorcin erhalten hatte, 
dunkelte nach Stokvis'-) an der Luft und schied bei beginnender alkalischer 
Gärung einen dunkelblauen, lackmoidartigen Farbstoff ab. 

Der Farbstoff sublimierte nicht, war völlig unlöslich in Äther, Chloroform, 
Amylalkohol, Petroläther, absolutem Alkohol. Er löste sich in konzentrierter 
Essigsäure, namentlich Eisessig, mit roter Farbe, fiel bei genauer Neutralisation 
in vollkommen blauen Flocken wieder aus und löste sich in überschüssigem Alkali 
mit schön blauer Farbe. Die alkalische Lösung zeigte im Spektrum einen Ab- 
sorptionsstreifen im Rot gerade vor D, wie eine Lackmuslösung. 

Selbst eine verdünnte wässerige Resorcinlösung schied nach Zusatz von 
wenig Harnsäure und Ammoniak in einiger Zeit einen lackmusähnlichen Farbstoff 
ab. — Nach Kimmijser 3 ) verhält sich der nach Resorcin entleerte Harn auf 
Zusatz von Zinnchlorür oder Chlormagnesium und Ammoniak ebenso. 

Nach dem Gebrauch von Thymol geht nach Blum 4 ) beim Nachweis 
neben Thymolschwefelsäure, Thymolhydrochinonschwefelsäure undThymolglycuron- 
säure in den Harn das Chromogen eines eigenartigen Farbstoffes über, der auf 
Zusatz von Salzsäure auftritt. 

Auch nach Lysolvergiftung kommen dunkel gefärbte Harne 

zur Beobachtung. Lysol ist' eine unter Anwendung von Wärme bewirkte 

Auflösung von 1 Teil Steinkohlenteerkresol vom Schmelzpunkt 182 bis 

210° in 1 Teil neutraler Leinölseife. Es ist nicht ausgeschlossen, dass 

x ) F. Hoppe-Seyler, Zeitschr. f. physiol. Ch. 13. 99. — v. Udranszky, 
Zeitschr. f. physiol. Ch. 12. 60. 

2 ) B. J. Stokvis, Nederl. Tijdschr. voor Geneesk. 1889. 2. 409; Jahresber. 
f. Tierch. 1869. 462. 

3 ) Kimmijser, Nederl. Tijdschr. 1883. 725. 

4 ) F. Blum, Deutsche med. Wochenschr. 1891. 186; Zeitschr. f. physiol. 
Ch. 16. 514. 1892. 



Melanin. 1313 



Phenol (Schmelzpunkt 182°) in diesem Kresolgemisch vorhanden ist. 
Falls reines Trikresol zur Kresolseifenlösung verwandt wird, so geht 
das Orthokresol in Hydrotoluchinon über, welches Schwarzfärbung des 
Harns bewirkt (Bau mann). Es gibt im Handel Kresolseifenlösungen, 
die orthokresolfrei sind. Hier ist eine Schwarzfärbung des Harns nicht 
zu erwarten. Ein sicherer Schluss, ob Lysol- oder Karbolvergiftung vor- 
liegt, lässt sich also aus dem Harnbefund nicht machen (M a 1 1 e r) 1 ). 

II. Melanin und Melanogen. 
Syn. Phymatorhusin. 

A. Vorkommen. Kranke mit melanotischen Neubildungen ent- 
leeren entweder sogleich einen dunklen oder zeitweilig einen Harn, 
welcher erst beim Stehen an der Luft oder durch Oxydationsmittel, \\i<- 
Salpetersäure (Bolz e), Chromsäure (E i s e 1 1), Bromwasser (Z e 1 1 e r), 
Eisenchlorid (v. J a k s c h), dunkelbraun l>is schwarz wird. — Ob 
die bei Ochronose (Schwarzfärbung der Knorpel) auftretenden 
dunkeln Harnfarbstoffe mit Melanin in Zusammenhang stehen, erscheint 
fraglich (s. bei Alkaptonurie). L. Langstein fand bei Untersuchung 
eines Falles keine Anhaltspunkte für Alkaptonurie. Er hielt den Farb- 
stoff für Melanin. — Zdarek 2 ) fällte aus dem Harn bei Ochronose einen 
schwarzen Körper C 52,59, H 4,83, N 7,29, 34,66 o/ . 

Fälle, in denen der frische Harn schon das schwarze Pigment ent- 
hielt, sind sehr selten; meist erfährt das Pigment, welches auf (der 
Blutbahn aus den Geschwülsten in den Harn gelangt, auf diesem Wege 
eine Reduktion zu Melanogen (Wadsack) 3 ). 

Miura fand zweimal bei Kaninchen, dornen Pferdemilzmelanin in 
die Bauchhöhle injiziert worden war, auffallend dunkle Harne, die mit 
chromsaurem Kali, sowie mit HNO ;5 deutlich dunkler wurden. - 
Senator konnte dagegen bei Injektion von aus menschlichem Harn 
gewonnenem Melanin in die Bauchhöhle weder Melanogen noch Melanin 
im Harn, finden. W a d sack 4 ) hatte am gesunden Kaninchen ebenfalls 
negativen Befund. In einem zweiten Fall von Melanurie, in welchem 
der Harn schon frisch dunkelbraun war, trat dagegen bei durch Uran 



x ) 0. Matter, Hofmeisters Beiträge 10. 251. 1907. — E. Bau mann, 
Zeitschr. f. physiol. Ch. 5. 81. 1800. 

2 ) Bolze, Prager Viertel] ahrsschr. 66. 140. 1860. — Eiselt, Ebenda 70. 
107. 1861 und 76. 16. 1882. — Zeller, Archiv f. klin. Chir. 29. 245. 1883. — 
v. Jaksch, Zeitschr. f. physiol. Ch. 13. 385. 1889. — L. Langstein, Berliner 
klin. Wochenschr. 597. 1906. — E. Zdarek, Zeitschr. f. Heilk. u. Pathol. 23. 
379. 1902. 

*) E. Wadsack, Char.-Annalen 30. 128. 1906. 

4 ) Miura, Virchows Archiv 106. 1887. — Senator, Char.-Annalen 15. 
1891. — E. Wadsack, Ebenda 30. 131. 1906. 



1314 Schulz, Farbstoffe. 



nephritisch gemachten Kaninchen nach Darreichung von Melanin- 
harn per os schon nach 24 Stunden Melanin im Kaninchenharn auf. 

B. Eigenschaften. Der Farbstoff ist eingehend von Mörner, 
das Chromogen zum Teil in Gemeinschaft mit Ganghofner von 
P r i b r a m x ) untersucht worden. 

1. Der Farbstoff, a) In dem Harn, aus welchem Mörner den Farb- 
stoff darstellte, war niemals Chromogen nachweisbar. Er war stark gefärbt, 
wie Fieberharn. Ein Teil des Farbstoffes wurde aus dem Harn durch Barytwasser, 
ein anderer aus dem alkalischen Filtrat durch Bleizucker gefällt. Der im Baryt- 
niederschlag enthaltene Farbstoff darf als der reinere betrachtet werden. 

Der nach dem Waschen hellbraungelbe Barytniederschlag lieferte bei der 
Behandlung mit konzentrierter Sodalösung eine fast braunschwarze Lösung, aus 
welcher durch Übersättigen mit Schwefelsäure beinahe aller Farbstoff nieder- 
geschlagen wurde. Der Niederschlag wurde in Natronlauge gelöst und die Lösung 
mit überschüssiger Essigsäure versetzt, wobei der grösste Teil des Farbstoffes fiel, 
ein Rest gelöst oder in der Flüssigkeit suspendiert blieb. Nach nochmaligem 
Lösen des Niederschlages in Natronlauge und Fällen mit Essigsäure wurde der 
Farbstoff, zur Entfernung etwa beigemengter Harnsäure nur in so viel Lauge gelöst, 
dass Barytwasser keinen Niederschlag gab und die Lösung mit Bariumhydrat 
24 Stunden stehen gelassen; das Filtrat wurde mit überschüssiger Essigsäure 
gefällt, der Niederschlag erst mit Wasser säurefrei gewaschen, dann nacheinander 
in Alkohol und in Äther aufgeschwemmt und im Wasserbad getrocknet. — Der 
in der essigsauren Lösung befindliche Rest konnte durch Bariumhydrat abge- 
schieden werden. In beiden Portionen wurde der Farbstoff in einen in Essig- 
säure von 50 — 75% löslichen und einen darin unlöslichen Anteil getrennt. ■ — Aus 
dem Bleiniederschlag konnten in ähnlicher Weise ebenfalls zwei Farbstoffe dar- 
gestellt werden, von denen der eine in starker Essigsäure löslich war, der andere 
nicht. Der in Essigsäure unlösliche Teil verhielt sich nach dem Lösen in Natron- 
lauge optisch nicht wie Urobilin, ebensowenig in ammoniakalischer zinkhaltiger 
Lösung. 

Der in Essigsäure (von 50 — 75%) unlösliche Anteil des Barytniederschlages 
war trocken braunschwarz, amorph, schmolz bei 120° nicht. Er löste sich nicht 
in Wasser, Äther, Amylalkohol und verdünnten Säuren. Schwefelsäurehaltiger 
Alkohol löste beim Kochen wenig. Von konzentrierter Schwefelsäure wurde er 
in der Wärme teilweise mit brauner Farbe gelöst und durch Wasser wieder aus 
der Lösung gefällt. Konzentrierte Essigsäure löste ihn selbst bei anhaltendem 
Kochen nicht, auch nicht bei Gegenwart von Zinn. Sehr leicht löslich war der 
Farbstoff dagegen in Natronlauge, Ammoniak, kohlensaurem Natron, einfach 
saurem Natrönphosphat. Die Lösung in Natronlauge war mit abnehmender Kon- 
zentration dunkelrotbraun, gelbbraun, gelb. Aus der Lösung in verdünnter Natron- 
lauge wurde er durch Bariumhydrat, Chlorbarium und schwefelsaure Magnesia 
gefällt, aus stärkerer (1 — 2%iger) Lauge erst durch viel Barytwasser, aus der 
Lösung in Natronlauge leicht und vollständig durch essigsaures Blei. Auch aus 
der Lösung in verdünntem Ammoniak wurde er leicht durch Bariumhydrat, 
schwefelsaure Magnesia, Bleiacetat, aus der Lösung in Natronphosphat voll- 
ständig durch Chlorbarium gefällt. Die alkalischen Lösungen gaben mit Säure 
Niederschläge; die Lösung in Natronphosphat konnte fast bis zum Verschwinden 
der alkalischen Reaktion mit Salzsäure versetzt werden, ohne dass ein Niederschlag 
entstand, ein Überschuss von Salzsäure fällte aber. — Nach zweimonatlichem 
Aufbewahren des Farbstoffes in trockner Form gab seine Lösung in kohlensaurem 

x ) K. A. H. Mörner, Zeitschr. f. physiol. Ch. 11. 66. 1887. — A. Pfibram, 
Prager Viertel jahrsschr. 88. 16. 1865; — Pribram und Ganghofner, Ebenda 
130. 77. 1876. 



Melanin. 1315 



Xatron mit Essigsäure keinen Niederschlag mehr, wohl aber wurde die mit Essig- 
säure übersättigte Lösung gefällt durch essigsaures Xatron, Chlornatrium, Barium- 
hydrat, und der so erhaltene Niederschlag löste sich nicht wieder in Essigsäure. 
Durch Salzsäure konnte die Lösung in Soda gefällt werden. - — Salpetersäure von 
2ö° löste den Farbstoff leicht mit gelber Farbe; durch Ammoniak wurde die 
Färbung stärker. Nach der Digestion mit 10%iger Salzsäure war der wieder 
gefällte Farbstoff nicht mehr braunschwarz, sondern braungelb und lockerer, und 
enthielt bedeutend weniger Eisen als vorher. Beim Erwärmen des Farbstoffes 
mit Kalilauge im Wasserbad bildete sich kein Schwefelkalium. 

Keiner der Farbstoffe zeigte in Lösung ein Absorptionsband, alle ab- 
sorbierten das Licht nach den ausgeführten photometrischen Messungen von Rot 
gegen das violette Ende allmählich stärker, die alkalische Lösung des in Essig- 
säure unlöslichen Anteiles des Barytniederschlages 5 mal so stark als eine Hämo- 
globinlösung von gleicher Konzentration. Die Lösungen der in Essigsäure löslichen 
Präparate absorbierten unter sich das Licht in gleicher Weise, ebenso die der in 
Essigsäure unlöslichen Farbstoffanteile, aber beiderlei Präparate stimmten in 
dieser Hinsicht nicht überein. 

Der in Essigsäure unlösliche Farbstoff des Barytniederschlags aus dem 
Harn besass dieselbe Lichtabsorption und genau dieselbe Zusammensetzung (asohe- 
frei 55,76% C, 5,95 H, 12.27 X. 9,01 S, 0,20 Fe) wie der entsprechende Farbstoff 
aus der Neubildung (55,72% C, 6,00 H, 12,30 N, 7,97 S, 0,07 Fe). Der Unter- 
schied im Eisengehalt rührt daher, dass der Geschwulstfarbstoff mit 10%iger 
Salzsäure gekocht worden war; auch der Eisengehalt des Harnfarbstoffes sank bei 
gleicher Behandlung auf 0,028%. Der Farbstoff besass, auch in der Zusammen- 
setzung eine sehr grosse Ähnlichkeit mit dem Phymatorhusin (tyvfia Geschwulst, 
Qovaiog rotbraun) genannten, von Berdez und Nencki aus melanotischen 
Geschwülsten des Menschen hergestellten Farbstoff. — Primavera stellte aus 
Sarkomharn ein Melanin (C 54,01, H 6,31, N 10,20, S 9,11, 20,22%) dar. Fe war 
nur in Spuren vorhanden. — Hensen und Nölke x ) geben als Zusammensetzung 
des (aschefreien) Harnmelanin bei allgemeiner Melanose an: C 59,42, H 6,16, 
N 11,16, S 7,57%. Fe Hess sich qualitativ in der Asche in Spuren nachweisen. 

b) Brom färbt den melanotischen Harn nicht bloss dunkel, sondern gibt 
auch einen braunschwarzen Niederschlag von Brommelanin. Zell er fand in dem- 
selben 16,6% Brom. Er löste sich nur wenig in heissem Alkohol und seine Asche 
enthielt nur eine Spur Eisen. 

c) Thor mahlen fand in einem dunkelbraunen Harn einer an Leber- 
und Milztumoren leidenden Patientin, dass auf Zusatz von Nitroprussidnatrium 
und Lauge (Leg a Ische Probe) eine rote Farbe auftrat, die auf Zusatz von Essig- 
säure prachtvoll blau wurde. Beim Erwärmen verschwand die Farbe, Lauge 
stellte die Farbe wieder her. Die Reaktion ist tatsächlich bei Melanurie häufiger 
positiv (Stokvis, Wadsack, Helmann), tritt aber keineswegs in allen Melanogen- 
harnen auf (van Leersum 2 ), Helmann). Sie kommt weder dem Melanogen, 
noch dem Melanin zu (Hei mann). — Indollösungen verhalten sich bei der 
Legal sehen Probe ähnlich. 

d) Hoppe-Seyler 3 ) erhielt beim Schmelzen eines mit neutralem essig- 
sauren Blei aus Harn abgeschiedenen Melanins mit Kaliumhydrat Ammoniak, 
Indol, Huminsäure und Protocatechusäure, aber kein Brenzcatechin. 



L ) J. Berdez u. H. Nencki, Arch. f. experim. Path. 20. 346. 1886. - 
Primavera, Giorn. intern. Scienze Med. 29. 1908; Jahresber. f. Tierch. 38. 817. 
1908. — Hensen u. Nölke, Deutsch. Arch. f. klin. Medizin. 62. 347. 1899. 

2 ) J. Thormählen, Virchows Archiv 108. 317. 1887. — E. Wadsack, 
1. c. — D. Helmann, Archiv intern, de pharm, et de therap. 12. 271. 1903. — 
B. J. Stokvis, Nederl. Tijdschr. voor Geneesk. IL 139. 1899; Jahresber. f. Tierch. 
29. 843. 1899. — van Leersum, Feestbundel Dr. v. Talma 1901. 95; Jahresber. 
f. Tierch. 31. 856. 1901. 

3 ) F. Hoppe-Seyler, Zeitschr. f. physiol. Ch. 15. 186. 1891. 



1316 Schulz, Farbstoffe. 



e ) P o 1 1 a k fand bei seiner Untersu chung des Chromogens und Hofmeister 1 ) 
bestätigte, dass die in melanotischem Harn durch Oxydation hervorgerufene 
Dunkelfärbung durch Reduktionsmittel wieder zum Verschwinden gebracht wer- 
den kann. 

2. Das Chro mögen, a) Das Chromogen liess sich in der Untersuchung 
von Pfibram durch alkalische Erden nur unvollständig aus dem Harn abscheiden, 
völlig dagegen durch essigsaures Blei. Der weisse Niederschlag gab nach der 
Suspension in Wasser dieselben Pigmentreaktionen, wie der Harn selbst und 
lieferte nach dem Zersetzen mit Schwefelwasserstoff ein völlig farbloses Filtrat, 
welches sich beim Verdunsten allmählich dunkel färbte und einen braunschwarzen 
amorphen Niederschlag hinterliess. Nach dem Waschen mit Alkohol und mit 
Äther erwies sich derselbe als unlöslich in Wasser, kaltem Alkohol, Äther, ver- 
dünnten Mineralsäuren und Essigsäure. Beim Kochen mit dem Farbstoff färbte 
sich der Alkohol braun und die Lösung lieferte beim Verdunsten einen ähnlichen 
Rückstand, wie die wässerige Lösung des Chromogens. Bei der trocknen De- 
stillation entwickelte der Farbstoff ammoniakalische Produkte und hinterliess 
wenig eisenhaltige Asche. Beim Schmelzen desselben mit Kali bildete sich eine 
flüchtige Fettsäure, nach dem Geruch Buttersäure. ■ — Der bei einer anderen Dar- 
stellung gewonnene, dem beschriebenen ähnliche Farbstoff löste sich auch nicht 
in kalter Salzsäure oder Salpetersäure; wurde er mit Salpetersäure erwärmt, so 
entwickelte die Säure braune Dämpfe und färbte sich gelbgrünlich, ohne dass sich 
der Farbstoff selbst sichtlich veränderte. Durch Kochen mit Kalilauge und durch 
Chlorwasser wurde der Farbstoff entfärbt und zum Teil gelöst. Neben diesem 
Farbstoff wurde (aus dem Kalkniederschlag) noch ein zweiter brauner Farbstoff 
gewonnen, welcher sich in Alkohol, Äther, Säuren und Alkalien mit brauner 
Farbe löste. 

b) In der Untersuchung von Brandl und Pfeiffer 2 ) blieb steriler melano- 
tischer Harn unter Luftabschluss hellgelb. Das Melanogen liess sich zum grossen 
Teil mit neutralem Bleiazetat ausfällen. Nach dem Zerlegen desselben mit Schwefel- 
wasserstoff wurde ein hellgelbes Filtrat erhalten, das aber, selbst im Dunkeln, 
schnell braun und schliesslich schwarz wurde. Bevor das Filtrat dunkel wurde, 
zeigte es, in saurer Lösung, einen Absorptionsstreifen in der Lage des Urobilin- 
bandes, der auf Zusatz von Ammoniak verschwand; Fluorescenz war auf Zusatz 
von ammoniakalischer Zinklösung nicht wahrnehmbar. Bleiacetat und Ammoniak 
fällte den in Lösung gebliebenen Rest des Chromogens; die gefällte Substanz war 
in Äther löslich und färbte sich durch Oxydationsmittel dunkel. 

c) Nach O. Adler 3 ) ist für den Melanogenharn folgende Reaktion charak- 
teristisch: 100 ccm Harn werden mit einem Tropfen Essigsäure angesäuert und dann 
mit einer Lösung von neutralem Bleiazetat völlig ausgefällt. Der Niederschlag 
wird abgesaugt und mit verdünnter Bleiazetatlösung gewaschen. Der Niederschlag 
wird dann in Wasser suspendiert, mit Schwefelwasserstoff zerlegt und abfiltriert. 
Ca. 2 ccm des Filtrates werden, nachdem der SH 2 durch einen Luftstrom vertrieben 
ist, mit 1 Tropfen verdünnter Eisenchloridlösung, 3 ccm Essigsäure und 1 — 2 ccm 
konzentrierter Schwefelsäure versetzt. Es entsteht eine Violettfärbung und im 
Spektroskop zeigt sich ein scharfes Band nahe der D-linie. Tryptophan und Indol 
geben ähnliche Farben. Das Band des Melanogenharnes liegt bei 581 (A,u t bei Tryp- 
tophan bei 555 (a,^, bei Indol bei 468,5 p/*. Die Thormählensche Reaktion 
soll weniger sicher sein. 

C. Nachweis. Der Nachweis des Melanins geschieht durch die 

S. 1313 genannten Oxydationsmittel. Senator 4 ) beobachtete in einem 



x ) S. Pollak, Wiener med. Wochenschr. 1889. 1473 u. 1516. — F. Hof- 
meister, Zeitschr. f. analyt. Ch. 30.1262. 

2 ) J. Brandl und L. Pfeiffer, Zeitschr. f. Biol. 26. 372. 1890. 

3 ) O. Adler, Zeitschr. f. Krebsforsch. 11. 1. 1912. 

A ) Senator, Char.-Annalen 15; Jahresber. f. Tierch. 21. 421. 1891. 






Hämatin. 1317 



Fall als Ursache der Dunkelfärbung einen reichlichen Gehalt an Indican. 
Vermeiden lässt sich dieser Zwischenfall nicht, aber im Zweifelsfall 
müsste der gebildete Farbstoff auf Indigblau untersucht werden. Auch 
ein starker Gehalt des Harns an Urobilinogen kann zu Irrungen führen. 

III. Hämatin. 

' 34 H 34 N 4 ] 

A. Vorkommen. Das Hämatin scheint nicht gerade selten im 
Harn vorzukommen ; H u p p e r t hat es spektroskopisch in einem Harn 
bei Schwefelsäurevergiftung nachgewiesen. Nach Lewin und Pos- 
ner 1 ) bildet sich Hämatin beim Erwärmen bluthaltigen Harns auf 
ungefähr 48° (infolge der Zersetzung des Hämoglobins durch den sauren 
Harn: vgl. S. 1221). 

B. Eigenschaften. 1. Die Zusammensetzung des Hämatins ist von der 
Darstellungsweise abhängig. Die Formel desselben ist aller Wahrscheinlichkeit 
nach C, J H :H X 4 5 Fe. Es enthält also auf 1 At. Fe 4 At. X. 

2. Das Hämatin wird sauerstoffhaltig und sauerstofffrei (Hämochromogen) 
erhalten, je nachdem man vom Oxyhämoglobin oder vom Hämoglobin ausgeht. 
Das gewöhnliche ist das sauerstoffhaltige. Es ist bis jetzt nicht in Krystall- 
form erhalten worden. In reinem Zustand ist dieses in dichten Massen blau- 
schwarz, fein verteilt schön dunkelschwarzbraun. Es löst sich nicht in Wasser, 
Alkohol, Äther, Chloroform, nicht in wässerigen Säuren, wohl aber in Eisessig, 
sowie in säurehaltigem Alkohol oder Äther, leicht in Alkalihydraten und -carbo- 
naten. Die Farbe der Hämatinlösungen ist bei saurer Reaktion Schokolade - 
braun, bei alkalischer Reaktion in dicker Schicht durchscheinend granatrot, 
in dünner olivengrün. 

3. Das sauerstoffhaltige Hämatin zeigt in saurer Lösung ein dem des 
Methämoglobins in neutraler Lösung sehr ähnliches Spektrum (Tafel I, Spektrum 
3a — c), in welchem namentlich der Streifen in Rot stark hervortritt. Dasselbe Spek- 
trum weisen auch die natürlichen Hämatinlösungen (Harn etc.) auf. Der Streifen in 
Rot hat keine feste Lage, in stärker salzsauren Lösungen liegt er näher an C als 
in schwächer salzsauren, in der sauren ätherischen Lösung näher an C, als in der 
sauren alkoholischen Lösung (Sorby, Jäderholm). In stark saurer alkoholischer 
Lösung kann der Streifen nach Nencki und Sieb er sogar zwischen B und C liegen. 
— Der Streifen ist von dem des neutralen Methat moglobins dadurch unterschieden, 
dass er nicht wie bei diesem etwa in der Mitte zwischen C und D liegt und von 
beiden getrennt, sondern der C-Linie benachbart liegt. Ferner geht der Streifen 
des Methämoglobins durch Zusatz von Alkali in ein zweibändiges Spektrum über, 
während das des alkalischen Hämatins einbandig ist. — Das Spektrum des Hämatins 
in ammoniakalischer Lösung besitzt nur einen, rechts an D grenzenden oder, bei 
konzentrierter Lösung, D überragenden Streifen (Spektrum b). Die Lösung 
des Hämatins in natriumhydrathaltigem Alkohol oder im Natriumcarbonat besitzt 
dagegen nach Bertin-Sans und Moitessier 2 ) einen Streifen in Rot, dessen 
Mitte auf Ä 618 (C 49 D) liegt. 

4. Aus alkalischen Lösungen wird es durch Calcium- oder Bariumsalze in 
braunen Flocken gefällt (Cazeneuve), aus Calciumphosphat enthaltenden Lösungen 

2 ) L. Lewin und C Posner, Zentralbl. f. d. med. Wissensch. 1887. 355. 

2 ) Jäderholm, Zeitsohr. f. Biol. 13. 200. 1877. — Nencki und Sieber 
a. a. O. 412. — H. Bertin-Sans und J. Moitessier, Bull, de la Soc. chim. [3] 
9. 380. 1890. 



1318 Schulz, Farbstoffe. 



auf Zusatz von Alkalihydrat zugleich mit dem Phosphat in blutroten Flocken 
(Heller). Chlorzink und Ammoniak schlagen gleichfalls das Hämatin nieder 
(Cazeneuve 1 )). Eine Verbindung des Hämatins mit Salzsäure, das Hämin, 
C 34 H n N 4 FeC10 4 , krystallisiert in braunen, rhombischen Täfelchen beim Erwärmen 
von Hämoglobin mit Eisessig und einem Chlorid; Alkalihydrat oder Carbonat 
entziehen der Verbindung die Säure. Es löst sich in Chloroform nicht, im Gegen- 
satz zu braunen Zersetzungsprodukten des Hämatins. 

5. Reduktionsmittel entziehen dem Sauerstoff - Hämatin Sauerstoff und 
führen es in reduziertes Hämatin (Stokes) oder Hämochromogen (Hoppe- 
Seyler) über. Nimmt man die Reduktion durch Kaliumsulfid oder Kalium- 
hydrosulfid, Schwefelammon, weinsaures Eisenoxydul, Natriumhydrosulfit, Hy- 
drazinhydrat vor, so erscheint nach Bertin-Sans und Moitessier ein Absorp- 
tionsstreifen auf D, und erst wenn man die Lösung mit Ammoniak oder einem 
Amin (Äthylamin, Anilin) oder einer Amidosäure (Glycocoll, Taurin) oder einer 
Spur Eiweiss versetzt, tritt das Spektrum des Hämochromogens auf. Harnstoff ist 
dagegen ohne Einfluss. Die alkalische Hämochromogenlösung ist schön kirschrot 
und bei Luftabschluss haltbar. Das Spektrum (Tafel I. 3 c) ist ausserordentlich 
charakteristisch und zum Nachweis von Blutfarbstoff noch in Verdünnungen 
brauchbar, in denen die direkt sichtbaren Streifen von Oxyhämoglobin und von 
Hämatin schon sehr schwach sind. Das Spektrum des Hämochromogens hat 
einen sehr scharfen, dunklen Absorptionsstreifen a fast genau in der Mitte zwischen 
D und E, das Maximum der Lichtabsorption liegt bei A 556 ^, und einen blasseren ß, 
der kurz vor E beginnt und sich etwas über ß hinaus erstreckt, das Maximum 
der Lichtabsorption liegt bei A 526 und A 530 [au. Der Schatten y auf D in der 
Abbildung rührt von einer Nebenwirkung des zur Reduktion verwendeten Schwefel- 
ammons her. Beim Ansäuern der Lösung verschwinden die Absorptionsstreifen. 
Das von Bertin-Sans und Moitessier gefundene Zwischenprodukt zwischen 
Hämatin und Hämochromogen nennen sie gleichfalls reduziertes Hämatin. 

6. Unter der Einwirkung von Mineralsäuren (Schwefelsäure, Brom Wasser- 
stoff) geht das Sauerstoff -Hämatin leicht in Hämatoporphyrin über; das Hämo- 
chromogen erleidet diese Verwandlung nach Hoppe-Seyler schon durch schwache 
Säuren. 

7. Bei der Behandlung einer sauren alkoholischen Hämatinlösung mit Wasser- 
stoffsuperoxyd erhielt Mac Munn 2 ) eine dem Urobilin oder Choletelin ähnliche 
Substanz. Ihre alkoholische Lösung zeigte ein Band bei F, welches auf Zusatz 
von Ammoniak verschwand, auf nachträglichen Zusatz von Chlorzink trat grüne 
Fluorescenz auf und das Band war nach Rot hin verschoben; dasselbe weiter nach 
Rot zu gelegene Band trat auch auf bei Zusatz von Chlorzink allein und von 
Natriumhydrat. Auch bei Reduktion mit Zinn und Salzsäure entstehen urobilin- 
artige Farbstoffe. 

8. Durch Kochen mit konzentrierter Kalilauge wird das Hämatin nicht 
verändert; in der Kalischmelze entweicht NH 3 , beim trocknen Erhitzen entsteht 
Pyrrol. Oxydation mit Chromsäure und Eisessig liefert Hämatinsäure. Über 
diese sowie über die Konstitution des Hämatins siehe bei Hämatoporphyrin. 

C. Nachweis. 1. Das Hämatin lässt sich am sichersten und einfachsten 
durch die Spektraluntersuchung von anderen farbigen Substanzen unterscheiden. 
Man darf sich aber nicht damit begnügen, im Harn direkt einen starken Absorp- 
tionsstreifen im Rot nachgewiesen zu haben, weil dieser auch dem Methämoglobin 
zukommt, sondern muss die Flüssigkeit mit Ammoniak alkalisch machen und 
nach dem Filtrieren nochmals untersuchen. Bei Gegenwart von Hämatin ist das 
Spektrum 2 sichtbar, das auf Zusatz von Schwefelammon nach einiger Zeit in das 
Spektrum 3 übergeht. 

*) Cazeneuve, Bull, de la Soc. chim. [2] 27. 486; Sur l'hematine. These 
Paris 1876. 63. 

2 ) Mac Munn, Journ. of Physiol. 6. 35; 10. 98. 



Hämatoporphyrin. 1319 



2. Man kann auch den Harn nach dem Ansäuern mit Essigsäure mit Äther 
ausschütteln; die bei Anwesenheit von Hämatin braune ätherische Lösung gibt das 
Spektrum (1) des Hämatins in saurer Lösung. Ammoniak fällt aus ihr zunächst 
braunes Hämatin, das sich darauf in der wässerigen Schicht löst (Spektrum 2) 
und sich reduzieren lässt. 

IV. II ä in ,i 1 o p o r p h y r in. 

C l7 H u ,N 2 3 (Zaleski), bezw. Q, 4 H 3M N 4 6 - 

Syn.: Eisenfreies Hämatin, Preyers Hämatin, Saillets 1 ) Urospektrin. 

Das Hämatin wird bei der Einwirkung konzentrierter Schwefelsäure 
(Mulder), bei der Behandlung seiner Lösung in säurehaltigem Alkohol mit Zinn 
oder Zink in gelinder Wärme ohne Gasentw icke hing (F. Hoppe-Seyler), sowie 
durch Erwärmen seiner Lesung in Eisessig mit Bromwasserstoff (Nencki und 
Sieber) in Hämatoporphyrin verwandelt. Hämochromogen (redigiertes Hämatin) 
geht bei der Einwirkung selbst schwacher Säuren leicht in Hämatoporphyrin 
über (F. Hoppe-Seyler). Das Verfahren von Xencki und Sieber-) scheint 
ein reines Präparat zu liefern. Bei der weiteren Behandlung mit reduzierenden 
Mitteln liefert es einen Körper, der sich spektroskopisch wie das Urobilin verhält. 

A. Vorkommen. Nach den Untersuchungen von Grarrod, von 

Saillet sowie von Keyzer, kommt das Hämatoporphyrin in geringer 

Menge aber regelmässig im normalen Harn des Menschen mnl nach 
Stokvis auch der Kaninchen vor. Neubauer bestätigt das Vor- 
kommen im normalen Kaninchen harn, Nakarai vermissl dasselbe 
dagegen bei Löwen und Tigern trotz blutreioher Nahrung. Reichlicher 
findet es sich gelegentlich bei den verschiedensten mit und ohne Fieber 
verlaufenden Krankheiten, ohne dass die Harne immer in der Farbe 
etwas Auffälliges darbieten. Das Hämatoporphyrin kann zum Teil als 
Chromogen vorhanden sein. Deshalb gestattet die Farbe des Harns nicht 
ohne weiteres einen Schluss auf die Menge des Hämatoporphyrin. Auf 
dem Gehalt an Chromogen beruht die bekannte Eigenschaft der Hämato- 
porphyrinharne nachzudunkeln. Sehr oft sind auch dunkel weinrote, 
hämatoporphyrinreiche Harne während und nach dem Gebrauch von 
Sulfonal, Trional, Tetronal gesehen und untersucht worden, so von 
Stokvis, Salkow^ski, Hammarsten und vielen anderen ; doch 
sind auch so stark gefärbte Harne (N e u s s e r , Sobernheim, 
Thornton 3 ) u. a.) vorgekommen ohne den Gebrauch dieses oder 



x ) Saillet, Bull, de therap. 1894. 400; Revue de med. 16. 542. 1896. 

2 ) E. Hoppe- Sey ler, mediz.-chem. Untersuch. 528, 1871. — H. Nencki 
u. N. Sieb er, Monatsschr. f. Chem. 9. 115. 1888; Arch. f. exper. Pathol. 24. 
130. 1888. 

3 ) J. Keyzer, Diss. Freiburg i. B. 1897 (angefertigt bei Stokvis). — 
O. Neubauer, Archiv f. exper. Pathol. u. Pharm. 43. 456. 1900. — Nakarai, 
Deutsches Archiv f. klin. Med. 58. 165. 1897. — Archibald E. Garrod. Journ. 
of Physiol. 13. 619. 1893; 17. 350. 1894. — Saillet, a. a. O. — Stokvis, 
Zentralbl. f. d. med. Wissensch. 1896. 177. — B. J. Stokvis, Nederl. Tijdschr. 
voor Geneesk. 1889. 2. 413. — Salkowski, Zeitschr. f. physiol. Ch. 15. 286. 
1891. — Hammarsten, Skandin. Archiv 3. 319. 1892. — E. Neuss er, Sitzungs- 
ber. d. k. Akad. d. Wissensch. 84. 3. Abt. 356. 1881. — Sobernheim, Deutsche 
med. Wochenschr. 24. 1892. — G. L. Thornton, Lancet 1904. 888. 



1320 Schulz, Farbstoffe. 



ähnlicher Mittel. Ferner ist starke Hämatoporphyrinurie ein fast kon- 
stantes Symptom bei Bleikranken (Stokvis, Binnendijk, 
Schulte, Deroide und Lecompt) 1 ). 

Das stärkere Auftreten von Hämatoporphyrin im Harn war bei 
verschiedenen Krankheiten schon mehrfach wahrscheinlich gemacht 
(Baumstark [1874], Neusser, Stokvis, Mc. Munn,LeNobel, 
Copemann). Den Beweis dafür, dass es sich wirklich um Hämato- 
porphyrin handelte, erbrachte hauptsächlich auf Grund des spektro- 
skopischen Verhaltens zuerst S a 1 k o w s k i in seinem Fall von Sulfonal- 
vergiftung. In reinem, krystallisiertem Zustand wurde das Hämato- 
porphyrin bei Sulfonalvergiftung zuerst von Hammarsten dar- 
gestellt; später stellten Garrod, sowie Riva und Z o j a 2 ) ebenfalls 
Hämatoporphyrin aus Harn rein dar. 

Manchmal enthalten nach Garrod 3 ) die Uratsedimente Hämato- 
porphyrin, dann aber in einer Form, in welcher es das metallische 
Spektrum zeigt. 

Mac Murin erhielt das Hämatoporphyrin nicht rein, sondern mit anderen 
Farbstoffen, namentlich Urobilin, gemengt, hielt aber diese Gemische für eigen- 
artige Körper. Das an Urobilin reichere Hämatoporphyrin ist sein febriles, 
oder, wie er es später nannte, pathologisches Urobilin, das an Urobilin ärmere 
Gemisch sein Urohämatin, oder, nach späterer Bezeichnung Urohämato- 
porphyrin. Mit der Untersuchung der Farbstoffe von Mac Munn haben sich 
Garrod und Hopkins 4 ) beschäftigt. Garrod, sowie Riva und Zoja stellten 
das Hämatoporphyrin aus Harn rein dar. 

Neben dem Hämatoporphyrin kommt im Harn noch das Chromogen 
des Farbstoffs vor (B. 7.). 

Sehr kleine Mengen Hämatoporphyrin hat Stokvis in sehr vielen Harnen, 
auch Gesunder, nach einem dem Garrods ähnlichen Verfahren aufgefunden. - — 
Hopkins 5 ) hat beobachtet, dass beim Sättigen des Harns mit Chlorammon mit 
der Harnsäure auch Hämatoporphyrin ausfällt; es lässt sich dem Niederschlag 
durch angesäuerten Alkohol oder durch wässerige Salzsäure in überraschend vielen 
Fällen, auch bei Verarbeitung normalen Harns, entziehen und spektroskopisch 
nachweisen. — Es ist, bei Verwendung genügend grosser Harnmengen, nicht schwer, 

x ) B. J. Stokvis, Zeitschr. f. klin. Med. 28. 1. 1895. — Binnendijk, mit- 
geteilt bei Schulte. — Schulte, Deutsches Archiv f. klin. Med. 58. 313. 1897. — 
Deroide et Lecompt, Compt, rend. Soc. biol. 50. 396. 1898. 

2 ) F. Baumstark, Ber. d. ehem. Gesellsch. 7. 1170. 1874. — E. Neusser, 
Sitzungsb. Wien. Akad. 1881. — B. J. Stokvis, 1. c. — Mac Munn, Pro- 
ceed. Roy. Soc. 31. 26 u. 206; Jahresber. f. Tierch. 1881. 211; Brit. med. Journ. 
Oct. 1885; Zentralbl. f. d. med. Wissensch. 1884. 138; Journ. of Physiol. 6. 36. 
1885; 10. 71. 1889. - E. Salkowski, 1. c. — Garrod, Journ. of Physiol. 
13. 598. 1893; 15. 108. 1894. — A. Riva und L. Zoja, Gaz. med. di Torino. 
anno XLIII n. 22. 1892. — L. Zoja, Zentralbl. f. d. med. Wissensch. 1892. 
706; Archivio italiano di clinica medica 1893; Archives italiennes de Biol. 19. 
fasc. 3. 1893. 

3 ) Garrod, Journ. of Physiol. 15. 116. 1893; 17. 441. 1895. 

4 ) Mac Munn, Proc. a. a. O.; Journ. of Physiol. 6. 35. 1885. — A. E. 
Garrod und F. G. Hopkins, Journ. of Physiol. 20. 131. 1896. 

5 ) Stokvis, Jahresber. f. Tierch. 1893. 593. — F. Gowland Hopkins, 
Guys Hosp. Reports 50. 356. 1893; Journ. of Pathol. and Bacteriol. 1. 453. 1893. 



Hämatoporphyrin. 1321 



sich von der Richtigkeit der Angaben Garrods über das Vorkommen von Hämato- 
porphyrin im normalen Harn zu überzeugen. 

Man kann, nach H u p p e r t , fast mit Bestimmtheit darauf rechnen, 
im Fieberharn viel mehr Hämatoporphyrin anzutreffen, als im Harn Gesunder. 
Nach Garrod tritt es in reichlicher Menge auf bei enterischem Fieber, Addison - 
scher Krankheit, bei Morbus Basedowii und Phthisis, in massiger Vermehrung 
bei Störungen der Lebertätigkeit und der Tätigkeit der blutbereitenden Organe 
überhaupt (Riva und Zoja), und zwar gewöhnlich bei Cirrhose und Carcinom 
der Leber, sehr konstant bei der Bleivergiftung (Stokvis), beim akuten Rheuma- 
tismus (Mac Munn) und bei Gicht. Neuss er fand seinen Farbstoff bei fibrinöser 
Pleuritis, sowie bei Morbus Brightii, Anderson bei Hydroa aestiva, Nebel- 
thau bei hereditärer Syphilis, Calvert und Garrod x ) bei einem Magengeschwür 
mit Hämatemesis. Keine Vermehrung findet für gewöhnlich statt bei der perni- 
ziösen Anämie, jedoch beschreibt Taylor einen Fall, bei dem grössere Mengen 
von Hämatoporphyrin auftraten. Auch die Hämatoporphyrinurie nach dem 
Gebrauch von Sulfonal geht nicht mit einer gesteigerten Zerstörung der Blutkörper- 
chen einher. Die von Stokvis ausgesprochene Vermutung, dass das Hämato- 
porphyrin im Darm aus daliin gelangtem Blut entstehe, und dass sich die nach 
dem Gebrauch von Sulfonal auftretende starke Hämatoporphyrinurie aus Blutungen 
in den Darm erkläre, hat sich nach Untersuchungen von Garrod und Hopkins, 
von Käst und Weiss, sowie von Stokvis 2 ) selbst als nicht begründet erwiesen. 

Auch der Gebrauch von Trional hat nach Schultze, Herting, Beyer 
u. a. 3 ) eine so starke Ausscheidung von Hämatoporphyrin im Gefolge, wie der 
von Sulfonal, ebenso nach Herting der Gebrauch von Tetronal. 

Quincke hat bei Sulfonalvergiftung einen Farbstoff beschrieben, der 
dem Harn eine ganz ähnliche Farbe verlieh, wie Hämatoporphyrin, sich aber 
durch sein spektrales Verhalten wesentlich vom Hämatoporphyrin unterschied. — 
Auch Käst und Weiss beobachteten bei Sulfonalvergiftung bei Kaninchen 
einen roten Farbstoff, der mit Hämatoporphyrin nicht identisch war. Hierher 
gehört wohl auch ein purpurfarbiges Harnpigment, das kongenital bei drei 
Familienmitgliedern auftrat (Schölberg 4 )). 

In Tierversuchen (Hund, Kaninchen) konnten Stokvis, Käst und Weiss, 
Neubauer durch Sulfonalvergiftung Hämatoporphyrin erzeugen, während das 
Bonnani 5 ) nicht gelang. 

Das Wesen der Hämatoporphyrinurie ist noch nicht genügend aufgeklärt 
(s. die Zusammenstellung von Schulz 6 )). 

Nach Parmentier 7 ) wird die Hämatoporphyrinurie stets von Urobilin- 
urie begleitet. 



x ) Garrod, Edinburgh med. Journ. August 1897. 113. — T. M. Call 
Anderson, Brit. Journ. of Dermatol. 1898. Jan.; Jahresber. f. Tierch. 28. 680. 
1898. — E. Nebelthau, Zeitschr. f. physiol. Ch. 27. 324. 1898. — J. Calvert und 
A. Garrod, Clinical soc. Transcat. London 1901. 34; Jahresber. f. Tierch. 31. 
855. 1901. 

2 ) Stokvis, Tijdschr. a. a. O. 409; Jahresber. f. Tierch. 1893. 593; Zeitschr. 
f. klin. Med. 28. 1. ■ — Garrod und F. G. Hopkins, Journ. of Pathol. and Bacteriol. 
Jan. 1896. 434. — A. Käst und Th. Weiss, Berliner klin. Wochenschr. 28. 1896. — 
Stokvis, Zentralbl. f. d. med. Wissensch. 1896. 177. — A. E. Taylor, Zentralbl. 
f. inn. Med. 1897. 873. 

3 ) Schultze, Deutsche med. Wochenschr. 7. 1894. 152. — Herting, 
Ebenda 15. 1894. — Beyer, Deutsche med. Wochenschr. 1896. Nr. 1. 

4 ) H. Quincke, Berliner klin. Wochenschr. 1892. 889. — A. Käst und 
Th. Weiss, Ebenda 1896. 621. — H. A. Schölberg, Lancet 1902. I. 666. 

5 ) A. Bonanni, Policlinico 15. 84. 1907. 

6 ) Fr. N. Schulz, Ergebn. d. Physiol. 2. I. 161. 1903. 

7 ) H. Parmentier, These de Paris 1905. 



1322 Schulz, Farbstoffe. 



Genaueres über die Mengenverhältnisse, in denen das Hämatoporphyrin 
unter verschiedenen Umständen auftritt, wird man erst erfahren, wenn syste- 
matische Untersuchungen hierüber nach einheitlicher Methode angestellt werden. 
Versuche zu quantitativer Bestimmung sind nur wenig unternommen worden. 
Garrod fand im Liter normalen Harn durch Wägen des in Alkohol löslichen 
Anteiles des Farbstoffes 0,7 mg, bei einem Herzfehler mit Leberzirrhose durch 
Wägen und kolorimetrische Bestimmung im Liter 10 mg, wobei zu berücksichtigen 
ist, dass bei der Darstellung des Farbstoffes ungefähr die Hälfte verloren geht. 
Saillet bestimmte spektrometrisch in der Tagesmenge normalen Harn 2 — 11 mg, 
nur Yio soviel, als der normale Harn Urobilin enthält; Urobilin und Hämato- 
porphyrin steigen und fallen im normalen Harn miteinander. Aus 1 Liter Sulfonal- 
harn fällte Salkowski 1 ) nach seinem Verfahren 0,87 g Hämatoporphyrin (orga- 
nische Substanz). 

B.Eigenschaften. 1. Das von Nencki und S i e b e r mittels 
Bromwasserstoff iaus Hämatin dargestellte Hämatoporphyrin, C 16 H 18 N 2 3 , 
wird aus seiner Lösung in schwacher Salzsäure beim Neutralisieren mit 
Natronlauge und nachträglichem Zusatz einiger Tropfen Essigsäure oder 
besser sogleich durch Zusatz von essigsaurem Natron in amorphen 
braunen Flocken gefällt. Diese lösen sich fast nicht in Wasser, in 
verdünnter Essigsäure, Benzol, Nitrobenzol, Äthylenbromid, nur wenig 
in Äther, Amylalkohol, Chloroform, Phenol, leicht aber in Alkohol, 
in den Alkalihydraten und -Carbonaten, sowie in verdünnten Mineral- 
säuren. Es löst sich auch leicht in Eisessig, diese Lösung scheidet 
aber nach Nencki und Botschy 2 ) langsam braunrote Krystalle von 
der Form des Hämatoidins ab, die sich nur spurenweise in Alkohol 
und in verdünnter Salzsäure, leicht dagegen in den Alkalien lösen. In 
saurer Lösung wird es durch Kochsalz, Magnesiumchlorid, Ammonium- 
sulfat, Bleiacetat gefällt. 

Z a 1 e s k i 3 ) schreibt dem Hämatoporphyrin neuerdings die Formel 
C 34 H 38 N 4 6 zu. Die Entstehung des Hämatoporphyrin aus Hämin drückt 
Z a 1 e s k i durch folgende Gleichung aus : 

C 34 H 33 N 4 4 FeCl + 2HBr + 2H 2 = C 34 H 38 N 4 6 + PeBr a + HCl. 

Durch Reduktion von Hämin mit Jodwasserstoff und Phosphonium- 
jodid entsteht nach Nencki und Z a 1 e s k i das dem Hämatoporphyrin 
nahestehende Me so porphyrin C 34 H 38 N 4 4 . Aus dem Chlorophyll 
lässt sich nach Schenk und Marchlewski ein dem Hämatopor- 
phyrin sehr ähnliches, auch im spektralen Verhalten, Phyllopor- 
p h y r i n gewinnen. 

Wird das Hämatoporphyrin bei 100° getrocknet, so büsst es unter 
fortwährendem Gewichtsverlust an Löslichkeit in verdünnter Salzsäure 
und in Alkohol ein. 



*) Garrod, a. a. O. 17. 352. — Saillet, Revue de med. 16. 552; 17. 127. — 
Salkowski, Zeitschr. f. physiol. Ch. 15. 299. 1891. 

2 ) Nencki und Sieber, Archiv f. exper. Pathol. 24. 432. 1888. — 
M. Nencki und A. Rotschy, Monatshefte f. Ch. 10. 568. 1889. 

3 ) J. Zaleski, Zeitschr. f. physiol. Ch. 37. 54. 1902. 



Hamatoporphyrin. 1323 



Das durch Einwirkung von konzentrierter Schwefelsäure auf Hämatin 
gewonnene Hamatoporphyrin besitzt die Zusammensetzung C 32 H 34 N 4 5 und wird 
von Xencki und Sie her x ) als das Anhydrid der oben beschriebenen Verbindung 
betrachtet. Es bildet braune, in Alkohol, in Äther und in verdünnten Säuren fast 
unlösliche, in den Alkalien aber leicht lösliche Flocken. 

Auch das Hamatoporphyrin aus Harn scheidet sich nach Garrod 2 ) aus 
seinen Lösungen in Chloroform, in Äthyl- und Amylalkohol beim (freiwilligen) 
Verdunsten immer amorph, gewöhnlich in sehr kleinen Kugeln aus und löst sich 
darnach leicht in Alkohol. Seiner Lösung in Chloroform lässt es sich durch 
Schütteln mit angesäuertem Wasser entziehen (Huppert). 

Das von Saillet ö ) aus dem Harn gewonnene Hamatoporphyrin fällt bei 
annäherndem Neutralisieren seiner Salzsäuren Lösung mit Ammoniak als braunes 
amorphes Pulver aus. Es ist unlöslich in Petroläther, fast unlöslich in Wasser 
und in Chloroform, wenig löslich in Essigäther und in Sohwefeläther, besser in 
Alkohol, sehr leicht in Essigsäure, in Oxalsäure, in Mineralsäuren und in Alkalien. 
In Gegenwart von Mineralsäure oder .Alkali löst es sich leichter in Wasser als in 
Essigätlier und in Schwefeläther, durch 5%ige Salzsäure wird es seiner Lösung 
in den beiden Äthern entzogen; in neutralem Zustand oder in Gegenwart von 
Essigsäure oder Oxalsäure oder einer Spur Mineralsäure löst es sich dagegen in 
den beiden Äthern besser als in Wasser, es wird aus der essigsauren Lösung durch 
die Äther aufgenommen. 

Die- alkoholische und die alkalische Lösung des von Ncncki und 
Sie ber dargestellten Hämatoporphyrins sind schön rot und zeigen 
ein Absorptionsspektrum mit 4 Streifen (das „alkalische" Spektrum, 
Taf. II, Spektrum 5b). Dasselbe Spektrum weisi auch die alkoholische, 
mit Essigsäure angesäuerte Lösung auf. Das Anhydrid verhält sich spek- 
troskopisch wie das Hydrat (Ncncki und Sieber). An der Luft 
nimmt die alkalische Lösung allmählich einen bräunlichen Ton an. 

Bei trockener Destillation entsteht ,aus dem Hamatoporphyrin 
Pyrrol, durch Oxydation mit Dichromat und Eisessig entstehen Hämatin- 
säuren. Es sind dies eine einbasische Säure von dm- Formel C 8 H 9 N0 4 
und eine Säure C 8 H g 5 , die ein Anhydrid einer dreibasischen Säure 
C 8 H 10 O c darstellt. Nach den bisherigen Erfahrungen ist für das Hamato- 
porphyrin von C 34 H 38 N 4 6 folgende Formel wahrscheinlich: 

CH 3 — C-C — CH — C(OH)— C = C — C(OH) — CH — C — C— CH 3 

\/ II II 

O CH CH 



CH CH ü 

\/ 

NH 



NH 



NH CH 2 CH 2 NH 



CH CH O O CH CH 

II II /\ /\ II II 

CH 3 — C — C — CH — CH— CH-CH — CH — CH-C — C — CH< 



!) Nencki und Sieber, Monatshefte f. Ch. 9. 116. 1888; Archiv f. exper. 
Pathol. 18. 413; 24. 438. 1888. 

2 ) Garrod, a. a. 0. 13. 306. 

3 ) Saillet, Revue de med. 16. 545. 

Neubauer-Huppert, Analyse des Harns. 11. Aufl. 84 



1324 Schulz, Farbstoffe. 



Dasselbe nur statt zwei OH-Gruppen mit 2H wäre Phyllopor- 
phyrin. 

2. Es bildet nach N e n c k i und S i e b e r mit Salzsäure ein 
in langen braunroten rhombischen Nadeln krystallisierendes Salz 
C 16 H 18 N 2 3 , HCl. Die Verbindung löst sich leicht in ganz schwach 
saurem Wasser, mit wachsender Konzentration der Säure nimmt aber die 
Löslichkeit ab. Durch Kochsalz, Chlormagnesium, Ammonsulfat und 
andere Neutralsalze wird das salzsaure Hämatoporphyrin gefällt; hat 
man Neutralsalz nicht bis zur Fällung eingetragen oder den bereits ge- 
bildeten Niederschlag abfiltriert, so krystallisiert die Verbindung beim 
Stehen der Lösung in Krystallbüscheln. Wasser zersetzt die Kry stalle, 
in Verdünnter Salzsäure sind sie aber haltbar; beim Erwärmen verharzt 
die Lösung leicht. Die Krystalle bräunen sich leicht im Licht; beim 
Trocknen über Schwefelsäure werden sie amorph. Die über Schwefel- 
säure Und Natronkalk bis zur Gewichtskonstanz getrockneten Krystalle 
lösen sich nicht mehr vollständig in Wasser, aber in Alkohol. 

Die Lösungen in verdünnten Mineralsäuren sind lebhaft rot mit 
einem Stich ins Blaue und bieten das „saure" Absorptionsspektrum dar 
(Tai II, 5 a). Eine alkoholische Lösung der über Schwefelsäure und 
Natronkalk vollständig getrockneten Krystalle zeigt das „fünfbandige 
alkalische" Spektrum (Taf. II, 5 c), auf Zusatz einer Spur Salzsäure 
zur Lösung verschwindet dieses aber und an seine Stelle tritt das „saure" 
Spektrum. 

3. Das Hämatoporphyrin verbin detsich auch mit Metallen. 
Von diesen Verbindungen scheinen wenigstens die mit den Alkalien in 
zweierlei Form zu bestehen. Aus der Lösung von Hämatoporphyrin in 
warmer Natronlauge scheidet sich nach N e n c k i und S i e b e r beim 
Erkalten die Verbindung C 16 H 17 NaN 2 3 , H 2 in kleinen Drusen brauner 
doppelbrechender Krystalle aus. Das Salz ;ist in Wasser bedeutend 
leichter löslich als das Chlorid, aber nur wenig in kaltem Alkohol. In 
Wasser leicht löslich sind ausserdem nur noch das Kalium- und das 
Ammonsalz. Salze mit anderen Metallen erhält man aus dem Natrium- 
salz durch Doppelzersetzung. Essigsaures Zink gab ein amorphes Salz 
von der Zusammensetzung C 16 H 16 ZnN 2 3 , H 2 0, salpetersaures Silber 
ein Salz, welches annähernd die Zusammensetzung C 16 H 17 AgN 2 3 hatte. 
Die Salze der schweren JMetalle sind unlöslich, das Barium- und 
Calciumsalz nahezu unlöslich in Wasser. Auch die Metall Verbindungen 
vertragen 'das Trocknen in höherer Temperatur nicht. 

Von iden Metallverbindungen des Hämatoporphyrins lässt sich eine 
Lösung des Zinksalzes leicht in der Weise darstellen, dass man eine 
ammoniakalisch gemachte Hämatoporphyrinlösung mit etwas Chlorzink- 
lösung versetzt. Das alkalische Spektrum verschwindet und an seine 



Hämatoporphyrin. 1 i i25 



Stelle tritt das ,, metallische" Spektrum (Tai II, 5 d). Diese Umwandlung 
der Spektren vollzieht sich jedoch sehr langsam und ist oft erst nach 
Stunden vollendet. Die Geschwindigkeit der Reaktion scheint nach 
Hammarsten von dem Gehalt der Flüssigkeit an Zink und der 
Alkalescenz abzuhängen. Im Gegensatz zu dem Urobilin zeigt eine 
Lösung des reinen Salzes keine Spur einer Fluorescenz. Das Spektrum 
der Zinkverbindung ist zuerst von J\I a c M u n n und danach von 
Hammarsten und von Garrod 1 ) beschrieben worden. 

Solche Metallsalze des Hämatoporphyrins lassen sich nach R i v a 
und Zoja auch darstellen, wenn man eine Lösung des Farbstoffes in 
Amylalkohol (einen amylalkoholischen Harnauszug) mit Salzlösungen 
versetzt; es fallen dann die Metallverbindungen aus. 

Die Bildung des Niederschlages erfolgt leichter, wenn man vor dem Zusatz 
des Salzes dem Amylalkohol ein wenig Ammoniak hinzufügt und dieses durch 
die erforderliche Menge Äthylalkohol in Lösung bringt. Zoja hat so Niederschläge 
erhalten mit Chlorcalcium und Chlorbarium, Chlorzink, Bleiacetat, Quecksilber- 
chlorid, Zinnchlorür, und auch mit Chlorammon. Die Niederschläge lassen sich 
durch Waschen mit Amylalkohol und mit Äthylalkohol von anderen farbigen 
Substanzen (Urobilin) befreien und geben dann, in Alkohol suspendiert, das 
metallische Spektrum; nur scheint die Lage der Streifen, ihre Breite und Intensität 
nach der Art des Metalles etwas verschieden zu sein. Behandelt man sie mit 
Natriumcarbonat oder Natriumhydrat, so erhält man farbige Flüssigkeiten, welche 
gleichfalls das metallische Spektrum darbieten. Ihre Lösungen in salzsäurehaltigem 
Wasser sind prächtig violettrot und zeigen das saure Spektrum, und dieses wird, 
wenn man die Flüssigkeit alkalisch macht, zum alkalischen Spektrum. Nur der 
Bleiniederschlag macht eine Ausnahme. Das Blei fällt auch andere Farbstoffe, 
deren Spektren in der Lösung mit zum Vorschein kommen, und ausserdem können 
zugleich auch mehrere Spektren des Hämatoporphyrins nebeneinander auftreten, 
z. B. das saure und das fünf bandige alkalische. Zoja hat in den Lösungen des 
Bleiniederschlages oft auch noch einen breiten Streifen in der Mitte zwischen F 
und G, von der Lage des zweiten Luteinstreifens, beobachtet. 

Der Zinkniederschlag ist flockig und braun, unlöslich in Wasser, Amyl- 
alkohol, absolutem Alkohol, Äther und Chloroform, löslich in konzentrierter und 
schwacher Natronlauge, in angesäuertem Alkohol und in konzentrierten und ver- 
dünnten Mineralsäuren ; in zwei Versuchen von Zoja ging derselbe bei Verwendung 
eines Überschusses des Fällungsmittels (alkoholisch-ammoniakalischer Zink- 
lösung) wieder in Lösung, und nach 12—18 Stunden hatten sich an der Wand des 
Glases Gruppen kleiner roter, in Alkohol unlöslicher Krystalle abgesetzt. Die 
beabsichtigte Darstellung solcher Krystalle gelang jedoch nicht. • — Der Baryt- 
niederschlag war ziegelrot, der mit Zinnchlorür erhaltene Niederschlag oft rot. 

Nach Zoja "verschwindet in einer alkoholisch - a m m o n i a k a 1 i - 
sehen Hämatoporphyrinlösung nach einiger Zeit das alkalische 
Spektrum und es tritt das metallische an seine Stelle; auch beide 
Spektren nebeneinander können zur Beobachtung gelangen. Eine ähn- 
liche solche Ammonlverbindung erhielt ,S a i 1 1 e t 2 ) bei anhaltendem 
Kochen einer ammoniakalischen Hämatoporphyrinlösung. 

Die anfangs hellrosenrote Lösung wird bald dunkelrosenrot, weist aber 
zunächst noch das alkalische Spektrum auf; bei weiterem Kochen tritt an die 

*) Hammarsten, Skandin. Archiv 3. 329. — Garrod, a. a. O. 13. 613. 
2 ) Saillet, Revue de med. 16. 548. 

84* 



1326 Schulz, Farbstoffe. 



Stelle dieses ein dem des Sauerstoff -Hämoglobins täuschend ähnliches; auf Zusatz 
von Säure erscheint jetzt sogleich das saure Spektrum. Setzt man das Kochen 
der ammoniakalischen Lösung unter Ersatz des verdunstenden Wassers sehr lang 
fort, so beginnt sich ein an der Wand des Gefässes haftender Niederschlag abzu- 
scheiden; löst man den Niederschlag nach dem Erkalten in Ammoniak und neu- 
tralisiert oder übersättigt die Lösung mit Salzsäure, so fallen langsam blutrote 
Flocken aus, während das unveränderte Hämatoporphyrin in Lösung bleibt. 

Nach dem Waschen des Niederschlages mit angesäuertem Wasser erweist 
sich der Niederschlag als unlöslich in Petroläther, Essig- und Schwefeläther, Chloro- 
form, Mineralsäuren und in angesäuertem Wasser. Er löst sich sehr wenig in 
Wasser und in Alkohol, wenig in angesäuertem Äther, etwas besser in angesäuertem 
Alkohol, gut in Eisessig, sehr leicht in den Alkalien. In Gegenwart von Alkali 
ist die Verbindung leichter löslich in Wasser als in Essig- und in Schwefeläther, 
in Gegenwart einer Mineralsäure leichter löslich in den beiden Äthern als in Wasser. 

Die Unlöslichkeit der Substanz in Säuren und in angesäuertem Wasser, 
und die leichte Löslichkeit des Hämatoporphyrins in ihnen ermöglicht eine schnelle 
und vollständige Trennung beider. Man säuert mit einer Mineralsäure an und 
schüttelt mit Schwefeläther, wobei sich ein Teil der Verbindung löst, der andere 
Teil sich in Flocken an der Grenzschicht abscheidet, während das Hämatopor- 
phyrin in der sauren Flüssigkeit gelöst bleibt. Die Flocken lösen sich in einem 
Gemisch von Alkohol und Äther. 

Die Lösungen besitzen eine dunkelrosenrote, von der des Hämatoporphyrins 
verschiedene Farbe, die in neutralen, sauren und alkalischen Lösungen nicht ver- 
schieden ist. Die Lösung (in Alkohol, Essigsäure, Alkalien) besitzt ein zwei- 
bändiges, dem des reduzierten Hämatins sehr ähnliches Spektrum, weshalb 
Saillet die Substanz als eisenfreies Hämochromogen bezeichnet. Der a im 
Spektrum des reduzierten Hämatins entsprechende Streifen ist wie dieser sehr 
dunkel, seine Mitte entspricht A 563; der andere, nicht bis b reichende, ist sehr 
blass und nicht so scharf begrenzt wie der erste (mittlere Wellenlänge A 527). 
Das erste Band verschwindet erst bei sehr starker Verdünnung und ist in einer 
fast farblosen Lösung in saurem Äther noch sichtbar. In der Beständigkeit des 
Spektrums in neutraler, saurer und alkalischer Lösung ist diese Verbindung vom 
reduzierten Hämatin verschieden. Die in Wasser suspendierte Substanz zeigt ein 
dem der Zinkverbindung ähnliches Spektrum (Taf. II, 5d), unterscheidet sich von 
ihm aber dadurch, dass das rechte Band nicht dunkel ist. Die Mitte des ersten 
Streifens liegt auf A 580, die des zweiten auf A 543. Bei gelindem Erwärmen mit 
Schwefelsäure oder beim Kochen mit Salzsäure geht die Verbindung wieder in 
das saure Hämatoporphyrin über. 

Bei der Darstellung von Uroerythrin aus roten Uratsedimenten 
nach dem Verfahren von Riva und Z o j a hat Garrod 1 ) wiederholt 
auch das metallische Spektrum des Hämatoporphyrins im amylalkoholi- 
schen Auszug der Sedimente zu Gesicht bekommen. 

Der Farbstoff löste sich auch in Chloroform mit roter Farbe, ferner in 
Essigäther, sowie in heissem absolutem Alkohol, aber nicht in kaltem. Ammoniak 
und Essigsäure liessen das Spektrum unverändert, Mineralsäuren verwandelten es 
sofort in das saure; die Lösung in Essig;äther zeigte nach einigen Stunden ein dem 
neutralen ähnliches Spektrum. Die Substanz konnte dem Amylalkohol durch 
Schütteln mit konzentrierter Kochsalzlösung entzogen werden, während das Uro- 
erythrin im Amylalkohol blieb. Das gewöhnliche Hämatoporphyrin geht aus 
dem Amylalkohol nicht in die Kochsalzlösung über. 

4. Farbe. 

Die Lösungen des Hämatoporphyrins von der Reinheit, wie man 

es nach dem Verfahren von Garrod aus Harn (und ebenso aus Blut) 



x ) Garrod, Journ. of Physiol. 15. 117. 



Hämatoporphyrin. L327 



gewinnt, besitzen alle eine schön rote Farbe mit einer Beimengung 
von Blau. Schwache Lösungen sind von der Farbe einer verdünnten 
Permanganatlösung oder einer neutralen Lackmuslösung (rosenrot, pink), 
stärkere Lösungen können als kirsch- und purpurrot bezeichnet werden. 
Die Verbindungen mit Mineralsäuren und die mit Metallen sind in 
ihren Lösungen lebhafter rot und etwas mehr nach Blau hin gefärbt, 
als die Lösungen des Hämatoporphyrins in Alkohol für sich oder nach 
Zusatz von Ammoniak; diese ,, alkalische" Lösung ist. etwas gelblich 
rot. — In Lösungen der unreinen Substanz ist dem ursprünglichen 
Rot Gelb und Braun beigemischt. 

5. Spektrum. 

Die für die Beschreibung gewählte Bezeichnung der Spektren, die 
Garrod 1 ) folgt, entspricht nicht überall dem chemischen Zustande, 
den der Name zum Ausdruck bringt. Doch wird es sich empfehlepi, 
sie vorderhand beizubehalten. Einige der Spektren sind einander ausser- 
ordentlich ähnlich; für die Erkennung der einzelnen und die Unter- 
scheidung von anderen ist es unbedingt nötig, sich über den Ort der 
Absorptionsstreifen mittels der Skala zu unterrichten. Man sieht die 
Spektren nur dann deutlich, wenn die Lösung in der zur Untersuchung 
gelangenden Dicke der Schicht eine ausgesprochene rote Farbe besitzt. 

Der im folgenden gegebenen Darstellung liegen hauptsächlich die 
Angaben von ( 1 a rrod und II u p p e r t s eigene Erfahrungen zugrunde. 

Neuere Untersuchungen, insbesondere für die Zwecke gerichtlicher 
Untersuchungen, rühren von A. Schulz, Takayama, Lewin- 
Miethe-Stenger, Rost-Franz- Heise 2 ) her. Hier wurde an den 
älteren Unterscheidungen festgehalten, da dieselben besonders auf die 
Verhältnisse im Harn zugeschnitten sind. 

a) Das saure Spektrum. Das Tafel II, 5 a abgebildete Spek- 
trum beobachtet man in der Flüssigkeit, welche man erhält, wenn 
man den nach Garrod dargestellten Phosphatniederschlag in salzsäure- 
haltigem Alkohol löst oder mit schwefesäurehaltigem Alkohol auszieht 
(C. 1. 1. a. u. b. S. 1335). Der erste im Orange zwischen C 83 D und D 5 E 
gelegene dunkle Streifen a hat verwaschene Ränder und überragt mit dem 
rechten Rande D um ein Weniges. Der Streifen y im Grün D 42 E — D 77 E 
ist viel dunkler als a, aber auch nicht scharf begrenzt. Von seinem linken 

x ) Garrod, Journ. of Physiol. 13. 607. 

2 ) A. Schulz, Arch. f. Physiolog. Suppl. 271. 1904. — M. Takayama, 
Vierteljahressehr. f. gerichtl. Med. 29. 239. 1905. — L. Lewin, A. Miethe, 
E. Stenger, Pflügers Arch. 118. 80. 1907. — E. Rost, Fr. Franz, 
R. Heise, Mitteil. d. Reichsgesundheitsamts 1907. Bioch. Ztrbl. VI. N. 1890. 
1907. — Arbeiten aus dem Kaiserl. Gesundheitsamt 1908. Oktober. 



1328 Schulz, Farbstoffe. 



Rand erstreckt sich nach Gelb hin, etwa bis D 15 E, ein schwacher 
Schatten ; Ider ian seinem linken Ende etwas dunkler ist. Diese Verstärkung 
des .Schattens wird als das Band ß bezeichnet. In der Abbildung ist noch 
eine Verdunklung des Spektrums dargestellt, die sich ungefähr von E 
violettwärts erstreckt; sie gehört wesentlich dem Urobilinstreifen an 
und ist, wie Garrod zuerst nachwies, in Lösungen von reinem Hämato- 
porphyrin, wie man sie z. B. durch Extraktion der sauren Lösung 
des Phosphatniederschlags mit Chloroform erhält, nicht zu sehen. Sehr 
konzentrierte Lösungen reiner Substanz zeigen nach Garrod aber 
noch einen blassen Schatten, der von E ein wenig über b hinausragt, 
also eine andere Lage besitzt als der Urobilinstreifen. 

Nach Garrod ist die in Wellenlängen ausgedrückte Lage der Streifen für 
a = X 597—587, ß = Ä 576—565, y = Ä 557—541. Nach Parm entier 1 ) a = Ä 
599,5—588, ß= Ä 576—565, y = Ä 558—539. 

Das saure Spektrum erhält man auch, wenn man^eine Lösung des „alka- 
lischen" Hämatoporphyrins mit einer Mineralsäure versetzt oder eine Metallver- 
bindung des Farbstoffes mit einer Mineralsäure behandelt. Phosphorsäure verhält 
sich nach Garrod gegen das alkalische Hämatoporphyrin wie die anderen 
Mineralsäuren, zweifach saures Phosphat bewirkt diese Veränderung aber erst 
dann, wenn ein hoher Grad von Acidität erreicht ist. Zusatz von Essigsäure zu 
einer Lösung des freien Farbstoffes ruft das saure Spektrum aber nicht hervor 
(Nencki und Sieb er). Wäscht man eine saure Lösung des Hämatoporphyrins 
in Chloroform mit Wasser, so tritt nach Garrod das neutrale und das alkalische, 
nach Salkowski 2 ) das alkalische Spektrum auf. 

Der sich an die linke Seite von y anschliessende Schatten ist nach Garrod 
in sehr konzentrierten Lösungen gleichmässig dunkel; bei fortschreitender Ver- 
dünnung hellt sich die unmittelbar an y angrenzende Stelle des Schattens auf 
und endlich löst sich ß als selbständiges Band ab; bei weiterem Verdünnen ver- 
schwindet ß und zugleich werden die beiden anderen Bänder an der Rot zuge- 
kehrten Seite zuerst schmaler, dann behalten sie die erlangte Breite und ver- 
blassen im ganzen, y bleibt aber am Längsten sichtbar. Für die Identifizierung 
sind also die dem Violett zugekehrten Ränder der Streifen die wichtigeren. 

Die Lage der Bänder ist keine konstante; sie hängt zum Teil vom Lösungs- 
mittel ab. Die Streifen rücken nach Garrod um so mehr nach Rot zu, je höher 
das Molekulargewicht des Lösungsmittels ist, wie Untersuchungen mit Wasser, 
Äthyl- und Amylalkohol, Chloroform und Bromoform ergaben. Doch ist der Unter- 
schied nur gering. Bei Verwendung von Äthylalkohol statt Wasser als Lösungs- 
mittel rückt der rechte Rand von a um ungefähr zwei Drittel des Abstandes zweier 
Teilstriche der Skala, welche der Abbildung der Spektren beigegeben ist, und 
der rechte Rand von y um nicht ganz einen Teilstrich nach links, und bei Ver- 
wendung von Chloroform statt Äthylalkohol beträgt die Verschiebung der beiden 
Bänder ungefähr ein Drittel und zwei Teilstriche. Enthält das Chloroform Alkohol, 
so ist die Lageveränderung der Streifen nur sehr gering oder gar nicht wahrnehmbar. 
Zwischen Äthyl- und Amylalkohol findet kein Unterschied statt. 

Auch die Acidität ist nach Garrod von Einfluss auf die Lage der Streifen. 
Zusatz von Säure zur Lösung verschiebt sie nach Rot. Dieser Einfluss der Säure 
scheint aber unbedeutend zu sein. 



x ) H. Parmentier, These de Paris 1905. 

2 ) Garrod, a, a. O. 15. 111. — Garrod, a. a. 0. 15. 115. — Salkowski, 
Zeitschr. f. physiol. Ch. 15. 293. 



Hämatoporphyrin. 1329 



b) Das alkalische vierbandige oder schlechthin das al- 
kalische Spektrum (Tafel II, 5 b) hat einen schmalen Streifen et mit 
stark abgeblassten Rändern in Rot (C 40 D— C 57 D), einen zweiten ß 
in Grün, der als schmaler Schatten nahe bei D beginnt und dessen 
dunkelste Stelle die Lage D 10 E — D 42 E einnimmt; er hört da auf, 
wo y des sauren Spektrums beginnt. Der dritte, y, liegt gleichfalls in 
Grün bei D 75 E — E8F und deckt mit seinem rechten verwaschenen 
Rande E. Der vierte, b, auf der Grenze zwischen Grün und Blau, 
reicht von E 26 F — F 9 G, greift mit dem rechten verwaschenen Rande 
über F hinaus; er fällt nahezu mit dem Urobilinstreifen y un( l mit ß 
des Uroerythrinspektrums zusammen; bei schwacher Beleuchtung geht er 
ohne Grenze in die vom violetten Ende hereinragende Verdunkelung 
des Spektrums über. Von den Streifen sind a und ß die blassesten und 
gleich dunkel, y ist dunkler als diese und b am dunkelsten. Fehlt a 
und wird b übersehen, so können die beiden übrigen Bänder zu einer 
Verwechslung mit dem metallischen Spektrum Anlass geben. 

Nach Wellenlängen (Garrod) a = Ä 623—613, ß = Ä 597—560, y = \ 
541—526, ö = X 512—491. Nach Parmentier a = A 625—614, ß = Ä 597—558, 
y = X 541—526, ö= y 512—490. 

Dieses Spektrum ist das Spektrum des freien Hämatoporphyrins. Man sieht 
es an der Flüssigkeit, die man erhält, wenn man den nach Garrod dargestellten 
Phosphatniederschlag aus Harn mit schwefelsaure] laltigem Alkohol auszieht und 
den Auszug (mit Ammoniak) alkalisch macht (C. I. 1. a. ß. S. 1335); die Lösung ent- 
hält aber dann doch Urobilin. Ohne den Urobilinstreifen kann man das Spektrum 
an dem Chloroformauszug beobachten, den man erhält, wenn man die Lösung 
des Phosphatniederschlages in einer Säure mit Chloroform schüttelt, ebenso an der 
alkoholischen Lösung des Abdampfrückstandes des Chloroformauszuges (C. Ll.'a. y. 
und d. S. 1336). Nach einer solchen alkoholischen Lösung ist das Spektrum der Ab- 
bildung gezeichnet. Auch der Amylalkohol- und, nach Saillet, der Essigäther- 
Auszug des Harns bieten dieses Spektrum dar, aber zugleich mit dem des Urobilins 
und des Uroerythrins. 

Bei fortschreitender Verdünnung verschwindet zuerst der Schatten vor ß 
dann das Band in Rot, die Breite aber der Streifen ist wenig verändert, so lange 
sie sichtbar sind. 

Auch im alkalischen Spektrum ist nach Garrod die Lage der Bänder ab- 
hängig vom Lösungsmittel und vom Grad der Alkalescenz. Setzt man zu einer 
wässerigen alkalischen Lösung wenig Alkohol, so rücken alle vier Bänder etwas 
nach Blau zu, auf Zusatz von mehr Alkohol nehmen « und ß wieder die Lage ein, 
wie in der wässerigen Lösung, die beiden anderen bleiben aber nach Blau ver- 
schoben. Eine Lösung des Farbstoffes in reinem starken Alkohol zeigt y und 6 
mehr nach Blau, y mehr nach Rot zu, als eine wässßrige Lösung, so dass das Spek- 
trum mehr in die Breite gezogen erscheint. — Eine Erhöhung der Alkalescenz 
verrückt das ganze Spektrum nach Blau. — In einigen Fällen hat Garrod bei 
Gegenwart eines Überschusses von Ammoniak noch ein breites Band in der Mitte 
zwischen F und G, von der Lage des zweiten Luteinbandes gesehen, und dieselbe 
Wahrnehmung machte Stokvis 1 ) an einer Lösung von Hämatoporphyrin in 
Alkali, das durch Fällen mit Essigsäure gewonnen worden war. Ein gleiches Band 
beobachtete Saillet bei einem Oxydationsprodukt des Hämatoporphyrins (B. 6.). 

!) Garrod, a. a. O. 13. 612. — Stokvis, Tijdschr. a. a. 0. 416. 



1330 Schulz, Farbstoffe. 



Essigsäure und andere organische Säuren verändern das Spektrum nicht, 
Salzsäure führt es in das saure über, zweifach saures Phosphat nur bei starkem 
Ansäuern (Garrody, ammoniakalisehe Chlorzinklösung in das metallische. Macht 
man eine Lösung, welche neben Hämatoporphyrin noch Urobilin enthält, erst 
mit Ammoniak alkalisch und darauf mit Essigsäure sauer, so sieht man das al- 
kalische Spektrum des Hämatoporphyrins neben dem sauren des Urobilins (Garrod 
und Hopkins). Le Nobel 1 ) hat zuerst darauf aufmerksam gemacht, dass auch 
eine schwach saure Hämatoporphyrinlösung das alkalische Spektrum zeigt; ver- 
setzt man dementsprechend eine stark saure Lösung mit Alkali, so kann, lange 
bevor die alkalische Reaktion hergestellt ist, das alkalische Spektrum zum Vor- 
schein kommen. 

c) Das fünfbandige alkalische Spektrum unterscheidet sich 
von dem gleichnamigen vierbandigen lediglich dadurch, dass in ihm 
noch ein mit dem linken Rande an C angrenzendes schmales Band im 
Rot (Extraband e) zu sehen ist. 

Dasselbe ist bald blasser, bald dunkler als a des alkalischen Spektrums; es 
schliesst sich an die vom roten Ende in das Spektrum hineinragende Verdunkelung 
an und es ist deshalb nicht immer ein Urteil darüber zu gewinnen, ob es zugegen 
ist oder nicht. Mac Munn, der es zuerst sah, war der Meinung, dass wenigstens 
das Extraband von einem anderen Farbstoff als dem Hämatoporphyrin herrühre, 
und in dieser Ansicht sind ihm andere gefolgt. Le Nobel schreibt das fünfbandige 
Spektrum einem von ihm „Substanz B" oder Isohämatoporphyrin benannten 
Farbstoff zu. Nencki und Sieber haben jedoch gezeigt, dass dem salzsauren 
Hämatoporphyrin bei Abwesenheit aller freien Salzsäure ein solches Spektrum 
zukommt, und ähnliches hat Hammarsten 2 ) beobachtet. Freies Hämatopor- 
phyrin und ein Salz desselben können nebeneinander vorkommen , und von dem 
Mengenverhältnis beider würde die Stärke des Extrabandes abhängen. 

Mit dieser Deutung des Spektrums stehen einige andere Beobachtungen im 
Einklang. Extrahiert man Harn mit Amylalkohol, so zeigt der Alkohol das vier- 
bandige alkalische Spektrum, das fünfbandige, aber nach Zoja dann und nur dann, 
wenn der Harn vorher mit Essigsäure oder Salzsäure versetzt war; Salkowski 
sah an dem Amylalkoholauszug des mit Salzsäure angesäuerten Harns das saure 
Spektrum. Gegen eine Lösung von alkalischem Hämatoporphyrin in verdünntem 
Alkohol verhält sich der reine Amylalkohol wie gegen den nativen Harn; war der 
Amylalkohol aber erst mit verdünnter Salzsäure, dann mit Wasser gewaschen, 
so bietet er nach Garrod, wenn er mit der Lösung des freien Hämatoporphyrins 
geschüttelt worden ist, das fünfbandige Spektrum dar. — Zoja 3 ) beobachtete, 
dass die Lösung eines Zinkniederschlages in saurem Alkohol beim Übersättigen 
mit Ammoniak das saure Spektrum in das fünfbandige alkalische verwandelte. 

d) Das neutrale Spektrum. Ein solches stellt das Spek- 
trum Tafel II, 5 c dar. Es erscheint aus dem sauren und dem alka- 
lischen zusammengesetzt. In demselben entsprechen a, ß und y dem 
stark nach Rot vorgeschobenen sauren Spektrum; a des sauren Spek- 
trums fällt mit a des alkalischen zusammen, y des sauren Spektrums ist 
mit ß des alkalischen zu einem Band vereinigt, b im neutralen Spektrum 
ist das »etwas nach Blau gerückte y des alkalischen Spektrums, e im neu- 

x ) Garrod und Hopkins, Journ. of Physiol. 20. 128. 1896. — Le Nobel, 
Pflügers Archiv 40. 510. 512. 1887. 

2 ) Le Nobel, Pflügers Archiv 40. 5z3. 1887. — Nencki und Sieber, 
Archiv f. exper. Pathol. 24. 436. — Hammarsten, Skandin. Archiv 3. 326. 

3 ) Zoja, Archivio italiano, a. a. O. 5 u. 13. — Salkowski, Zeitschr. f. 
physiol. Ch. 15. 291. — Garrod, a. a. O. 15. 115. — Zoja, a. a. O. 25. 



Hämatoporphyrin. 1331 



traten Spektrum hat dieselbe Lage wie o im alkalischen. In der Alt- 
bildung, welche Saillet 1 ) von dem neutralen Spektrum gibt, er- 
scheint y als das zweiteilige ß des alkalischen Spektrums. Dieses Spek- 
trum scheint das der Verbindung des Jiainatoporphyrins mit einer 
schwachen Säure oder mit wenig einer starken Säure zu sein. 

In Wellenlängen a und ß = Ä 625—616, y = Ä 576—553, 6 = X 540—522, 
e = Ä 512—486. Nach Parmentier a = A 626—620, ß = Ä 617—612, y = 
Ä 578—552, 6 = Ä 541—520, e = X 512—482. 

Das Bild ist gezeichnet nach dem Spektrum, welches Chloroform darbot, 
das nach der Vorschrift von Garrod mit der Lösung des Phosphatniederschlages 
aus Harn in viel konzentrierter Essigsäure geschüttelt worden war (C. I. 1. a. ö. 
S. 1337). Über das Zustandekommen und die Veränderungen des Spektrunis 
macht Garrod 2 ) noch folgende Angaben. Man sieht es in Chloroformlösungen 
des (sauren) Farbstoffes aus Harn, wenn diese mit Wasser gewaschen und mit etwas 
Alkohol geklärt worden waren, oder wenn nach freiwilligem Verdunsten des Chloro- 
forms der Rückstand in Alkohol gelöst wurde. Wird das Chloroform mit dem 
neutralen Spektrum noch weiter mit Wasser gewaschen, so erscheint das alkalische 
Spektrum. — Auf Zusatz von zweifach saurem Alkaliphosphat zu einer Lösung 
von neutralem Hämatoporphyrin in verdünntem Alkohol tritt erst das alkalische 
Spektrum auf. dann, wenn die Lösung bereits stark sauer geworden ist, wieder 
das neutrale und endlich das saure. - — Im Amylalkoholauszug des Harns verwandelt 
sich das alkalische Spektrum auf Zusatz einer sehr geringen Menge Salzsäure in 
das neutrale. — Eine Spur Alkali führt nach Garrod das neutrale Spektrum 
in das alkalische über. Tetrachlorkohlenstoff nimmt aus der Lösung mit dem 
neutralen Spektrum den Farbstoff sehr leicht auf, aber mit dem alkalischen 
Spektrum. Saillet sah das neutrale Spektrum bei dem nach seiner Art (C. IL 2. 
S. 1341) dargestellten Farbstoff, sowohl, wenn er in reinem Alkohol oder in reinem 
Schwefel- oder Essigäther gelöst war, als bei Gegenwart von Essigsäure oder 
Oxalsäure. 

Von der Chloroformlösung, welche die Abbildung geliefert hatte, wurde das 
Chloroform abgedunstet. Es hinterblieb eine stark essigsaure, schön rosenrote 
Flüssigkeit, welche zwar noch ein neutrales Spektrum zeigte, aber mit etwas 
anderer Lage und Form der Streifen. Es waren a und ß etwas mehr nach D zu 
gerückt, y besass die frühere Lage und Breite, war aber nicht mehr am linken 
Rande, sondern in der Mitte am dunkelsten; d reichte jetzt bis b und war links 
abschattiert, e war etwas schmaler und sehr blass geworden. Nachdem auch die 
übrige Flüssigkeit verdunstet war, blieb ein kirschroter Rückstand zurück, der 
sich, wie auch Garrod an solchem Rückstand beobachtete, sehr schlecht in 
Alkohol löste; er löste sich aber leicht nach Zufügen von Salzsäure. Jetzt war 
das typische saure Spektrum zu sehen, daneben aber noch ö und e des neutralen 
Spektrums (etwas blasser als im neutralen Spektrum), und dieses Spektrum 
hielt sich wochenlang. Ammoniak rief sofort das gewöhnliche alkalische Spektrum 
hervor, nach Zusatz von Salzsäure trat aber wieder das zuletzt beschriebene ge- 
mischte Spektrum auf. 

e) Das metallische Spektrum ist das Spektrum 5d Taf. II. 
Es ist dem des Sauerstoff-Hämoglobins ausserordentlich ähnlich, unter- 
scheidet sich von ihm jedoch dadurch, dass der zweite Streifen, ß, dunkler 
und schmäler ist als der im Hämoglobinspektrum und mit seinem rechten 
Rande nicht bis an E heranreicht; a liegt bei D — D 25 E, oder, wenn 
der Streifen breiter ist, bei C 96 D— D 30 E, ß bei D 59 E— D 90 E. 

x ) Saillet, Revue de med. 16. 544. 

2 ) Garrod, a. a. O. 17. 350. — Derselbe, a. a. O. 13. 610 u. 15. 112 ff. 



1332 Schulz, Farbstoffe. 



In sehr konzentrierten Lösungen hat Garrod anch noch einen sehr 
schmalen, blassen Streifen zwischen den beiden dunkleren Bändern ge- 
sehen. Über die Bildung und die Verwandlung dieses Spektrums vgl. 
B. 3. S. 1324. 

In Wellenlängen a = Ä 586—570, ß = X 552—533. 

Das besondere metallische Spektrum der von Saillet darge- 
stellten Ammonverbindung des Hämatoporphyrins ist S. 1326 beschrieben. 

f) Obwohl die bis jetzt vorliegenden Erfahrungen über die Ab- 
hängigkeit der Spektren von den Verbindungen des Hämatoporphyrins 
noch nicht ausreichen, sich in allen Fällen eine unanfechtbare Vorstellung 
von diesen Verhältnissen zu machen, so ist doch folgende Auffassung 
gestattet oder wenigstens nützlich. 

Das alkalische (4 bandige) Spektrum ist das Spektrum des freien 
Hämatoporphyrins in alkoholischer oder alkalischer Lösung. 

Das saure, das alkalische 5 bandige und das neutrale Spektrum 
sind Spektren der Verbindungen des Farbstoffes mit Säuren. Das alka- 
lische 5 bandige Spektrum tritt auf in der neutralen, von freien Säuren 
freien Verbindung des Hämatoporphyrins mit einer Mineralsäure. Das 
saure Spektrum gehört derselben Art der Verbindung in Gegenwart über- 
schüssiger Mineralsäure an. Das neutrale Spektrum, ein aus dem sauren 
und dem alkalischen Spektrum wirklich oder nur scheinbar kombiniertes, 
wird beobachtet an der Verbindung des Hämatoporphyrins mit einer 
schwachen Säure (Essigsäure) oder geringeren Menge Mineralsäure, 
als zur Herstellung des neutralen Salzes (erforderlich sind. 

Das metallische Spektrum ist das einer eigenartigen Verbindung 
des Farbstoffs mit Metall, die verschieden ist von der, welche entsteht, 
wenn das Hämatoporphyrin in Alkali gelöst ist. 

6. Zersetzungen. Beim Erhitzen entwickelt das Hämatopor- 
phyrin, wie das Hämatin, nach Nencki und S i e b e r , einen dicken 
Dampf und 'den Geruch nach Pyrrol. Es löst sich in warmer rauchen- 
der Salpetersäure mit roter Farbe, die Lösung wird darauf grün, blau 
und gelb; es verhält sich also ähnlich wie der Gallenfarbstoff bei der 
G m e 1 i n sehen Probe. Von Natriumamalgam, [sowie von Eisen und Essig- 
säure wird es nicht angegriffen, Kochen mit Zinn und Salzsäure in 
alkoholischer Lösung führt es dagegen in einen Körper über, welcher 
spektroskopisch grosse Ähnlichkeit mit dem Urobilin besitzt; nach dem 
Übersättigen der Reaktionsflüssigkeit niit Alkali tritt ein an Skatol 
erinnernder Geruch auf. — Alle diese Reaktionen hat Z o j a auch an 
der Zinkverbindung des Hämatoporphyrins aus Harn wahrgenommen. 
Saillet 1 ) sah bei dem mit Zinn und Salzsäure behandelten Hämato- 

x ) Zoja, Archivio italiano, a. a. O. 5; Archives ital. de Biol. 19. fasc. 3, — 
Saillet, Revue de med. 16. 547. 



Hämatoporph yrin . 1 .' \'X > 



porphyrm aus Harn einen Streifen in der Lage des sauren Urobilin- 
bandes. In der durch gelbe Salpetersäure grün gewordenen Lösung nahm 
Saillet zwei Streifen wahr, wie a und ß des sauren Spektrums, aber 
breiter und deutlicher als diese und ein wenig nach links verschoben 
(sie könnten et und ß des sauren Bilicyanins gewesen sein); sie ver- 
schwinden später. Mit Salzsäure und Kaliumchlorat wird das Hämato- 
porphyrin aus Harn nach Saillet schnell gelblich grün, und die 
Lösung weist dann ein breites und dunkles Band zwischen F und G 
auf von der mittleren Wellenlänge X 463. 

7 Über die Verbindung, in welcher das Hämatopor- 
ph y r i n im Harn v o r k o m m t , kann die spektroskopische Unter- 
suchung Aufschluss geben. In den meisten Fällen ist am Harn über- 
haupt kein Spektrum wahrzunehmen; wo aber ein Hämatoporphyrin- 
Spektrum gesehen wurde, waren die Befunde verschieden. Öfter wurde 
in Sulfonaiharnen das alkalische Spektrum ganz oder teilweise gesehen, 
so u a. von Stokvis, Hammarsten, Salkowski, von G a r r o d 
auch im gewöhnlichen Harn, seltener das fünf bandige alkalische Spek- 
trum (Copeman, Garrod). Auch das metallische Spektrum ist be- 
obachtet worden, so von Neuss er, ferner einmal im Dialysat eines 
Sulfonalharns von Stokvis und einmal von Hammarsten an einem 
in starker alkalischer Gärung begriffenen Sulfonalharn. Nach Garrod 1 ) 
ist im Sulfonalharn das Hämatoporphyrin ganz oder teilweise als 
metallisches zugegen. Eine Verbindung des Hämatoporphyrins, welche 
das metallische Spektrum besass, hat Garrod (B. 3. S. 1326) in Urat- 
sedimenten aufgefunden. 

In Übereinstimmung hiermit stehen die Beobachtungen, welche am 
Amylalkoholauszug des Harns gemacht wurden ; Z o j a sah hier bloss das 
alkalische Spektrum, das fünfbandige alkalische nur dann, wenn der 
Harn vor der Extraktion mit einer Säure versetzt war; Garrod 2 ) traf 
meist auch nur das vierbandige an, aber auch, wiewohl seltener, am 
nativen Harn das fünfbandige alkalische. 

Das B. 5. d. S. 1330 geschilderte Verhalten des zweifach sauren Phosphats 
zu dem Hämatoporphyrin erklärt, warum es im Harn zumeist als alkalisches zu- 
gegen ist. Der Harn selbst verhält sich nicht anders, als eine Lösung von zwei- 
fach saurem Phosphat. Setzt man normalem Harn salzsaures Hämatoporphyrin 
zu, so tritt nach Salkowski das alkalische Spektrum auf. Ebenso verhält sich 
nach Garrod 3 ) eine Lösung von Hämatoporphyrin, welche das neutrale Spektrum 
zeigt, zu Harn; macht man eine Lösung von Hämatoporphyrin in Harn (mit dem 
alkalischen Spektrum) mit zweifach saurem Alkaliphosphat stark sauer, so sieht 



x ) Salkowski, Zeitschr. f. physiol. Ch. 15. 287. — Garrod, Journ. of 
Physiol. 15. 110. — Hammarsten, Skandin. Archiv 3. 336. — Garrod, Edin- 
burgh med. Journ., Aug. 1897. 112 und a. a. O. 15. 117. 

2 ) Garrod, Journ. of Phyiol. 15. 113. 

3 ) Salkowski, a. a. 0. 286. — Garrod, a. a. 0. 15. 111. 



1334 Schulz, Farbstoffe. 



man ein aus dem sauren und dem alkalischen zusammengesetztes Spektrum; das 
wäre, nach Hupperts Auffassung, das neutrale. 

Wenn das fünfbandige alkalische Spektrum das Spektrum einer von über- 
schüssiger Säure freien Verbindung des Hämatoporphyrins mit einer Mineralsäure 
darstellt, so besteht keine besondere Schwierigkeit, das Auftreten dieses Spektrums 
im Harn zu erklären. 

Die Wahrnehmung des metallischen Spektrums in ammoniakalischem Harn 
steht im Einklang mit den Beobachtungen Zojas (B. 3. S. 1325) über das Ver- 
halten des Ammoniaks zum Hämatoporphyrin. 

Neben dem Hämatoporphyrin selbst enthält der Harn noch ein 

Chro m ogen des Farbstoffs. 

In Harn, welcher für sich kein Spektrum erkennen lässt, kommt öfter auf 
Zusatz von Alkali das alkalische, auf Zusatz von Säure das saure Spektrum zum 
Vorschein. — Fällt man nach Eich holz Fieberharn durch Sättigen mit neu- 
tralem Ammonsulfat und löst den Niederschlag in absolutem Alkohol, so sieht 
man in dieser neutralen Lösung nur einen Streifen in der Lage des Urobilin- 
bandes, zu dem sich auf Zusatz von Säure noch das Band des sauren Hämato- 
porphyrins zwischen D und E gesellt. — Nach Riva und Zoja werden die amyl- 
alkoholischen Auszüge aus Harn beim Stehen dunkler, die Bänder des alkalischen 
Spektrums werden deutlicher und es tritt der vorher nicht sichtbare Streifen a 
auf. Saillet ] ) sah in dem bei künstlicher Beleuchtung hergestellten Essigäther- 
auszug des mit Essigsäure versetzten normalen Harns im Sonnenlicht die Menge 
des Hämatoporphyrins auf das Vierfache steigen. 

Da das Hämochromogen (reduziertes Hämatin) durch selbst schwache 
Säuren zu Hämatoporphyrin zersetzt wird, so könnte man in ihm die Mutter- 
substanz des Hämatoporphyrins vermuten. Aber es ist wohl nicht wahrscheinlich, 
dass dieser leicht Sauerstoff aufnehmende Körper im Harn vorkommt; auch ist 
sein Spektrum im Harn nicht einmal andeutungsweise gesehen worden. 

C. Nachwei s. Ans der Farbe des Harns lässt sich, wenn er 
nicht so dunkelrot ist wie Sulfonalharn, kein Schluss auf die Gegenwart 
des Hämatoporphyrins im Harn oder gar über seine Menge ziehen; der 
rötliche Schimmer, welchen der Harn öfter besitzt, rührt zumeist vom 
Uroerythrin her. 

Die direkte spektroskopische Untersuchung gibt 
auch nur in seltenen Fällen Aufschluss; die allgemeine Verdunkelung 
des Spektrums durch andere Harnfarbstoffe und der geringe Gehalt des 
Harns an Hämatoporphyrin erschweren die Wahrnehmung. Manchmal 
tritt aber hier noch auf Zusatz von viel Salzsäure das saure, auf Zu- 
satz von Alkalihydrat das alkalische Spektrum hervor. 

Welche Spektren am nativen Harn beobachtet werden können und wie sie 
zu deuten sind, ist unter B. 7. auseinander gesetzt. Im normalen Harn sah 
Garrod 2 ) niemals ein Hämatoporphyrinspektrum, bei der Untersuchung mehrerer 
Hundert pathologischer Harne den Streifen in Rot nur vier- oder fünfmal; das 
metallische Spektrum ist wegen der allgemeinen Verdunkelung des Spektrums 
durch andere Farbstoffe oft schwer zu sehen, auf Zusatz von Salzsäure tritt aber 
das saure Spektrum hervor. Die blosse Besichtigung ist für die Beurteilung der 



x ) A. Eichholz, Journ. of Physiol. 14. 332. 1893. — Zoja, Archivio ital., 
a. a. 0. 32; Archives ital., a. a. O. — Riva und Zoja, Gaz. med. di Torino, a. a. O. — 
Saillet, Revue de med. 16. 551. 

2 ) Garrod, Edinburgh med. Journ. Aug. 1897. 112. 






Hämatoporphyrin ; Nachweis. 1335 

Spektren jedoch nicht ausreichend, für eine sichere Beurteilung derselben ist es 
unerlässlich. die Lage der Streifen genau festzustellen. 

Zum Nachweis des Hämatoporphyrins können zweierlei Ver- 

fahrungsweisen dienen, die Fällung des Farbstoffes und die Extraktion 

desselben 

I. N a chweis durch F ä 1 1 u n g. 

1. a) I) a s V e r t a h reu von Garrod x ) ist nicht im i unter den 
Fällungsmethoden, sondern überhaupt das beste; obwohl sich in der 
Regel ein Teil des Hämatoporphyrins der Fällung entzieht, ermöglicht 
es doch in einfacher Ali den Nachweis selbst so geringer Mengen 
Hämatoporphyrin, wie sie im normalen Harn vorkommen, und liefert 
zugleich ein reineres Präparat als andere Methoden. Das Verfahren be- 
ruht darauf, dass bei reichlichem Zusatz \;>n Kali- oder Natronlauge 
zu Harn mit den Erdalkaliphosphaten, offenbar in chemischer Bindung, 
das Hämatoporphyrin ausfällt. Auf 100 cem Harn verwendet man dazu 
20 ceiii einer LO°/oigerj Lauge. Der Niederschlag wird gewaschen und 
mit säurehaltigem Alkohol behandelt, wobei der Farbstoff in Lösung 
geht. Diese Lösung zeigt das saure Spektrum des Hämatoporphyrins, 
ha alkalische!- Reaktion das alkalische, auch wenn der Harn direkt 
ein anderes Spektrum (II. 7) aufwies. Zur weiteren Reinigung entzieht 
man den Farbstoff seiner Lösung durch Chloroform. 

Das Hämatoporphyrin ist nach diesem Verfahren schon in 150- — 350 cem 
pathologischem und in 200 — 400 cem bis 1 Liter normalem Harn nachweisbar, 
doch tut man jedenfalls gut, grössere Mengen in Arbeit zu nehmen. Der Harn 
muss mit der Lauge einen so starken Ph.osphatniedersch.lag geben, als normaler 
Harn; man untersucht also vor der Fällung eine Probe im Reagenzglas daraufhin. 
Ist der Niederschlag viel geringer, was jedoch nur selten der Fall ist, so fügt man 
dem Harne vor der Fällung eine Lösung von Calciumphosphat in Essigsäure 
hinzu, das man durch Fällen von Chlorcalcium mit Natriumphosphat im Reagenz- 
glas bereitet. Es bedarf nur geringer Mengen des Phosphats, ein zu starker Nieder- 
schlag erschwert seine weitere Verarbeitung und schmälert die Ausbeute erheblich. 
Bei der Fällung mit der Lauge ist man nicht an die von Garrod angegebene 
Konzentration derselben gebunden, es kommt nur darauf an, dass man dem Harn auf 
100 cem mit der Lauge 2 g Natriumhydrat hinzufügt. Aber die Lauge lässt sich 
nicht durch Ammoniak ersetzen; denn obwohl dieses auch einen Phosphatnieder- 
schlag gibt, so enthält er doch selbst bei Verwendung eines an Hämatoporphyrin 
reichen Harns nur Spuren oder gar keinen Farbstoff. Man lässt den Nieder- 
schlag sich absetzen, hebt die überstehende Flüssigkeit ab und bringt erst dann 
den Niederschlag auf das Filter. 

Der Niederschlag ist dann zu waschen; das kann in gewöhnlicher Weise 
geschehen, schneller aber kommt man zum Ziele, wenn man nach Garrod den 
Niederschlag wiederholt vom Filter spritzt, in Wasser verteilt und auf dasselbe 
Filtar zurückbringt. Will man das Hämatoporphyrin möglichst frei haben von 
anderen Farbstoffen, so wäscht man so lang, bh die Flüssigkeit farblos abläuft. 
Man erleidet dabei aber einen Verlust an Farbstoff und handelt es sich um den 
Nachweis nur geringer Mengen Hämatoporphyrin, so ist das Auswaschen nicht 
zu weit zu treiben oder ganz zu unterlassen ; in diesem Falle ist der Niederschlag 



x ) Garrod, Journ. of Physiol. 17. 349; 13. 603. 



1336 Schulz, Farbstoffe. 



aber nach dem unten beschriebenen Verfahren weiter zu behandeln, bei welchem 
der Farbstoff aus der essigsauren Lösung in Chloroform übergeführt wird. Der 
gewaschene Niederschlag ist, je nach der Menge des gefällten Hämatoporphyrins, 
rosen- bis purpurrot, besitzt aber oft auch einen Stich ins Gelbe oder Braune. 

Die Art der weiteren Verarbeitung des Niederschlages hängt davon ab, 
ob man das Hämatoporphyrin überhaupt nur nachweisen will, und zwar bloss 
durch das saure Spektrum oder auch durch andere, und ob es darauf ankommt, 
das Hämatoporphyrin von anderen Harnfarbstoffen, namentlich dem Urobilin, 
zu befreien. 

a) Für den Nachweis des Hämatoporphyrins durch das saure Spektrum 
allein genügt es, den gewaschenen Phosphatniederschlag auf dem Filter in salz- 
säurehaltigem Alkohol zu lösen. Man legt das Filter zunächst, um es einigermassen 
vom Wasser zu befreien, auf Fliesspapier, oder verdrängt das Wasser durch Alkohol 
und übergiesst dann den Niederschlag auf dem Trichter mit nicht viel mehr als 
10 cem Alkohol, dem reichlich Salzsäure zugesetzt ist. Durch Zerkleinern des 
Niederschlages mit einem Glasetab beschleunigt man die Lösung. Damit das 
Volumen der Lösung und damit ihre Verdünnung nicht zu gross wird, benutzt 
man das Filtrat, um den auf dem Filter gebliebenen Rest des Niederschlages zu 
lösen ; nötigenfalls fügt man der Flüssigkeit noch etwas Salzsäure hinzu. Die Lösung 
besitzt eine rote Farbe mit einem Stich ins Gelbe oder Braune und zeigt das 
saure Spektrum, daneben gewöhnlich auch noch das Urobilinspektrum. Durch 
Zusatz von Ammoniak oder einem anderen Alkali kann man jedoch das alkalische 
Spektrum nicht hervorrufen, denn dadurch fällt der Farbstoff zugleich mit dem 
Phosphat wieder aus. Es ist vielmehr nach ß oder y zu verfahren. 

ß) Eine Lösung, an welcher man, ausser dem sauren, auch das alkalische 
und das metallische Spektrum zur Erscheinung bringen kann, erhält man, wenn 
man den Niederschlag, wie bei a), mit schwefelsäurehaltigem Alkohol behandelt. 
Nur hat man durch fleissiges Zerreiben des Niederschlages und Verwendung einer 
genügenden Menge Schwefelsäure dafür zu sorgen, dass nicht etwa ein grösserer 
Teil des Phosphats der Zerlegung entgeht. 

Die Basis des Phosphats bleibt dabei als Sulfat auf dem Filter, und das 
Filtrat stellt eine Lösung des Farbstoffes allein in saurem Alkohol dar. Sie 
weist das saure Spektrum auf. Fügt man Ammoniak im Überschuss hinzu, so 
entsteht abermals ein Niederschlag, der nun aber aus den im Alkohol unlöslichen 
Ammonsalzen der vorhandenen Säuren besteht; das Filtrat zeigt das alkalische 
Spektrum. 

Das metallische Spektrum kann man zu Gesicht bekommen, wenn man 
diesem alkalischen Filtrat ein wenig einer Lösung von Chlorzink in ammoniakali- 
schem Alkohol hinzufügt, einen entstehenden Niederschlag durch Zusatz von noch 
mehr Ammoniak in Lösung zu bringen sucht, und wenn dies nicht gelingt, ihn 
abfiltriert. Es verschwindet dann das alkalische Spektrum sehr langsam, oft 
erst im Verlauf mehrerer Stunden vollständig, und an seine Stelle tritt das metal- 
lische, daneben ist meist auch das Urobilinspektrum zu sehen. 

y) Man kann auch aus der salzsauren Lösung des Phosphatniederschlages 
in salzsäurehaltigem Alkohol den Farbstoff nach einem von Garrod und von 
Zoja 1 ) angegebenen Verfahren in Chloroform überführen und so vom Urobilin 
trennen. Zu diesem Zweck vermischt man die alkoholische Lösung in einem 
kleinen Scheidetrichter mit ungefähr 10 cem Chloroform; löst sich dieses nicht 
ganz, so bewirkt man die Lösung durch Zusatz von noch etwas Alkohol. Dann 
fügt man, ohne viel zu schütteln, ungefähr das doppelte Volumen Wasser zu, 
worauf sich eine Lösung von Hämatoporphyrin in Chloroform absetzt. Das 
Chloroform wird möglichst bald von der übrigen Flüssigkeit getrennt, ein- oder 

x ) Garrod, a. a. O. 13. 603. 1893. — Zoja, Archives ital. de Biol. 19. 
fasc. 3. 1893. 



Hämatoporphyrin; Nachweis. 1337 



zweimal mit Wasser geschüttelt und durch ein doppeltes, trockenes Filter filtriert. 
Die rosenrote Lösung zeigt das alkalische Spektrum, ausnahmsweise das saure; 
ist dies der Fall, so kann man nach Garrod durch Schütteln des Chloroforms 
mit Wasser das alkalische Spektrum hervorrufen. Verdunstet man das Chloro- 
form und löst den braunen Rückstand in Alkohol, so erhält man eine Lösung mit 
dem alkalischen Spektrum. Zusatz von Mineralsäure bringt sofort das saure 
Spektrum hervor; beim Behandeln der alkoholischen Lösung mit ammoniakalischer 
Chlorzinklösung nach ß) entsteht das metallische Spektrum. Die mit dem Chloro- 
formauszug hergestellten Spektren unterscheiden sich von den direkt erhaltenen 
dadurch, dass sie meistens ganz frei sind von dem Urobilinspektrum. 

Die Überführung des Hämatoporphyrins aus der sauren alkoholischen 
Lösung in Chloroform hat nur den Übelstand, dass sie nicht immer vollkommen 
gelingt. Ist das Hämatoporphyrin ganz in das Chloroform übergegangen, so ist 
die rückständige Flüssigkeit gelb gefärbt, andernfalls rötlichgelb. Es ist nicht 
bekannt, wovon dieser häufige Misserfolg abhängt. 

ö) Eine vollständige Überführung des Hämatoporphyrins in das Chloroform 
gelingt nach folgendem, gleichfalls von Garrod x ) angegebenen Verfahren. Die 
nach a) bereitete Lösung des Phosphatniederschlages in salzsäurehaltigem Alkohol 
wird mit Ammoniak übersättigt, wobei mit dem Phosphat wieder das Hämato- 
porphyrin ausfällt, und der Niederschlag in der Flüssigkeit direkt wieder in 
Essigsäure gelöst. Ebenso leicht kommt man nach Hupp er t zum Ziele, 
wenn man den Phosphatniederschlag gleich in Essigsäure löst. In beiden Fällen 
widersteht aber ein Rest farbstoffhaltigen Niederschlages der Lösung. Das Filtrat 
der essigsauren Lösung wird dann, ohne Zusatz von Alkohol, mit Chloroform 
ausgeschüttelt. Das Chloroform setzt sich leicht mit rein roter oder bräunlichroter 
Farbe ab und enthält neben Essigsäure alles Hämatoporphyrin, während die 
überstehende Flüssigkeit gelb ist. Beim Verdunsten des Chloroforms bleibt zu- 
nächst eine schön rote, öfters auch gelbliche essigsaure Lösung zurück, und bringt 
man auch diese zur Trockne, so erhält man nicht, wie bei dem Verdunsten der 
oben erwähnten Chloroformlösungen einen braunen, sondern einen rosenroten 
Rückstand, der sich nicht immer leicht in reinem Alkohol, sondern erst in salz- 
säurehaltigem Alkohol löst. 

Dieses Verfahren hat vor dem anderen ausser der vollständigeren Gewinnung 
des Farbstoffes noch den Vorzug, dass man den Phosphatniederschlag nicht so 
sorgfältig mit Wasser zu waschen braucht, als bei den anderen Methoden. Die 
Chloroformlösung zeigt die vier Streifen des alkalischen Spektrums, daneben oft 
auch den Urobilinstreifen, und wenn der Phosphatniederschlag in einem grossen 
Überschuss starker Essigsäure gelöst war, auch das neutrale Spektrum. An der 
Lösung des Abdampfungsrückstandes in salzsäurehaltigem Alkohol sind neben 
dem sauren Spektrum mit der gewöhnlichen Lage seiner Streifen vom alkalischen 
Spektrum noch die beiden nach Violett zu gelegenen, aber blass, zu sehen. (Vgl. 
B. 5. d. S. 1331.) 

Zur Entfernung der letzten Reste Urobilin in den so gewonnenen Hämato- 
porphyrinlösungen könnte man von einem Verfahren Gebrauch machen, welches 
Le Nobel, sowie Zoja zur Trennung beider Farbstoffe empfohlen haben. 
Schüttelt man nämlich eine urobilinhaltige saure wässerige Lösung von Hämato- 
porphyrin mit Chloroform, so geht das Urobilin in das Chloroform über, während 
das Hämatoporphyrin im sauren Wasser zurückbleibt. Die Scheidung ist aber 
nur eine unvollkommene; denn wenn das Chloroform schon kein Urobilin mehr 
aufnimmt, ist nach Garrod 2 ) die wässerige Lösung doch nicht ganz frei vom 
Urobilin. 

Bei der Anstellung der spektroskopischen Untersuchung ist zu 
beachten, dass die Lösungen in solcher Konzentration oder Dicke der Schicht 



x ) Garrod, a. a. O. 17. 350. 

2 ) Le Nobel, Pflügers Archiv 40. 514. — Zoja, Archivio ital., a. a. O. 4: 
Archives ital. de Biol., a. a. 0. 4. — Garrod, a. a. 0. 13. 618. 



1338 Schulz, Farbstoffe. 



untersucht werden müssen, dass die Flüssigkeit ausgeprochen rot erscheint. Unter 
Befolgung der oben (unter a) gegebenen Vorschrift für die Herstellung der Lösung 
genügt eine Dicke der Schicht von 5 — 10 cm. Konzentrierte Lösungen zeigen 
das Spektrum deutlicher, in schwächeren ist es nur unvollständig oder nur an- 
deutungsweise und gar nicht zu sehen. Das gilt insbesondere für das alkalische 
Spektrum, welches bei gleicher Konzentration der Lösung schwächer ist, als das 
saure und das metallische. 

Für den spektroskopischen Nachweis genügt in den meisten Fällen 
das Auftreten des sauren Spektrums, da dieses mit keinem sonst bekannten ver- 
wechselt werden kann. Zur Sicherung des Befundes kann, wenn es nötig ist, die 
Darstellung des alkalischen und die des metallischen Spektrums dienen. 

Andere Farbstoffe können bei dem Verfahren von Garrod die 
Beobachtung in mehr oder minder erheblichem Grade erschweren. 
Bei Gegenwart von viel Uroerythrin im Harn ist der Phosphatniederschlag 
schmutzig grün, doch verschwindet diese Färbung beim Waschen des Niederschlags 
wieder. Enthielt der Harn Blut, so tritt neben dem Spektrum des Hämato- 
porphyrins auch das des Hämatins auf. War Chrysophansäure vorhanden, so 
besitzt der Phosphatniederschlag nach Garrod 1 ) eine schön bläulichrote Farbe, 
die sich nicht wegwaschen lässt. Die Lösung des Niederschlages in saurem Alkohol 
ist nicht rot, sondern gelb, sie weist aber dabei noch das saure Spektrum des 
Hämatoporphyrins auf, wenn welches vorhanden ist; auf Zusatz von Ammoniak 
tritt aber eine störende breite Absorption in der Mitte des Spektrums auf. Chloro- 
form nimmt die Chrysophansäure leichter auf als das Hämatoporphyrin, und so 
lassen sich beide Farbstoffe noch einigermassen trennen. 

b) Verfahren von Stokvis 2 ). 50 ccm Harn werden mit 
5 ccm 10o/oiger Kalilauge zum Sieden erhitzt. Der Phosphatniederschlag 
wird auf einem kleinen Filter gesammelt und dann mit 25 — 30%iger 
Essigsäure lausgezogen; der Extrakt wird mit Äther gut durchgeschüttelt. 
Das Hämatoporphyrin geht in den Äther über, wo es spektroskopisch 
erkannt werden kann. 

2. Andere Fällun gs arten, a) Die Fällung des Harns mit 
den Bleiacetaten, welche Mac M u n n zur Entdeckung des Hämato- 
porphyrins im Harn führte, ist schon darum nicht geeignet, weil diese 
Salze alle Farbstoffe des Harns fällen und eine nachträgliche Trennung 
derselben in dem mit säurehaltigem Alkohol bereiteten Auszug nötig 
machen. Die später von Salkowski und von Hammarsten 3 ) aus- 
geführte Fällung ides Harns mit Salzen der alkalischen Erden leidet zwar 
nicht an diesem Übelstand, wenigstens nicht in dem Masse, wie das 
Verfahren von Mac M u n n , ist aber mit anderen Mängeln behaftet, 
so dass auch dieses Verfahren dem von Garrod namentlich in bezug 
auf die Empfindlichkeit weit nachsteht. 

Salkowski fällte Sulfonalharn mit Chlorbarium und Barytwasser, oder 
mit Chiorcalcium und Ammoniak oder Natriumcarbonat, Hammarsten erst mit 
Bariumacetat, dann durch abwechselnden Zusatz von Bariumacetat und Natrium- 
carbonat, bis der Niederschlag nicht mehr rot war; der Acetatniederschlag ent- 

x ) Garrod, a. a. O. 13. 603. 

2 ) B. J. Stokvis, Handel, van het 7 Nederl. Natur- en Geneesk. Kon- 
gress 1899. 378; Jahresber. f. Tierch. 29. 841. 1899. 

3 ) Salkowski, Zeitschr. f. physiol. Ch. 15. 294. 1891. — Hammarsten, 
Skandin. Archiv 3. 333. 1892. 



Hämatoporphyrin ; Nachweis. 1339 

hielt den meisten Farbstoff. Die Niederschläge wurden erst mit Alkohol gewaschen 
und darauf mit säurehaltigem Alkohol ausgezogen (von Salkowski in der Wärme). 
Hammarsten führte den im alkoholischen Auszug enthaltenen Farbstoff in 
Chloroform über. 

Beide Forscher haben so Hämatoporphyrin nachgewiesen, aber der saure 
alkoholische Auszug der Barytniederschläge enthält neben dem Hämatoporphyrin 
noch viel braunen Farbstoff (Urobilin), welcher den spektroskopischen Nachweis 
des Hämatoporphyrins in hohem Grade erschweren kann ; aus Fieberharn, der 
bei der Untersuchung nach dem Verfahren von Garrod reichlich Hämatopor- 
phyrin enthielt, hat Hu p p e rt mittels der Barytmethode nicht einmal Spuren davon 
gewinnen können. In der Unzulänglichkeit des Verfahrens von Salkowski ist 
es begründet, dass Nakarai bei der Untersuchung des Harns von 144 Kranken 
das Hämatoporphyrin nur bei 10 nachweisen konnte. Aus dem obigen Gemisch 
Iässt sich das Hämatoporphyrin durch das Phosphatverfahren noch einigermassen 
rein gewinnen; das ist aber umständlich und überflüssig. Hedin 1 ) zog den 
Farbstoff aus seiner schwach salzsauren Lösung in verdünntem Alkohol mit 
Äther aus. Viel besser gelangt man nach Hupperts Erfahrung mit der Baryt- 
methode zum Ziele, wenn man den Barytniederschlag so oft mit Wasser auskocht, 
bis die Flüssigkeit nur noch schwach gelb gefärbt ist, und ihn dann längere Zeit 
auf dem Wasserbade mit verdünntem Natriumcarbonat digeriert. Der rötlich- 
braune alkalische Auszug zeigt dann bei hinlänglicher Konzentration das alkalische 
Spektrum, auch bei Fieberharnen, welche bei weitem nicht so viel Hämato- 
porphyrin enthalten als Sulfonalharne. Dem Abdampfungsrückstand der alka- 
lischen Lösung lässt sich das Hämatoporphyrin durch schwefelsäurehaltigen 
Alkohol entziehen. 

b) Sättigt man einen Harn mit Chlorammon, so fällt nach Hopkins 2 ) 
neben dem Ammonurat auch Hämatoporphyrin aus, aber wenig Urobilin; Ammon- 
sulfat fällt dagegen das Hämatoporphyrin, namentlich aus angesäuertem Harn, 
sehr mangelhaft, das Urobilin aber vollständig. Die Fällung mit Chlorammon 
ist zwar weniger geeignet zum Nachweis des Hämatoporphyrins, aber das ver- 
schiedene Verhalten der beiden Farbstoffe zu den angeführten Ammonsalzen 
gibt einen einfachen Beweis dafür an die Hand, dass das pathologische Urobilin 
von Mac Munn kein einheitlicher Körper ist, sondern ein Gemisch von Hämato- 
porphyrin und Urobilin darstellt. 

c) Aus dem Dialysat von Sulfonalharn, wie aus dem Harn selbst kann man 
nach Stokvis auch durch wiederholtes Fällen mit (3 — 4 Volumen absolutem) 
Alkohol das Hämatoporphyrin darstellen. Der äusserst geringe, feinflockige Nieder- 
schlag löst sich zum grössten Teil in Wasser, der Rest nahezu ganz in Lauge. — 
Aus dem Abdampfungsrückstand von Sulfonalharn nimmt nach Salkowski 3 ) 
Alkohol nur Urobilin auf, aus dem mit Alkohol gewaschenen Rückstand Wasser 
Hämatoporphyrin- Alkali. 

d) Neb elthau 4 ) säuerte 100 ccm Harn mit 5 CGm Eisessig an. Nach zwei- 
tägigem Stehen schied sich Hämatoporphyrin als Niederschlag aus. 

II. Nachweis durch Extraktion. 

Mehrfach gelang es nicht, dem nativen oder dem mit Säure ver- 
setzten Harn durch die verschiedensten Lösungsmittel (Äther, Essig- 
äther, Amylalkohol, Chloroform, Benzol, Petroläther) Hämatoporphyrin 



*) Nakarai, Archiv f. klin. Med. 58. 170. 1897. — S. G. Hedin, Hygiea 
1892; Jahresber. f. Tierch. 1892. 532. 

2 ) Hopkins, Guys Hosp. Reports 50. 357. 1893. 

3 ) Stokvis, Nederl. Tijdschr. voor Geneesk. 1889. 2. 414; Jahresber. f. 
Tierch. 1893. 593. — Salkowski, a. a. O. 295. 

4 ) E. Nebelthau, Zeitschr. i. physiol. Ch. 27. 324. 1899. 

Neubauer-Huppert, Analyse des Harns. 11. Aufl. $5 



1340 • Schulz, Farbstoffe. 



zu entziehen (Stokvis, Salkowski, H am mar sten). Dagegen 
haben B i n n e n d i j k und Stokvis aus dem mit Phosphorsäure ver- 
setzten Harn mit Äther Hämatoporphyrin ausschütteln können und 
haben sich dieses Verfahrens zum Aufsuchen des Farbstoffs im Harn 
bedient. Nach Garrod nehmen Chloroform sowie Essigäther nur sehr 
geringe Mengen Hämatoporphyrin aus Harn auf, viel weniger als der 
von Mac M u n n und später von Riva und Zoja für diesen Zweck 
empfohlene Amylalkohol. S a i 1 1 e t und Parmentier 1 ) benutzen 
aber trotzdem die Ausschüttelung mit Essigäther. Auch den Tetrachlor- 
kohlenstoff hat Garrod als ein gutes Extraktionsmittel des Hämato- 
porphyrins aus Lösungen desselben befunden. 

t. Verfahren nach Riva und Zoja 2 ). 

Schüttelt man jHarn mit Amylalkohol, so geht neben Urobilin und 
Uroerythrin auch das Hämatoporphyrin in Lösung. Es wird daran er- 
kannt, dass 'der Auszug das alkalische Hämatoporphyrin-Spektrum zeigt. 
Von den Begleitern las st sich das Hämatoporphyrin durch Fällen des- 
selben (als Zinkverbindung trennen. Das Verfahren ist leicht auszuführen, 
die Extraktion ist aber unvollständig, kleine Mengen des Farbstoffes 
können sich dem Nachweis entziehen, und darum ist das Verfahren nicht 
so vorteilhaft wie das von Garrod. 

Der Versuch gelingt nur dann, wenn reiner Amylalkohol verwendet wird. 
Käuflicher Amylalkohol verhält sich sehr ungleich und ist oft unwirksam (durch 
fraktionierte Destillation gereinigter Alkohol vom Siedepunkte 130 — 131° ge- 
nügt dazu). 

Es werden 400 — 500 ccm Harn in einem Cylinder mit 50 — 60 ccm Amyl- 
alkohol sanft geschüttelt, wonach sich der Alkohol in Form einer sehr beständigen 
Emulsion auf der Oberfläche ansammelt. Bei längerem Stehen und zeitweiligem 
Rütteln des Gefässes trennt sich von der Emulsion eine kleine Schicht klarer 
Lösung, welche sich mit einer Pipette abheben lässt. Schneller vollzieht sich die 
Scheidung nach Hupperts Erfahrung, wenn man die Emulsion auf ein mit Amyl- 
alkohol befeuchtetes Filter bringt. Der im Filtrat auf einer wässerigen Lösung 
schwimmende, gelb gefärbte Alkohol wird zu den Versuchen benützt. Den Harn 
vorher anzusäuern, ist überflüssig; doch befördert nach Garrod 3 ) Zusatz einiger 
Tropfen Essigsäure zum Harn die Extraktion, ohne das Spektrum des Auszugs 
zu beeinflussen. 

Vor dem Spektroskop zeigt der Auszug das alkalische Spektrum, wie 
Garrod bestätigt, in vielen Fällen mit der grössten Deutlichkeit. Die Gegen- 
wart der anderen Farbstoffe, deren Spektren schon vor F beginnen und sich weit 
nach Rot hin erstrecken können, beeinträchtigt selten wesentlich die Wahr- 

x ) Stokvis, Tijdschr., a. a. O. 2. 414. — Salkowski, a. a. O. 291. — 
Hammarsten, a. a. O. 322 u. 334. — Stokvis, a. a. O. 409. — ■ Garrod, a. a. O. 
15. 115. — Mac Munn, Journ. of Physiol. 6. 37. 1885. — H. Parmentier, These 
de Paris 1905. 160. 

2 ) A. Riva und L. Zoja, Gaz. med. di Torino, Anno 43, Nr. 22. 1892. — 
Zoja, Archives ital. de Biol. 19. fasc. 3. 1893; Archivio italiano di clinica medica, 
Anno 32. 1893. 

3 ) Garrod, a. a. O. 15. 113. 



Hämatoporphyrin; Darstellung. IUI 

nehmung des Spektrums und die Ortsbestimmung seiner Streifen, doch kann es 
geschehen, dass man von dem Spektrum nur den Streifen in Rot wahrnimmt. 
Zur weiteren Sicherung des Befundes empfiehlt Garrod den Zusatz einer sehr 
kleinen Menge Salzsäure zu dem Amylalkohol; es tritt dann das an den zwei 
Streifen in Rot kenntliche neutrale Spektrum auf. — Setzt man dem Auszug eine 
ammoniakalische Lösung von Chlorzink in Alkohol zu, so erscheint neben dem 
Spektrum des Urobilinzink das metallische Spektrum. 

Ist der Auszug so arm an Hämatoporphyrin, dass sein Spektrum nicht zu 
sehen ist, so soll man ihn nach Riva und Zoja mit etwas starkem Ammoniak 
schütteln. Die kleine, etwa 1 ccm betragende Menge wässeriger Flüssigkeit, die 
sich am Boden des Reagenzglases absetzt, enthält alles Hämatoporphyrin. Die 
braune Lösung zeigt das alkalische Spektrum und auf Zusatz einer Lösung von 
Chlorzink nach längerer Zeit das metallische. 

An dem Auszug von Harn, der mit Salzsäure oder Essigsäure versetzt war, 
beobachteten Riva und Zoja auch das fünf bandige alkalische Spektrum, Sal- 
kowski bei Harn nach Zusatz von Salzsäure auch einmal das saure. Garrod 
erhielt wiederholt mit dem Harn direkt auch das fünfbandige alkalische Spektrum. 

Zur Trennung des Hämatoporphyrins von den anderen Farb- 
stoffen als Zinkverbindung fügt man nach Zoja 1 ) dem amylalkoholischen Aus- 
zug auf 15 — 20 ccm 2 — 3 Tropfen einer Mischung von gleichen Teilen Ammoniak 
und absolutem Alkohol zu, klärt, wenn nötig, durch die erforderliche kleine Menge 
Alkohol und setzt dann wenige Tropfen einer Lösung von 1 g Chlorzink in 100 ccm 
absolutem Alkohol zu. Statt dessen kann man auch sogleich die von Nencki 
und Rotschy zum Nachweis von Urobilin empfohlene Lösung von 1 g Chlorzink 
in 100 g stark ammoniakalischem Alkohol verwenden. Huppert fand, dass es 
nicht nötig ist, mit so grosser Vorsicht zu verfahren. Die Zinkverbindung scheidet 
sich ganz allmählich in rötlichbraunen, im durchfallenden Licht granatroten 
Flocken ab. 

Durch Waschen des Niederschlages mit Amylakohol, mit Alkohol und mit 
Äther lässt sich das beigemengte Urobilin vollständig entfernen. Der im Alkohol 
suspendierte Niederschlag bietet das metallische Spektrum dar, ebenso seine Lösung 
in Alkalihydrat oder -Carbonat. Die schön violettrote Lösung in säurehaltigem 
Alkohol besitzt nach guter Reinigung des Niederschlages keine Spur von Fluores- 
cenz und zeigt das saure Spektrum; beim Übersättigen der Lösung mit Alkali 
erscheint das alkalische Spektrum. 

Zeigt die Lösung des Zinkniederschlages (oder einer Metallverbindung über- 
haupt) noch den Urobilinstreifen, so kann man diesen beseitigen, wenn man die 
Lösung stark ansäuert und mit einigen Tropfen rauchender Salpetersäure gelinde 
erwärmt (Zoja). 

2. a) Verfahren von faulet. 

Saillet 2 ) schüttelt den Harn, nachdem er ihn auf 100 ccm mit 
10 Tropfen Eisessig versetzt hat, mit dem gleichen Volumen Essig- 
äther. 

Bei normal saurem Harn ist der Zusatz einer Säure unnötig, aber er be- 
schleunigt die Extraktion und macht sie vollständiger. Man muss stark ansäuern, 
aber mit Essigsäure und nicht mit einer Mineralsäure. Das Volumen des Essig- 
äthers soll mindestens gleich dem des Harns sein, weil sich dann (bei normalem 
Harn) keine Emulsion bildet. Wenn man eine grosse Menge Harn verarbeitet, 
so behandelt man ihn in einzelnen Portionen mit demselben Essigäther und er- 
gänzt nur sein Volumen um den Teil, der vom Harn aufgenommen wird. 



x ) Zoja, Archivio ital., a. a. O. 
2 ) Saillet, Revue de med. 16. 543. 

85^ 



1342 Schulz, Farbstoffe. 



Der Essigäther nimmt orangeroten Farbstoff auf und der Auszug weist 
dann das neutrale Hämatoporphyrin- Spektrum auf, auch dann, wenn ganz frischer 
Harn in rotem Licht dieser Behandlung unterzogen wird. Neben dem präfor- 
mierten Hämatoporphyrin enthält der Auszug noch dreimal so viel in der Form 
eines Chromogens, das im Sonnenlicht zu Hämatoporphyrin wird. Daneben hat 
der Äther dem Harn noch das Chromogen des Urobilins und andere Substanzen 
entzogen. 

Beim Schütteln des Essigätherauszuges mit 5%iger Salzsäure geht das 
Hämatoporphyrin, und wenn es vorhanden ist, auch Urobilin in diese über; die 
saure malvenrote Flüssigkeit zeigt das saure Spektrum des Hämatoporphyrins. 
Man neutralisiert mit Ammoniak, säuert mit Essigsäure an und schüttelt mit 
Schwefeläther, welcher das Hämatoporphyrin aufnimmt und das Urobilin zurück - 
lässt. Schüttelt man den Äthyläther darauf mit wenig 5%iger Salzsäure, so erhält 
man ein 3 schöne, rubinrote Lösung, die man nahezu mit Ammoniak neutralisiert, 
wobei das Hämatoporphyrin ausfällt. Die Flüssigkeit wird braungelb mit violettem 
Reflex, und das Hämatoporphyrin setzt sich in einigen Stunden als amorphes, 
braunes Pulver ab. Es wird auf einem Filter mit Wasser, und wenn nötig, noch 
mit Chloroform gewaschen. 

b) Nach Parmentier. Um Hämatoporphyrin aus dem Harn zu 
erhalten, wird der Harn mehrmals mit Essigäther ausgezogen. Nach dem 
Abdampfen des Essigäthers wird der Rückstand in Eisessig gelöst. Beim 
Abdampfen Ider Essigsäure erhält man kleine Krystalle, welche man in 
Chloroform 'oder Äthylacetat auflöst. In saurer Lösung gibt das so er- 
haltene Hämatoporphyrin 3 Absorptionsstreifen (X 599,5—588, X 576 — 
565, X 555,8—539), in alkalischer Lösung 4 Streifen (X 625—614,5, 
X 597—558, X 541—526,5, X 512—490), in neutraler Lösung 5 Streifen 
(X 626—620, X 617—612, X 578—552,5, X 541—520,5, X 512—482) (Par- 
mentier) 1 ). 

D. Darstellung. Die Methoden zum Nachweis des Hämatopor- 
phyrins laufen alle auf die Darstellung des Farbstoffs hinaus. Sie werden 
aber nur soweit fortgeführt, bis man den Farbstoff an seinem Spektrum 
erkennt und man verzichtet auf eine weitere Reinigung desselben. Einen 
Versuch zur Gewinnung des reinen Farbstoffes selbst hat Harn- 
marsten 2 ) ausgeführt. 

Der Barytniederschlag (C. I. 2., S. 1339) aus einem Sulfonalharn wurde 
mit angesäuertem Alkohol ausgezogen, der Auszug mit Chloroform und Wasser 
behandelt, wobei der Farbstoff in das Chloroform überging. Der beim freiwilligen 
Verdunsten des Chloroforms bleibende Rückstand löste sich nur teilweise in 
kaltem Alkohol; der darin unlösliche Anteil war in dünnerer Schicht rotbraun, 
in dickerer Schicht braun mit einem Stich ins Violette. Er war in Wasser ganz 
unlöslich, löste sich in Alkali in der Kälte nur schwer, besser in der Wärme, aber 
unter Zersetzung. In sehr verdünnter Salzsäure oder Schwefelsäure war er unlös- 
lich, in Salzsäure von 20 — 25% löste er sich dagegen mit schön blauroter Farbe. 
In heissem Alkohol löste er sich leicht, und beim Erkalten schieden sich Nadeln 
vom Aussehen des salzsauren Hämatoporphyrins von Nencki und Sieb er ab; 
in Chloroform, Aceton, sowie Essigäther löste sich der Körper äusserst leicht und 
beim Verdunsten krystallisierte er auch hier. Die saure, die alkalische und die 



*) H. Parmentier, These de Paris 1905. 160. 
2 ) Harn marsten, Skandin. Archiv 3. 325. 



i 



Hämatoporphyrin ; Bestimmung. 1348 

zinkhaltige Lösung besassen die Farbe solcher Hämatoporphyrinlösungen und 
boten die entsprechenden typischen Spektren dar, die Lösung in Alkohol aber 
das fünfbandige alkalische Spektrum. Das Auftreten dieses Spektrums »lacht 
es wahrscheinlich, dass der Körper die Verbindung des Hämatoporphyrins mit 
einer Säure darstellte; da die Löslichkeitsverhältnisse aber andere waren, als 
die des salzsauren Hämatoporphyrins, so kann diese Säure nicht Salzsäure ge- 
wesen sein. 

Eine Substanz, welche zwar nicht krystallisierte, aber nach den Löslich- 
keitsverhältnissen mit der von Hammarsten dargestellten identisch zu sein 
schien, erhielt Hedin 1 ) gleichfalls aus einem Barytniederschlag. Der mit salz- 
säurehaltigem Alkohol bereitete Auszug wurde mit Wasser verdünnt und nach 
Zusatz von Ammoniak bis zur schwach sauren Reaktion mit Äther geschüttelt, 
welcher den Farbstoff aufnahm. Salzsäure entzog den Farbstoff wieder dem 
Äther, und aus dieser salzsauren Lösung schied sich ein Teil des Farbstoffes all- 
mählich in braunen Flocken aus. 

Trennung des Hämatoporphyrins vom Urobilin. 
Das Hämatoporphyrin lässt sich noch am vollkommensten abscheiden 
durch Barytsalze in alkalischer Lösung; von dem Urobilin bleibt ein 
um so grösserer Teil in Lösung, je verdünnter die Lösung war. Ob sich 
aber der Hämatoporphyrinniederschlag vollständig vom Urobilinbarium 
trennen lässt, ist noch fraglich. Andere in Vorschlag gebrachte Methoden 
verbürgen kein besseres Resultat. 

Es sind folgende : 

1. Sättigen des Harns mit Chlorammon oder mit Ammonsulfat; 
durch Chlorammon wird vorwiegend das Hämatoporphyrin gefällt, durch 
Ammonsulfat das Urobilin (Hopkins, C. I. 2. b. S. 1339). 

2. Die Darstellungsweisen von Garrod (C. I. v l. S. 1335) und von 
Riva und Zoja (C. II. S. 1340). 

3. (Schütteln einer sauren wässerigen Lösung beider Farbstoffe mit 
Chloroform, wobei das Urobilin in das Chloroform übergeht, das 
Hämatoporphyrin in der wässerigen Lösung bleibt (C. I. S. 1336). 

4. Schütteln der Lösung beider Farbstoffe in saurem Essigäther 
mit Wasser führt das y Urobilin in das Wasser über; der essigsauren 
Lösung entzieht Schwefeläther oder Essigäther das Hämatoporphyrin 
(Saillet C. II. 2. S. 1341). 

5. Zerstören des Urobilins durch Salpetersäure (Zoja, C. IL 1. 
S. 1341). 

E. Bestimmung des Hämatoporphyrins. Spektrophoto- 
me tri seh nach Saillet 2 ). 

A. Prinzip. Saillet hat ermittelt, dass der dunkle Streifen 
des sauren Hämatoporphyrinspektrums wie beim Urobilin in 15 mm dicker 



x ) Hedin, Hygiea 1892; Jahresber. f. Tierch. 1892. 532. 

2 ) Saillet, Revue de med. 16. 543 u. 552. 1896; 17. 125. 1897. 



1344 Schulz, Farbstoffe. 



Schicht der Lösung gerade noch sichtbar ist, wenn die Lösung in 22 ccm 
1 mg ^Hämatoporphyrin enthält (oder bei 10 mm dicker Schicht 6,82 mg 
in 100 ccm). Ein abgemessenes Volumen der Lösung wird durch zu- 
gemessene Mengen Wasser bis zu diesem Grade verdünnt und aus der 
Grösse der Verdünnung der Gehalt der Lösung an Hämatoporphyrin 
berechnet. 

Das Verfahren ist nicht genau, da das minimale Spektrum an und für sich 
kein sicheres Mass darstellt und die Sichtbarkeit des Streifens ausserdem noch 
abhängt von der Stärke der Lichtquelle und anderen Umständen. 

B. Ausführung. Es werden 100—200 ccm Harn mit 10 Tropfen 

Eisessig auf 100 ccm versetzt und mit dem gleichen Volumen Essigäther 

ausgeschüttelt. Der vom Harn getrennte Äther wird darauf mit einem 

kleinen Volumen 5o/oiger Salzsäure geschüttelt und die so erhaltene 

saure Hämatoporphyrinlösung zur Bestimmung verwendet. 

Wenn man dem Harn alles Hämatoporphyrin entziehen will, so muss das 
Ausschütteln des Harns mit frischem Essigäther in gleicher Menge wiederholt 
werden. Da ferner nach Saillet der frisch entleerte Harn nur % des Farbstoffes 
als solchen, 3 / 4 als Chromogen enthält, und dieses bei der Belichtung der ätheri- 
schen Lösung in den Farbstoff übergeht, so muss der ätherische Auszug der Ein- 
wirkung des Sonnenlichtes ausgesetzt und so lange mit der verdünnten Salzsäure 
behandelt werden, als diese noch Farbstoff aufnimmt. 

V. Urorubrohämatin und Urofuscohämatin. 

Im Harn eines Leprosen hat Baumstark 1 ) zwei eigentümliche 
Farbstoffe aufgefunden, Urorubrohämatin und Urofuscohämatin. Der 
Harn war anfangs tief dunkelrot und wurde allmählich braunrot, gegen 
das letale Ende rein dunkelbraun, fast ,schwarz. Der rote Harn hatte 
ein Spektrum wie da,s des Sauerstoffhämoglobins oder wie das 1 metallische 
Hämatoporphyrin-Spektrum. 

Der Harn wurde der Dialyse unterworfen, wobei eine gelbliche, wie nor- 
maler Harn gefärbte Flüssigkeit mit den Salzen durch die Membran ging, während 
ein brauner Schlamm zurückblieb. Dieser Schlamm löste sich leicht in Natron- 
lauge und liess auf Säurezusatz das Urofuscohämatin fallen, während ein pracht- 
voll magentaroter Farbstoff, das Urorubrohämatin, in Lösung blieb. Der letztere 
schied sich aus, als die rote Lösung der Dialyse unterworfen wurde. Die Ausbeute 
betrug in 12 Tagen gegen 2 g beider Farbstoffe. 

Baumstark erteilte dem Urorubrohämatin die Formel C 68 H 94 N 8 Fe 2 O 30 , 
dem Urorufuscohämatin die Formel C 68 H 106 N 8 O 26 . Nach Hupperts Berechnung 
stimmt das Ergebnis der Analyse sehr gut zu den Formeln C 36 H 50 N 4 FeO 16 und 
C 34 H5 4 N 4 13 , weniger gut, aber noch befriedigend, zuC 32 H 45 N 4 Fe0 14 und C 16 H 26 N 2 6 . 
Die letzten zwei Formeln gestatten einen bequemen Vergleich mit denen des. 
Hämatins und des Hämatoporphyrins. 

Das Urorubrohämatin bildet frisch gefällt dunkelbraune Flocken, über 
Schwefelsäure getrocknet eine blauschwarze Masse. Es ist unlöslich in Wasser, 
Alkohol und Äther, Chloroform, Benzol, Schwefelkohlenstoff, Kochsalzlösung. In 

x ) Baumstark, Berichte d. ehem. Gesellsch. 7. 1170; Pflügers Archiv 
9. 568. 1874. 






Gallenfarbstoffe. Bilirubin. 1345 



Alkalien (auch Ammoniak) löst es sich mit braunroter Farbe, die beim Verdünnen 
schön granatrot wird; Säuren fällen den Farbstoff nicht, die Lösung wird aber 
bläulichrot; durch Dialyse fällt der Farbstoff. Beim Eindampfen seiner sauren, 
wie der alkalischen Lösung bleibt der Farbstoff unverändert zurück. In phos- 
phorsauren und kohlensauren Alkalien löst sich der Farbstoff mit magentaroter 
Farbe; Säuren fällen nicht und ändern die Farbe nicht. Aus den alkalischen 
Lösungen wird der Farbstoff durch Kalk- und Barytsalze nicht gefällt. Er löst 
sich in säurehaltigem Alkohol, sehr schwierig in verdünnter Schwefelsäure, mit 
violetter Farbe. Angesäuerte Kochsalzlösung nimmt ihn mit roter Farbe auf. 
Keine der Lösungen zeigt Dichroismus, auch nicht auf Zusatz von Zinksalz. 

Die saure Lösung zeigt ein schmales Absorptionsband, vor D rechts an D 
grenzend, und ein breites hinter D, wie saure Hämatoporphyrinlösung. Beim 
Verdünnen verschwindet das schmale Band zuerst. — Die alkalische Lösung 
zeigt ein schmales Band rechts von D, ein zweites solches auf E, ein breites rechts 
von F nahe dieser Linie und eines rechts von G, ohne dass das Blau zwischen 
den letzteren absorbiert wird; alle vier Bänder nehmen beim Verdünnen gleich- 
massig ab. 

Das Urofuscohämatin stellt frisch gefällt dunkelbraune Flocken, trocken 
eine pechglänzende schwarze Masse dar, ist unlöslich in Wasser, Alkohol, Äther, 
Chloroform, Benzol, Säuren, neutraler und saurer Kochsalzlösung. Es löst sich 
in Alkalien (auch Ammoniak) mit brauner Farbe, die sich beim Verdünnen nicht 
ändert; Säuren, sowie Kalk- und Barytsalze, fällen aus diesen Lösungen den Farb- 
stoff sofort in braunen Flocken. Phosphorsaure und kohlensaure Alkalien, sowie 
säurehaltiger Alkohol lösen den Farbstoff mit brauner Farbe. Die Lösungen 
ändern ihre Farbe beim Verdünnen nicht; sie zeigen keinen Dichroismus, auch 
nicht auf Zusatz von Zinksalz. Im Spektrum erscheint ein Schatten zwischen D 
und E und ein zweiter vor F, der nur mit Schwierigkeit zu erkennen ist. 

Beide Farbstoffe können mit konzentrierter Natronlauge oder Salzsäure 
gekocht werden, ohne sich zu verändern. Beide liefern bei der trockenen Destillation 
ein Destillat, welches, wie die von Hoppe-Seyler untersuchten Hämatin-Derivate, 
sehr schön die Pyrrol-Reaktionen zeigt. Häminkrystalle lassen sich aus den Farb- 
stoffen nicht darstellen. 



VI. Gallenfarbstoffe. 

Man unterscheidet von den Gallenfarbstoffen Bilirubin, Biliverdin, Bili- 
fuscin und Biliprasin; die drei letztgenannten sind Oxydationsprodukte des Bili- 
rubins. An diese schliessen sich als weitere farbige Oxydationsprodukte derselben 
Cholecyanin (Bilicyanin), Choletelin und ein von Stokvis beschriebener reduzier- 
barer Körper an. 

A. Vorkommen. Gallenfarbstoff tritt bei längere Zeit an- 
haltender Gallenstauung im Harn auf. Von den verschiedenen Farb- 
stoffen ist mit voller Sicherheit in frischem ikterischen Harn nur das 
Bilirubin aufgefunden worden; dass auch Bilifuscin, Biliprasin und Bili- 
verdin in frisch entleertem Harn vorkommen, ist wenigstens nicht die 
Regel, aber sie bilden sich leicht beim Stehen des Harns an der Luft. 
Auch in den Uratsedimenten kann sich der Gallenfarbstoff finden, selbst 
die ganze im Harn enthaltene Menge. Das Spektrum des Cholecyanins 
hat Heyns ius einige Male an ikterischem Harn beobachtet. Auch das 
Choletelin glauben Heynsius und Campbell als häufigen Bestand- 
teil des ikterischen Harns bezeichnen zu dürfen, während andere Jim 
ikterischen Harn neben dem Gallenfarbstoff oder an Stelle desselben 



1346 Schulz, Farbstoffe. 



das dem Choletelin spektroskopisch zum Verwechseln ähnliche Urobilin 
nachgewiesen haben. Der reduzierbare Stoff von Stokvis (B. g) 
findet sich in geringer Menge bei Ikterus, bei fieberhaften Krankheiten 
und bei längere Zeit hungernden Tieren, sowie nach Zeehuisen 1 ) 
noch längere Zeit nach Ablauf des katarrhalischen Ikterus. — Die 
Färbung des ikterischen Harns entspricht nicht seinem Gehalt an Bili- 
rubin; es können lichte Harne reich, dunkle arm daran sein; in der 
Tagesmenge Harn fand Schwanda 2 — 15 mg in 100 ccm. 

Im normalen menschlichen Harn kommt der Gallenfarbstoff nicht vor, 
dagegen oft im Harn gesunder und kranker Hunde. — Der Hundeharn ist normaler- 
weise gallenfarbstofffrei. Gallenfarbstoff im Hundeharn ist aber nicht patho- 
gnostisch für Ikterus (Schreck) 2 ). 

Die Harnsäure, welche sich aus ikterischem Harn abgeschieden hat, ist 
nach Garrod 3 ) braun, aber in verschiedenen Nuancen, je nachdem der Harn 
mehr Bilirubin oder mehr Biliverdin enthält. Die Uratsedimente aus bilirubin- 
reichem Harn sind rötlichbraun und die einzelnen Krystalle ungewöhnlich reich 
und warm orange; die Sedimente aus biliverdinreichem Harn sind lederbraun 
und die einzelnen Krystalle eigentümlich grünlich. Der Farbstoff lässt sich ihnen 
durch die passenden Lösungsmittel entziehen. — Das „Hämatoidin" in Harn- 
sedimenten wird in vielen Fällen Bilirubin gewesen sein. 

B, Eigenschaften, a) Bilirubin C 32 H 36 N 4 6 . 

Das Bilirubin wurde zuerst von Staedeler genauer beschrieben, 

dann von M a 1 y und vor allem von Küster genauer untersucht. 

1. Das Bilirubin ist amorph und krystallisiert erhalten worden. 
Das krystallisierte ist dunkelrot, das amorphe ist orangerot. Aus J)i- 
methylanilin krystallisiert es in schiefen, breiten Säulen oder kegel- 
förmig; aus Chloroform können Nadeln oder Wetzsteinformen entstehen. 
Das Bilirubin ist dem Hämatoporphyrin isomer. Es löst sich nicht in 
Wasser, spurenweise in Äther, wenig mehr in gewöhnlichem Alkohol, 
in heissem Amylalkohol und in Glycerin mit gelber Farbe, leicht 'in 
Chloroform mit gelber bis dunkel bräunlich roter Farbe und in Dimethyl- 
anilin, ferner wenig in Schwefelkohlenstoff, in Benzol, Nitrobenzol, 
Äthylenbromid, in Phenol, in Terpentinöl und in fetten Ölen. Chloroform 
nimmt das Bilirubin beim Schütteln auch aus solchen Flüssigkeiten auf, 
in welchen es als solches enthalten ist. Aus der Chloroformlösung sowie 
aus der Lösung in Dimethylanilin, in Schwefelkohlenstoff und in Benzol 
scheidet es sich beim Verdunsten krystallinisch ab. 

2. Es löst sich in den Alkalihydraten, Alkalicarbonaten und den 
alkalisch reagierenden Phosphaten, indem es mit den Alkalien salzartige 
Verbindungen bildet. Diese lösen sich in Wasser leicht mit gelber 

x ) Heynsius und Campbell, Pflügers Archiv 4. 545. 1871. — Stokvis, 
Zentralbl. f. d. med. Wissensch. 1873. 3. — H. Zeehuisen, Zeitschr. f. klin. Med. 
27. 190. 1895. 

2 ) H. Schreck, Monatshefte f. prakt. Tierheilk. 21. 243. 1909. 

3 ) Arch. E. Garrod, Journ. of Physiol. 17. 441. 1895; The Journ. of Pathol. 
and Bacteriol. 3. 105. 1896. 



I 



Bilirubin, Eigenschaften. 1347 



bis tief orangeroter Farbe, in Alkalilaugen aber weniger als in Wasser; 

die alkalischen Lösungen färben sich an der Luft unter Oxydation 

leicht braun und grün. Durch Schütteln mit verdünnter Natronlauge 

wird das Bilirubin der Chloroformlösung entzogen. Durch Salze der 

alkalischen Erden und der schweren Metalle (Blei, Silber, Zink), nach 

Camerer auch durch ammoniakalische Silberlösung, wird es aus feeinen 

alkalischen Lösungen als salzartige Verbindung gefällt. Barytsalze 

schlagen es nach Fr. Müller vollständiger nieder als Kalksalze. Es 

fällt nach Mehu 1 ) beim Sättigen seiner wässerigen Lösungen (Harn) 

mit Ammonsulfat aus, der Niederschlag löst sich wieder in Wasser. 

Sättigen der Lösung mit Chlorammonium fällt den Farbstoff auch, aber 
nicht so vollständig wie Ammonsulfat (Huppert). 

3. Säuren lösen das Bilirubin nicht und geben mit ihm keine Ver- 
bindungen. 

4. Es entsteht nach Haycraft und S c o f i e 1 d durch Reduktion 
(durch Schwefelammon, in faulendem Harn) aus Biliverdin und Bili- 
cyanin. Bei der alkalischen Harngärung kann es aber aus dein Harn ver- 
schwinden (Salkowski 2 ) und ebenso, wenn ikterischer Harn unter 
Zusatz von Chloroform aufbewahrt wird (Huppert). 

5. Das Spektrum des Bilirubins zeigt keinen Absorptionsstreifen. 

Die Absorption nimmt nach Vierordt 3 ) vom äussersten Rot gegen das 
violette Ende ununterbrochen zu; besonders schnell erfolgt diese Zunahme in 
E 26 F bis E 45 F und zwischen G 35 H und G 60 H ist sie 573 mal so stark als 
in A. Das Bilirubin absorbiert das Licht stärker, als einer der anderen Gallenfarb- 
stoffe. 

Die Absorptionsstreifen der Galle gehören keinem der gewöhnlichen Gallen- 
farbstoffe, sondern dem Cholecyanin an. 

6. In alkalischer Lösung verwandelt sich das Bilirubin unter Ab- 
sorption von Sauerstoff leicht in einen bläulichgrünen, gewöhnlich als 
Biliverdin bezeichneten Farbstoff (Gmelin). In gleicher Weise wird 
das Bilirubin bei der Digestion mit Alkohol, namentlich mit Äther, 
oxydiert, sowie nach Thudichum auch durch F e h 1 i n g sehe Flüssig- 
keit. Bei der Digestion mit ammoniakalischer Chlorzinklösung an der 
Luft geht es in Cholecyanin über (Stokvis). Quecksilberchlorid führt 
das Bilirubin nach Ad. Schmidt 4 ) in Biliverdin über. 



x ) W. Camerer, Zeitschr. f. Biol. 35. 212. 1897. — Mehu, Journ. de pharm, 
et de chim. [4] 28. 164. 1878. 

2 ) J. B. Haycraft und H. Scofield, Zentralbl. f. Physiol. 1889. 222; 
Zeitschr. f. physiol. Ch. 14. 173. 1889. — Salkowski, Zeitschr. f. physiol. Ch. 
12. 227 1888 

3 ) Vierordt, Zeitschr. f. Biol. 10. 42 u. 52. 1874. 

4 ) F. Tiedemann und L. Gmelin, Die Verdauung nach Versuchen. 
Leipzig und Heidelberg 1826. 1. 80. ■ — Stokvis, Zentralbl. f. d. med. Wissensch. 
1872. 784. — A. Schmidt, Verhandl. d. XIII. Kongr. f. inn. Med. 1895. 320. 



1348 Schulz, Farbstoffe. 



7. Mit Brom gibt das Bilirubin farbige Substitutionsprodukte; auch 
Chlor substituiert Wasserstoff in ihm (Thudichum, M a 1 y). Unter 
Einwirkung von alkoholischer Jodlösung wird Bilirubin in eine grüne 
Verbindung verwandelt. Jolles spricht diese grüne Verbindung als 
Biliverdin an (s. S. 1367). Nach Thudichum und Munk*) handelt 
es sich aber auch hier um ein Substitutionsprodukt des Bilirubin. Diese 
Auffassung ist trotz der Einwände von J o 1 1 e s 2 ) wahrscheinlich die 
richtige. 

8. Eine Bilirubinlösung färbt sich bei allmählichem Zufügen von 
salpetrige Säure enthaltender Salpetersäure erst grün, dann blau, dann 
violett, dann rot und zwar alles dieses bei hinreichender Säuremenge 
innerhalb weniger Sekunden. Hierauf tritt in einigen Stunden oder, 
bei grösserem Säureüberschuss, in einigen Minuten Zerstörung der roten 
Farbe ein, worauf die Flüssigkeit gelb erscheint (L. G m e 1 i n). 

Giesst man die Bilirubinlösung auf die Salpetersäure, ohne dass sich die 
Flüssigkeiten mischen, so zeigen sich diese Farben gleichzeitig schichtenweise 
übereinander, die grüne Schicht zu oberst. Bei dieser Oxydation entstehen nach 
dem als Biliverdin betrachteten Farbstoff wesentlich Cholecyanin und Choletelin. — 
Reine Salpetersäure gibt mit einer Lösung des reinen Farbstoffes diese Reaktion 
nicht. 

Durch Chlor lässt sich eine ähnliche Farbenveränderung bewerkstelligen, 
wie durch die Salpetersäure, jedoch sind die Farben bei weitem weniger lebhaft; 
die grüne Färbung geht, ohne erst ein deutliches Blau zu zeigen, in die blassrote 
über und etwas mehr Chlor bewirkt gänzliche Entfärbung nebst weisser Trübung 
(Gmelin). — Eine Lösung von Bilirubin zeigt auf Zusatz von Brom oder Jod 
denselben Farbenwechsel, wie er durch Salpetersäure hervorgerufen wird (Maly) 3 ); 
es bilden sich dabei Brom- (Jod-) Substitutionsprodukte. 

Eine Lösung von Gallenfarbstoff in Alkohol, Äther oder Chloroform wird 
nach Capranica 4 ) auf vorsichtigen Zusatz einer schwachen alkoholischen Brom- 
lösung nacheinander grün, indigoblau, violett, gelbrot und endlich farblos. Der 
grüne Stoff zeigt keinen Absorptionsstreifen, der blaue und der violette dagegen 
einen Streifen in Rot, der gelbrote einen Streifen in Blau. Schüttelt man die 
ätherische Lösung, wenn sie grün oder blau geworden ist, mit Salzsäure, so nimmt 
diese den grünen Farbstoff auf. Die Grünfärbung ist noch wahrnehmbar, wenn 
der ursprüngliche Farbstoffgehalt nicht mehr als 1 : 200 000 beträgt. Aus der 
violetten Lösung nimmt Salzsäure nichts auf. Konzentrierte wässerige Lösungen 
von Chlorsäure oder Jodsäure ergeben dasselbe Resultat. 

Eine Lösung von Bilirubin in Chloroform wird nach Capranica bei Ab- 
schluss von Luft im Lichte grün. Durchleiten von Sauerstoff hat auf die Farben- 
wandlung ebensowenig Einfluss wie Durchleiten von Stickstoff, Wasserstoff, 

x ) Thudichum, Journ. of the ehem. Soc. [2] 13. 389. 1875; Ann. d. Ch. 
81. 242. — Maly, Ann. d. Ch. 181. 106. 1876. — A. Jolles, Wiener med. 
Wochenschr. 1894. Nr. 20 U. 21; Pflügers Archiv 57. 1. 1894; Zeitschr. f. physiol. 
Ch. 27. 83. 1899; Skandin. Archiv 10. 338. 1900. — Thudichum, 1. c. — J. Munk, 
Archiv f. Physiol. 1898. 361. 

2 ) A. Jolles, Pflügers Archiv 75. 446. 1899; Journ. f. prakt. Ch. 59. 
308. 1899. 

3 ) Maly, Chem. Zentralbl. 1868. 487; Ann. d. Ch. 181. 108. 

4 ) Capranica, Moleschotts Unters. 13. 190; Zeitschr. f. analyt. Ch. 22. 
626; Jahresber. f. Tierch. 1882. 302; Gaz. chim. ital. 11. 430; Jahresber. f. Tierch. 
1881. 312; Archiv ital. de Biol. 1. 84; Virchow-Hirschs Jahresber. 1. 122. 1882. 



I 



Biliverdin. 1349 



Kohlensäure oder Kohlenoxyd. Schwefelwasserstoff verhindert das Grünwerden 
der Bilirubinlösung im Licht. 

Der bei der Einwirkung der Salpetersäure auf Bilirubin entstehende grüne 
Farbstoff zeigt nach Bogomoloff x ) in alkoholischer Lösung keinen Absorptipns- 
streifen ; auf weiteren Zusatz von rauchender Salpetersäure treten mit fortschreiten- 
der Farbenveränderung Streifen auf, von denen jedoch dahingestellt bleibt, ob sie 
ihren Ursprung dem Gallenfarbstoff oder den bei der Einwirkung der Salpeter- 
säure auf den Alkohol entstehenden farbigen Lösungen verdanken. 

9. Permanganat in saurer Lösung zerstört das Bilirubin und (die 

übrigen Gallenfarbstoffe vollständig. 

Von dieser Eigenschaft macht Modigliano 2 ) Gebrauch zum Entfärben 
ikterischen Harns, um ihn für weitere Untersuchungen tauglich zu machen. Der 
Harn wird auf 1 ccm mit 2 Tropfen Salpetersäure oder Salzsäure (1,2 Dichte) 
und 2 Tropfen einer 4%igen Permanganatlösung erwärmt oder einige Minuten 
geschüttelt. 

10. Chromsäure in essigsaurer Lösung oxydiert Bilirubin zu 
Hämatinsäure C 8 H 8 5 neben Bernsteinsäure und anderem. 

11. Durch Destillation mit Zinkstaub entsteht Hämopyrrol wie beim 
Blutfarbstoff. Beim Kochen mit Lauge spaltet sich Ammoniak ab unter 
Bildung eines braunen, fäkalartig riechenden Stoffes (Unterschied gegen- 
über Hämatin und Hämatoporphyrin). 

12. Versetzt man nach Ehrlich 3 ) eine Lösung von Bilirubin in Chloroform 
mit 1 — 2 Volumen stark salzsäurehaltiger, 0,l%iger Diazobenzolsulfosäure- 
lösung und mit soviel Alkohol, dass die Mischung homogen wird, so verändert 
die Lösung innerhalb einer Minute ihre gelbe Farbe in Rot. Auf tropfenweisen 
Zusatz von konzentrierter Salzsäure geht die Färbung durch Violett und Blauviolett 
in intensives prachtvolles Reinblau über, das unbegrenzte Zeit haltbar ist. Die 
stark saure Lösung ist rein blau, die stark alkalische grünblau, die neutrale oder 
schwach saure oder schwach alkalische rot. Das Produkt besitzt also verschiedene 
Färbung, ähnlich, aber nicht gleich dem Cholecyanin (B. e) 4.). Lässt man zur 
blauen Lösung vorsichtig Kalilauge fliessen, so ist eine untere grünblaue Zone von 
einer oberen rein blauen durch einen schmalen roten Streifen getrennt. Chloro- 
form entzieht der blauen Lösung den Farbstoff teilweise mit grüner, der neutralen 
mit roter Färbung. Äther nimmt aus wässerigen Lösungen fast nichts auf. — 
Versetzt man stark ikterischen Harn mit der Diazobenzolsulfosäurelösung und 
stark mit HCl und lässt ihn, mit Steinsalz gesättigt, mehrere Tage stehen, so lässt 
sich das Produkt leicht abfiltrieren und mit Salzlauge waschen. 

Biliverdin, Biliprasin, Bilifuscin und Urobilin geben diese Reaktion nicht. 

Die saure blaue Lösung zeigt nach Krukenberg 4 ) ein breites Band auf D, 
die annähernd neutrale violette Lösung eine von D bis F reichende Absorption. 
Im Spektrum der stark alkalischen grünen Lösung ist die linke Seite bis zur Mitte 
zwischen D und E absorbiert und das Rot nur schwach sichtbar. 

Pröscher 5 ) versuchte das Reaktionsprodukt zu charakterisieren. Zu 
einer Lösung von Bilirubin in Chloroform, die mit Alkohol so weit verdünnt wurde, 
dass das Bilirubin noch in Lösung blieb, und dann mit HCl stark angesäuert wurde, 

2 ) Th. Bogomoloff, Zentralbl. f. d. med. Wissensch. 530. 1869. 

2 ) Modigliano, Lo sperimentale ; Chem. Zentralbl. 1. 393. 1889. 

3 ) Ehrlich, Zentralbl. f. klin. Med. 4. 721. 1883. 

4 ) Krukenberg, Chem. Untersuchungen 1. 77. 7886. 

5 ) F. Pröscher, Zeitschr. f. physiol. Ch. 29. 411. 1900; Zentralbl. f. inn. 
Med. 22. 169. 1901. 



1350 Schulz, Farbstoffe. 



kam allmählich Ehrlichs Diazophenonlösung (Amidoacetophenon in Alkohol 
gelöst, mit HCl angesäuert, mit der berechneten Menge Natriumnitrit versetzt). 
Nach Beendigung der Reaktion (ein Tropfen der Lösung darf auf Tüpfelpapier mit 
dem Reagens keine Blaufärbung mehr geben) wird in mit HCl stark angesäuertes 
Wasser eingetragen. Es scheidet sich dann das Chloroform ab, das den gesamten Azo- 
körper mit blauer Farbe aufnimmt. Das Chloroform wird mit Wasser gewaschen, 
wobei die blaue Farbe in Rot umschlägt. Dieses rote Acetophenonazobilirubin 
wurde durch Verdunsten des Chloroforms in Krystallen gewonnen. Es handelt 
sich um ein Acetophenondisazobilirubin C 32 H 34 N 4 6 (C 8 H 7 N 2 2 ) (Orndorff und 
Tepple) 2 ). Die neutrale Lösung ist rot, die alkalische grün, die salzsaure und 
schwefelsaure blau. Die genauere spektroskopische Untersuchung (durch Form ä- 
nek) ergab, dass bei den verschiedenen Lösungen sich mehrere unscharfe Absorp- 
tionsstreifen zeigen, die, wenn man das ganze Verhalten bei verschiedenen Re- 
aktionen berücksichtigt, sich doch zur Identifizierung dieses Farbstoffes eignen. 

13. Durch Natriumamalgam wird das Bilirubin zu H y d r o b i 1 i - 
rubin reduziert (M a 1 y 2 ) und durch Kot- (Fäulnis-) Bakterien zu 
U ro b i 1 i n (S. 1371). Leichter erfolgte diese Reduktion durch Jodwasser- 
stoff und Jodphosphonium. 

Nach der Schilderung, welche Maly von den Eigenschaften seines Hydro- 
bilirubins gibt, gleicht es dem Urobilin so sehr, dass man beide Körper für identisch 
halten könnte. Maly schreibt dem Hydrobilirubin die Formel C 32 H 40 N 4 O 7 zu. 
Gegen die Identität beider Farbstoffe sind aber von verschiedenen Seiten Zweifel 
erhoben worden, deren Erledigung darum mit Schwierigkeiten verbunden ist, weil 
man bei wiederholter Darstellung nicht immer das gleiche Produkt erhält. Die 
Reduktion kann entweder nicht vollendet sein, und man erhält dann Substanzen, 
welche noch Absorptionsstreifen im Rot und im Anfangsteil des Grün darbieten, 
oder die Lösung wird völlig entfärbt (Disque, Le Nobel, Eichholz). Nach 
Gerhardt 3 ) lässt sich der fremde Farbstoff durch Fällen mit Baryt beseitigen. — 
Das Hydrobilirubin mit dem einfachen Absorptionsstreifen des Urobilins unter- 
scheidet sich von dem ihm sonst sehr ähnlichen Choletelin durch ein anderes Ab- 
sorptionsverhältnis in verschiedenen Spektralregionen. 

Wiederholt ist die Beobachtung gemacht worden, dass das farblose Reduk- 
tionsprodukt des Urobilins aus Harn (Urobilinweiss) beim Stehen an der Luft 
wieder zu Urobilin wird, das Hydrobilirubin mit den überzähligen Absorptions- 
streifen unter denselben Umständen wieder zu demselben Hydrobilirubin. 

b) Biliverdin C 32 H 36 N 4 8 . 

1. Das Biliverdin ist amorph, schwarzgrün, löst sich nicht (in 
Wasser, in Äther und in Chloroform, aber in Äthyl- und in Methyl- 
alkohol mit blaugrüner Farbe, welche durch eine Spur Säure feurig 
grün wird. 

2. In ätzenden und kohlensauren Alkalien löst es sich mit saft- 
grüner bis braungrüner Farbe, wodurch es sich vom gleichfalls grünen 
Biliprasin unterscheidet, dessen Alkalisalze braun sind. Die Verbin- 
dungen des Biliverdins mit den alkalischen Erden und den Oxyden 
schwerer Metalle (Blei, Silber, Quecksilber, Kupfer) sind unlöslich. 



x ) W. R. Orndorff und J. E. Tepple, Amer. Chem. Journ. 33. 215. 1905. 

2 ) Maly, Ann. d. Ch. u. Pharm. 161. 368. 1872; 163. 77; Zentralbl. f. d. 
med. Wissensch. 1871. 849. 

3 ) Disque, Zeitschr. f. physiol. Ch. 2. 259. 1878. — Le Nobel, Pflügers 
Archiv 40. 517. 1887. — A. Eichholz, Journ. of Physiol. 14. 334. 1893. — D. Ger- 
hardt, Über Hydrobilinurie, Diss. Berlin 1889. 15. 



Cholecyanin. 1351 



3. Es löst sich in konzentrierter Essigsäure und in Salzsäure. 

4. Ein Biliverdin, welches Vierordt 1 ) photometrisch untersuchte, 

zeigte in alkalischer Lösung keine Absorptionsstreifen. 

Die Absorption nahm vom roten zum violetten Ende ununterbrochen zu. 
Die alkoholische schwach angesäuerte Lösung von rein grünem Farbenton wies 
auch diese Zunahme der Absorption auf mit einer unbedeutenden Abnahme im 
Grün zwischen C 65 D und D 87 E ; ausserdem zeigte sie ein besonders rechts schlecht 
begrenztes Absorptionsband in Rot (zwischen a und C 15 D). 

5. Mit Salpetersäure gibt das Biliverdin dieselbe Farbenverände- 
rung wie das Bilirubin. Brom substituiert nach T h u d i c h u m in ihm 
Wasserstoff unter Bildung einer gleichfalls grünen Verbindung. Durch 
Natriumamalgam wird es nach M a 1 y zu Hydrobilirubin, nach Thu- 
dichum zu einem diesem ähnlichen Körper, durch die Fäulnis oder 
Schwefelammon nach Haycraft und Scofield 2 ) zu Bilirubin re- 
duziert. 

6. Durch Einwirkung von Formalin auf Biliverdin entsteht B i 1 i - 

c y a n i n (Amol d) 3 ). 

Zink und Salzsäure reduziert nach Jolles 4 ) auch das grüne, durch Sal- 
petersäure erhaltene Oxydationsprodukt des Bilirubins. 

c) B i 1 i p r a s i n C 32 H 44 N 4 12 . ^ as Biliprasin ist wahrscheinlich 
ein mit Fetten verunreinigtes Biliverdin (Niethammer) 5 ). 

Die Derivate des Biliverdin (Biliprasin, Bilifuscin, Bilicyanin und 

Choletelin) sind schlecht charakterisiert, nur das Bilicyanin zeichnet 

sich durch ein charakteristisches Spektrum aus. 

1. Das Biliprasin ist amorph, grünlich schwarz. Es ist in Wasser, Äther 
und Chloroform unlöslich. Alkohol löst es mit rein grüner Farbe, die auf Zusatz 
von Ammoniak in Braun übergeht. (Unterschied von Biliverdin.) 

2. In Alkalien löst sich das Biliprasin leicht auf, schwieriger in kohlen- 
sauren Alkalien. Die verdünnten Lösungen haben dieselbe Farbe, wie stark pig- 
mentierter ikterischer Harn. (Auf Zusatz einer Säure geht die braune Farbe 
wieder in eine grüne über. Unterschied von Bilifuscin.) 

3. Die alkoholische Lösung zeigt nach Mac Munn 6 ) keine Absorptions- 
streifen, die alkalische (in Natron) dagegen, wie Bilifuscin, ein Band zwischen 
C und D. 

4. Eine weingeistige Lösung von Biliprasin zeigt mit Salpetersäure die- 
selbe Reaktion wie Bilirubin und Biliverdin, nur das Blau ist sehr zurücktretend 
und undeutlich. Auf diese Reaktion ist jedoch nichts zu geben, weil man die 
gleichen Farben auch mit Alkohol allein erhält. 

d) Bilifuscin C 32 H 40 N 4 O 8 . 

1. Dasselbe ist gepulvert dunkelbraun, löst sich nicht in Wasser, in Äther 
und in Chloroform, oder nur spurenweise, löst sich aber bei Gegenwart fetter Säuren 



!) Vierordt, Zeitschr. f. Biol. 10. 45. 

2 ) Thudichum, Journ. of the ehem. Soc. [2] 14. 935. 1876. — J. B. Hay- 
craft und H. Scofield a. a. O. 

3 ) V. Arnold, Jahresber. f. Tierch. 29. 328. 1899. 

4 ) A. Jolles, Pflügers Archiv 61. 627. 1895. 

5 ) E. Niethammer, Diss. Tübingen 1907. 

6 ) Mac Munn, Proc. Roy. Soc. 35; Jahresber. f. Tierch. 1883. 320. 



1352 Schulz, Farbstoffe. 



in Äther und in Chloroform. Mit Weingeist gibt es leicht eine tiefbraune Lösung, 
welche in starker Verdünnung die Farbe stark pigmentierten ikterischen Harnes 
besitzt. Auf Zusatz von etwas Salzsäure ändert sich die Färbung nicht, durch 
Alkalien wird sie lebhafter, mehr rötlichbraun. 

2. In Ammoniak und in natronhaltigem Wasser löst sich das Bilifuscin 
leicht mit tiefbrauner Farbe. Chlorcalcium fällt aus der Lösung dunkelbraune 
Flocken. 

3. Spektroskopisch verhält sich das Bilifuscin wie das Biliprasin. 

e) Cholecyanin (Bilicyanin, Choleverdin). 

Bei der Oxydation der Gallenfarbstoffe mit Salpetersäure, Bleisuperoxyd, 
übermangansaurem Kali, atmosphärischem Sauerstoff bei Gegenwart von Chlor- 
zink in alkalischer Lösung etc. treten nach den Untersuchungen von Jaffe, 
Fudakowski, Stokvis, sowie Heynsius und Campbell x ) die zwei Absorptions- 
streifen « und ß des unten abgebildeten ersten Spektrums auf; bei weiterer Oxy- 
dation gesellt sich ihnen ein dritter, y, mit y des Choletelins identischer, hinzu. 
Es hat den Anschein, als ob y von gebildetem Choletelin herrührt, während nur 
a und ß einem besonderen Farbstoff, dem Cholecyanin, angehören; doch lässt 
sich vorderhand kein sicheres Urteil gewinnen. 

1. Das Cholecyanin löst sich nicht in Wasser, schwer in Alkohol, 
Amylalkohol, Chloroform, Äther, leicht dagegen in Alkalien und starken 
Säuren. 

2. Nach Zusatz von Alkali ist das Cholecyanin sehr leicht löslich 
in Wasser und in Alkohol, aber unlöslich in Äther, Chloroform und in 
Amylalkohol, nach Zusatz von Säuren dagegen löst es sich nur sehr 
wenig in Wasser, mit der grössten Leichtigkeit aber in Alkohol, Amyl- 
alkohol, Äther und Chloroform. Durch Bleizucker wird es nicht gefällt. 
Aus der sauren, alkoholischen Auflösung wird das Cholecyanin durch 
Neutralisieren und Zusatz von viel Wasser niedergeschlagen. 

3. Unter reduzierenden Einflüssen (durch Schwefelammon, in faulen- 
dem Harn) wird es nach Haycraft und Scofield in Bilirubin 
verwandelt. Auch durch Zink und Salzsäure wird es nach J o 1 1 e s 
reduziert. 

4. Die neutralen oder äusserst schwach sauren Lösungen des 
Cholecyanins Isind blaugrün oder stahlblau und besitzen eine pracht- 
voll rote Fluor escenz. — Die alkalischen Lösungen sind grün 
und fluorescieren nur unbedeutend. — Die Lösungen in sehr verdünnten 
Säuren sind schön rot und die stark sauren Lösungen violett- 
bl au. 

5. Das Cholecyanin besitzt ein ausgezeichnetes Spektrum. 

In neutraler Lösung zeigt das Absorptionsspektrum des Cholecyanins 
drei schmale Streifen, von welchen a und y dunkel sind, ß heller ist ; a deckt mit 
seinem rechten Rand C, ß ebenso D, während y die Mitte zwischen D und E ein- 



x ) Jaffe, Zentralbl. f. d. med. Wissensch. 1868. 241. — Fudakowski, 
Zentralbl. f. d. med. Wissensch. 1869. 129. — Stokvis, Zentralbl. f. d. med. 
Wissensch. 1872. 784; Maandblad voor Natuurwetensch. 3. Nr. 1. — Heynsius 
und Campbell, Pflügers Archiv 4. 520. 1871. 



I 



Choletelin. 1353 



nimmt. Der Streifen a ist so dunkel, wie der im Rot gelegene Streifen des Hämatins 
in saurer Lösung, wie denn beide Spektren einander sehr ähnlich sind. — In saurer 
Lösung liegen a und ß links und rechts von D, nahe bei dieser Linie, und besitzen 
die ursprüngliche Breite, während y die Lage von y des Choletelins einnimmt 
und mit dem rechten Rand F ein wenig überschreitet (Tafel I, Spektrum (ia). 
— In alkalischer Lösung sind a und ß nach rechts, y nach links gerückt; a 
deckt jetzt mit seinem linken Rande C, ß wird nahezu in der Mitte von D durch- 
schnitten und y nimmt denselben Ort ein, wie ö des Choletelins (Spektrum 6b). 

f) Choletelin (C 15 H 18 N 2 6 ?). 

1. Das (mit Salpetersäure aus Bilirubin dargestellte) Choletelin 
bildet einen braunen amorphen Körper, der sich mit rubinroter Farbe 
leicht in Alkohol und wenig in Chloroform, dagegen nicht in Äther 
löst." Die verdünnten Lösungen desselben besitzen nicht, wie das Uro- 
bilin, eine rosenrote, sondern eine gelbrote Färbung, die sich 
weder auf Zusatz von Säuren noch von Alkalien ändert, während das 
beim Urobilin der Fall ist. Die Lösungen fluorescieren nicht. Wasser 
schlägt es aus seiner alkoholischen Lösung nieder. 

Ein Choletelin, welches Stokvis durch Behandeln einer neutralen alko- 
holischen Cholecyaninlösung mit Chlorzink und Jodtinktur oder beim Kochen 
derselben mit wenig Bleisuperoxyd erhielt, war in verdünnter Lösung oder in 
dünner Schicht rosenrot, fluorescierte auch ohne Chlorzink prachtvoll grün und 
ging aus der alkoholischen (!) Lösung leicht in Äther und in Chloroform über; 
die rotgelbe oder rote Färbung seiner Lösung in säurehaltigem Alkohol wurde 
beim Übersättigen mit Alkali hellgelb. Der Farbstoff verhielt sich also ganz wie 
Urobilin. Auch Fr. Müller 1 ) erhielt beim Behandeln von reinem Bilirubin erst 
mit Jod und dann mit Salpetersäure einen Farbstoff, der mit dem Urobilin die 
größte Ähnlichkeit besass. Vom Hydrobilirubin (Urobilin) unterscheidet sich aber 
das Choletelin durch sein Absorptionsverhältnis (s. später). 

2. Es löst sich in kohlensauren und in ätzenden Alkalien, auch 
in Ammoniak, mit brauner Farbe; Säuren fällen es aus den alkalischen 
Lösungen; Bleizucker fällt es nicht. Zusatz eines Zinksalzes zu der 
alkalischen Lösung ruft keine Fluor es cenz hervor. Mineralsäuren 
lösen es nicht, wohl aber Eisessig. Dagegen löst es sich in Neutral- 
salzlösungen. 

3. Das Choletelin zeigt ein verschiedenes spektrales Ver- 
halten, je nachdem es durch Oxydation von Gallenfarbstoff in saurer 
oder in neutraler Lösung erhalten worden ist. 

Von dem mit Salpetersäure dargestellten Choletelin absorbiert eine neu- 
trale alkoholische Lösung das äusserste Rot des Spektrums am wenigsten, das 
äusserste Violett am stärksten; die Absorption nimmt vom Rot zum Violett ohne 
Unterbrechung zu, Absorptionsbänder fehlen (Vierordt). Die alkoholische 
saure Lösung zeigt einen Absorptionsstreifen (y) zwischen b und F (Jaffe), er 
tritt sofort auf Zusatz von Essigsäure oder einer Mineralsäure zur alkoholischen 
Lösung auf. Derselbe Streifen ist auch in der essigsauren Lösung von vornherein 

x ) B. J. Stokvis, Zentralbl. f. d. med. Wissensch. 1873. 211 u. 449. — 
Fr. Müller, Siebzigster Jahresbericht der schlesischen Gesellsch. f. vaterl. Kultur, 
1892, med. Abteilung 2. 



1354 Schulz, Farbstoffe. 



vorhanden und kommt auch auf Zusatz einer Säure zu der Lösung des Choletelins 
in Neutralsalzen zum Vorschein. Der Streifen nimmt nach Heynsius und Camp- 
bell x ) genau dieselbe Lage ein, wie der Streifen y des Bilicyanins in saurer Lösung 
(Tafel I, 6a). Die Lösung des Choletelins in Alkalien oder die mit Alkali 
versetzte alkoholische Lösung zeigt, wenigstens anfangs, keinen Streifen; aber 
mindestens auf Zusatz von Chlorzink zu diesen Lösungen oder von etwas Jod- 
tinktur zur alkoholischen Lösung erscheint ein Streifen ö, der an derselben Stelle 
liegt wie y der alkalischen Bilicyaninlösung. 

Beide Streifen haben dieselbe Lage wie die des Urobilins. Die Ähnlichkeit 
zwischen beiden -Farbstoffen wird aber noch grösser, insofern, als das durch Oxy- 
dation in neutraler Lösung dargestellte (f. 1.) Choletelin nach Stokvis 2 ) auch in 
neutraler Lösung den Streifen mit ausgezeichneter Schärfe darbietet. Vom Hydro- 
bilirubin ist das Choletelin jedoch bestimmt verschieden; setzt man das Licht- 
Absorptionsverhältnis des Hydrobilirubins = 1, so beträgt das des Choletelins 
in den verschiedenen Spektralbbzirken nach Vierordts Messungen (s, S. 62 u. 63) 
1,43—13,14. 

Nach dem Abdampfen einer neutralen Lösung löst sich der gelbe Rückstand 
in Alkohol, die neue Lösung zeigt aber weder auf Zusatz einer Säure noch auf 
Zusatz von Alkalien, Chlorzink oder Jodtinktur einen Absorptionsstreifen. 

4. Die Niederschläge, welche Choletelin mit Metallsalzen gibt, sind nicht 
dunkelrot wie die des Hydrobilirubins. Durch salpetersaures Silber wird das 
Choletelin erst auf Zusatz von Ammoniak (in braunen Flocken) gefällt. 

5. Schwefelwasserstoff, sowie Zink und Salzsäure verändern das Choletelin 
nicht sichtlich; Natriumamalgam aber färbt seine Lösungen lichter und soll es in 
Hydrobilirubin überführen. Konzentrierte Salpetersäure scheint es nicht wesent- 
lich anzugreifen. 

g) Der reduzierbare Stoff von Stokvis 3 ). 

1. Derselbe entsteht als Nebenprodukt bei der vollständigen Oxy- 
dation der Gallenfarbstoffe. Er löst sieh leicht in Wasser, Alkohol, 
Alkalien, in verdünnten Säuren farblos oder mit hellgelber Farbe, nicht 
in Äther und in Chloroform. Die Bleiacetate fällen ihn im Gegen- 
satz zum Urobilinogen nicht. Bleiessig und Ammoniak schlagen ihn 
aber nieder; durch Behandeln des Bleiniederschlages unter Alkohol mit 
Schwefelwasserstoff kann er wieder gewonnen werden. In alkalischer 
Lösung verliert er schnell die Reduktionsfähigkeit, in schwach sauren 
Lösungen ist er viel beständiger. 

2. Er ist ausgezeichnet dadurch, dass seine alkalische Lösung 
beim Kochen mit reduzierenden Substanzen (Schwefelammon, Zinn etc.) 
schön rosenrot wird und dann einen Absorptions schatten in Grün 
zwischen D und b zeigt, der beim Verdünnen der Lösung nur bis E 
reicht und vom roten Ende her immer mehr verschwindet. Schütteln 
der Lösung mit Luft beseitigt den Schatten und die Rosafarbe wieder. 



x ) Jaffe, Zentralbl. f. d. med. Wissensch. 1868. 241; Virchows Archiv 47.. 
242. — Maly, Sitzungsber. d. k. Akad. d. Wissensch. zu Wien 59. 2. Abt. 602. 
1869. — Heynsius und Campbell, Pflügers Archiv 4. 535. 1871. — Vierordt, 
Zeitschr. f. Biol. 10. 399. 1874. 

2 ) B. J. Stokvis, Zentralbl. f. d. med. Wissensch. 1873. 211 u. 449. 

3 ) Stokvis, Maandbl. voor Natuurwetensch. 2. 17; Zentralbl. f. d. med. 
Wissensch. 1872. 3. 



Gallenfarbstoffe; Nachweis. 1355 

C. Nach w e i s. Ikterischer Harn ist gelb, braun, grün, sein Schaum 
gelb, wählend der Schaum dunkler, aber gallenfarbstofffreier Harne 
weiss ist; nur bei stark urobilinhaltigem Harn kann der Schaum gleich- 
falls gelb sein. Beim Filtrieren hinterlässt er auf dem Filter einen 
gelben Belag. Dieses Verhalten genügt jedoch nicht zum sicheren Nach- 
weis des Gallenfarbstoffes, es ist dazu noch eine besondere Untersuchung 
des Harns erforderlich. 

I Nachweis im Harn direkt. 

1. Die von Tiedemann und G m e 1 i n x ) für den Nachweis des 
Gallenfarbstoffes als die sicherste empfohlene Probe ist es für die ge- 
wöhnlichen Fälle auch heute noch (B. a. 8.). Beweisend für die 
Gegenwart des Gallenfarbstoffes ist nur das Auftreten der grünen 
Färbung (s. S. 1359), da andere auch im normalen Harn vorkommende 
Substanzen (Indican) Blau und Rot geben; auch ist es gleichgültig, ob 
ausser dem Grün noch andere Farben wahrgenommen werden. - 
Alkoholische Lösungen der Gallenfarbstoffe dürfen der Probe nicht 
unterworfen werden, weil der Alkohol allein eine ganz ähnliche and 
zwar sehr schöne Farbenprobe gibt (Hupper t). Man stellt die Probe 
am besten in folgender Weise an. 

Man giesst in ein Reagenzglas einige Kubikzentimeter schwach gelbe Sal- 
petersäure (nach Nichols 2 ) ist die unreine Salpetersäure des Handels am geeig- 
netsten) und auf diese, ohne dass sich die Flüssigkeiten mischen, einige Kubik- 
zentimeter von dem Harn, der auf Gallenfarbstoff untersucht werden soll. Das 
Jässt sich entweder in der Weise bewirken, dass man das Reagenzglas mit der 
Salpetersäure möglichst schief hält und den Harn nun auf die Salpetersäure fliessen 
lässt, oder indem man den Harn aus einer Pipette, welche man bis an die Ober- 
fläche der Säure in das Reagenzglas einführt, vorsichtig zufliessen lässt (s. auch 
bei Hei ler sehe Eiweissprobe S. 1111). 

Urobilinreicheikterische Harne geben die Gmelinsche Reaktion schlecht; 
man kann dann, wenn man nicht vorzieht den Farbstoff nach C. II. zu isolieren, 
die Probe mit dem verdünnten Harn wiederholen. Die Verdünnung (bis auf 1,005 
oder noch darunter) wird nach Zeehuisen von Stokvis überhaupt empfohlen, 
weil dann bloss die Grünfärbung auftritt und das Braun vollständig fehlt. Von 
Vorteil fand Grimm 3 ), in solchen Fällen den Harn zur Entfernung des Urobilins 
vorher mit Äther auszuschütteln; der Äther muss aber ganz alkoholfrei sein, weil 
Alkohol mit der Salpetersäure eine der . Gmelinschen ganz ähnliche Farben- 
reaktion gibt. 

Die Gegenwart von Eiweiss beeinträchtigt die Gmelinsche Reaktion 
zwar in gallenfarbstoffreichen Harnen nicht, in welchen das Grün in dem Eiweiss- 
niederschlag deutlich hervortritt; aber kleine Mengen Gallenfarbstoff sind nicht 
mehr sicher nachweisbar und über die Abwesenheit des Gallenfarbstoffes erlangt 
man keine Gewissheit, weil in eiweisshaltigem Harn über dem roten Ring, wo 
der grüne liegen müsste, ein grauer entsteht, der einen schwachen grünen Ring 
verdeckt (Steiner). Es muss daher das Eiweiss vorher entfernt werden. Dies 



x ) Tiedemann und Gmelin a. a. O. 81. 

2 ) Nichols, The med. News 26. Dec. 1896. 

3 ) H. Zeehuisen, Zeitschr. f. klin. Med. 27. 189. 1895. — F. Grimm, 
Virchows Archiv 132. 265. 1893. 

Neubauer-Huppert, Analyse des Harns. 11. Aufl. 86 



1356 Schulz, Farbstoffe. 



geschieht entweder durch Koagulation (Seite 1106 ff.) oder nach Heller x ) durch 
Fällen desselben mit konzentrierter Salzsäure. Geringe Mengen Gallenfarbstoff 
können aber völlig mit dem Albumin niedergeschlagen werden; es ist dann der 
Niederschlag zu trocknen und mit Chloroform auszuziehen. 

Süss 2 ) macht die Angabe, dass auch normaler Harn nach dem Gebrauch 
von Antipyrin beim Schichten auf Salpetersäure einen schwachen grünlichen Ring 
zeigt, aber ohne die anderen Farben. 

2. V o n d er G m e 1 i n sehen Probe sind noch einige Modifi- 
kationen in Vorschlag gebracht worden. 

a) Rosenbach empfiehlt, den Harn zu filtrieren und das Filter entweder 
noch feucht oder, wenn es trocken geworden ist, nach dem Anfeuchten mit Wasser 
mit einem Tropfen Salpetersäure zu betupfen. Es bildet sich dann ein Farben- 
ring, der von ihnen nach aussen gelbrot, violett, blau, grün erscheint. Die Farben 
halten sich eine Zeit lang. — Dragendorff 3 ) lässt einige Tropfen Harn in eine 
poröse Tonplatte eindringen und benetzt den Fleck mit Salpetersäure. — Gallen- 
farbstoff haltiger Harn im Spitzglas auf 200 — 300 cem mit 15 — 20 Tropfen rauchen- 
der Salpetersäure versetzt, färbt sich in toto grün (Gresslich) 4 ). 

b) Fleischl 5 ) versetzt den Harn mit einer konzentrierten Lösung von 
salpetersaurem Natron und bringt dann (mit einer Pipette) konzentrierte Schwefel- 
säure auf den Boden des Reagenzglases, wonach die Reaktion langsamer als in 
der gewöhnlichen Probe verlaufen soll. 

c) Crouzel 6 ) mischt drei Volumina reiner Schwefelsäure und 1 Vol. reiner 
HN0 3 und überschichtet das Gemisch mit dem gleichen Volum Harn. Dieser 
färbt sich bei Gegenwart von Gallenfarbstoffen grün; die Berührungszone wird 
orangerot, der übrige Teil des Reagens bleibt farblos. 

d) Nach Vitali nimmt ikterischer Harn, wenn er mit einem Tropfen 
einer Lösung von Kaliumnitrit und etwas verdünnter Schwefelsäure versetzt 
wird, eine schön grüne Farbe an, selbst dann, wenn im Harn nur Spuren von 
Gallenfarbstoff enthalten sind. Nach einiger Zeit verschwindet das Grün und 
geht sogleich in Gelb über, ohne vorher Rot oder Blau zu durchlaufen. ■ — Kleh- 
biel versetzt den Harn mit % Volumen Salzsäure und dann tropfenweise mit 
salpetriger Säure (salpetrigsaurem Salz); der Harn wird zunächst grün und zeigt 
dann die anderen Farben. ■ — Masset wendet statt der Nitritlösung festes Salz 
an und fügt es dem Harn nach der Schwefelsäure zu. Die grüne Färbung soll 
auch beim Kochen bestehen bleiben und sich mehrere Tage unverändert halten. — 
Bonano 7 ) empfiehlt zum Harn wenige Tropfen folgenden Reagens hinzuzu- 
geben: HCl 10 cem, Natriumnitrit 0,2 g. Bei Anwesenheit von Gallenfarbstoff 
nimmt der Harn eine smaragdgrüne Farbe an. Die Reaktion soll nicht durch 
andere Substanzen vorgetäuscht werden. 

e) Rosenbach setzt dem Harn tropfenweise unter stetem Schütteln eine 
5%ige Chromsäurelösung zu; je stärker der Gallenfarbstoffgehalt, desto vorsichtiger 



*) J. Steiner, Arch. f. Anat. 1873. 178. — Heller, dessen Archiv 4. 
305. 1847. 

2 ) Süss, Pharm. Zentralhalle 35. 741; Chem. Zentralbl. 1. 292. 1895. 

3 ) O. Rosenbach, Zentralbl. f. d. med. Wissensch. 1876. 5. — Dragen- 
dorff, Zeitschr. f. analyt. Ch. 25. 459. 

4 ) W. Gresslich, Münchener med. Wochenschr. 52. 220. 1905. 

5 ) E. Fleischl, Zentralbl. f. d. med. Wissensch. 1875. 561; Zeitschr. f. 
analyt. Ch. 15. 502. 

6 ) Crouzel, Ann. Chim. analvt. appl. 17. 58. 1912. 

7 ) Vitali, Jahresber. f. Tierch. 1873. 149. — G. A. A. Klehbiel, Wiener 
med. Wochenschr. 1883. 10. — Mass et, Chem. Zentralbl. 1879. 585; Zeitschr. 
f. analyt. Ch. 19. 255. — C. Bonano, II Tomasi 2. Nr. 21. 1908. 



1 



Gallenfarbstoffe; Nachweis. L35Ü 



soll der Chromsäurezusatz erfolgen. Bei Gegenwart von Gallenfarbstoff wird der 
Harn bloss grün ; ein Überschuss an Reagens erteilt dem Harn eine braune Farbe. — 
Betupft man ein Filter, durch welches ikterischer Harn filtriert war, so tritt ein 
grüner Fleck auf. Diese Probe hat das Bedenken, dass die Chromsäure durch 
viele Substanzen, auch durch Papier, zu (grünem) Chromoxyd reduziert wird. 
Nach Zeehuisen ist sie wenig empfindlich. — Biffi l ) benutzt Kaliumbichromat 
als Oxydationsmittel. 

f) Guerra 2 ) oxydiert mit einer salzsauren Lösung von Eisenchlorid; er 
schichtet den Harn auf eine eisenchloridhaltige HCl, oder er versetzt den stark 
salzsauren Harn mit Eisenchlorid. Es kommt nur zur Grünfärbung. 

g) Bei der von Ultzmann angegebenen Probe wird das Bilirubin in 
alkalischer Lösimg durch den atmosphärischen Sauerstoff oxydiert. Es werden 
10 ccm Harn mit 3 — 4 ccm einer Kalilauge geschüttelt, welche 1 Teil Kaliumhydrat 
auf 3 Teile Wasser enthält, dann die Mischung mit Salzsäure übersättigt, worauf 
die Flüssigkeit schön smaragdgrün erscheint, wenn der Harn Gallenfarbstoff ent- 
hält. Zum Gelingen der Probe ist unbedingt erforderlich, dass die Kalilauge die 
angegebene Konzentration besitzt. — Betz 3 ) empfiehlt, den Harn mit Salmiak- 
geist zu überschichten; es tritt dann ein grüner Ring auf. Nach einiger Zeit wird 
der ganze Salmiakgeist grün. 

h) Auf einen analogen Vorgang stützt sich die Beobachtung von Donne 4 ), 
nach welchem sich Äther, der mit ikterischem Harn geschüttelt wird, mehr oder 
minder grünlich gelb färbt, während normaler Harn den Äther ungefärbt lässt. 

6. Von Trousseau und Dumontpallicr, von E. Marc- 
chal, von W. G. Smith und von Kathrein 5 ) wird Jodtinktur zu in 
Nachweis des Gallenfarbstoffes im Harn empfohlen. Auf Zusatz einiger 
Tropfen Jodtinktur färbt sich ikterischer Harn selbst bei starker Ver- 
dünnung noch schön smaragdgrün; lässt man die Jodtinktur vorsichtig 
auf den Harn fliessen, so färbt sich die Grenzschicht schön grün (13. a. 7.). 

Rosin 6 ), welcher diese Schichtproben aufs neue empfiehlt, verwendet 
dazu offizinelle Jodtinktur, welche mit Alkohol auf das zehnfache verdünnt ist. 
Der entstellende grüne Ring hält sich stundenlang, selbst da, wo die Gmelinsche 
Probe versagt. Normaler Harn zeigt eine hellgelbe oder farblose Schicht. Nach 
Zeehuisen ist die Probe jedoch nicht eindeutig, da auch viele normale Harne die 
grüne Schicht geben. 

Bromwasser lässt sich ebenso verwenden. — Klehbiel oxydiert den 
Farbstoff des mit % Volumen Salzsäure vermischten Harns durch tropfenweisen 
Zusatz von gesättigter Chlor kalklösung. Die Reaktion fällt nicht so schön aus, 
wie die mit salpetriger Säure. 

4. Die Cholecyaninprobe von S t o k v i s 7 ). Wenn die 
G m e 1 i n sehe Reaktion unsicher ist, so soll man 20 — 30 ccm Harn mit 



1 ) 0. Rosenbach, Deutsche med. Wochenschr. 17. 1892; Chem. Zentralbl. 
2. 557. 1892. — H. Zeehuisen a. a. O. — Biffi, Jahresber. f. Tierch. 30 u. 31. 

2 ) Z. Guerra, Jahresber. f. Tierch. 30 u. 31. 

3 ) R. Ultzmann, Wiener med. Presse 32. 1877. — Fr. Betz, Memorabilien 
4L 395. 

4 ) Donne, Comptes rendus 12. 956. 1881. 

5 ) Trousseau und Dumontpallier, L'Union med. 39. 1863. — E. Ma- 
rechal, Zeitschr. f. analyt. Ch. 8. 99. 1869. — W. G. Smith, Dublin Journ. of 
med. Sciences 1876. 449. — Kathrein, Pharm. Post 43. 1890; Chem. Zentralbl. 
1. 272. 1891. 

6 ) H. Rosin, Berliner klin. Wochenschr. 1893. 106; Zeitschr. f. analyt. Ch. 
32. 515. — Zeehuisen, 1. c. 

7 ) Stokvis, Nederl. Tijdschr. voor Geneesk., Festb. 1882. 118; Jahresber. 
f. Tierch. 1882. 226. 

86* 



1358 Schulz, Farbstoffe. 



5 — 10 ccm einer 20%igen Chlorzink- (oder nach Binnendijk Zink- 
acetat-) Lösung versetzen und die stark saure Reaktion mit kohlensaurem 
Natron etwas abstumpfen; der entstandene voluminöse Niederschlag 
enthält allen Gallenfarbstoff. Man wäscht ihn auf dem Filter und löst 
ihn in starkem Ammoniak, wobei das Bilirubin mehr oder minder in 
Cholecyanin übergeführt wird. Die ammoniakalische Lösung zeigt, wenn 
Gallenfarbstoff vorhanden war, meistens Fluorescenz und immer die 
Cholecyaninstreifen (B. e. 4. u. 5.). 

5. Mittels der Diazobenzolsulfonsäure (B. a. 12.) kann man Gallen- 
farbstoff (Bilirubin) nach Ehrlich in der Weise auffinden, dass man den Harn 
erst mit 1 Volumen 30%iger Essigsäure und darauf tropfenweise mit der 0,l%igen 
Säurelösung versetzt. Bei Gegenwart von Bilirubin tritt eine Verdunkelung auf, 
und auf Zusatz von viel Eisessig oder beim Kochen eine Violettfärbung. 

Das Reagens kann man sich in der Weise bereiten, dass man 1 g Sulfanil- 
säure (Para-Anilinsulfonsäure) in wässeriger Lösung mit 15 ccm Salzsäure und 
0,1 g Natriumnitrit versetzt und die Lösung auf 1 Liter verdünnt. 

Krokiewicz und Batko empfehlen folgende Probe als sehr empfindlich. 
Einige Tropfen einer l%igen wässerigen Sulfanilsäurelösung und ca. ]/ 2 ccm l%ig e 
Lösung von Natriumnitrit werden mit ca. % — 1 ccm Harn und einigen Tropfen 
reiner konzentrierter Salzsäure versetzt. Beim Umschütteln tritt eine tief violette 
Färbung ein, die beim sofortigen Verdünnen mit Wasser amethystviolett wird. 
Die Färbung hält sich längere Zeit unverändert. — Die Reaktion soll Kälbergalle 
in einer Verdünnung mit Wasser von 1 : 500 noch erkennen lassen; wäre also 
mmerhin weniger scharf, wie die Salkowskische oder die Hammarstensche 
Probe. — Riegler empfiehlt Paradiazonitrobenzol, welches mit Bilirubin einen 
rotvioletten Niederschlag erzeugt, der in Chloroform löslich ist. Diese Probe ist 
aber, was Empfindlichkeit und Deutlichkeit anbelangt, minderwertig gegenüber 
anderen Proben (Schildbach) und daher entbehrlich. — Pröscher empfiehlt 
10 ccm Harn mit Ammoniumsulfat durch Sättigen zu fällen, den farbigen 
Niederschlag mit Alkohol zu extrahieren, den Extrakt mit Salzsäure stark 
anzusäuern und dann mit Ehrlichs Reagens (alkoholische Diazetophenol- 
lösung) zu versetzen. Bei Anwesenheit von Bilirubin tritt Blaufärbung ein. 
Bei Unterschichtung mit KOH entsteht ein grünrotblauer Ring, wie ihn schon 
Ehrlich beschrieben. Auch diese Probe ist viel weniger scharf, wie die Fäl- 
lungsreaktionen (s. später). — Raphael x ) versetzt 2 — 3 Tropfen Natriumnitrit- 
lösung mit 5 ccm Sulfanilsäurelösung und 5 ccm Harn. Bei Gegenwart von Bili- 
rubin tritt zunächst Amethystfarbe, dann Kirschrot auf. Fügt man erst das Nitrit 
zu Harn und setzt dann die Sulfanilsäure hinzu, so erhält man eine gelbgrüne 
Lösung, die später ins kirschrot übergeht. 

6. In zweifelhaften Fällen kann man auch den reduzierbaren 

Stoff (B. g.) aufsuchen, wobei der negative Ausfall der Probe sicher 

auf die Abwesenheit von Gallenfarbstoff schliessen lässt. 

Man fällt nach Stokvis 2 ) den Harn bei nativ saurer Reaktion mit Blei- 
zucker, wenn nötig mit Bleiessig, entfernt das überschüssige Blei mit Oxalsäure 
und kocht das Filtrat mit überschüssigem Kali oder Natron. Zusatz einer redu- 

1 ) A. Krokiewicz und J. Batko, Wiener klin. Wochenschr. 1898. 173. ■ — 
E. Riegler, Wiener med. Blätter 1899. Nr. 12. — Fr. W. Schildbach, Zentralbl. 
f. inn. Med. 26. 1097. 1905. — F. Pröscher, Zeitschr. f. physiol. Ch. 29. 411. 1900; 
Zentralbl. f. inn. Med. 22. 169. 1901. — A. Raphael, St. Petersburger med. 
Wochenschr. 30. 128. 1905. 

2 ) Stokvis a. a. O. und Zentralbl. f. d. med. Wissensch. 1872. 4. 






GaUenf arbstof f e ; Nachweis. 1350 

zierenden Substanz ist beim Harn nicht nötig. Die Reaktion ist gelungen, wenn 
die Flüssigkeit mehr oder minder orangerot wird und vor dem Spektroskop den 
verwaschenen Schatten zwischen D und E zeigt. 

7. Die Angabe von Paul und von Yvon, dass normaler Harn durch 
Methylanilin (Violet de Paris) violettblau, ikterischer aber violettrot werden 
soll, ist von verschiedenen Seiten her x ) widerlegt worden; es färbt sich jeder stark 
gefärbte Harn mit Methylanilin rot, weil das Blau des Violett durch das Gelb 
des Harns ausgelöscht wird. 

8. Nach (iluzinski 2 ) zeigen Gallenfarbstoffe (auch im Harn) mit 
Formalm erwärmt smaragdgrüne Färbung, die mit Salzsäure amethyst- 
violett wird. Die alkalische Lösung ist grün. Die Probe ist nicht be- 
sonders scharf. 

Die Probe beruht nach Arnold 3 ) auf der Bildung von Bilicyanin, 
dessen Spektrum auch auftritt. 

9. Auch Überflächenspannung und Viskosität hat man nach II a y 
zum Nachweis von Gallenfarbstoff heranzuziehen versucht (Gares). 
Es ist aber naturgemäss zu erwarten, dass diese Konstanten durch die 
verschiedensten Momente becinflussbar sind, wie das aus Unter- 
suchungen von Gennet noch besonders hervorgeht 4 ). 

10. Gallenfarbstoffhaltiger Harn gibt mit schwacher Methylenblau- 
lösung ein zartes Grün (Chetchowski, M o u k t o n). Diese Färbung 
vergeht beim Erhitzen, kommt beim Erkalten wieder (Dune an). Hei 
Zusatz von Methylviolett tritt eine rote Farbe auf (Nee r mann, 
Duncan). — Es handelt sich hierbei um physikalische Farbemischung 
(Roch); praktisch sind dies«! Reaktionen nicht brauchbar (Roch) 
oder höchstens zu orientierender Probe (Petersen) 5 ). 

11. Lässt man zu Harn (eventuell verdünnt) 1 — 2 Tropfen einer 
1 / 2 o/ igen Rosanilinlösung hinzufallen, so fällt orangefarbenes Rosanilin- 
bilirubinat aus (Baudouin) 6 ). 

II. Nachweis durch Isolierung des Gallenfarb- 
stoffes. 

Kleine Mengen Gallenfarbstoff lassen sich, namentlich 
in sehr dunklen oder an Indican reichen Harnen mit der 



x ) C. Paul, Zeitschr. f. analyt. Ch. 16. 132. — Yvon, Bull, de therap. 89. 
551. 1875; 90. 73. 1876. — Demelle und Longuet, Chem. Zentralbl. 1876. 697; 
Zeitschr. f. analyt. Ch. 16. 260. — A. Gubler, Gaz. hebdomad. 21. 1876. — 
O. Rosenbach, Deutsche med. Wochenschr. 16. 1876. 

2 ) A. Gluzinski, Wiener klin. Wochenschr. 1897. Nr. 52. 

3 ) W. Arnold, Przeglad lekarski 37. Nr. 36—38. 1899; Jahresber. f. Tierch. 
29. 328. 1899. 

4 ) Gares, These de Toulouse 1901/02. — V. Gennet, These de Paris 1902; 
s. auch bei Galiensäuren. 

5 ) Moukton, Brit. Med. Journ. Oct. 1902. — Duncan, Ebenda 1903. 
Febr. — Roch, Revue med. de la suisse romaine 1903. 163. — K. Chetchowski, 
Gaz. lekarska 1897. Nr. 95. 397. — Neermann, Hospitals tidende 1900. Nr. 21. 
— O. V. C. E. Petersen, Deutsche med. Wochenschrift 37. 1891. 1911. 

6 ) F. Baudouin, La semaine med. 22. 398. 1903. 



1360 Schulz, Farbstoffe. 



Gmelin sehen Probe nicht mehr nachweisen ; in indicanreichem Harn 
kann sogar nach Zusatz von Salpetersäure das Blau des Indigos mit 
dem Gelb des Harns Grün geben. In solchen und anderen zweifel- 
haften Fällen ist es notwendig, den Gallenfarbstoff aus dem Harn ab- 
zuscheiden. Dazu sind zwei Möglichkeiten vorhanden, das Fällen des- 
selben als unlösliche Verbindung oder die Extraktion mit einem 
Lösungsmittel. 

Es genügt unter Umständen auch, das aas dem Harn beim Stehen 
sich absetzende Sediment mikroskopisch zu untersuchen. Die vorhan- 
denen Zellen sind dann gelblich. Man lässt den Harn erst einige Stunden 
stehen und zentrifugiert dann und mikroskopiert (G e r 1 a c h) *■). 

1. Durch Fällung. 

Dazu macht man den Harn mit kohlensaurem Natron oder Ätz- 
natron alkalisch und versetzt ihn mit Chlorbarium oder Chlorcalcium, 
so lange er einen gefärbten Niederschlag gibt, oder fällt ihn gleich 
mit Kalkmilch (H u p p e r t) oder Bariumhydrat (H i 1 g e r) 2 ) im tiber- 
schuss. Der Niederschlag aus ikterischem Harn ist gelb, der aus nor- 
malem Harn weiss, der aus Chrysophansäure enthaltendem rosenrot. 
Kocht man den abfiltrierten Niederschlag mit Alkohol, welchem ein paar 
Tropfen verdünnte Schwefelsäure zugesetzt sind, so entfärbt sich der 
Niederschlag und man erhält eine schön grüne Lösung (aus Chrysophan- 
säureharn eine orangegelbe, aus normalem eine farblose). Die Probe 
gelingt noch mit Harnen, welche trotz starker Färbung nur eine 
zweifelhafte Gmelin sehe Reaktion geben. 

Die hier angeführten Tatsachen haben zu zahlreichen Vorschriften 
für den Nachweis des Gallenfarbstoffes im Harn geführt. 

a) Salkowski löst den ausgewaschenen Ca-Niederschlag in salz- 
saurem Alkohol (5 cem konz. HCl auf 100 cem Alkohol). Kocht man die 
klare Lösung, so färbt sie sich grün bis blau; auf Zusatz von ;HN0 3 
wird die Flüssigkeit blau, violett, rot. M u n k hat die Genauigkeit 
dieser Methode geprüft und gibt die Empfindlichkeit zu 0,02 — 0,01 mg 
Bilirubin in 10 cem Harn an. Sie ist wesentlich schärfer wie die 
Gmelinsche und die Rosinsche Reaktion (6 mg in 10 cem Harn). 
Auch Schippers 3 ) gibt die Empfindlichkeit ebenso an. 

Salkowski hält die Verwendung der Salzsäure statt der Schwefelsäure 
für wesentlich, da schwefelsäurehaltiger Alkohol wegen der Bildung von schwefel- 



saurem Kalk wesentlich schlechter extrahiere. 



x ) Ger lach, Therap. Monatshefte 17. 56. 1903. 

2 ) H. Huppert, Archiv d. Heilk. 8. 351 u. 476. — A. Hilger, Archiv d. 
Pharm. [3] 6. 385. 

3 ) E. Salkowski, Praktikum d. physiol. u. pathol. Ch. II. Aufl. 1890. — 
J. Munk, Archiv f. Physiol. 1898. 361. — E. Salkowski, Arbeiten a. d. Pathol. 
Institut zu Berlin 1906. S. A. — Schippers, Biochem. Ztschr. 9. 241. 1908. 



Gallenfarbstoffe; Nachweis. 1361 



b) Hammarsten 1 ) löst den ausgewaschenen Niederschlag in 
einer alkoholischen Salz-Salpetersäure. Die filtrierte Lösung ist bei 
Anwesenheit von Gallenfarbstoff grün. Die grüne Farbe ist sehr 
bestandig. Die H amm ar s te n sehe Modifikation genügt allen An- 
forderungen und sei besonders empfohlen. Man kann natürlich, 
statt den Ca - Niederschlag auf einem Filter zu sammeln, auch 
die Zentrifuge zu Hilfe nehmen, wobei der Nachweis erheblich rascher 
gelingt. Als Oxydationsflüssigkeit benutzt Hammarsten ein Säure- 
Alkoholgemisch. Die Säure wird von dem Alkohol getrennt aufgehoben, 
und zwar besteht die Säure aus einem Gemisch von 19 Teilen 25<>/oiger 
HCl und 1 Teil 25°/oiger HN0 3 . Man benützt zweckmässig eine durch 
längeres Stehen gelb gewordene Mischung. Von dieser Säuremischung 
werden je nach dem Gallenfarbstoffgehalt 1 Teil auf 5 — 9 Teile 96 o/o igen 
Alkohol genommen, und mit diesem Säure-Alkoholgemisch der Nieder- 
schlag zusammengebracht. Beim Erwärmen tritt die Grünfärbung rasch 
ein. Um die Farbe deutlich zu bekommen, filtriert man oder zentrifugiert 
man von neuem. 

Mau kann auch den Barytniederschlag in der gleichen Weise mit 
Hammarstens Reagens behandeln. Bei Erzeugung des Baryt- 
niederschlages soll man nicht vorher alkalisieren. 

Bouma 2 ) fällt statt mit CaCl 2 mit BaGl 2 bei schwach sauerer 
Reaktion. Bei alkalischer Reaktion wird Bilirubin mitgefällt. Die Oxy- 
dation wird durch Obermayer sches Reagens (2 g FeCl 3 auf 100 cem 
konz. HCl) bewirkt. Dieses Reagens soll vor dem Hammarsten sehen 
den Vorteil haben, dass eine Überoxydation schwerer eintritt. Eine 
solche Überoxydation lässt sich aber bei geeigneter Verdünnung der 
Salpetersalzsäure mit Alkohol auch bei der H ammarsten sehen Probe 
vermeiden. 

Nach Arnold 3 ) bleibt beim Zerlegen des Barytniederschlages 

mit konz. HCl das Bilirubin auf dem Filter zurück. Im Filterrückstand 

tritt dann mit HN0 3 die G m e 1 i n sehe Reaktion auf. Diese Modifikation 

der H u p p e r t sehen Probe soll schärfer sein wie die Huppcrt sehe 

Probe. 

Man kann den Niederschlag mit einer Lösung von kohlensaurem Natron 
erwärmen und die grüne oder braungrüne Lösung für die Gmelinsche Reaktion 
verwenden. — Aus dem neutralisierten Niederschlag lässt sich auch durch Chloro- 
form Bilirubin ausziehen. — Beim Aufbewahren bleicht der Niederschlag, nament- 
lich im Lichte. 



x ) O. Hammarsten, Skandinav. Archiv f. Physiol. 9. 313. 1899. 

2 ) J. Bouma, Festband für Dr. S. Talma 1901. 163; Jahresbericht f. 
Tierch 81, 445. 1901. 

3 ) W. Arnold, Przeglad lekarski 37. Nr. 36—38. 1899; Jahresber. f. Tierch. 
29. 329. 1899. 



1362 Schulz, Farbstoffe. 



Zur Ausfällung des Farbstoffs hat Schwertfeger zuerst das basisch essig- 
saure Blei vorgeschlagen ; dasselbe ist aber dazu nicht geeignet, weil durch dasselbe 
auch die normalen Harnfarbstoffe niedergeschlagen werden. Scherer x ) empfahl 
statt dessen die Fällung des Harns mit einem Barytsalze. Beide Methoden waren 
aber in Vergessenheit geraten. 

Jolles empfiehlt 50 ccm Harn in einem Scheidetrichter mit einigen Tropfen 
Salzsäure zu versetzen, mit Chlorbarium auszufällen und dann mit 5 ccm Chloro- 
form einige Minuten tüchtig zu schütteln. Wenn sich der Niederschlag (nach 
10 Minuten) abgesetzt hat, lässt man ihn in ein Reagenzglas fliessen, verdunstet 
das Chloroform durch Eintauchen des Glases in warmes Wasser und setzt dann vor- 
sichtig Salpetersäure zu. Später hat Jolles 2 ) folgendes Verfahren empfohlen: 
10 ccm Harn werden mit 2 — 3 ccm Chloroform und 1 ccm 10%iger Chlorbarium- 
lösung geschüttelt; dann zentrifugiert man den Inhalt, giesst die Flüssigkeit 
ab, füllt mit destilliertem Wasser auf, zentrifugiert wieder und wiederholt die 
Operation bei stark gefärbtem Harn noch ein drittes Mal. Nach Abgiessen 
der über dem Chloroform und dem Niederschlag stehenden Flüssigkeit wird 
der Rückstand mit 5 ccm Alkohol versetzt, kräftig geschüttelt, dann mit 
2 — 3 Tropfen der untenstehenden Jodlösung zusammengebracht und filtriert. 
Bei Gegenwart der geringsten Spuren von Gallenfarbstoff zeigt die Flüssigkeit 
nach einigem Stehen die charakteristische Grünfärbung. Durch Erwärmen kann 
die Reaktion beschleunigt werden. 0,1 mg sollen in 100 ccm Harn noch nachweis- 
bar sein. Die Jodlösung wird durch Lösen von 0,63 g Jod und 0,75 g HgCl 2 in 
je 125 ccm Alkohol, Mischen der Lösungen und Zugiessen von 250 ccm konzen- 
trierter Salzsäure hergestellt. 

Ob durch diese Modifikation die Mängel der früheren Probe, die Ham- 
marsten und Munk 3 ) gezeigt hatten, behoben sind, erscheint zweifelhaft. Eine 
Hauptschwierigkeit besteht in der Emulsionsbildung, die weiteres Verarbeiten 
unmöglich macht. 

Zeehuisen 4 ) filtriert den Niederschlag ab und betupft das trocken ge- 
wordene Filter mit Salpetersäure; nach ihm leistet die Probe von Jolles nicht mehr 
als die Gmelinsche. 

Vitali 5 ) scheidet den Gallenfarbstoff durch Schütteln mit viel Tonerde- 
hydrat oder mit feuchtem Schwefelblei ab, oder in der Weise, dass er in dem Harn 
durch Kochen einen Eiweissniederschlag erzeugt. Die mit den farblosen Fällungs- 
mitteln entstandenen Niederschläge sind gelb oder grün; man kann mit ihnen 
direkt die Gmelinsche Reaktion anstellen. Diese und das Schwefelblei kann man 
auch mit schwefelsäurehaltigem Alkohol kochen; bei Gegenwart von Gallenfarb- 
stoff färbt sich der Alkohol grün. Man kann ihnen auch das Bilirubin mit Chloro- 
form entziehen (vgl. 2.). 

Durch Sättigen des Harns mit Ammonsulfat lässt sich zwar auch 
der Gallenfarbstoff abscheiden (Mehu) 6 ), der Niederschlag ist aber so unrein, 
dass sich ein auf diese Fällbarkeit gegründetes Verfahren zum Nachweis des Gallen- 
farbstoffes nicht besonders empfiehlt. 

c) Grimbert 7 ) verwirft die Gmelinsche Reaktion für den Harn voll- 
ständig. Er empfiehlt dafür folgende Modifikation der Hammarsten-Sal- 
ko ws ki sehen Probe: 



1 ) Schwertfeger, Archiv d. Pharm. 1848. ■ — Scherer, Canstatts Jahresber. 
1845. pathol. Ch. 87. 

2 ) A. Jolles, Zeitschr. f. physiol. Ch. 18. 545. 1894; 20. 460. 1895; Zeitschr. 
f. analyt. Ch. 42. 713. 1903; Deutsches Archiv f. klin. Med. 78. 137. 1903. 

3 ) O. Hammarsten 1. c. — J. Munk 1. c. 

4 ) H. Zeehuisen, Zeitschr. f. klin. Med. 27. 189. 1895. 

5 ) D. Vitali, L'Orosi 15. 42; Atti della R. Academia delle Sc. di Bologna 
1892; Zeitschr. f. analyt. Ch. 31. 725; Jahresber. f. Tierch. 1894. 676. 

6 ) Mehu, Journ. de pharm, et de chimie [2] 28. 164. 1876. 

7 ) L. Grimbert, Journ. Pharm. Chim. [6] 22. 487. 1906. 



Gallenfarbstoffe; Nachweis. 13G3 



10 ccm (ev. auch 100 — 200 ccm) Harn werden mit 5 ccm 10%iger Barium- 
chloridlösung geschüttelt, der Niederschlag abzentrifugiert oder filtriert, in 4 ccm 
90° o igen Alkohols, der 5 Volumenprozent Salzsäure enthält, verteilt, 1 Minute im 
Wasserbad erwärmt, man lässt absitzen und prüft die überstehende Flüssigkeit. 
Ist die alkoholische Flüssigkeit schon grünlichblau oder grünlich, so weist dieses 
ohne weiteres auf Gallenfarbstoff hin. Ist dieselbe bräunlich gefärbt, so setzt 
man 2 Tropfen 10 ° iges Wasserstoffsuperoxyd hinzu und erhitzt von neuem auf 
dem Wasserbad, worauf die grüne Farbe deutlich zu erkennen ist. 

Falls in pathologischen Harnen Bariumchlorid keinen oder nur einen sehr 
geringen Niederschlag erzeugt, so setzt man dem Harn einige Tropfen konzentrierte 
Natriumsulfatlösung hinzu. 

Nach Schreck 1 ) ist die Modifikation von Grimbert für den Hundeharn 
besonders zu empfehlen. 

d) Nach Macadie 2 ). 10 ccm des eventuell mit Essigsäure schwach ange- 
säuerten Harnes werden mit einer genügenden Menge gesättigter Calciumchlorid- 
lösung versetzt, dann wird 2 Minuten zentrifugiert, die Flüssigkeit vom Sediment 
abgegossen, letzteres mit Wasser geschüttelt, letzteres abgegossen; das Sediment 
wird dann in einer Mischung aus 1 Teil HCl (1,16 D) und 3 Teilen Alkohol im 
Zentrifugierglas gelöst und 5 — 6 Tropfen HN0 3 zugelassen, so dass sich diese im 
spitzen Teil des Reagenzglases ansammeln. Bei Gegenwart von Gallenfarbstoffen 
treten bald von der HN0 3 aus die gefärbten Zonen auf: gelb, weinrot, blau, bläu- 
lichgrün, grün. Urobilin, Blutfarbstoffe, Indican stören nicht. 

e) Nach Tuz 3 ). Zu 200 ccm Harn werden 1 ccm 5%ige Schwefelsäure 
und 10 ccm einer 10%igen Bariumchloridlösung hinzugesetzt, die Flüssigkeit 
über dem Niederschlag abgegossen, derselbe auf einem Filter gesammelt, dessen 
Boden mit hygroskopischer Watte ausgelegt ist; auf dieser letzteren liegt eine 
Scheibe aus weichem schwedischen Papier. Auf diese Scheibe wird ein Tropfen 
Gmelinsches Reagens (8 Teile HN0 3 von 1,4 D und 2 Teile rauchende HN0 3 ) 
gebracht. Es treten sofort die charakteristischen Ringe auf. Es sollen so noch 
1 : 1000000 Bilirubin nachweisbar sein. — Die Methode von Biffi gestattet den 
Nachweis von 1 : 500000 (s. später). 

f) Modifikation der Huppertschen Probe von KTa- 
kayama 4 ). 

Erfordernisse. 1. Eine Mischung von 99 Teilen Alkohol 
(95 Vol.-Proz.) und 1 Teil rauchende Salzsäure, in welcher auf 1 Liter 
4 g Eisenchlorid aufgelöst sind. 2. 10o/ ige BaCl 2 -Lösung. 

Ausführung. 5 ccm saurer ikterischer Harn werden mit dem 
gleichen Volum der Chlorbariumlösung gemischt und kurze Zeit zentri- 
fugiert. Man dekantiert nun die klare über dem Niederschlag stehende 
Flüssigkeit, übergiesst den Niederschlag mit 2 ccm des oben erwähnten 
Reagens rührt mit einem Glasstäbchen durch und erhitzt zum Sieden. 
Die über dem Bariumsulfat stehende Flüssigkeit nimmt dabei eine sehr 
schön grüne oder blaugrüne Färbung an. Setzt man Salpetersäure (gelbe) 
hinzu, so geht die blaue Farbe in violett und rot über. 



1 ) Schreck, Monatshefte f. prakt. Tierheilk. 21. 243. 1909. 

2 ) W. Macadie, Pharmaceutical Journ. [4] 26. 686. 1908. 

3 ) Tuz, Wratschebnaja Gazetta 1908. Nr. 7; Jahresber. f. Tier eh. 38. 
329. 1908. 

4 ) M. Nakayama, Zeitschr. f. physiol. Ch. 36. 398. 1902. 



1364 Schulz, Farbstoffe. 



Die Probe ist nach Nakayama schärfer wie die Huppert- 

S a 1 k o w s k i sehe Probe. Bei einem Bilirubingehalt von 1 : 200000 war 

die letztere nur mehr schwach, bei 1 : 600000 negativ, während die 

Probe von Nakayama bei 1 : 1000000 noch positiv war. Schippers 

gibt die Empfindlichkeitsgrenze zu 1 : 700000 an. Die Reaktion wäre 

also der Probe von S a 1 k o w s k i überlegen und etwa gleichwertig 

der Probe von Steensma-Schippers 1 ). 

v. Maslow 2 ) setzt zu dem nach Nakayama gewonnenen Niederschlag 
Alkohol, der 1 % Salpetersäure (spez. Gew. 1,2) enthält, dann 4 — 5 Tropfen Wasser- 
stoffsuperoxyd und erhitzt dann zum Kochen. Sowie die Flüssigkeit siedet, wird 
sie dunkelblau-grün. Beim Stehen setzt sich ein grüner Niederschlag ab, der 
Spiritus über ihm ist dunkelblau. Die Farbe hält sich wochenlang. 

g) Verfahren nach Steensma-Schippers. 

10 cem unfiltrierter Harn werden zuerst mit 10 Tropfen Soda- 
lösung (20 g krystallisierte Soda in Wasser gelöst und auf 100 cem 
aufgefüllt), dann mit 20 Tropfen Calciumchloridlösung (20 g CaCl 2 in 
Wasser gelöst auf 100 cem aufgefüllt) versetzt. Der Niederschlag wird 
auf einem gehärteten Filter gesammelt und mit Wasser mehreremal 
ausgewaschen. Falls der Niederschlag vollkommen farblos ist, fehlt 
Gallen farbstoff vollständig. — Ist der Niederschlag gelblich, so wird 
er vom Filter abgekratzt und im Porzellanschälchen unter Umrühren 
mit einem Glasstab in 3 cem Salzsäurealkohol gelöst. — Der Salzsäure- 
Alkohol besteht aus 5 cem 38o/ iger Salzsäure und 95 cem 96o/oigem 
Alkohol. — Ein Tropfen 1 / 2 °/oige Natriumnitritlösung ruft nunmehr, 
falls Gallenfarbstoff vorhanden war, einen grünen Farbenton hervor. 

Die Fällung von Calciumcarbonat enthält gewöhnlich neben Gallenfarbstoff 
geringe Mengen Urobilin. Bei urobilinreichen Harnen kann die Fällung sogar röt- 
lich sein. Durch Auswaschen lässt sich das Urobilin leicht entfernen. 

Man filtriere den Harn nicht, da das Filtrierpapier Gallenfarbstoff zurück- 
hält. Stark trüber Harn kann eventuell durch Zentrifugieren geklärt werden. 
Falls im Harn ein Sediment von Calciumcarbonat vorhanden sein sollte, ist dies 
natürlich bei der Prüfung mit zu benutzen, da dasselbe schon Gallenfarbstoff 
mitgerissen hätte. 

Nach Schippers 3 ) gestattet diese Modifikation den Nachweis von 1:700000 
Bilirubin im Harn. Die Probe wäre schärfer wie die von Salkowski. 

Biffi 4 ) versetzt 150 — 200 cem Harn mit BaCl 2 und Schwefelsäure. Der 
Niederschlag wird durch Dekantieren abgetrennt und auf einer etwa talergrossen 
Lage entfetteter Watte, die auf einer Glasplatte liegt, ausgebreitet. Der flüssige 
Teil wird von der Watte aufgesogen; in das Zentrum des noch feuchten Nieder- 
schlages bringt man ein linsengrosses Krystall von Kaliumbichromat; es bildet 
sich dann ein Ring in den Farben der Gmelinschen Reaktion. Die Färbung 

x ) F. A. Steensma, Nederl. Tijdschr. voor Geneesk. 1909. IL 1567; Biochem. 
Zeitschr. 8. 208. 1908. — J. C. Schippers, Nederl. Tijdschr. voor Geneesk. 1908. 
I. Nr. 7; Biochem. Zeitschr. 9. 241. 1908. 

2 ) A. A. v. Maslow, Zeitschr. f. phys. Chem. 74. 297. 1911. 

3 ) Schippers, 1. c. 

4 ) Biffi, Gaz. degli Osped. 1900. IL Febr. 1901. N. 18. Jahresber. f. 
Tierch. 30. 334. u. 31. 446. — Tuz, 1. c. 






Gallenfarbstoffe; Nachweis. 1865 

hält sich mehrere Tage lang. Bei den grossen Harnmengen, die zur Verarbeitung 
gelangen, ist natürlich die Genauigkeit auch eine grosse. (Nach Tuz — 1:500000). 

Ausser diesen, auf der Mitfällung bei Erzeugung von Ca- bzw. Ba-Nieder- 
schlägen beruhenden Reaktionen sind noch eine ganze Anzahl von Fällungs- 
reaktionen vorgeschlagen. Ein praktisches Bedürfnis nach anderen solchen Re- 
aktionen liegt kaum vor. 

2. Durch Extraktion mit Chloroform. 

Mittels Chloroform lässt sich aus dem Harn der Gallcnfarbstoff 
entweder direkt, oder aus dem Abdampfungsrückstand, oder aus einem 
den Farbstoff enthaltenden Niederschlag darstellen. Um nicht andere 
in Chloroform lösliche Farbstoffe mit dem Bilirubin zu verwechseln, 
empfiehlt es sich, mit dem Chloroformauszug noch Reaktionen an- 
zustellen. 

a) Bei heftigem Schütteln mit dem Harn bildet das Chloroform aber eine 
Emulsion, in welcher die Chloroformtröpfchen nur sehr schwer wieder zusammen- 
fliessen, und in einer solchen lässt sich wegen der Zwischenlagerung des gefärbten 
Harnes nicht sicher erkennen, ob auch das Chloroform gefärbt ist. Ultzmann 
empfiehlt daher, 100 ccm Harn mit 10 ccm Chloroform in einem Fläschchen nur hin 
und her zu stürzen. Man verschliesst dann das Fläschchen mit dem Daumen, 
kehrt es um und lässt das Chloroform in ein Reagenzglas ausfliessen. ■ — Nach 
Neu meist er *) soll man den Harn nacli Zusatz von Essigsäure mit Chloroform 
und so viel Alkohol schütteln, dass sich das Chloroform vollständig löst und die 
Mischung darauf (in einem Scheidetrichter, ohne stark zu schütteln) mit (zwei 
Volumen) Wasser verdünnen. Das Chloroform, welches den Gallenfarbstoff auf- 
genommen hat, setzt sich in Form einer Emulsion ab. Man zerstört diese dadurch, 
dass man sie ablässt, mit Alkohol bis zur Lösung des Chloroforms versetzt, die 
Lösung von in ihr suspendierter flockiger Substanz abfiltriert und das Chloroform 
wieder durch Zusatz von Wasser zur Abscheidung bringt. Es ist anfangs trüb, wird 
aber bald klar. Das Chloroform, mit welchem man normalen Harn behandelt hat, 
ist gelb oder bräunlich gefärbt (von Urobilin), auch schön goldgelb, so dass aus 
der Farbe der Lösung allein nicht auf die Anwesenheit von Bilirubin geschlossen 
werden kann. 

Fügt man einem solchen (gelben) Chloroformauszug aus ikterischem Harn 
einige Tropfen Salpetersäure zu, so färbt er sich nacheinander grün, blau, violett 
und schmutzig rot. Das Grün tritt dabei aber nur spuren weise auf und verschwindet 
schnell wieder. Ein beständiges Grün erhält man aber nach Gerhardt 2 ), wenn 
man den Chloroformauszug mit (ozonhaltigem) Terpentinöl versetzt und die Mi- 
schung mit wenig verdünnter Kalilauge übergiesst; der Gallenfarbstoff verwandelt 
sich dabei alsbald in Biliverdin, welches von der übergeschichteten Kalilösung 
aufgenommen wird. — Man kann sich auch des folgenden, gleichfalls von Gerhardt 
angegebenen Verfahrens bedienen, das aber grössere Vorsicht erheischt. Der 
Chloroformauszug wird mit einer geringen Menge sehr verdünnter (ganz hellgelber) 
Jod- Jodkaliumlösung geschüttelt; es darf nur so wenig Jod vorhanden sein, dass 
sich das Chloroform kaum rot färbt. Fügt man dann etwas Kalilauge zu, so ent- 
färbt sich das Chloroform und die Lauge wird grün. Urobilin gibt diese Reaktion 
nicht; dieses ist daran kenntlich, dass die Chloroformlösung nach dem Verdünnen 
mit Alkohol auf Zusatz einer Spur alkoholischer Chlorzinklösung eine schöne grüne 
Fluoreszenz annimmt (S. 1382). 



1881. 25. 



*) R. Neumeister, Lehrbuch d. physiol. Ch. 2. 377. 1895. 

2 ) C. Gerhardt, Sitzungsber. d. physik.-med. Gesellsch. zu Würzburg 



1366 Schulz, Farbstoffe. 



Nach Schwanda x ) verdampft man den Harn im Wasserbade zur Trockne, 
zieht den Rückstand mit Wasser aus, filtriert, wäscht aus, trocknet und zieht das 
in Stücke zerschnittene Filter in der Wärme wiederholt mit Chloroform aus. Die 
erhaltene goldgelbe Lösung prüft man direkt mit Salpetersäure oder Bromwasser 
auf Bilirubin. 

b) Sarcinelli 2 ) schüttelt die ganze Menge Gallenfarbstoff mit 
Chloroform aus, wäscht dann dieses mit Schwefeläther und lässt den 
Äther in einer Porzellanschale verdunsten. Geringe Spuren von Gallen- 
farbstoffen geben dann mit einem Tropfen Salpetersäure (welche etwas 
salpetrige Säure enthält) die bekannten farbigen Ringe. 

c) Nach B o n i 3 ) werden in einem Reagenzglas einige Kubikzenti- 
meter Chloroform mit ca. 15 ccm Harn /stark geschüttelt, wobei idas Chloro- 
form je nach dem grösseren oder geringeren Gehalt an Gallenfarbstoffen 
eine intensiv oder schwach gelbe Farbe annimmt. Hiernach wird der 
Harn vorsichtig abgegossen und das mit wenigen Tropfen Harn zurück- 
bleibende Chloroform auf zwei enge Reagenzgläser verteilt. Die eine 
Hälfte dient zur Kontrolle, während zu der anderen 1 Tropfen reiner 
Essigsäure, hierauf 2 Tropfen folgender Lösung: Kaliumnitrit 0,25 g, 
Alkohol 50 g, hinzugefügt werden. Man schüttelt das Reagenzglas, 
worauf bei Gegenwart von Gallenfarbstoffen die gelbe Farbe des Chloro- 
forms rasch verschwandet, um einer grünen oder weissen Färbung Platz 
zu machen, welche mit der gelben Farbe des Chloroforms im Kontroll- 
gläschen in ausgesprochenem Kontrast steht. Mit dieser Probe sollen 
sich noch 0,00001 g Bilirubin in 10 ccm Harn nachweisen lassen. 

Vitali behandelt die den Gallenfarbstoff enthaltenden Niederschläge mit 
Chloroform und setzt Alkohol zu bis zur Lösung des Chloroforms; beim Vermischen 
mit Wasser scheidet sich dann das bilirubinhaltige Chloroform ab. 

Aus dem Kalkniederschlag lässt sich durch Ansäuern mit Salzsäure und 
Schütteln mit Chloroform Bilirubin gewinnen, das durch Verdunsten des Chloro- 
forms krystallisieren kann (Vossius, Stadelmann) 4 ). 

III. Zum Nachweis des in Uratsedimenten oder in durch 
Säuren erzeugten Harnsäureniederschlägen enthaltenen Gallenfarbstoffes 
löst man die Niederschläge in kohlensaurem Natron und prüft auf Bili- 
rubin. 

IV. Nachweis der einzelnen Gallenfarbstoffe. 

a) Bilirubin lässt sich durch die Ehrlichsche Diazoreaktion (C. I. 5.) im 
Harn erkennen und mittels Chloroform (C. II. 2.) isolieren. . 

b) Im Harn enthaltenes Biliprasin gibt sich leicht dadurch zu erkennen, 
dass sich der Harn auf Zusatz einer Säure (Salzsäure) grün färbt, intensiver bei 



a ) Schwanda, Wiener med. Wochenschr. 38 u. 39. 1865; Zeitschr. f. analyt. 
Ch. 6. 501. 

2 ) F. Sarcinelli, Policlinico. Sez. pathol. Anat. 16. 1078. 1909. 

3 ) J. Boni, L'Ospedale Maggiore, Dec. 1907. 

4 ) A. Vossius, Archiv f. exper. Pathol. 11. 441. — E. Stadel mann, 
Ebenda 16. 128. 



Bilirubin; Bestimmung. 13G^ 



schwachem Erwärmen. Die Probe ist aber nur dann beweisend, worauf Kar plus x ) 
aufmerksam macht, wenn der Harn frei ist von Nitriten, was bei Harnen, welche 
einige Zeit gestanden haben, selten der Fall ist. Auch ganz frische Harne können 
schon Nitrite enthalten. 

c) Das Cholecyanin lässt sich nur auf spektralanalytischem Wege (B. e. 5.) 
im Harn nachweisen. 

d) Der Nachweis des Choletelins kann gleichfalls nur mit dem Spektro- 
skop geführt werden (B. f. 3.). Man sieht nach Heynsius 2 ) den Streifen y nicht 
immer direkt im Harn, aber auf Zusatz von Säure kommt er zum Vorschein. Macht 
man den sauren Harn darauf mit Kali oder Natron alkalisch, so ist der Streifen ö 
gewöhnlich sogleich sichtbar, bisweilen ist aber noch der Zusatz von Chlorzink er- 
forderlich, namentlich dann, wenn der Harn von Ammoniak alkalisch reagiert. — 
Man hat sich vor Verwechslungen des Choletelins mit dem Urobilin zu hüten. — 
Eine vorhergehende Fällung etwa gleichzeitig vorhandenen Gallenfarbstoffes mit 
Bleizucker dürfte sich empfehlen. 

Eine äusserliche Ähnlichkeit mit ikterischem Harn besitzt solcher, 

welcher nach dein Gebrauch von Rheum, Senna und Santonin entleert 

wird (siehe dort). Dieser Harn ist gelb oder grünlich gelb; er kann 

aber mit ikterischem nicht verwechselt werden, weil er auf Zusatz von 

Alkalien rot wird und beim Ansäuern die ursprüngliche Farbe wieder 

annimmt. 

D. Bestimmung des Bilirubins. 
1. Titri me tri s ch nach Jolles. 

Zur annähernd quantitativen Bestimmung des Bilirubins hat 
Jolles 3 ) das Titrieren desselben mit Jod in Vorschlag gebracht. Später 
hat er mit einigen Modifikationen das Verfahren auch zur genauen 
Bestimmung empfohlen. 

Das Verfahren beruht darauf, dass sich Bilirubin unter der Ein- 
wirkung von alkoholischer Jodlösung allmählich in eine grüne Verbin- 
dung verwandelt, sehr wahrscheinlich nicht ein Oxydationsprodukt, wie 
Jolles meint, sondern ein Substitutionsprodukt (S. 1348). Bis zur 
völligen Überführung dieser Substanz werden auf 1 Mol. Bilirubin an- 
nähernd 4 At. Jod verbraucht 4 ). 

a) Das neuere Verfahren. 

10 ccm gallenfarbstoffreicher Harn (20 ccm bei gallenfarbstoff- 
armem Harn) werden in einen Schüttelzylinder gebracht, der am Boden 
eine birnenförmige Gestalt und ein möglichst kurzes Ausflussrohr be- 
sitzt. Man setzt 20 ccm Chloroform, 10 ccm 10 o/o ige BaCl 2 -Lösung und 

*) J. P. Karplus, Zentralbl. f. klin. Med. 14. 577. 1893. 

2 ) Heynsius, Pflügers Archiv 4. 456. 

3 ) A. Jolles, Wiener med. Wochenschr. Nr. 20 u. 21. 1894; Zeitschr. f. 
physiol. Ch. 27. 83. 1899; Wiener med. Wochenschr. 1899. 1097; Monatshefte f. 
Ch. 20. 282. 1899. etc. 

4 ) A. Jolles, Pflüger 's Archiv 57. 1. 1894. 



1368 Schulz, Farbstoffe. 



50 ccui Salzsäure (1 : 5) zu und schüttelt mehrere Minuten lan£. Dann 
lässt man 15 ccm der Chloroformlösung in einen geeichten Standzylinder 
(25 cm hoch und 3 cm weit) ab, lässt die im Ausflussrohr zurück- 
gebliebenen Chloroformtropfen durch Umdrehen des Schüttelapparates 
und Öffnen des Hahns zurückfliessen, bringt abermals 15 ccm Chloro- 
form zum Harn, schüttelt wieder und lässt nunmehr 12 ccm Chloro- 
form ab. Dann wird noch ein drittes Mal mit 10 ccm Chloroform 
geschüttelt und 8 ccm abgelassen. Nunmehr soll alles Bilirubin extra- 
hiert sein. — Das Chloroform wird in dem Standzylinder mit je 30 ccm 
Salzsäure (1:1) zweimal gewaschen, um Spuren von anhaftendem Harn 
zu entfernen, indem man wiederholt umrührt. Die Salzsäure wird 
beidemale bis auf ca. 5 ccm abpipettiert oder abgehebert, dann wird 
der Inhalt des Standzylinders in eine Stöpselflasche gebracht, der 
Zylinder zweimal mit je 25 ccm Alkohol nachgewaschen. Hierauf setzt 
man 10 ccm n/ 100 H ü b 1 sehe Jodlösung (0,64 g Jod in 250 ccm 
95 o/o ige m reinem Alkohol gelöst; 0,8 g HgCl 2 in 250 ccm Alkohol ge- 
löst und eventuell filtriert; beide Lösungen werden vereinigt und können 
nach 10 stündigem Stehen gebraucht werden) hinzu, schüttelt etwa 
5 Minuten öfters durch, setzt dann etwa 5 ccm 10°/oige Jodkaliumlösung, 
5 ccm Stärkelösung und 100 ccm destilliertes Wasser hinzu, schüttelt 
einige Male kräftig durch. Durch Zusatz der Stärke entsteht keine Blau- 
färbung, sondern eine rotbraune Färbung, die nach starkem Verdünnen 
mit Wasser in Blauviolett übergeht. Nunmehr wird mit Thiosulfat n/ 100 
zurücktitriert, bis die über dem Chloroform stehende, rotbraune Flüssig- 
keit nach jeweiligem Zusatz von Thiosulfat, Durchschütteln und Ab- 
sitzenlassen vollkommen entfärbt erscheint. J o 1 1 e s will so genau 
arbeiten, dass der Fehler „höchstens ca. 0,1 ccm einer ca. Vioo 11 NagSgOg- 
Lösung" beträgt. Die Ausführung erfordert 1 — l 1 /^ Stunden. 

1 ccm Vioo n Jodlösung = 0,00144 g Bilirubin. 

Kontrollbestimmungen von J o 1 1 e s ergaben eine grosse Genauig- 
keit. Trotzdem sind Zweifel an der Brauchbarkeit der Methode an- 
gebracht (Schulz). 

b) Das ursprüngliche Verfahren. 

Das Bilirubin wird aus dem Harn durch Zusatz von Chlorbarium und Chloro- 
form in einem eigens gestalteten Schütteltrichter abgeschieden. Derselbe ist 
cylindrisch, unmittelbar über dem Hahn zu einer Kugel aufgeblasen, auf welcher 
der übrige cylindrische Teil aufsitzt. Die Kugel trägt in ihrer Mitte eine Marke für 
5, am oberen Ende eine solche für 10 ccm. Der Cylinder ist (überflüssigerweise) 
von 20 — 60 ccm in ccm geteilt. Über der obersten Marke befindet sich noch ein 
ungefähr 60 ccm fassender freier Raum. Der Apparat ist a. a. O. abgebildet und 
kann von Lenoir und Forster, Wien IV, Waaggasse, bezogen werden. 

In den Cylinder kommen 5 ccm Chloroform, 5 — 25 ccm filtrierter Harn, 
10 ccm 20%ige Chlorbariumlösung, 2 ccm 2%ige Schwefelsäure und bis zur Marke 
für 50 ccm Wasser. Es wird dann 5 Minuten lang tüchtig geschüttelt, und nach- 
dem sich das Chloroform mit dem Niederschlag abgesetzt hat, dieses bis auf einen 



Bilirubin; Bestimmung. 1369 



kleinen Rest in ein Kölbchen von 200 ccm Fassungsraum abgelassen. Man schüttelt 
noch 2 mal mit je 5 ccm Chloroform und lässt es wieder abfliessen, die letzte Portion 
vollständig, aber ohne Harn. 

Zu dem Chloroform lässt man dann unter fortwährendem Umschwenken 
eine alkoholische 7ioo" n Jodlösung (mit 1,27 g Jod im Liter) hinzuf Hessen, bis die 
Flüssigkeit grün geworden ist. und setzt dann einige Kubikzentimeter frische 
Stärkelösung hinzu. Tritt Blaufärbung ein, so titriert man mit 7ioo" n auf die Jod- 
lösung gestellte Thiosulfatlösung zurück bis zu reinem Grün. Färbt sich die 
Flüssigkeit auf Zusatz der »Stärkelösung nicht blau, so setzt man noch Jod bis zur 
Blaufärbung zu und titriert dann auch zurück. — 1 ccm Vioo" n Jodlösung zeigt 
1,44 mg Bilirubin an. 

Wenn mehr als 10 ccm Jodlösung verbraucht werden, soll man den Versuch 
mit weniger Harn wiederholen, weil in der stark grün gefärbten Flüssigkeit das 
Blau der Jodstärke schwer zu erkennen ist. Von stark ikterischem Harn nimmt 
man daher gleich nur 5, höchstens 10 ccm. 

100 ccm normaler oder pathologischer, nicht ikterischer Harn verbrauchen 
bei diesem Verfahren — 0,8 ccm der Jodlösung. 

2. Gewichtsanalytisch nach Stadelmann. 

Stadel m ann 1 ) hat sich dos folgenden, mit grossen Verlusten ver- 
bundenen Verfahrens bedienl (vgl. S. L366), Der Harn wird mit Kalk- 
milch ausgefällt, der Niederschlag gewaschen, bis die Flüssigkeit farb- 
los abläuft, etwas getrocknet und in einer (mit einer Kältemischung 
abgekühlter) Reibschale mit Salzsäure bis zu schwach alkalischer Re- 
aktion versetzt. Der Niederschlag wird wieder gewaschen, bis das Filtrat 
farblos ist, getrocknet, gepulvert und mit Chloroform unter sehr vor- 
sichtigem Zusatz von Salzsäure extrahiert, zuletzt in der Wärme. Man 
destilliert das Chloroform ab, wäscht den Rückstand mehrmals mit Äther 
und krystallisiert das Bilirubin aus Chloroform um. Die reine Substanz 
wird getrocknet und gewogen. 

3. Kolorimetrische Bestimmung nach Bouma 2 ). 

1. Prinzip. Die Methode beruht darauf, dass zunächst das Uro- 
bilin entfernt wird, sodann wird das Bilirubin zu Biliverdin oxydiert 
und das Biliverdin kolorimetrisch bestimmt. 

IL Erforderliche Lösungen. 1. 20% ige Lösung von Calcium- 
chlorid. 

2. 1,5 g festes Eisenchlorid werden in 1 Liter Salzsäure (spez. 
Gew. 1,250) gelöst und hiervon 1 ccm mit 4 ccm absolutem Alkohol 
vermischt. 

3. Standardlösungen von 10 — 100 mg Biliverdin pro Liter normalen 
Harn. Der Apparat mit diesen Standardröhrchen ist bei D. B. Kagenaar 
in Utrecht, zum Preise von 10 Mk. zu haben. 



x ) E. Stadelmann, Arch. f. exper. Path. 16. 128. 1883. 
2 ) J. Bouma, Deutsche med. Wochenschr. 30. 881. 1904. 



1370 Schulz, Farbstoffe. 



III. Ausführung. 10 ccm sauer reagierenden, frischen, klaren 
Harn mischt man mit 2 ccm 20o/oiger Chlorcalciumlösung und stumpft 
die saure Reaktion mit verdünntem Ammoniak tropfenweise bis zur 
nahezu neutralen Reaktion ab. Die Reaktion darf nicht alkalisch werden. 
Der entstandene Niederschlag wird abzentrifugiert, die klare Flüssig- 
keit, die man auf Urobilin untersuchen kann, abgegossen und (der 
Niederschlag in destilliertem Wasser aufgeschwemmt. Es wird dann 
nochmals zentrifugiert, bis der Niederschlag fest am Boden sitzt, so dass 
man das Waschwasser ohne Verluste ganz abgiessen kann. Nunmehr wird 
der Niederschlag in 5 ccm des Reagens aufgenommen und in eine Eprou- 
vette gegossen. Man wartet nun, bis die Farbe mit der der Standard- 
röhrchen in bezug auf den Ton übereinstimmt, und stellt es zwischen 
die beiden Röhrchen, denen es in bezug auf die Farbenintensität am 
meisten gleicht, und liest den Gehalt an Gallenfarbstoff direkt ab. 

Ist der Gehalt des Harns grösser wie 100 mg, so verdünnt man 
den zu untersuchenden Harn mit normalem Harn und wiederholt die 
Probe Man soll nicht mit Wasser verdünnen, um nicht die zum Fällen 
des Gallenfarbstoffes erforderlichen Phosphate zu verringern. 

VII. Urobilin und Urobilinogen. 

I. Urobilin. 

A. Vorkommen. Das Urobilin ist zuerst von Jaffe 1 ) direkt 
aus Harn dargestellt worden; dieses besitzt die unten beschriebenen 
Eigenschaften. 

Saillet 2 ) hat aus dem Chromogen des Urobilins sein a-Urobilin gewonnen, 
das in einigen Punkten, namentlich in spektroskopischer Hinsicht von dem Uro- 
bilin Jaffes abweicht; aus dem a-Urobilin lässt sich das dem Jaffeschen Urobilin 
ähnliche, aber mit dem Urobilin von Jaffe nicht völlig übereinstimmende ^-Uro- 
bilin darstellen. 

Mac Munn unterscheidet drei verschiedene Urobiline, das normale, das 
febrile, später pathologisches genannt, und das intermediäre, welches 
nach seinen Eigenschaften zwischen beiden steht. Das febrile Urobilin, welches 
Mac Munn irrtümlicher Weise als identisch mit dem typischen Urobilin von 
Jaffe erklärt, ist wesentlich als ein Gemenge von viel Urobilin mit wenig Hämato- 
porphyrin erkannt worden, ebenso wie sein Urohämatin, oder nach späterer Be- 
zeichnung Urohämatoporphyrin, ein Gemenge derselben Farbstoffe mit Vorwiegen 
des Hämatoporphyrins darstellt. Das normale Urobilin von Mac Munn besitzt 
dieselben spektroskopischen Eigenschaften wie das von Jaffe, ist aber nach seiner 
Bildungsweise durch Oxydation aus Hämatin (in schwefelsäurehaltigem Alkohol 
durch Wasserstoffsuperoxyd) nicht als Urobilin aufzufassen, sondern steht dem 



x ) M. Jaffe, Zentralbl. f. d. med. Wissensch. 1868. 243; 1869. 177; Virchows 
Archiv 47. 405. 1869. 

2 ) Saillet, Revue de med. 17. 114. 1897. 



I 



Urobilin. 1371 



Choletelin nahe, wenn es nicht geradezu als identisch mit ihm bezeichnet werden 
muss. Garrod und Hopkins x ) betrachten das pathologische Urobilin von Eich- 
holz als ein Gemenge von Urobilin mit Urorosein, allein der von Eich holz neben 
dem Band des Urobilins beschriebene Streifen kann bei seiner Lage von D 64 E bis 
D 96 E nicht der des Uroroseins gewesen sein, sondern eher y des sauren Hämato- 
poi-phyrinspektrunis. 

Dem Urobilin ähnliche Körper hat man auf verschiedene Weise durch 
Reduktion aus anderen tierischen Farbstoffen dargestellt. Maly erhielt einen 
solchen Körper bei der Einwirkung von Natriumamalgam auf Biliverdin und Bili- 
rubin: das Hydrobilirubin, angeblich C 32 H 40 N 4 O 7 , Hoppe-Seyler einen solohen 
bei der Reduktion von Hämatin und Hämoglobin durch Zinn und Salzsäure, wobei 
sich zuerst Hämatoporphyrin bildet, ferner beim Schmelzen von Sauerstoff-Hämo- 
globin, aber nicht von Hämatin mit Kaliumhydrat, Nencki und Sieber durch 
Behandeln von Hämatoporphyrin mit Zinn und Salzsäure, Garrod 2 ) bei der 
Einwirkung von Aldehyd auf reines Urochrom. 

Diese Produkte gleichen sich vor allem in bezug auf die Absorption im 
Blau des Spektrums und die Fluorescenz; ob sie aber trotzdem untereinander und 
mit dem Urobilin des Harns identisch sind, ist fraglich. So haben Nencki und 
Sieber beobachtet, dass der Farbstoff aus Hämatoporphyrin beim Stehen an der 
Luft viel schneller die Fluorescenz und den Absorptionsstreifen verliert, als der 
Stoff aus Bilirubin bei gleicher Konzentration. 

Bei zu langer Einwirkung des Reduktionsmittels wird auch der Farbstoff, 
welcher das Spektrum des Urobilins besitzt, in einen farblosen Körper, Urobilin- 
weiss, übergeführt. Sehr oft hat man auch beobachtet, dass in einer Lösung, 
an welcher nur der Urobilinstreifen wahrnehmbar war, beim Stehen derselben an 
der Luft wieder das Spektrum des Hämatoporphyrins auftrat, während das, wie 
u. a. le Nobel, sowie Eichholz 3 ) angeben, bei dem Urobilin aus Harn nicht 
der Fall ist. Wiewohl offenbar Urobilin durch eine reduzierende Gärung im Darm 
aus Bilirubin entsteht, erscheint es verfrüht, das Urobilin ohne weiteres mit dem 
Hydrobilirubin zu identifizieren. 

Die Substanz, welche zuerst Fr. Müller durch anärobe Gärung von Bili- 
rubin mit Kotbakterien (in Peptonlösung unter Wasserstoffabschluss) und später 
Ad. Schmidt, Beck, Esser in ähnlicher Weise aus Gallenfarbstoff erhielten, 
ist wohl ohne Zweifel als Urobilin anzusehen. Fischler erhielt aus reinen Bili- 
rubinlösungen in Bouillon Urobilin durch Fäulniserreger (Proteus, Coli), auch 
bei Luftzutritt. Thomas 4 ) erhielt bei Wiederholung der Müll ersehen Versuche 
mit einem Bakterium aus Galle aus Bilirubin nur Urobilinogen. 

Die dem Choletelin (s. S. 1353 f. 1.) ähnlichen oder mit ihm 

identischen Oxydationsprodukte des Hämatins (s. S. 1318 B. 7.) und 



x ) Ch. A. Mac Munn, Proceed. Roy. Soc. 31. 26 u. 206; Jahresber. f. Tierch. 
1881. 211; Ber. d. ehem. Gesellsch. 14. 1212. 1881; Journ. of Physiol. 6. 34 ff . 
1885; 10. 73 u. 95. 1889. — Eichholz, Journ. of Physiol. 14. 326. 1893. — A. E. 
Garrod und F. G. Hopkins, Ebenda 20. 134. 1896. 

2 ) R. Maly, Ann. d. Ch. u. Pharm. 163. 77. 1872. — F. Hoppe-Seyler, 
Ber. d. ehem. Gesellsch. 7. 1065. 1874; Zeitschr. f. physiol. Ch. 13. 117. 1889. — 
Nencki und Sieber, Monatshefte f. Ch. 9. 128; Arch. f. exper. Pathol. 24. 442. 
— A. E. Garrod, Journ. of Physiol. 21. 190. 1897. 

3 ) le Nobel, Pflügers Archiv 40. 516. 1887. — Eichholz, Journ. of Physiol. 
14. 331. 

4 ) Friedrich Müller, Siebzigster Jahresbericht d. Schlesischen Gesellsch. 
f. vaterl. Kultur 1892, Med. Abteilung 1. —Ad. Schmidt, Verhandl. d. 13. Kongr. 
f. inn. Med. 1895. 320. — A. Beck, Wiener klin. Wochenschr. 1895. 617. — Esser, 
Dissert, Bonn 1896. — F. Fischler, Hab.-Schrift Heidelberg 1907. 90. S. m. 1 Taf. 
K.Thomas, Diss. Freiburg 1907. 7. 

Neubauer-Huppert, Analyse des Harns. 11. Aufl. S7 



1372 Schulz, Farbstoffe. 



des Bilirubins besitzen nicht nur dasselbe Absorptionsspektrum wie 
das Urobilin, sondern auch noch andere charakteristische Eigenschaften 
desselben. Ob das Hydrobilirubin mit dem Urobilin identisch ist, er- 
scheint noch fraglich. Gar r od und Hopkins leugnen das bestimmt, 
da ein Hydrobilirubinpräparat 9,45 o/o N enthielt, während das Urobilin 
nur 4,02—4,90% N enthält. Wie aus den zu besprechenden Unter- 
suchungen von Charnas hervorgeht, sind die früher analysierten 
Präparate sicher unrein gewesen. Charnas 1 ) fand für ein Urobilin 
(aus Urobilinogen) 8,05% N. Die Frage ist nicht entschieden. 

Nach den Untersuchungen von Fischer 2 ) hat das aus Bilirubin 

gewonnene Hydrobilirubin tatsächlich den Stickstoffgehalt, den M a 1 y 

ihm zuschreibt (9,06 — -9,32o/o), dagegen weicht sein Präparat in bezug 

auf den Kohlenstoffgehalt erheblich von den von M a 1 y angegebenen 

Zahlen ab. Nach einem besonderen Verfahren unter vollständigem Luft- 

absehluss erhielt Fischer aus Bilirubin durch Reduktion einen Stoff, 

den er Hemibilirubin nennt, da er ihn in etwa 47 o/o Ausbeute bekam. 

Diesem Hemibilirubin schrieb er die Formel C 16 H 20 N 2 O 3 zu; er hielt 

dasselbe mit dem Harnurobilin für identisch und glaubt, dass es ein 

Anhydrit der Säure 

CH 3 G— C— CH 2 — CH 2 • COOH 

I I 
HC CH 

NH 

sei (s. später S. 1377 und 1407). Neben diesem Hemibilirubin entsteht 

eine bisher nicht genauer definierbare „Substanz II". 

Aus Kot konnte Fischer dagegen ein „Sterkobilin" isolieren, das im 
wesentlichen die von Gar r od für das Hydrobilirubin angegebene Zusammen- 
setzung hatte. 

So unterscheidet sich auch das Urobilin von dem Choletelin durch 

ein anderes Absorptionsverhältnis in den verschiedenen Spektralbezirken. 

Die Möglichkeit, dass neben dem Urobilin auch Choletelin im Harn 

erscheinen könne, was zu einer Verwechslung beider führen würde, lässt 

sich nicht bestreiten. Ob aber wirklich Choletelin im Harn auftritt, 

ist nicht entschieden (vgl. S. 1344). 

Gegen die Bildung von Choletelin aus Bilirubin im Körper führt Fr. Müller 
das Fehlen der leicht kenntlichen, bei der Oxydation vor dem Choletelin auftreten- 
den Farbstoffe an und um die Zunahme des ,,Urobilins" im Harn nach Blut- 
ergüssen in die Gewebe zu erklären, liegt nach Müller kein zwingender Grund zu 
der Annahme vor, der für Urobilin gehaltene Farbstoff sei durch Oxydation aus 



!) A. E. Garrod und F. G. Hopkins, Journ. of Physiol. 22. 451. 1898. 
D. Charnas, Biochem. Zeitschr. 20. 401. 1909 und briefliche Mitteilung. 
2 ) H. Fischer, Zeitschr. f. phys. Chem. 73. 204. 1911. 



i 



Urobilin; Vorkommen. 1373 



dem Hämatin entstanden, da es immer noch möglich sei, dass die Zerfallsprodukte 
des Blutes in der Leber in Bilirubin verwandelt werden und dieses dann im Darm 
gleichfalls der Reduktion anheimfalle. 

Andere braune, dem Urobilin in mehrfacher Hinsicht ähnliche, mit ihm 
nicht identische Farbstoffe sind wiederholt angetroffen worden. In dieser Hin- 
sicht ist es auch nicht überflüssig zu bemerken, dass das Urobilin mit dem 
braunen Farbstoff verunreinigt sein kann, welcher bei der Einwirkung von 
Säuren auf Urochrom entsteht. 

Nach den einwandfreien Versuchen von Saillet 1 ) enthält 
frisch entleerter, vor Sonnenlicht geschützter normaler Harn kein 
Urobilin, sondern ein Chromogen desselben, das Urobilinogen, 
aus welchem das Urobilin erst durch Einwirkung des Sonnenlichts 
hervorgeht. Es ist aber zweckmässig, unter dem Begriffe Urobilin- 
urie auch die Fälle mit einzubeziehen, bei denen zwar kein Urobilin 
im frischen Harn erscheint, wohl aber die Urobilinogenmenge ver- 
mehrt ist. 

Saillet will den Ausdruck Urobilinurie nicht mehr für den Zustand gelten 
lassen, bei welchem Urobilinogen in grösserer Menge erscheint, sondern für den, 
bei welchem fertig gebildeter Farbstoff ausgeschieden wird. 

Der Gehalt des normalen Harns an Urobilinogen ist gering. Eine 
saure Urobilinlösung von der Farbe des Harns zeigt nach G a r r o d 
und Hopkins 2 ) ein sehr kräftiges Absorptionsband, während eine 
Lösung von solcher Konzentration, jdass ßie ein so schwaches Band 
zeigt, wie der Harn nur manchmal, bloss eine ganz schwache rosen- 
rote Färbung aufweist. 

In der Tagesmenge Harn eines Gesunden finden sich nach den 
Untersuchungen von Fr. Müller und D. Gerhardt 3 ) Spuren bis 
20 mg (im Mittel aus 5 Bestimmungen 12,3 mg), nach Saillet 30 
bis 130 mg, nach G. Hoppe-Seyler 80 — 140 mg. Der Unterschied 
erklärt sich wohl daraus, dass Saillet vor der Bestimmung alles Uro- 
bilinogen in Urobilin verwandelte, Müller und Gerhardt dagegen 
nicht. Im Hungern ist die Urobilinogenausscheidung gering. Während 
der Menstruation steigt sie sowohl beim hungernden als aucn beim 
normal ernährten Individuum (T s u c h i y a) 4 ). 

Sicher nachgewiesen ist seine Bildung im Darm aus Gallenfarbstoff 
durch die Einwirkung reduzierender Mikroben (s. vorher); seine Menge 
nimmt Smit der Darmfäulnis zu (H a r 1 e y) ; es tritt daher nach Fr. M ü 1 - 
1 e r im Harn Neugeborener, wegen Mangels an Bakterien im Darm 



x ) Saillet, Revue de med. 17. 114. 1897. 

2 ) A. E. Garrod und F. G. Hopkins, Journ. of Physiol. 20. 123. 1896. 

3 ) Fr. Müller a. a. O. — D. Gerhardt, Über Hydrobilirubin. Diss. Berlin 
1889. — G. Hoppe-Seyler, Virchows Archiv 124. 30. 1891. 

4 ) Tsuchiya, Zeitschr. f. exper. Pathol. u. Therap. 7. 352. 1910. 

87* 



1374 Schulz, Farbstoffe. 



derselben, erst am 3. Tage nach der Geburt auf, fehlt bei Erwachsenen 
bei vollständigem Verschlusse der Gallenwege (bei Carcinom der Gallen- 
blase oder des Pankreas, bei Icterus catarrhalis) und tritt erst, wie nach 
Beck 1 ) in der Galle, bei Erguss von Gallenfarbstoff in den Darm 
wieder auf. 

Reichlicher findet es sich bei Infektions krankheiten, nament- 
lich solchen, welche mit schnell eintretender Anämie verbunden sind 
(Cazeneuve, Müller), bei Blutergüssen in die Gewebe (Kunkel), 
auch bei gleichzeitigem Verschluss des Gallengangs (Gerhardt), sowie 
bei Gegenwart von Methämoglobin im Blutplasma (H a y e m) 2 ), daher 
nach der Einwirkung von Blutgiften. 

Im Harn der Pferde wurde das Urobilin vermisst, in dem der 
Kaninchen findet es sich nicht oder nur in geringerer Menge (Beck, 
Steensma 3 ) u. a.); Verfütterung von Hundegalle an Kaninchen ruft 
aber Urobilinurie hervor ; im Harn von Hunden und Katzen kommt 
es nach Fr. Müller nicht vor. Auch Beck sowie H a r 1 e y fanden 
im Harn der Hunde kein Urobilin. 

Bei gesunden Winterfröschen geht per os aufgenommenes Urobilin nicht 
oder nur in kleinen Mengen in den Harn über. Nach Leberexstirpation tritt sofort 
reichlich Urobilin nebst Bilirubin in den Harn über (Lesieurs, Monod und 
Morel) 4 ). 

Nach Morel 5 ) enthält beim normalen Menschen der Harn im Sommer Uro- 
bilin, aber nicht im Winter. Dies soll von einer Abnahme der Intensität des Stoff- 
wechsels im Sommer herrühren. Heftige Muskeltätigkeit (entsprechend 200 — 300 
Kai. per Stunde) bringt im Sommer die Urobilinurie zum Verschwinden. 

Auch in Uratsedimenten ist das Urobilin aufgefunden worden, 
in den roten neben Uroerythrin. Das Urobilin lässt sich nach Riva 
sowie nach Garrod aus den Sedimenten mit Alkohol oder Neutral- 
salzlösung (Salmiak) wegwaschen. Aus Urobilinlösung fällt die Harn- 
säure nach Garrod 6 ) ungefärbt. 

Im nüchternen Zustand ist die Urobilinausscheidung nach F. Grimm 7 ) 
gering, sie hebt sich erst und kann bedeutend werden von der zweiten Stunde 
nach der Mahlzeit an. Nach Saillet schwankt die Urobilinmenge mit der Tages- 



!) D. Gerhardt a. a. 0. — O. Harley, Brit. Med. Journ. Oct. 1896. — 
A. Beck, Wiener klin. Wochenschr. 35. 1895. 617; Zentralbl. f. d. med. Wissensch. 
1895. 926. 

2 ) P. Cazeneuve, Gaz. med, de Paris 22. 1877. — A. Kunkel, Virchows 
Archiv 79. 455. — Gerhardt, Zeitschr. f. klin. Med. 32. 303. 1897. — G. Hayem, 
Compt. rend. 102. 700. 1886. 

3 ) F. A. Steensma, 12. Neederl. Kongr. f. Natur- u. Geneesk. 384. 1909. 

4 ) Lesieurs, Monod u. A. Morel, Compt. rend. soc. biol. 64. 574. 1908. 

5 ) Morel, Bull. soc. chim. de France [4] 3. 886. 1908. 

6 ) A. Riva, Gaz. med. di Torino 43. 1. 1892. — A. E. Garrod, Journ. of 
Physiol. 17. 441. 1895; Proceedings of the Roy. Soc. 55. 405. 1894. 

7 ) F. Grimm, Virchows Archiv 132. 269. 1893. 






Urobüin; Vorkommen. 1375 



zeit, und hier namentlich mit der Körpertemperatur gleichsinnig. Die Haupt- 
mahlzeit hat einen steigernden Einfluss. In acht Nachtstunden wurde aus- 
geschieden 3.2 und 8,8 mg, in 16 Tagesstunden 28,9 und 79,3 mg. Die geringeren 
Mengen wurden im Harn einer Frau, die grösseren im Harn eines Mannes gefunden. 
Der normale Harn enthielt 10 mal soviel Urobilin als Hämatoporphyrin. 

Jedesmal nach Behebung einer Gallenstauung ist die Ausscheidung 
des Urobilins, wegen stärkeren Ergusses von Galle in den Darm, vermehrt (Fr. 
Müller). Einfache Stuhlverstopfung ist ohne Einfluss auf die Menge des Uro- 
bilins, aber bei Typhus ist das der Fall (E. Barqellini) und bei Gebrauch von 
Opium (Mac Munn). Bei Phosphorvergiftung verschwinden nach A. Riva l ) 
Urobilin und Urobilinogen aus dem Harn (und dem Kot) um so vollständiger 
und anhaltender, je schwerer die Vergiftung ist. 

In grosser Menge tritt das Urobilin auf bei atrophischer Leberzirrhose, bei 
Bleikolik und bei Herzfehlern, hier wegen des oft sehr reichen Gehaltes der Galle 
an Farbstoff (Pleiochromie). Bei sehr vielen Infektionskrankheiten ist das Uro- 
bilin vermehrt gefunden worden (Scharlach, »Sepsis, Lymphangitis, Pyämie, akuter 
Gelenkrheumatismus, Pneumonie, Phthisis, Erysipelas, Malaria, weniger Typhus); 
ferner bei Blutergüssen (in das Gehirn, unter und in die Haut, die Pleura, das 
Peritoneum, bei Skorbut, Purpura, Lungeninfarkt) oft lange Zeit. Reichlich 
erscheint es bei perniciöser Anämie. In leichten Fällen von Hämoglobinämie 
tritt nach Boeri Urobilin im Harn auf. Von Blutgiften werden genannt das Anti- 
febrin (Mörner, Fr. Müller, Rovighi), das Antipyrin (Rovighi), das Pyrodin 
(Boeri); nach länger anhaltender Chloroformnarkose beobachteten Käst und 
Mester Zunahme des Urobilins im Harn. Das bestätigen Dryon, Gautier 
und Policard 2 ), Äthernarkose hat diese Wirkung nicht. 

In einem Fall von multiplem melanotischem Sarkom sah Zeller grosse 
Mengen Urobilin (neben viel Ätherschwefelsäure) abwechselnd mit Melanin auf- 
treten; einen zeitweilig an Urobilin reichen Harn bei melanotischem Sarkom unter- 
suchte auch F. Hoppe-Seyler 3 ). 

Bei nicht mit fieberhaften Krankheiten komplizierter Nephritis fehlt das 
Urobilin. 

Im allgemeinen ist es nach Riva 4 ) da vermehrt,' wo auch das Uroerythrin 
in grösserer Menge auftritt. 

Fr. Müller und Gerhardt haben spektrophotometrische Bestimmungen 
über die Menge des im Harn auftretenden Urobilins ausgeführt. Obwohl sich ein 
Teil des Farbstoffes in der Form seines Chromogens der Bestimmung entzogen 
haben mag, gewähren diese Beobachtungen eine Einsicht in die quantitativen 
Verhältnisse. G. Hoppe-Seyler 5 ) ist übrigens auf gewichtsanalytischem Wege 
zu ähnlichen Ergebnissen gelangt. Müller und Gerhardt haben nicht in 
allen Fällen die Menge des gefundenen Farbstoffes berechnet, sondern geben nur 
den Exstinktionskoeffizienten (E.) an; derselbe ist direkt proportional der Kon- 
zentration der Farbstoff lösung, und die Bestimmung gibt hier nur relative Werte an : 



J ) E. Barquellini, Lo sperimentale 1892. 119; Jahresber. f. Tierch. 1892. 
538. — Mac Munn, Journ. of Physiol. 6. 22. — Riva, II „Segno" 1. 5. Maggio 1890. 

2 ) G. Boeri, Rivista clinica e terap. Nr. 6. Napoli 1893; Jahresber. f. 
Tierch. 1894. 670. — K. A. H. Mörner, Zeitschr. f. physiol. Ch. 13. 13. 1889. — 
A. Rovighi, Zentralbl. f. klin. Med. 13. 537. — A. Käst und B. Mester, Zeitschr. 
f. klin. Med. 18. 469. — M. Dryon und Cl. Gautier, Compt. rend. soc. biol. 66. 
616. 1909. — M. Dryon, Cl. Gautier, A. Policard, Ebenda 65. 574. 1908. 

3 ) A. Zeller, Archiv f. klin. Chir. 29. 245. 1883. — F. Hoppe-Seyler, 
Zeitschr. f. physiol. Ch. 15. 186. 1891. 

4 ) A. Riva, Clinica med. di Torino 1894. 9. 

5 ) G. Hoppe-Seyler, Virchows Archiv 124. 30. 1891. 



1376 Schulz, Farbstoffe. 



mg im Tage E. 

Gesunde bei gemischter Kost Spur bis 20,3 Spur bis 0,134 

Mehrtägiger Hunger 1 ) 9,3 0,099 

Ernährung mit Milch 20,1 — 

Ernährung mit Fleisch 21,6 — 

Atrophische Leberzirrhose 426 u. 440 14,30 u. 15,34 

Hirntumor — 12,98 

Scharlach 796 7,17 u. 12,01 

Perityphlitis*) 2021 — 

Bleikolik * mit leichtem Ikterus .... 10,99 4,5 

Bleikolik / nach dem Ikterus 29,11 — 

Puerperale Sepsis — 4,0 

E. 

Pneumonie mit Ikterus 2,06 

Pneumonie ohne Ikterus 1,47 u. 3,3 

Phthisis 1,68—3,64 

Leberkarzinom 1,25 — 3,52 

Erysipelas 1,38 

Herzfehler 1,04—2,66 

Hypertrophische Leberzirrhose . . . 0,88 — 2,35 

Leberkarzinom, Beginn des Ikterus . 10,43 

Leberkarzinom, starker Ikterus . . . — 1,765 

Icterus catarrhalis — 0,174 

*) Die Perityphlitis nach Gerhardt 2 ) unter dem Gebrauch von Opuim 
am letzten Fiebertag. 

Von neueren Zusammenstellungen seien vor allem die von Hilde- 
b ran dt und von Fischler 3 ) erwähnt. 

Nach F i s c h 1 e r tritt Urobilin im Harn bei den verschiedensten 
Krankheiten zum Teil massenhaft auf. Zweifellos geht die Mehrzahl der 
fieberhaften Erkrankungen mit Urobilinurie einher, aber Uro- 
bilinurie ist kein konstantes Fiebersymptom. Es ist noch fraglich, ob 
bei den fieberhaften Infektionskrankheiten die Urobilinurie auf Kosten 
der Temperatursteigerung zu setzen ist. Eine zweite Gruppe von mit 
Urobilinurie einhergehenden Erkrankungen sind solche mit ausge- 
dehnten Blutungen, sei es traumatischer oder hämorrhagischer 
Natur. Hierher gehören auch Hämoglobinurie, perniziöse Anämie, 
schwere Chlorosen, Malaria, Schwarzwasserfieber. 

Es ist auffallend, dass bei Hirnhämorrhagien, die, wenn sie nicht 
direkt zum Tode führen, doch nie sehr ausgedehnt sind, so häufig Uro- 
bilinurie eintritt (F i s c h 1 e r). Das stimmt zusammen mit der Tatsache, 
dass bei Gehirntumoren häufig starke Urobilinurie beobachtet wird 
(Fischler, Gerhardt) 4 ). 

!) Fr. Müller, auch Virchows Archiv 131. Suppl. 68. 1893. 

2 ) D. Gerhardt, Zeitschr. f. klin. Med. 32. 303. 1897. 

3 ) Hildebrandt, Zeitschr. f. klin. Med. 59. 351. 1906. — Fischler, 1. c. 29. 

4 ) D. Gerhardt, Diss. Berlin 1889, sowie Zeitschr. f. klin. Med. 32, 303. 1897. 



Urobilin; Vorkommen. 1377 



Eine dritte Gruppe bilden Erkrankungen mit Stauungs- 
erscheinungen von seiten der Lunge oder des Herzens. Schweres 
Emphysem, hochgradige Pleuritiden, schwere Phthisen, schwere Pneu- 
monien lassen Urobilinurie fast nie vermissen. Ebenfalls dekompen- 
sierte Herzfehler oder schwere Herzfehler mit Cyanose. 

Fischer u. Meyer-Betz 1 ) fanden, dass die Pyrrole, welche 

ein an einem Ringkohlenstoffatom nicht substituiertes H-Atom besitzen, 

sowohl bei der Zersetzung im Reagenzglas als auch bei Verfütterung 

an Tiere in Körper übergehen, welche nach den klinischen Proben als 

Urobilin anzusehen wären. Diese nicht stabilen Pyrrole geben die 

Ehrlich sehe Reaktion mit Dimethylaminbenzaldehyd, die (s. später) 

als Urobilinogenrcaktion aufzufassen ist. Während diese Pyrrole rein 

kein Spektrum und kein fluoreszierendes Zinksalz besitzen, geben ihre 

Umsetzungsprodukte diese Reaktionen. 

Positive Fluoreszenz und Aldehydreaktion wurde im Harn nach Verfütte- 
rung folgender Stoffe erhalten: 2,4-Dimethylpyrrol, Phonopyrrolkarbonsäiuv, 
Hämopyrro], ferner das Hemibilirubin von Fischer (s. später) und die Substanz II. 
Aldehydreaktion allein wurde nach Verfütterung folgender Körper erhallen: 
2,4 - Dimethylpyrrol - 3 - Carbonsäureester, 2,5 - Dimethylpyrrol-3-Carbonsäureester, 
1 Phenyl-2,ö-Dimethylpyrrol -3-Carbonsäureester. 

Aus diesen Beobachtungen geht hervor, dass die bekannten Urobilin - 
proben keine Gewähr dafür geben, dass ein dem Organismus einver- 
leibtes Pyrrolderivat im Harn in Urobilin übergeht, denn sonst kämen 
viele Körper als Urobilinbildner in Betracht. 

Diese Untersuchungen von Fischer und Meyer-Betz ver- 
dienen volle Beachtung, da durch dieselben ganz neue Gesichtspunkte 
in die Frage der klinischen Bedeutung der Urobilinurie kommen. 

Über die Entstehungsweise des Harnurobilins ist viel gestritten 
worden, ohne dass diese Frage endgültig entschieden werden konnte. 
Es ist eine ganze Reihe von Theorien aufgestellt worden. Eine eingehende 
Erörterung des Für und Wider kann hier nicht gegeben werden. Es seien 
diese Theorien hier im wesentlichen skizziert. Es ist wohl wahrschein- 
lich, dass eine Urobilinurie durch mehrere Momente bedingt sein kann, 
dass mehrere dieser Theorien berechtigt sind 2 ). 

1. Die intestinale Theorie. Das Bilirubin der Galle wird 
im Darm durch die Bakterien (s. vorher) zu Urobilin verwandelt. Dem- 
entsprechend überwiegt in den oberen Darmabschnitten das Bilirubin, 



x ) Hans Fischer u. Friedr. Meyer-Betz, Zeitschr. f. phys. Chem. 75. 
232. 1911; sowie 76. 330. 1912. 

2 ) Eine Zusammenfassung der Theorien findet man in von Noordens 
Handbuch d. Pathol. d. Stoffwechsels, ferner in der Dissertation von Kurt Pein, 
Beiträge zur Kenntnis der Urobilinurie. Diss. Med. Halle 1^10. Hierauf sei auch 
wegen der einschlägigen Literatur verwiesen. 



1378 Schulz, Farbstoffe. 



in den tieferen Abschnitten das Urobilin. Das Urobilin wird zum Teil 
resorbiert und gelangt im wesentlichen durch die Pfortader in die 
Leber. Vielleicht kommt ein kleiner Teil des Urobilin aus den tieferen 
Darmabschnitten direkt in die Venae haemorrhoidales und unter Um- 
gehung der Leber in den Kreislauf. Vielleicht gelangt gerade dieses 
letztere Urobilin dann direkt als Urobilinogen zur Ausscheidung und 
ist die Quelle des normalen Urobilinogens des Harns. 

In der Leber wird normalerweise das Urobilin zurückgehalten und 
gelangt wenigstens zum Teil durch die Galle von neuem in den Darm. 
Die Galle enthält nur dann Urobilin, wenn Urobilin vom Darm aus 
resorbiert werden konnte, oder auch bei Entzündungsvorgängen der 
Gallengänge (s. später). Die Tatsache, dass bei Kaninchen Urobilin 
im Harn fehlt, scheint darauf zurückzuführen zu sein, dass hier die ent- 
sprechende Darmflora fehlt, welche das Bilirubin in Urobilin verwandelt. 

Urobilinurie tritt nun auf, wenn die Leber das Urobilin nicht 
vollständig zu bewältigen vermag. Dies könnte der Fall sein, wenn das 
Urobilin schon in sehr hohen Darmabschnitten auftritt und dann in 
sehr grossen Mengen rasch resorbiert wird. Oder aber wenn Urobilin 
in absolut gesteigerten Mengen der Leber zur Verarbeitung geboten 
wird, also z. B. bei Blutungen etc. Ferner ist an die Möglichkeit zu 
denken, dass bei offenem Ductus Arantii oder bei entstehendem 
Kollateralkreislauf bei Stauung im Pfortadergebiet Darmurobilin unter 
Umgehung der Leber direkt in den grossen Kreislauf gelangen kann. 
Endlich können die verschiedensten Störungen des Leberparenchym 
die Fähigkeit der Leber, Urobilin zu eliminieren, herabsetzen oder 
aufheben. 

Hierher gehört auch die cholangiogene Urobilinurie. Es können 
Bilirubin reduzierende Bakterien in die Gallengänge eindringen und 
schon hier ihre Tätigkeit entfalten, so dass überhaupt kein Bilirubin 
in die Galle gelangt, sondern nur Urobilin. Tritt unter solchen Um- 
ständen eine Behinderung des Gallenabflusses ein, so kann Urobilin- 
urie hervorgerufen werden, anstatt oder neben einem Bilirubinikterus. 

2. Die hepatogene Theorie. Nach dieser Theorie produ- 
ziert die normale Leberzelle Bilirubin, die kranke Urobilin. Der 
Umfang, in dem Urobilin statt Bilirubin produziert wird, dient als 
Gradmesser der Leberinsufficienz. Diese Theorie herrscht auch heute 
noch in Frankreich. Ein Sauerstoffmangel in der Leber soll dann die 
Ursache der Urobilinurie sein. Für diese Theorie spricht ein Fall, indem 
bei totalem Verschluss des Ductus choledochus, wo kein Bilirubin in 
den Darm gelangte, Urobilinurie bestand. Jedoch ist dieser Fall nicht 
eindeutig, z. B. ist an die cholangiogene Urobilinurie zu denken. Auch 






Urobilin; Entstehung. 1379 



die Tierexperimente haben keine zwingenden Beweise für diese Theorie 
gebracht. 

3. Die hämatogene Theorie. Nach ihr hat die Leberzelle 
mit der Urobilinbildung nichts zu tun. Dieselbe soll vielmehr abhängig 
sein von der Zerstörung der roten Blutkörperchen. Wie im Reagenzglas 
mit der Zeit ohne Fäulnisprozesse in hämoglobinhaltigem Serum Uro- 
bilin auftritt, so soll es auch bei Erythrocytolyse sich bilden. Solche 
Erythrocytolyse entsteht in blutigen Infarkten, in apoplektischen Herden 
und hämorrhagischen Ergüssen oder auch innerhalb der Blutbahn durch 
infektiöse Materien oder durch chemische Gifte. Tatsächlich fand Ger- 
hardt Urobilin in einer hämorrhagischen Ascitesflüssigkeit bei einem 
Krebs der Gallenblase, wo durch Verschluss des Ductus der Darm frei 
von Bilirubin und Urobilin war. Auch findet man in hämorrhagischen 
Ergüssen tatsächlich häufig Bilirubin. Hier muss aber mit dem Fall 
gerechnet werden, dass das Bilirubin von aussen eingewandert ist. 

4. Die nephrogene Theorie. Danach soll die Leberzelle 
stets nur Bilirubin produzieren, auch im kreisenden Blut sich nur 
Bilirubin befinden. Wird aber wie beim Stauungsikterus Galle resorbiert, 
so gelangt der Gallenfarbstoff durch die Blutbahn zu den Nieren 
und die Nierenepithelien reduzieren ihn zu Urobilin. v. L e u b e hat 
diese Theorie aufgestellt. Er begründete sie damit, dass in einem 
Falle von Urobilinurie in dem durch Pilocarpin hervorgerufenen 
Schweiss sich nicht etwa Urobilin, sondern Bilirubin fand. Auch findet 
sich tatsächlich in fast allen Fällen von Urobilinurie im Blut Bilirubin 
(v. Jaksch, Patella und Acco rambin i), während häufig bei 
starker Urobilinurie im Blut Urobilin fehlt (Hers eher). 

5. Die histogene (pigmentäre) Theorie. Danach soll das 
Bilirubin in den Geweben als Schutzmassregel gegen eine Giftwirkung 
in Urobilin übergeführt werden. Das Urobilin ist tatsächlich im Gegen- 
satz zu dem Bilirubin, welches sehr fest in den Geweben haftet, eine 
sehr leicht diffusible Substanz. Das in den Geweben gebildete Urobilin 
soll demnach in den Harn gelangen. 

B. Eigenschaften. 1. Urobilin ist amorph, nicht zerfliesslich; 
in der Wärme entwickelt es einen eigentümlichen Geruch. Seine Farbe 
ist je nach der Darstellung verschieden. Das mit Ammonsulfat gefällte 
ist braun, das durch Verdunsten der alkoholischen Lösung erhaltene 
rötlich braun, und das aus alkalischer Lösung durch Säure gefällte 
schön rot (Garrod und Hopkins 1 ). Es löst sich leicht in Äthyl- 
alkohol, auch in säurehaltigem, und in Chloroform, ferner in Amyl- 
alkohol, wenig in Äthyläther und in Essigäther, sehr wenig in Wasser. 

x ) A. E. Garrod und F. G. Hopkins, Journ. of Physiol. 20. 125. 1896. 



1380 Schulz, Farbstoffe. 



Neutralsalze erhöhen seine Löslichkeit in Wasser bedeutend, doch kann 
es durch Sättigen seiner Lösungen mit einigen Neutralsalzen mehr 
oder minder vollständig abgeschieden werden. Äther, Amylalkohol, 
Chloroform nehmen es aus den salzgesättigten Lösungen auf. 

Saillets x ) a-Urobilin bleibt beim Verdunsten seiner Lösung in Essigäther 
oder Chloroform als rosenroter Firnis zurück. Es ist unlöslich in Petroläther, 
fast unlöslich in Schwefeläther, etwas besser löslich in Essigäther, viel besser in 
Wasser und in Chloroform, sehr leicht löslich in Alkohol, in Säuren und in Alkalien. 
Wasser entzieht es vollständig dem Schwefeläther und dem Essigäther, nicht 
aber dem Chloroform; Chloroform entzieht es dagegen dem Wasser. In Gegenwart 
von Alkali löst sich das Urobilin besser in Wasser als in den anderen Lösungs- 
mitteln, aber in Gegenwart einer Säure besser in den beiden Äthern und in Chloro- 
form als in Wasser. In gesättigter Ammonsulfatlösung ist es ganz unlöslich; beim 
Sättigen seiner wässerigen Lösung mit Ammonsulfat fällt es in 1 — 2 Tagen in 
feinen amorphen, gelblichbraunen Körnchen aus. 

Das ß -Urobilin scheidet sich beim Verdunsten seiner Lösung in Essigäther 
gleichfalls als rosenroter Firnis ab. Aus seiner Lösung in Ammoniak wird es in 
Flöckchen abgeschieden, welche im durchfallenden Licht rosenrot, im auffallenden 
grün erscheinen. Es ist unlöslich in Petroläther und in Schwefeläther, sehr wenig 
löslich in Essigäther, leichter löslich in Chloroform, in Wasser und in Alhohol, 
besonders aber in den Alkalien. In Gegenwart irgend einer Säure löst es sicii in 
Essigäther und in Schwefeläther leichter als in Wasser. An der Luft und in Be- 
rührung mit selbst sehr verdünnten Säuren geht es wieder in a -Urobilin über. 

Von den Neutralsalzen fällt das Ammonsulfat das Urobilin beim Sättigen 
so vollständig, dass es (zuerst von Mehu) zur Darstellung des Farbstoffes aus 
Harn empfohlen wurde; die Fällung ist aber erst bei gänzlicher Sättigung voll- 
ständig. Der Niederschlag löst sich wieder in Wasser und durch Äthyl- und Amyl- 
alkohol, Ätheralkohol, Chloroform kann ihm Farbstoff entzogen werden. Gar 
nicht gefällt wird das Urobilin nach Garrod und Hopkins beim Sättigen der 
Lösung mit Salmiak, sowie nach Edmunds 2 ) beim Sättigen der Lösung mit 
Magnesiumsulfat. 

2. Mit den Alkalien (auch Ammoniak) bildet es in Wasser und 
in Alkohol leicht lösliche Salze. Die Ammonverbindung verliert beim 
Verdunsten das Ammoniak. Durch die Alkalihydrate kann es der Lösung 
in mit Wasser nicht mischbaren Lösungsmitteln entzogen werden. Aus 
den wässerigen Lösungen der Alkaliverbindungen (und seiner Salze über- 
haupt) wird es durch Säuren in braunen Flocken gefällt. 

Verbindungen mit den alkalischen Erden oder den Schwer- 
metallen erhält man durch Zusatz der entsprechenden Salze zu einer 
Lösung des Urobilins in Alkalihydrat (Ammoniak). Diesen Salzen wird 
das Urobilin durch angesäuerten Alkohol wieder entzogen. Chlorbarium 
gibt nur mit konzentrierten Lösungen Niederschläge, mit verdünnten 
nicht; das Calciumsalz ist erheblich leichter löslich. In neutraler oder 
schwach alkalischer Lösung gibt das Urobilin mit einigen Metallsalzen 
(den Bleiace taten, Zinksalzen) unlösliche oder schwer lösliche Nieder- 



*) Saillet, a. a. O. 122 u. 119. 

2 ) C. Mehu, Journ. de pharm, et de chimie [4] 28. 159. 1878; Bull, de 
l'Acad. de med. [2] 7. 671. — A. E. Garrod und F. G. Hopkins, Journ. of Physiol. 
20. 119. 1896. — A. Edmunds, Journ. of Physiol. 17. 451. 1895. 






Urobilin; Eigenschaften. 1381 



schlage. Andere Metallverbindungen des Urobilins fallen entweder gar 
nicht aus, wenigstens dann nicht, wenn sie aus verdünnten Lösungen 
dargestellt werden (Kupfer, Silber, Quecksilberoxyd), oder können von 
Lösungsmitteln in Lösung erhalten werden: das Zinksalz durch die 
Alkalihydrate, das Kupfersalz durch Ammoniak, andere, wie die Eisen- 
salze und das Mangansalz nach D e n i g e s durch Glycerin. Das Kupfer- 
salz löst sich nach Bogomolow 1 ) in Chloroform. 

Mit Phosphor wolframsäure geht das Urobilin nach Sal- 
k o w s k i 2 ) keine in Mineralsäuren unlösliche Verbindung ein. 

Alkalische Barytlösung scheint das Urobilin besser zu fällen, als neutrale; 
die Fällung ist aber immer eine sehr unvollständige. Durch die grössere Löslichkeit 
seines Barytsalzes in Wasser unterscheidet sich das Urobilin vom Hämatoporphyrin, 
dessen Barytsalz selbst in siedendem Wasser so schwer löslich ist, dass man dieses 
Verhalten zur Trennung beider Farbstoffe benützen kann (Hup per t). Doch 
blieb einmal beim Auskochen von Urobilinbarium ein Teil ungelöst, und dieser 
bot nach dem Lösen in saurem Alkohol ein sehr dunkles Urobilinband mit kaum 
verwaschenen Rändern dar, während das bei dem in wässerige Lösung gegangenen 
Farbstoff nicht in dem Masse der Fall war. 

3. Seine Lösungen in indifferenten Lösungsmitteln sind braungelb, 
verdünntere gelb, ganz schwache rosenrot. Die Lösungen reagieren 
vollkommen neutral und zeigen eine grüne Fluor cscenz; auf Zu- 
satz von Chlorzink zur alkoholischen Lösung erfährt die Fluorescenz 
eine mehr oder minder beträchtliche Zunahme und die Lösung wird 
im durchfallenden Licht schön rot. 

In säure haltigem Alkohol löst es sich mit brauner Farbe, welche 
beim Verdünnen der Lösung erst rotgelb (wie Harn), dann rosenrot, 
aber nicht gelb wird; die Lösung fluoresziert nicht. 

Die alkalischen Lösungen sind je nach dem Grade der Ver- 
dünnung braungelb, gelb, rosa. Eine saure braunrote Lösung wird 
beim Übersättigen mit Ammoniak gelb mit einem Stich ins Grüne ; 
auch fluoresziert sie öfter grün, jedoch nicht immer. Auf Zusatz 
eines löslichen Zinksalzes wird die Lösung zart rosenrot und zeigt nun 
eine 'starke grüne Fluorescenz, welche beim Ansäuern verschwindet 
und bei Wiederherstellung der alkalischen Reaktion zurückkehrt. 

Bei gleichem Gehalt an Urobilin ist die saure Lösung dunkler als 
die neutrale, und diese dunkler als die alkalische; mit der Änderung 
der Reaktion tritt im Sinne der Färbungsintensität auch ein Wechsel des 
Farbentons ein. 



1 ) Deniges, Journ. de pharm, et de chimie [6] 5. 395; Chem. Zentralbl. 
1897. 1. 1128. — Th. Bogomolow, Petersb. med. Wochenschr. 16. 1892; Jahres- 
ber. f. Tierch. 1892. 536. 

2 ) Salkowski, Berliner klin. Wochenschr. 34. 17. 1897. 353; Chem. Zentral- 
blatt 1. 1133. 1897. 



1382 Schulz, Farbstoffe. 



Die Lösung des von Saillet aus dem Chromogen dargestellten a-Urobilins 
in neutralem oder saurem Wasser ist rötlichgelb, in Chloroform dunkel rosenrot, 
in angesäuertem Essig- oder Schwefeläther fast rein gelb, in neutralem oder an- 
gesäuertem Zustand aber immer stärker rötlichgelb, als gelber normaler Harn. 
Die Lösung in Kaliumhydrat, in Natriumhydrat und in schwachem Ammoniak 
ist anfangs grünlichgelb, geht aber schnell in das Rotgelb der neutralen oder sauren 
Lösung über; die schwach ammoniakalische Lösung ist rötlich mit grüner Fluores- 
cenz, die stark ammoniakalische lichtgelb und ohne Fluorescenz. Die Lösungen 
in neutralem oder saurem Wasser besitzen keine Fluorescenz; die Lösungen in 
Essigäther, in Schwefeläther und in Alkohol fluores eieren schön grün, auch 
noch in Gegenwart von sehr wenig Essigsäure, ferner in schwach ammoniakalischer 
wässeriger Lösung, namentlich auf Zusatz von Chlorzink. Die Fluorescenz erhält 
man am besten, wenn man zu einer Lösung des Farbstoffs in reinem Alkohol 
oder in sehr schwach ammoniakalischem oder sehr schwach essigsaurem Alkohol 
eine Spur Chlorzink zusetzt. Im durchfallenden Licht ist eine solche Lösung röt- 
lich, erhitzt man sie bis zum Kochen, so bleibt die rote Färbung, die Fluorescenz 
jedoch verschwindet und kehrt beim Erkalten wieder. 

Die Lösungen des /3-Urobilins sind gelbrosa, stärker rosa in neutraler oder 
saurer Lösung, stärker gelb in alkalischer Lösung. Keine der Lösungen fluoresciert, 
auch nicht auf Zusatz von Chlorzink, die suspendierten Flocken des aus seiner 
Lösung abgeschiedenen Farbstoffes fluorescieren dagegen grün. 

Die Fluorescenz kann auch durch Calciumsalze und durch Chlorbarium 
hervorgerufen werden, jedoch viel weniger gut, als durch Zinksalze; Salze der 
Magnesia, der Tonerde, des Cadmiums u. a. sind in dieser Hinsicht unwirksam 
(Jaffe). 

Gegenwart fremder Farbstoffe kann nach Hammarsten 1 ) das Auftreten 
der Fluorescenz verhindern. 

Die Metallsalze besitzen häufig eine andere Farbe, als das Alkali- 
salz, aus dem sie entstanden sind. 

Das Quecksilbersalz ist vor allem unterschieden durch die schön rosenrote 
Farbe seiner Lösungen, auch bei hoher Konzentration dieser (A. Schmidt). 
Kupferoxydsalze rufen auf Zusatz zur alkalischen Lösung nach Bogomolow, 
nach Deniges, sowie nach Salkowski 2 ) eine der Biuretreaktion ähnliche rote 
oder violette Färbung hervor, und ebenso verhalten sich nach Deniges auch die 
Nickel- und Kobaltsalze. Die Lösung des Kupfersalzes in Chloroform ist nach 
Bogomolow carminrot. Magnesia- und Cadmiumsalze, Kupferchlorür, die Ferro-, 
Ferri- und Manganosalze sind nach Deniges ohne Einfluss auf die Farbe. Diese 
Eigenschaft kommt also nur solchen Metallen zu, welche mit Ammoniak leicht 
Doppelsalze oder beständige aminartige Verbindungen bilden. 

Die schön rote Färbung, welche eine schwache alkalische Lösung von Uro- 
bilin in Natronlauge beim Schütteln mit Kalomel annimmt, rührt nicht, wie 
Zawadzki angibt, von Urorosein, sondern nach Garrod und Hopkins 3 ) von 
der Quecksilberverbindung des Urobilins her. 

Die rote Farbe hängt nach Garrod und Hopkins 4 ) davon ab, ob im 
Spektrum Blau und Violett sichtbar sind und wieweit das Absorptionsband nach 
Rot zu gerückt ist (Grün verdeckt). Eine Lösung in (alkoholfreiem) Bromoform 
erscheint noch bei höherer Konzentration rot, als eine in (alkoholfreiem) Chloroform, 
eine Chloroformlösung bei stärkerer Konzentration noch rot als eine in saurem 

x ) Hammarsten, Skandinav. Archiv 3. 330. 1902. 

2 ) A. Schmidt, Verhandl. des XIII. Kongresses f. inn. Med. 1895. 320. — 
Bogomolow a. a. O. — Deniges a. a. O. — Salkowski a. a. O. 

3 ) J. Zawadzki, Archiv f. exper. Pathol. 28. 451. 1891. — Garrod und 
Hopkins, a. a. O. 128. 

4 ) Garrod und Hopkins a. a. 0. 124 u. 129. 



Urobilin; Eigenschaften. 1383 



Alkohol. Der linke Rand des Bandes liegt bei der Bromoformlösung aber weiter 
nach Rot zu als bei der Chloroformlösung und bei dieser weiter nach Rot zu als bei 
der alkoholischen. Bei der Quecksilberverbindung ist der Absorptionsstreifen 
weit nach Rot gerückt. 

4. Die Spektren. 

a) Das saure Spektrum (s. Tafel, Spektr. 4 a). Die saure alkoho- 
lische Lösung des Urobilins zeigt ebenso wie die Lösungen in neu- 
tralen Lösungsmitteln (Alkohol, Chloroform) einen breiten Absorptions- 
streifen y, welcher mit dem linken Rande fast bis b reicht, mit dem 
rechten Rand F überragt. Der Streifen erstreckt sich etwa von X 508 
bis 455. Bei starker Verdünnung ist nur ein schmales Band auf der 
F-linie sichtbar. An der dem Rot zugekehrten linken Seite ist der 
Streifen schärfer begrenzt als an der dem Violett zugewendeten rechten; 
bei stärkerer Konzentration geht der rechte Rand gleichmässig in die vom 
violetten Ende hereinragende Verdunkelung über, und nur im Sonnen- 
licht schimmert das Blau noch durch und der linke Rand überschreitet b. 
Mit zunehmender Verdünnung verkürzt sich das Band namentlich auf der 
rechten Seite, das Blau wird deutlicher. Der Streifen befindet sich 
fast an derselben Stelle wie der Streifen des Choletelins in saurer 
Lösung, ferner wie ß des Uroerythrins und y des Bilicyanins in saurer 
Lösung. In 'verdünnten Lösungen verschwindet der Streifen auf Zusatz 
von Ammoniak oder Lauge bis zur alkalischen Reaktion. 

Hydrobilirubin hat dasselbe Spektrum. 

Charnas 1 ) machte die Beobachtung, dass die beiden Modifikationen des 
Urobilinspektrums unabhängig von der Reaktion auftreten können. Der frische 
Harn zeigte z. B. bei starker Verdünnung das Spektrum der sauren Urobilin- 
modifikation. Beim Aussalzen mit Aminoniumsulfat war nach der vierten Aus- 
salzung, trotzdem das Ammoniumsulfat neutral war, das Spektrum des alkalischen 
Urobilins vorhanden. Beim fünften Aussalzen stellte sich das saure Spektrum 
wieder her, um beim ersten Aufnehmen mit Alkohol wieder in die alkalische Form 
überzugehen. Die alkalische Lösung erschien rosa und nach 20 facher Verdünnung 
mit Wasser gelb und zeigte nunmehr ein doppeltes Spektrum (zwei Streifen bei 
A = 486 — 501 ftp und bei 510 — 518 pp). Wurde jetzt mit)Essigsäure angesäuert, 
so wurde der saure Streifen stärker und der alkalische schwächer, um schliesslich 
ganz zu verschwinden. 

b) Das metallische (alkalische) Spektrum. In konzentrierten 
alkalischen Lösungen ist der weiter nach Rot zu liegende, an b 
grenzende, an den Rändern verwaschene Streifen b sichtbar. Die 
ammoniakalische Lösung zeigt ihn nur, wenn sie arm an Ammoniak 
oder reich an Farbstoff ;ist. Der Streifen gehört den Metall Verbin- 
dungen des Urobilins an; er erscheint auch, zugleich mit der Fluo- 
rescenz, auf Zusatz einer alkalischen Chlorzinklösung zu einer (sauren 
oder neutralen) alkoholischen Urobilinlösung. Er besitzt dieselbe Lage 
wie der Streifen der Zinkverbindung des Choletelins und wie y des 



2 ) D. Charnas, Biochem. Zeitschr. 20. 401. 1909. 



1384 Schulz, Farbstoffe. 



Bilicyanins in alkalischer Lösung. Beim Ansäuern tritt der Streifen y 
an seine Stelle (s. Tafel I, Spektr. 4 b). 

Hydro bilirubin hat dasselbe Spektrum. 

Die Cadmiumverbindung zeigt das Band nicht (Jaffe), die Quecksilber- 
verbindung nach Garrod und Hopkins *) ein mit dem linken Rande an E grenzen- 
des Band, das Silbersalz nur einen breiten verwaschenen Schatten in der Gegend 
von ö. Der Streifen der Kupferverbindung in wässeriger Lösung ist schlecht 
begrenzt (Salkowski), ihre Lösung in Chloroform gibt aber ein scharfes Band 
auf E (Bogomolow). In schwach alkalischer, fast neutraler Lösung können 
beide Bänder zugleich auftreten (Garrod und Hopkins); da sie sich mit ihren 
Rändern decken, so scheint es, als ob y bis über b reiche. 

Bei dem a-Urobilin Saillets 2 ) liegt <5 als schmaler verwaschener, nicht so 
dunkler Streifen als y zwischen b und F, näher an b als an F; seine Mitte ent- 
spricht X 505. Das Band ist sichtbar in allen fluorescierenden Lösungen (in schwach 
ammoniakalischen Lösungen, in den Lösungen in reinem Essig- und Schwefeläther 
und in reinem Alkohol), aber auch in den nicht fluorescierenden mit Kalium- oder 
Natriumhydrat hergestellten Lösungen. Auf Zusatz von Zinksalz wird es sehr 
deutlich. In der mit Chlorzink versetzten alkoholischen Lösung verschwindet es 
nicht bei sehr geringem Zusatz von Essigsäure. Stark ammoniakalische Lösung 
zeigt das Band nicht. Um diesen Streifen und zugleich die Fluorescenz hervor- 
zurufen, muss das Urobilin möglichst rein und darf nicht mit Reagentien behandelt 
sein. Beim Erwärmen verschwinden Band und Fluorescenz, beim Erkalten treten 
beide wieder auf. 

Das /?-Urobilin zeigt in der Lösung in Chloroform, in Wasser, Alkohol, 
angesäuertem Schwefel- oder Essigäther, Alkalien ein namentlich links gut be- 
grenztes, mit dem linken Bande auf b aufliegendes Band, dessen Mitte Ä 535 ent- 
spricht. Es hat die Lage wie 6 im Spektrum 4 b. 

c) Das Spektrum des freien Urobilins, das E - B a n d von 
Garrod und Hopkins 3 ). Wenn man eine konzentrierte Lösung von 
Urobilin in sehr schwacher Natron- oder Kalilauge mit Schwefelsäure 
vorsichtig ansäuert, so trübt sich die Flüssigkeit schwach und zeigt 
dann neben y ein gut begrenztes Band, gerade auf E zwischen X 535 
und 522. Es ist etwas schmäler als b und durch einen Schatten mit y 
verbunden. Gelingt es durch wiederholtes Filtrieren eine klare Lösung 
zu erhalten, so weist diese nur y auf, der schön rote, amorphe Nieder- 
schlag auf dem Filter aber das E-Band. Die alkoholische Lösung des 
Niederschlags zeigt y. Hydro bilirubin zeigt das E-Band nicht. 

Ein Überschuss an Säure bringt das Band zum Verschwinden, ebenso Er- 
wärmen, wobei Lösung eintritt; beim Erkalten erscheint das Band nicht wieder. 
In schwach alkalischer Lösung ist der Streifen nicht zu sehen. ■ — Das Urobilin 
muss schon nahezu rein und darf noch nicht verändert sein, wenn der Streifen 
zu Gesicht kommen soll; enthält die Lösung farblose Substanzen, welche durch 
Säure abgeschieden werden, so schlagen diese das Urobilin mit nieder und das 
E-Band ist dann nicht sichtbar. 

Das mit Säure aus seiner alkalischen Lösung gefällte /?-Urobilin Saillets 
gibt, in Wasser suspendiert, einen dunklen verwaschenen Streifen, links von E 
an E grenzend, dessen Mitte bei Ä 535 liegt. 



x ) Garrod und Hopkins, a. a. O. 128. 

2 ) Saillet, a. a. O. 120. 

3 ) Garrod und Hopkins, a. a. O. 125 u. 139. 



J 



Urobilin; Spektrum. 11^85 



Nach Salkowski gibt eine neutrale alkoholische Lösung von (nach C. IV. 
gewonnenem) Urobilin mit 7 mg Substanz in 100 ccm (im Reagenzglas von ungefähr 
16 mm Durchmesser) einen ausserordentlich starken, schwarzen Absorptionsstreifen, 
eine Lösung mit 3 mg in 100 ccm noch einen ziemlich starken Streifen. Natron- 
lauge bringt diesen zum Verschwinden. Auf Zusatz von Kupfersulfat wird die 
alkalische Lösung rosenrot und zeigt einen undeutlich begrenzten Streifen, auf 
Zusatz von Chlorzink den dafür charakteristischen Streifen. — Nach Saillet x ) 
ist v kaum noch sichtbar in einer 15 mm dicken Schicht einer Lösung, welche 1 mg 
a-Urobilin in 22 ccm enthält (d. i. bei 10 mm dicker Schicht 6,82 mg in 100 ccm). 

Nicht selten nimmt man an neutralen Lösungen des aus Harn dargestellten 
Urobilins einen Schatten wahr, welcher sich an die dem Rot zugekehrte Seite des 
Bandes anschliesst und sich allmählich gegen das Gelb hin verliert. Er rührt 
von Indigrot her, wenn der den Schatten veranlassende Farbstoff beim Schütteln 
der Chloroformlösung mit Ammoniak nicht in dieses übergeht. Manchmal treten 
in diesem Schatten und im Rot die Streifen des alkalischen Hämatoporphyrins 
auf und zuweilen kann man solchen Lösungen in Chloroform durch Schütteln 
mit saurem Wasser Hämatoporphyrin entziehen. 

Auch das Spektrum des Uroroseins und das des Uroerythrins kann nach 
Garrod und Hopkins neben dem Urobilinband sichtbar werden. Ammonsulfat 
fällt Uroerythrin mit der Harnsäure, sowie das Chromogen des Uroroseins. 

5. Aus Urobilinogen durch Einwirkung des Lichtes hergestelltes 
reinstes Urobilin zeigte ein Absorptionsverhältnis A = 0,000017 (siehe 
S. 1404). Es übertrifft also das Hydrobilirubin von Maly an Färbe- 
kraft um etwa das Dreifache (C h a r n a s s). 

Von zwei zu vergleichenden Urobilinpräparaten wird dasjenige als 
das reinere anzusehen sein, welches ein grösseres Extinktionsvermögen 
und somit das kleinere Absorptionsverhältnis besitzt. 

6. Das Urobilin erleidet leicht Veränderungen. Es kann zwar 
nach J a f f e mit verdünnten Alkalien oder verdünnten, nicht oxydieren- 
den Säuren gekocht werden, ohne die beschriebenen optischen Eigen- 
schaften zu verlieren. Oxydationsmittel und reduzierende Substanzen 
verändern, es aber leicht. 

Nach Saillet dagegen wird das aus dem Chromogen dargestellte a-Urobilin 
sehr leicht durch Alkalien in der Wärme, selbst in der Kälte in das /?-Urobilin 
übergeführt. Am besten geschieht diese Umwandlung, wenn man eine Lösung 
von a-Urobilin in Ammoniakwasser um % einkocht; Essigäther entzieht der 
schwach angesäuerten Flüssigkeit das /?-Urobilin, die mit in Lösung gegangenen 
Spuren a-Urobilin können durch Waschen mit Wasser entfernt werden. Es wird 
durch selbst verdünnte Säuren wieder in a-Urobilin zurückverwandelt, weicht 
aber in seinen Eigenschaften von dem gewöhnlich als Verbindung des Urobilins 
mit den Alkalien beschriebenen Produkt ab. 

Beim Verdunsten einer wässerigen ätherhaltigen Lösung in der Wärme 
erfährt das Urobilin nach Garrod und Hopkins eine merkliche Oxydation. Beim 
Eindampfen seiner Lösungen in Chloroform färbt es sich dunkler und löst sich 
danach nicht mehr vollständig in Alkohol. Durch Salpetersäure färbt es sich 
nicht, wie das Bilirubin, grün, sondern wird gebleicht, namentlich wenn man es 
nach Zoja in Gegenwart von viel Mineralsäure mit wenig rauchender Salpeter- 
säure erwärmt. Wasserstoffsuperoxyd bringt nach Garrod und Hopkins den 



x ) Salkowski, Berliner klin. Wochenschr. 34. 17. 1897. 355 und briefliche 
Mitteilung. — Saillet, a. a. O. 125. 



1386 Schulz, Farbstoffe. 



Farbstoff gleichfalls zum Verschwinden, wenn auch langsamer, als die Salpeter- 
säure. Bromwasser entfärbt seine wässerig-alkoholische Lösung unter Abscheidung 
gelb weisser Flocken; verdünnte Salzsäure und Kaliumchlorat bleicht die Lösung 
des a-Urobilins nach Saillet x ) schnell. Nach Mehu, sowie nach Rabuteau 
wird Kupferoxyd in alkalischer Lösung durch Urobilin zu Kupferoxydul reduziert. 

Bei vorsichtiger Oxydation mit Permanganat liefert das Urobilin nach Riva 2 ) 
einen dem Urochrom sehr ähnlichen, gelben Farbstoff, welcher sich in Wasser, 
Alkohol, Chloroform und in Phenol löst, aber nicht in Äther, und dessen Lösungen 
keinen Absorptionsstreifen aufweisen. 

Nach Salkowski 3 ) enthält urobilinhaltiger Harn nach 2 stündigem Erhitzen 
in strömendem Wasserdampf kein Urobilin mehr, sondern ein gefärbtes Umwand- 
lungsprodukt. Diese Angabe bestätigt Fromholdt. Es Hess sich weder direkt 
noch nach dem Ausschütteln mit Amylalkohol Urobilin nachweisen. Dagegen 
änderten reine Lösungen von Urobilin bei einer solchen Beschaffenheit ihr Ver- 
halten nicht. — Mitunter (namentlich bei Inanition) kommen dunkle Harne 
vor, die kein Urobilin enthalten; vielleicht handelt es sich hier auch um das 
erwähnte Umwandlungsprodukt. (Salkowski.) 

7. Es gelingt nach Charnas 4 ) in einfacher Weise, das Urobilin 
des Harns quantitativ in Urobilinogen umzuwandeln, indem man den 
Harn 24 Stunden im Brütofen der alkalischen Gärung überlässt. Es 
genügt, die native sauere Reaktion des Harns durch Ammoniumcarbonat 
abzustumpfen. In urobilinfreien Harnen kommt es bei der Gärung nie- 
mals zur Bildung von Urobilinogen, auch nicht bei Gegenwart von 
Gallenfarbstoffen. Das Urobilinogen verschwindet auch bei monate- 
langer Gärung nicht aus dem Harn. — Selbst in urobilinreichen be- 
wirkt die Umwandlung dieses Farbstoffes keine Aufheilung. Es scheint 
durch die Neubildung anderer dunkelgefärbter Stoffe dieselbe verdeckt 
zu werden. 

Versuche, auf chemischem Wege das Urobilin zu reduzieren, führten 
nicht zu befriedigenden Ergebnissen, vor jallem weil sich eine Über- 
reduktion, d. h. eine Zerstörung des gebildeten Urobilinogen, nicht 
vermeiden Hess (Charna s). Dies tritt ein bei direkter Reduktion 
des urobilinhaltigen Harnes mit Zink und Salzsäure. — Besser verlief 
die Reduktion des mit Ammonsulfat isolierten Urobilin mit Zinkstaub 
und Essigsäure, aber auch nicht quantitativ. — Hydrazinsulfat, sowie 
schwefelige Säure waren unbrauchbar. — Mit Jodwasserstoffsäure, mit 
Jodphosphonium, beim Eintragen von Natrium in die alkoholische 
Lösung von Bilirubin waren ebenfalls die Resultate unbefriedigend. Am 
besten wirkte noch eine Reduktion einer mit Bicarbonat hergestellten 
Urobilinlösung mit Natriumamalgam unter Durchleitung eines Kohlen- 
säurestromes (Charnas). 



x ) Garrod und Hopkins, a. a. O. 121. ■ — Saillet, a. a. 0. 122. 

2 ) A. Riva, Gaz. med. di Torino 47. Nr. 12. 1896. 

3 ) E. Salkowski, Virchows Archiv 109. 358. 1887. — G. Fromholdt, 
Zeitschr. f. physiol. Ch. 53. 347. 1907. 

4 ) D. Charnas, Biochem. Zeitschr. 20. 401. 1909. 






Urobilin; Eigenschaften 1387 



Durch Xatriurnanialgam, noch schneller aber durch Zinn und Salzsäure, 
werden Urobilinlösungen entfärbt (Disque), an der Luft kehren aber die Farben 
und das Absorptionsband zurück. Bei der Fäulnis oder der Verschimmelung 
seiner Lösungen wird das Urobilin nur langsam zerstört. Aus Harn verschwindet 
es nach Salkowski beim Aufbewahren desselben, ohne dass dieser seine Farbe 
verliert. Hoppe-Seyler 1 ) machte die Beobachtung, dass Urobilin im Harn bei 
der Reduktion durch Fäulnis und nachherige Oxydation an der Luft einen 
(anderen) braunen Farbstoff bildet. 

8. Eine neutrale oder alkalische Urobilinlösung nimmt auf Zusatz 
von (wenig) Kupfersulfat nach Salkowski eine der Biuretreaktion 
ähnliche rosenrote oder violette Färbung an (B. 3). 

Auch Bogomolow beschreibt diese Reaktion. Nach S t o k v i s 2 ) 
ist positive Reaktion im Menschenharn im allgemeinen auf das Bili- 
rubin zurückzuführen. 

C. Darstellung. Für die Reinheit des Präparates ist mass- 
gebend, dass es keine andere spektrale Absorption darbietet als das 
typische Band. Für die Darstellung sind folgende Verfahrungsweisen 
befolgt worden. 



I. Durch Sättigen mit Ammonsulfat. 

1. Sättigt man Harn mit Ammonsulfat, so fällt neben dem Uro- 
bilin das in jedem Harn enthaltene Hämatoporphyrin gleichfalls aus und 
geht bei der späteren Behandlung des Niederschlages mit in Lösung. 
Garrod fällt bei seinem Verfahren zum Nachweis des Hämatopor- 
phyrins diesen Farbstoff vor dem Urobilin durch einen reichlichen Zusatz 
von Natron- oder Kalilauge; allein dieses Verfahren gestattet, wie 
Huppert sich oft überzeugte, keine scharfe Trennung beider Farbstoffe ; 
es bleibt in der Regel etwas Hämatoporphyrin in Lösung. Vollständiger 
erfolgt die Abscheidung des Hämatoporphyrins, wenn man, wie F r. 
Müller 3 ) zur Entfernung von Gallenfarbstoff aus dem Harn vorschlug, 
den Harn mit einer alkalischen Chlorbariumlösung ausfällt. Dabei wird 
zugleich die Harnsäure entfernt, welche bei der nachträglichen Sättigung 
mit Ammonsulfat in den Niederschlag übergehen würde. Aus dem 
Filtrat wird der überschüssige Baryt am besten durch konzentrierte 
Natriumsulfatlösung |entfernt, die Flüssigkeit mit Schwefelsäure nahezu 
neutralisiert und, nach abermaligem Filtrieren, mit Ammonsulfat ge- 
sättigt. 



x ) L. Disque, Zeitschr. f. physiol. Ch. 2. 259. 1878. — Salkowski, Virchows 
Archiv 109. 361. 1887. — F. Hoppe-Seyler, Zeitschr. f. physiol. Ch. 15. 186. 1891. 

2 ) Bogomolow, Petersb. med. Wochenschr. 1892. Nr. 16. — H. B. J. 
Stokvis, Zeitschr. f. Biol. 34. 466. 1897. 

3 ) Fr. Müller, bei D. Gerhardt, a. a. O. und briefliche Mitteilung an 
Huppert. 

Neubauer-Huppert, Analyse des Hains. 11. Anfl. 88 



1388 Schulz, Farbstoffe. 



Der flockige, bei saurer Reaktion der Flüssigkeit dunkelbraune, 
bei alkalischer Reaktion ledergelbe Niederschlag wird auf einem Falten- 
filter gesammelt, mit gesättigter Ammonsulfatlösung einmal Übergossen 
und nachdem er lufttrocken geworden ist, nach Zusatz von verdünnter 
Schwefelsäure mit Alkohol oder, nach Müller, besser mit einer 
Mischung von 1 Vol. Äther und 2 Vol. Alkohol (in der Wärme) aus- 
gezogen. Ohne Zusatz von Säure löst sich noch wenig Farbstoff. Die 
Extraktion erfolgt ebensogut in der Kälte, aber langsam. Aus dieser 
Lösung kann man das Urobilin in Chloroform überführen, wenn man in 
ihr Chloroform auflöst und die Mischung in einem Scheidetrichter mit 
ungefähr dem doppelten Volumen Wasser schüttelt. Das Chloroform 
setzt sich nach einiger Zeit ab und kann abgelassen werden. Dem Chloro- 
form lässt sich das Urobilin durch Schütteln mit ammoniakalisehem 
Wasser entziehen, wobei zu beachten ist, dass bei Gegenwart von viel 
Ammoniak leicht eine sich nur sehr langsam in ihre Bestandteile schei- 
dende Emulsion entsteht. Die Behandlung der Chloroformlösung mit 
Ammoniak darf auch darum nicht unterbleiben, weil sie eine Trennung 
des Urobilins vom Indigrot bewirkt, welches nach Hupperts Erfahrung 
das Urobilin öfter begleitet; das Indigrot bleibt in der Lösung. Aus 
der ammoniakalischen Lösung lässt sich das Ammoniak in der Wärme 
vertreiben. Das Verfahren ist mit einigem Verlust verbunden, weil es 
nicht gelingt, den Farbstoff vollständig aus einer Lösung in die andere 
überzuführen. Ein Vorwurf, welchen man dem Verfahren machen kann, 
ist, dass durch das Ammonsulfat auch das Urobilinogen gefällt wird; 
wie weit dieser Umstand von Bedeutung ist, bleibt noch zu ermitteln. 

Zum Ausfällen des Harnes verwendet man nach Fr. Müller auf 100 ccm 
Harn 30 ccm einer Mischung von 1 Volumen gesättigter Chlorbariumlösung und 
2 Volumen gesättigtem Barytwasser. Gleichfalls nach Müller ist Baryt das ge- 
eignetste Mittel für die Trennung des Urobilins von den Gallenfarbstoffen. Kalk 
ist weniger zuverlässig, Bariumhydrat zuverlässiger als die Barytmischung. Nur 
bei grösseren Mengen von Gallenfarbstoff ist die einmalige Fällung ungenügend; 
man kann sie dann nach Zusatz von etwas phosphorsaurem oder schwefelsaurem 
Salz wiederholen. 

Die Menge Urobilin, welche im Barytsalze zurückbleibt, ist für die einfache 
Darstellung des Farbstoffes belanglos. Auch bei häufigem Auskochen desselben 
mit Wasser gehen noch kleine Mengen von Farbstoff in Lösung und wird der 
Niederschlag nicht entfärbt. Durch Behandeln eines so gereinigten Niederschlages 
(aus gallenfarbstofffreiem Harn) mit Natriumcarbonatlösung lässt sich ihm manch- 
mal Hämatoporphyrin entziehen (Huppert). 

In 100 ccm Harn lösen sich 75 g Ammonsulfat nicht ganz. Die Sättigung 
wird schneller erreicht, wenn man das Salz feingepulvert anwendet. Um die 
Lösung zu beschleunigen, muss man fleissig rühren oder das Salz mit dem Filtrat 
in einer Flasche schütteln. Erwärmen der Flüssigkeit auf 30 — 40° scheint für 
das Produkt nicht nachteilig zu sein; man darf dann aber erst nach dem Erkalten 
filtrieren, weil sich sonst das Filter durch auskrystallisierendes Ammonsulfat ver- 
stopft. — Ammonsulfat reagiert infolge der Gegenwart von freier Säure sauer, 
und beim Auflösen des Salzes in dem Harnfiltrat nimmt dieses saure Reaktion 
an; will man das vermeiden, so fügt man noch etwas Ammoniak zu. 



Urobilin; Darstellung. 1389 



Schon von Mehu ist empfohlen worden, dem Harn vor dem Salzzusatz 
1 — 2 g Schwefelsäure auf das Liter hinzuzufügen. Wiewohl nach Fr. Müllers 
vergleichenden Versuchen ein grösserer oder geringerer Zusatz von Schwefelsäure 
zu dem Harnfiltrat nichts schadet, so unterlässt man doch besser das Ansäuern 
deshalb, weil es für die Darstellung des Urobilins überflüssig ist und weil der ge- 
wöhnliche Farbstoff des Harns, das Urochrom, durch Säuren zu braunem Farbstoff 
zersetzt wird. 

Aus dem völlig trockenen Niederschlag gewinnt man nach Müller beim 
Auskochen mit Ätheralkohol nicht so viel Urobilin. als wenn er noch feucht ist. 
Ein dreimaliges Auskochen genügt, doch wird das rückständige Salz auch bei oft 
wiederholter Extraktion nicht farblos erhalten. Die Lösung zeigt auch in dicker 
Schicht nur den Urobilinstreifen. Die Menge der Säure im Ätheralkohol ist ohne 
Einfluss. 

Die Lösung des Urobilins in Chloroform durch Erwärmen zu verdunsten, ist 
nicht rätlich, weil das Urobilin dabei seine Eigenschaften verändert. 

Eine neutrale Urobilinlösung erhält man, statt (wie nach der oben gegebenen 
Vorschrift) einer sauren, wenn man nacli Eich holz 1 ) den Harn direkt, unter 
Zusatz von Ammoniak, mit Ammonsulfat sättigt, den abfiltrierten Niederschlag 
so lang an der Luft liegen lässt, bis das Ammoniak entwichen ist, und ihn dann, 
ohne Zusatz von Säure, mit absolutem Alkohol auszieht. Es löst sich dann aber 
viel weniger Farbstoff, als bei der Extraktion mit saurem Alkohol, und es geht 
dann auch Hämatoporphyrin in Lösung, was sich namentlich dann störend be- 
merklich macht, wenn der Harn reich an diesem Farbstoff ist. 

2. Garrod und Hopkins 2 ) verfahren zur Darstellung des Uro- 
bilins jn folgender Weise. 

Es t wird zuerst die Harnsäure aus dem Harn durch Sättigen des- 
selben mit Salmiak entfernt, wobei höchstens aus urobilinreichem Harn 
etwas Urobilin mechanisch mit niedergerissen, aber keines wirklich ge- 
fällt wird. Löst man dann im Filtrat Ammonsulfat, so entsteht beim 
Stehen ein Niederschlag von Urobilin in reinerem Zustande, als bei 
direkter Sättigung des Harns mit dem Sulfat. Wasser nimmt aus dem 
Niederschlag Urobilin zwar nicht besonders leicht auf, aber doch besser 
als andere Farbstoffe. Der Niederschlag wird demgemäss abfiltriert und, 
nachdem er trocken geworden ist, mit grossen Mengen Wasser aus 
gezogen, die Lösung mit Ammonsulfat gesättigt und das Verfahren so oft 
wiederholt, als man glaubt, dass es nötig ist. Diese Niederschläge 
werden .getrocknet und mit absolutem Alkohol ausgezogen. 

Steht das Urobilin in genügenden Mengen zur Verfügung, so ist 
es zweckmässiger, den zweiten und dritten Niederschlag in der gerade 
genügenden Menge verdünnten Ammoniaks zu lösen und die so erhaltene 
konzentrierte Lösung mit Schwefelsäure ganz wenig anzusäuern, wo- 
durch der grösste Teil des Urobilins als ein amorphes, braunrotes Pulver 
gefällt wird. 

Der Niederschlag wird besser durch die Zentrifuge als durch Fil- 
trieren von der Flüssigkeit getrennt, mit einer kleinen Menge gesättigter 



!) Eichholz, a. a. O. 329. 

2 ) A. E. Garrod und F. G. Hopkins, Journ. of Physiol. 20. 118. 1896. 

88* 



1390 Schulz, Farbstoffe. 



Ammonsulfatlösung jgewaschen, wieder abzentrifugiert und vom Ammon- 

sulfat durch wiederholtes Auflösen in absolutem Alkohol befreit. 

Bas Verfahren ist nur dann vorteilhaft, wenn urobilinreicher Harn ver- 
wendet wird (Harn, welcher für sich das Urobilinband zeigt). 

II. Durch Fällen mit Metallsalzen. 

1. Mac Munn u. a. fällen den Harn mit den Bleiacetaten und 
ziehen den Niederschlag mit angesäuertem Alkohol aus. Die Bleisalze 
schlagen aber, wie schon aus der fast vollständigen Entfärbung des 
Harns zu ersehen ist, auch andere Farbstoffe nieder und die alkoholische 
Lösung enthält keineswegs bloss Urobilin. 

2. Das erste von J a f f e angegebene Verfahren zur Darstellung von 
Urobilin beruht auf der Anwendung von Zinksalz als Fällungsmittel. 
Es ist schwer ausführbar und die Ausbeute sehr gering, liefert aber 
nach Garrod und Hopkins 1 ) ein reines Präparat. 

Urobilinreicher Harn (Fieberharn) wird mit Ammoniak in nicht zu 
geringem Überschuss versetzt und das Filtrat mit konzentrierter wässeriger oder 
alkoholischer Chlorzinklösung ausgefällt. Ist das Filtrat von diesem Niederschlag 
noch sehr gefärbt, so vervollständigt man die Fällung durch Zusatz von noch etwas 
Ammoniak. Bei gelungener Fällung reagiert die Flüssigkeit schwach alkalisch. 
Die voluminösen, meist roten oder rotbraunen Niederschläge werden erst mit 
kaltem, dann mit heissem Wasser chlorfrei gewaschen, dann mit Alkohol ausgekocht, 
in gelinder Wärme völlig getrocknet, gepulvert, in Ammoniak gelöst, wobei ein 
geringer Rückstand bleibt, die Lösung mit Bleizucker gefällt und der meist intensiv 
rote Niederschlag mit Wasser gewaschen, bis Farbstoff in Lösung zu gehen beginnt. 
Man digeriert alsdann den Niederschlag mit schwefelsäurehaltigem Alkohol, setzt 
dem Auszug das halbe Volumen Chloroform und viel Wasser zu und schüttelt 
wiederholt kräftig. Das von der Flüssigkeit getrennte Chloroform wird ein- bis 
zweimal mit nur wenig Wasser gewaschen, wobei etwas Farbstoff in Lösung geht, 
und das Chloroform endlich abdestilliert. 

Gegen die Reinheit des Präparates ist von Es off eingewendet worden, 
dass ihm Äther eine bedeutende Menge rötlicher Substanz entziehe; nach Garrod 
und Hopkins 2 ) ist aber der in ätherische Lösung gehende Farbstoff nichts anderes 
als Urobilin selbst. 

III. Durch Extraktion. 
1. Nach Garrod und Hopkins. 

G a r r o d und Hopkins 3 ) haben ein Verfahren angegeben, welches 
darauf beruht, dass dem Harn durch gewisse Lösungsmittel, besonders 
durch Chloroform, das Urobilin entzogen werden kann. Die Extraktion 
wird aber vollkommener, wenn man den Harn vorher bis zur deutlich 



x ) Garrod und Hopkins, a. a. O. 115. 

2 ) J. Esoff, Pflügers Archiv 12. 50. 1873. — Garrod und Hopkins, 
a. a. O. 116. 

3 ) Garrod und Hopkins, a. a. 0. 120. 



Urobilin; Darstellung. 1391 



sauren Reaktion mit Schwefelsäure versetzt und ihn mit Ammonsulfat 
sättigt. 

Sättigte man den Harn direkt mit Ammonsulfat, so fiele mit dem Ammon- 
urat ein Teil des Urobilins aus, welches nicht in das Lösungsmittel überginge; der 
Harn wird demgemäss vorher durch Sättigen mit Salmiak von der Harnsäure 
befreit. Dabei hat man noch den Vorteil, dass mit dem Ammonuratniederschlag 
Farbstoffe imd Chromogene mit ausfallen, welche sonst in das Lösungsmittel über- 
gehen würden. 

Der Harn wird also erst mit Chlorammon gesättigt, das Filtrat mit Schwefel- 
säure angesäuert, mit Ammonsulfat gesättigt und dann in einem geräumigen 
Scheidetrichter mit dem gleichen Volumen einer Mischung von 1 Volumen Chloro- 
form und 2 Volumen Äther geschüttelt. Diese Mischung nimmt zwar das Urobilin 
nicht so leicht auf, als reines Chloroform, aber sie ist diesem vorzuziehen, weil 
weniger fremde Substanz in Lösung geht. Die obenauf schwimmende Mischung 
von Äther und Chloroform wird mit Wasser geschüttelt und gibt dabei den Farb- 
stoff sofort an das Wasser ab, leichter noch, wenn dem Wasser eine Spur Alkali 
zugesetzt war, um etwa vorhandene Säure zu sättigen; denn die in das Wasser 
übergehende Säure erschwert die Aufnahme des Urobilins durch das Wasser. Die 
Mischung von Äther und Chloroform kann noch etwas Farbstoff enthalten, zeigt 
aber das Urobilinband nicht mehr. 

Zu weiterer Reinigung wird die wässerige Lösung wieder mit Ammonsulfat 
gesättigt, schwach angesäuert und mit der Mischung von Chloroform und Äther 
geschüttelt. Vor der Sättigung der Flüssigkeit mit dem Salz muss jedoch der in 
dieselbe übergegangene Äther aus ihr entfernt werden, weil sioh sonst der Äther 
stark gefärbt abscheidet und sich Farbstoff auf der Oberfläche der Flüssigkeit 
und an der Wand des Gefässes absetzt. Die Entfernung des Äthers hat in der 
Kälte mittels eines Luftstromes zu geschehen; beim Abdampfen auf dem Wasser- 
bad würde der Äther eine Oxydation des Urobilins veranlassen. Dieser zweiten 
Lösung in Chloroform -Äther wird das Urobilin durch Schütteln mit einer kleinen 
Menge verdünnten Ammoniaks entzogen, aus der alkalischen Lösung durch An- 
säuern gefällt, durcli Schütteln mit reinem Chloroform in dieses übergeführt und 
das Chloroform verdunstet. Zur Entfernung noch vorhandener Spuren Ammon- 
sulfat wird das Urobilin noch in absolutem Alkohol gelöst. 

Auch dieses Verfahren ist mit Verlusten verbunden und lohnt sich nur bei 
der Verarbeitung von urobilinreichem Harn, solchem, welcher direkt den Urobilin- 
streifen zeigt. 

2. Nach Saillet. 

Saillet 1 ) benutzt Essigäther als Extraktionsmittel und nimmt, 
um die Bildung von Urobilin aus Urobilinogen zu vermeiden, die Ex- 
traktion bei Petroleumlicht vor. Um den Verbranch an Essigäther 
einzuschränken, werden einzelne Anteile Harn nacheinander mit dem- 
selben Essigäther behandelt. 

Der Harn wird auf 100 ccm mit ungefähr 10 Tropfen Eisessig versetzt und 
dann mit einem ihm gleichen Volumen Essigäther geschüttelt. Das grosse Volumen 
Essigäther ist erforderlich, um die Bildung einer Emulsion zu vermeiden. Der 
Äther wird vom Harn getrennt und zur Behandlung einer anderen Harnportion 
verwendet, wobei man nur noch soviel frischen Essigäther zusetzt, als die erste 
Harnportion gelöst hat. Eine nochmalige Extraktion des Harns mit frischem 
Essigäther genügt, um ihm alles Urobilinogen zu entziehen. Der ätherische Auszug 

x ) Saillet, a. a. 0. 118. 



1392 Schulz, Farbstoffe. 



wird mit wenig Wasser gewaschen, das sich nicht färbt, wenn in den Essigäther 
nur Urobilinogen und kein Urobilin übergegangen ist. Dann setzt man den Essig- 
äther der Einwirkung des Sonnenlichtes aus und schüttelt ihn, um ihm das gebildete 
Urobilin zu entziehen, mit wenig Wasser, unter Erneuerung des Wassers, so oft, 
als sich dieses noch färbt. 

Ist eine häufige Behandlung mit Wasser nötig, so setzt man noch etwas 
Essigsäure zu. Das Hämatoporphyrin und andere, unbekannte Farbstoffe, welche 
der Essigäther gleichfalls aufgenommen hat, bleiben dabei in ihm zurück. Die 
so gewonnene wässerige Urobilinlösung wird noch mit Äthyläther geschüttelt und 
ihr dann das Urobilin mit Chloroform entzogen oder in Gegenwart von wenig 
Essigäther zur Aufnahme des Urobilins mit Ammonsulfat gesättigt. Beim Ver- 
dunsten der Lösungsmittel bei Zimmertemperatur bleibt das Urobilin als rosen- 
roter Überzug in dem Gefässe zurück. Zur Erlangung einer einigermassen lohnen- 
den Ausbeute muss man mehrere Liter Harn in Arbeit nehmen. 

Das Verfahren ist nur auf Harn anwendbar, welcher so wenig Eiweiss ent- 
hält, wie normaler; bei stärkerem Eiweissgehalte bildet sich eine sehr beständige 
Emulsion. 

IV. Durch Fällen mit Phosphorwolframsäure. 

Reines Urobilin gibt mit Phosphorwolframsäure (und Salzsäure) 
keinen Niederschlag. In Gegenwart von Substanzen, welche durch Phos- 
phorwolframsäure gefällt werden, wird es jedoch mit abgeschieden. Auf 
diese Eigenschaft gründet Salkowski 1 ) folgendes Verfahren. 

Urobilinreicher Harn wird mit basischem oder neutralem Bleiacetat aus- 
gefällt, der Niederschlag gut ausgewaschen und noch feucht mit Salzsäure von 
1,12 Dichte (100 ccm auf 1 Liter Harn) verrieben. Am nächsten Tage wird filtriert, 
das Filtrat mit Phosphorwolframsäure gefällt ; der Niederschlag wird mit verdünnter 
Schwefelsäure fast ganz chlorfrei gewaschen, in Natronlauge gelöst und aus der 
verdünnten Lösung auf dem Wasserbade Schwefelsäure und Phosphorwolfram- 
säure (unter Erhaltung der alkalischen Reaktion) durch Chlorbarium ausgefällt. 
Das Filtrat lässt man nach Zusatz von Salzsäure bis zum nächsten Tage stehen, 
wobei sich ein Niederschlag bildet, welcher neben anderen braunen Farbstoffen 
oft Urobilin in nicht unerheblicher Menge enthält. Das Filtrat wird mit dem 
halben Volumen Alkohol und dem gleichen Volumen Chloroform geschüttelt und 
das von der übrigen Flüssigkeit getrennte Chloroform mit alkoholhaltigem Wasser 
gewaschen. Beim Waschen mit reinem Wasser geht viel Farbstoff in dieses über. 
Beim Verdunsten hinterlässt das Chloroform einen glänzenden rotbraunen, lack- 
artigen, spröden Rückstand, der einen grünen Reflex besitzt. Salkowski hält 
dieses Urobilin für reiner, als das nach Jaf f e dargestellte. Das Verfahren ist nicht 
einwurfsfrei. Phosphorwolframsäure schlägt das Urochrom nieder und liefert bei 
der Einwirkung von Säuren braune Zersetzungsprodukte. 

Über die Trennung des Urobilins vom Hämatoporphyrin vgl. S. 1343. 

D. Nachweis. 

I. Im Harn direkt. 

1. An Urobilin reicher Harn gibt bei der G m e 1 i n sehen Gallen- 
farbstoff reaktion (s. S. 1355) nur einen braunen Ring. Dieser Ausfall 
der Reaktion beweist zwar die Abwesenheit von Gallenfarbstoff, aber 



x ) Salkowski, Berliner klin. Wochenschr. 34. 17. 1897. 353; Chem. Zentralbl. 
1897. 1. U33. 



Urobilin; Nachweis. 1393 



nichts über die Gegenwart oder das Fehlen des Urobilins. Man muss 
vielmehr versuchen, die Absorptionsstreifen und die Fluorescenz zu 
Gesicht zu bekommen. 

Die Fluorescenz allein lässt sich in urobilinhaltigem Harn dadurch her- 
vorrufen, dass man ihn mit Ammoniak stark alkalisch macht und das Filtrat mit 
wenig Chlorzink versetzt. Dasselbe erreicht man nach Gerhardt x ) ebensogut, 
wenn man dem Harn Jodjodkaliumlösung oder Chlorwasser hinzufügt und ihn 
darauf mit Kalilösung alkalisch macht. 

Bei dem Aufsuchen der Urobilinstreifen im Harn selbst ist zu berück- 
sichtigen, dass Harne, welche in frischem Zustande keine bemerkbare Absorption 
darbieten, die Streifen oft nach längerem Stehen oder auf Zusatz von Säure 
erkennen lassen. Zur direkten spektroskopischen Beobachtung sind aber nur 
solche Harne geeignet, welche neben dem Urobilin nicht zu viel anderen Farbstoff 
enthalten. 

Der natürliche saure Harn zeigt von den beiden Streifen, wenn überhaupt 
einen, den sehr schwer wahrnehmbaren Streifen y bei F; die Dicke der Harn- 
schicht, bei welcher y erst sichtbar wird, kann bei normalem Harn 3 — 6 cm be- 
tragen, während umgekehrt Fieberharne und andere urobilinreiche Harne selbst 
in 1 cm r dicker Schicht noch zu dunkel sind und deshalb verdünnt werden müssen. 
Alkalisch gewordene Harne müssen angesäuert werden, um den Streifen zur Er- 
scheinung zu bringen. Aber auch bei normal sauren Harnen ruft Zusatz einer 
Mineralsäure in sehr vielen Fällen den Streifen hervor. Zu dem gleichen Zweck 
kann man sich nach Stokvis auch des Zusatzes einiger Tropfen Jodtinktur zum 
Harn mit Vorteil bedienen. 

Gelingt es auf diese Weise nicht, den Streifen y sichtbar zu machen, so 
kann man versuchen, den viel deutlicheren Streifen ö zwischen b und F zu ent- 
wickeln; man macht zu diesem Zweck den Harn mit Ammoniak stark alkalisch, 
fügt dem Filtrat nur so viel einer Zinksalzlösung zu, dass kein bleibender Nieder- 
schlag entsteht, und untersucht die Flüssigkeit in verschieden dicker Schicht vor 
dem Spektralapparat. 

2. Die Schlesinger sehe Probe. Modifikation von Hilde- 
b r a n d t 2 ). 

Man fülle ein weites Reagenzglas zu 2 / 3 bis 3 / 4 mit gleichen 
Teilen Harn und gut durchgeschütteltem Zinkreagens und lasse 12 bis 
24 Stunden stehen. Hat sich nach der angegebenen Zeit der Niederschlag 
gut abgesetzt — bei mangelhafter Sedimentierung muss filtriert werden 
— so prüfe man die überstehende Flüssigkeit ohne weiteres auf Fluores- 
zenz. Bei sehr geringem Gehalt an Urobilin kann man die scheinbar 
fehlende Fluoreszenz noch erkennen, wenn man die Flüssigkeit klar 
in ein anderes Reagenzglas abgiesst und von oben her in dieses hinein- 
blickt. Hatte man vorher filtriert, so kann man, natürlich ohne abzu- 
giessen, direkt von oben in das betreffende Reagenzglas hineinsehen. 
Zeigt sich keine Fluoreszenz, so besteht, wenn die Flüssigkeit wasser- 
klar ist, sicher keine Urobilinurie. Ist die Flüssigkeit dagegen gelbrot oder 



1 ) C. Gerhardt, Sitzungsber. d. physik.-med. Gesellsch. zu Würzburg 
1881. 26. 

2 ) W. Schlesinger, Deutsche med. Wochenschr. 1903. 313. — W. Hilde- 
brandt, Zeitschr. f. klin. Med. 59. 351. 1906. 



1394 Schulz, Farbstoffe. 



rosa, so ist fast immer pathologisch vermehrte Urobilinausscheidung 
vorhanden, die dann spektroskopisch ' erkannt werden kann. 

Durch Zusatz von Salzsäure kann die Fluoreszenz sofort zum Verschwinden 
gebracht werden. Auch bei sehr konzentrierten, stark sauren Harnen kann die 
Fluoreszenz ausbleiben. Durch Zusatz von Ammoniak kann die Fluoreszenz 
dann aber wieder hervorgerufen werden. Das Urobilin wird also nicht etwa durch 
die Säure zerstört, was auch daraus hervorgeht, dass der Absorptionsstreifen des 
Urobilin bestehen bleibt, ja eher noch stärker wird. 

Das Schlesinger sehe Zinkreagens ist eine 10%ige alkoholische Lösung 
von Zinkacetat. Das Zinkacetat löst sich aber nur zu 2% in absolutem Alkohol. 
Mit einer 2%igen Zinkacetatlösung kann aber die Fluoreszenzprobe versagen. 
Man muss daher darauf achten, dass von dem ungelösten Zinkacetat ein ent- 
sprechender Teil bei der Reaktion mit zur Benutzung kommt. Man muss also das 
Reagens vor dem Gebrauch ordentlich umschütteln. 

Hat der zu untersuchende Harn stark sedimentiert, so muss man durch 
Umschütteln dafür sorgen, dass der Bodensatz sich wieder gleichmässig verteilt, 
da das Sediment (namentlich das Uratsediment) beträchtliche Mengen Urobilin 
enthalten kann. Die Reaktion beruht darauf, dass einmal durch die alkoholische 
Zinksalzlösung verschiedene Substanzen, unter anderem auch Farbstoffe gefällt 
werden, dass andererseits das Zinksalz des Urobilin durch den Alkohol in Lösung 
gehalten wird. 

Die Reaktion ist schärfer wie die Jaf fesche Probe. Nach Schlesinger 
bei 2 : 100 000 im Harn noch- deutlich. 

Gallenfarbstoffhaltige Harne kann man direkt auch ohne vorhergegangene 
Klärung untersuchen. Nur bei sehr grossem Bilirubingehalt empfiehlt Schle- 
singer die vorherige Ausfällung des Bilirubins nach Bouma (s. S. 1361). 

Man nimmt 8 cem frischen, sauer reagierenden Harn und vermischt mit 
2 cem 10%igem Calciumchlorid; der saure Harn bleibt vollständig klar. Die saure 
Reaktion wird nunmehr vorsichtig abgestumpft durch tropfenweise Zufügung 
einer schwachen Ammoniaklösung. Sobald die Reaktion beinahe neutral ist 
(man muss dafür sorgen, dass sie nicht alkalisch wird, da dann auch Urobilin 
mitgefällt wird), bildet sich ein Niederschlag, wonach man zentrifugiert und die 
klare Flüssigkeit abgiesst. Falls der Harn Urobilin enthält, zeigt die Flüssigkeit 
den typischen Absorptionsstreifen des Urobilins. 

Zu gleichem Zwecke empfiehlt Deniges x ) 10 cem Harn mit 5 cem einer 
Lösung von Mercurisulfat auszufällen, welche durch Lösen von 5 g Quecksilber- 
oxyd in 20 cem Schwefelsäure und 100 cem Wasser hergestellt worden ist. Bei 
diesem Verfahren werden die störenden Farbstoffe, auch die Gallenfarbstoffe, 
niedergeschlagen, welche nach 5 Minuten langem Stehen abzufiltrieren sind. In 
dem klaren Filtrat ist dann der Streifen des Mercuri-Urobilins (B. 4. b.) sichtbar. 

Grimbert 2 ) vereinigt die Verfahren von Deniges und von Roman und 
Delluc (s. später). 30 com Harn werden mit 20 cem Denigesschem Reagens 
gemischt und der entstandene Niederschlag nach 5 Minuten abfiltriert. Das 
Filtrat wird mit Chloroform ausgeschüttelt und die Chloroformlösung tropfen- 
weise mit dem Zinkreagens von Roman und Delluc (S. 1395) bis zum Eintreten 
einer schwachen Trübung (ca. 10 Tropfen) versetzt. Beim Klarwerden der 
Flüssigkeit erscheint dann die für Urobilin charakteristische grüne Fluorescenz. 

Blanc und Rameau 3 ) empfehlen dieses Verfahren von Grimbert. Bei 
normalem Harn tritt nur eine sehr geringe grüne Fluorescenz auf. Sie empfehlen 
bei Untersuchung des normalen Harnes die tägliche Harnmenge zu berücksichtigen. 

x ) Deniges, Journ. de pharm, et de chimie [6] 5. 395; Chem. Zentralbl. 
1. 1129. 1897. 

2 ) L. Grimbert, Journ. Pharm. Chim. [6] 19. 425. 1904. 

3 ) Blanc und Rameau, Ann. Chim. analyt. appl. 14. 217. 1909. 



1 



Urobilin; Nachweis. 1595 



Da die pro die ausgeschiedenen Urobilinmengen einigermassen konstant sind, soll 
man bei grosser Harnmenge mehr Harn zur Untersuchung nehmen. Sie nehmen 
30 X die in 24 Stunden abgeschiedene Harnmenge . . . 

statt 30 ccm ^ — ; — ~. . — 3 r ,— -? — , TT • Auch lassen 

die m 24 Stunden abgeschieden normale Harnmenge 

sie statt 5 Minuten 10 Minuten stehen, ehe sie filtrieren. 
IL Durch Extraktion des Urobilins. 

1. Als vorzüglich erweist sich die zuerst von Nencki und 
S i e b e r empfohlene, dann wieder von Nencki und R o t s c h y x ) in 
Vorschlag gebrachte Behandlung des Harns mit Amylalkohol. 

Es werden 10 — 20 ccm Harn mit einigen Tropfen Salzsäure versetzt und mit 
6 — 10 ccm Amylalkohol sanft ausgeschüttelt. Die klare amylalkoholische Lösung 
wird abgehoben und spektroskopisch untersucht. Fügt man ihr einige Tropfen 
einer klaren Lösung von 1 g Chlorzink in 100 g stark ammoniakalischem Alkohol 
zu, so tritt eine prächtige grüne Fluorescenz auf und der Absorptionsstreifen ö 
wird sichtbar. 

Das Ansäuern des Harns ist überflüssig. — Der Amylalkohol bildet mit dem 
Harn bei einigermassen starkem Schütteln eine sehr beständige Emulsion, und 
man muss dann oft sehr lange warten, ehe man eine für die Untersuchung 
genügende Schicht Amylalkohol abheben kann. Die Scheidung gelingt aber nach 
Huppert sofort, wenn man die Emulsion auf ein mit Amylalkohol benetztes 
Filter bringt. Es filtriert dann Harn und Amylalkohol zugleich, der Alkohol 
befindet sich aber im Filtrat als klare Schicht auf der wässerigen Lösung. - — Nach 
Strauss 2 ) gelingt die Extraktion leichter, wenn man vor dem Ausschütteln mit 
Amylalkohol den Harn mit % Volum 10%iger Bleizuckerlösung fällt. 

Ausser dem Urobilin gehen nach Riva und Zoja auch noch Uroerythrin 
und Hämatoporphyrin in Lösung, welche aber den Nachweis des Urobilins nicht 
stören. 

2. Statt des Amylalkohols bedient sich Wirsing 3 ) des Chloro- 
forms. Die Probe scheint nicht so empfindlich zu sein wie die mit 
Amylalkohol. 

Der Harn wird mit einigen Kubikzentimeter Chloroform durch langsames 
Umdrehen des Reagenzglases mehrere Minuten gemischt und das Chloroform 
darauf mit so viel einer Lösung von Chlorzink in absolutem Alkohol versetzt, bis 
die anfangs entstehende Trübung wieder verschwunden ist; oder es werden dem 
Chloroform einige Tropfen wässeriger Chlorzinklösung und darauf Alkohol bis zur 
Klärung hinzugefügt. Äusserst selten ist es nötig, noch mit einigen Tropfen Am- 
moniak oder Kaliumhydrat alkalisch zu machen und dann zu filtrieren. Es tritt 
eine prachtvolle grüne Fluorescenz im auffallenden Licht, eine rosen- oder pfirsich- 
rote Färbung im durchfallenden Lichte auf; die Fluorescenz nimmt nach längerem 
Stehen noch zu. Die Absorptionsstreifen sind in der von Chlorzink sauren (chemisch 
neutralen) und der alkalischen Lösung (nach Zusatz des Alkalihydrates) scharf 
ausgesprochen. ■ — ■ In urobilinarmen Harnen versagt diese Probe. 

Verfahren von Roman undDelluc 4 ). Man schüttelt 100 ccm Harn 
mit 8 — 10 Tropfen reiner HCl und 20 ccm Chloroform. Auf 2 ccm der Chloro- 
formlösung wird eine Lösung von 1 g krystallisiertem Zinkacetat in 1 Liter 

!) M. Nencki und N. Sieber, Journ. f. prakt. Ch. [2] 26. 336. 1882. — 
M. Nencki und A. Rotschy, Monatshefte f. Ch. 10. 573. 1889. 

2 ) E. Strauss, Münchener med. Wochenschr. 55. 2537. 1908. 

3 ) E. Wirsing, Akute gelbe Leberatrophie mit günstigem Ausgang. Aus 
den Verhandl. d. physik.-med. Gesellsch. zu Würzburg [2] 26. Würzburg, Stahel- 
sche Buchh. 1892. 34. 

4 ) Th. Roman und G. Delluc, Journ. Pharm. Chim. [6] 12. 49. 1900. 



1396 Schulz, Farbstoffe. 



95%igem Alkohol geschichtet. Betrachtet man die Grenzfläche gegen einen 
dunklen Hintergrund, so sieht man bei Urobilinharnen einen grünen Ring. Beim 
Durchschütteln verbreitet sich der grüne Schein über die ganze Flüssigkeit, die 
im auffallenden Licht rosa erscheint. 

Das Chloroform nimmt auch das Urobilinogen auf und auf der 

Gegenwart desselben beruhen zum Teil folgende von C. Gerhardt 1 ) 

angegebenen Reaktionen. 

Versetzt man den Chloroformauszug mit Jod- Jodkalium und schüttelt 
darauf mit verdünnter Kalilauge, so färbt sich diese gelb bis gelbbraun und 
fluoresciert prachtvoll grün. Natronlauge statt Kalilauge gibt eine goldgelbe bis 
zimmetfarbene, in dünnen Schichten schön pfirsichrote Lösung. Ammoniak 
wird nur blassgelb mit einem leichten Stich ins Grünliche. — Zusatz von Chlor- 
wasser zu dem Chloroformauszug ruft rasch hintereinander gelb und rot, dann 
langsamer blassblau hervor; nur das gelbe Produkt liefert mit Kalilauge die grüne 
Fluorescenz. — Chlor erzeugt dieselbe Farbenfolge auch in einem Chloroform- 
auszug, der nur das Chromogen des Urobilins und noch nicht den Farbstoff 
selbst enthält. 

3. Nach G r i g a u t 2 ) werden 10 — 20 ccm Harn mit 10 ccm folgender 
Lösung versetzt: Eisenchlorid offic. 5 Tropfen, Essigsäure 10o/oig 20 ccm, 
Wasser 80 ccm. Die Mischung wird mit Natriumsulfat gesättigt und in 
einer Porzellanschale unter Umschütteln erhitzt. Darauf wird filtriert; 
das Urobilin wird im Filtrat durch Schütteln mit Chloroform nach- 
gewiesen. 

4. 50 ccm Harn werden nach Gautier und Monod 3 ) möglichst 
lirisch mit 3 — 4 Tropfen konz. Essigsäure versetzt bis zur deutlich sauren 
Reaktion. Dann wird unter Schütteln je ein Tropfen l°/oige Jodtinktur 
auf 2 ccm Harn zugesetzt. Dann wird das Ganze mit 5 ccm Thymol- 
chloroform stark geschüttelt. Der Chloroformauszug wird mit dem 
gleichen Volum einer alkoholischen Zinkacetatlösung (Alkohol 93 o/o = 
500 ccm, Zinkacetat 3 g, reine Essigsäure 2 ccm; filtrieren) versetzt, 
filtriert und geschüttelt. Bei Anwesenheit von Urobilin stellt sich eine 
schöne grüne Fluorescenz ein. 

Diese beiden letzteren Verfahren haben den Vorteil, dass das Uro- 
bilinogen bei denselben durch Oxydation in Urobilin übergeführt wird. 

5. Schüttelt man Harn mit SO^/ciger Phenollösung (Acid. 

carbol. liquef actum), so nimmt nach Kramm 4 ) das Phenol mit anderen 

Farbstoffen auch das Urobilin auf. 

Nachdem eine Scheidung der Flüssigkeiten eingetreten ist, hebt man den 
aufschwimmenden Harn ab, schüttelt das Phenol mit dem doppelten Volumen 
Äther und etwas Wasser und klärt durch einige Tropfen Alkohol. Die Lösung 
zeigt entweder direkt oder nach dem Abgiessen und Verdunsten des Äthers 
den Urobilinstreifen und auf Zusatz von Chlorzink und Ammoniak die grüne 
Fluoreszenz. 



*) C. Gerhardt, a. a. O. 

2 ) R. Grigaut, Compt. rend. soc. biol. 66. 725. 1909. 

3 ) Cl. Gautier und F. O. Monod, Soc. Biol. 66. 211. 1909. 

4 ) W. Kramm, Deutsche med. Wochenschr. 2. 27. 1896. 



Urobilin; Nachweis. 1397 



6. Auch der Äther lässt sich mit Vorteil zur Extraktion des 
Urobilins aus Harn verwenden; doch steht er wohl den beiden zuerst er- 
wähnten Extraktionsmitteln nach. 

Salkowski hat die Angabe gemacht, dass es manchmal gelingt, dem Harn 
direkt durch sanftes Umschütteln mit dem halben Volumen alkoholfreiem Äther 
Urobilin zu entziehen, welches dann beim Verdunsten des Äthers zurückbleibt; 
Gegenwart von Alkohol oder von Essigsäure sollen aber diesen Nachweis ver- 
hindern. Grimm dagegen hat sich des käuflichen Äthers zum Auffinden des 
Urobilins im Harn ohne Anstand bedienen können. Den Harn vor der Behand- 
lung mit Äther mit reiner rauchender Salzsäure zu kochen, wie Grimbert 1 ) 
empfiehlt, ist wohl überflüssig. 

7. Essigäther entzieht dem mit Essigsäure angesäuerten Harn 
nach Saillet (C. III. 2.) leicht Urobilin. Flore nee benutzt das 
zum Nachweis, indem er den Essigätherextrakt spektroskopisch unter- 
suchte. — Guigues 2 ) schlägt vor, erst mit Ammoniumsulfat aus- 
zusalzen; nach 24 Stunden wird abfiltriert, mit konz. Ammonsulfat- 
lösung gewaschen, im Vakuum über H 2 S0 4 und CaO getrocknet. Dieser 
Trockenrückstand wird mit siedendem Essigäther erschöpft und die 
Lösimg spektroskopiert. 

8. Das von G a r r o d und Hopkins zur Darstellung von Urobilin 

angegebene Verfahren (C. III. 1.) erweist sich insofern vorteilhaft für 

den Nachweis, als es auch in urobilinarmen Harnen das Urobilin noch 

auffinden lässt. 

Die Extraktionen versagen manchmal. Bei einer von Hammarsten aus- 
geführten Untersuchung von Sulfonalharn entzogen Äther oder Chloroform dem 
angesäuerten Harn keinen Farbstoff, Amylalkohol aber einen braunen, der kein 
Urobilin war, wiewohl im Bleiniederschlag des Harns Urobilin nachgewiesen werden 
konnte. — Quincke hat einen Sulfonalharn mit einem Absorptionsband von b — F 
untersucht, ohne dass Amylalkohol, Chloroform, Äther den Farbstoff aufnahm. 
Hoppe-Seyler 3 ) fällte melanotischen Harn erst mit Bleizucker, dann mit Blei- 
essig, zersetzte den Bleiessigniederschlag mit Natriumcarbonat und neutralisierte 
die Lösung mit Schwefelsäure. Es wurde so ein brauner, im Wasser leicht löslicher 
Körper gewonnen, der sich spektroskopisch wie Urobilin verhielt, in Äthylalkohol 
löslich war, aber nicht in Chloroform. Braune Substanzen, deren Lösungen fluores- 
cierten, aber kein Urobilinspektrum darboten, sind öfter beobachtet worden. 

9. Florence 4 ) schlägt folgendes Extraktionsverfahren vor : Man 
giesst in eine Pieagenzröhre 2 — 3 cem Harn und das doppelte Volum 
folgenden Reagenzes : Pyridin 50 g, Alkohol 50 g, Chloroform 50 g, 
Zinkacetat 7,5 g. Man schüttelt ohne Emulsion zu bewirken und lässt 



*) Salkowski, Zeitschr. f. physiol. Ch. 4. 134. ■ — F. Grimm, Virchows 
Archiv 132. 250. 1893. - — Grimbert, Journ. de pharm, et de chimie 18. 481; 
Chem. Zentralbl. 1889. 36. 

2 ) Florence, Journ. Pharm. Chim. [6] 27. 145. 1908. — P. Guigues, 
Bull, des scienc. Pharm. 16. 86. 1909; Chem. Zentralbl. 1. 1273. 1909. 

3 ) O. Hammarsten, Skandinav. Arch. f. Physiol. 3. 334. 1892. — 
H. Quincke, Berliner klin. Wochenschr. 36. 1892. Jahresb. f. Tierch. 22. 534. 
— F. Hoppe-Seyler, Zeitschr. f. physiol. Ch. 15. 186. 1891. 

4 ) A. Florence, Journ.-Pharm. Chim. (7). 2. 160. 1910. 






1398 Schulz, Farbstoffe. 



nachher stehen. Es bilden sich zwei Schichten, wovon die untere 
farblos bleibt, wenn der Harn keine abnormen Pigmente enthält. Bei 
Vorhandensein von Urobilin im Harn zeigt diese Schicht eine grüne 
Fluorescenz. Die Anwesenheit von Urobilinogen gibt der unteren 
Schicht allmählich eine grüne Fluorescenz. Bei Anwesenheit von 
Bilirubin ist diese Schicht grünlich und wird bald fluorescent. Ent- 
hält der Harn Blut, so färbt sich die Schicht rosa bis kirschrot. In 
allen Fällen erhält man schöne Spektren. 

10. Nach A. Morel und 0. Monod 1 ) werden 2 — 3 ccm Harn mit 
dem 10 fachen Volum 95o/oigen Alkohol vermischt und auf dem Wasser- 
bad am Bückflusskühler gekocht. Der Alkohol wird dann abgegossen und 
auf dem Wasserbad auf 3 ccm eingeengt. Diesem Rückstand werden 
nach dem Abkühlen 1 Tropfen hundertfach verdünntes Obermayer- 
sches Reagens, dann 2 ccm folgender Lösung hinzugegeben: Zinc. acet. 
1,0, Äthylalkohol (95o/oig) 100 ccm, Acid. acet. bis zum Verschwinden 
der Trübung. Das Ganze wird 24 Stunden stehen gelassen, dann filtriert. 
Das Filtrat wird im Lichtkegel eines durch eine starke Bogenlampe be- 
leuchteten, konvergierenden optischen Systems untersucht. Bei Gegen- 
wart von Urobilin sieht man deutlich grüne Fluorescenz. 

11. Zum Nachweis des fertig gebildeten Urobilins neben 

dem Urobilinogen eignet sich das Verfahren von S a i 1 1 e t 

(C. III. 2.). 

Der frisch gelassene, im Dunkeln gehaltene Harn wird mit Essigsäure an- 
gesäuert und mit dem gleichen Volumen Essigäther ausgeschüttelt. Wasser ent- 
zieht dem Essigäther das bereits vorhandene Urobilin und färbt sich dabei braun. 
Das im Essigäther gebliebene Urobilinogen wird im Sonnenlicht (an der Luft) 
zu Urobilin. 

12. Eine sichere Unterscheidung des Urobilins von 
Choletelin Hesse sich mittels einer spektrophotometrischen Unter- 
suchung erreichen, wenn zwischen beiden Farbstoffen in den Absorptions- 
verhältnissen in verschiedenen Spektralbezirken Unterschiede vorhanden 
wären, wie zwischen dem Hydrobilirubin und dem Choletelin (S. 1354). 
Vielleicht eignet sich zu einer solchen Untersuchung der neben dem 
Urobilin vorhandene Farbstoff (D. IL 11.). 

E. Bestimmung des Urobilins. 

1. Spektro photometrisch. 

A. Nach Fr. Müller 1 ). 

A. Prinzip. Nachdem aus dem Harn durch alkalische Baryt- 
lösung etwa vorhandener Gallenfarbstoff und andere Farbstoffe (Hämato- 

x ) A. Morel und O. Monod, Compt. rend. soc. biol. 64. 205. 1908. 

2 ) Fr. Müller, bei Gerhardt, Über Hydrobilirubin. Diss. Berlin 1889, 



und briefliche Mitteilung. 



Urobilin; Bestimmung. 1399 



porphyrin) gefällt worden sind, wird das Filtrat nach Beseitigung 
des überschüssigen Baryts bei deutlich saurer Reaktion mit Ammon- 
sulfat gesättigt, der Niederschlag, in welchem das Urobilin enthalten 
ist, unter Zusatz von Schwefelsäure mit Äther-Alkohol ausgekocht und 
in der Lösung der Gehalt an Farbstoff spektrophotometrisch ermittelt. 
Es wird dasjenige Urobilin gefunden, welches als solches im Harn ent- 
halten ist und das, welches sich im Verlauf der Untersuchung bildet. 

B. Erfordernisse. 

1. Eine Mischung von 1 Volumen gesättigter Chlorbarium lösung mit 
2 Volumen gesättigtem Bariumhydrat. 

2. Eine Mischung von 1 Volumen Äther mit 2 Volumen Alkohol von 96%. 

C. Ausführung. Nach den Angaben von Fr. Müller und 
nach Hupperts Erfahrung verfährt man folgendermassen. Von 
Harn mittlerer Konzentration werden 100 ccm mit 30 ccm der Baryt- 
mischung versetzt; ist der Harn nur wenig gefärbt, so nimmt man von 
ihm mehr in Arbeit; sehr dunkler Harn wird vor der Fällung auf das 
Doppelte verdünnt. Nach dem Zusatz von Barytmischung soll die Flüssig- 
keit alkalisch reagieren. Für die weitere Verarbeitung ist ein doppelter 
Weg möglich ; man filtriert und wäscht den Barytniederschlag mit heissem 
Wasser aus, wodurch dem Niederschlag das Urobilin bis auf einen 
kleinen Rest entzogen wird, oder man benützt vom Filtrat nur die 
Hälfte des Gesamtvolumens (bei Verwendung von 100 ccm Harn also 
65 ccm), wobei freilich, wegen des grossen Volumens des Barytnieder- 
schlages, das Resultat nicht sehr genau ausfallen kann. Aus dem 
Filtrat entfernt man den überschüssigen Baryt mit konzentrierter 
Natriumsulfatlösung, Isäuert mit Schwefelsäure schwach an und sättigt 
das Filtrat mit Ammonsulfat vollständig. Bei unvollständiger 
Sättigung fällt nicht alles Urobilin aus. Man bringt den gefällten Farb- 
stoff ohne viel Salz auf ein Faltenfilter, spült den Rest des dem rück- 
ständigen Salz noch beigemengten Urobilins mit dem Filtrat auch auf 
das Filter und übergiesst das Filter zuletzt mit gesättigter Ammonsulfat- 
lösung. Durch Schwenken des Gefässes mit dem rückständigen Salz 
lässt sich an der Wand haftender Farbstoff leicht ablösen. Man lässt 
das Filter entweder im Trichter oder auf Fliesspapier oberflächlich 
trocken werden und kocht es dann in einer Kochflasche mit aufgesetztem 
Kondensations- oder Kühlrohr nach Zusatz von verdünnter Schwefelsäure 
mit Ätheralkohol aus. 

Das Volumen der ätherisch-alkoholischen Lösung wird gemessen, ian 
ihr spektrophotometrisch zwischen dem mittleren und rechten Drittel des 
Urobilinstreifens die übrig bleibende Lichtstärke V bestimmt und aus 
dieser, wenn sie zur Verfügung steht, mit Hilfe der V i e r o r d t sehen 



1400 Schulz, Farbstoffe. 



Tafel der Exstinktionskoeffizient e berechnet nach — log V = e. Der 
Exstinktionskoeffizient ist direkt proportional der Konzentration der 
Lösung. Unter Berücksichtigung des Volumens der ätherisch-alkoholischen 
Lösung und des in Arbeit genommenen Harnvolumens lässt sich e auf 
den Harn übertragen. Aus 8 findet man den Gehalt des Harns an 
Urobilin c nach c = e A, wo A das Absorptionsverhältnis bedeutet. 
(Vgl. S. 58 ff.) Das Absorptionsverhältnis des Urobilins war damals nicht 
bekannt; Fr. Müller hat statt desselben das des Hydrobilirubins ge- 
nommen, welches nach V i e r o r d t für E 63 F— E 80 F 0,0551 beträgt, 
wenn man als Konzentration nicht die Anzahl der im ccm enthaltenen g, 
sondern mg annimmt. — Inzwischen hat Charnas (s. später S. 1411) 
das Absorptions Verhältnis des reinen Urobilins festgestellt (s. auch 
Tsuchiya S. 1404). 

Am genauesten fallen die Bestimmungen nach Fr. Müller aus, 
wenn V zwischen 15 und 30 beträgt; für stärkere Konzentrationen ist 
das Gesichtsfeld zu dunkel, für geringere (etwa J' = 50) werden die 
Fehler zu gross. Der grösste Fehler der Ablesung betrug 8,7 o/ ; bei 
vielen Ablesungen (10 und mehr) glichen sich die Fehler nahezu ganz 
aus. Es lassen sich noch sehr geringe Mengen (0,0048 und 0,0053 mg 
im ccm) mit ziemlicher Sicherheit (auf 8,3 o/o) bestimmen. 

Damit man bloss das präformierte Urobilin bestimme, empfiehlt Fr. Müller, 
möglichst frischen Harn zu verwenden oder ihn bei nur schwach saurer oder al- 
kalischer Reaktion aufzubewahren. 

Urobilinogen wird durch Baryt nicht gefällt. Da es bei Gegenwart von 
freier Säure in Urobilin übergeht, so wird es gleichwohl schwer fallen, es bei diesen 
Bestimmungen auszuschliessen. 

Weitere bei dem Verfahren berücksichtigungswerte Umstände siehe 

S. 1388. 

B. Nach Saillet 1 ). 

A. Prinzip. Die Bestimmung beruht darauf, dass der Streifen 
des sauren Urobilins in einer 15 mm dicken Schicht einer Lösung gerade 
noch wahrnehmbar ist, wenn die Lösung in 22 ccm 1 mg enthält, d. i. 
bei 10 mm dicker Schicht 6,82 mg in 100 ccm, wie beim Hämato- 
porphyrin. Diese Schätzung ist abhängig von der Lichtstärke, der Güte 
des Spektroskops und der Lichtempfindlichkeit des beobachtenden Auges. 

Frisch gelassener oder im Dunkeln aufbewahrter Harn wird 
(wenigstens 100 ccm) mit Essigsäure angesäuert und (bei Petroleumlicht) 
zweimal mit dem gleichen Volumen Essigäther geschüttelt. Die ver- 
einigten Auszüge, welche das Urobilinogen bis auf Spuren enthalten, 



x ) Saillet, Revue de med. 17. 124. 1897. 






Urobilin; Bestimmung. 1401 



werden mit Wasser gewaschen, bis das Wasser farblos bleibt, wobei 
man Essigsäure hinzufügen soll, wenn das Waschen oft wiederholt 
werden muss. Durch das Waschen wird das bereits vorhandene Urobilin 
mit anderen Farbstoffen entfernt. Um das im Essigäther zurückgebliebene 
Urobilinogen in Urobilin überzuführen, bringt man die Lösung in 
Sonnenlicht und fügt ihr 1 — 2 o/o Salpetersäure zu. Man übersättigt 
mit Ammoniak und schüttelt mit so oft erneuten kleinen Mengen Wasser, 
als sich das Wasser noch färbt. Die Lösung, welche neben dem 
Urobilin auch das Hämatoporphyrin enthält, wird mit Salzsäure stark 
angesäuert und soweit mit gemessenen Mengen Wasser verdünnt, bis 
Y des Urobilins gerade noch sichtbar ist. 

2. Kolorimetrisch. 

Alle in Vorschlag gebrachten Verfahrungsweisen ergeben nur un- 
sichere Werte. 

A. Nach Viglezio 1 ). 

Es werden 300 ccm Harn angesäuert und durch Auflösen von 230 — 240 g 
Ammonsulfat in demselben mit dem Salz gesättigt. Der entstandene Niederschlag 
von Urobilin (und Hämatoporphyrin) wird auf einem Filter mit gesättigter Amnion- 
sulfatlösung gewaschen, dann mit 100 — 300 ccm Alkohol extrahiert. Dann bringt 
man 10 ccm Alkohol von 60% in ein Reagenzglas, setzt 2 Tropfen Ammoniak 
und 2 Tropfen einer Chlorzinklösung von 1 — 2% hinzu und lässt nun von dem 
alkoholischen Auszug aus einer Bürette so viel zuf Hessen, bis zuerst grüne Fluores- 
cenz und später auch der Absorptionsstreifen des Urobilinzinks auftritt; bis 
dahin braucht man ungefähr 3 mal so viel alkoholische Lösung als bis zum Er- 
scheinen der Fluorescenz. Von Alkohol, welcher in 100 ccm 0,01 g Jaf fesches 
Urobilin enthielt, verbrauchte Viglezio 0,5 ccm bis zum Eintritt der Fluorescenz 
und 1,6 ccm bis zum Erscheinen des Absorptionsstreifens. Diese Zahlen werden 
der Berechnung des Urobilingehaltes des Harns zugrunde gelegt. 

B. Nach A. Studensky 2 ). 

Man versetzt 20 ccm Harn mit Vio Volumen gesättigter Kupfersulfatlösung, 
löst in dem Gemisch Ammonsulfat bis zur Sättigung und schüttelt in einem 
Scheidetrichter mit 10 ccm Chloroform. Der Zusatz von Kupfersulfat geschieht, 
weil durch das Salz das Urobilin in Freiheit gesetzt und so angeblich vollständiger 
abgeschieden wird, als durch Ammonsulfat allein. Sobald sich eine Schicht kupfer- 
rotes Chloroform abgesetzt hat, lässt man sie in ein Reagenzglas fliessen und sucht 
von bereit gehaltenen Lösungen von Urobilin in Chloroform mit bekanntem Gehalt 
diejenige aus, welche ebenso stark gefärbt ist, wie die aus dem Harn gewonnene 
Probe. Die zum Vergleich dienenden Urobilinlösungen werden in derselben Weise 
hergestellt, wie bei der Analyse des Harns; in einer abgemessenen Menge der Lösung 
wird durch Verdunsten des Chloroforms und Wägen des bei 90 — 100° getrockneten 
Rückstandes der Gehalt an Urobilin bestimmt und durch Verdünnen mit Chloro- 
form Lösungen verschiedener Konzentration hergestellt. Man bewahrt sie mit 
gesättigter Ammonsulfatlösung gut verstöpselt auf. 



x ) Viglezio, Lo sperimentale 1891. 235; Jahresber. f. Tierch. 22. 537. 
2 ) A. Studensky, Petersburger med. Wochenschr. 1893. 283; Chem. Zen- 
trale. 2. 668. 1893. 



! 



1402 Schulz, Farbstoffe. 



C. Nach F. Grimm 1 ). 

Es werden 10 ccm angesäuerter Harn mit Äther oder mit Chloroform ge- 
schüttelt, der Auszug verdunstet, der Rückstand in Ammoniakwasser gelöst und 
mit einigen Tropfen einer verdünnten Chlorzinklösung versetzt, worauf die Flüssig- 
keit die grüne Fluorescenz zeigt. Man verdünnt dann mit gemessenen Mengen 
Wasser, bis die Fluorescenz gerade noch deutlich wahrnehmbar ist; man kann 
dabei so verfahren, dass man ein Reagenzglas bei 5 und bei 10 ccm mit einer Marke 
versieht, die ursprüngliche Lösung auf 10 ccm bringt, die Hälfte entfernt und 
durch Wasser ersetzt usf. Man erfährt so einigermassen den relativen Gehalt 
verschiedener Harne an Urobilin. 

3. Gewichtsanalytisch nach G. Hoppe-Seyler 2 ). 

A. Prinzip. Das Verfahren beruht, wie das von Fr. Müller, 
auf der Unlöslichkeit des Urobilins in gesättigter Ammonsulfatlosung ; 
der Harn wird direkt mit dem Ammonsalz gesättigt. Etwa vorhandener 
Gallenfarbstoff wird zuvor durch Fällen des Harns mit Kalkmilch und 
Einleiten von Kohlensäure entfernt und danach der Niederschlag gut 
ausgewaschen; es unterbleibt aber, im Gegensatz zu dem Verfahren von 
Fr. Müller, die Behandlung des Harns mit Baryt und damit die 
Beseitigung des gleichfalls durch Ammonsulfat fällbaren Hämato- 
porphyrins, dessen Bedeutung für die Analyse der Harnfarbstoffe bei 
der Ausarbeitung des Verfahrens noch nicht bekannt war. Vergleichende 
Untersuchungen ergaben darum Fr. Müller 3 ) nach dem Verfahren 
von Hoppe-Seyler auch meist erheblich grössere Werte als nach 
seinem eigenen. In dieser Hinsicht ist die Methode also verbesserungs- 
fähig. 

B. Ausführung. Es werden 100 ccm Harn mit Schwefelsäure 
angesäuert und mit Ammonsulfat gesättigt; filtriert darf erst nach 
längerer Zeit werden, weil das Urobilinogen nur langsam in Urobilin 
übergeht. Der flockige rote Niederschlag wird auf einem Filter mit 
konzentrierter Ammonsulfatlosung gewaschen, abgepresst und zweimal 
hintereinander mit einer Mischung von Chloroform und Alkohol nach 
gleichem Volumen ausgezogen. Das ungelöst Gebliebene ist zwar ge- 
wöhnlich noch bräunlich, gibt aber auch an andere Lösungsmittel, wie 
Amylalkohol, kein Urobilin mehr ab. 

Die Auszüge filtriert man in einen Scheidetrichter, schüttelt mit 
(etwa dem doppelten Volumen) Wasser, lässt das Chloroform, nachdem 
es sich klar abgesetzt hat (durch ein kleines Filter), in ein gewogenes 
Becherglas fliessen, verdunstet das Chloroform, wäscht es mit etwas 
Äther, filtriert und löst den Filterrückstand in Alkohol. Diese alko- 
holische Lösung Verdunstet man in dem gewogenen Becherglas, trocknet 
und wägt. 



x ) F. Grimm, Virchows Archiv 132. 250. 1893. 

2 ) G. Hoppe-Seyler, Virchows Archiv 124. 34. 1891. 

3 ) Fr. Müller, briefliche Mitteilung an Hupp er t. 



I 



Urobilin; Bestimmung. 140r> 



Dei mehr oder minder gelbliche bis rotbraune Rückstand löst 
sich »zwar gut in Chloroform, besteht aber zum Teil aus „verändertem" 
Urobilin. Bei schneller Arbeit und wenn nicht über 100° getrocknet 
wird, erhält man nach Hoppe-Seyler einen Farbstoff mit allen 
Eigenschaften des Urobilins. 

4. Durch Verdünnung. 

Zur quantitativen Bestimmung, d. h. zu einer für viele klinische 
Zwecke genügenden annähernden Schätzung, kann man die sehr scharfe 
S c hie sin g er sehe Probe benutzen, indem man den Grad der Ver- 
diinnung bestimmt, bei dem die Reaktion eben nicht mehr auftritt 
(Schlesinger, Fischler) 1 ). 

Der zu untersuchende Harn wird mit dem halben Volum alko- 
holische konzentrierte Zinkacetatlösung (s. vorher) versetzt, tüchtig ge- 
schüttelt und filtriert. Trübt sich das Filtrat bei erneutem Zusatz von 
Zinkacetatlösung, so wird dieselbe Prozedur noch einmal wiederholt, 
bis keine Trübung mit Zinkacetat mehr auftritt. Das Filtrat lässt man 
einige Stunden am Licht stehen, um das Urobilinogen in Urobilin 
überzuführen. Man kann auch, um die wiederholten Verdünnungen zu 
vermeiden, Zinkacetat in Substanz hinzusetzen, falls die erste Fällung 
unvollständig ist. Die Reaktion muss nunmehr schwach alkalisch sein, 
andernfalls setzt man 1 — 2 Tropfen Ammoniak hinzu. Falls beim Stehen 
eine Trübung eingetreten ist, verschwindet dieselbe meist auf Zusatz 
weniger Tropfen verdünnter Salzsäure, die dann vorsichtig mit wenigen 
Tropfen Ammoniak wieder übersättigt wird. Das Fluorescenzoptimum 
liegt nahe einer schwach alkalischen Grenze. Die Flüssigkeit wird nun 
mit Alkohol oder auch mit Wasser verdünnt, bis die Fluorescenz eben 
nicht mehr nachweisbar ist. Der Nachweis der Fluorescenz geschieht, 
indem man mit einer Sammellinse einen Lichtkegel in die Flüssigkeit 
hereinfallen lässt. Am besten benutzt man Sonnenlicht. Bei künst- 
licher Lichtquelle arbeitet man zweckmässig im Dunkelzimmer und 
stets mit der gleichen Lichtquelle. Die Möglichkeit des Nachweises 
liegt für die Fluorescenzprobe bei 0,002o/ . 

Diese Grenze gilt nur für reine Bilirubinpräparate. Im Harn, wo 
das Bilirubin mit anderen Pigmenten und Substanzen gemischt ist, wird 
die Fluorescenzprobe mehr oder weniger beeinträchtigt. Gallenfarb- 
stoff dürfte aber für gewöhnlich nicht beträchtlich stören. Es kann sich 
also nur um eine Annäherungsprobe bzw. Vergleichprobe handeln. 



*) H. Schlesinger, Deutsche med. Wochenschr. 1903. 313. — F. Fischler, 
Hab. -Schrift. Heidelberg 1907. 90 S. m. 1 Tafel. 

Neubauer-Huppert, Analyse des Harns. 11. Aufl. S9 



1404 Schulz, Farbstoffe. 



Unter Umständen Hesse sich die- Verdünnungsprobe auch nach 
vorheriger Isolierung des Urobilins anstellen. 

Alle bisher aufgezählten Methoden zur Bestimmung des Urobilin 
sind mit beträchtlichen Fehlerquellen verknüpft. Nach Charnas 
kann eine exakte Urobilinb estimmun g nur in der Weise 
gemacht werden, dass zunächst das Urobilin in Urobilinogen 
übergeführt wird und dieses dann quantitativ bestimmt wird 
(s. dort). 

5. Spektro photometrisch. 

Verfahren von Tsuchiya 1 ) (s. auch Bestimmung des Urobilin 
nach Charnas bei Urobilinogen). 

100 ccm Harn werden zur Entfernung der Harnsäure und des 
Hämatoporphyrins mit 2 Vol. gesättigtem Barytwasser und 1 Vol. ge- 
sättigter Bariumchloridlösung versetzt. — Von verdünntem Harn nehme 
man 150 ccm, von konzentriertem Harn nur 50 ccm und verdünne auf 
100 ccm. — Die Lösung wird vom Barytniederschlag abfiltriert und im 
Filtrat das überschüssige Ba(0H 2 ) mit konzentrierter Natriumsulfat- 
lösung entfernt. Die Flüssigkeit wird mit Schwefelsäure neutralisiert 
und mit gepulvertem Ammoniumsulfat gesättigt. Der den Farbstoff ent- 
haltende Niederschlag wird mit konzentrierter Ammoniumsulfatlösung 
ausgewaschen. Nach oberflächlichem Trocknen wird der Farbstoff nach 
Zusatz von verdünnter Schwefelsäure mit einer Mischung von 1 Tropfen 
Äther (und 2 Tropfen Alkohol extrahiert und bis zu einer bestimmten 
Konzentration eingedampft. Dann wird in einem abgemessenen Volum 
der Extinktionskoeffizient spektrophotometrisch bestimmt. Aus dieser 
ätherisch-alkoholischen Lösung kann man eine wässerig-alkalische Lösung 
derart herstellen, dass man die alkoholisch-ätherische Lösung in Chloro- 
form einträgt, die Chloroformlösung mit Wasser ausschüttelt und mit 
verdünntem wässerigem Ammoniak das Urobilin aus dem Chloroform 
extrahiert. 

Das Absorptionsverhältnis einer wässerig-alkalischen Urobilin- 
lösung beträgt nach Tsuchiya 0,029806, das Absorptionsverhältnis 
einer ätherisch-alkoholischen Lösung 0,031825. Diese Werte sind viel 
grösser wie die von Charnas für das Absorptionsverhältnis an- 
gegebenen (A = 0,000017). (S. 1385.) 

II. Urobilinogen. 

Es sind zwei Chromogene bekannt, aus welchen man durch Oxy- 
dationsmittel Urobilin erhalten kann. Das eine ist im Harn enthalten, 



x ) Tsuchiya, Zeitschr. f. exper. Pathol. u. Therap. 7. 352. 1910. 



Urobilinogen ; Eigenschaften. 1405 



das andere bildet sich bei der Reduktion von Urobilin und verwandten 
Substanzen. Um diesen Unterschied auszudrücken, nannte Huppert 
das natürliche Chromogen Urobilinogen, das künstliche, nach 
Analogie von Indigweiss, Urobilin weiss. 

A. Vorkommen. Normaler, frisch gelassener, vor dem 
Sonnenlicht geschützter Harn enthält nach Saillet niemals Urobilin, 
sondern nur Urobilinogen; es lässt sich ihm nach dem Ansäuern mit 
Essigsäure durch Essigäther kein Urobilin entziehen, und der Nieder- 
schlag, welchen der mit Essigsäure versetzte Harn beim Sättigen mit 
Ammonsulfat gibt, enthält kein Urobilin. Das Urobilinogen geht unter 
gleichzeitiger Einwirkung des Sonnenlichts (Saillet) und des atmo- 
sphärischen Sauerstoffs (Jaffe 1 ) in Urobilin über. 

Bereits Jaffe wies in ganz frischem Harn in vielen Fällen ( 2 / 3 der unter- 
suchten) das Chromogen, aber neben Urobilin, nach; von Zoja u. a. wurde auch 
manchmal das Urobilin in frischem Harn ganz vermisst und nur Urobilinogen 
aufgefunden; solcher Harn wird beim Stehen (an der Luft und im Licht) dunkler 
und dann lässt sich Urobilin in ihm nachweisen. Frische Harne, in welchen sich 
bei direkter Untersuchung mit dem Spektroskop kein Urobilin auffinden lässt, 
zeigen öfter den Urobilinstreifen, nachdem sie beim Stehen dunkler geworden 
sind (Jaffe, Disque). Für die wenigstens sehr häufige, vielleicht ausschliess- 
liche Gegenwart von Urobilinogen im Harn spricht auch der Umstand, dass das 
farblose oder schwach gelbe Filtrat von Harn, der mit den Bleiacetaten ausgefällt 
war, sich an der Luft von oben her wieder dunkel färbt (Bogomoloff, Külz, 
A. Bornträger) und dann wieder Urobilin enthalt (Hammarsten). - Auch 
Münzer und Bloch 2 ) kamen zu dein Ergebnis, dass das Urobilin nicht als solches, 
sondern als Urobilinogen ausgeschieden wird. 

Fischer u. Meyer-Betz 3 ) isolierten Urobilinogen aus patho- 
logischen Harnen, die mit Bicarbonat versetzt waren, durch Ausschütteln 
mit Chloroform. Das so erhaltene Urobilinogen halten sie für identisch 
mit ihrem Hemibilirubin (s. dort). 

B. Eigenschaften. 1. Das Urobilinogen ist farblos oder nach 
Saillet sehr schwach gefärbt und besitzt kein Absorptionsband. Das 
Chromogen lässt sich dem (mit Essigsäure angesäuerten) Harn durch 
Schütteln mit Essigäther (S a i 1 1 e t), Chloroform (C. Gerhard t), Äthy I- 
äther, Amylalkohol, Terpentinöl und ähnlichen Lösungsmitteln, gleich- 
zeitig mit dem etwa vorhandenen Urobilin entziehen (Riva und Zoja). 
Nach Charnas 4 ) genügt ein einmaliges Ausschütteln mit Äther, um 



x ) Jaffe, Virchows Archiv 47. 422. 1869. 

2 ) L. Zoja, Arch. ital. di clinica medica 1893. 33. ■ — Bogomoloff, Zen- 
tralbl. f. d. med. Wissensch. 1875. 210. — Külz, Diabetes mellitus 1874. 35. — 
A. Bornträger, Zeitschr. f. analyt. Ch. 20. 88. 1881. — Hammarsten, Skandin. 
Archiv 3. 322. 1892. — E. Münzer und F. Bloch, Arch. f. Verdauungskrankh. 
17. 260. 1911. — L. Disque, Ztschr. f. physiol, Ca. 2. 259. 1878. 

3 ) H.Fischer u. F. Meyer-Betz, Zeitschr. f. phys. Chem. 75. 232. 1911. 

4 ) C. Gerhardt, Sitzungsber. d. physik.-med. Gesellsch. zu Würzburg 1881. 
26. — ■ A. Riva und L. Zoja, Communicaziona al primo congresso ital. di medicina 
interna 1888. — D. Charnas, Biochem. Zeitschr. 20. 401. 1909. 

89* 



1406 Schulz, Farbstoffe. 



eine Imit Weinsteinsäure angesäuerte Urobilinogenlösung quantitativ 
zu extrahieren. Wasser entzieht der Essigätherlösung das Urobilinogen 
nicht. 

2. Durch Sättigen des Harns mit Ammonsulfat fällt es zugleich 
mit dem schon vorhandenen Urobilin aus. 

Verwendet man dazu frischen Harn und zum Aussalzen neutrales Ammon- 
sulfat, so zeigt der mit absolutem Alkohol bereitete Auszug des Niederschlages 
nach Eich holz *) nur ein sehr schwaches und schmales Urobilinband in der Lage 
von y, das auf Zusatz einiger weniger Tropfen Salzsäure dunkler und breiter wird; 
einmal zeigte die Lösung überhaupt erst auf Zusatz von Säure das Band. 

Mit dem Chromogen des Urobilins wird beim Sättigen des Harns mit Ammon- 
sulfat nach Garrod und Hopkins 2 ) zugleich, wenn es vorhanden ist, das Chromogen 
des Uroroseins gefällt und beim Ansäuern des alkoholischen Auszuges entsteht 
dann Urorosein. Der dabei sichtbar werdende Streifen besitzt die Lage wie der 
des Uroroseins, verschwindet, wenn man die Lösung alkalisch macht, und tritt 
beim Ansäuern wieder auf. Der rote Farbstoff wird von Chloroform aufgenommen. 
— Unter denselben Verhältnissen sah Eichholz neben dem typischen Urobilin- 
band ein anderes bei D 64 F — D 96 F auftreten, welches seiner Lage nach wohl 
eher dem sauren Hämatoporphyrin angehört. 

Die Bleiacetate fällen das Urobilinogen nicht oder unvoll- 
s tändig, auch durch abwechselnden Zusatz von Bariumnitrat und Natrium- 
carbonat zu Harn wird es nach Hammarsten nicht oder wenigstens 
nicht ganz niedergeschlagen. Aus den Bleiniederschlägen geht bei der 
Behandlung derselben aber nicht das Chromogen, sondern Urobilin in 
Lösung (Rabuteau, Esoff, Disque, Thomas 3 ). — Im Gegen- 
satz zu diesen Angaben fand Charnas das Urobilinogen aus saurem 
und neutralem Harn durch basisches Bleiacetat quantitativ fällbar. Dem 
Niederschlage konnte das Urobilinogen durch essigsäurehaltigen Alkohol 
leicht entzogen werden. 

Das Urobilinogen ist sehr unbeständig. Sein Übergang in Urobilin 

vollzieht sich nach S a i 1 1 e t im direkten Sonnenlicht in einigen 

Minuten, in zerstreutem Tageslicht in einigen Stunden. 

Die verschiedenen Lichtarten sind nicht gleichwertig. Setzt man die 
Wirkung des Sonnenlichtes = 100, so ist die des roten Lichtes 25, die des gelben 78, 
des grünen 72, des blauen 94, des violetten 99 (Saillet). 

Mineralsäuren, weniger die Essigsäure, beschleunigen die Bildung 

des Urobilins aus Urobilinogen sowohl im Harn wie, nach Saillet, 

in der Essigätherlösung; schnell bewirkt Ammoniak die Umwandlung 

(S a i 1 1 e t). Nach Charnas verhält sich Weinsäure besonders 

günstig. Eine schnelle Oxydation oder Zersetzung ist bei ihr nicht 

zu befürchten; die Weinsäure ist in Äther ganz unlöslich. In den 

oben genannten, mit Wasser nicht mischbaren Lösungsmitteln Jässt 



J ) A. Eichholz, Journ. of Physiol. 14. 327. 1893. 
2 ) Garrod und Hopkins, a. a. O. 135. 



3 ) Rabuteau, Gaz. med. de Paris 27. 1875. ■ — J. Esoff, Pflügers Archiv 
12. 50. 1876. — Disque, a. a. O. — K. Thomas, Diss. Freiburg i. Br. 1907. 



Urobilinogen ; Nachweis. 1407 



Urobilinogen sich durch oxydierende Substanzen leicht in Urobilin 

überführen, in Chloroform durch Jod (Gerhardt) oder Salpetersäure 

(Riva und Z o j a), auch in Essigätherlösung (S a i 1 1 e t). Auch 

Permanganat sowie Eisenchlorid bewirkt diese Oxydation. Dagegen 

kann man eine Essigätherlösung des Urobilinogens kochen, ohne dass 

es sich verändert. 

Als einen Unterschied zwischen dem Urobilinogen und dem Urobilinweiss 
hebt Eichholz *) hervor, dass auf Zusatz von Natriumhydrat zu einer Urobilinogen- 
lösung das Urobilinband auch bei Abwesenheit von Luft sofort auftritt, während 
das Urobilinweiss dabei zu seiner Umwandlung in Urobilin Sauerstoff bedarf. 

Mit Rücksicht auf die vermutliche Identität von Hemibilirubin und 
Urobilinogen haben Fischer u. P. Meyer 2 ) das Hemibilirubin ge- 
nauer untersucht. 

Das Hemibilirubin ist ausserordentlich empfindlich gegen Luft, 
Licht und alle Reagentien, besonders Säuren. Es tritt in zwei Formen 
auf, einer „aciden" und einer , .nicht ariden". Die nicht acide Form ist 
das reine Hemibilirubin. Die acide Form entwickelt mit Bicarbonat 
Kohlensäure und schmilzt viel niedriger. 

Der Schmelzpunkt des reinen, „nicht aciden" Bilirubin liegt bei 
186 — 190°. Das Molekulargewicht wurde zu 565 — 593 bestimmt. Die 
früher aufgestellte Formel wäre zu verdoppeln (s. vorher S. 1372). Die 
Analysen stimmen am besten zu einer Formel C 33 H 44 N 4 G . Durch 
Oxydation wurde ebenso wie aus dem „Körper II" Hämatinsäure als 
Imid und Methyläthylmaleinimid isoliert. Der Reduktionsprozess mit 
Amalgam ist durchaus nicht so einfach wie man früher annahm. 

Urobilinogen gibt mit p-Dimethylaminobenzaldehyd bei saurer 
Reaktion eine Rotfärbung; mit Sulfodiazobenzol gibt es die „eigelbe 
Diazoreaktion" (s. bei Nachweis). Beide Reaktionen gibt das Urobilin 
nicht. 

C. Nachweis. Num direkten Nachweis dient die Ehrlich sehe 
Reaktion mit Aldehyd und die „eigelbe Diazoreaktion". Zum indirekten 
Nachweis wird die Überführung in Urobilin und dessen Nachweis be- 
nutzt. 

1. Die Reaktion Ehrlichs mit Aldehyd. 

et) Ursprüngliche Form der Reaktion. 

Die Reaktion wird angestellt, indem man eine Lösung von 2o/ 
p-Dimethylaminobenzaldehyd in Normalsalzsäure zu Harn hinzugibt. In 
normalem Harn tritt eine leichte Rotfärbung ein. In manchen patho- 



x ) Eichholz, a. a. 0. 331. 

2 ) H. Fischer u. P. Meyer, Zeitschr. f. phys. Chem. 75. 339. 1911. 



1408 Schulz, Farbstoffe. 



logischen Harnen tritt dagegen eine intensiv rote Farbe auf (Ehr- 
lich 1 ). Die volle Intensität der Reaktion erhält man erst beim Auf- 
kochen, wenngleich manche Harne auch schon in der Kälte sich deutlich 
röten. Bei sehr geringem Urobilingehalt tritt trotz Aufkochens die volle 
Intensität der Färbung erst nach einigen Minuten ein. 

Neubauer führte den Nachweis, dass diese Reaktion im 
Harn auf der Gegenwart von .Urobilinogen beruht. Zu dem gleichen 
Ergebnis kam unabhängig davon Hildebrandt 2 ). Das Urobilin gibt 
die Reaktion dagegen nicht. Die Aldehydgruppe reagiert bei dieser 
Reaktion. Das geht daraus hervor, dass wenn eine Urobilinogenlösung 
mit Formaldehyd oder einem anderen aliphatischen Aldehyd versetzt 
wird, die Lösung mit Benzaldehyd nicht mehr reagiert. Es wird so durch 
den aliphatischen Aldehyd die Reaktionsstelle verstopft (Ehrlich). 

In welcher Weise das Urobilinogen und der Aldehyd miteinander reagieren, 
ist nicht sicher gestellt, trotz eingehender Untersuchungen von Neubauer, Hilde- 
brandt, Thomas. Wahrscheinlich beruht die Reaktion in der Kondensation 
des Benzaldehyd mit einem oder mehreren Pyrrolkernen (Thomas, Feist) 3 ). 

Neubauer fand, dass Hämopyrrol und Pyrrol eine ähnliche 
Reaktion geben. 

Nach Fisch. er u. Meyer-Betz 4 ) entsteht zuerst ein farb- 
loser Körper, eine Leukobase, der dann sekundär erst in den Farbstoff 
übergeht. Sie führen eine ganze Reihe von Stoffen auf, welche die 
Ehrlich sehe Aldehydreaktion geben (s. vorher), und zwar alle nicht 
stabilen Pyrrole, die ein an einem Ring-C-Atom nicht substituiertes 
H-Atom besitzen. Nach ihren Untersuchungen ist der zugrunde liegende 
Farbstoff ein Dipyrrylphenylmethanfarbstoff, der sekundär aus der zu- 
gehörigen Leukobase hervorgeht. 

Der entstehende Farbstoff kann durch Chlorhydrin (Epichlorhydrin 
und Dichlorhydrin), durch Amylalkohol und Chloroform der wässerigen 
Lösung entzogen werden. Der durch Aussalzen isolierte Farbstoff ist 
in Wasser, absolutem Alkohol, Aether aeeticus, Amylalkohol, Chloro- 
form, Dichlorhydrin, Pyridin, Eisessig sehr gut löslich, in Methylalkohol, 
Aceton, Anilin, o-Toluidin, Phenol gut löslich, in Äther, Petroläther, 
Schwefelkohlenstoff, Benzol, Xylol, Äthylenbromid, Paraffin nicht lös- 
lich. — Der Farbstoff ist in den gesättigten Lösungen der verschiedenen 
Salze verschieden leicht löslich und las st sich daher durch sie mehr 
oder minder vollkommen aussalzen. Fast vollständig lässt sich der Farb- 



*) P. Ehrlich, Med. Woche 1901. Nr. 15. 

2 ) 0. Neubauer, Münchener med. Wochenschr. 1846. 1903. — Hilde- 
brandt, Zeitschr. f. klin. Med. 59. 351. 1906. 

3 ) K. Thomas, Diss. med. Freiburg i. B. 1907. — Feist, Ber. d. ehem. 
Gesellsch. 35. 1647. 1902. 

4 ) H. Fischer u. F. Meyer-Betz, Zeitschr. f. phys. Chem. 75. 253. 1911. 



Urobilinogen ; Diazoreaktion. 1409 



stoff aus saurer (salz- oder ^schwefelsaurer) Lösung durch Sättigen 
mit Natriumsulfat oder Ammoniumsulfat aussalzen. Etwas weniger wirk- 
sam ist Magnesiumsulfat und Kaliumchlorid (Thomas). 

Die schön dunkelrote Lösung wird nach Zusatz von Alkali sofort schmutzig 
gelbbraun. Nach kurzer Zeit kann beim Ansäuern die rote Farbe nicht wieder 
erzeugt werden (Thomas). Bei Zusatz von Pikrinsäure lässt sich der Farbstoff 
als amorpher, brauner Niederschlag ausfällen, der sich in Amylalkohol dann wieder 
mit granatroter Farbe löst (Pröscher) x ). 

Der Farbstoff zeigt ein charakteristisches Absorptionsspektrum. 
Um über dieses Spektrum Klarheit zu bekommen, sind besondere Vor- 
sichtsmassregeln erforderlich (s. später bei Modifikation von Char- 
nas); nach Rhode 2 ) sind zwei Streifen bei dieser Reaktion zu be- 
obachten, ein breiter verwaschener bei X 615 — 570 und ein schwächerer 
undeutlicher bei X 555 — 540. Pröscher hatte noch einen dritten 
Streifen im Grün beschrieben, der aber nach Neubauer auf Uro- 
bilin zu beziehen ist. 

Bei Anstellung dieser Reaktion in der oben beschriebenen Weise, 
wie sie von Ehrlich, Pröscher, Neubauer, Hauer 3 ) an- 
gestellt wurde, vollzieht sich gleichzeitig durch die Einwirkung der im 
Reagens enthaltenen Salzsäure eine Oxydation des Urobilinogen zu 
Urobilin. Dies ist namentlich beim Erwärmen der Fall. 

Nach Münzer und Bloch 4 ) ist die rote Urobilinogenverbindung 
haltbar, wenn man das Benzaldehyd in essigsaurer Lösung verwendet. 
Benutzt man Amylalkohol zum Ausschütteln des Farbstoffes, so muss 
derselbe auf seine Reaktionslosigkeit geprüft, event. durch Filtration 
durch Tierkohle gereinigt werden. 

ß) Modifikation der Probe von Charnas 5 ). 

10 — 20 cem Harn werden mit Weinsäure versetzt und mit 20 bis 
30 cem reinem Äther kräftig durchgeschüttelt, wobei niemals Emul- 
sionen entstehen. Der Harn wird abgelassen (eventuell der Äther etwas 
mit Wasser nachgewaschen und das Wasser wieder abgelassen). Nun- 
mehr wird der Ätherextrakt mit einer kleinen Messerspitze Dimethyl- 
paramidobenzaldehyd versetzt, das sich sofort löst. Nunmehr wird 
reine rauchende Salzsäure (etwa 5 Tropfen) hinzugegeben; besser ist 
es, statt dessen mit Salzsäuregas gesättigten absoluten Alkohol zu be- 

!) Pröscher, Zeitschr. f. phvsiol. Ch. 31. 520. 1901. 

2 ) E. Rhode, Zeitschr. f. physiol. Ch. 44. 161. 1905. 

3 ) P. Ehrlich, Deutsche med. Wochenschr. 1884. Nr. 27. — R. Bauer, 
Zentralbl. f. inn. Med. 26. 833. 1905. 

4 ) E. Münz er und F. Bloch, Arch. f. Verdauungskrankh. 17. 260. 1911. 

5 ) D. Charnas, Biochem. Zeitschr. 20. 401. 1909; ferner ausführliche 
briefliche Zusätze. 



1410 Schulz, Farbstoffe. 



nutzen, der aber nur etwa 2 Wochen hältbar ist. Es entsteht nach Zu- 
satz von wenig Wasser eine prachtvolle, reine, violette Lösung, deren 
Spektrum einen Streifen bei X 567 — 552 zeigt, ohne den Urobilin- 
streifen. Schon in normalem Harn ist Urobilin so leicht nachweisbar. 

Durch diese Modifikation ist also die Nebenwirkung der Säure (s. oben) 
vermieden. 

Ein etwas abweichendes Verfahren hat Charnas zunächst veröffentlicht. 
Er setzt dabei zu der ätherischen Urobilinogenlösung eine gesättigte ätherische 
Lösung des Aldehyds, gibt dann einige Tropfen mit Salzsäure gesättigten ab- 
soluten Alkohol hinzu, schüttelt 2 Minuten lang und verdünnt dann mit Alkohol. 
Die Farbstoffbildung verläuft hierbei quantitativ. Der Farbstoff ist lange haltbar. 

2. Die eigelbe Diazoreaktion des Harns. 

Die Reaktion wurde von Ehrlich angegeben mit anderen Diazo- 
reaktionen des Harns (s. Abschnitt „Diazoreaktion" bei Proteinsäuren). 
Versetzt man Harn mit einer sauren Lösung von Sulfodiazobenzol, so 
tritt in manchen Fällen eine intensive Orangefärbung auf. Bei Zusatz 
von Ammoniak macht das Orange einem intensiven Zitronengelb Platz. 

Später haben sich Petri, Oppenheim, Gualdi 1 ) mit dieser 
Reaktion befasst, ohne feststellen zu können, auf welchem Stoff diese 
Reaktion beruht. Ehrlich war der Meinung, dass es sich um ein 
Gallenfarbstoffderivat handle. 

Thomas 2 ) konnte feststellen, dass überall, wo die Ehrlich- 
sche Aldehydreaktion — s. vorher — positiv ist, auch diese „Eigelb- 
reaktion'' positiv ist. Der Essigätherextrakt des Harns, nach Saillet 
hergestellt, gibt mit der sauren Diazolösung Orangefärbung; die eigelbe 
Farbe beim Zusatz von Alkali wird hier aber verdeckt von der roten 
Diazoreaktion, die andere Stoffe geben, die ebenfalls in den Essigäther- 
extrakt übergehen. 

D. Darstellung. Zur Darstellung des Urobilinogens benutzt 
Charnas die Extraktion mit Äther nach Ansäuern des Harns mit 
Weinsäure. 

Harn wird mit Weinsäure angesäuert und portionenweise mit 
dem mehrfachen Volum Äther geschüttelt. Der Äther wird mit kleinen 
Portionen Wasser gewaschen. Ist die Ätherlösung gefärbt (durch Blut- 
farbstoffderivate u. dgl.), so wird der Äther zunächst im Vakuum ein- 
geengt und dann durch Zusatz des gleichen Volum Petroläther entfärbt. 



x ) Petri, Zeitschr. f. klin. Med. 7. 500. 1884. — Oppenheim, Über die 
gelbe Diazoreaktion. Diss. med. Berlin 1885. — Gualdi, Riforma med. Roma 
19. 740. 1904. 

2 ) K. Thomas, Diss. med. Freiburg 1907; sowie Zeitschr. f. klin. Med. 
64. 247. 1907. 



Urobilinogen ; Bestimmung. 1411 



Diese äther-petrolätherische Urobilinogenlösung ist relativ halt- 
bar; erst im Verlaufe von Wochen erfährt der Chromogengehalt eine 
merkliche Abnahme. 

Das Urobilinogen wird aus dieser ätherischen Lösung durch Tier- 
kohle kräftig absorbiert. Der Tierkohle kann das Urobilinogen durch 
Ammoniak als Urobilin entzogen werden. Die ätherische Lösung kann 
zur Darstellung sehr reinen Urobilins benutzt werden. 

E. Bestimmung des Urobilinogens. Die Bestimmung 
des Urobilinogens wird nach Charnas vorgenommen, indem man 
durch Ausäthern das Urobilinogen isoliert. Dann wird das Urobilinogen 
in Urobilin übergeführt und als solches bestimmt. Näheres siehe bei 
Urobilin. 

Bestimmung des Urobilinogens bzw. Urobilins nach 

Charnas. 

A. Prinzip. Der urobilinhaltige Harn wird zur Überführung 
des Urobilins in Urobilinogen (s. S. 1386) vergoren, mit Weinsäure 
angesäuert und ausgeäthert. Die Urobilinogenlösung wird, wenn nötig, 
durch Petroläther von anderen Farbstoffen befreit. Sodann wird das 
Urobilinogen entweder direkt mit Hilfe der Ehrlich sehen Aldehyd- 
reaktion quantitativ bestimmt oder durch Belichtung in Urobilin über- 
geführt, dieses durch Aussalzen weiter gereinigt und zur Wägung ge- 
bracht. 

Auch ist es möglich, durch Bestimmung des Absorptionsverh^ilt- 
nisses das Urobilin zu bestimmen. (Letzteren Weg zieht Charnas 
neuerdings vor [briefliche Mitteilung].) 

Ausführung. 500 — 1000 cem Harn (bei Konzentration von 
etwa 0,02 g im Liter genügen 50 — 100 cem) werden bis zum Eintritt 
alkalischer Reaktion mit Ammoniumcarbonatlösung versetzt und 
1 — 2 Tage im Brütofen gelassen. Nunmehr wird der Harn in einem sehr 
geräumigen offenen Grefäss durch Zusatz einer gesättigten Weinsäure- 
lösung stark sauer gemacht (heftiges Aufschäumen!), ein etwa aus- 
fallender Niederschlag schnell abfiltriert oder abgesaugt und die Flüssig- 
keit mit dem l 1 ^ — 2 fachen Volum Äther geschüttelt. Emulsionen treten 
hierbei nicht auf. Die Ätherschicht wird wiederholt mit kleinen Mengen 
Wasser gewaschen. — In Anbetracht der grossen Zersetzlichkeit des 
Urobilinogen müssen die Operationen ohne Unterbrechung durchgeführt 
werden, und ist jedes unnötige Schütteln zu vermeiden. Auch soll das 
Waschwasser und die Weinsäurelösung frisch ausgekocht und womög- 
lich die ganze Arbeit bei künstlicher Beleuchtung ausgeführt werden. 



1412 Schulz, Farbstoffe. 



Sollte die Ätherlösung stark gefärbt sein (z. B. bei Blutgehalt des 
Harns), iso wird das gleiche Volum Petroläther hinzugefügt und der sich 
abscheidende Farbstoff durch wenig Wasser entfernt. In der nunmehr 
nahezu farblosen ätherischen (bzw. ätherisch-petrolätherischen) Lösung 
wird nun das Urobilinogen bestimmt. 

a) Spektrophoto metrisch. 1. Erstes Verfahren. Die 
Ätherlösung wird abgemessen, und dann werden 1 oder 2 ccm der Äther- 
lösung mit 0,2 — 0,5 ccm einer kaltgesättigten Lösung von Dimethyl- 
paraamidobenzaldehyd in einem 100 ccm fassenden, mit eingeschliffenem 
Stöpsel versehenen Messzylinder gemischt, 2 — 3 Tröpfchen mit trockenem 
Salzsäuregas gesättigter, absoluter Alkohol hinzugefügt und 2 — 3 Min. 
kräftig geschüttelt. Es wird dann sofort mit einer passenden Menge 
Alkohol auf ein bestimmtes Volumen verdünnt und in den Trog (Schulz- 
scher Trog s. S. 56) des Spektrophotometers übertragen. — Die Messung 
erfolgt im Bereich des dunkelsten Teiles des Absorptionsstreif ens 
(X 550 — 570). Die Berechnung erfolgt nach der Formel C = AE, wobei 
E den Mittelwert der gefundenen Extinktionskoeffizienten darstellt und 
A = 0,000017 zu setzen ist. C bedeutet dann das Gewicht des Uro- 
bilinogen in Grammen. 

Bei sehr geringem Urobilinogengehalt ist anders vorzugehen (z. B. bei 
normalen Harnen). 10 ccm der Ätherlösung werden im Messcylinder mit 0,2 bis 
0,3 ccm der gesättigten Aldehydlösung und 2 — 4 Tröpfchen der alkoholischen 
Salzsäure versetzt, 2 Minuten geschüttelt und nunmehr eine passende Menge 
(mindestens 2 ccm) Wasser hinzugefügt. Nunmehr ist der ganze Farbstoff in der 
wässerigen Schicht enthalten, während der überstehende Äther farblos ist und 
abgegossen wird. Die wässerige Lösung wird nun spektrophotometrisch bestimmt 
(Konzentrationsverfahren). 

2. Zweites Verfahren. Neuerdings empfiehlt Charnas 
(briefliche Mitteilung) das Urobilinogen in Urobilin überzuführen und 
das Urobilin dann spektrophotometrisch zu bestimmen. Der Harn 
wird zunächst wie oben beschrieben behandelt. Die ätherische bzw. 
ätherisch - petrolätherische Lösung wird nunmehr belichtet, bis eben 
Urobilin frei wird und dann mit reinem Wasser ausgeschüttelt, so lange 
dasselbe Farbstoff aufnimmt. Alkali und Alkohol wurden nicht hinzu- 
gesetzt. Das echte Urobilin ist, wenn noch nicht weiter behandelt, 
relativ gut löslich in Wasser (zu 0,0335 o/o). In dem Äther bleiben Spuren 
von Urobilinmodifikationen, ferner fremde, unbekannte spektrumlose 
Farbstoffe, eventuell Säuren, Arzneistoffe etc. zurück. — Man salzt 
nunmehr nach etwa einstündigem Durchsaugen von Luft oder besser von 
C0 2 , da durch Luft eine allerdings geringfügige Abnahme des Ex- 
tinktionskoeffizienten erfolgt, mit reinstem Ammoniumsulfat aus (käuf- 
liches enthält Eisen und andere am Filter bleibende Stoffe), was quan- 
titativ geht, so dass das Filtrat farblos ist. Man löst den Niederschlag 
wieder auf und zwar in wenig Natriumbicarbonatlösung. Der Nieder- 






Urobilinogen ; Bestimmung. 1413 



schlag ist inzwischen wesentlich weniger wasserlöslich geworden. Die 
Lösung wird mit Salzsäure angesäuert und wieder mit Ammoniumsulfat 
ausgesalzen und mit gesättigter Ammoniumsulfatlösung gewaschen bis 
zur Chlorfreiheit. Nunmehr wird im Vakuum getrocknet. Bis zu diesem 
Punkt bleibt die Extinktionskraft des Urobilin fast intakt. — Zur Be- 
stimmung des Absorptionsvermögens wird mit absolutem Alkohol auf- 
genommen und sofort mit Wasser verdünnt. Für das Absorptionsver- 
mögen A gilt der Mittelwert 0,0000165. 

b) Gewichtsanalytisch. Die ätherische Urobilinogenlösung 
wird im Scheidetrichter mit dem gleichen Volum reinen Wassers zu- 
sammengebracht und nunmehr einen Tag lang am Sonnenlichte stehen 
gelassen. Durch die Aldehydreaktion kann man sich in einer Probe 
vom Verschwinden des Urobilinogen überzeugen. Erfahrungsgemäss ge- 
nügt ein Tag. Längeres Stehen in der Sonne entfärbt das Urobilin. 
Das Urobilin wird beim Umschütteln leicht vom Wasser aufgenommen. 
Die abgetrennte wässerige Lösung wird filtriert, mit reinstem Ammonium- 
sulfat in Substanz gesättigt, der Niederschlag auf einem dichten Filter 
(z. B. Schleicher und Sc hüll Nr. 602) gesammelt, lufttrocken 
mit möglichst wenig absolutem Alkohol extrahiert, die abfiltrierte alko- 
holische Lösung in einem gewogenen Schälchen über Phosphorpentoxyd 
im Vakuum bei Zimmertemperatur getrocknet und der trockene Urobilin- 
rückstand gewogen. 



Zufällige Bestandteile. 



Von der grossen Zahl der zufälligen Harnbestandteile werden hier 
nur solche berücksichtigt, welche häufiger im Harn auftreten, physio- 
logisches oder klinisches Interesse besitzen und für deren Nachweis 
oder Bestimmung besondere Methoden ausgearbeitet worden sind; ein 
Teil der übrigen hat bei der Besprechung der normalen und patho- 
logischen Bestandteile des Harns beiläufige Erwähnung gefunden. 

I. Teil. 
Anorganische Körper. 

Von K. Spiro- Strassburg i. E. 

A. Metalle. 

Zur Auffindung der schweren Metalle im Harn muss man dieselben 
Methoden befolgen, welche zur Entdeckung derselben in gerichtlichen 
Fällen angewandt werden; es wird deshalb auf die einschlägigen Hand- 
bücher verwiesen. Für einzelne der Metalle sind eigene Methoden zum 
Nachweis derselben im Harn angegeben worden. 

1. Quecksilber. 

A. Vorkommen. Je nach der Art der Darreichung erscheint 
das eingeführte Quecksilber früher oder später im Harn: am schnellsten, 
nach Stunden, bei intravenöser oder subkutaner Injektion; langsamer, 
am ersten Tage noch, bei interner Darreichung oder Einreibung; end- 
lich nach 1 — 2 Tagen erst bei Inhalation. Die Ausscheidung selbst ist 
protrahiert, so dass nach grösseren Quecksilberkuren das Metall noch 
monatelang, spurenweise sogar noch jahrelang nachgewiesen werden 
kann. 



Quecksilber. 1415 



Bezüglich des Einflusses der Applikationsart auf den Verlauf der Aus- 
scheidung fand E. Bürgi 1 ): 

Der Hg- Gehalt des Urines nimmt bei der Schmierkur von minimalen doch 
wägbaren Mengen ansteigend allmählich sehr gleichmässig zu, ohne indessen je- 
mals hohe Werte zu erreichen; ähnlich verhält er sich bei der Welanderschen 
Säckchenbehandlung, ist hier aber noch etwas geringfügiger und grösseren täglichen 
Schwankungen unterworfen. Bei der internen Verabreichung ist er ungleich be- 
trächtlicher (namentlich sehr hoch bei Gebrauch von Kalomel in abführenden 
Dosen), aber individuell sehr verschieden und von unregelmässig wechselnder 
Grösse; er beträgt bei der intramuskulären Injektion von löslichen und von unlös- 
lichen Salzen während der Kur etwa 25 ° () des Eingeführten. Da aber dem Körper 
mit den ersteren täglich, aber wenig, mit den letzteren nur zweimal in der Woche, 
aber jedesmal sehr viel Quecksilber einverleibt wird und die Eauptausscheidung 
des Metalles immer auf den Tag der Injektion fällt, nimmt der Hg- Gehalt des 
Urines bei subkutanen Einspritzungen löslicher Salze, von ganz kleinen Anfangs- 
werten ausgehend, einen allmählich ansteigenden, gleichförmigen Verlauf (wie 
bei der Schmierkur), ist dagegen bei hypodermatisch.eE Injektionen unlöslicher 
Salze sehr beträchtlich (höher als bei irgend einer anderen Behandlung), aber 
bedeutenden regelmässig wiederkehrenden Schwankungen unterworfen, also von 
ausgesprochen wellenförmigem Charakter. Bei den intravenösen Sublimatinjek- 
tionen nach Bacelli findet man den kleinen Gaben entsprechend wenig Queck- 
silber im Harne, doch steigt die Ausscheidung des Metalles sehr rasch zu ihrer 
maximalen Höhe an und beträgt während der Behandlung 60 % des Eingeführten. 
In den drei einer Kur mit Injektionen von salizylsaurem Quecksilber nachfolgenden 
Monaten wurden noch ca. 10 % der eingegebenen Menge durch die Nieren eliminiert. 
In den meisten Fällen konnte eine deutliche Vermehrung der Diurese durch die 
Quecksilberbehandlung nachgewiesen werden. 

B. Eigenschaften. Für die Erkennung und Bestimmung des 

Quecksilbers kommen hauptsächlich die beiden folgenden in Betracht: 

1. Kupfer, Zink und Eisen fällen Quecksilber aus seinen 
Salzlösungen: 

HgCl 2 + Fe = FeCl 2 -f Hg. 

Bringt man einen Tropfen Merkuri- oder Merkurosalz auf ein 
Stück blankes Kupferblech, so entsteht ein grauer Fleck, der nach dem 
Trocknen und Beiben silberglänzend wirkt. 

2. Zinn-Chlor ür reduziert Merkurisalze zunächst zu weissem 
unlöslichem Merkurochlorid (Kalomel) und bei weiterer Einwirkung 
zu Metall. 

2HgCl 2 + SnCl 2 = 2HgCl -j- SnCl 4 
2HgCl -f SnC1 2 = 2H g + SnC1 4- 

Das metallische Quecksilber scheidet sich dabei als graues 
Pulver ab. Giesst man die überstehende Flüssigkeit ab und kocht den 
Bückstand mit verdünnter Salzsäure, so erhält man das Queck- 
silber in deutlich sichtbaren Tropfen. 

3. Fein verteiltes Quecksilber wird durch Joddampf in rotes 
Quecksilberjodid verwandelt. 



x ) E. Bürgi, Arch. f. exp. Path. u. Pharm. 54. 439. 1906; Arch. f. Derm. 
u. Syph. 79. 134. 



1416 Spiro, Anorganische Körper. 

4. Schwefelwasserstoff erzeugt in Merkurisalzlösungen eine zu- 
nächst weisse, dann durch gelb über hraun in schwarz übergehende 
Fällung : 

HgCl 2 + H 2 S = HgS -f- 2HC1. 

Das Quecksilbersulfid ist in verdünnten kochenden Säuren 
unlöslich. 

5. Eine Reihe von Quecksilbersalzen, z. B. Merkurichlorid und 
-Jodid sublimieren und sind flüchtig. 

C. Nachweis. Wie E. Ludwig dargetan hat, lässt sich das 
Quecksilber aus dem Harn in einfachster Weise abscheiden, wenn 
man ihn angesäuert mit metallischem Zink oder Kupfer einige Zeit in 
Berührung lässt (s. B. 1.). Aus dem gebildeten Amalgam wird das 
Quecksilber durch Erhitzen in ein Kapillarrohr getrieben und in diesem 
nach Schneider durch Joddampf in rotes Quecksilber] odid über- 
geführt und so kenntlich gemacht (s. B. 3.). 

Ludwig verwendete Zinkstaub (6 g auf das Liter Harn), Fürbringer 
eine kleine Menge Messingwolle (in schmale Streifen zerschnittenes Rauschgold.) 
Teubner sowie Paschkis unächtes Blattgold, F. Müller stark ausgeglühte 
Kupferfeilspäne, Wolff und Nega Kupferblech, Almen ausgeglühten sehr feinen 
Kupter- oder besser Messingdraht, Brasse Messingdrahtnetz, Winternitz Kupier- 
drahtnetz, J oll es gekörntes Gold. Wolff lässt die Flüssigkeit an einem aus 
dünnen galvanisch vergoldeten Silberfaden gefertigten Pinsel, der die Kathode 
einer Batterie bildet, sehr langsam vorüberfliessen. Für den qualitativen Nach- 
weis hält H u p p e r t das unechte Blattglod für das passendste Material. Zinkpulver 
hält Bondzyriski 1 ) darum nicht für geeignet, weil es, bei einem Gehalt an Cad- 
mium auch in so niederer Hitze, wie es für das Sublimieren des Quecksilbers er- 
forderlich ist, einen Spiegel vom Aussehen des sublimierten Quecksilbers gibt. 

Nach Schumacher und Jung stellt man den Goldasbest dar, indem 
man chemisch reines Gold in Königswasser löst und die Goldchloridlösung so 
lange eindampft, bis nur noch wenig freie Säure vorhanden ist. In diese Lösung 
gibt man gereinigte feine Asbestfäden und lässt diese, nachdem sie genügend 
mit der Goldlösung durchtränkt sind, abtropfen. Dann werden sie in einem 
Rosetiegel auf dem Sandbad getrocknet. Nun wird der Tiegel über freier 
Flamme allmählich stark erhitzt, während von oben mit dem Porzellanröhrchen 
ein Strom reinsten Wasserstoffs trocken eingeleitet wird. Nach 15 Minuten 
wird der Asbest mit Salzsäure und Wasser gereinigt, getrocknet und in ein 
Ludwigsches Filter in der Art gebracht, dass zu unterst eine Schicht Asbest, 



x ) E. Ludwig, Wien. med. Jahrbuch. 1877. 143; Zeitschr. f. analyt. Ch 
17. 395; Med. Jahrbuch. 1880. 493; Zeitschr. f. analyt. Ch. 20. 475. — P. Für 
bringer, Berl. klin. Wochenschr. 1878. 332. — E. Teubner, Österr. Zeitschr 
f. Berg- u. Hüttenwesen, 27. 423; Zeitschr. f. anal. Ch. 19. 198. 1880. — H. Pasch 
kis, Zeitschr. f. physiol. Ch. 6. 501. 1882. — F. Müller, Mitteil. a. d. med. Klin 
zu Würz bürg 2. 358. 1886. — A. Wolff u. J. Nega, Deutsche med. Wochenschr 
1886. 256, 272; Zeitschr. f. analyt. Ch. 26. 116. — A. Almen, Jahresb. f 
Tierch 1886. 221; Zeitschr. f. analyt. Ch. 26. 669. 1887. — L. Brasse, Comptes 
rendus de la Soc. de Biol. 1887. 297; Revue de med. 8. 325. 1888. — R. Winter 
nitz, Arch. f. exp. Path. 25. 229. 1898. — C. H. Wolff, Repert. f. analyt. Ch. 3 
1883; Zeitschr. f. analyt. Ch. 23. 593. — A. Jolles, Monatsh. f. Ch. 16. 684. 1895 
— St. Bondzynski, Zeitschr. f. anal. Ch. 32. 302. 



Quecksilber. 1417 



dann eine Schicht Goldasbest, dann eine Lage körnig schwammiges Gold, dann 
eine zweite Schicht Goldasbest kommt. 

Man nimmt ungefähr 500 cc Harn (vom Menschen) in Arbeit und zwar, 
worauf neuerdings wieder Brening hingewiesen hat, unfLtrierten und unver- 
dünnten Harn. Nach Winternitz muss man dem Harn mindestens 0,04 Volumen 
konzentrierte Salzsäure zusetzen, wenn in ihm nicht Quecksilber zurückbleiben 
soll; man nimmt deshalb mehr Säure als das Minimum (bis 0,1 Volumen). Der 
Harn wird mit dem Metall einige Zeit (1 Stunde) auf dem Wasserbad erwärmt, 
dann noch mehrere Stunden stehen gelassen, darauf das Metall, um anhaftende 
organische Substanz zu entfernen, welche bei dem späteren Erhitzen des Metalls 
ein brenzliches Destillat geben würde, mit sehr verdünnter Natronlauge gewaschen 
(Pasch kis) oder auch in der Wärme damit behandelt, weiter nacheinander mit 
Wasser, mit Alkohol und mit Äther gewaschen und trocknen gelassen. 

Eine vorherige Zerstörung der organischen Substanz ist beim Menschen- 
harn nach Pasch kis überflüssig, beim Hundeharn nach Böhm x ) aber unerlässlich, 
weil sonst der grösste Teil (bis über 80 %) des Quecksilbers mit dem auf Zusatz 
von Salzsäure entstehenden Niederschlag ausgefällt und so der Reaktion entzogen 
wird. Böhm nimmt die Oxydation in der Weise vor, dass er den Hundeharn mit 
Y 3 Volumen Salzsäure von 1,12 Dichte auf dem Wasserbad erwärmt und alle 
15 Minuten 0.5 — 3 g chlorsaures Kali zusetzt. Das überschüssige Chlor muss vor 
dem Eintragen des Metalls vollständig entfernt werden, wozu ein 9 — lOstündiges 
Erwärmen auf dem Wasserbad bei einer 60° nicht erreichenden Wärme erforderlich 
ist. Darnach wird filtriert und bei quantitativem Versuche unbedingt das Filter 
säurefrei gewaschen. Zucker- und eiweisshaltiger Harn lässt sich gleichfalls zu 
dem Versuch verwenden, nur stark sehleimiger eignet sich schlecht (Fürbringer). 
— Ist der Harn sehr arm an Quecksilber, so soll man ihn nach Almen mit wenig 
überschüssiger Natronlauge mit oder ohne Zusatz eines reduzierenden Zuckers 
% Stunde im Sieden erhalten, den Phosphatniederschlag, welcher das Quecksilber 
enthält, in Salzsäure lösen und dem angegebenen Verfahren unterwerfen. Nach 
Schillberg 2 ) kann sich bei längerem Kochen etwas Quecksilber mit den Wasser- 
dämpfen verflüchtigen; es genügt aber auch ein nur mehrere Minuten dauerndes 
Kochen. 

Jodide sollen nach Schillberg die Ablagerung des Quecksilbers auf dem 
Metall verhindern; man fällt daher bei Gegenwart solcher den Harn mit Alkali- 
hydrat nach Almen und wäscht den Niederschlag mit wenig Wasser jodfrei. 

Das gereinigte und trockene, den Quecksilberbeschlag tragende Metall 
bringt man in ein dickwandiges, an dem einen Ende zugeschmolzenes Glasrohr, 
dessen Länge und Weite sich nach dem Volumen des Metalls richtet. Man zieht 
das offene Ende zu einer offenen Kapillare aus, die jedoch nicht so eng sein darf, 
dass sie durch die später allenfalls auftretende geringe Wassermenge ganz ver- 
schlossen würde, weil das Wasser sublimiertes Quecksilber herausschleudern könnte. 
Das Rohr wird dann, von seinem geschlossenen Ende an bis zum Anfang der Kapil- 
lare, über einem einfachen Gasbrenner erhitzt, wobei ein wenig Wasser, dann 
Quecksilber und wohl auch andere Substanzen (Zinkoxyd aus dem Messing etc.) 
in die Kapillare destillieren. Das Quecksilber sammelt sich in der Regel hinter 
dem Wasser und vor den anderen fremden Substanzen in feinen Tröpfchen an, die 
mit einer Lupe erkannt werden können. Um das Quecksilber in Quecksilber Jodid 
überzuführen, schneidet man die Kapillare ab, bringt in ihr rückwärtiges Ende 
einen kleinen Splitter Jod und erwärmt dieses so, dass sein Dampf in die geneigte 
Kapillare aufsteigen und in alle Teile derselben gelangen kann. Kondensiertes 
Jod, welches die Erkennung des Quecksilber Jodids erschweren würde, spült man 
vorsichtig mit etwas Äther aus der Kapillare. Das Jodid erscheint dann unter 
der Lupe in kleinen Krystallen ; meist entsteht zunächst das gelbe Jodid (rhombische 
Tafeln), welches sich seiner blassen Farbe w r egen nur schwer erkennen lässt; das- 



x ) L. Böhm, Zeitschr. f. physiol. Ch. 15. 9. 1891. 
») Schillberg, Jahresber. f. Tierch. 1886. 222. 



1418 Spiro, Anorganische Körper. 

selbe geht aber beim Liegen der Kapillare früher oder später in das rote (Oktaeder), 
schon mit blossem Auge wahrnehmbare über. 

Nach diesem Verfahren lassen sich noch 0,2 mg Quecksilber in 200 — 300 ccm 
sicher nachweisen. 

Fr. Müller sowie Alt 1 ) erhitzen das Metall in einem weiten Rohre. Nach 
Müller soll es lang (30 cm) und ganz trocken sein. Der durch Einblasen von 
Joddampf (aus einem Splitter in einem Glasrohr erhitzten Jod) erzeugte rotgelbe 
Beschlag lässt sich durch vorsichtige drehende Bewegung des Rohrs über einer 
Flamme zu einem scharf begrenzten Ringe zusammendrängen, der dann leicht zu 
erkennen ist. Dabei stören die teerartigen Destillationsprodukte weniger als bei 
der Kapillare. 

Nach Jolles 2 ) werden 100 — 150 ccm Harn mit 5 — 10 ccm conzentrierter 
Salzsäure versetzt, erwärmt, hierauf portionsweise chlorsaures Kali bis zur Gesamt- 
menge von ca. 1,5 — 2 g hinzugefügt, und die Flüssigkeit so lange im schwachen 
Kochen erhalten, bis kein Chlorgeruch mehr wahrnehmbar ist. Hierauf wird das 
Gefäß mit heißem destilliertem Wasser bis zum ursprünglichen Volumen aufgefüllt, 
und dann das galvanisch vergoldete Platin-Wellblech (resp. vergoldetes Platin- 
blech) vermittels eines Platindrahtes, der durch zwei in der Platte angebrachte 
Ösen durchgezogen ist, eingesenkt, das Gefäß auf dem Drahtnetze mäßig erwärmt, 
30 ccm Zinnchlorürlösung 5 ) zugesetzt und das Erwärmen durch eine Viertelstunde 
fortgesetzt. Hierauf wird das Platinblech herausgenommen, zuerst unter der 
Wasserleitung, dann mit destilliertem Wasser gut abgespült und dann über ein 
entsprechend großes Uhrglas oder noch besser über eine möglichst flache, mit Aus- 
guß versehene Schale gehalten, mit warmer verdünnter Salpetersäure abgespritzt, 
in die Salpetersäure gelegt, so daß sie allseitig von dieser bespült ist und eventuell 
noch einige Minuten auf dem Wasserbade erwärmt. Nunmehr wird das Blech mit 
einer geringen Menge destillierten Wassers abgespritzt, die salpetersaure Lösung 
für sich weiter auf dem Wasserbade eingedampft auf ein Volumen von 2 — 3 ccm. 
Diese Flüssigkeit wird in ein Reagensrohr übergespült und entweder mit dem gleichen 
Volumen einer Zinnchlorürlösung oder besser mit 2 — 3 ccm frisch hergestellten 
Schwefelwasserstoffwassers versetzt. Im ersteren Falle entsteht eine deutliche 
Trübung bis zu 0,00016 g Hg für 100 ccm Harn im letzteren eine deutlich wahr- 
nehmbare Braungelbfärbung bis zu 0,000066 Hg für 100 ccm Harn 4 ). 

Merget sowie Brugnatelli 5 ) bedienen sich eigener Methoden zur Er- 
kennung des Quecksilbers. Nach Merget soll man den Kupferdraht, auf welchem 
sich das Quecksilber niedergeschlagen hat, sanft gegen Papier drücken, das mit 
ammoniakalischer Silberlösung getränkt und im Dunklen getrocknet worden war; 
bei Gegenwart von Quecksilber entstehen auf dem Papier dunkle Flecke. — Brug- 
natelli bringt das amalgamierte Kupfer in eine Schale, daneben auf einem Scherben 
einen Tropfen 1 %iger Goldchloridlösung und erwärmt die bedeckte Schale auf 
dem Wasserbade; auf dem Scherben erscheinen violett braune oder rosenrote 
Flecke, bei Gegenwart von viel Quecksilber auch glänzendes Gold. 

Eine besondere Fehlerquelle liegt noch in der Flüchtigkeit der Quecksilber- 
verbindungen. E. Salkowski 6 ) hat den Beweis erbracht, dass man den Harn 
eindampfen darf, wenn man mit HCl ansäuert und ein Eintrocknen vermeidet. 



!) Alt, Deutsche med. Wochenschr. 1886. 642. 

2 ) Zeitschr. f. anal. Chemie 39. 230. 

3 ) 40 g Zinn werden in konzentrierter Salzsäure unter Erwärmen gelöst 
und die verdampfte Säure solange ergänzt, bis sämtliches Zinn gelöst ist, alsdann 
wird die Lösung mit destilliertem Wasser verdünnt, filtriert und auf 300 ccm auf- 
gefüllt. 

4 ) Vgl. auch M. Oppenheim, Zeitschr. f. anal. Chemie 42. 431. 1903. 

5 ) Merget, Journ. de pharm, et de chimie [5]. 19. 444; Chem. Zentralbl. 
1889. 2. 62. — E. Brugnatelli, La Riforma med. 1889. 825; Jahresb. f. Tierch. 
1889. 217. 

6 ) Zeitschr. f. physiol. Chem. 72. 387; 73. 401. 



Quecksilber, .Bestimmung. 



1419 



Je 500 ccm Harn werden mit 2 ccm 25 %iger HCl bis zur beginnenden Ausscheidung 
von Salzen eingedampft, mit HCl und HC10 3 oxydiert, mit Alkohol extrahiert 
und das alkoholische Extrakt filtriert und eingedampft, mit 40 ccm absolutem 
Alkohol aufgenommen und 60 ccm Äther hinzugefügt. Der Alkohol-Äther-Auszug 
wird nach kurzem Stehen abfiltriert, eingedampft, mit 10 ccm Wasser aufgenommen 
und nach starkem Schütteln filtriert. Aus der so entstandenen Endlösung lässt 
sich das Hg in besonders bequemer Weise dadurch abscheiden, dass man in die 
Lösung Kupferblechstreifen legt und wenigstens 1 ! 2 Stunden darin belässt. Die ab- 
gespülten, mit Alkohol und Äther getrockneten Blechstreifen erhitzt man in einem 
Reagenzglas, schüttelt nach dem Erkalten die Bleche heraus, führt ein Körnchen 
Jod ein, erhitzt gelinde und entfernt das überschüssige Jod durch Erwärmen mit 
Lufteinblasen. Bisweilen muss das Reagenzglas einige Stunden liegen bleiben, bis 
sich der Quecksilberjodidbeschlag bildet. In einem Harn, der 0,25 mg HgCl 2 in 
500 ccm enthielt, war der Nachweis noch deutlich. 

Nach F. Glaser und A. l^enburg 1 ) kann man das Quecksilber aus dem 
Harn auch mit Tonerde ausfällen, indem man zu 250 ee Harn 5 g reines Aluminium- 
sulfat zufügt, in der Wärme mit Ammoniak fällt und den abgesaugten Nieder- 
schlag auf siedendem Wasserbade mit konz. Salzsäure in Gegenwart einer Kupfer- 
spirale zersetzt und dann den üblichen Nachweis als Jodid führt. 

D. Bestimmung. 
1. Nach Winternitz 2 ). 




Der mit 0,1 Volumen Salzsäure versetzte und nach 1 — 2 Tagen filtrierte 
Harn (vom Menschen) strömt an Rollen von engmaschigem Kupferdrahtnetz 
aus schwachem Draht, die sich in 6 mm weiten Glasröhren be- 
finden (Fig. 44,) in aufsteigender Richtung mit einer Geschwindig- 
keit von 50 Tropfen in der Minute vorüber. Eine Länge der Rollen 
von 30 cm genügt für die Aufnahme des Quecksilbers aus 1 I Harn. 
Man lässt den Harn zweimal hintereinander durch die Glasröhren 
fliessen. Die Netzrollen werden erst mit Wasser säurefrei, dann 
mit Alkohol und mit Äther gewaschen und in einem Luftstrom 
getrocknet. Darauf werden sie wie das Metall bei dem quali- 
tativen Versuch ausgeglüht und das entweichende Quecksilber 
in einer Kapillare gesammelt. Zwischen den Netzrollen und der 
Kapillare befindet sich eine Schicht körniges Kupferoxyd zur Zer- 
störung flüchtiger organischer Substanz und eine Silberspirale 
zur Aufnahme sich etwa entwickelnden Jods. Die Kapillare ist 
am äussersten Ende, um das Entweichen von Quecksilberdampf 
zu verhindern, eine kurze Strecke weit mit einem Pfropf von 
echtem Blattgold lose verschlossen. Das Bajonettrohr, in welchem 
das Glühen (im Verbrennungsofen) vorgenommen wird, wird kalt 
% Stunde mit trockener Kohlensäure gewaschen, dann bringt man 
erst das Kupferoxyd und das Silber zum Glühen und erhitzt 
darauf das Drahtnetz von rückwärts nach der Kapillare zu in ^ 
einem schwachen Kohlensäurestrom (40 Blasen in der Minute) 
Y 2 — % Stunde. Die Kapillare wird zuletzt abgeschnitten, in einem 
Strom trockener Luft bis zur Gewichtskonstanz getrocknet, ge- 
wogen und in einem Strom trockener Kohlensäure geglüht und 
wieder gewogen. Die Gewichtsdifferenz ergibt die Menge des 
Quecksilbers. Die Resultate sind sehr genau. — Hundeharn muss 
nach Böhm vor dem Überleiten über das Drahtnetz mit chlor- 
saurem Kali und Salzsäure behandelt werden. Fig. 44. 



x ) F. Glaser und A. Isenburg, Chemiker-Zeitung 33. 1258. 1909. 
2 ) R. Winternitz, Arch. f. exp. Path. 25. 229. 1889. 



Neubauer- Huppert, Analyse des Harns. 11. Aufl. 



90 



1420 Spiro, Anorganische Körper. 

2. Nach Jolle s. 

Jolles hat sein oben angegebenes Verfahren zum Nachweis auch für die 
quantitative Bestimmung nutzbar zu machen gesucht, indem er die Gelbfärbungen, 
die durch Schwefel Wasserstoff wasser entstehen, kolorimetrisch verglich mit solchen 
bei Lösungen von bekanntem Gehalt. Das Verfahren ist aber dadurch kompliziert, 
daß man erst durch einen Vorversuch feststellen muß, bei welcher Harnmenge 
einmaliges Einsenken genügt. 

3. Nach Ludwig und Zillner 1 ). 

Der Harn wurde bei gelinder Wärme mit Salzsäure und mit Zinkstaub ver- 
setzt und unter wiederholtem Rühren einige Stunden stehen gelassen. Der Zink- 
staub wird dann durch Dekantieren erst mit Wasser, dann mit sehr schwacher 
Natronlauge und zuletzt wieder mit Wasser gewaschen, auf einem mit Glas- 
wolle verstopften Trichter gesammelt, durch Übergiessen mit Alkohol vom 
Wasser befreit und in einem Luftstrom getrocknet. Dann wird das Queck- 
silber aus dem Amalgam abdestilliert. Dazu wird ein Verbrennungsrohr an dem 
einen Ende zu einem U-Rohr von geringem Durchmesser ausgezogen. Dem U-Rohr 
zunächst kommt dann ein Asbestpfropf, dann eine Schicht frischgebrannter Kalk 
in hanf korngrossen Stücken, eine Schicht körniges Kupferoxyd, zuletzt der Zinkstaub. 
Zwischen jeder Schicht und am Ende befindet sich ein Asbestpfropf. Das Rohr 
wird in einen Verbrennungsofen so gelegt, dass das U-Rohr herausragt; es kann 
durch kaltes Wasser gekühlt werden. Man erhitzt in einem langsamen Strom 
trockener Luft den Kalk und das Kupferoxyd zum Glühen, darauf den Zinkstaub, 
diesen aber nur schwach. Nach einer Stunde hat sich alles Quecksilber und über- 
destilliertes Wasser im U-Rohr angesammelt. Das U-Rohr wird abgeschnitten, 
durch einen Luftstrom vom Wasser befreit und gewogen. Man treibt dann aus 
dem erhitzten Rohr das Quecksilber mittels eines Blasebalges aus und wägt das 
Rohr nach dem Erkalten wieder. 

4. Nach Schumacher II und W. Jung 2 ). 

a) Gravimetrisches Verfahren. 

1 1 Harn wird in einem ungefähr 2 1 fassenden Kaliglaskolben auf dem Dampf- 
bad oder auf dem Drahtnetz unter Zusatz von 15 g Kaliumchlorat und 100 ccm 
konzentrierter Salzsäure sofort bis zum Kochen erhitzt, dann unter der Wasser- 
leitung gekühlt und, wenn die Temperatur von 40 — 50° erreicht ist, mit 50 — 100 ccm 
klarer Zinnchlorürlösung versetzt, so daß diese im Überschuß ist (Probe mit Subli- 
matlösung). Nach 5 Minuten wird durch einen Trichter mit dichtem Asbestfilter 
abgesaugt, mit etwas Wasser nachgewaschen und der Asbest mit dem aufsitzenden 
Quecksilber und der geringen Menge organischer Substanz in einen etwa % 1 fassen- 
den Kolben unter Nachspülen des Trichters mit etwas Kalilauge gebracht. Man 
läßt die Kahlauge einige Minuten lösend einwirken, setzt dann einige Körnchen 
Kaliumchlorat zu, macht mit Salzsäure sauer und erwärmt auf dem Drahtnetz, 
bis Chlor weggeht. Dann wird an der Saugpumpe in einen starkwandigen Rund- 
kolben abgesaugt und die noch warme, klare Lösung mit 10 — 20 ccm Zinnchlorür- 
lösung versetzt. Das ausgeschiedene Quecksilber wird durch ein mit Goldasbest 
versehenes Kaliglasröhrchen (s. o.) abgesaugt, zuerst mit verdünnter Salzsäure, 
dann mitWasser, je dreimal mit Alkohol und Äther nachgewaschen und im trockenen 
Luftstrom unter sehr schwachem Erwärmen gut getrocknet. Nach dem Wägen 
des Röhrchens wird wieder im trockenen Luftstrom stark geglüht und gewogen, 
die Differenz zwischen den beiden Wägungen gibt die vorhandene Quecksilber- 
menge an. 

x ) E. Zillner, Wien. klin. Wochenschr. 45. 1889. 28.-32. 1890; Zeitschr. 
f. anal. Ch. 30. 258. 

2 ) Zeitschr. f. anal. Ch. 41. 482. 



Quecksilber, Bestimmung. 1421 



b) Colorimetrisches Verfahren. 

Im allgemeinen werden 500 ccm Harn in Arbeit genommen. Be- 
kommt man später mit Schwefelwasserstoff keine oder last keine 
Färbung, so ist kein Quecksilber oder weniger als 8/2 rlmg HgCl 2 
= 6,1 dmg Hg im Liter Urin enthalten. Man nimmt in diesem Falle 
dann 1 Liter Harn in Arbeit oder dampft ein noch grösseres Quantum 
auf dem Wasserbad, wenn nötig unter Zusatz einiger Gramm Chlor- 
natrium, entsprechend ein. Zu den 500 ccm Harn setzt man 50 ccm 
konzentrierte Salzsäure und etwa 5 g Kaliumchlorat und erhitzt in 
einem Erlenmeyerkolben von ca. 1 Liter Inhalt, bis die Flüssigkeit 
kocht. Der Harn wird dann flüssiger und durch das Chlor hellgelb- 
grün gefärbt. Man lässt auf etwa 80° abkühlen und setzt ohne Verzug 
zu der heissen Flüssigkeil ca. 12 g Zincum raspatum (von E. Merck 
chemisch rein und vorher geprüft). Wenn die erste stürmische Ein- 
wirkung vorüber ist, setzt mau noch weitere 3 g Zincum raspatum zu 
und sieht nun bald die helle Farbe des Urins wieder dunkler werden 
und sich der ursprünglichen wieder nähern. Man lässt nun, nötigen- 
falls unter zeitweiligem Umschütteln, zwei Stunden stehen. Der sich 
reichlich entwickelnde Wasserstoff hält die Flüssigkeit so in Bewegung, 
dass alle Teile derselben mit dem am Boden liegenden oder oft auch 
durch den Wasserstoff zum Teil auf die Oberfläche getragenen Zink in 
Berührung kommen, das auf diese Weise rasch alles Quecksilber auf- 
nimmt, so dass sogar das Umschütteln nicht einmal unbedingt nötig ist. 
Nach 2 Stunden (wenn es nicht auf 2 — 4 dmg Hg ankommt, schon 
nach 1 / 2 — 1 Stunde) giesst man die überstehende Flüssigkeit ab. Be- 
finden sich noch Zinkteilchen an der Oberfläche, so schüttelt man vor 
dem Abgiessen um, wodurch dieselben von dem anhaftenden Wasser- 
stoff befreit werden und sich auf den Boden des Kolbens absetzen. 
Man wäscht zweimal durch Dekantieren mit Leitungswasser aus, setzt 
dann etwas verdünnte Kalilauge zu, lässt damit einige Minuten stehen, 
verdünnt mit Wasser, giesst ab und wäscht noch zweimal mit Wasser 
nach. Das zurückbleibende Zinkamalgam mit dem überschüssigen Zink 
übergiesst man nun mit etwa 50 ccm verdünnter Salzsäure, setzt 
etwas Kaliumchlorat zu, achtet darauf, dass die entstehende Reaktion 
nicht zu heftig wird, und überlässt nun den Kolben, unter den man eine 
ganz kleine Flamme stellen kann, unter einem gut ziehenden Abzug 
sich selbst, bis alles gelöst ist. Von Zeit zu Zeit kann man etwas Kalium- 
chlorat zufügen, um sicher immer Chlor im Überschuss zu haben. Man 
bewirkt so eine raschere Lösung und sorgt dafür, dass sich kein 
metallisches Quecksilber verflüchtigen kann. Zum Schluss erhitzt man 
stärker, setzt einige Siedesteinchen aus porösem Ton zu, um das Chlor 

90* 



1422 Spiro, Anorganische Körper. 

besser wegzutreiben, kocht auf und überzeugt sich durch Zusatz von 
ein wenig Salzsäure, dass alles Kaliumchlorat zerstört ist. Man lässt 
wieder auf etwa 70 — 80° abkühlen, setzt dann etwa 5 ccm Alkohol zu, 
kocht damit wieder auf, kühlt unter der Wasserleitung ab und füiit 
die entfärbte Lösung in ein 100 ccm Kölbchen ein. Man setzt Wasser 
zu, dann einige Kubikzentimeter Schwefelwasserstoffwasser bis zur 
Marke, schüttelt um und bekommt hier bei Anwesenheit von Queck- 
silber eine deutlich gelbe bis gelbbraune Färbung. Sehr geringe Fär- 
bungen werden am besten sichtbar, wenn man das Kölbchen auf ein 
Stück weisses Papier stellt. Zur quantitativen Bestimmung füllt man 
10 ccm der Lösung in eine Colorimeterröhre und vergleicht die Inten- 
sität mit entsprechenden, frisch bereiteten Sublimatvergleichslösungen, 
multipliziert (bei Anwendung von 500 ccm Harn) die gefundene Zahl 
mit 20 und hat so den Gesamtgehalt an Quecksilber in 1 Liter der vor- 
liegenden Harnprobe gefunden. 

Statt der Sublimatvergleichslösungen kann man auch eine Mischung der 
drei Farbstoffe Janusschwarz, Janusbraun, Janusgelb benutzen, die man in gleichen 
Mengen mischt, mit Wasser verdünnt und gegen Sublimatlösung von bestimmtem 
Gehalte, die man mit Schwefelwasserstoffwasser versetzt, colorimetrisch einsetzt. 

5. Nach Ernst Jäneke 1 ). 

250 ccm Harn werden mit 10 ccm Salzsäure und 2 g chlorsaurem Kali einige 
Stunden auf dem Wasserbade erhitzt, dann bis zum nächsten Tage stehen ge- 
lassen und in die Lösung ein dicker, 50 cm langer, zu einer steilen Spirale aufge- 
wundener Kupferdraht gebracht, so dass dieser von der Lösung bedeckt ist; der 
Draht ist vorher ausgeglüht und durch Eintauchen in Salpetersäure von Oxyd 
befreit. Die Lösung erwärmt man einige Stunden auf dem Wasserbade, bis sie 
seil wach grünlich wird, man holt dann die Spirale heraus, spült sie mit heissem 
Wasser ab, trocknet an der Luft und schiebt sie in ein trockenes Reagenzrohr, 
welches man an dem offenen Ende noch oberhalb der Spirale, unter Vermeidung 
stärkerer Erwärmung, zu einer 1 — 2 mm starken Kapillare auszieht. Unten an 
das Reagenzrohr schmilzt man einen kleinen Glasstab an und erhitzt die Spirale 
stark vor dem Gebläse, bis sie in das Glas einschmilzt und das an dem Kupfer be- 
findliche Quecksilber in die Kapillare überdestilliert, dann zieht man das Glas von 
der Kapillare ab, taucht die Kapillare in ein Reagenzglas, welches 5 ccm eines Ge- 
misches von 25 ccm verdünnter Salpetersäure von 1,32 spezifischem Gewicht und 
25 ccm verdünnter Schwefelsäure (1,1 spezifisches Gewicht) auf ein Liter Wasser 
enthält. Die z ^rsprungene Kapillare zerkleinert man mit einem Glasstab, erwärmt das 
Reagenzglas auf dem Wasserbad, wobei sich alles Quecksilber löst. Nun füllt man die 
Flüssigkeit durch Zerstossen des Bodens des Reagenzglases mit einem spitzen Glas- 
stab in ein kleines 10 — 15 ccm fassendes Wägeglas und spült mit 5 %iger Kalium- 
sulfatlösung auf etwa 10 ccm nach. Das kleine Wägeglas wird als ein elektro- 
lytischer Trog benutzt, die Kathode bildet ein Golddraht, derselbe wiegt ca. 25 mg 
und hat eine Länge von 18—20 cm und eine Dicke von 0,1 mm. Er wird vierfach 
zusammengelegt und eine kleine Öse gebildet, mittels welcher er an einem Platin- 
draht angehängt wird. Dieser ist mit dem negativen Pol einer Batterie von zwei 
Akkumulatoren verbunden, die Anode bildet ein anderer Platindraht; um die 
Berührung der Elektroden während der Elektrolyse unmöglich zu machen, hat 

l ) E. Jäneke, Zeitschr. f. anal. Ch. 43. 547. 



Quecksilber, Bestimmung. 



1423 



man den Anodendraht um ein kleines, an beiden Seiten offenes Glasröhrchen ge- 
wickelt, die Kathode befindet sich während der Elektrolyse innerhalb des Röhr- 
chens. Die Elektrolyse wird 24 Stunden in Gang gelassen, der Golddraht wird 
vorher in einem kleinen Porzellantiegel ausgeglüht und auf einer Nernstwage 
gewogen, indem man den Draht an Stelle des kleinen Schälchens an den Wage- 
balken anhängt. Nach der Elektrolyse wird der Golddraht mit Wasser abgespült, 
auf Filtrierpapier im Exsiccator getrocknet und auf der Xernstwage gewogen. 
Eventuell kann man den Goldrahmen auch auf einer genauen analytischen Wage 
wägen. Man kann noch 0,01 mg in 2 1 nachweisen. Das Quecksilber kann noch 
vom Golddraht abdestilliert und durch Jod als Jodquecksilber sichtbar gemacht 
werden. 



6. Nach P. E. Raaschou und E. Hintz 1 ). 

Das Verfahren beruht auf dem Prinzip der Konzentrationsfällung, indem 
durch Zusatz von Knpfersulfat ein größere! Sulfidniederschlag erzeugt wird, der 
den geringen Quecksilbersulfidniederschlag mit zur Ausscheidung bringt. 




Fig. 45. 



250 ccm Harn werden mit 1,5 — 2 g Kalium chlorat in 20 ccm konzentrierter 
Salzsäure eine halbe Stunde lang gekocht und nach dem Abkühlen filtriert. Ein ali- 



!) Zeitschr. f. anal. Chem. 49. 172. 1910. 



1424 Spiro, Anorganische Körper. 

quoter Teil des Filtrats wird mit 0,05 g — 0,1 g Kupfersulfat versetzt und 40 Minuten 
kalt mit Schwefelwasserstoff gefällt. Man lässt den Niederschlag absitzen und filtriert 
durch ein Asbestfilter in einem Porzellansiebtrichter, wäscht viermal mit Schwefel- 
wasserstoffwasser, je dreimal mit Alkohol und Äther aus und saugt mit der Saug 
pumpe lufttrocken. Während des Auswaschens hält man den Trichter bedeckt. 
Zur "Destillation des Sulfidniederschlags benutzt man Doppelröhrchen und zwar 
ein 5 ccm fassendes Wägerohr, das in ein IG cm langes Präparatrohr hineinpasst. 
In das kleine Rohr werden ca. 0,15 g Magnesit gebracht und etwas Asbest fest 
gestopft. Hierauf kommt eine ca. 8 mm hohe Schicht von gepulvertem Blei- 
chromat. Der ganze Asbestkuchen wird in das kleine Rohr gebracht, der Trichter 
mit etwas Asbest sauber gerieben und dieser gleichfalls in das Röhrchen gegeben, 
nun drückt man das ganze im Röhrchen zusammen. Dieses wird mit Bleichromat 
bis ca. 1,4 cm vor der Öffnung gefüllt, etwas Asbest und eine etwa 1 cm hohe 
Schicht getrockneter Soda und zum Schluss wieder etwas Asbest darauf gegeben. 
In das grosse Rohr tut man zuerst einige Milligramm Kreide und dann das so 
gefüllte kleine Rohr. 

Mit Hilfe des abgebildeten Apparats (Fig. 45) wird sodann die Destillation 
durchgeführt. Beim Beginn der Destillation wird die Hälfte der Flamme mit einer 
Asbestplatte bedeckt, so dass die erste Kugel und das reine Bleichromat ca. 5 Minu- 
ten zuerst erhitzt werden, dann werden nur die hinteren 2 cm vom Aufsatz bedeckt 
und zuletzt die Platte ganz abgenommen und die Substanz so lange erwärmt, 
bis einige Zeit keine Gasentwickelung zu sehen ist. Um die Quecksilberdämpfe 
in die Kugelkapillare hineinzutreiben, wird wieder der Aufsatz teilweise bedeckt, 
die volle Erhitzung behält man endlich so lange bei, bis der Magnesit ca. 3 — 4 ccm 
Kohlensäure entwickelt hat, dann wird mit einer Stichflamme die Kapillare bei a 
zugeschmolzen, mit Salzsäure gefüllt, und die unterste Kugel vorsichtig in 80 — 90° 
heisses Wasser getaucht und so bewegt, dass das grauschwarze Pulver sich möglichst 
in einer Kugel sammelt. Dann bricht man die Kapillare so durch, dass eine gerade 
Bruchfläche entstellt, das abgebrochene Rohrende wird nun umgewendet, so dass 
die Öffnung in einem Tropfen Wasser zu stehen kommt, welcher in ein Uhr- oder 
Objektglas mit Vertiefung getropft worden ist. Die Quecksilberkugel wird mit Filtrier- 
papier getrocknet, und der horizontale Hauptdurchmesser unter dem Mikroskop 
mit dem Messokular gemessen. Dieser Wert, multipliziert mit dem Vergrösserungs- 
faktor, gibt den Durchmesser d in Tausendstel Millimeter ausgedrückt an. Aus 
folgender Formel ergibt sich dann das berechnete Gewicht: 

P-|. 13,551... (^mg Hg 

7. Nach C. Siebert 1 ). 

In einer sorgfältig gereinigten Abdampfschale werden der abgemessenen 
Menge Harn 15 % des Volumens rauchende Salpetersäure zugesetzt. Unter be- 
hutsamem Umrühren lässt man, zunächst ohne zu erwärmen, die zum Teil etwas 
stürmische Reaktion sich vollziehen. Hierauf erwärmt man das Gemisch, bei 
kleineren Mengen auf dem Wasserbade, bei grösseren über freier Flamme, bis es 
auf ein Drittel eingeengt ist. Sorgfältig ist durch öfteres Umrühren zu verhüten, 
dass sich nicht ander Wand der Schale salpetersaure Salze ansetzen, die bei trockenem 
Erhitzen derselben zu Quecksilberverlusten führen könnten. Nach dem Einengen 
giesstman die Flüssigkeit unter wiederholtem Nachspülen der Abdampf schale in einen 
langhalsigen, etwa 1 — 1,5 1 fassenden Kolben aus Jenaer Glas, dessen Hals man zweck- 
mässig mit dicker Asbestpappe umgibt, engt dann die Flüssigkeit über freier Flamme 
noch weiter, bis auf 100 ccm ein. In den Kolben, der schräg in ein Stativ gespannt 
ist, lässt man dann aus einem Schütteltrichter unter vorsichtigem Erhitzen von 
Zeit zu Zeit etwas von dem Gemisch aus % rauchender Salpetersäure und 2 / 3 kon- 

x ) Biochem. Zeitschr. 25. 328. 1910. 



Quecksilber, Bestimmung. 1425 



zentrierter Schwefelsäure zufliessen. Der Zusatz der Säuremischung erfolgt so 
lange, bis auch bei weiterem Erhitzen die Flüssigkeit farblos bleibt und sieh 
nicht mehr braun färbt. Man erhitzt dann die Mischung noch weiter über 
freier Flamme, um die überschüssige Schwefel- und Salpetersäure zu \ er- 
jagen. Als Brenner benutzt man beim Erhitzen am besten einen mittleren 
Teclubrenner mit Pilzaufsat/.. Durchaus zu vermeiden ist es, dass die Klamme in 
direkte Berührung mit der Glaswand kommt, da sonst leicht durch Überhitzen 
der Ränder Quecksilberverluste eintreten können. Nachdem die Schwefelsäure 
zum grössten Teil abgeraucht ist, wird der Rückstand unter Abkühlen vorsichtig 
mit destillierten Wasser verdünnt und noch eine Zeitlang gekocht, um die letzten 
Reste der Salpeter- und salpetrigen Säure zu verjagen. Jetzt wird vorsichtig 
unter Wasserkühlung starke Ammoniaklösung (Amnion, caustic. triplex) hinzu- 
gefügt, so Lange, las ein Tropfen des Gemisches blaues Lackmoictpapier nicht mehr 
rötet. Eierauf säuert man die Lösung wieder vorsichtig mit konzentrierter Salz- 
säure an (Rötung von blauem Lackmoidpapier). Um die Silicate, die durch das 
Kochen mit den starken Säuren aus den benutzten Gläsern in Freiheit gesetzt 
wurden und sich in Ammoniak lösen, zur vollständigen Ausscheidung zu bringen, 
hält man die salzsaure Lösung noch etwa 20 Minuten im Kochen und lasst sie 
dann 24 Stunden stehen. Nach dieser Zeit wird die Flüssigkeit in einem Erlen- 
meyerkolben filtriert und das Filter vorsichtig mit heissem Wasser ausgewaschen. 

Durch das massig angewärmte Kiltrat leitet man dann etwa 20 Minuten 
einen Schwefelwasserstoffstrom. Die klare Flüssigkeit färbt sich nun zunächst 
gelb, dann fällt das Schwefelquecksilber in feinen Flocken aus. Ist sehr wenig 
Quecksilber in der Flüssigkeit, so kommt es gar nicht zur Ausscheidung von Schwefel- 
quecksilber, sondern die kleine Menge bleibt kolloidal gelost, was sich durch die 
Gelbfärbung zu erkennen gibt. In jedem Fall wird die Flüssigkeil nach Einleiten 
des Schwefelwasserstoffs weiter erwärmt, wobei auch das kolloidale Schwelel- 
quecksilber zum Ausfallen gebracht wird, denn die Färbung der Lösung ver- 
schwindet. Man setzt das Erwärmen bis zur vollständigen Vertreibung des Schwe- 
felwasserstoffes fort, d. h. bis ein über den Kolben gehaltenes, angefeuchtetes 
Bleiacetatpapier sich nicht mehr bräunt. 

Nachdem man den Niederschlag gut hat absitzen lassen, filtriert man die 
Flüssigkeit mittels einer Saugpumpe durch einen gewogenen Goochtiegel, auf 
dessen Boden sich eine Schicht gut gereinigten und gut gezupften Asbestes be- 
findet. Man wäscht mit kaltem, dann mit heissem destilliertem Wasser und schliess- 
lich mit 96 %igem Alkohol gut nach. 

Der in dem Goochtiegel befindliche Niederschlag ist mehr oder minder mit 
ausgefallenem Schwefel verunreinigt. Durch Extraktion des Niederschlages mit 
Schwefelkohlenstoff entfernt man denselben. Nach beendeter Extraktion wird 
der überschüssige Schwefelkohlenstoff mit der Wasserstrahlpumpe abgesaugt 
und der Tiegel mit Alkohol und dann mit Äther nachgewaschen. Der Tiegel wird 
dann bei einer Temperatur von 100 — 110° getrocknet und nach völligem Erkalten 
im Exsiccator gewogen. Die Fehler sollen sich ,, innerhalb der schon normaler- 
weise vorhandenen" Wägefehler bewegen. 

8. Nach P. Farup 1 ). 

Die Tagesmenge oder ein aliquoter Teil derselben, z. B. 1 Liter Harn, 
wird nach Zusatz von 3 — 4 cem konzentrierter Salzsäure in einem ge- 
räumigen und starkwandigen, mit kurzem aufsteigendem Kühler oder 
bequemer mit einem 50 cm langen Glasrohr versehenen Kolben auf dem 



*) P. Farup, Arch. f. exp. Path. u. Pharm. 44. 272. 1900. — O. Ratner, 
Arch. f. Derm. u. Syph. 91. 271. 1908. — Schuhmacher u. W. L. Jung, Arch. 
f. exp. Path. u. Pharm. 42. 138. — W. Becker, Pharm. Ztg. 54. 987. 1910. 



1426 Spiro, Anorganische Körper. 

Wasserbade auf 70 — 80° erwärmt, alsdann" etwa 6 g Zinkstaub zugesetzt 
und 2 Minuten tüchtig geschüttelt. Nach Erkalten und Absetzen wird 
die leicht getrübte Flüssigkeit durch eine nicht zu dünne, vorher an 
die Filtrierscheibe fest angesaugte Schicht von Seidenasbest mittels der 
Wasserstrahlpumpe filtriert. Die untere Fläche der Asbestschicht darf 
nach beendetem Filtrieren nicht durch mitgesaugtes Metallpulver grau 
gefärbt, sondern muss vollständig weiss sein. Der Asbest mit an- 
haftendem Zinkstaub wird jetzt wieder in den grossen Kolben, wo sich 
die Hauptmenge des Zinkpulvers befindet, quantitativ hineingebracht. 
Die an den Wänden des Trichters festhaftenden Metallteilchen werden 
mit dem Einführen von 80 ccm verdünnter Salzsäure (konzentrierte 
Säure und Wasser zu gleichen Teilen) nachgespült. Nach weiterem 
Zusatz von 3 g in Wasser gelöstem ( ! ) chlorsaurem Kalium wird der 
wieder mit aufsteigendem Kühler versehene Kolben auf das Wasserbad 
bis zur vollständigen Lösung des Inhalts gebracht. Nach Erkalten wird 
die Lösung durch Hartfilter in einen kleinen, etwa 200 ccm fassenden 
Kolben filtriert, das durch Chlor grüngefärbte Filtrat auf 60° erwärmt 
und mit frisch bereiteter Zinnchlorürlösung (bereitet durch Kochen von 
überschüssigem Zinn mit konzentrierter Salzsäure und Filtrieren durch 
gehärtetes Filter) (15 — 20 ccm) im Überschuss oder bis zum völligen 
Verschwinden der grünen Farbe versetzt. Das Quecksilber fällt nun 
in feinen, die Flüssigkeit gräulich trübenden Kügelchen aus. Nach 
Erkalten auf etwa 40° filtriert man endlich durch das Filtrieramal- 
gamierrührchen, welches aus einem gewöhnlichen Soxlethschen Reduk- 
tionsrohr (für Zuckeranalyse) besteht und unten etwas Seidenasbest, 
dann eine 10 mm hohe Schicht Goldasbest enthält; letzterem noch 
körniges Gold beizumischen ist überflüssig, denn der weit grösste Teil 
des Quecksilbers wird sicherlich mechanisch, nicht durch die Amal- 
gamierung festgehalten (s. u.). Nach beendeter Filtration — das Filtrat 
darf nicht die geringste Spur einer Trübung zeigen — wird je dreimal 
mit verdünnter Salzsäure (1—5), Wasser (bis zum Verschwinden der 
Cl-Reaktion), Alkohol und Äther gewaschen, das Saugen nach 10 Minuten 
fortgesetzt, und zuletzt während 25 — 30 Minuten trockene Luft bis 
zur Gewichtskonstanz durch das Rohr geleitet. Es geschieht diese 
Durchleitung in der Richtung gegen den verjüngten Teil des Röhrchens. 
Bei der einzelnen Analyse wird von dem Goldasbest nur eine Schicht 
von 1 — 2 mm grau gefärbt. Eventuell mit dem Luftstrom verdampfendes 
Quecksilber muss demnach eine dicke Schicht noch unamalgamierten 
Goldasbest durchstreichen, welche es festhält, so dass Verluste während 
des Trocknens nicht zu befürchten sind. Es ist ratsam — bei dieser 
wie bei den anderen Methoden — für die quantitative Bestimmung den 
Glühverlust und nicht die blosse Zunahme der Amalgamierröhrchen 






Arsen. 1427 

bei der Filtration als das Massgebende anzusehen. Man vertreibt also 
das Quecksilber durch starkes Erhitzen im Luftstrom, wägt wieder: die 
Differenz entspricht dann der Quecksilbermenge. 

Nach Olga Ratner muss der Asbest, damit er brauchbar wird, 
s-o lange mit konzentrierter Salzsäure ausgekocht werden, bis die zuletzt 
verwendete Salzsäure auf einem Uhrglas verdampft keinen Rückstand 
mehr hinterlässt. Den Goldasbest stellt man nach Schumacher 
und Jung dar (s. o.). 

Wie Bürgi und seinen Schülern hat sich auch mir bei Kontroll- 
untersuchungen die Farupsche Methode gut bewährt. 

Bezüglich weiterer Bestimmungsmethoden Bei noch verwiesen auf: Esch- 
baum, Deutsehe med. Wochenschr. 1900. Nr. 3. Malkes, Chem.-Ztg. 24. 816. 
Hoehnel. Pharma/. Zeitung 1900. 126. A. Archetti, Pharmaz. Zeitung 46. 1. 
M.Lehmann, ebenda S. 209. Xez, ebenda S. 626. Vignou, Compt. rend. 116. 
584 und 128. 61:5. K. Enoch, Zeitschr. f. öffentl. Chem. 13. 307. W. Becker, 
Pharm. Ztg. 54. 787. 1910. K. Stich, ebenda 833. K. Boening, Chem.-Ztg. 
33. 371. 1909. B. Bardach, ebenda 431. 

2. Arsen 1 ). 

A. Vorkommen. Die Ausscheidung des Arsens verläuft nach 
innerlicher Darreichung ausserordentlich langsam (S e v e r i , A lm- 
kvist u. Welander, Bloemendal, Cloetta). Die Aus- 
scheidung entspricht nach Cloetta ungefähr 8 — 14o/o der Einfuhr; ein 
Teil des Arsens wird im Körper angehäuft, speziell in der Leber. Ein 
Teil des im Harn ausgeschiedenen Arsens geht nach Zusatz von Natrium- 
carbonat und Eindampfen in Alkohol über, namentlich nach längerer 
Darreichung von Arsen; nach Salkowski handelt es sich hierbei um 
organisch gebundenes Arsen, während das ionisierte Arsen sich 
im Niederschlag befindet. Ausserdem erscheint ein Teil des Arsens 
im Kot und in der Milch. 



x ) Literatur zu Arsen. P. Brouardel u. G. Pouchet, Ann. d'hy^iene 
[3]. 14. 73. 1885. - B. Gosio, Ber. d. deutsch, chem. Gesellsch. 25. Ref. 346. 
1892. — A. Severi, Ann. di chim. e di Farm. 18. 33. 1893. — D. Scherbat- 
scheff, Viertel jahrsschr. f. ger. Med. [3]. 19. 233. 1900. - Almkvist u/ d 
E. Welander, Nord. med. Ark. 1900. Nr. 21. — P. Biginelli, Rendiconti 
della Accad. dei lincei Roma [5]. 9. Serie 2. 1900. — R. Abel u. P. Buken- 
berg, Zeitschr. f. Hyg. 32. 449. 1900. — A. Heffter, Ergebn. d. Physiol. 2. I. 
115. 1903. (Vorzügliche kritische Übersicht), A. Heffter, Arch. intern, de 

pharmacodynamie 15. 399. 1905. — G. Locke mann, Zeitschr f. angew. Chem. 
18. 416. 1905. Biochem. Ztschr. 35, 478. 1910. — C. J. Bucura, Zeitschr. f. 
exp. Pathol. u. Ther. 4. 399. 1907. — M. Cloetta, Arch. f. exp. Pathol. und 
Pharm. 54. 196. 1906. — F. P. Treadwell, Lehrb. d. analyt. Chem. 1. 188. 
1907. — H. Wefers-Bettink, Pharmac. Weekbl. 45. 377. 1908. — E. Welan- 
der, Arch. f. Derm. u. Syph. 89. 31. 1908. — E. Salkowski, Zeitschr. f. phy- 
siol. Chem. 56. 95. 1908. — W. A. Merkuri^w. Wiener klin. Wochenschr. 25. 
588. 1912. — A. Heiduschka u. Th. Biechy, Apoth,-Ztg. 26. 146. 1911. 



1428 Spiro, Anorganische Körper. 

Nach Merkuriew. Die Arsenausscheidung dauert bei intravenöser Injektion 
von Salvarsan 9 — 16 Tage, bei intramuskulärer Applikation etwa 25 Tage. Die 
Stärke und Dauer der Ausscheidung steht in keiner Beziehung zur angewandten 
Dosis. Bei Reinjektionen ist die Ausscheidung vermehrt und verlängert. 

B. Eigenschaften: 

1. Alle Arsenverbindungen werden in saurer Lösung durch nascie- 
renden Wasserstoff zu Arsenwasserstoff reduziert. Z. B. 

Ab, 3 -f 6H 2 = 2 AsH 3 + 3H 2 0. 

Leitet man den Arsenwasserstoff durch eine mit Wasserstoff ge- 
füllte glühende Glasröhre, so zerfällt er in Wasserstoff und metallisches 
Arsen, welches sich in Form eines braunschwarzen Spiegels kurz hinter 
der Erhitzungsstelle an der Röhrenwandung ansetzt. Man kann so noch 
bis zu 0,00025 mg As mit Sicherheit nachweisen (Marsh sehe Probe). 
Der Spiegel, erhitzt, verbrennt unter Entwicklung von Knoblauchgeruch 
zu As 2 3 , das sich an den kälteren Stellen der Röhre in diamant- 
glänzenden Oktaedern ansetzt. 

2. Schwefelwasserstoff erzeugt 

a) in sauren Lösungen der Arsenite eine Fällung von gelbem 
flockigem Arsentrisulfid, löslich in Alkalien, Ammoniak und Schwefel- 
alkalien. 

2AsCJ 8 + 8H 2 S:= As 2 S 3 -f 6 HCl 

Konzentrierte Salpetersäure oxydiert das Arsentrisulfid zu Arsen- 
säure und Schwefelsäure. 

b) in sauren Lösungen von Arseniaten zunächst eine Trübung, 
indem die Arsensäure unter Abscheidung von Schwefel allmählich zu 
arseniger Säure reduziert wird, dann Fällung von Arsentrisulfid: 

H 3 As0 4 + H 2 S = H 3 As0 3 + S + H 2 
2H 3 As0 3 + 3H 2 S = As 2 S 3 + 6H 2 0. 

3. Magnesiumchlorid bei Gegenwart von Ammoniak und Salmiak 
erzeugt 

a) in Arsenitlösungen keine Fällung, 

b) in Arseniatlösungen eine weisse krystallinische Fällung von 
Ammoniummagnesiumarseniat, in Ammoniak unlöslich. 

NaH 2 As0 4 + MgCl 2 + NH 3 = (NH 4 )MgAs0 4 -f 2NaCl 

Durch Glühen geht es in Magnesiumpyroarseniat über. 

2(NH 4 )MgAs0. 4 = Mg 2 As 2 7 + 2NH 3 + H 2 0. 

Die Magnesiamixtur wird bereitet durch Lösen von 55 g Magnesium- 
chlorid, 70 g Ammoniak in 650 cem Wasser und Auffüllen dieser 
Lösung mit Ammoniak (spez. Gewicht 0,96) auf 1 Liter. 



Arsen. 1429 

4. Arsenverbindungen werden durch kolloidales Eisen- 
hydroxyd gefällt. 

5. Wird arsenige Säure in 10°/oiger Salzsäure mit Schwefelwasser- 
stoffwasser versetzt und das gleiche Volumen Äther hinzugefügt, hierauf 
das Ganze kräftig durchgeschüttelt, so scheidet sich an der Grenzfläche 
beider Flüssigkeiten Schwefelarsen augenblicklich ab. Setzt man dem 
Äther noch Alkohol zu, so rollt sich das Schwefelarsen zusammen 
und schlägt sich in leicht kenntlichen Flocken nieder. 

Hat man es mit Arsensäure zu tun, so setzt man statt Schwefel- 
wasserstoffwasser Thioessigsäure und dann Äther zu. Während aber 
bei arseniger Säure der Niederschlag sich fast augenblicklich ausscheidet, 
muss man bei Arsensäure mindestens 20 Minuten warten. 

6. Arsentrichlorid ist flüchtig, namentlich beim Erhitzen seiner 
gesättigten salzsauren Lösung. 

7. Gewisse Schimmelpilze, z. B. Penicillium brevicaule (zu beziehen 
von Krals bakteriologischem Laboratorium in Prag) oder Burotium 
herbavorum, entwickeln aus Arsenverbindungen ein stark und charak- 
teristisch riechendes Gas, vermutlich Diäthylarsin (C 2 H 5 ) 2 AsH. 

C. Nachweis. Der Nachweis wird meist nach B. 1. geführt. 
Die verschiedenen Verfahren unterscheiden sich durch die Art der Zer- 
störung der organischen Substanz, die älteren Methoden erreichen diese 
nach Fresenius mit Kaliumchlorat und Salzsäure, die neueren, z. B. 
die von Salkowski und Locke mann, mit konzentrierten Säuren. 

I. Zerstörung der organischen Substanz. 
1. Nach Fresenius mit Kaliumchlorat und Salzsäure. 

Der mit Soda alkalisch gemachte und eingedampfte Harn wird in 
einem mit Steigrohr versehenen Kolben mit 50 ccm konzentrierter Salz- 
säure auf dem Wasserbade erhitzt und langsam dazu aus einem Tropf- 
trichter konzentrierte Kaliumchloratlösung zufliessen gelassen, bis die 
Masse hellgrau geworden ist. Nach dem Erkalten verdrängt man das 
überschüssige Chlor durch Kohlensäure, verdünnt mit Wasser, filtriert und 
sättigt das auf 50 — 70° erwärmte Filtrat mit Schwefelwasserstoff, filtriert 
nach 12 Stunden und wäscht den Niederschlag zuerst mit Schwefel- 
wasserstoff und löst ihn dann mit heissem gelbem Schwefelammon, das 
mit Ammoniak verdünnt ist, und endlich mit verdünntem Ammoniak. 
Das Filtrat dampft man in einer Schale zur Trockne und behandelt den 
Rückstand so lange mit rauchender Salpetersäure, bis er nach dem 
Eindampfen nicht mehr braun erscheint. Der Rückstand wird zur Ent- 
fernung der Salpetersäure mit konzentrierter Schwefelsäure bis zum 



1430 Spiro, Anorganische Körper. 

Entweichen weisser Dämpfe erhitzt, dann mit Wasser verdünnt und 
wiederum mit soviel Wasser versetzt, dass die Lösung etwa 15 o/o 
Schwefelsäure enthält. 

2. Schmelzverfahren. Nach E. Salkowski 1 ). 

Der bei neutraler Reaktion eingedampfte Harn wird mit ca. 150 ccm 
Alkohol extrahiert, filtriert, der eingedunstete Alkoholauszug heiss mit 
12—15 ccm Salpetersäure Übergossen und eingedampft. Der neuerliche 
Rückstand wird unter Zusatz von Pottasche in Wasser gelöst und in 
einer Platinschale auf dem Wasserbad auf ein kleines Volumen einge- 
dampft, mit 15 g Salpetermischung (2 KN0 3 : 1 K 2 C0 3 ) geschmolzen. Das 
Filtrat der in Wasser gelösten Schmelze wird nach dem Ansäuern mit 
verdünnter Schwefelsäure gekocht, eingedampft, mit Alkohol gefällt, 
die alkoholische Lösung abfiltriert, eingedampft, der Rückstand mit 
Wasser in den K j e 1 da hl - Kolben gebracht, mit 8 — 10 ccm konz. 
Schwefelsäure eine Stunde erhitzt und nach dem Verdünnen mit Wasser 
die schwefelsaure Lösung in den Marsh sehen Apparat gebracht. 

3. Säure verfahren. Nach E. Salkowski. 

Man kann auch verfahren wie bei A. N e u m a n n s Veraschung 
auf nassem Wege 2 ), nur empfiehlt es sich, eventuell nicht den einge- 
dampften Harn selbst zu oxydieren, sondern den Abdampfungsrückstand 
des Alkoholauszugs, ferner statt Salpetersäure von 1,4 o/ solche von 
l,48o/ anzuwenden und zwar zunächst nicht im Gemisch mit Schwefel- 
säure, sondern für sich allein, indem man 15 ccm oder mehr derselben 
portionsweise direkt in die noch heisse Schale giesst („Voroxydation"). 
10 ccm Schwefelsäure werden erst nachträglich zugesetzt, nachdem 
die salpetersaure Lösung in den Kolben gebracht ist; dann wird nicht 
ein Gemisch der beiden Säuren zutropfen gelassen, sondern nur einige- 
mal mit der Pipette je 1 / 2 ccm Salpetersäure von l,48o/ hinzugesetzt. — 
Die Erhitzung ist fortzusetzen (2 Stunden), bis die Flüssigkeit ganz 
klar ist. Bei der Bestimmung ist darauf zu achten, dass weder Salpeter- 
säure und Nitrate noch Schwefelwasserstoff anwesend sind. Auch mir 
hat sich bei Nachuntersuchungen dieses Säureverfahren bewährt. Man 
vergleiche auch das folgende Verfahren von Locke mann. 

4. Nach G. Lockemann. 

G. Lockemann und M. Paucke 3 ) haben die Adsorption 
von Arsenverbindungen durch Eisenhydroxyd (s. B. 4) 

1 ) Zeitschr. f. physiol. Chemie. 56. 95. 

2 ) F. Croner und P. Seligmann, Deutsche med. Wochenschr. 33, 
995. 1907. 

3 ) Kolloid-Zeitschr. 8. 273. 



Arsen, Nachweis. 1431 



untersucht und gefunden, dass Eisenhydroxyd beim Fällen am besten 
in ammoniakalischer Lösung in der Kälte und mit möglichst geringem 
Oberschuss bis etwa 10 mg A.rsen in 100 ccm quantitativ adsorbiert. 

Bei höherem Arsengehalt steigt die Adsorption mit wachsenden Eisen- 
hydroxydmengen gesetzmässig bis zu einer gewissen Grenze und nimmt 
dann auch bei grosser Vermehrung des Hydroxyds nicht mehr erheblich 
zu; der in der Lösung verbleibende Arsenrest lässt sich nach dem Fil- 
trieren durch wenig Eisenhydroxyd ausfällen. Hierauf hat G. Locke- 
mann ein Verfahren aufgebaut für den Nachweis kleiner 
Arsenmengen im Harn 1 ), bei dem nur geringe Säuremengen, da- 
gegen grössere Mengen von Salzen, die sich verhältnismässig leicht 
gänzlich von Arsen befreien lassen, zur Verwendimg kommen. 

a) Reinigung und Prüfung de r C h e m i k a l i e n. Die für 
dieses Salpeter schmelz verfahren erforderlichen Säuren, Schwefelsäure 
und rauchende Salpetersäure, erweisen sich in den hier in Betracht 
kommenden Mengen (einige Kubikzentimeter), wenn man die reinsten 
K a h 1 b a u in sehen Präparate verwendet, meistens als arsenfrei. Die 
Schwefelsäure prüft man, indem man sie in etwa 20o/oiger Lösung in 
den Ma rshschen Apparat (s. n. S. 1 135) bringt und zwar mindestens in 
solchen Mengen, wie sie für die einzelnen Untersuchungen zur Verwendung 
kommen. Die rauchende Salpetersäure ist natürlich ohne weiteres zur 
Prüfung im Ma rs hschen Apparat uichl zu gebrauchen, laue gemessene 
Menge (10 — 20 ccm) wird mit etwa LO°/oiger konzentrierter Schwefel- 
säure vermischt und in einer Porzellanschale auf dem Wasserbad (mit 
Porzellanringen) vorsichtig abgedampft. Die Erhitzung wird so lange 
fortgesetzt, bis eine Tüpfelprobe des Rückstandes mit Diphenylamin- 
schwefelsäure (1 Teil Diphenylamin in 100 Teilen konzentrierter Schwefel- 
säure) keine Blaufärbung mehr ergibt. Bei diesem Verdunsten der 
Salpetersäure ist zwar das Entweichen sein- geringer Arsenmengen nicht 
ganz ausgeschlossen, doch bleibt der grössere Teil im Rückstand, und 
ausserdem herrschen hier dieselben Bedingungen wie bei dem Zer- 
störungsverfahren selbst, so dass das Prüfungsergebnis den tatsächlichen 
Verhältnissen entspricht. Der Abdampfrückstand (Schwefelsäure) wird, 
mit Wasser verdünnt, im Mars hschen Apparat geprüft. Die Nitrate 
von Natrium und Kalium enthalten meistens Spuren von Arsen, die sich 
nach dem Eisenfällungs verfahren nachweisen lassen. In neuerer Zeit 
liefert allerdings die Firma Kahlbaum auch Präparate, die sich in 
den hier in Betracht kommenden Mengen als arsenfrei erweisen. Jedoch 
ist es immer ratsam oder bei genauen Versuchen notwendig, sich selbst 
von der Arsenfreiheit zu überzeugen, da auf irgend eine unkontrollier- 
bare Weise geringe Verunreinigungen hineingeraten sein könnten. Die 
Reinigung der Nitrate, wie die anderer neutraler Salze von Arsen ge- 
schieht auf Grund der Fällung von Eisenhydroxyd in ihren abgekühlten 
Lösungen. Das Arsen wird auf diese Weise durch die Adsorptions- 



x ) Biochem. Zeitschr. 35. 478. 



1432 



Spiro, Anorganische Körper. 



Wirkung des Eisenhydroxyd aus der Lösung entfernt. Hierzu ist eine 
Eisenlösung und eine Ammoniaklösung .von bestimmtem Gehalt nötig. 
Vom Eisenammoniakalaun (FeNH 4 (S0 4 ) 2 . 12H 2 0) werden 226 g (genau 
225,6 g) mit destilliertem Wasser zu 1 1 gelöst; 1 ccm dieser Lösung 
entspricht 50 mg Fe(OH) 3 , oder 10 ccm entsprechen 0,5 g Fe(OH) 3 . 
Nimmt man das reinste Kahl bäum sehe Präparat, so ist in 20 ccm 
einer derartigen Lösung kein Arsen nachzuweisen. Die Ammoniak- 
lösung wird in der Weise hergestellt, dass man eine 10%ige Lösung 
auf das 4 fache verdünnt, so dass man eine Lösung von zirka 2,5% 



NH. 



1,47 n erhält. Man prüft durch Titration mit Normalsäure 



(Lackmus oder Methylorange als Indikator); wenn 10 ccm Ammoniak- 
lösung zirka 14,5 ccm (zwischen 14 und 15 ccm) 1-n-Säure verbrauchen, 
so ist die Lösung richtig eingestellt. Da nun die Ammoniaklösungen 
durchweg auch einen gewissen Arsengehalt haben, so ist es ratsam, 
entweder die ursprüngliche Ammoniaklösung zunächst längere Zeit mit 
frisch gefälltem, ausgewaschenem Eisenhydroxyd zu schütteln oder die 
Gebrauchslösung dauernd über einer gewissen Menge Eisenhydroxyd 
aufzubewahren, wobei die Flasche von Zeit zu Zeit umzuschüttein und 
die jedesmal zu verwendende Menge Ammoniaklösung zunächst zu 
filtrieren ist. Zur Prüfung der Ammoniaklösung verdampft man ein 
bestimmtes Volumen auf dem Wasserbade nicht ganz zur Trockne; 
der Rückstand wird mit etwas verdünnter Schwefelsäure aufgenommen 
und in den Marsh sehen Apparat gebracht. Diese Eisen- und Ammo- 
niaklösungen werden auch für die Abscheidung des Arsens zum Nach- 
weis und zu seiner Bestimmung benutzt. 

Die Reinigung des Natrium- und Kaliumnitrats führt man nun in 
der Weise aus, dass man diese Salze in Wasser löst, zum Beispiel 500 g 
NaN0 3 in 650 ccm, 500 g KN0 3 in 3 1 Wasser, zu den Lösungen je 
eine bestimmte Menge Eisenlösung zum Beispiel 25 ccm hinzufügt und 
sie unter Umrühren in Eis auf etwa 5° abkühlt. In der Kälte wird 
dann durch Zusatz des gleichen Volumens Ammoniaklösung das Eisen- 
hydroxyd ausgefällt und nach kurzem Stehen durch ein Faltenfilter 
filtriert. Das Filter wird in gleicher Weise, aber nur mit 10 ccm Eisen- 
und Ammoniaklösung behandelt. Dieser zweite Eisenhydroxydniederschlag 
dient zur Prüfung, ob die Salpeterlösungen nunmehr arsenfrei sind. Er 
wird auf dem Filter mit kaltem Wasser ausgewaschen, bis das ab- 
laufende Waschwasser mit Diphenylaminschwefelsäure bei der Tüpfel- 
probe auf Porzellan keine Blaufärbung mehr gibt. Das Eisenhydroxyd 
wird sodann in etwa 25 ccm heisser 20%iger Schwefelsäure gelöst, 
und diese Lösung wird nach dem Abkühlen im Marsh sehen Apparat 
geprüft. Sollte bei dieser Kontrolle noch Arsen gefunden werden, so 
müssten die Salpeterlösungen noch einmal mit einer entsprechenden 
Menge Eisen- und Ammoniaklösung behandelt werden, bis die letzte 
Kontrolle die Arsenfreiheit erweist. Die Fällung des Eisenhydroxyds 
kann man auch bei gewöhnlicher Temperatur ausführen, doch wird die 
Adsorptionswirkung durch die Eiskühlung noch gesteigert. Die auf 



Arsen. Nachweis. 1433 



diese Weise gereinigten und geprüften Salpeterlösungen werden nun teils 
als Lösungen aufbewahrt (etwa zur Hälfte), teils zur Gewinnung der 
festen Salze eingedampft. Durch Bestimmung des spezifischen Gewichts 
kann man leicht den Salzgehalt der durch die Reinigungsmethode etwas 
verdünnten Lösungen erfahren. Ist man den hier gemachten Erfahrungen 
gefolgt, so wird man durch Vermischen äquivalenter Lösungsmengen 
(etwa der Hälfte der beiden Lösungen) eine Lösung von etwa 23 o/ 
Natriumkaliumnitrat erhalten. Die anderen Hälften der Lösungen engt 
man in Schalen auf dem Wasserbad ein, bis der grösste Teil des Salzes 
ausgeschieden ist. Nach dem Erkalten trocknet man das Salz an der 
Luft auf mehrfachen Lagen Fliesspapier und mischt gleiche Teile mit- 
einander. Dieses Salzgemisch wird in einer Pulverflasche aufbewahrt, 
um für die Salpeterschmelze verwendet zu werden. 

b) Das Zerstörungsverfahren besteht in der Behandlung 
der organischen Substanz mit einigen Kubikzentimetern eines Gemisches 
von 9 Teilen rauchender Salpetersäure und 1 Teil konzentrierter Schwefel- 
säure (Säurebehandlung) und der Schmelze mit Natriumkaliumnitrat 
(Salpeterschmelze). Dadurch wird alle organische Substanz vollständig 
zerstört, das heisst in organische Alkalisalze (Karbonat, Sulfat, Phos- 
phat usw.) übergeführt und auch alles Arsen in Alkaliars eniat 
verwandelt, das sich aus der wässerigen Lösung dann durch Eisen- 
hydroxyd quantitativ fällen lässt. Zu der Salpeterschmelze verwendet 
man am vorteilhaftesten eine Schale oder einen Tiegel aus Platin. 

Der Harn (in einzelnen Proben oder die ganze Tagesmenge) wird 
entweder mit 10 — 15 o/o seines Volumens von der oben beschriebenen 
Salpeterlösung (23o/ (NaK)N0 3 ) oder mit 2,5— 3,5o/ festem Natrium- 
kaliumnitrat versetzt und dann in einer nicht zu grossen Porzellanschale 
unter wiederholtem Nachfüllen auf dem Wasserbade eingedampft. Der 
Abdampfungsrückstand wird nach und nach mit einem Gemisch von 
9 Teilen rauchender Salpetersäure und einem Teil konzentrierter 
Schwefelsäure behandelt, und zwar fügt man tropfenweise unter mög- 
lichst gleichmässiger Verteilung so viel hinzu, dass im ganzen etwa 
1% der Harnmenge, aber nicht unter 5 cem gebraucht werden. Man 
erhält dann einen gelbbraunen Rückstand, der in der Art mit Salpeter 
geschmolzen wird, dass man in einer Schale oder einem Tiegel 
aus Platin oder Porzellan zunächst 5 — 10 g gereinigtes Kaliumnatrium- 
nitrat mit möglichst kleiner Flamme zum Schmelzen bringt und dann 
den eventuell angefeuchteten Abdampfrückstand von der Säurebehand- 
lung in kleinen Portionen mit einem Platinspatel einträgt. 

c) Zur Abscheidung des Arsens aus der Zerstörungs- 
m a s s e verfährt man folgendermassen : Die Salpeterschmelze wird 
mit Wasser in ein Becherglas gebracht (hat man ein Platingefäss 1 
für die Schmelze verwendet, so setzt man dieses am besten noch heiss 
in kaltes Wasser, die erstarrende Schmelze löst sich dann leicht von 
der Wandung ab) und unter Erwärmen gelöst. Dabei fügt man unter 
Umrühren allmählich aus einem Messzylinder verdünnte (20 o/o) Schwefel- 



1434 Spiro, Anorganische Körper. 

säure hinzu, so lange als sich noch Kohlensäure und Stickstoffoxyde 
entwickeln; man prüft mit einem Tropfen auf Lackmuspapier und setzt 
so viel Säure hinzu, dass die Reaktion schwach sauer bleibt. Sind 
dann alle Gase unter Erhitzen ausgetrieben, so lässt man erkalten, fügt 
einige Tropfen Methylorange hinzu und neutralisiert die Lösung mit 
Ammoniak. Man lässt dann von der oben erwähnten Eisenlösung eine 
bestimmte Anzahl Kubikzentimeter hinzulaufen, und nachdem diese mit 
der Lösung gleichmässig vermischt sind, fügt man dasselbe Volumen 
von der eingestellten Ammoniaklösung unter Umrühren hinzu. In der 
ersten Fällung wird der grösste Teil des Eisens als Ferriphosphat ab- 
geschieden. Dadurch wird die Adsorptionskraft des Eisens für Arsen 
beeinträchtigt und man wird daher — natürlich je nach der Menge und 
Arsengehalt des Untersuchungsobjektes und nach Menge der angewendeten 
Eisenlösung — das Arsen grösstenteils vielleicht erst in der zweiten Fällung 
finden. Der Eisenniederschlag wird nach etwa halbstündigem Stehen 
abtiltriert und zur Entfernung der anhaftenden Salpetersäure mit kaltem 
Wasser ausgewaschen, bis das Waschwasser mit Diphenylamin keine 
Salpeterreaktion mehr gibt. Das Wascrrwasser fängt man gesondert 
auf und engt es auf dem Wasserbade ein, um es dann der Hauptlösung 
vor der zweiten oder (zum Beispiel bei solchen phosphorhaltigen Objekten, 
die mehrere Fällungen erfordern) zusammen mit den eingeengten Wasch- 
wassern der folgenden Fällungen vor der letzten Fällung wieder zuzu- 
fügen. Man muss die Eisenfällungen natürlich so lange wiederholen, 
bis sich der letzte Niederschlag als ganz oder fast arsenfrei erweist. 
Für die Verarbeitung von 500 ccm Harn würde sich empfehlen, von der 
Eisen- und der Ammoniaklösung zu verwenden: für die erste Fällung 
25 ccm, für die zweite 15 ccm, für die dritte 10 ccm und für die vierte 
5 ccm. Die einzelnen Eisenfällungen werden nach Beendigung des Aus- 
w^aschens in heisser 20%iger Schwefelsäure gelöst und die Lösung mit 
derselben Säure auf ein bestimmtes Volumen (zum Beispiel 50 oder 
100 ccm) aufgefüllt. Diese schwefelsauren Lösungen werden dann zur 
Prüfung im Marsh sehen Apparat benutzt. 

II. Nachweis im Marsh sehen Apparat. 

Diese in ihren Anfängen auf B e r z e 1 i u s zurückgehende Methodik 
wird am besten in folgender von Treadwell und Lockemann 
verbesserter Form ausgeführt: 

Der etwa 100—150 ccm fassende Kolben K ist mit dem mit 
Teilung versehenen Trichter T, dem mit krystallisiertem Chlor- 
calcium beschickten Trockenrohr C und der Sicherheitsröhre E ver- 
sehen. An letztere schliesst sich das Zersetzungsrohr an, das bei A,. 
und B mit Kupferdrahtnetz und bei d mit einem Lampendocht um- 
wickelt ist, auf den aus der Schale w (besser einem Becherglas) aus 
dem mit dem Quetschhahn q versehenen Schlauch a zur Kühlung be- 
ständig Wasser tropft. 



Arsen, Nachweis. 



1435 



Bei der Ausführung des Arsennachweises verfährt man folgender- 
massen : In das Entwickelungsgefäss k des M a r s h sehen Apparates 
bringt man 5 — 6 Stückchen verkupferten Zinks, hergestellt aus garan- 
tiert arsenfreiem Stangenzink „ Kahlbaum", welches zerkleinert, in einer 

igen Kupfersulfatlösung etwa 1 Minute hin und hergeschüttelt 
und 'dann mit Wasser mehrmals abgespült wurde. Die Apparate 
werden geschlossen und aus den Hahntrichtern lässt man 10 cem Wasser 
hineinlaufen, so dass die unteren Öffnungen der Steigrohre ganz in 




Fig. 46. 



Wasser eintauchen. Sodann werden die Glühröhren mit Gummistopfen 
in die Ansätze der Trockenrohre eingesetzt und auf dem anderen Ende 
zwischen Klammern befestigt. Nachdem die oberen Öffnungen der 
Steigrohre mit den vom Kipp sehen Apparat herführenden Gummi- 
schläuchen verbunden sind, öffnet man den Hahn des mit Zink-Kupfer- 
legierung und „Salzsäure für forensische Zwecke" gefüllten Kipp sehen 
Apparates und überzeugt sich zunächst, ob die Marsh sehen Apparate 
völlig dicht halten. Ist dieses der Fall, so bricht man die Spitzen der 
Glühröhren ab und leitet etwa 1 / 2 Stunde lang den Wasserstoffs trom 
durch die Apparate. Alsdann lässt man aus den Hahntrichtern 10 cem 



Neubauer-Huppert, Analyse des Harns. 11. Aufl. 



91 



1436 Spiro, Anorganische Körper. 

40 o/o ige Schwefelsäure in die Entwickelüngsgefässe f Hessen, die durch 
die darin vorhandene gleiche Wassermenge auf die halbe Konzentration 
verdünnt, mit den Zinkstückchen alsbald Wasserstoff entwickelt. Nach 
Entfernung der Gummischläuche von den Steigrohren sind die Apparate 
gebrauchsfertig. Die Gasflammen werden entzündet und richtig einge- 
stellt, die Drahtnetz-Schutzhüllen aufgesetzt und die feuchten Kühlfäden 
um die verengten Stellen der Glühröhren zwei- bis dreimal herumge- 
schlungen, während das obere Becherglas ganz mit Eis und Wasser 
gefüllt wird. Bemerkt man nach einiger Zeit im Innern der gekühlten 
Stellen weder Wassertropfen noch Arsenspiegel, so bringt man von den 
zu prüfenden Lösungen abgemessene Mengen, etwa 1 / 10 oder 3 / 4 , in die 
Hahntrichter und lässt sie unter Nachspülen mit 20°/oiger Schwefel- 
säure in die Apparate laufen. Nach 2 Stunden, während welcher Zeit 
man die Gasentwickelung und die Kühlung kontrolliert, wird der 
Versuch abgebrochen. Die erhaltenen Arsenspiegel vergleicht man mit 
den Spiegeln einer mit abgemessenen Arsenmengen hergestellten Normal- 
skala. Am besten lassen sich die ganz kleinen Arsenmengen, etwa bis 
zu 12 — 15 mg As, schätzen. Es ist daher ratsam, wenn man z. B. die Ab- 
scheidung und Zerstörung nach Lockemann vorgenommen hat, von 
den Eisenlösungen nur so viel für die Prüfung im Marsh sehen Apparat 
zu verwenden, dass die Arsenspiegel unterhalb dieser Grenze bleiben. 
Nötigenfalls ist ein Teil der Eisenlösung noch mit 20o/oiger Schwefelsäure 
auf das 10- oder 100 fache zu verdünnen. Wenn man dann mehrere 
Proben mit verschiedenen Mengen prüft und jeden so erhaltenen Arsen- 
spiegel für sich durch Vergleich mit den Normalspiegeln wertet, so 
erhält man durch entsprechende Umrechnung auf das Ganze Zahlen, 
deren Mittelwert dann den wirklichen Arsengehalt der Lösung mit ziem- 
licher Genauigkeit angibt. 

Qualitativ kann man sich noch davon überzeugen, dass die braunen 
Arsenflecken sofort verschwinden, wenn sie mit einer Lösung von 
Natriumhypochlorit betupft werden. Man kann auch in das austretende, 
nach Knoblauch riechende Gas ein mit 50<>/oiger Silbernitratlösung be- 
feuchtetes Filtrierpapier halten: es bildet sich ein zitronengelber Fleck, 
der beim Aufbringen von Wasser schwarz wird. (Probe von Gutzeit.) 

Nachweis nach anderen Verfahren. 
5. Nach E. Reichard t. 

Reichardt 1 ) hat zum Nachweis des Arsens im Harn ein Verfahren zur An- 
wendung gebracht, welches auf der Abscheidung des Arsens als Sulfid und Zer- 
legung des Arsenwasserstoffs durch salpetersaures Silber beruht. 

Der schwach angesäuerte Harn wird mit Schwefelwasserstoff gesättigt, der 
entstandene Niederschlag nach 12 — 24 Stunden abfiltriert, ausgewaschen und das 
Filter mit Bromwasser ausgelaugt, wobei das gefällte Schwefelarsen in Lösung geht. 
Die Lösung giesst man in eine Gasentwicklungsflasche, in welcher aus reinem Zink 
und reiner Schwefelsäure ein massig schneller Wasserstoff ström entwickelt wird, 

J ) Bd. d. deutsch, ehem. Ges. 13. 1888, 2094. 1880. 



Arsen. Nachweis. 1437 



und leitet das Gas in eine saure Lösung von salpetersaurem Silber (0,1 — 0,2 g sal- 
petersaures Silber, 2 _ Salpetersäure und 10 ccm Wasser). Bei Gegenwart von 
Arsenwasserstoff in dem Grase entsteht dann in der Flüssigkeit ein schwarzbrauner 
Niederschlag von metallischem Arsen oder es setzt sich an der Spitze des in die 
Flüssigkeit eintauchenden Rohres ein spiegelnder Anflug von der Farbe der Arsen- 
flecke an. Wenn die Silberlösung über dem Niederschlag nicht mehr gefärbt ist, 
setzt man Bromwasser im Überschuss zu derselben, filtriert das Bromsilber ab, 
befreit das gelbe Filtrat durch gelindes Erwärmen vom Brom, übersättigt mit 
Ammoniak und setzt Magnesiamischung zu. Nach 12—24 Stunden wird der ent- 
standene Niederschlag von arsensaurer Ammon-Magnesia abfiltriert, gewaschen, 
geglüht und gewogen (genauere Vorschrift siehe unter Bestimmung). Nach 
dieser Methode lässt >ich noch 0,0014 mg arsenige Säure nachweisen und 1 — 5 
mg bestimmen. — Auf die Reinheit der Reagentien prüft man nach demselben 
Verfahren. 

6. Nach C. E. Carlson 1 ). 

Das Verfahren beruht auf der Reaktion B 5. 

500 ccm Harn werden im Wasserbad eingeengt und der Rückstand in 

60—70 ccm HCl (spezifisches Gewicht 1,19) aufgelöst. Durch den 
Zusatz der Säure in Portionen von 20- 25 ccm kann man <len gesamten 
Rückstand in einen 700 ccm-Destillationskolben bringen. Man setzt 
10 g Eisenchlorid und 5 g Ferrosulfat hinzu, letzteres zum /wecke der 
Reduktion von zufällig vorhandener Arsensäure. Dan Kolben versieht 
man mit einem im Winkel gebogenen Glasröhrchen, das mit einer Ligatur 
und einer Pipette von 30 ccm Inhalt verbunden isl, deren Spitze in 50 ccm 
eisgekühltes Wasser ausläuft. Nun destilliert man, bis der weitere 
Teil der Pipette so warm wird, dass er mit der Hand kaum berührt 
werden kann. Das farblose Destillat füllt man in einen Scheidetrichter 
und versetzt es mit 15 ccm Schwefelwasserstoffwasser. Nach 15 Minuten 
setzt man 15 ccm Äther hinzu und schüttelt 1 — 2 Minuten und gibt noch 
etwas Alkohol hinzu. Ist Schwefelarsen vorhanden, so fällt es in 
schönen, gelben Flocken aus, ist das nicht der Fall, so setzt, man so 
viel Chloroform zu, dass Äther und Chloroform zu Boden sinken, 
zapft diese Lösung ab in ein Becherglas, das 2 ccm 25%iger Salpeter- 
säure enthält und spült den Scheidetrichter noch zweimal mit 
je 10 ccm Chloroformäther aus. Die chloroformätherische Lösung 
wird in einem Becherglas auf dem Wasserbad zur Trockne verdunstet. 
Nach Zusatz von 1 ccm 30°/oiger Schwefelsäure samt 2 ccm 5°/oiger 
Kaliumpermanganatlösung wird das ganze 10 — 15 Minuten auf dem 
Wasserbade erhitzt. Dann werden 10 ccm starke schweflige Säure- 
lösuiig zugefügt und die Mischung fast bis zur Trockne verdunstet. Im 
Rückstand kann man das Arsen mit der Marsh sehen Probe oder sonst- 
wie nachweisen. 

Für die quantitative Bestimmung wird der Becherglasinhalt in ein 
Probierröhrchen gebracht und bis zum Sieden erhitzt, damit die schweflige 
Säure völlig verjagt wird. Nach dem Abkühlen setzt man 10 Tropfen 

l ) Zeitschr. f. physiol. Chem. 68. 243. 1910. 

91* 



1438 Spiro, Anorganische Körper. 

Schwefelwasserstoffwasser hinzu und nach einigen Minuten 1 — 2 ccm 
Äther. Nach kräftigem Schütteln der Mischung und Zusatz von einigen 
Kubikzentimeter Alkohol zeigt sich das Arsensulfid in gewöhnlicher 
Weise. Es konnten noch 0,075 ccm Arsen in 500 ccm Urin nachgewiesen 
werden. 

7. Nach Ch. R. Sanger und C. F. Black 1 ). 

Das Verfahren beruht darauf, dass iVrsentrichlorid flüchtig ist 
(B. 6.), so dass durch Eindampfen seiner salzsauren Lösung alles als 
Oxydul vorhandene Arsen verflüchtigt werden kann. 

Man dampft 200 ccm Harn ein auf 25 ccm, bringt sie in Fraktionier- 
kölbchen mit rechtwinklig nach unten gebogenem, mit einem Kühler 
versehenen Rohr. Der Kühler endet mit einem dazwischen geschalteten 
Kugelrohr in ein Kölbchen mit 25 ccm konzentrierter Salpetersäure. 
Zum Harnrückstand setzt man 100 ccm konzentrierte Salzsäure und 
destilliert in 30 — 40 Minuten die Hälfte ab. Das Destillat wird mit 
25 ccm Salpetersäure eingedampft, der Rückstand mit 2 — 5 ccm Schwefel- 
säure und Salpetersäure versetzt bis zur Farblosigkeit erhitzt und mit 
genau 25 ccm Wasser verdünnt und dann im Marsh sehen Apparat 
das Arsen bestimmt. Es wurden noch 0,01 mg Arsen im Liter gefunden. 

8. Nach Gutscheid-Burnaschew 2 ). 

50 ccm Harn werden mit 2 — 3 ccm HN0 3 (D = 1,4) und 3 — 4 g MgO zur 
Trockne gedampft und verascht. (Die Reagentien müssen arsenfrei sein.) Der 
Rückstand wird in überschüssiger verdünnter H 2 S0 4 gelöst, in einem besonderen 
Apparat mittelst Zn das As in AsH 3 übergeführt. Dieser wird mit Chlorkupfer 
gewaschen und durch ein Filtrierpapierdiaphragma hindurchgeschickt, das mit 
Sublimatlösung befeuchtet ist. Dabei bildet sich As(HgCl) 3 . Das überschüssige 
HgCl 2 wird mit Äther entfernt, das As durch gelbes Schwefelammonium aus seiner 
Verbindung befreit und zugleich das Hg in HgS übergeführt. Dieses gibt durch 
seine schwarze Farbe die Möglichkeit einer kolorimetrischen As-Bestimmung. Die 
Fehlergrenze beträgt 10%. Nachgewiesen werden 0,5 bis 5 mg As. 

D. Bestimmung. Die quantitative Bestimmung des 
Arsens wird bei höherem Arsengehalt gravimetrisch vorgenommen, 
indem das Arsen, welches durch Salpetersäurebehandlung als Arseniat 
vorhanden sein muss, als Magnesiumarseniat gefällt, im Gooch- Tiegel 
filtriert und als Magnesiumpyroarseniat zur Wägung gebracht wird. Das 
nach B. 2. gefällte Arsensulfid wird wiederholt mit Salpetersäure ein- 
gedampft, in Wasser gelöst, die Lösung filtriert und auf je 50 ccm Lösung 
mit ca.. 10 — 20 ccm n/ 2 -NH 4 Cl-Lösung versetzt, hierauf wird tropfenweise 
unter beständigem Umrühren mit 20 ccm Magnesiamixtur und dann 
mit 1 / 3 des Volumens an starkem Ammoniak versetzt, dann 12 Stunden 

a ) Zeitschr. f. anorg. Chemie. 56, 153. — Jahresber. f. Tierchem. 39. 283. 
Vgl. auch Journ. Soc. Chem. Ind. 26, 1115. 

2 ) Wien. klin. Wochenschr. 25. 588. 1912. 



Metalle. 1439 



stehen gelassen, durch einen G o o c h - Tiegel filtriert und mit 2 1 / 2 °/oigen] 
Ammoniak zuerst durch Dekantation, dann im Tiegel bis zum Ver- 
schwinden der Chlorreaktion ausgewaschen. Nachdem man den Nieder- 
schlag bei 110° getrocknet hat, setzt man den Gooch- Tiegel mittels 
eines Asbestringes derart in einen grösseren Porzellantiegel, dass sein 
Boden nur einige Millimeter vom Boden des äusseren Tiegels ent- 
fernt ist, bedeckt den Niederschlag mit einer dünnen Schicht Ammonium- 
nitrat und erhitzt zunächst gelinde und dann zur hellen Rotglut. Von 
dem erhaltenen Pyroarseniat sind 48,27 o/ (log. 68372) Arsen. 

Bei kleineren Arsenmengen kann man entweder den erhaltenen 
Arsenspiegel wägen (Wägung des Glases mit dem Arsenspiegel und ohne 
ihn, nachdem man ihn durch Erwärmen mit Salpetersäure entfernt 
hat) oder ihn kolorimetrisch vergleichen mit Spiegeln, die aus be 
kannten Mengen von Arsenik in gleicher Weise gewonnen sind (s. oben 
bei Lockemann). 

3. A n t i m o n. 

Kleine Mengen Antimon (bis 1 mg und darunter) lassen sich nach 
Chittenden und Blake 1 ) noch gewinnen, wenn man den Harn nach 
Zusatz von 0,04 Volumen verdünnter Schwefelsäure 16 — 48 Stunden 
lang elektrolysiert. Gute Resultate erzielt man auch, wenn man das 
Antimon nach Zerstörung der organischen Substanz mit Schwefel- 
wasserstoff fällt, den Niederschlag in Schwefelalkali löst und die 
Lösung nach C 1 a s s e n 2 ) der Elektrolyse unterwirft. 

4. Blei. 

Für die Abscheidung kleiner Mengen Blei aus Harn hat V. Leh- 
mann 3 ) zweckmässig befunden, die organische Substanz mit chlor- 
saurem Kali und Salzsäure zu zerstören (s. bei Quecksilber, S. 1417), 
die Flüssigkeit einzudampfen, wieder zu verdünnen und mit einem 
Strom Schwefelwasserstoff zu behandeln; der ausgefallene schwarze 
Niederschlag ist dann weiter zu untersuchen. — Ebenso kleine Mengen 
Blei lassen sich durch direkte Elektrolyse des Harns niederschlagen. 

5. Silber. 

Silber wird nach Lehmann 4 ) am vollkommensten durch 
Glühen mit Salpeter und Soda abgeschieden. Der Harn wird dazu mit 



x ) R. H. Chittenden u. J. H. Blake, Studies from the lab. of. physiol. 
ehem. of Yale Univ. New Haven 1887. 68. 

2 ) A. Classen, Ber. d. ehem. Gesellsch. 17. 2474 u. 18. 1104. 

3 ) V. Lehmann, Zeitschr. f. physiol. Ch. 6. 4. 1882. 

4 ) Lehmann, a. a. O. 13. 



1440 Spiro, Anorganische Körper. 

10 g Salpeter und 6 g Soda auf 10 ccm eingedampft, der Rückstand ge- 
schmolzen, die Schmelze in heissem Wasser gelöst, das zurückbleibende 
metallische Silber in warmer, verdünnter Salpetersäure gelöst und die 
Lösung mit Salzsäure auf Silber geprüft. 

6. Thallium. 

Der Nachweis des Thalliums im Harn gelingt nach W.Marme 1 ) leicht durch 
Elektrolyse des mit chlorsaurem Kali und Salzsäure behandelten und später 
eingeengten Harns. Das auf diese Weise an einem Platindraht fixierte und vor- 
sichtig mit destilliertem Wasser gereinigte Metall bringt man direkt in die 
Flamme des Spektralapparats, wobei jedoch ausser der Kathode auch die 
Anode zu prüfen ist. 

7. Cadmium. 

Nach Weisung nach Marme ebenfalls durch Elektrolyse des mit chlorsaurem 
Kali und Salzsäure behandelten Harns. 

8. Lithium. 

Nach Berger beginnt die Ausscheidung sehr bald, kommt jedoch sehr lang- 
sam zu Ende. 

Man verdampft eine genügende Menge des fraglichen Harns zur Trockne 
und verkohlt den Rückstand bei massiger Hitze vollständig. Nach dem Erkalten 
zieht man die Kohle mit verdünnter Salzsäure aus, filtriert, verdampft das 
farblose Filtrat zur Trockne, behandelt mit starkem Alkohol, filtriert, verdunstet 
die alkoholische Lösung zur Trockne und prüft den jetzt gebliebenen Rückstand 
spektralanalytisch. Die Nachweisung des Lithiums ist in angegebener Weise, 
nach innerlichem Gebrauch desselben, Neubauer jedesmal mit absoluter Sicher- 
heit gelungen. 

Auf Veranlassung von A. Heffter hat Fr. Berger 2 ) folgendes Verfahren 
ausgearbeitet : 

Der in einer Platinschale eingedampfte Harn wird verkohlt, die Kohle mit 
schwach salzsaurem heissem Wasser ausgezogen und so lange ausgewaschen, 
bis in Filtrat und Filterrückstand spektroskopisch kein Lithium mehr nachweis- 
bar ist. Das Filtrat versetzt man mit Kalkmilch bis zur alkalischen Reaktion, 
erwärmt gelinde und fügt Barytwasser hinzu so lange, als noch eine Trübung auf- 
tritt. Darauf erhitzt man zum Sieden, filtriert heiss und wäscht gründlich mit 
heissem Wasser nach. Im Filtrat fällt man mit Ammoniak und gesättigter Ammo- 
niumcarbonatlösung die alkalischen Erden, erhitzt zum Sieden und filtriert heiss 
und wäscht aus. Das mit Salzsäure angesäuerte Filtrat wird in einer Platinschale 
zur Trockne verdampft und schwach geglüht, bis alle Ammoniumsalze vertrieben 
sind. Der Inhalt der Platinschale wird mit möglichst wenig Wasser aufgenommen, 
in einen 50 ccm fassenden Erlenmeyerkolben gebracht, mit ca. 10 ccm Amylalkohol 
überschichtet und langsam zum Sieden erhitzt, indem man einen schwachen Luft- 
strom durchsaugt und den verdampfenden Amylalkohol von Zeit zu Zeit ersetzt. 
Sobald das Wasser verjagt ist, scheidet sich Kalium- und Natriumchlorid aus. 
Zu der klaren amylalkoholischen Lösung fügt man drei Tropfen konzentrierte 
Salzsäure, erhitzt kurze Zeit weiter, bis die Lösung wieder klar ist, filtriert heiss 
durch ein kleines Asbestfilter, wäscht dieses sowie die zurückbleibenden Krystall- 
krusten mit heissem ausgekochtem Amylalkohol aus und verdunstet das Filtrat 
zur Trockne. Der Rückstand wird in verdünnter Schwefelsäure gelöst, durch ein 

x ) W. Marme, Zeitschr. f. anal. Chemie 6. 503. 298. 
2 ) Berger, Arch. f. exp. Path. u. Pharm. 55. 1. 1906. 



Säuren. 1441 



kleines Asbestfilter in einen gewogenen Platintiegel filtriert, das Filter mit warmem 
Wasser nachgewaschen und die Flüssigkeit langsam verdampft. Um einem Ver- 
lust durch Spritzen vorzubeugen, hängt man den Tiegel in einem Tondreieck 
über einem Asbestdrahtnetz so auf. dass er das Drahtnetz nicht berührt, wodurch 
ein gleichmässiges, ruhiges Verdampfen des Wassers wie auch der Schwefelsäure 
erzielt wird, den Rest der Schwefelsäure verjagt man über freier Flamme, glüht 
schwach und wägt. Da das so erhaltene Lithiumsulfat noch geringe Mengen 
Kalium- und Natriumsulfat enthält, so bringt man nach Gooch eine Korrektur 
derart an. dass man vom Gewicht des Lithiumsulfats für je 10 ccm des Filtrats 
(ausschliesslich des Waschalkohols) 0,92 mg abzieht. Bei der Ausführung dieses 
Verfahrens ist besonders darauf zu achten, dass alle Fällungen, die zur Entfernung 
der Phosphorsäure, Schwefelsäure und der alkalisehen Erden erforderlich sind. 
bei Siedehitze vorgenommen werden oder nachträglieh zum Sieden erhitzt werden. 
Andernfalls erleidet man infolge der geringen Löslichkeit des Lithiumcarbonats, 
das sieh aus den Niederschlägen durcii Auswasehen sehr schwer entfernen lässt, 
leicht Verluste. Ferner ist es notwendig, dass sämtliche zur Verwendung kommen- 
den Chemikalien ebenso der Asbest ganz eisenfrei sind. Insbesondere bildet der 
Eisengehalt des zum Filtrieren verwendeten Asbests leicht eine Fehlerquelle. 
Aus demselben Grunde müssten die beim Verdampfen der Alkalichloridlösung 
zur Verhütung des Stossens verwendeten Siedesteinchen durch eine Platinspirale 
ersetzt werden. Beim Abdampfen der mit Amylalkohol überschichteten Chlorid- 
lösung lässt sich ein trotz der Platinspirale und des Luftdurchleitens hier und da 
vorkommendes Stossen dadurch vollständig vermeiden, dass man den Erlen- 
meyer in schiefer Lage etwa 1 cm hoch über einem Asbestdrahtnetz einklemmt. 
Der Amylalkohol wurde immer erst dann zugefügt, nachdem die Alkaliehloridlösung 
auf etwa 10 ccm eingedampft war. 

9. W i s in u t. 

Die Ausscheidung von Wismut auch beim Menschen nach inner- 
licher Darreichung ist durch Dorner und Weingärtner 1 ) ein- 
wandfrei bewiesen. Zum Nachweis wird die organische Substanz des 
Harns mit Kaliumchlorat und Salzsäure (s. Quecksilber S. 1417) zer- 
stört und nach Vertreibung des Chlors das Metall als Sulfid gefällt. 
Dieses löst sich in konzentrierter Salzsäure, die Lösung trübt sich aber 
in charakteristischer Weise beim Verdünnen mit Wasser durch Bildung 
des basischen Salzes (Oxychlorids) : 

Bi Cl 3 + H 2 ^ Bi OC1 + 2 HCl 

Das Sulfid dient auch zur quantitativen Bestimmung des Metalls 
nach dem in den Lehrbüchern der analytischen Chemie angegebenen 
Verfahren. 

B. Säuren. 

1. Pyrophosphorsäure. 

Den Nachweis der Pyrophosphorsäure, welche unverändert in den Harn 
übergeht, gründen Pacquelin und Joly 2 ) auf den Umstand, dass die Pyrophos- 
phate durch Salpeter-Molybdänsäure nicht gefällt werden, aber bei längerer Ein- 
wirkung konzentrierter Säuren oder Alkalien in der Wärme in Orthophosphate 
verwandelt werden und nun durch Salpeter-Molybdänsäure fällbar sind. 

x ) G. Dorner und Weingärtner, Zeitschr. f. klin. Med. 68. 258. 1909. 
2 ) Pacquelin und Joly, Comptes rendus 85. 410. 



1442 Spiro, Anorganische Körper. 

Nach Starkenstein 1 ) ergibt die Urantitration der Pyrophosphorsäure 
bei Verwendung von Cochenille als Indikator den berechneten P 2 5 - Gehalt, bei 
Verwendung von Ferrocyankalium jedoch nur die Hälfte desselben. Von den 
vier durch U0 2 ersetzbaren H-Valenzen entsprechen zwei an Stärke denen der 
Phosphorsäure und diese bilden ein unlösliches Uransalz. Die beiden anderen 
kommen jedoch an Stärke denen der Glycerinphosphorsäure gleich und sind daher 
bei Verwendung von Ferrocyankalium als Indikator nicht verwendbar. Wie die 
Pyrophosphorsäure verhält sich auch die Inositphosphorsäure. Metaphosphor- 
säure gibt bei der Urantitration nur den halben Wert an P 2 5 , kann aber ebenso- 
wenig wie Glycerinphosphorsäure mit Ferrocyankalium titriert werden. 



2. Chlorsäure. 

a) Die Chlorsäure lässt sich im Harn nach Rabuteau 2 ) leicht 
mittels der Indigoprobe nachweisen. Der Harn wird schwach mit Indig- 
schwefelsäure und in genügender Menge mit schwefliger Säure ver- 
setzt; das Chlor, welches bei der Reduktion der Chlorsäure durch die 
schweflige Säure frei wird, entfärbt den Indigo. 

b) Einfacher gestaltet sich der Nachweis nach Edlefsen 3 ), wenn man den 
Harn mit % Volumen konzentrierter Salzsäure erwärmt. Durch die Zersetzung 
des Indicans färbt sich der Harn dabei zunächst dunkelrötlich oder bläulichbraun; 
gleichzeitig wird aber die Chlorsäure durch organische Harnbestandteile reduziert, 
und infolge davon verschwindet in der Nähe des Siedpunkts die durch die Indig- 
farbstoffe bedingte Färbung des Harns und macht einer hell bräunlichen oder hell- 
gelblichen Färbung Platz; schliesslich wird der Harn völlig entfärbt und ent- 
wickelt Lackmus bleichende Dämpfe. Es ist Edlefsen kein Harn vorgekommen, 
der so wenig Indican enthielt, dass die Probe nicht gelang. Fällt sie nicht über- 
zeugend aus, so braucht man dem Harn nur noch etwas Indiglösung zuzusetzen. 

c ) Zum Zweck der quantitativen Bestimmung der in den Harn übergegangenen 
Chlorsäure fällt man nach Rabuteau 4 ) den Harn vollständig mit salpetersaurem 
Silberoxyd aus, entfernt das überschüssige Silber aus dem Filtrat mit chlorfreiem 
kohlensaurem Natron, filtriert abermals, verdunstet zur Trockne und erhitzt den 
Rückstand zum Glühen. Das vorhandene chlorsaure Kali geht hierbei in Chlor- 
alkali über, dessen Menge sich leicht auf gewöhnlichem Wege bestimmen lässt. 

d) Nach M. Scholtzund H. Hildebrandt 5 ) kann man nach Ausfällung der 
Chloride die Reduktion auch mit Natriumnitrit (10 %) vornehmen. 

e) J. F. Virgili 6 ) weist das Kaliumchlorat im Harn nach, indem er zu 1 ccm 
Harn 4 ccm eines Reagens setzt, das aus 50 g Anilinchlorhydrat in 1 Liter verdünnter 
Salzsäure besteht. Man erhält bei Anwesenheit von Chlorat sofort eine Purpur- 
färbung, sind mehr als 1 g Chlorat im Liter vorhanden, so tritt anfangs auch die 
Purpurfärbung auf, später aber durch die Einwirkung der Chlorate auf das Anilin 
eine hellblaue oder purpurblaue Farbe. 



x ) E. Starkenstein, Biochem. Zeitschr. 32. 235. 1911. 

2 ) Rabuteau, Gazette med. de Paris, 1868. 665; Zeitschr. f. analyt. Ch. 
8 233 

3 ) Edlefsen, Arch. f. klin. Med. 19. 94. 

4 ) Rabuteau, Gazette med. de Paris, 1868. 666; Zeitschr. f. analyt. Ch. 
8. 233. 

5 ) M. Scholtz, Arch. d. Pharm. 243, 353; — H. Hildebrandt, Viertel- 
jahrsschr. f. ger. Med. 32. 80. 1907 

6 ) J. F. Virgili, Annal. Chim. anal. appl. 1909. 1470. 



Jodwasserstoff, Bestimmung. 1443 

3. Jodwasserstoff. 

Die Ausscheidung der Jodide setzt sofort nach ihrer Einnahme 
ein, ist aber sehr langwierig, quantitativ ist sie individuell sehr ver- 
schieden und unabhängig von der Art des eingeführten Kations. Bei 
organischen Verbindungen hängt die Jodabscheidung ab von der Ge- 
schwindigkeit ihres Abbaues resp. der Abspaltung i\^v Jüdinnen. Nach 
Zufuhr von Jodoform können gelegentlich auch Jodate im Barn er- 
scheinen 1 ). 

Man setzt das Jod durch salpetrige Säure oder durch Brom oder 
Chlor in Freiheit und weist es entweder durch Stärkelösung nach, oder 
indem man es durch Schütteln der Flüssigkeit mit Schwefelkohlenstoff 
(Chloroform, Äther, Petroleum, Benzol) in diesen überführt. Beim Nach- 
weis entstehen dadurch Schwierigkeiten, dass <j,er Harn nicht bloss 
reichlich Jod bindende Substanzen enthält, sondern dass sich auch die 
Beagentien vor allem mit dem Harnstoff umsetzen und so dem beab- 
sichtigten Zweck entzogen werden. Ein Überschuss von Chlor oder Brom 
bindet das Jod und verhindert den Nachweis. 

Nach Sandland 2 ) färben 5 cem Harn, welcher in 100 cem nur 1 mg KJ 
enthält, auf Zusatz von 1 cem vierfach verdünnter Schwefelsäure und 1— 'A Tropfen 
0,2%iger Natriumnitritlösung Schwefelkohlenstoff oder Chloroform noch deut- 
lich rosa. 

Zur Entwickelung des Jods eignet sich auch statt der salpetrigen Säure 
gelbe oder rote Salpetersäure, Neubauer gibt der Reaktion mit Bromwasser 
vor allen andern den Vorzug, j olles 3 ) mischt den Harn im Reagenzglas mit 
dem gleichen Volumen konzentrierter Salzsäure und iiberschichtet die Mischung 
mit 2 — 3 Tropfen schwachem Chlorwasser; selbst bei (Gegenwart von nur wenig 
Jod entsteht an der Oberfläche eine braungelhe Schicht, die auf Zusatz von Stärke- 
lösung blau wird. 

Scivoletto tränkt Streifen von Filtrierpapier mit Stärkekleister, besprengt 
dieselben nach dem Trocknen mit dem auf Jod zu prüfenden Harn und hängt sie 
darauf frei in dem oberen Teil eines Kölbchens auf, an dessen Boden sich etwas 
rauchende Salpetersäure befindet. Bei Gegenwart von Jod färben sich die be- 
sprengten Stellen blau. 

Alle diese Methoden können bei geringem Jodgehalt des Harns 
versagen. Sicher verfährt man, wenn man den Harn unter Zusatz eines 
Alkalihydrats oder -Carbonats verdampft, den Rückstand verkohlt und 
den wässerigen Auszug der Kohle für die Proben auf Jod verwendet. 

Brücke empfiehlt dazu den Harn mit kohlensaurem Natron stark alkalisch 
zu machen. Castain versetzt ca. 0,5 Liter Harn mit 2 g Kaliumhydrat. Be- 
achtenswert ist in dieser Hinsicht, dass das käufliche Ätznatron (Natr. caust. 
fusum), auch das mit Alkohol gereinigte, nach Autenrieth 4 ) immer (in 10 — 15 g) 
deutlich nachweisbare Mengen Jod enthält. 

x ) A.Heffter,Med.Klin. 1910. Nr. 8. — Anten, Arch. f. exp. Path. u. Pharm. 
48. 331. 1902. — G. Basch, Zeitschr. f. physiol. Chem. 55. 397. 1908. 

2 ) H. Sandland, Arch. d. Pharm 232. 177. 1893; Zeitschr. f. analyt. Ch. 
34. 124. 1895. 

3 ) A. Jolles, Zeitschr. f. anal. Ch. 30. 288. 1891. 

4 ) Brücke, Sitzungsber. d. k. Akad. d.Wiss. 63. 2. Abt. 216. 1871. — Castain, 
Bull, de Therap. 61. 266. 1861. — W. Autenrieth, Zeitschr. f. physiol. Ch. 22. 
512. 1897. 



1444 Spiro, Anorganische Körper. 



Bestimmung des Jodwasserstoffs. 
I. Verfahren von Kersting 1 ). 

A. Prinzip. Die Bestimmung beruht auf der titrimetrischen 
Fällung des Jodwasserstoffs durch Palladiumchlorür. (Unterschied von 
Chlor und Brom.) 

2 K J + PdCl 2 = Pd J 2 + 2 KCl. 

Der Jodwasserstoff wird aus dem mit Schwefelsäure versetzten Harn ab- 
destilliert. Mit dem Destillat wird eine mit Salzsäure angesäuerte Palladium- 
chlorürlösung bei 60 — 100° versetzt, wobei sich das schwarze Palladiumjodür 
schnell zu Boden setzt. Fügt man dagegen das Chlorür überschüssigem Jodwasser- 
stoff hinzu, so erfolgt die Bildung des Niederschlags viel langsamer und die Wand 
des Glases bedeckt sich mit einem schwarzen Überzug. Da die Mischung beim 
Erwärmen imd Schütteln fast absolut klar wird, und da sich ferner noch 1 / 30 — V300 m g 
Jod mittels Palladium deutlich durch eine entstehende braune Färbung entdecken 
lässt, so fallen die Bestimmungen nach Versuchen, die Neubauer mit reinem 
Jodkalium anstellte, sehr genau aus. 

B. Erfordernisse. 

1. Jodkaliumlösung mit 1 g Jod im Liter. Es werden 1,3083 g jodsäure- 
freies Jodkalium zum Liter aufgelöst. 

Die Gegenwart von Jodsäure im Jodkalium erkennt man daran, dass sich 
verdünnte Schwefelsäure, mit der man das Salz übergiesst, braun färbt. Die zur 
Prüfung verwendete Schwefelsäure darf keine salpetrige Säure enthalten; man 
befreit die Schwefelsäure von den Sauerstoffverbindungen des Stickstoffs, indem 
man konzentrierte Schwefelsäure in einer Porzellanschale mit 0,3 % Ammonsulfat 
erhitzt, bis die Schwefelsäure zu verdampfen anfängt. Nach Spica 2 ) lassen 
sich auch noch 0,002 % Kalium jodat im Jodkalium an der Schwerlöslichkeit 
des Baryumjodats erkennen. Da die Jodkaliumlösung durch Wägen des Jod- 
kaliums bereitet wird, darf das Salz auch kein Chlor enthalten. Um Chlor nach- 
zuweisen, fällt man die Lösung mit Silbernitrat aus, schüttelt mit überschüssigem 
Ammoniak und filtriert; bei Anwesenheit von Chlor gibt das Filtrat beim Über- 
sättigen mit Salpetersäure einen flockigen Niederschlag (von Chlorsilber). Chlor- 
freie Salpetersäure verschafft man sich leicht dadurch, dass man gewöhnliche 
Salpetersäure mit Silbernitratlösung vermischt und den entstandenen amorphen 
Niederschlag sich absetzen lässt. 

2. Saure Palladiumchlorürlösung. Man löst ein abgewogenes Stück 
Palladium in Königswasser, dampft im Wasserbad zur Trockne eine und setzt auf 
1 g Metall 50 ccm Salzsäure zu. Man verdünnt dann die Lösung für 1 g Metall 
auf ungefähr 8 Liter, so dass von der richtig gestellten Lösung 1 ccm 0,25 mg Jod 
anzeigt. Den wahren Gehalt der Lösung ermittelt man durch Titrieren der Jod- 
kaliumlösung und erteilt nach dem Befund der Lösung die richtige Konzentration. 
Es werden in einem 100 ccm fassenden Kölbchen 10 ccm der Palladiumlösung zum 
Sieden erhitzt. Dann lässt man aus einer Bürette die Jodkaliumlösung nach 
und nach zufliessen, schüttelt stark und erwärmt einige Sekunden. Von der in 
wenigen Augenblicken klar gewordenen Flüssigkeit giesst man eine geringe Menge 
in zwei kleine enge Proberöhrchen, so dass beide etwa 2 — 3 cm hoch gefüllt sind. 
Zu der einen Probe setzt man darauf noch einige Tropfen der Jodlösung und ver- 
gleicht nun mit der anderen, ob noch eine Bräunung eintritt oder nicht. Ist ersteres 
der Fall, so spült man die Proben wieder zur Hauptflüssigkeit, setzt weitere Jod- 
lösung zu, schüttelt, erwärmt, prüft wieder auf die angegebene Art und fährt so 
fort, bis eine neue Menge Jod keine Färbung mehr erzeugt. Ist dieser Punkt 

x ) R. Kersting, Ann. d. Ch. u. Pharm. 87. 21. 1853. 

2 ) Spica, Gaz. chim. 24. 91; Zeitschr. f. anal. Ch. 35. 343. 1896. 



Jodwasserstoff, Bestimmung. 1445 

erreicht, so filtriert man etwas Flüssigkeit ab, und wenn diese weder durch Palla- 
dium noch durch Jodlösimg merklich gebräunt wird, so kann sie kaum Viooooo 
Überschuss an einem dieser Stoffe enthalten, 

C. A u s f ü h ru ng. 

Das Abdestillieren des Jodwasserstoffes aus dem Harn nimmt man 
nach Hupperts und Pecirkas 1 ) Erfahrungen am besten im 
folgender Weise vor. 

Es werden 50 ccm Harn in einem Viertelliterkölbchen mit Natronlauge 
alkalisch gemacht und in dem schräg gelagerten Kölbchen auf J , eingekocht. Man 
befestigt dann das Kölbchen an einem Destillationsapparat, dessen Kiihlrohr 
einen gläsernen Mantel hat, legt ein Masskölbchen von 100 ccm vor. erwärmt die 
Flüssigkeit schwach und lässl aus einem mit Glashahn oder Stopfen versehenen 
Trichterrohr langsam 20 ccm Schwefelsäure zufliessen. Die Flüssigkeit kommt. 
dabei von selbst in ruhiges Sieden, und die Schwefelsäure verteilt sich gleichmässig 
in ihr. Setzt man die Schwefelsäure zu kaltem Hain, so sammelt sie sieh am Boden 
an und die Flüssigkeit stösst heim nachfolgenden Erwärmen stark; ist der Hain 
zu heiss. so tritt heim Zufliessen der Schwefelsäure eine stürmische Reaktion ein. 
Man unterhält die Destillation, bis kleinblasiges ruhiges Sieden eintritt, d. i. bis 
zudem Punkt, wo Schwefelsäure überzugehen beginnt. Anfangs destilliert metal- 
lisches Jod über, welches sich im Kühlrohr kondensiert. Dasselbe wird aber durch 
die nachfolgende schweflige Säure gelöst und aus dein Kiihlrohr ausgewaschen; 
erst wenn der Harn mehr als 50 mg Jod in 50 ccm (2 g K.J in 1500 ccm) Harn 
enthält, bleibt Jod zurück, das sich aber leicht durch Nachgiessen einer Lösung 
von schwefligsaurem Salz in das Destillationsgefäss spülen liesse. Der Destil- 

lationsapparat sollte ganz aus Glas bestehen, und das Destillationsrohr niiiss weit in 
das Kühlrohr hineinreichen; am besten wird man eine Retorte mit eingeschliffenem 
Trichterrohr verwenden, deren Seh na hei eine lange Strecke dünn ausgezogen ist. 
In Ermangelung einer solchen stellt man die Dichtungen mit paraffiniertem Kork- 
stöpsel oder mit Kautschukstopfen her, die durch Auskochen mit Soda entschwefelt 
worden sind. Korke tränkt man in der Weise mit Paraffin, dass man sie längere 
Zeit auf 100° erwärmt, noch heiss in das geschmolzene Paraffin taucht und ab- 
tropfen lässt. 

Das Destillat enthält den Jodwasserstoff, die flüchtigen Säuren, Phenol, 
Schwefelsäure und schweflige Säure. Bevor die Jodbestimmung ausgeführt werden 
kann, muss die schweflige Säure oxydiert werden, weil sie PaUadiumchlorür zu 
Metall reduziert. Dies geschieht durch tropfenweisen Zusatz von gesättigter 
Chlorkalklösung, von welcher aber auch ein Überschuss vermieden werden muss, 
weil das PaUadiumchlorür von ihm oxydiert wird. Um das richtige Mass zu treffen 
versetzt man die Flüssigkeit mit etwas Stärkelösung und fügt Chlorkalk bis zum 
Eintritt einer dauernden, aber schwachen Blaufärbung zu. Ist dieser Punkt er- 
reicht, so füllt man auf 100 ccm auf, giesst die filtrierte Flüssigkeit in eine Bürette 
und titriert mit ihr 10 ccm Palladiumlösung, wie bei der Titerstellung derselben. 
Aus dem Titer der Palladiumlösung und dem verbrauchten Volumen des Destillats 
berechnet man die Menge des vorhandenen Jods. 

Die Destillation dauert lang und bedarf zur Verhütung des Übersteigens 
steter Überwachung. Hilger erhielt konstant zu geringe Werte, Zeller 2 ) gleich- 
falls etwas zu niedere Werte, Pecirka fand statt 10 mg Jod 8,4 — 9,8 mg, statt 
50 mg 46,0 — 48,8; die Verluste, welche Pecirka erlitt, dürften wenigstens zum 
Teil der nicht völlig zweckmässigen Einrichtung seines Destillationsapparates 
zuzuschreiben sein. 



*) F. Pecirka, Zeitschr. f. physiol. Ch. 7. 491. 

2 ) Hilger, Zeitschr. f. analyt. Ch. 12. 342. — Zeller, Zeitschr. f. physiol. 
Ch. 8. 286. 



1446 Spiro, Anorganische Körper. 



IL Verfahren von Hilger. 

Hilger 1 ) titriert den Harn direkt mit der Palladiumchlorürlösung. 

Es werden 10 — 20 ccm der Palladiumchlorürlösung, je nach dem Jodgehalt 
des Harns, der sich leicht durch eine qualitative Probe auf Jod annähernd fest- 
stellen lässt, in einem Glasgefäss mit eingeschliffenem Glasstöpsel im Wasserbade 
erhitzt und von dem jodhaltigen Harn, der zuvor mit Salzsäure angesäuert und 
auf ein bestimmtes Volumen gebracht war, so viel zugesetzt, bis sämtliches Palla- 
dium als Jodür ausgeschieden ist. Heftiges Schütteln der Mischung beschleunigt 
die Abscheidung sehr. Kleine Proben von Zeit zu Zeit abfiltriert und mit einigen 
Tropfen Harn versetzt, zeigen beim Erhitzen durch eine stattfindende Trübung 
oder durch Klarbleiben, ob die Reaktion beendigt ist oder nicht. Nach Hilger s 
Beobachtungen fällt das Ende der Reaktion mit dem Momente zusammen, bei 
welchem die Abscheidung des Jodpalladiums in deutlichen Flocken beginnt, wäh- 
rend die Flüssigkeit in stetem Sieden erhalten wird. 

Hilger erhielt nach seiner Methode sehr genaue Resultate, Zeller ungefähr 
ebenso genaue wie Hilger; Pecirka fand dagegen immer zu viel. Nach Pecirka 
ist die Quelle des Fehlers in der Färbung des Harns zu suchen; während man näm- 
lich bei farblosen Flüssigkeiten das Ende der Reaktion daran erkennt, dass sich 
auf Zusatz der Jodlösung die Mischung nicht mehr färbt, gibt bei Verwendung 
von Harn nur das Entstehen einer deutlichen Trübung den Ausschlag; diese bleibt 
aber schon aus, wenn noch Färbung eintritt, man verbraucht deshalb zu wenig 
Harn und findet zu viel Jod. Auch hat Kersting bereits darauf aufmerksam 
gemacht, dass der Niederschlag, welchen jodhaltiger Harn mit Palladiumchlorür 
gibt, ausser Palladiumchlorür ein organisches Palladiumsalz und Palladiummetall 
enthält; Harnstoff gibt nach Drechsel eine sehr schwer lösliche Verbindung mit 
Palladiumchlorür. In Hundeharn geben die Thiosulfate mit Palladiumchlorür 
nach Zeller einen Niederschlag von Schwefelpalladium. 

III. Verfahren von Pecirka. 

Pecirka 2 ) verascht den Harnrückstand durch Schmelzen mit Soda und 
Salpeter und titriert in der Lösung des Produkts das Jod nach Entfernung der 
salpetrigen Säure und der übrig gebliebenen Sälpetersäure. Das Verfahren eignet 
sich auch zur Bestimmung des Jods namentlich dann, wenn es in anderer Form 
als der des Jodwasserstoffs, z. B. in organischer Verbindung, vorhanden ist. 

Die salpetrige Säure würde für sich, die Salpetersäure unter Vermittelung 
der Chloride der Harnasche das Palladiumchlorür oxydieren. Die Salpetersäure 
wird in alkalischer Lösung durch Zink, die salpetrige Säure durch schweflige Säure 
reduziert. — Es werden 50 ccm Harn nach Zusatz von 0,5 g Salpeter und 5 ccm 
Normalsodalösung in einer Platinschale bei einer dem Siedepunkt nahen Temperatur 
zur Trockne verdunstet, der Rückstand sofort weiss gebrannt und die Asche in 
5 ccm einer 10 %igen Natronlauge und der nötigen Menge Wasser gelöst. Nach- 
dem man in die Lösung ein Zinkstäbchen gelegt hat, hält man sie eine Stunde lang 
warm, giesst sie in ein Kölbchen von 100 ccm, spült die Schale und den Zinkstab 
nach, versetzt die Flüssigkeit mit Stärkelösung und säuert sie mit verdünnter 
Schwefelsäure (1 : 4), besser mit Salzsäure an. Wird die Flüssigkeit dabei nur 
schwach blau, so kann sie sofort zum Titrieren verwendet werden, färbt sie sich 
aber stark blau oder grün oder braun, so wird sie durch tropfen weisen Zusatz 
einer Lösung von schwefligsaurem oder saurem schwefligsauren Natron entfärbt. 
Das dabei aus der salpetrigen Säure entstandene Stickoxyd wird durch einen ziem- 
lich lebhaften Strom Kohlensäure ausgetrieben; es würde in Berührung mit Luft 



*) Hilger, a. a. 0. u. Ann. d. Ch. u. Pharm. 171. 212; Zeitschr. f. analyt. 
Ch. 13. 475. 

2 ) Pecirka, a. a. O. 493. 



Jodwasserstoff, Bestimmimg. 1447 

wieder zu salpetriger Säure werden. Einen Überschuss von Bchwefliger Saure 
entfernt man durch tropfenweisen Zusatz von Chlorkalklösung. Die Flüssigkeil 
niuss zuletzt schwach blau sein. Man füllt auf 100 ccm auf und titriert. 

Pecirka fand statt 10 mg Jod in 100 ccm 9,84 — 10,0 mg, statt 50 mg in 
100 ccm 48,5 — 49,2 mg Jod wieder. 

IV. Verfahren von Harnack 1 ). 

Bestimmung des als Jodwasserstoff und in anderer Form im Harn 
enthaltenen Jods durch Wägen als Palladiumjodür. 

Zur Bestimmung des Jodwasserstoffs (nach dem Gebrauch von Jodoform) 
hat Harnack den Harn mit Salzsäure versetzt, mit Palladiumchlorür ausgefällt, 
den Niederschlag am folgenden Tage altfiltriert, gewaschen und mit Soda geglüht. 
Der Glührückstand wurde mit heissem Wasser ausgezogen, die Lösung übersäuert 
und wieder mit Palladiumchlorür gefällt; zuletzt wurde dieser Niederschlag ge- 
waschen, getrocknet und gewogen. Aus der gefundenen Menge Palladiumjodür 
PdJ 2 wird der Jodwasserstoff berechnet. 

Die gesamte Jodmenge wurde so gefunden, dass der Harn nach Zusatz von 
Soda verdampft und der Rückstand geglüht wurde. Die entstandene Kohle wurde 
mit heissem Wasser ausgezogen und verascht. Alles wurde in Balzsaure Lösung 
gebracht und wie vorhin mit Palladiumchlorür gefällt. 

V. Verfahren von Wallace und Lamont 2 ). 

Das Verfahren wurde von Zeller 3 ) zur Bestimmung von Jodwasserstoff 
neben organischen Jod Verbindungen angewendet; es beruht auf der Trennimg 
des Chlorsilbers vom Jodsilber durch Ammoniak. 

Der Harn wird mit Salpetersäure angesäuert, % Stunde auf dem Wasserbad 
erwärmt, nach völligem Erkalten filtriert und so lange unter beständigem Um- 
rühren mit salpetersaurem Silber versetzt, bis der entstehende Niederschlag nicht 
mehr gelb, sondern rein weiss ist, oder bis eine abfiltrierte Probe mit ammoniaka- 
lischer Silberlösung nicht mehr getrübt wird. Der Niederschlag wird abfiltriert, 
gewaschen und getrocknet, dann möglichst vollständig in ein Becherglas gebracht 
und mit der 15 — 20 fachen Menge von starkem Ammoniak digeriert. Man filtriert 
den Niederschlag durch dasselbe Filter, wäscht ihn erst mit verdünntem Ammoniak, 
dann mit Wasser. Die Filtration wird leicht dadurch verzögert, dass das Filtrat 
durch fein verteiltes Jodsilber getrübt ist, das sich erst nach 1 — 2 Tagen absetzt. 
Der Niederschlag enthält neben Jodsilber noch Chlorsilber, und das Filtrat enthält 
etwas Jodsilber gelöst. Den wahren Gehalt des Niederschlags an Jodsilber erfährt 
man durch Behandeln des Niederschlags mit Chlor 4 ) und rechnet das gelöste Jod- 
silber hinzu; 2493 ccm Ammoniak von 0,85 Dichte lösen 1 g Jodsilber. 

VI. Verfahren von Sandlund 5 ). 

Sandlund fällt den Jodwasserstoff mit Silbernitrat, reduziert den Nieder- 
schlag mit Zinkstaub, oxydiert den gebildeten Jodwasserstoff nach Duflos mit 
Eisenchlorid und titriert das abdestillierte Jod mit Thiosulfat. 



x ) E. Harnack, Berl. klin. Wochenschr. 22. 98. 1885. 

2 ) Wallace und Lamont: Fresenius, Anleitung zur quantitativen Analyse, 
6. Aufl. 1. 660. 

3 ) Zeller, a. a. O. 288. 

4 ) Fresenius, a. a. O. 659. 

5 ) H. Sandlund, Arch. d. Pharm. 232. 177. 1893; Zeitschr. f. anal. Chem. 
34. 124. 



1448 Spiro, Anorganische Körper. 

Von nicht zu jodarmem Harn werden 25 — 50 ccm mit Salpetersäure stark 
angesäuert und mit Silbernitrat ausgefällt. N.ach halbstündiger Digestion auf dem 
Wasserbade wird der Niederschlag säurefrei gewaschen und samt dem Filter in 
einem 100 — 200 ccm fassenden schräg liegenden Kolben mit 8 ccm Wasser, 4 ccm 
Salzsäure von 1,12 Dichte und 2 g Zinkstaub behandelt. Nach Vollendung der 
Reduktion wird heiss in einen Kolben von 100 ccm filtriert, mit 35 — 40 ccm Wasser 
nachgewaschen, das Filtrat nach Zusatz von 3 — 4 g krystallisiertem Eisenchlorid 
der Destillation unterworfen und das Destillat in kalt gehaltener Jodkaliumlösung 
aufgefangen. Wenn etwa zwei Drittel der Flüssigkeit übergegangen sind, wird 
das Jod im Destillat mit Yso 00 ^ er Yioo n- Thiosulfat titriert. 

Um die störende Beimengung von Harnsäure zu vermeiden, ist das Ansäuern 
des Harns und das Fällen mit der Silberlösung an demselben Tage auszuführen. 
Das Eisenchlorid oxydiert nur den Jodwasserstoff, nicht auch den Chlorwasserstoff 
und den Bromwasserstoff. Die Verbindung des Kolbens mit dem Trichter ist 
durch Schliffe (mindestens durch paraffinierte Korke oder auch Kautschukstöpsel) 
herzustellen. Die Destillation muss überwacht werden, damit die Flüssigkeit 
(anfangs) nicht überschäumt und die Jodkaliumlösung nicht zurücksteigt. 

Bei geringerem Jodgehalt wird der Harn mit 1 g Natriumcarbonat (wasser- 
frei) auf 100 ccm in einer Platinschale vorsichtig verascht, die Lösung der Asche 
im Destillierkolben mit Salzsäure angesäuert, zur Vertreibung der Kohlensäure 
gelinde erwärmt und dann mit Eisenchlorid destilliert. Die Asche darf keine 
Reste organischer Substanz enthalten, da die Resultate sonst zu hoch ausfallen. 
Es ist daher besser, erst bloss zu verkohlen, die Kohle mit Wasser auszuziehen 
und den Rest zu verbrennen. 

Nach Villiers und Fayolle x ) lässt sich bei diesem Verfahren das Jod 
durch die Destillation nicht gut vollständig gewinnen. 

VII. Verfahren von Nicolle 2 ). 

Nie olle setzt das Jod in der Harnasche mit Kaliumdichromat in Freiheit, 
destilliert es in eine Jodkaliumlösung und titriert es mit Thiosulfat. 

Es werden 50 ccm Harn mit 2 g Kaliumhydrat bei Rotglut verascht, man zieht 
die Asche mit heissem Wasser aus, neutralisiert das Filtrat mit Schwefelsäure und 
destilliert nach Zusatz von (20 g) Kaliumdichromat. Die zum Auffangen des Jods 
dienende Jodkaliumlösung ist 4 %ig. Dichtung des Destillationsapparates wie 
unter I(Kersting). Bei der Veraschung können Sulfide entstehen und der dann bei 
der Destillation auftretende Schwefelwasserstoff würde zu einem falschen Resultate 
führen. Zur Beseitigung dieses Fehlers soll man die Sulfate mit Chlorbaryum aus- 
fällen (wobei jedoch die gepaarte Schwefelsäure und andere Schwefelverbindungen 
in Lösung bleiben) oder den Schwefelwasserstoff aus der Lösung der Asche durch 
Erwärmen mit Oxalsäure austreiben. — Der Destillationsrückstand lässt sich 
noch zur Bestimmung in ihm enthaltenen Broms verwenden. 

VIII. Verfahren von Nencki u. Schoumow-Simanowsky 3 ). 

Anwendung des Verfahrens von Cook 4 ) zur Bestimmung des Jods in Jodiden 
auf den Harn. 



!) A. Villiers und M. Fayolle, Comptes rendus 118. 1332; Bull, de la 
Soc. chim. [3]. 11. 544. 1894; Zeitschr. f. anal. Ch. 34. 600. 

2 ) A. Nicolle, Journ. de pharm, et de chim. [5]. 28. 298; Chem. Zentralbl. 
1893. 2. 1032. 

3 ) M. Nencki und E. O. Schoumow - Simanowsky, Arch. des sc. biolog. 
3. 197; Arch. f. exp. Path. 34. 319. 1894. 

4 ) E. H. Cook, Journ. of the chem. Soc. 47. 471; Zeitschr. f. anal. Ch. 34. 
601. 1895. 






Bromwasserstoff. 



1449 



Die (unter Zusatz von Soda wie bei VI. dargestellte) Harnasche wird mit 
überschüssiger Essigsäure und Wasserstoffsuperoxyd behandelt . Nach einstündigem 
Stehen ist alles Jod frei geworden. Man zieht mit Chloroform aus, wäscht dieses 
mit Wasser, das absolut frei ist von Wasserstoffsuperoxyd und titriert mit Thio- 
sulfat. Chloride und Bromide werden bei diesem Verfahren nicht zersetzt. In der 
rückständigen Flüssigkeit lässt sich das Chlor bestimmen, wenn das angewandte 
Wasserstoffsuperoxyd chlorfrei war. was jedoch bei dem käuflichen oft nicht der 
Fall ist. Demselben Zwecke dient auch Xatriumsuperoxyd, welches man chlorfrei 
von de Haen in List bei Hannover erhalten kann. 

IX Verfahren von Vielliers u. Fayolle. 

Aus dem in Wasser gelösten Jodid wird das Jod nach Duflos durch Eisen- 
chlorid in Freiheit gesetzt, in Schwefelkohlenstoff aufgenommen und mit Thio- 
sulfat unter Schütteln in einer verschlossenen Flasche titriert. 

Es ist die Harnasche in neutraler oder saurer Lösung zu verwenden, Salpeter- 
säure darf nicht zugegen sein. Auf 0,1 g Jod reichen 5 ccm einer halb normalen 
Eisenchloridlösung aus. Ein viermaliges Behandeln der Lösung mit Schwefel- 
kohlenstoff genügt zur vollständigen Entziehung des Jods. 



X. Verfahren von Jolles 1 ). 

Der mit Salpetersäure angesäuerte wässerige Auszug des verkohlten Harns 
wird mit Silbernitiat gefällt und in dem Niederschlag das Jod durch Überleiten 
von Chlor in bekannter Weise bestimmt (Fresenius, Quantität. Analyse, 6. Aufl. 
1. 659). 

XL Colorimetrisches Verfahren von Struve. 

Struve 2 ) stellt sich aus Jodkaliumlösung von bekanntem Gehalt, 
rauchender Salpetersäure und einem stets gleichen Volumen Schwefel- 
kohlenstoff Lösungen von Jod in Schwefelkohlenstoff von verschie- 
denem, aber bekanntem Gehalt und verschiedener Färbung her und 
vergleicht mit diesen Normallösungen die Jodlösungen, welche in 
ganz derselben Weise aus Harn gewonnen werden. Die zylindrischen 
Gläser, in welchen die Färbungsintensitäten verglichen werden, müssen 
dieselbe Weite besitzen. Die Normallösungen lassen sich, unter Wasser, 
einschmelzen und aufbewahren. 

Das Struve sehe Verfahren, von Kell er mann angewandt, ist von 
A. Heffter mit Recht ablehnend kritisiert worden. Auch nach 
meinen unveröffentlichten Versuchen muss man zur Bestimmung 
der Ausscheidung des gesamten Jods die Veraschung (in der fol- 
genden von Heffter-Anten herrührenden Form) vornehmen. Fig. 47. 



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XII. Nach H. Anten 3 ). 

Eine abgemessene Menge Harn (z. B. 20 ccm) bringt man in eine 
geräumige Nickelschale, fügt 2 g (bei mehr Harn entsprechend grössere 
Quantitäten) jodfreies Kalihydrat hinzu und erwärmt bei kleiner Flamme, 
bis das Wasser verdampft ist. Dann wird stärker erhitzt und verkohlt. 
Durch Zusatz von 1,5 g jodfreiem Salpeter auf 20 ccm Harn brennt 



x ) Ad. F. Jolles, Zeitschr. f. anal. Ch. 30. 290. 1891. 

2 ) H. Struve, Journ. f. prakt. Ch. 105. 429; Zeitschr. f. analyt. Ch. 8. 230. 

3 ) Arch. f. exp. Path. u. Pharm. 48. 331. 1902. 



1450 



Spiro, Anorganische Körper. 



man die Kohle weiss, wobei die Temperatur möglichst niedrig gehalten 
wird, und löst die Schmelze nach dem Erkalten in wenig Wasser. 
Die Lösung wird durch ein kleines Filter filtriert, Schale und Filter sorg- 
fältig nachgewaschen. Das Filtrat, das bei richtig geleiteter Veraschung 
farblos sein muss, sammelt man in einer der besonders für diesen 
Zweck konstruierten Schüttelflaschen, wie sie auch H o w a 1 d für die 
Jodbestimmung im Harn benützte. Das sind weite zylindrische, 
etwa 200 ccm fassende Gefässe mit ganz kurzem Hals und einge- 
schliffenem Glasstopfen, die unten in ein 10 ccm langes, etwa 12 mm 
weites Rohr mit flachem Boden endigen. Der Durchmesser dieses Rohres 
muss bei den beiden Schüttelgefässen, die man zur Bestimmung nötig 
hat, gleich sein. Zu dem Filtrat setzt man vorsichtig, um Überschäumen 
zu verhüten, verdünnte Schwefelsäure im Überschuss, sodann mit der 
Pipette 10 ccm Schwefelkohlenstoff und schüttelt gut durch. Der durch 
die Jodaufnahme violett gefärbte Schwefelkohlenstoff sinkt nachher in 
die Röhre und füllt sie fast vollständig an. In das andere ebenso ge- 
formte Schüttelgefäss bringt man eine der Menge des Harnaschen- 
filtrates entsprechende Quantität einer gesättigten Natriumsulfatlösung, 
ferner je 10 Tropfen verdünnter Schwefelsäure und einer einproz entigen 
Natriumnitritlösung, sowie ebenfalls 10 ccm Schwefelkohlenstoff. Zu 
dieser Mischung lässt man aus einer Bürette eine Kaliumjodidlösung, 
die genau 0,2 g auf ein Liter enthält, tropfenweise unter starkem 
Schütteln so lange zufliessen, bis die Färbung des Schwefelkohlenstoffes 
derjenigen im anderen Schüttelgefäss gleich ist. Durch Ablesen der 
verbrauchten Kubikzentimeter der Kaliumjodidlösung erfährt man die 
Menge des in der untersuchten Harnmenge enthaltenen Kaliumjodids 
resp. Jods (1 ccm = 0,00015 Jod). Da die Farbenunterschiede nur 
dann hinreichend sind, wenn der Schwefelkohlenstoff nicht zu dunkel 
gefärbt ist, d. h. wenn der vorhandene Jodgehalt zwischen 0,5 — -1,5 mg 
beträgt, so muss man danach die anzuwendende Urinmenge bemessen. 



4. Bromwasserstoff. 

Verabreichtes Brom erscheint langsam und in kleinen Mengen im 
Harn; nach einer täglichen Gabe von 2 — 6 g Bromnatrium bestimmten 
Nencki und Schoumow-Simanowsky 1 ) in der Tagesmenge 
Harn 1 — 27 mg Brom Wasserstoff. Ein grosser Hund, der 14 Tage lang 
täglich Bromnatrium erhielt, schied noch 4 Monate nach der letzten 
Gabe Brom aus, zuletzt nicht jeden Tag, regelmässig aber ungefähr 
6 Wochen lang. 



x ) Nencki und Schoumow- Simanowsky, Arch. f. exp. Path. n. Pharm. 
34. 320. 1894. — E. Berglund, Zeitschr. f. anal. Ch. 24. 184. 1885. 



Bromwasserstoff, Bestimmung. 1451 

Brom wird sehr erheblich im Organismus retiniert ( 2 / 3 — 3 / 4 ), seine 
Ausscheidung hängt von der Diurese und dem Chlorgehalt des Blutes 
ab, so dass bei Kochsalzzufuhr die Bromausscheidung steigt. 

Den Harn direkt durch Zusatz von Chlor w asser und Aus- 
schütteln mit Schwefelkohlenstoff zu prüfen, ist nach Rabutcau un- 
zweckmässig, weil nur bei Gegenwart sehr grosser Mengen von Bromid 
eine Färbung des Schwefelkohlenstoffs eintritt. Man muss vielmehr den 
Harnriickstand vollständig, aber vorsichtig, verkohlen. Die Kohle zieht 
man mit Wasser aus, setzt in dem farblosen Filtrat das vorhandene 
Brom durch einen Tropfen Chlorwasser in Freiheit und schüttelt mit 
Äther oder Schwefelkohlenstoff in bekannter Weise. 

Zum Nachweis des Broms benützen A. J oll es 1 ) und v. Wyss 
folgende Reaktion : Eine Spur Paradimethylphenylendiamin wird in etwa 
50 ccm Wasser gelöst, mit 2 ccm Natronlauge und so viel Essigsäure 
versetzt, dass die eintretende Rotfärbung maximal wird; von dieser 
Lösung w r erden einige Kubikzentimeter mit Wasser bis zur Farblosig- 
keit verdünnt und mit dem Harn versetzt; oder besser man setzt zur 
Harnaschenlosung etwas Kaliumbichromat und verdünnte Schwefelsäure, 
erwärm! auf dem Wasserbade und leitet die entweichenden Dämpfe in die 
Reagenzlösung, die sich bei Anwesenheit von Brom tiefrot färbt. Man 
kann nach J oll es auch Reagenzpapier anwenden, dass mit einer 
1 %o ig en Lösung von salzsaurem p-Dimethylphenylendiamin getränkt 
ist. Jodide geben dieselbe Reaktion. 

Bestimmung des Bromwasserstoffs. 
J. Nach Berglund. 

Nencki u. Schoumow-Simanowsky bedienen sich dazu 
des Verfahrens von Berglund, nach welchem aus einer Mischung 
von Bromid und Chlorid durch saures Kaliumsulfat und Permangana t 
unter bestimmten Bedingungen nur das Brom frei wird. 

Die Bestimmung wird mit der Harnasche in neutraler Lösung ausgeführt. 
Die Flüssigkeitsmenge soll nach Berglund 50 ccm nicht übersteigen und ihre 
Konzentration (Gehalt an Brom) höchstens 2 % betragen. Die Lösung wird in 
einem Kölbchen mit 15 — 25 ccm einer 10 %igen Kaliumpyrosulfatlösung ver- 
setzt, die keine freie Säure enthalten darf; ist man dessen nicht sicher, so neu- 
tralisiert man V 5 der Lösung mit kohlensaurem Natron und mischt darnach die 
übrigen 4 /5 dazu. Die 2 %ige Permanganatlösung befindet sich in einem Gefäss 
mit Stöpsel, in dessen einer Bohrung sich ein Glasrohr bis auf den Boden ver- 
schieben lässt; die Lösung wird in einzelnen Anteilen, je nachdem sie verbraucht 

x ) H. v. Wyss, Arch. f. exp. Path. u. Pharm. 55. 260. 1906. — T. Hondo, 
Berl. klin. Wochenschr. 1901. 205. — A. Ellinger und Y. Kotake, Med. Klin. 
1910, Nr. 38. — E. Frey, Zeitschr. f. exp. Path. u. Ther. 8. 1. 1910. — A. 
Jolles, Zeitschr. f. anal. Ch. 37. 439. 1898. 

Neubauer-Huppert, Analyso des Harns. 11. Aufl. 92 



1452 



Spiro, Anorganische Körper. 



wird, durch einen Gasstrom in die Bromidlösung hinunter gedrückt. Das Brom 
wird durch einen langsamen Luft- oder Kohlensäurestrom ausgetrieben. Die 
Absorption des Broms erfolgt in einem Wül-Varrentrappschen Apparat, wie 
er bei den Stickstoff bestimmungen mit Natronkalk gebraucht wurde, nach Nencki 
und Schoumow-Simanowski 1 ) in einer Jodkaliumlösung. Dem Will-Varren- 
trapp sehen Apparat wird noch ein Rohr mit Jodkaliumlösung angefügt, damit 
man erfährt, ob alles Brom absorbiert wird. Um zu erkennen, ob alles Brom aus- 
getrieben ist, wechselt man die Vorlage. Das frei gewordene Jod wird mit Thio- 
sulfat titriert. Nach Berglund ist ein 1 — 1% stündiges Durchleiten des Gases 
erforderlich. 

II. Nach Nicolle 2 ). 

Die wässerige Lösung wird mit Chromsäure behandelt, das frei ge- 
wordene Brom in Jodkaliumlösung destilliert und mit Thiosulfat titriert. 

Verfahren wie bei der Bestimmung des Jods, siehe Seite 1449, nur wird hier 
die Lösung der Harnasche, welche im ganzen 40 cem betragen soll, zur Destillation 
mit 10 cem Schwefelsäure und 20 g Kaliumdichromat versetzt. 

III. Nach Caigniet 3 ). 

Caigniet bestimmt das Brom im wässerigen Auszug des ver- 
kohlten Harns mit einer titrierten Lösung von unterchlorigsaurem Natron. 

Man soll das Verkohlen so lange fortsetzen, bis der wässerige Auszug farblos 
ist. Das Filtrat säuert man mit Zitronensäure an und setzt die Chlornatronlösung 
aus einer Bürette vorsichtig zu. Das frei gewordene Brom nimmt man mit Schwefel- 
kohlenstoff auf und erneuert diesen von Zeit zu Zeit. Man hat so immer eine farb- 
lose Flüssigkeit und es ist leicht der Punkt zu treffen, wo ein weiterer Tropfen 
der Lösung des unterchlorigsauren Salzes keine Färbung der Flüssigkeit und des 
Schwefelkohlenstoffs mehr bewirkt, womit das Ende des Versuchs angezeigt ist. 



IV. Indirektes Verfahren. 

Das Verfahren beruht darauf, dass man zunächst die Summe 
von Brom und Chlor in Form ihrer Silbersalze bestimmt und dann 
durch Erhitzen im Chlorstrom das Bromsilber in Chlorsilber über- 
führt 4 ). 

Man verascht den Harn wie bei der Jodbestimmung nach Anten (s. S. 1449), 
säuert mit verdünnter chlorfreier Salpetersäure ein wenig an und fällt in der 
Kälte mit Silbernitrat in geringem Überschuss, erhitzt unter beständigem Um- 
rühren zum Sieden, filtriert nach dem Erkalten durch ein ca. 15 cm langes Asbest- 
filterrohr von schwer schmelzbarem Glas, trocknet bei 150 ° im Luftstrom und 
wägt nach dem Erkalten (Gewicht = p). Dann leitet man durch die etwas schräg 
eingespannte Röhre, nachdem der Asbestpfropf mittelst eines Glasstabes in der 
Röhre etwas vorgeschoben wurde, einen trockenen Chlorstrom und erhitzt die 

x ) M. Nencki und E. 0. Schoumow- Simanowsky, Arch. des sc. biol. 
3. 197; Arch. f. exp. Path. 34. 320. 1894. 

2 ) A. Nicolle, Journ. de pharm, et de chimie [5]. 28. 298; Chem. Zentralbl. 
1893. 2. 1032. 

3 ) Caigniet, Journ. de pharm, et de chimie, Juillet 1869. 29; Zeitschr. f. 
anal. Ch. 9. 427. 

4 ) S. Trecadwehl, Lehrb. d. anal. Ch. 2. 246. 1907. 



Bromsäure, Borsäure. 1453 



Röhre zunächst sehr vorsichtig, dann etwa % Stunde lang stärker. Zum Schluss 
wird der Niederschlag eben zum Schmelzen gebracht, das Chlor durch Luft verdrängt 
und neuerdings gewogen (Gewicht = q). Das Bromsilber ist = 4.2213 (p — q). 
Ist nur wenig Brom vorhanden, so kann man die Bromide konzentrieren, 
indem man die nicht angesäuerte eingedampfte Lösung der Schmelze wiederholt 
mit 90° o igem Alkohol extrahiert, den filtrierten alkoholischen Auszug eindampft 
und erst dann in der mit Salpetersäure angesäuerten wässerigen Lösung die Fällung 
wie oben vornimmt (nach A. Heffter). 

5. Brom säure 

lässt sich nach Rabuteau 1 ) noch in sehr geringen Spuren nach 
demselben Verfahren nachweisen wie die Chlorsäure 

6. Borsäure. 

A. Vorkommen. Die Säure tritt schnell und mit grosser Regel- 
mässigkeit in den Harn über 2 ), 50°/o erscheinen in den ersten 12 Stunden, 
der Rest innerhalt 3 — 4 Tagen, so dass es bei wiederholter Verabreichung 
zu einer Anhäufung im Körper kommen kann. 

B. Eigenschaften. 1. Taucht man ein Stück Curcumapapier 
in eine wenigstens 0,01 o/o ige Lösung von Borsäure, so färbt sich das 
Papier zunächst nicht, wird aber nach dem Eintrocknen rotbraun. Be- 
feuchtet man das rotbraune Papier mit Lauge, so wird es blauschwarz. 
Andere Boratlösungen (z. B. borsäurehaltiger Harn), die mit Salzsäure 
versetzt sind, geben dieselbe Reaktion. 

2. Versetzt man borsäurehaltige Lösungen mit Alkohol (am besten 
Methylalkohol) und konzentrierter Schwefelsäure, so bildet sich der 
Ester der Borsäure und man erhält beim Anzünden des Alkohols eine 
grüngesäumte Flamme. 

H 3 B0 3 + 3 ÜH 3 OH = B(0 CH 3 ) 3 + 3 H 2 0. 

3. Da die Borsäure merklich hydrolysiert ist, kann sie nicht direkt 
mit Phenolphthalein titriert werden, wohl aber nach Zusatz eines mehr- 
wertigen Alkohols, z. B. Glycerin oder Mannit. 

C. Erkennung. Die Reaktionen B. 1. und 2. können direkt 
auf den Harn angewandt werden. 

D. Bestimmung. Die Reaktion B. 3. hat G. Sonntag 3 ) in 
folgender Weise für die Harnuntersuchung nutzbar gemacht: 

Die gegebene Menge Harn wird mit Natronlauge alkalisch gemacht, 
dann eingedampft; der Rückstand getrocknet und möglichst vollständig 
verascht. Die Asche wird mit heissem Wasser erschöpft und die Aschen- 

x ) Rabuteau, Gazette hebdomadaire 1868. 262. 

2 ) L. Michaelis und Th. A. Maass, Biochem. Zeitschr. 5. 1. 1907. 

3 ) E. Rost, Arch. intern, de pharmacodynamie 15. 291. 1905. — G. Sonn- 
tag, Arbeit, a. d. Kaiserl. Gesundheitsamt 19. 110. 1902. 

92* 



1454 



Spiro, Anorganische Körper. 



lösung nach dem Ansäuern mit Salzsäure zur Entfernung der Phosphate 
mit Eisenchlorid im Überschuss versetzt. Dann wird bis zum Sieden 
erhitzt, mit Natronlauge neutralisiert, schnell abgekühlt und auf ein be- 
stimmtes Volumen (bei grösseren Harnmengen 1 / 2 — 1 1, bei kleineren 
Mengen 200 ccm) aufgefüllt. Die Flüssigkeit wird nun sofort durch 
ein Faltenfilter abfiltriert. Ist sie phosphorsäurefrei, was jedesmal durch 
Ammoniummolybdänlösung geprüft wird, so können aliquote Teile (er- 
forderlichenfalls nach Eindampfen auf geringeres Volumen) zur Borsäure- 
bestimmung benutzt werden. Enthält die Flüssigkeit auch nur Spuren 
von Phosphorsäure, so wird ein aliquoter Teil (von 1 / 2 bzw. 1 1 : 450 
bzw. 900 ccm) wieder alkalisch gemacht und bis auf etwa 100 ccm ein- 
gedampft, angesäuert, mit Eisenchlorid versetzt, neutralisiert, aufgekocht 
und nach dem Erkalten auf 200 oder 250 ccm aufgefüllt. Von der 
filtrierten phosphorsäurefreien Flüssigkeit werden dann für die Bor- 
säurebestimmung 25 oder 50 ccm im Erlenmeyer- Kolben mit Salz- 
säure angesäuert, zur Vertreibung der Kohlensäure 10 Minuten lang am 
Steigrohr gekocht, dann abgekühlt und mit Methylorange als Indikator 
neutralisiert (man kann die phosphorsäurefreien Aschenauszüge auch 
nach dem von Jones angegebenen Verfahren mit Kaliumjodid und 
Kaliumjodat neutralisieren). Nach dem Auflösen von 4 — 5 g Mannit 
wird die Flüssigkeit mit Phenolphthalein versetzt und mit einer durch 
Baryt kohlensäurefrei gemachten Natronlauge bis zur deutlich rötlich- 
gelben Färbung titriert. Der Wirkungswert der Natronlauge ist mit 
einer durch Auflösen von reiner, mehrfach umkrystallisierter Borsäure 
unter Zusatz von Natriumcarbonat hergestellten Lösung in derselben 
Weise zu bestimmen. 



Zufällige Bestandteile. 

IL Teil. 



Organische Stoffe, 

Von F. N. Schulz-Jena. 



Äthylalkohol C 2 H 5 OH. 

A. Vorkommen. Nach Einführung grösserer Mengen Alkohol 
gehen beim Menschen sowie auch bei Tieren kleine Mengen Alkohol 
in den Harn über. 

Ältere Untersuchungen von Lallemand, Perrin und Duroy, Frerichs, 
Anstie, Thudichum, Smith, Parkes und Wollowicz, Subbotin, Dupre, 
A. Schmidt, Setschenow sind mit unzureichender Methodik ausgeführt. Nach 
Binz und Heubach werden von grossen Dosen Alkohol (18 — 327 ccm pro die) 
0,0 — 2,9 %, im Mittel 1,115 % im Harn ausgeschieden. Bodländer fand für den 
Hund im Mittel 1,576 %, für den Menschen 1,17 % des eingegebenen Alkohols 
im Harn wieder. Strassmann fand etwas höhere Werte (0,73 — 2,43%). 

Atwater und Benedikt 1 ) fanden bei einem Menschen, der innerhalb 
drei Tagen 290 ccm Alkohol genommen hatte, 1,5 % in Harn und Atemluft wieder. 

Nach Bodländer steigt der Prozentsatz des ausgeschiedenen Alkohols mit 
der Menge des dargereichten. 

Pringsheim untersuchte an Ratten den Einfluss der Gewöhnung. Er 
konnte keinen Unterschied inbezug auf die Ausscheidung von unverbrauchtem 
Alkohol durch Haut, Lungen und Harn feststellen. Bei Tieren (Kaninchen, 
Hunden) erscheint ein Teil des Alkohols an Glycuronsäure gepaart im Harn (Neu- 
bauer, Pringsheim 2 ). Im Selbstversuch konnte Pringsheim auch nach 

x ) Lallemand, Perrin und Duroy, Du role de l'alcool et des anaesthe- 
siques dans l'organisme. Paris 1860. — Frerichs, Handwörterbuch d. Physiol. 
3. 808. — Anstie, Stimulants and narcotics. London 1864. — Thudichum, 
Tenth rapport of the Medical off icer of the privy Council. 1868. 288. — E. Smith, 
Lancet 1861. — Parkes and Wollowicz, Proceed. of the royal Society. 18. 362. 
1870. — Subbotin, Zeitschr. f. Biol. 7. 1871. — Dupre, Proceed. of royal. Soc. 
20. 268. 1872. — Aug. Schmidt, Zentralbl. d. med. Wissensch. 1875. Nr. 23. — 
Setschenow, Beitr. zu einer künft. Physiol. d. Alkoholvergiftung. St. Peters- 
burg 1861. — C. Binz, Arch. f. exp. Path. u. Pharm. 6. 287. 1877. — Heubach, 
ebenda 8. 446. — Bodländer, Pflügers Arch. 32. 398. 1883. — Strassmann, 
ebenda 49. 315. 1891. — Atwater und Benedikt, Washington Bull. 69. 1. 
1898. 

2 ) J. Pringsheim, Biochem. Zeitschr. 12. 143. 1908. — 0. Neubauer, 
Arch. f. exp. Path. u. Pharm. 46. 133. 1901. 



1456 Schulz, Zufällige Bestandteile. 

Einnahme von 120 ccm Alkohol pro die keine gepaarte Glycuronsäure nach- 
weisen. 

Völtz, Baudrexel und Dietrich 1 ) untersuchten die Ausscheidung von 
Alkohol unter verschiedenen Bedingungen. Sie fanden eine beträchtliche Abhängig- 
keit der Ausscheidung von der gleichzeitig aufgenommenen Flüssigkeitsmenge, 
vom Füllungszustande des Magendarmkanals, sowie von der Muskeltätigkeit. 

In Zuckerharnen kann Alkohol nachträglich durch Gärung ent- 
stehen. 

B. Eigenschaften. 1. Wasserhelle Flüssigkeit, die bei — 129° 
dickflüssig wird, bei 78,4° siedet. Alkohol ist sehr hygroskopisch, mischt 
sich mit Wasser unter Temperaturerhöhung und Kontraktion. 

2. Alkohol löst Fette, Öl, Harze, überhaupt kohlenstoffreiche Körper. 

3. Durch Oxydationsmittel wird der Alkohol in Aldehyd und Essig- 
säure übergeführt. 

C. Nachwei s. Man unterwirft zunächst den Harn der Destillation. 
Das erste Destillat wird mit etwas Natronlauge alkalisch gemacht und 
nochmals destilliert. Dieses zweite Destillat wird zur Anstellung von 
Reaktionen benutzt. 

1. Man erwärmt die zu prüfende Flüssigkeit, setzt etwas Jod und 
dann Kalilauge bis zur Entfärbung hinzu. Beim Erkalten scheidet sich 
Jodoform (sechsseitige Tafeln) aus. Aceton, Aldehyd, Milchsäure geben 
dieselbe Reaktion. Methylalkohol und Äthyläther nicht (siehe bei Aceton, 
S. 243). Die Jodoformprobe auf Alkohol ist mit Vorsicht zu bewerten 
(Kos ty tsche w 2 )). 

2. Schüttelt man verdünnten Alkohol anhaltend mit Benzoylchlorid 
und überschüssiger Natronlauge bis zur bleibenden alkalischen Reaktion, 
so bildet sich der Benzoesäureester, welcher am Geruch erkannt wird, 
während das überschüssige Benzoylchlorid geruchloses benzoesaures 
Salz liefert. Es lässt sich so noch 0,1% Alkohol nachweisen (Ber- 
thelot, Baumann 3 )). 

3. Man säuert mit reichlich Schwefelsäure an und setzt soviel ver- 
dünnte Kaliumbichromatlösung hinzu, dass die Flüssigkeit deutlich gelb 
erscheint. Beim Erwärmen tritt Grünfärbung auf infolge von Bildung 
von Chromoxydsulfat. 

D. Quantitative Bestimmung. 1. Nach Pringsheim. 

Man destilliert von einem abgemessenen Volum Harn bei zirka 
100 mm Hg Druck und einer Temperatur von 50 — 55° mindestens 

x ) W. Völtz und A. Baudrexel, Pflügers Arch. 138. 85. 1911, sowie 142. 
47. 1911. — W. Völtz, W. Dietrich und A. Baudrexel, ebenda 145. 210. 1912. 

2 ) Kostytschew, Ber. deutsch, botan. Gesellsch. 25. 188. 1907. 

3 ) Berthelot, Comptes rendus. 73. 496; Chem. Zentralbl. 1871. 584. — 
E. Baumann, Ber. d. chem. Gesellsch. 19. 3218. 



Äthylalkohol. 1457 



ein Drittel ab. Die alkoholhaltigen Wasserdämpfe werden durch einen 
60 cm langen Kühler in ein ca. 20 cm hohes Reagierglas geleitet, 
das mit einem doppelt durchbohrten Stopfen verschlossen ist. Durch 
die eine Bohrung geht das Verbindungsrohr von dem Kühler; in der 
anderen Bohrung befindet sich das Verbindungsrohr zur Wasserstrahl- 
pumpe, das zunächst durch einen 25 cm langen aufrechten Kühler führt 
und oberhalb des Kühlers eine durch einen Hahn verschliessbare Ab- 
zweigung trägt, durch die nach beendigter Destillation Luft hinzu- 
gelassen werden kann. 

Nach beendigter Destillation wird das alkoholhaltige Destillat in 
einen E rle nme yer- Kolben gegossen, in dem sich eine überschüssige 
Menge kalter n/20-Kaliumbichromatlösung befindet, der auf je 5 ccm 
1 ccm konzentrierte Schwefelsäure zugesetzt ist. Der Kolben wird nun 
zugekorkt und 1 — l 1 ^ Stunden auf dem Wasserbad erhitzt. Nach dem 
Erkalten wird das überschüssige Kaliumbichrom at mit einer n/20-Ferro- 
ammoniumsulfatlösung in 5°/oiger Schwefelsäure titriert. Die Farbe 
der Kaliumbichromatlösung geht aus dem ursprünglichen Gelbrot all- 
mählich durch Gelbgrün in ein gesättigtes Grün über, das bei weiterem 
Zusatz mit einem Male einen bläulichen Farbenton annimmt. Von nun 
an wird die Eisenlösung tropfenweise zugesetzt und jedesmal eine 
Tüpfelprobe ausgeführt, indem ein Tropfen der Flüssigkeit mit einem 
Tropfen der zu titrierenden Flüssigkeit auf Filtrierpapier zusammen- 
gebracht wird. Die Titration ist beendet, wenn sich in der Berührungs- 
zone beider Tropfen ein blauer Ring von Berlinerblau zeigt. 

1 ccm einer lo/oigen Alkohollösung entspricht 0,226 ccm n/20- 
Kaliumbichromatlösung. Das Verfahren lehnt sich an die von N i c - 
1 o u x , C o 1 1 e und At water u. Benedikt 1 ) gegebenen Vor- 
schriften an. 

2. Bestimmung der Expansionskraft mit dem Vaporimeter. Das Gei ss- 
ler sehe Vaporimeter wurde von Binz und Heubach zur Bestimmung benutzt. 
Auf Einwände, die gegen dieses Verfahren gemacht wurden, hat Bodländer 2 ) 
dasselbe nochmals geprüft und für Konzentrationen von über 0,05 % brauchbar 
gefunden. Für feinere Bestimmungen sei dasselbe zu ungenau. 

3. Das Chromsäureverfahren nach Bodländer und Strassmann 3 ). 
Der Alkohol wird mit Chromsäure und Schwefelsäure oxydiert. Die durch 

Bildung von Chromsesquioxyd auftretende Grünfärbung wird mit Teströhrchen, 
in denen Alkohollösungen bekannter Konzentration in der gleichen Weise behandelt 
wurden, verglichen. Zur Oxydation wurde eine Lösung von 1 g Cr0 3 in 300 ccm 
konzentrierter Schwefelsäure benutzt. 



*) M. Nicloux, Recherches experim. sur l'elimination de l'alcool dans 
l'organisme 1. Paris 1906; Annales chim. appliq. 1. 445. — Cotte, Rep. Pharm. 
[3]. 9. 438. — Atwater und Benedikt, Washington Bull. 69. 1. 1898. 

2 ) C. Binz, Arch. f. exp. Path. u. Pharm. 6. 287. 1877. — Heubach, ebenda 
8. 446. — Bodländer, 1. c. 

3 ) Bodländer, 1. c. — F. Strassmann, Pflügers Arch. 49. 315. 1891. 



1458 Schulz, Zufällige Bestandteile. 



Methylalkohol CH3OH. 

A. Vorkommen. Nach Eingabe von Methylalkohol geht Methyl- 
alkohol in den Harn über. 

Völtz und Dietrich fanden bei Hunden innerhalb 24 Stunden etwa 
1,5 % der eingegebenen Menge im Harn, innerhalb 48 Stunden 2,8 %. Die Aus- 
scheidung geht also langsam vor sich ; da nach 48 Stunden sich im Kadaver noch 
etwa 36,8% der eingegebenen Menge vorfanden, dürfte die Ausscheidung durch 
den Harn erst nach etwa 3 — 4 Tagen zu Ende sein. Es ist dadurch die cumulierende 
Wirkung des Methylalkohols erklärt. Nach Pohl 1 ) geht ein Teil des Methylalkohols 
als Ameisensäure in den Harn über. 

B.Eigenschaften. 1. Wasserhelle Flüssigkeit, die bei — 94,9° 
fest wird, bei 65 — 67° siedet. Mischt sich mit Wasser unter Kontraktion. 

2. Methylalkohol löst Fette, Öle, Harze. 

3. Durch Oxydation entstehen Formaldehyd, Methylal, Ameisen- 
säure. 

C. Nachweis. Der Nachweis beruht fast immer auf dem Nach- 
weis der Oxydationsprodukte. 

1. Man taucht in ca. 3 ccm der zu untersuchenden Flüssigkeit 
(Harndestillat) mehrmals eine oberflächlich oxydierte glühende Kupfer- 
spirale. Dann fügt man einen Tropfen 5% ige Resorcinlösung hinzu 
und unterschichtet vorsichtig mit konzentrierter Schwefelsäure. Eine 
rosenrote Zone an der Berührungsschichte zeigt Methylalkohol an. 
Ameisensäure, sekundärer und tertiärer Butylalkohol, Akrolein geben 
dieselbe Reaktion. 

2. Wenn es sich um die Erkennung des Methylalkohol neben 
Äthylalkohol handelt, so kann man zunächst beide durch Eintauchen 
einer glühenden Kupferspirale zu Aldehyd oxydieren. Den Acetaldehyd 
zerstört man dann durch Wasserstoffsuperoxyd, das überschüssige 
Wasserstoffsuperoxyd durch Natriumthiosulfat. Den Formaldehyd kann 
man dann bei alkalischer Reaktion durch Phloroglucin nachweisen, 
indem eine allmählich wieder verschwindende Rotbraunfärbimg eintritt. 

3. Zum Nachweis von Methylalkohol neben Äthylalkohol dient auch 
das Verfahren von Deniges 2 ). Unter gewissen Bedingungen entsteht 
bei Oxydation mit Permanganat aus Äthylalkohol nur Acetaldehyd, aus 
Methylalkohol nur Formaldehyd. Mit Fuchsindisulfit lassen sich Spuren 
von Formaldehyd neben viel Acetaldehyd nachweisen. 3 ccm einer 
wässerigen Lösung von Methylalkohol (Harndestillat) werden mit 0,1 ccm 
reinem Äthylalkohol und mit 2 ccm 2,5°/oiger Permanganatlösung und 
0,2 ccm Schwefelsäure (spezifisches Gewicht 1,66) versetzt und durch- 



x ) W. Völtz und W. Dietrich, Biochem. Zeitschr. 40. 15. 1912. — J. Pohl, 
Arch. f. exp. Path. u. Pharm. 31. 281. 1893. 

2 ) G. Deniges, C. r. de l'Academ. des sciences 150. 529; ebenda 150. 832. 
1910. 



Methylalkohol. 1459 



mischt. Nach 2 — 3 Minuten wird durch 1 ccm 8 o/o ige Oxalsäurelösung 
entfärbt, nachdem die Flüssigkeit madeiragelb geworden ist, mit 1 ccm 
Schwefelsäure (1,66 o/o) versetzt und geschüttelt. Sobald die Flüssig- 
keit farblos geworden ist, gibt man 5 ccm Fuchsindisulfitlösung (1 g 
Fuchsin wird in 1 Liter Wasser gelöst, 20 ccm Natriumbisulfitlösung 
(1,263 spezifisches Gewicht) hinzugegeben; nach eingetretener Ent- 
färbung gibt man 20 ccm konz. HCl hinzu) hinzu. Nach einigen Minuten 
tritt eine charakteristische Violettfärbung auf, die um so inten- 
siver ist, je mehr Methylalkohol zugegen war. Nach 15 Minuten ist 
das Maximum der Färbung im allgemeinen erreicht; bei l°/oigem Methyl- 
alkohol ist die Färbung noch recht stark, bei 0,1% noch sichtbar. 
Durch vorheriges Fraktionieren der zu prüfenden Flüssigkeit kann man 
die Empfindlichkeit wesentlich erhöhen. 

Die Gegenwart von Äthylalkohol wirkt bei dieser Reaktion sogar 
günstig, da sich intermediär Formolacetat bildet, das besonders leicht 
mit Fuchsindisulfitlösung reagiert. 

Durch Vergleich mit Lösungen von bekanntem Gehalt an Methyl- 
alkohol lässt sich eine kolorimetrische Bestimmung mit hinreichender 
Genauigkeit ausführen. Simmonds hat dieses Verfahren mit Erfolg 
benutzt 1 ). 

D. Bestimmung. Zur quantitativen Bestimmung, falls man sich 
nicht mit der kolorimetrischen Schätzung nach Deniges begnügen 
will, kann man sich des Verfahrens von N i c 1 o u x bedienen, wie das 
V ö 1 1 z 2 ) und seine Mitarbeiter tatsächlich getan haben. Man kann 
auch die von Pringsheim angegebene Modifikation (s. bei Äthyl- 
alkohol) benutzen. Bedingung für die Anwendbarkeit dieser Ver- 
fahren ist die Abwesenheit von Äthylalkohol. 



Chloroform CHC1 3 . 

A. Vorkommen. Chloroform geht nach Narkose bei Hunden 
in kleinen Mengen in den Harn über. Pohl fand in 10 ccm Harn, 
welche ein Hund in den nächsten 4 Stunden nach einer 1 / 2 stündigen 
Narkose entleerte, 0,39 mg Chloroform. N i c 1 o u x fand ebenfalls beim 
Hund 6 — 8 mg in 100 ccm. Die Untersuchungen beim Menschen waren 
meist negativ (Käst). Dagegen kommt beim Menschen eine nicht von 
Chloroform herrührende Reduktion nicht selten zur Beobachtung, ge- 
legentlich auch Linksdrehung. Worauf das beruht, ist nicht aufge- 



*) C. Simmonds, The Analyst 37. 16. 1912. 

a ) W. Völtz und W. Dietrich, Biochem. Zeitschr. 40. 15. 1912. 



1460 



Schulz, Zufällige Bestandteile. 



klärt. Ein Teil des Chloroform wird sicher zersetzt und vermehrt die 
Harnchloride (Käst, Zell er 1 )). 

B. Eigenschaften. Chloroform ist eine ätherisch riechende, 
süsslich schmeckende Flüssigkeit, deren Dämpfe betäubend wirken. Siede- 
punkt 61,2° bei 760 mm Hg-Druck. 1000 ccm Wasser von 22° lösen 
4,2 ccm Chloroform. 

C. Nachweis. 

1. Chloroformhaltiger Harn reduziert Fehlingsche Lösung beim Kochen 
(siehe auch vorher). 

2. Nach Thiem und Fischer 2 ) gibt Chloroformharn direkt die Isonitril- 
reaktion (siehe unten). 

3. Zur weiteren Untersuchung benutzt man das Harndestillat oder das aus 
diesem kondensierte Chloroform. 

Um dieses zu erhalten, leiten Vitali und Tornani durch den auf 50° er- 
wärmten Harn Kohlensäure und den entweichenden Dampf in eine mit Eis und 
Salz gekühlte Vorlage. In der kondensierten Flüssigkeit etwa enthaltenes Chloral 
wird dadurch beseitigt, dass die Flüssigkeit (mit einem Wasserstoff ström) wieder 
verflüchtigt und da^ Gas durch konzentrierte Schwefelsäure geleitet wird, welche 
das Chloral zurückhält. Zu den Reaktionen kann man sofort diesen zweiten Dampf- 
strom benutzen. Da aber Chloralhydrat als solches höchstens in Spuren in den 
Harn übergeht, wird man sich das Waschen mit Schwefelsäure in der Regel er- 
sparen können. 

a) Das Harndestillat reduziert Fehlingsche Flüssigkeit und ammoniakalische 
Silberlösung, während mit Aceton diese Reaktionen nicht eintreten. 

b) Es gibt nach Vitali und Tornani sowie nach Toth 3 ) auch dielsonitril- 
reaktion von Hof mann: man fügt das Destillat oder den Chloroformdampf 
zu einer Lösung von Anilin und Kaliumhydrat in Alkohol; beim Erwärmen tritt 
der sehr unangenehme Geruch nach Phenylisonitril auf; statt Anilin kann man 
jedes andere Monamin verwenden. Chloral sowie Jodoform geben diese Reaktion 
gleichfalls. 

c) Chloroformdampf färbt eine feste Mischung von Phenol oder Thymol 
und Kaliumhydrat, besonders beim Erwärmen, carminrot oder violett. 

d) Mischt man das Destillat mit einer gelinde erwärmten Lösung von a- oder 
/?-Naphtol in Kalilauge zusammen, oder lässt man den Chloroformdampf in eine 
solche Lösung einströmen, so tritt nach Lustgarten eine vorübergehende Blau- 
färbung der Flüssigkeit ein ; nach Neudörfer und Kratschmer 4 ) wird die Reaktion 
noch mit 0,7 mg Chloroform erhalten, mit weniger nicht mehr. Unter gleichen Be- 
dingungen gibt Chloroform mit Thymol eine dunkelviolette, mit Resorcin eine 
gelbrote Färbung. Chloral gibt diese Reaktionen auch. 

e) Leitet man Chloroformdampf mit Luft und Wasserdampf durch ein rot- 
glühendes Porzellanrohr, so tritt das Chlor des Chloroforms teils als solches, teils 
als Chlorwasserstoff auf und das gasförmige Produkt fällt Silberlösung. Bei Mangel 
an Sauerstoff kann sich aber nach Berthelot b ) auch aus anderen flüchtigen Sub- 

x ) J. Pohl, Arch. f. exp. Path. 28. 252. 1891. — M. Nicloux, Journ. de 
Pharm, et de Chim. [6]. 24. 64. 1906. — A. Käst, Berl. klin. Wochenschr. 1888 
Nr. 19. 377; Zeitschr. f. physiol. Chem. 11. 277. 1887; 12. 267. 1888. — A. Zeller, 
ebenda, 8. 70. 1883. 

2 ) C. Thiem und P. Fischer, Deutsche Medizinalztg. 26. 1889; Chem. 
Zentralbl. 1. 409. 1890. 

3 ) Vitali und Tornani, Jahresber. f. Tierch. 1885. 89. — L. Toth, Jahres- 
ber. f. Tierch. 1887. 73. 

4 ) S. Lustgarten, Monatsh. f. Ch. 3. 722. 1882. — Neudörfer und Krat- 
schmer, Zeitschr. f. Chir. 28. 376. 1883. 

5 ) Berthelot, Bull, de la soc. chim. [2], 36. 71. 1881. 



Urochloralsäure. 1461 



stanzen Acetylen und bei Gegenwart von Ammoniak Blausäure bilden, welche beide 
Silberlösung fällen. Die Fällung durch Acetylen verhütet man durch starkes 
Ansäuern der Siiberlösung. Die Blausäure lässt sich ausschliessen, wenn man das 
gasförmige Produkt erst in Wasser auffängt und dieses zur Entfernung der Blau- 
säure einige Zeit kocht. Man kann das Ammoniak auch durch starkes Ansäuern 
des Harns zurückzuhalten versuchen. Nach Toth verfährt man so, dass man den 
Harn im Wasserbad auf 70° erwärmt und das Chloroform durch einen Luftstrom 
austreibt. Leitet man Chloroformdampf über glühenden gebrannten Kalk oder ge- 
brannte Magnesia, so entstehen die Chloride dieser Metalle. 

D. Bestimmung. Zur Bestimmung kann das Verfahren von 
Nicloux 1 ) dienen. Dasselbe beruht darauf, dass Chloroform mit 
Kalilauge zersetzt wird und das entstehende KCl mit Silber titriert wird. 

30 cem Harn werden mit dem 5 fachen Volum 80 — 95 %igem Alkohol ver- 
setzt, mit 0,25 g Weinsäure angesäueit. Man legt 10 cem 95 %igen Alkohol vor 
und destilliert | , ; des Volums der Flüssigkeit ah. <ii) cem des Destillates (alkoho- 
lische Chloroformlösung!) werden mit 10 cem L0%iger alkoholischer Kalilauge 
30 — 45 Minuten (hei mehr als 50 mg Chloroform l Stunde) am Rückflusskühler 
zum Sieden erwärmt. Es zersetzt sieh das Chloroform quantitativ: CHC1 3 | 
4KOH = 3 KCl + KHC0 3 4- H 2 0. Man lässt erkalten, gibt 15 cem Wasser hin- 
zu, neutralisiert genau mit »Schwefelsäure in Gegenwart von IMienophthalein und 
titriert mit einer Silberlösung, welche 8,535g Ag\() 3 im Liter enthält, unter Ver- 
wendung von Kaliumchromat als Indikator. 1 cem dieser Silberlösung entspricht 
2 mg Chloroform. 

Jodoform. 

Jodoform geht bei äusserlicher Anwendung nach Lustgarten nicht 
als solches in den Harn über, sondern nach Harnack und Grundier, sowie 
nach Quaedvlieg und nach Zeehuisen grösstenteils als Jodalkali, zum Teil auch 
als Jodsäure; bei Jodoformintoxikation kann nach Harnack das Jod zum grössten 
Teil in organischer Verbindung vorhanden sein, in der es nicht wie in Jodwasser- 
stoff nachweisbar ist. Eine Vorschrift zum Nachweis des Jodoforms im Harn 
gibt Lustgarten 2 ). 

Chloralhydrat CC1 3 . CH . (OH) 2 ; C 2 H 3 2 C1 3 . 

Nach Gebrauch von Chloral (4—6 g) finden sich Spuren von 
Chloral im Harn (Vitali u. Tornani, Tomascewicz, Mus- 
kulus u. Mering). Die Hauptmasse wird als Urochloralsäure aus- 
geschieden, ein geringer Teil wird zersetzt und vermehrt die Chloride 
des Harns (Liebreich) 3 ). 



x ) M. Nicloux, C. r. de l'Acad. des sciences 142. 163. 1906. Compt. rend. 
soc. biolog. 60. 93. 1906. 

2 ) E. Harnack und J. Gründler, Berl. klin. Wochenschr. 1883. 723. — 
Harnack, a. a. O. 1882. 298. — Quaedvlieg, Jahresber. f. Tierch. 1887. 218. 
— H. Zeehuisen, Nederl. Tijdschr. voor Geneesk. 1893. 1. 524; Jahresber. f. 
Tierch. 1893. 90. — S. Lustgarten, Monatsh. f. Ch. 3. 715; Zeitschr. f. analyt. 
Ch. 22. 467. 

3 ) Vitali und Tornani, Jahresber. f. Tierch. 1885. 89. — A. Tomascewicz, 
Pflügers Arch. 9. 35. 1874. — J. v. Mering und Mus kulus, Ber. d. ehem. Gesellsch. 
8. 662. 1875. — O. Liebreich, Chloralhydrat, ein neues Hypnoticum und Anaesthe- 
ticum. 3. Aufl. Berlin 1871. Berl. klin. Wochenschr. 1869. 325. 



1462 



Schulz, Zufällige Bestandteile. 



Zum Nachweis des Chlorals destilliert man dasselbe bei schwach 
sauerer Reaktion unter Zusatz von • etwas Alkohol ab (T i e s e n - 
hausen) 1 ). Das Chloral gibt mit Monaminen und Naphthol dieselben 
Reaktionen wie das Chloroform (s. dort). Vom Chloroform unterscheidet 
es sich dadurch, dass es sich mit Schwefelammonium rot färbt 
(Ogston). Mit Nesslers Reagens gibt es einen gelbroten, später 
gelbgrün werdenden Niederschlag. 



CC1 3 .CH 2 .0.CH — H-COH 



Urochloralsäure C 8 H 11 C1 3 7 . 

OH.C-H — H-C - H-COH - COOH 
-O / 



A. Vorkommen. Nach Darreichung von Chloral wird die Haupt- 
menge zu Trichloräthylalkohol reduziert, der sich mit Glycuronsäure 
zu Urochloralsäure paart. Die Urochloralsäure wurde von M u s k u 1 u s 
u. Mering entdeckt, als erste gepaarte Glycuronsäure. Sie ist von 
Muskulus u. Mering, Külz u. Thierfelder 2 ) genauer unter- 
sucht. 

B. Eigenschaften. Sie bildet farblose, seidenglänzende Krystall- 
nadeln, die in Wasser und Alkohol leichtlöslich, in Äther schwerlöslich 
sind. Sie reduziert beim Kochen alkalische Kupferlösung, Silberlösung, 
Wismutlösung. Sie dreht links ([ö]d = — 69,6°). Die ganz reine, aus 
absolutem Äther umkrystallisierte Säure schmilzt bei 142°. Sie ist 
durch Bleiessig fällbar, dagegen wird sie aus Harn durch Bleizucker 
nicht gefällt. 

C.Nachweis. Urochloralsäure enthaltender Harn dreht nach links ; 
nach gewöhnlichem Gebrauch von Chloral beträgt nach Bornträger 3 ) 
a D ungefähr — 1°. Zur polarimetrischen Untersuchung kann man den 
Harn mit Bleizucker klären ; etwa vorhandenen Zucker entfernt 
man durch Gärung. Solcher Harn reduziert F e h 1 i n g sehe Flüssig- 
keit, gibt die Moore sehe Zuckerprobe, verhält sich zu Indigschwefel- 
säure wie eine Zuckerlösung, gibt aber die Böttcher sehe Probe nicht. 

In betreff der Darstellung und weiterer Eigenschaften siehe das 
zusammenfassende Kapitel über Glycuronsäure bzw. gepaarte Glycuron- 
säuren. 



x ) Tiesenhausen, Zeitschr. f 
2 ) V. Mering und Muskulu c 



157. 1884; Pflügers Arch. 28. 517. 
Zeitschr. f. physiol. Chem. 9. 511. 
1886. 

3 ) A. Bornträger, Zeitschr. f. analyt. Chem. 20. 314. 



analyt. Chem. 25. 606. 
1. c. — E. Külz, Zeitschr. f. Biolog. 20. 
1882. — H. Thierfelder und J. v. Mering, 
1885. — H. Thierfelder, ebenda, 10. 164. 






Sulfonal. 1463 



S ulfon al. Diäthylsulfondimethylmethan. 



CH 3 y S0 2 
CH 3 X S0. 2 


C 2 H ; 
C 2 H 



A. Vorkommen. Sulfonal erscheint nach Bau mann und 
Smith zum grossen Teil als eine leicht lösliche, sehr beständige 
Schwefelverbindung, die wahrscheinlich Äthylsulfonsäure (C 2 H 5 S0 3 H) 
ist, im Harn. Ein kleiner Teil geht unverändert in den Harn über; 
die Menge des unverändert übergehenden Sulfonal steigt allmählich 
bei längerem Gebrauch (G o 1 d s te i n). Mono 1 ) fand bei 5 tägiger 
Einnahme von je 1 g am ersten Tage 2,7 mg, am fünften Tage 48,6 mg. 
Im ganzen gelangten etwa 5% zur Ausscheidung; drei Tage nach dem 
Aussetzen des IMittels ist dasselbe aus dem Körper verschwunden. 

B. Eigenschaften. Dicke Prismen vom Schmelzpunkt 1 25 
bis 126°. Löslich in 500 Teilen Wasser von 15°, in 15 Teilen siedendem 
Wasser, in 2 Teilen siedendem Alkohol, in 133 Teilen Äther von 15°. 
Es zersetzt sich nicht beim Kochen mit Natronlauge. 

C. Nachweis. Der Harn reduziert nach Lafon bei längerem 
Kochen F e h 1 i n g sehe Flüssigkeit, dreht aber nicht rechts. Es lässt 
sich nach Goldstein sowie nach Mono dem (eingedampften) Harn 
durch Äther entziehen ; zur Reinigung kann man es nach M o r r o mit 
Natronlauge eindampfen, den Rückstand in Wasser lösen und die Lösung 
mit Ätheralkohol behandeln, welcher das Sulfonal aufnimmt. Die er- 
haltenen Krystalle sind kenntlich an ihrem Schwefelgehalt, sowie daran, 
dass sie beim Erhitzen mit Holzkohlenpulver (Schwarz), mit Gallus- 
säure oder Pyrogallussäure (Ritsert) oder beim Schmelzen mit Cyan- 
kalium (V u 1 p i u s) 2 ) Mercaptan entwickeln, was an seinem unange- 
nehmen Geruch erkannt wird. Die Cyankaliumschmelze enthält Rhodan- 
kalium. 

Nach Morro verfährt man zum Nachweis f olgendermassen : Der Tagesharn 
wird auf 100 cem eingeengt und dann sechsmal mit 2 — 3 fächern Volum Äther 
ausgeschüttelt. Eventuell entstehende Emulsionen werden durch geringe Mengen 
Alkohol beseitigt. Die Ätherauszüge werden abdestilliert, der Rückstand auf dem 
Wasserbad getrocknet und in 15 — 20 cem 10 %iger Natronlauge gelöst. Die Lösung 
wird verdampft. Der Rückstand wird mit 20 — 40 cem warmem Wasser aufge- 
nommen und dann diese Lösung wieder sechsmal mit Äther ausgeschüttelt. Die 
durch ein trockenes Filter filtrierten Ätherauszüge werden verdunstet. Es hinter- 
bleibt Sulfonal mit geringen Mengen harzartiger Stoffe als Rückstand. Der Rück- 
stand wird mit Äther gewaschen oder aus heissem Wasser umkrystallisiert. Im 
Rückstand wird das Sulfonal durch den Schmelzpunkt identifiziert. 

x ) E. Baumann, Jahresb. f. Tierch. 1889. 54. — Smith, Zeitschr. f. physiol 
Chem. 17. 1. 1893. — F. Goldstein, Deutsche med. Wochenschr. 1892. 43. 
W. Morro, Deutsche med. Wochenschr. 34. 1894. 

2 ) Ph. Lafon, Comptes rendus 120. 933. 1895. — C. Schwarz, E. Ritsert, 
G. Vulpius, Zeitschr. f. anal. Ch. 27. 665. 



1464 



Schulz, Zufällige Bestandteile. 



Tetronal und Trional. 

Tetronal und Trional unterscheiden sich vom Sulfonal durch 
den Schmelzpunkt. 

( 
Tetronal Schmelzpunkt 86 — 89°. 



Trional 



> 

C 2 H/ 


/S0 2 C 2 H 5 

\S0 2 C 2 H 5 


CH 3X 

c 2 h/ 


/S0 2 C 2 H. 
\S0 2 C 2 H 



Schmelzpunkt 76 ( 



;Kakodylsäure C 2 H 7 2 As ; (CH 3 ) 2 . As . O . OH. 

A. Vorkommen. Nach Darreichung von kakodylsaurem Natrium 
geht ein grosser Teil der Kakodylsäure unverändert in den Harn über. 
Ein Teil wird zu anorganischen Arsenverbindungen (Arsensäure, arsenige 
Säure) umgewandelt (Schmidt u. Chomse, Rabuteau, Heff- 
ter, B 1 o eme n dal 1 )). 

B. Eigenschaften. Geruchlose, schief rhombische Säulen vom 
Schmelzpunkt 200°, die in Wasser sehr leicht löslich sind. 

C. Nachweis. Durch phosphorige Säure wird die Kakodylsäure 
zu dem intensiv knoblauchartig, betäubend riechenden Kakodyloxyd 
[(CH 3 ) 2 As] 2 reduziert. Man versetzt 10 — 20 ccm Harn mit einigen 
Krystallen von phosphoriger Säure. Der Geruch nach Kakodyloxyd 
tritt fasl, momentan auf. 

Für den Arsennachweis im Käkodylharn sind besondere Vor- 
schriften erforderlich, da die Kakodylsäure weder durch Chlor und 
Brom noch durch rauchende Salpetersäure angegriffen wird. Man muss 
daher den getrockneten Harn mit Soda-Salpeter schmelzen und kann 
dann erst in der Schmelze das Arsen nachweisen (siehe bei Arsen). 



Piperazin. Diäthylendiamin C^H^N^. 



HN< 



,CH. 



CIL 



CH 2 

>NH 
CH 9 



A, Vorkommen. Innerlich genommenes Piperazin zeigt eine 
grosse Beständigkeit. Nach einmaliger Eingabe von 3 g Hess sich beim 
Menschen noch nach 6 Tagen Piperazin mit Sicherheit im Harn nach- 



x ) A. Schmidt und Chomse, Moleschotts Untersuchungen 6.122. 1860. 

Rabuteau, Jahresber. f. Tierch. 12. 96. 1882. — A. Heffter, Arch. f. exp. 

W. H. Bloemendal, Arch. f. Pharm. 246. 599. 1908. 



Pathol. 46. 230. 1901. 



Piperazin, Urotropin. 1465 



weisen. Der Hauptanteil wird aber schon nach wenigen Stunden aus- 
geschieden (Schmidt und Wichmann 1 )). 

B. Eigenschaften. Piperazin stellt grosse, rhombische Blätter 
(aus Alkohol) dar, mit dem Schmelzpunkt 104°, dem Siedepunkt 145° 
bis 146°. Es ist sehr leicht löslich in Wasser. Piperazinlösungen be- 
sitzen ein beträchtliches Lösungsvermögen für Harnsäure. 

C. Nachweis. Am besten eignet sich Jodkaliumjodwismutlösung. 
Der Harn wird mit einigen Tropfen Natronlauge von den Erdalkaliphos- 
phaten befreit, mit Salzsäure schwach angesäuert, auf ca. 40° erwärmt 
und mit Jodkaliumjodwismutlösung versetzt. Von einem sofort auf- 
tretenden amorphen Niederschlag wird abfiltriert. Aus dem Filtrat 
krystallisieren allmählich charakteristisch gruppierte, dunkelrote Nädel- 
chen aus. — Bei geringem Piperazingehalt wird der saure Ver- 
dampfungsrückstand des Harns mit festem Alkali und Sand destilliert 
und mit dem Destillat wie oben verfahren. — Bei grösserem Gehalt an 
Piperazin kann man auch mit Benzoylchlorid und Natronlauge die 
Benzoylverbindung ausscheiden und aus dem alkoholischen Auszug 
des Niederschlages nach dem Filtrieren durch Verdunsten auf dorn 
Objektträger charakteristische Krystalle des Benzoates in Form von 
rhombischen, oft parallel aneinander gelagerten, niemals verzwillingten 
Täfelchen gewinnen. 

Hexamethy lente tramin. Urotropin C 6 H 12 N 4 . 
N- -CH 2 

|\CH 2 
CH 2 >N — CH 2 — N 
|CH 2 | 

1/ I 

N CH 2 

A. Vorkommen. Urotropin geht sehr rasch in den Harn über; 
es ist schon 1 j ^ Stunde nach dem Einnehmen nachweisbar (N i c o 1 a i e r , 
Berg eil 2 )). 

B. Nachweis. 1. Nach Nicolaier gibt urotropinhaltiger Harn 
mit Bromwasser einen orangegelben Niederschlag von Di- und Tetra- 
brom-Urotropin. 

2. Sicherer ist die Darstellung nach B e r g e 1 1. 500 ccm 
Harn werden mit Ammoniak alkalisch gemacht und dann im Vakuum 
bei 50 — 60° zum Sirup eingedampft. Der Rückstand wird mit 50 g 
geglühtem Natriumsulfat verrieben und im Vakuumexsiccator über kon- 



*) Albr. Schmidt und G. Wich mann, Ber.d. ehem. Gesellsch. 24.3237. 1891. 
2 ) A. Nikolaier, Deutsche med. Wochenschr. 1895. 541. — P. Bergell, 



ebenda. 1907. 55. 



1466 Schulz, Zufällige Bestandteile. 

zentrierter Schwefelsäure getrocknet. Der Trockenrückstand wird mit 
Chloroform ausgekocht. Das Chloroform wird verdunstet und der Rück- 
stand mit absolutem Alkohol aufgenommen. Durch Einleiten von Salz- 
säuregas wird Hexamethylentetraminhydrochlorid gefällt. 

3. Durch Erhitzen mit verdünnter Schwefelsäure wird das Urotropin 
in Formaldehyd und Ammoniak gespalten. Man kann daher auch den 
mit Schwefelsäure angesäuerten Harn destillieren und das Destillat 
auf Formaldehyd prüfen (s. bei Methylalkohol). 

C. Bestimmung nach Schröter 1 ). Beruht auf der Unlös- 
lichkeit des Hexamethylentetraminquecksilberchlorids in Essigsäure und 
dessen Löslichkeit in konzentrierter Kochsalzlösung. 100 ccm Harn 
werden mit 10 ccm 25°/oiger Essigsäure und dann mit 80 — 100 ccm 
einer bei 30° gesättigten Sublimatlösung versetzt. Nach 6 — 12 Stunden 
filtriert man von dem Niederschlag, der sich gut abgesetzt haben soll, 
ab und wäscht mit sublimathaltigem Wasser aus. Dann spült man den 
Niederschlag in einen 10 — 15 ccm konzentrierte NaCl-Lösung enthalten- 
den Kolben, schüttelt gut durch, erwärmt 1 / 4: Stunde auf dem Wasser- 
bad und filtriert nach dem Erkalten. Im Filtrat fällt man durch 20% ige 
Kalilauge das Hg als Oxyd vollständig aus und bestimmt im Filtrat 
den N nach K j e 1 d a h 1. 1 ccm 1 / 10 -n-Sä\iTe entspricht 3,5 mg Uro- 
tropin. 

V e r o n al. Diäthylmalonylharnstoff. Diäthylbarbitursäure. 

C 2 H 5X XJO.NHv 
C 8 H 12 3 N 2 ' >C< )CO 

C 2 H/ x CO-NH / 

A. Vorkommen. Veronal tritt nach innerlicher Darreichung 
beim Menschen schon nach 40 Minuten, nach subkutaner Darreichung 
nach 15 Minuten im Harn auf. Nach 3 — 5 Tagen ist die Ausscheidung 
beendigt. Nach Eingabe von 0,3 — 0,5 g geht bis zu 92o/ unverändert 
in den Harn über. Nach grösseren Dosen dagegen wesentlich weniger 
(60— 70o/ ) (E. Fischer u. v. Mering, Ph. Fischer u. Hoppe). 
Das gleiche stellte Bachern im Versuche am Hund fest. Von grossen 
Dosen Veronal wird etwa die Hälfte im Organismus zerstört. Im Harn 
nach Tod durch Veronalvergiftung fand Heiduschka 2 ) nur geringe 
Mengen von Veronal. 



x ) F. Schröter, Arch. f. exp. Path. 64. 161. 1911. 

2 ) E. Fischerund J. v. Mering, Therapie d. Gegenw. April 1904. — Ph. 
Fischer und J. Hoppe, Münch. med. Wochenschr. 56. 1429. 1909. — C. Bachern, 
Arch. f. exp. Path. 63. 288. 1910. — A. Heiduschka, Arch. d. Pharm. 249. 322. 
1911. 



Veronal, Salicylsäure. 1467 



B. Eigenschaften. Veronal bildet schwach bitter schmeckende 
Kry stalle, die in kaltem Wasser schwer, in heissem Wasser leicht 
löslich sind. Die wässerige Lösung reagiert schwach sauer gegen 
Lackmus. In Alkali oder Sodalösung ist es leicht löslich. Es schmilzt bei 
191°. Bei höherer Temperatur sublimiert es in nadeiförmigen Krystallen. 
In einei' mit HCl schwach angesäuerten Lösung von Veronal entsteht 
mit M i 1 1 o n schem Reagens ein weisslicher gallertiger Niederschlag, 
der im Überschuss des Reagens löslich ist. 

C. Nachweis. Durch Isolierung. Der mit Bleiacetat versetzte 
Tagesharn (nicht weniger als 200 ccm) wird filtriert und das Filtrat 
mit SH„ entbleit. Vom Bleisulfidniederschlag wird abfiltriert und aus- 
gewaschen. Nach Entfernen des SH 2 durch Erwärmen wird das Filtrat 
mit Tierkohle auf ein kleines Volumen eingedampft, filtriert und das 
Filtrat mit Kochsalz gesättigt. Diese Flüssigkeit wird durch Aus- 
schütteln mit Äther erschöpft. Der Ätherrückstand besteht aus fast 
reinem Veronal. Durch Trocknen des Rückstandes im Exsiccator un 1 
Wägen kommt man zu genügendem Anhalt über die Menge des aus- 
geschieilenen Veronal (Molle u. Kleist 1 )). 

Salicylsäure. o-Oxybenzoesäure. C 6 H 4 OH . COOH. 

A Vorkommen. Nach Darreichung von Salicylsäure, salicyl- 
sauren Salzen und Stoffen, die im Darm Salicylsäure abspalten (z. B. 
Salol, Kresalol, Salipyrin, Aspirin, Novaspirin), geht in kurzer Zeit 
(15 Minuten) Salicylsäure in (Jen Harn über. 

Per rectum eingeführte Salicylsäure erschien nach 80 Minuten im Harn 
(John). Auch von der Haut aus resorbierte Salicylsäure geht in den Harn über. 
Im Harn des Neugeborenen lässt sich ebenfalls Salicylsäure nachweisen, wenn 
der Mutter während der Geburt Salicylsäure verabreicht wurde (Beneke, Pauly' 2 )). 

Die Salicylsäure erscheint zum Teil als solche, zum Teil mit Cllykokoll ge- 
paart als Salicylursäure OH.C 6 H 4 .CO.NH.CH 2 COOH. Beim Hund erscheint 
die Salicylsäure auch als gepaarte Schwefelsäure (Baumann und Herter), sowie 
als Salicylglycuronsäure (Baldoni); ferner in Form einer N-freien Säure (Ur- 
salicylsäure und einer N-haltigen Säure (Uramidosalicylsäure) (Baldoni 3 )). 

B. Eigenschaften. 1. Salicylsäure krystallisiert aus Wasser 

in feinen Nadeln. In Wasser von 15° lösen sich 0,225 o/ . In Alkohol, 

Äther, Chloroform, Benzol ist sie leicht löslich. Der Schmelzpunkt 

liegt bei 155—156°. Salicylsäure sublimiert unzersetzt. Sie ist mit 

Wasserdämpfen flüchtig. Dem natürlich sauren Harn lässt sich die 



i) B. Molle und H. Kleist, Arch. d. Pharm. 1904. 401. 

2 ) John, Edinburgh medical Journ. Nov. 1876. — Beneke, Zeitschr. 
f. Geburtsh. 1. 477. 1876. — Pauly, Dissert. Berlin 1879; Med. Zentralbl. 1880. 112. 

3 ) E. Bau mann und E. Herter, Zeitschr. f. phvsiol. Chem. 1. 264. 1877/78. 
— A. Baldoni, Jahresber. f. Tierchem. 35. 124. 1905. — Arch. f. exp. Path.; 
Schmiedebergfestschr. 54. 1908. 

Neub au er- Huppert, Analyse des Harns. 11. Aufl. 93 



1468 



Schulz, Zufällige Bestandteile. 



Salicylsäure indessen nicht durch Destillation entziehen (Fleischer *)), 
wohl aber durch Ausschütteln mit Äther. 

2. Salicylsäure und salicylsäure Salze färben sich mit Eisen- 
chlorid, wie das Phenol, intensiv violett, nach Schulz mit Kupfer- 
vitriol smaragdgrün. Es lassen sich durch diese Reaktion noch Spuren 
Salicylsäure nachweisen. Andere freie Säuren entfärben die Lösung, 
Schwefelsäure und Salpetersäure nach Pagliani 2 ) erst dann, wenn sie 
in grossem Überschuss vorhanden sind (400 Teile auf 1 Salicylsäure), 
Salzsäure und namentlich Essigsäure schon in viel geringeren Mengen. 

C. Nachweis. 

1. Nach dem Gebrauch von Salicylsäure entleerter Harn dreht links und 
reduziert Fehlingsche Flüssigkeit schwach; nach Neuberg 3 ) kann die Reduktion 
auch beträchtlich sein. 

2. Bei Gegenwart von 0,005 % und noch weniger Salicylsäure im Harn ge- 
lingt der Nachweis derselben mit Eisenchlorid noch gut; weniger für den Nachweis 
kleinerer Mengen Salicylsäure als für die Entfernung anderer, sich mit Eisen- 
chlorid gleichfalls färbender Harnbestandteile empfiehlt sich aber nach dem Vor- 
schlag von Robinet, den Harn vorher mit neutralem essigsauren Blei aus- 
zufällen, das überschüssige Blei durch verdünnte Schwefelsäure zu entfernen 
und das Filtrat mit Eisenchlorid zu versetzen. Ist die Flüssigkeit durch essig- 
saures Eisenoxyd rot gefärbt, so fügt man einige Tropfen verdünnter Schwefel- 
säure hinzu, wodurch die rote Färbung zum Verschwinden gebracht wird und die 
violette des salicylsauren Eisenoxyds rein hervortritt. Da das Filtrat vom Blei- 
niederschlage manchmal schnell nachdunkelt, so darf man das Filtrat vor der 
Prüfung mit Eisenchlorid nicht lange stehen lassen. Dunkelt das Filtrat schon 
während des Filtrierens, so fällt man mit basisch essigsaurem Blei aus, wodurch 
aber ein Verlust an Salicylsäure herbeigeführt wird (Bornträger 4 )). 

3. NachHeffter ist es sicherer, dem mit Schwefelsäure angesäuerten Harn 
die Salicylsäure durch Äther zu entziehen und den Ätherextrakt mit 1 ccm sehr 
verdünnter Eisenchloridlösung zu schütteln. Späth 5 ) schüttelt mit einem Gemisch 
von 3 Teilen leicht siedendem Petroläther und 2 Teilen Chloroform, versetzt in 
einem Zylinder mit einigen Kubikzentimeter Wasser und 1 Tropfen Eisenchlorid - 
oder noch besser Eisenalaunlösung. 

Durch colorimetrischen Vergleich mit einer Salicylsäurelösung von bekanntem 
Gehalt kann man den Salicylsäuregehalt annähernd bestimmen. 

Auch Salicylursäure färbt sich mit Eisenchlorid violett (siehe dort). 

Bondzynski 6 ) hat vorgeschlagen, die Salicylsäure zu isolieren und zu wägen. 
Man erhält aber zu hohe Werte, so dass für kleine Mengen das Verfahren nicht 
brauchbar ist. 

4. Cazeneuve 7 ) dunstet 100 ccm Harn auf 10 ccm ein, fügt 5 ccm Salzsäure 
und 20 g gebrannten Gips zu, bringt den Brei zur Trockne und erschöpft ihn in 



!) R. Fleischer, Arch. f. klin. Med. 19. 64 u. 78. 

2 ) Schulz, Arch. d. Pharm. [3]. 15. 246; Ch. Zentralbl. 1878. 694. — P. Pag- 
liani, Zeitschr. f. analyt. Ch. 18. 475. 

3 ) C. Neuberg, Berl klin. Wochenschr 1911. Nr. 18. 

4 ) Robinet, Comptes rendus 84. 1321. — A. Bornträger, Zeitschr. f. 
anal. Ch. 20. 87. 

5 ) A. Heffter in C. Neuberg, Der Harn, 1911. 820. — E. Spaeth, Unter- 
suchung des Harns. 3. Aufl. 1908. 549. 

6 ) St. Bondzynski, Arch. f. exp. Path. 26. 267. 1897. — St. Bondzynski 
und M. Humnicki, Anzeiger d. Krakauer Akad. d. Wissensch. 1908. 841. 

7 ) Cazeneuve, Zeitschr. f. analyt. Ch. 19. 254. 



Salicylursäure, Pikrinsäure, Guajacol. 1469 

einem Extraktionsapparat mit Chloroform. Das Chloroform wird abdestilliert 
und der Rückstand aus kochendem Wasser umkrystallisiert. Enthalt der Harn 
nur Spuren Salicylsäure, so tritt sie zuletzt nicht in Krystallen auf und man niuss 
sich Desminen, sie mit Eisenchlorid nachzuweisen. In dieser Form ist die Probe 
aber viel empfindlicher als die direkte Prüfung des Harns mit Eisenchlorid. 

Salicylursäure C 9 H 9 4 N. 

Eigenschaften. Sie krystallisiert in dünnen Nadeln, schmilzt 
bei 160°. In kaltem Wasser ist sie sehr wenig löslich, in Alkohol leicht 
löslich, weniger in Äther. 

Nachweis. Derselbe erfolgt durch Trennen der Salicylsäure von 
der Salicylursäure. 

Piccard : ) verdampft den Harn, zieht den Rückstand mit Alkohol aus, 
verdunstet den Rückstand und behandelt diesen nach dem Ansäuern mit Äther, 
wobei die Salicylsäure zugleich mit der Salicylursäure in Lösung geht. Durch 
Sublimation erhält man die Salicylsäure rein. Die beiden Samen lassen sich auch 
durch Krystallisaiion aus Äther oder Benzol trennen, wobei die (reichlicher vor- 
handene) »Salicylsäure zuerst auskrystallisicrl . 

Salol (Salicylsäure- Phenylester) und Salophen ( Salicylsäure- Acetylpara- 
amidophenylester) werden beim Durchgang durch den Organismus in ihre Bestand- 
teile gespalten. Die Salicylsäure wird nach den vorstehenden Methoden nachge- 
wiesen, das Acetamidophenol durch die Indophenolreaktion (siehe später). 

Pikrinsäure. Trinitrophenol C 6 H 2 . OH . (N0 2 ) 3 . 

Pikrinsäure erschein! zum grossen Teil unverändert im Elarn. 

Pikrinsäure lässt sicli dem orangegelb bis rot gefärbten Harn durch Schüt- 
teln mit Äther entziehen, ein Teil derselben nach Karplus 2 ) erst nach dem Kochen 
desselben mit Salzsäure. (Jelbe Krystalle. Die (gelbe) wässerige Lösung färbt 
Seide und Wolle echt, Baumwolle dagegen nicht echt, gibt beim Erwärmen mit 
Cyankalium die rote Isopurpursäure, mit Reduktionsmitteln (Schwefelammon; 
Zucker und Lauge) die gleichfalls rote Pikraminsäure. 

Nach Walko 3 ) findet sich im Pikrinsäure harn ein Aminokörper (Pikramin- 
säure? Amidodinitrophenol C (i H 2 .OH. (N0 2 ) 2 .NH 2 ). Zum Nachweis desselben 
nimmt man den Ätherextrakt mit Wasser auf, säuert mit etwas verdünnter 
Schwefelsäure an, fügt 2 Tropfen 1 %iger Natriumnitritlösung und einige Tropfen 
einer Lösung von /?-Naphthol in Natriumcarbonatlösung hinzu. Macht man mit 
NaOH alkalisch, so tritt rotviolette Färbung (Azofarbstoff) ein. Beim Schütteln 
mit Äther färbt sich der Äther amethystblau. 

Guajacol, Brenzkatechinmethyläther C 7 H 8 2 ; [C 6 H 4 OH. OCH 3 ]. 

A. Vorkommen. Nach Eingabe von Guajacol und dessen Ester, 
soweit sie im Darm gespalten werden, tritt ein grosser Teil des Guajacols 
als Guajacolschwefelsäure in den Harn über (H e n s e 1, 
Eschle, Knapp und Suter). Daneben tritt anscheinend ein Teil 
als Guajacolglycuronsäure auf, worauf die nach grösseren Guajacolclosen 

x ) Piccard, Ber. d. ehem. Gesellsch. 8. 817; Zeitschr. f. anal. Ch. 15. 115. 

2 ) J. T. Kar plus, Zeitschr. f. klin. Med. 22. 210. 1893. 

3 ) K. Walko, Arch. f. exp. Path. 46. 181. 1901. 

93 



1470 Schulz, Zufällige Bestandteile. 

zu beobachtende Linksdrehung des "Harns schliessen lässt (K ü 1 z , 
Hensel, Eschle). Nach Eingabe von grossen Mengen Kreosot kann 
man auch direkt mit Äther extrahierbares freies Guajacol im Harn nach- 
weisen (B o r u 1 1 a u u. Stadelmann 1 )). Das Guajacol lässt sich 
schon x / 4 Stunde nach der Eingabe im Harn nachweisen. Nach Spaltung 
der Guajacolschwefelsäure bzw. Glycuronsäure lassen sich 75 — 80 o/o 
des eingeführten Guajacol im Harn wieder finden. 

B. Eigenschaften. 

1. Guajacol bildet rhomboedrische Prismen vom Smp. 31 — 32° und Sdp. 
205°. 1 ccm löst sich bei 15° in 60 ccm Wasser. 

2. Die alkoholische Lösung des Guajacol gibt mit Eisenchlorid eine smaragd- 
grüne Färbung (Gorup). — ■ 1 Tropfen Guajacol gibt mit konzentrierter Schwefel- 
säure purpurrote Färbung (Marfori). — Die wässerige Lösung mit 1 — 2%iger 
Chromsäurelösung behandelt gibt eine bräunliche Färbung und Fällung (Gu erin). — 
Mit Vanillin und Salzsäure gibt Guajacol eine Rotfärbung (Hart wich und Winkel). 
— Beim Erwärmen mit Chloroform und Kaliumhydrat färbt sich Guajacol violett 
(Lambert 2 )). 

C. Nachweis. Der Harn dreht nach dem Entfärben mit Blei- 
acetat links. Das Guajacol lässt sich aus dem bei alkalischer Reaktion 
eingeengten Harn sowie auch aus dem frisch entleerten Harn durch 
Destillation nach Ansäuern mit Schwefelsäure oder Salzsäure austreiben. 
Äther nimmt aus dem Harn das freie Guajacol direkt, das gepaartet 
Guajacol nach Spaltung durch Erwärmen mit Salzsäure auf. Auch 
dem Harndestillat entzieht man das Guajacol durch Ausschütteln mit 
Äther. Der nach dem Verdunsten des Äthers bleibende Rückstand wird 
in Alkohol gelöst. Die alkoholische Lösung gibt mit einer Spur Eisen- 
chlorid Blaufärbung, mit mehr Eisenchlorid Grünfärbung. Das Harn- 
destillat selbst färbt sich nach Poggi 3 ) mit Eisenchlorid vorüber- 
gehend blau, dann braun; es trübt sich mit ammoniakalischer Silber- 
lösung gelbgrün und gibt mit Bromwasser einen orangeroten, schnell 
kaffeebraun werdenden Niederschlag. Es rührt das daher, dass das 
Guajacol zum Teil zu Pyrogallol- und Oxyhydrochininverbindungen ge- 
spalten wird, so dass Phenol auftritt. Daher färbt sich der Harn auch 
beim Stehen an der Luft dunkel. 

D. Bestimmung. Man kann das Guajacol nach der zum Nach- 
weis angegebenen Vorschrift isolieren und wägen (Eschle, Hensel). 



x ) R. Hensel, Dissert. Königsberg 1894. — Eschle, Zeitschr. f. klin. Med. 
29. 197. 1896. — Th. Knapp und F. Suter, Arch. f. exp. Path. 50. 332. 1906. 
— E. Külz, Pflügers Arch. 28. 506. 1882. — Boruttau und Stadelmann, 
Deutsch. Arch. f. klin. Med. 91. 42. 1907. 

2 ) Gorup, Ann. der Chem. u. Pharm. 147. 248. 1868. — Marfori, Chem. 
Zentralbl. 1890. IL 155. — Guerin, Journ. de Pharm, et de Chim. [6]. 17. 173. 
1903. — Hartwich und Winkel, Arch. d. Pharm. 242. 464. 1904. — L. M. Lam- 
bert, Zeitschr. f. analyt. Chem. 32. 235. 

3 ) Poggi, Ann. di chim. et di farm. 17. 3. 1891; Jahresber. f. Tierchem. 
23. 293. 1893. 



i 



Guajacol, Thymol. 1471 



Verfahren von Knapp und Suter. Dasselbe beruht darauf, 
dass eine wässerige Guajacollüsung bei Gegenwart von Natriumacetat 
mit einer schwach salzsauren Lösung von p-Nitrodiazobenzol einen 
gelben unlöslichen Azofarbstoff gibt. — Man destilliert 
500 — 600 ccm Harn nach Zusatz von Salzsäure im Dampfstrom, bis 
etwa 3 Liter Destillat erhalten worden sind. Das Destillat versetzt man 
mit Natriumacetat und lässt eine schwach salzsaure 1 / 10 -Normallösung 
von ß-Xitrodiazobenzol zufliessen. Es scheidet sich der unlösliche Azo- 
farbstoff aus. Man lässt so lange Nitrodiazobenzollösung hinzufliessen, 
bis eine ahfiltrierte Probe mit R-Lösung (2-Naphthol-3,6-Disulfosäure) 
eben einen roten Azofarbstoff bildet, als Zeichen dafür, dass nun ein 
Überschuss des Nitrodiazobenzol hinzugegeben ist. Ein Molekül des 
verbrauchten Nitrodiazobenzol entspricht 1 Mol. Guajacol. 1 ccm = 
0,0124 g Guajacol. 

Thymol. Methylpropylphenol. C 10 H 14 O. [C 6 H 3 . OH . CH 3 . C 3 H 7 .] 

A. Vorkommen. Thymol innerlich dargereicht wird beim Men- 
schen zum Teil als Thymohydrochinon (C 6 H 2 . (OH) 2 . CH 3 . C 3 H 7 ; 
C 10 H 14 2 ), zum Teil als gepaarte Schwefelsäure und gepaarte Glycuron- 
säure ausgeschieden (Blum, K ü 1 z). Beim Kaninchen tritt ebenfalls 
gepaarte Glycuronsäure auf, nicht aber beim Hund (Katsuyama und 
Hata) 1 ). (Siehe auch beim Karbolharn.) 

B.Eigenschaften. Nach Thyman riechende Krystalle vom Smp. 50°. Bei 
19,4° löst sich 1 Teil in 1176 ccm Wasser; in Alkohol, Äther, Chloroform ist Thymol 
leicht löslich. 

C. Nachweis. Der Harn wird unter Salzsäurezusatz (zur Spal- 
tung des gepaarten Thymols) destilliert, das Destillat wird mit Äther 
geschüttelt. Beim Verdunsten hinterbleiben Thymolkrystalle. Löst man 
die Krystalle in 50%iger Kalilauge und setzt dann einige Tropfen Chloro- 
form hinzu, so entsteht beim Schütteln eine Violettfärbung (Deses- 
quelle). Man kann auch dem Harn das Thymol durch Schütteln 
mit Chloroform entziehen und das abgetrennte Chloroform mit etwas 
festem Kaliumhydrat leicht erwärmen, um diese Violettfärbung zu er- 
zielen. — Thymol gibt mit Vanillin und Salzsäure Rotfärbung (H a r t - 
wich u. Winkel). — Versetzt man eine wässerige Thymollösung 
mit 1 / 2 Volumen Eisessig und 1 Volumen konzentrierter Schwefelsäure 
und erwärmt, so färbt sich die Mischung rotviolett. Die Lösung zeigt 
ein zur Identifizierung geeignetes breites, dunkles spektrales Absorptions- 

x ) F. Blum, Deutsche med. Wochenschr. 17. 186. 1891. — Zeitschr. f. physiol. 
Chem. 16. 514. 1892. — E. Külz, Zeitschr. f. Biol. 27. 252. 1891. — K. Katsuyama 
und S. Hata, Ber. d. chem. Gesellsch. 31. 2583. 1898. 



1472 



Schulz, Zufällige Bestandteile. 



band bei 495 — 560 fxjJ- und ein schwächeres schmäleres bei D (R o b - 

bert, Wolff)i). 

Das Thymoliydrochinon bleibt bei der Destillation mit HCl zurück und kann 
dann durch Ausschütteln mit Äther gewonnen werden. Es schmilzt bei 139° 
und reduziert stark ammoniakalische Silberlösung (Blum). 



Naphthalin C 10 H 8 und Naphthol C 10 H 7 . OH. 

A. Vorkommen. Naphthalin geht teils als a-Naphtholglykuron- 
säure (siehe später) und, wie die Reaktionen des Harns annehmen lassen, 
wohl auch als eine ß-Naphtholverbindung, teils, da sich der Harn beim 
Stehen, wie Dioxynaphthalin, C 10 H 6 (OH) 2 , schwärzt und nach Bau- 
mann u. H e r t e r die Ätherschwefelsäuren in ihm vermehrt sind, 
wahrscheinlich als Dioxynaphthalin in den Harn über (Lesnik u. 
Nencki). Auch kann er zugleich unverändertes Naphthalin enthalten 
(Bau mann u. Herter, Rossbach) 2 ). 

B. Nachweis, a) Versetzt man frischen Harn mit einigen Tropfen Ammoniak 
oder Natronlauge, so tritt nach Edlefsen 3 ), oft unter leichter Bräunung, eine 
blaue Fluoreszenz auf, ähnlich der einer Chininlösung oder der von Petroleum, 
besonders nach starker Verdünnung des Harns. /9-Naphthol fluoresziert nach 
Zusatz von Alkalien schön blau. 

b) Versetzt man nach Edlefsen 3 ) 5 — 6 ccm frischen Harn mit 3 — 4 Tropfen 
Chlorkalklösung und einigen Tropfen Salzsäure, so färbt sich die Mischung in der 
Regel stark zitronengelb. Äther färbt sich beim Schütteln mit der Probe rein 
gelb. Schichtet man den Äther auf eine wässerige (1 %ige) Resorcinlösung, fügt 
einige Tropfen Ammoniak zu und schüttelt, so färbt sich das Resorcin schön blau- 
grün und auf Zusatz von Salpetersäure hellkirschrot; Äther nimmt dann beim 
Schütteln mit der roten Flüssigkeit eine schön rote Färbung an. Die Reaktion 
wird durch die Bildung von /?-Naphthochinon C 10 H 6 O 2 bedingt. Auch der Harn 
gibt die Reaktion direkt, wenn er anfangs rein gelb wurde, aber nicht so schön 
wie die ätherische Lösung. Indicanreiche Harne färben den Äther nicht bloss gelb, 
sondern zugleich violett, doch wird das Resorcin noch grün. 

c) Bringt man nach Edlefsen 3 ) einige Tropfen Harn auf Fliesspapier, be- 
tupft die Stelle mit festem Diazoamidobenzol und erwärmt über einer Flamme, 
so färbt sich der Fleck rot oder umgibt sich mit roten Rändern (Bildung von 
Diazobenzol-/?-Naphthol, B. Fischer und Wimmer 4 ). 

d) Lässt man nach Penzoldt 5 ) zu einer Spur Naphthalinharn konzentrierte 
Schwefelsäure fliessen, so färbt sich der aufschwimmende Harn sofort dunkel- 
grün, an der Grenze beider Flüssigkeiten ist die Färbung besonders schön und all- 
mählich nimmt auch die Schwefelsäure dieselbe Färbung an. Später geht sie in 
grau- oder braungrün über. /?-Naphthochinon, welches sich mit Schwefelsäure auch 
grün färbt, kann nach Edlefsen die Reaktion nicht veranlassen, da verdünnte 



!) Desesquelle, Jahresber. f. Tierch. 20. 181. 1890. — Hartwich und 
Winkel, Arch. d. Pharm. 242. 464. 1904. — Robbert, Jahresber. f. Tierchem. 
11. 109. 1881. — Wolff, Zeitschr. f. analyt. Chem. 22. 96. 1883. 

2 ) Bau mann und Herter, Zeitschr. f. physiol. Ch. 1. 267. 1878. — Lesnik 
und Nencki, Arch. f. exp. Path. 22. 171. — M. Rossbach, Berl. klin. Wochenschr. 
21. 729. 1884. 

3 ) Edlefsen, Verhandl. des VII. Congr. f. inn. Med. zu Wiesbaden 1888. 

4 ) B. Fischer und H. Wimmer, Ber. d. chem. Gesellsch. 20. 1577. 

5 ) Penzoldt, Arch. f. exp. Path. 21. 34. — Lesnik und Nencki, Arch. 
f. exp. Path. 22. 171. 



I 



Naphthalin, Copaivaharn. 1473 



wässerige Lösungen desselben oder Auflösungen von /?-Naphthochinon im Harn die 
Färbung nicht zeigen. 

e) Eine Lösung von a- oder /S-Naphthol in starker Kalilauge färbt sich nach 
Lustgarten 1 ) beim Erwärmen mit Chloroform oder festem Chloralhydrat auf 
50° schön berlinerblau; beim Stehen wird die Flüssigkeit grün und endlich braun. 
Mittels dieser Reaktion hatLustgarten nach äusserlicher Anwendung von Naphthol 
solches im Harn nachgewiesen. Von dem stark mit Salzsäure angesäuerten Harn 
wurde die Hälfte abdestilliert, das Destillat mit Äther ausgeschüttelt, dem Äther 
das Xaphthol durch Kalilauge entzogen, und mit dieser Lösung die Probe vorge- 
nommen. Da aber die alkalische Lösung immer bräunlich ist, so ist die Färbung 
mehr grün. Ebenso lässt sich durch Äther aus dem Retortenrückstand noch 
Naphthol gewinnen; da aber dieser ätherische Auszug stark gefärbt ist, so ver- 
dunstet man, löst den Rückstand in Alkohol und entfärbt in gelinder Wärme 
durch Tierkohle; bei der Entfärbung in der Kälte kann wenig Naphthol von der 
Kohle ganz zurückgehalten werden. Auch empfiehlt es sich, den Auszug aus dem 
Destillat zu entfärben. 

f) Naphthalinharn färbt sich beim Stehen dunkel (bis dunkelschwarzbraun), 
hellt sich aber manchmal wieder auf und bleibt bei Luftabschluss hell. Der hell- 
gewordene Harn färbt sich nach Edlefsen 2 ) auf Zusatz des gleichen Volumens 
konzentrierter Essigsäure in 2 — 4 — 12 Stunden braungelb; Salzsäure oder Salpeter- 
säure bewirken eine schnell vorübergehende Rotfärbung. Schüttelt man solchen 
Harn mit verflüssigtem Phenol, so wird er allmählich rosen- bis purpurrot, schneller 
auf Zusatz von 2 — 3 Tropfen Essigsäure. Wenn diese Reaktion nicht mehr ein- 
tritt, so gibt der Harn mit Resorcin noch die /3-Naphthochinonreaktion (b), ohne 
Chlorkalk, sowie mit Alkalien die blaue Fluoreszenz (a). 

g) Setzt man zu 8 — 10 ccm Naphthalin harn 4 — 5 Tropfen Eisessig und 3 — 4 
Tropfen 1 %ige Natriumnitritlösung, so tritt eine dunkelrote Färbung auf (Ed- 
lefsen 2 ). 

h) Zum direkten Nachw r eis des /?-Naphthol destilliert man grössere Mengen 
mit Schwefelsäure angesäuerten Harn ab. Das Destillat wird mit Äther ausge- 
schüttelt. Der Ätherrückstand kann durch Umkrystallisieren aus wenig warmem 
Alkohol (mit Tierkohle entfärben!) gereinigt werden. /5-Naphthol bildet in kaltem 
Wasser schwerlösliche bei 122° schmelzende Krystalle. Löst man die Krystalle 
in etwas konzentrierter Kalilauge und gibt dann einige Chloralhydratkrystalle 
hinzu, so tritt beim Erwärmen grünblaue Farbe auf (Lustgarten 3 )). — Fügt 
man zu 5 ccm einer 1 %igen Anilinchlorhydratlösung einige Tropfen konzentrierter 
Salzsäure und einige Tropfen 5 %ige Natriumnitritlösung und dann etwas alkalische 
/?-Naphthollösung und macht mit Lauge alkalisch, so entsteht ein scharlachroter 
Azofarbstoff. 

Copaiva harn. 

Nach dem Gebrauch von Copaivaöl sind eigentümliche Ver- 
änderungen des Harns beschrieben. 

Die Copaivaöle verschiedener Herkunft weichen beträchtlich voneinander 
ab, so dass dadurch die teilweise widersprechenden Angaben inbezug auf die 
Veränderungen des Harnes wohl erklärt sind. Der Copaivabalsam der verschie- 
denen südamerikanischen Copaiferaarten ist durch Destillation in ein Öl und ein 
Harz zu trennen. Das Öl macht je nach der Güte der Sorte 40 — 90 % des ganzen 
Balsam aus. Das Öl besteht aus dem auch im Nelkenöl enthaltenen Sesquiterpen 
Caryophyllen (C 15 H 24 ). Das Deutsche Arzneibuch lässt nur dickflüssige Balsame 
(spezifisches Gewicht 0,98 — 0,99) zu und verlangt, dass dieselben die von Quincke 



x ) Lustgarten, Monatsh. f. Ch. 3. 720. 

2 ) G. Edlefsen, Arch. f. exp. Path. 52. 429. 1905. 

3 ) J. S. Lustgarten, Monatsh. f. Ch. 3. 715. 1882. 



1474 Schulz, Zufällige Bestandteile. 

angegebene Reaktion mit Salzsäure nicht geben (siehe später). An den Verände- 
rungen des Harns ist das Harz des Balsam, nicht beteiligt. 

Veränderungen des Harns. 1. Farbenreaktion mit Salzsäure. 
Auf Zusatz von Salzsäure färbt sich nach Quincke 1 ) Copaivaharn 
rosen- und . purpurrot und zeigt dann drei Absorptionsstreifen, einen 
ziemlich verwaschenen a im Orange links von D, einen breiteren und 
viel dunkleren ß im Grün zwischen D und E und einen breiten und ver- 
waschenen y im Blau zwischen F und G näher bei F. Ähnlich wie 
Salzsäure wirken auch Salpetersäure und Schwefelsäure, schwächer 
Metaphosphorsäure und konzentrierte Essigsäure. Verdünnte Essigsäure 
ruft die Färbung gewöhnlich nicht hervor. — Berthoud 1 ) zeigte, 
dass nur nach Gebrauch solcher Balsame, die diese Reaktion direkt 
zeigen (z. B. auch nach Gebrauch von Gurjunbalsiam), diese 
Reaktion im Harn zu beobachten ist. Da das 'Arzneibuch nur solche 
Copaivabalsame zulässt, welche diese Reaktion nicht zeigen, so wird 
nach Benutzung derartiger offizin eller Balsame die Reaktion 
im Harn vermisst. 

Nach 1 e Nobel nimmt Äther, Amylalkohol, Petroläther die sich 
mit Säuren rot färbende Substanz aus dem Harn auf, Chloroform dagegen 
sehr schwer. Auch in Alkohol ist die Substanz löslich. Die Reaktion 
kommt wahrscheinlich durch ein Terpen zustande, welches B r i x 2 ) 
aus Copaivabalsam darstellte. — Durch Chloroform, Schwefelkohlen- 
stoff, Äther wird das Copaivarot nach Quincke dem Harn nicht 
entzogen, wohl aber durch Amylalkohol und durch alkoholhaltiges 
Chloroform. 

2. Auf Zusatz von Säuren entsteht eine Trübung durch Aus- 
scheidung von Harzsäuren; diese Trübung kann durch Alkohol 
beseitigt werden (s. auch bei Eiweissnachweis im Harn). 

3. Beim Kochen des angesäuerten Harns tritt ein Harzgerach auf. 

4. Der Copaivaharn dreht schwach nach links (Quincke, Ber- 
thoud). Nach Berthoud ist das auf das Auftreten gepaarter Gly- 
curonsäuren zurückzuführen. 

5. Copaivaharn reduziert nach Quincke Fehling sehe Lösung, 
nicht aber Wismutlösung ; nach Berthoud dagegen reduziert Copaiva- 
harn stets mehr oder weniger deutlich Nylanders Reagens, Feh- 
ling sehe Lösung dagegen nicht. Nur nach Verwendung von ,,Para- 
b als am" wird nach Berthoud auch Fehling sehe Lösung redu- 
ziert. Nach Berthoud ist auch dieses Reduktionsvermögen auf das 
Auftreten gepaarter Glycuronsäuren zurückzuführen. 

x ) H. Quincke, Arch. f. exp. Path. 17. 273. 1883. — G. Berthoud, Dissert. 
Bern 1905. 

2 ) C. le Nobel, Zentralbl. f. d. med. Wissensch. 1884. 17. — Brix, Monatsh. 
f. Ch. 2. 507. 



Copaivaharn, Piperazin, Lysidin, Anthrachinonharne. 1475 



Piperazin. 

Piperazin (Diäthylendiamin HN(C 2 H 4 ) 2 NH). Nach A. Schmidt und 
Wich mann wird die hauptsächliche Menge der Basis bereits nach wenigen Stunden 
ausgeschieden, der Rest erst in mehreren Tagen. Es geht unverändert in den Harn 
über. Nach denselben weist man es am besten in folgender Weise nach. Der Harn 
wird durch einige Tropfen Natronlauge von Erdalkaliphosphaten befreit, mit Salz- 
säure schwach angesäuert und bei 40° mit Jodwismutkalium versetzt. Ein stets 
entstehender amorpher Niederschlag wird abfiltriert. Nach einiger Zeit erscheinen, 
schneller beim Rühren (Gordon 1 ), tief granatrote rechtwinklige Täfelchen oder 
Stäbchen, einzeln oder zu Steinen angeordnet. Bei grösseren Mengen kann man 
auch die Benzoyl Verbindung durch Schütteln des Harns mit Benzoylchlorid und 
Natronlauge (S. 325) darstellen; sie krvstallisiert aus dem Alkoholauszug des Nieder- 
schlags in rhombischen Täfelchen. Enthält der Harn nur wenig von der Basis, 
so destilliert man sie aus dem Verdampfungsrückstand nach Zusatz von festem 
Alkali und Sand ab. 

Lysidin. 

/.. CH 2 — NH. 

Lysidin, Methylglyoxalidin I Äthenyläthylendiamin jC . CH : , 

Lysidin ist wegen seiner harnsäurelösenden Eigenschaft als Arzneimittel empfohlen 
(Ladenburg, Grawitz). Der Harn wird nach Ladenburg 2 ) auf ein kleines 
Volumen eingedampft, mit starker Natronlauge versetzt und wiederholt mit Chloro- 
form ausgeschüttelt, welches das Lysidin aufnimmt. Nach dem Trocknen mit 
Kaliumcarbonat destilliert man das Chloroform ab, woben das Lysidin meist in 
zerfliesslichen Krystallen zurückbleibt. Bei längerem Schütteln der wässerigen 
Lösung der Basis mit Benzoylchlorid und einem grösseren Überschuss an Natron- 
lauge (S. 325) erhält man in Alkohol schwer lösliches, bei 244° schmelzendes Di- 
benzoyläthylendiamin. 

Anthrachinonharne. 

Eine ganze Anzahl gebräuchlicher Abführmittel [R h a b a rbor 
(Rheum), Cortex frangulae, Caseara sagrada, Folia Sennae, Aloe] ent- 
halten Anthrachinone [Dioxymethylanthrachinone : Chrysophansäure 
C 14 H 5 2 (CH 3 )(OH) 2 , bzw. Trioxymethylanthrachinone: Emodine C-yH^Og 
(CH 3 ) (OH) 3 ]. Diese Substanzen werden im Harn teils als solche, teils 
gepaart (Glycuronsäuren) ausgeschieden. Auch nach Darreichung von 
Chrysarobin tritt Chrysophansäure im Harri auf (L e w i n u. Rosen- 
thal) 3 ). 

Verhalten derartiger Harne. Derartige Harne sind gelb oder grünlich- 
gelb, ikterischen ähnlich, auf Zusatz von Alkalien, oder wenn dieselben spontan 
alkalisch werden, werden sie mehr oder weniger ausgesprochen rot. Beim Ansäuern 
nehmen sie die ursprüngliche Farbe wieder an (Heller, Kletzinski, Rose, Natta, 



*) Albr. Schmidt und G. Wichmann, Ber. d. ehem. Gesellsch. 24. 3237. 
1891. — J. Gordon, Brit. med. Journ., Juni 1894; Ch. Zentralbl. 2. 710. 1894. 

2 ) A. Ladenburg, Ber. d. ehem. Gesellsch. 28. 3069. 1896. Grawitz, 
Deutsche med. Wochenschr. 1894. Nr. 1. 

3 ) L. Lewin und O. Rosenthal, Virchows Arch. 85. 118. 



1476 Schulz, Zufällige Bestandteile. 

Smith 1 ). Es beruht das auf der Anwesenheit der oben genannten Anthrachinon- 
verbindungen, welche rote Salze bilden. Erhitzt man den mit Natronlauge alkalisch 
gemachten Harn zum Sieden, so sind die ausfallenden Phosphate rot (Heller), 
siehe auch bei Hellers Blutprobe. 

Nach dem Gebrauch von Rheum reduziert der Harn Kupferoxydhydrat 
(Grigge) sowie Wismuthoxyd (Proksch 2 )). 

Beim Ausschütteln des sauren Harns mit Äther gehen die Anthrachinon- 
verbindungen in den Äther über (Penzoldt). Man soll nach Tschirch 3 ) den Harn 
erst mit 1 Tropfen Kalilauge kochen, dann mit Salzsäure ansäuern und mit Äther 
schütteln. Schüttelt man den abgetrennten Äther mit verdünnt ein Ammoniak, so wird 
die wässerige Schicht kirschrot. — Wird der Harn nach dem Ansäuern mit Schwefel- 
säure mit Ammonsulfat gesättigt, so fällt nach Mehu 4 ) mit anderen Substanzen 
auch die Chrysophansäure, oft in sehr geringer Menge, aus; beim Behandeln des 
Filters mit Ammoniak erhält man eine rote Lösung, eine Reaktion, welche jedoch 
wegen der gleichzeitigen Gegenwart von Hämatoporphyrin nicht eindeutig ist. 
— Schüttelt man Rheumharn mit Salzsäure und Xylol und überschichtet das 
von der wässerigen Flüssigkeit getrennte Xylol mit Kalilauge, so entsteht nach 
Proksch 2 ) an der Grenzfläche eine rosenrote Färbung. Bei Verwendung von 
Salzsäure und Chloroform ist die Grenzschicht violett, mit schwefliger Säure und 
Chloroform rosenrot, mit Sulfanilsäure und Xylol weinrot. 

Auch Darreichimg von Pur gen (Phenolphthalein C 20 H 14 O 4 ) bewirkt, dass 
der Harn sich auf Zusatz von Alkali rot färbt. Über Santoninharn und seine 
Unterscheidung von Anthrachinonharn siehe Santonin. 

Aloe. Nach Meyer 5 ) schüttelt man den Harn im Reagenzglas mit dem 
gleichen Volumen Essigäther und versetzt den Auszug mit einem Tropfen Piperidin. 
Natal-Aloin wird dabei violettrot, in konzentrierter Lösung tiefblau. Die Lösung 
von Barbados-Aloin wird zunächst gelb; schüttelt man darauf die Lösung mit 
verdünnter Essigsäure, so bleibt der gelbe Farbstoff (unverändertes Aloin) im 
Essigäther und die wässerige Lösung erscheint violettrot. — Man kann sich auch 
der Reaktion von Klunge bedienen. Dazu lässt man den Essigäther verdunsten 
und löst den Rückstand in wenig Alkohol; auf Zusatz einer Spur Kupfersulfat 
tritt Rotfärbung ein. 

San tonin. 

Santonin, der wirksame Bestandteil des Wurmsamens, C 15 H 18 3 , 
bewirkt folgende Veränderungen des Harns. 1. Es tritt ein Farbstoff auf, 
der dem Harn eine zitronengelbe bis Orangefarbe verleiht. Bei alka- 
lischer Reaktion schlägt die Farbe ins Rot um, ähnlich wie die Anthra- 
chinonharne (s. dort). Der Farbstoff war nach Eingabe von 0,025— 0,05 g 
nach 1 / 2 — 1 Stunde im Harn nachweisbar und 24 — 32 Stunden lang vor- 
handen (Griebe 1). 2. Jaffe 6 ) hat bei Hunden neben wenig Santonin 



. l ) Heller, dessen Arch. 4. 2. 1847. — Kletzinsky, Hellers Arch. [2]. 1. 
186 u. 342. — E. Rose, Virchows Arch. 16. 233. 1859. — Natta, Zeitschr. f. 
analyt. Chem. 4. 494. — G. Smith, ebenda, 10. 254. 

2 ) G. Grigge, Boll. chim. Pharm. 1895. 609; Chem. Zentralbl. 2. 322. 1895. 
— E. Proksch, Zeitschr. d. Österreich. Apothekervereins 49. 337; Chem. Zentralbl. 
2. 65. 1892; 2. 130. 2897. 

3 ) Tschirch, Pharm. Post. 1900. Nr. 40. — Penzoldt, Sitzungsber. d. 
physik. med. Societät zu Erlangen 1884; Virchow-Hirschs Jahresber. 1. 148. 1884. 

4 ) C. Mehu, Journ. de Pharm, et Chim. [4]. 28. 164. 1878. 

5 ) H. Meyer, Arch. f. exp. Path. 28. 188. 1891. 

6 ) E. Griebel, Dissert. Leipzig 1897. — M. Jaffe, Zeitschr. f. physiol. Chem. 
22. 538. 1897; Zeitschr. f. klin. Med. 17. Suppl. 7. 1890. 






Santonin. 1477 



etwa 5 — 60 o des verfütterten Santoniri als a-Oxysantonin (C 15 H L8 4 ) 
wiedergefunden. Bei Kaninchen fand Jaffe neben reichlich Santonin 
wenig ct-Oxy santonin (0,5 — lo/o) und in grösserer Menge ein isomeres 
ß-Oxysantonin. 

Im menschlichen Harn sind weder Santonin noch Oxy- 
santonine bisher nachgewiesen. 

I. Santonin krystallisiert in farblosen Blättchen oder Prismen vom Schmp. 
169—170°. In 250 Teilen Wasser von 17,5° ist es löslich ; löslich in 2,7 Teilen Alkohol 
bei 80°, in 42 Teilen Äther bei 40°. Santonin ist das Lakton einer Santoninsäure; 
es ist linksdrehend : an = — 171 — 173°. Durch Reduktion mit Natriumamalgam 
entsteht Dihydrosantoninsäure C 14 H 22 5 . Das Santonin lässt sich gewinnen durch 
Erschöpfen des Materials (Harnrückstand) mit 15 %igem Alkohol, Verdampfen, 
Auflösen in 90 ° igem Alkohol, Ausfällen der Harze durch siedendes Wasser. Klären 
des Filtrates mit Bleiacetat und Ausschütteln mit Chloroform (Goerlich 1 )). 

II. a-Oxysantonin, C 15 H 18 4 , hat nach lo Monaco die Formel: 





CH, 






C CH 2 






Oc/\c/\CH 

Hcl^Cy/'cH 

C CH 2 

1 


_ox co 

• CH/ 00 
CH 3 


(OH) 



CH 3 

Rhombische Tafeln. Schmp. 280°. Wenig löslich in Wasser. Auch in Alkohol 
und Chloroform ziemlich schwer löslich. Durch Reduktion mit Natriumamalgam 
entsteht Dihydrooxysantonin (Jaffe, lo Monaco 2 )). Mit Lauge entsteht a- 
Oxysantoninsäure. Das a-Oxysantonin ist darstellbar aus dem Harnrückstand 
durch Ausziehen mit Alkohol, Verdunsten der alkoholischen Lösung, Aufnehmen 
des Rückstandes mit schwefelsäurehaltigem Wasser und Ausschütteln mit Äther. 
Die beim Verdunsten des Äther auskrystallisierende Masse wird durch häufiges 
Umkrystallisieren aus siedendem Alkohol gereinigt (10 — 15 mal, Jaffe). Die 
Lösungen sind schwach linksdrehend. Jaffe hatte zunächst aus Hunde harn 
einen Stoff erhalten, den er als Santogenin bezeichnete. Durch Umkrystallisieren 
erhielt er daraus das a-Oxysantonin. 

III. /?-Oxysantonin (C 15 H 18 4 ). Krystallinische Masse, Schmp. 128 — 131°, 
wenig löslich in kaltem Wasser, besser in heissem Wasser; leicht löslich in kaltem 
Alkohol, Äther und Chloroform, unlöslich in Petroläther. Die Lösungen sind links- 
drehend. Mit Natronlauge färben sich die Krystalle orangerot bis rot. Zur Dar- 
stellung wird die alkoh< tische Lösung des Harnrückstandes mehrmals mit konzen- 
trierter Lösung von Natriumcarbonat geschüttelt. Die Natriumcarbonatlösung 
wird nach dem Abtrennen mit Schwefelsäure angesäuert und abermals mit Äther 
ausgeschüttelt; der krystallinische Rückstand wird in Chloroform gelöst und aus 
dieser Lösung durch Petroläther ausgefällt. 



!) Goerlich, Apotheker-Zeitung 25. 801. 1910. 

2 ) O. lo Monaco, Gazetta chim. ital. 27. 11. 1897. 



1478 Schulz, Zufällige Bestandteile. 



IV. Unterscheidung des Santoninhärns von Anthrachinonharnen. 

1. Nach I. Munk x ) wird Rheumharn auch durch kohlensaure Alkalien sofort 
rot, Santoninharn nur langsam und allmählich ; die Färbung des Rheumharns durch 
Alkalien ist beständig, die des Santoninhärns verschwindet in 24 — 48 Stunden. 
Der durch Alkali rot gewordene Rheumharn wird bei der Digestion mit Zink- 
staub entfärbt, der Santoninharn nicht. Rheumharn gibt beim Fällen mit Baryt- 
wasser oder Kalkmilch einen roten Niederschlag und der Harn wird entfärbt; 
beim Santoninharn ist der Niederschlag farblos und der Harn bleibt rot. 

2. Nach Kletzinsky gibt Rheumharn mit essigsaurem Blei einen rosenroten 
Niederschlag. Aus Santoninharn fällt nach Smith nicht Bleizucker, wohl aber 
Bleiessig den Farbstoff; er wird dem Niederschlag durch schwefelsäurehaltigen 
Alkohol entzogen. — Schüttelt man nach Penzoldt 2 ) Rheumharn mit Äther, 
so nimmt dieser die Chrysophansäure auf und wird gelb, während Äther beim 
Schütteln mit Santoninharn farblos bleibt. Der ätherische Auszug aus Rheum- 
harn färbt Kalilauge rot, der mit Santoninharn geschüttelte Äther lässt das Alkali 
ungefärbt. 

3. Nach G. Hoppe - Seyler 3 ) gibt mit Natron alkalisch gemachter Santonin- 
harn den Farbstoff bis zur Entfärbung des Harns an Amylalkohol ab, dem alka- 
lischen, Chrysophansäure enthaltenden Harn entzieht der Amylalkohol die Säure 
nicht oder nur in ganz geringer Menge. Aus saurem Santoninharn wird vom 
Amylalkohol nichts aufgenommen; macht man den Harn aber erst alkalisch, dann 
mit Essigsäure sauer und lässt ihn längere Zeit stehen, so geht der nun entstandene 
gelbe Farbstoff in den Amylalkohol über, wird aber von diesem nicht an alkali- 
haltiges Wasser abgegeben. Aus sauer reagierendem Harn nimmt Amylalkohol 
die Chrysophansäure leicht auf; alkalisches Wasser färbt sich darauf mit dem 
Alkohol rot. Der durch Alkali gerötete Santoninharn verdunkelt, wie auch Smith 
angibt, die rechte Seite des Spektrums von E an. Der rot gemachte Chrysophan- 
säureharn zeigt keine charakteristische Absorption. 



Sandelöl. 

Sandelöl. Das ätherische Öl des gelben ostindischen Sandelholzes 
besteht zu 90 % aus Santalol C 15 H 2t O. Dasselbe findet als Gonorol, Santyl 
(Salicylsäureester), Thyresol (Metyläther) therapeutische Verwendung. Santalol 
wird fast ganz als Glycuronsäure Verbindung ausgeschieden (Hildebrandt, 
Caro, Luzzatto). Santyl erscheint nur in geringer Menge als Glycuronsäure- 
verbindung in der Hauptsache als gepaarte Schwefelsäure und mit Glykokoll 
gepaart (Luzzatto). Thyresol (C 15 H 23 O.CH 3 ) spaltet kein Santalol ab, sondern 
erscheint als gepaarte Glycuronsäure (Knauth, Baumer). Bei der Paarung des 
Santalol wird ein Isoprenrest (C 5 H 6 ) abgespalten und gleichzeitig eine CH 3 - Gruppe 
oxydiert (C lfi H 24 O y ) (Hildebrandt 4 )). 

Verhalten des Harns. Der Harn dreht schwach links und reduziert stark. 
Im Gegensatz zum Copaivaharn (siehe dort) tritt auf Zusatz von Säure keine 
Farbenreaktion ein. Mit konzentrierter Salzsäure werden Harzsäuren abgeschieden 
(Caro). 12 — 15 Stunden nach der Einnahme ist der Harn wieder normal. Der 



*) J. Munk, Zentralbl. f. d. med. Wissensch. 1878. 411; Virchows Arch. 72. 
136. 1878. 

2 ) Kletzinsky, Hellers Arch. [2]. 1. 186 u. 342. — G. Smith, Zeitschr. f. 
analyt. Chem. 10. 254. — Penzoldt, Virchow-Hirschs Jahresb. 1. 148. 1884. 

3 ) G. Hoppe - Seyler, Berl. klin. Wochenschr. 1886. 436; Zeitschr. f. analyt. 
Ch. 26. 267. 

4 ) H. Hildebrandt, Zeitschr. f. physiol. Ch. 36. 441. 1902. — W. Caro, 
Arch. f. exp.Path. 46. 242. 1901.— R. Luzzatto, Jahresb. f. Tierchem. 38. 1094. 
1908. — Fr. Knauth, Deutsche med. Wochenschr. 35. 253. 1909. — Ed. Baumer, 
Med. Klin. 5. 780. 1909. 



Anilin. 1479 



direkte Nachweis kann nach Caro dadurch geführt werden, dass das Destillat 
des mit Salzsäure versetzten Harnes den eigentümlichen ambraartigen Geruch 
des Sandelöl zeigt. 

Anilin. C 6 H 5 NH 2 . 

Nach Eingabe von Anilin erscheint ein kleiner Teil unverändert, 
während die Hauptmenge zu Para-amidophenol [C 6 H 4 (NH 2 ) (OH)] wird, 

welches mit Schwefelsäure und Glycuronsäure gepaart zur Ausschei- 
dung kommt (Fr. Müller, v. E n g e 1 h a r d t 1 )). 

Verhalten des Harnes. Der Harn ist rotbraun und linksdrehend. Nach 
Dragendorff 2 ) nimmt Chloroform oder Amylalkohol aus dem mit Salzsäure 
behandelten Harn einen prachtvoll roten Farbstoff auf; manchmal ist der Auszug 
ungefärbt und wird erst an der Luft rot. 

Nachweis des freien Anilin. Zum Nachweis des Anilins hat F. Müller 
den Harn, ohne Zusatz, destilliert oder bei schwach alkalischer Reaktion mit Äther 
ausgeschüttelt. Das Destillat (oder der Ätherauszug) gibt bei Gegenwart von 
Anilin einen Niederschlag mit Bromwasser und die Millonsche Reaktion, färbt 
einen mit Salzsäure befeuchteten Fichtenstab zitronengelb, wird durch Chlorkalk 
violett, durch Chlorkalk und wenig sehr verdünntes Schwefelammon rosenrot, 
auf Zusatz von konzentrierter Schwefelsäure und wenig Kaliumdichromat lösung 
vorübergehend blau, ferner nach Ehrlich auf Zusatz von Kairinlösung, ver- 
dünnter Salzsäure und Kaliumnitrit prachtvoll blau. 

Nachweis des Paramidophenols. 1. Zum Nachweis des Paramido- 
phenols kocht man den Harn, um die Ätherschwefelsäure zu zersetzen, einige 
Minuten mit % Volum starker Salzsäure und extrahiert entweder das Paramido- 
phenol aus dem schwach alkalisch gemachten Harn mit viel Äther oder verwendet 
ihn ohne weiteres zu folgender (Indophenol-) Reaktion. Man versetzt den Harn 
nach dem Erkalten mit einigen Kubikzentimetern 3 %iger Phenollösung und fügt 
wenig verdünnte Chromsäurelösung (oder Chlorkalk, oder Eisenchlorid) hinzu. 
Bei Gegenwart von Amidophenol wird die Flüssigkeit rot und nach dem Über- 
sättigen mit Ammoniak (das Filtrat) prachtvoll blau. 

Nach E. Meyer 3 ) lässt sich p- Amidophenol mit dieser Reaktion noch in 
einer Verdünnung von 1 : 1600000 leicht nachweisen. 

2. Als Aminokörper lässt sich p-Amidophenol auch diazotieren. Der Rück- 
stand des alkalischen Ätherextraktes (siehe oben) wird im Reagenzglas mit ver- 
dünnter HCl aufgenommen, mit 2 Tropfen Natriumnitritlösung, wie sie zur An- 
stellung der Ehrlich sehen Diazoreaktion (siehe dort) verwandt wird, diazotiert 
und mit alkoholischer a-Naphthollösung versetzt. Auf Zusatz von Ammoniak bildet 
sich eine intensive, schönrote Farbe (E. Meyer). 

Isolierung nach E. Meyer. Der mit HCl versetzte Harn 
wird auf dem Wasserbad eingeengt, mit Äther zur Entfernung etwa 
störender Säuren mehrmals ausgeschüttelt, mit Soda alkalisch gemacht 
und abermals wiederholt extrahiert. Das Extrakt wurde bei 40 — 50° 
abgedampft, der Rückstand mit Essigsäureanhydrid aufgenommen, eine 
Stunde auf dem Drahtnetz am Rückflusskühler bei 140° gekocht, das 
überschüssige Essigsäureanhydrid abdestilliert. Der Rückstand wird mit 
etwas Wasser und Tierkohle versetzt, ausgekocht und filtriert. Das Filtrat 



*) Fr. Müller, Deutsche med. Wochenschr. 1887. 27. — R. v. Engel hardt, 
Dissert. Dorpat 1888. 

2 ) G. Dragendorff, Chem. Zentralbl. 1887. 1382. 

3 ) E. Meyer, Zeitschr. f. physiol. Chem. 46. 497. 1905. 



1480 Schulz, Zufällige Bestandteile. 

erstarrt krystallinisoh. Das Diacetyl-p-amidophenol wird durch Um- 
krystallisieren aus Benzol gereinigt. Schmelzpunkt 150°. (E. Meyer.) 
Man kann auch das Dibenzoyl-p-amidophenol (Schmelzpunkt 231°) 
darstellen. Der alkalische Ätherextrakt wird mit viel Pyridin auf- 
genommen und unter ständiger Abkühlung Benzoylchlorid eingetragen. 
Dabei tritt Rötung und Abscheidung von salzsaurem Pyridin ein. Das 
Reaktionsgemisch wird in viel kalte verdünnte Schwefelsäure getropft. 
Es scheidet sich eine braune krystallinische Masse aus. Die Benzoe- 
säure wurde durch Äther entfernt. Der Rückstand wird wiederholt aus 
heissem Chloroform umkrystallisiert (E. Meyer). 

Acetanilid. 
Antifebrin = Acetylaminobenzol (C 6 H 5 .NH — CO.CH 3 ). 

Das Acetanilid geht nicht als solches in den Harn über, ist also auch nicht 
zu suchen, sondern beim Menschen zum Teil als Acetyl-Paramidophenol-Äther- 
schwefelsäure HO.S0 2 — O.C 6 H + .NH — CO.CH 3 , zum Teil als Paramidophenol- 
oder Acetylparamidophenol - Glycuronsäure (Mörner, Jaffe und Hubert 1 ) 
(siehe bei Glycuronsäure). Diese Verbindungen geben beim Kochen mit Salzsäure 
Paramidophenol, welches sich, wie angegeben, durch die Indophenolreaktion 
nachweisen lässt. Nach dem Gebrauch von Antifebrin entleerter Harn dreht wegen 
seines Gehalts an gepaarter Glycuronsäure links und reduziert alkalische Kupfer- 
oxydlösung. Er ist reich an Urobilin und deshalb gesättigt rotgelb. 

Die Acetyl-p-Amidophenolschwefelsäure isolierte Mörner, indem er den 
zum Sirup eingedickten Harn mit 90 %igem Alkohol extrahierte. Dann wurde 
der alkoholische Extrakt mit y 2 Volum Äther und mit einer längere Zeit erwärmten 
konzentrierten alkoholischen Oxalsäurelösung versetzt. Die Lösung wurde von dem 
Niederschlage abgehoben, mit Kaliumcarbonatlösung neutralisiert und auf dem 
Wasserbad eingetrocknet. Aus dem Rückstand wurde mit 99%%igem Alkohol 
der Harnstoff und ein Teil des überschüssigen Kaliumäthyloxalats entfernt; dann 
wurde der Rückstand mit 96%igem kochendem Alkohol extrahiert und heiss 
filtriert. Beim Erkalten scheidet sich eine molekulare Verbindung von Kalium - 
äthyloxalat mit dem Kaliumsalz der Ätherschwefelsäure aus. Durch wiederholtes 
Umkrystallisieren aus 96 %igem Alkohol wurde dieses Doppelsalz gereinigt. 

Beim Kaninchen wird das Acetanilid nach Jaffe und Hubert zum grossen 
Teil als p-Amidophenol mit Glycuronsäure und Schwefelsäure gepaart ausge- 
schieden. Beim Hund erscheint nach Jaffe und Hubert im Gegensatz zu der 
Angabe von Cahn und Hepp 2 ) auch kein freies Acetanilid, sondern die Haupt- 

masse wird in o-Oxycarbanil C 6 H 4 <( \C(OH ) verwandelt, das ebenfalls an Schwefel- 

XK 
säure und Glycuronsäure gebunden im Harn erscheint (siehe bei gepaarten Glycuron- 
säuren). 

Phenacetin. 

Phenacetin (Acetparaphenetidin, Acet-p-Amidophenetol, der Äthyläther 
des Acetanilids CH 3 .CO.HN-C 6 H 4 .O.C 2 H 5 ), Lactophenin (CH 3 CH(OH)CO. 
HN-C 6 H 4 .O.C 2 H 5 ) und Phenocoll (Glykokoll-Phenetidin, Amidoacetphene- 



x ) K. A. H. Mörner, Zeitschr. f. physiol. Chem. 13. 12. 1889. — A. Jaffe 
und P. Hubert, ebenda, 12. 295. 1888. 

2 ) Cahn und Hepp, Berl. klin. Wochenschr. 1887. Nr. 1. u. 2. 






Phenacetin, Antipyrin. 1481 



tidin. H 2 X\CH 2 .CO.HX-C 6 H 4 .O.C 2 H 5 ). Nach dem Gebrauch von Phenacetin 
lässt sich, nach Fr. Müller, sowohl im Harn, wie im Ätherextrakt desselben 
Phenetidin (Para-Amidophenetol H 2 X.C H H 4 .0 C 2 H 5 ) nachweisen. Dazu führt man 
es in die Diazo Verbindung über, welche mit Naphthol eine schöne purpurrote, mit 
Phenol eine gelbe Verbindung gibt. Man versetzt den Harn im Reagenzglas mit 
2 Tropfen Salzsäure und ebensoviel 1 %iger Natriumnitritlösung und fügt einige 
Tropfen einer wässerigen alkalischen ;-Xaphthollösung zu. Macht man die Mischung 
alkalisch, so wird sie rot, beim Ansäuern darauf violett. In gleicher Weise nimmt 
der Harn mit Phenol eine zitronengelbe Färbung an, die beim Andauern in rosenrot 
übergeht. Ein Teil des Phenacetins wird nach Mörner in Acetylparaamidophenol 
umgewandelt, das an Schwefelsäure (siehe bei Acetanilid) und Glycuronsäure 
gepaart wird. — Kocht man nach Mörner x ) den Harn mit Salzsäure, so gibt er 
darnach eine schöne Indophenolreaktion. — Der Harn dreht nach Müller links, 
reduziert Kupferoxyd, gärt aber nicht, was auf die Gegenwart einer gepaarten 
Glycuronsäure zu beziehen ist; die linksdrehende Substanz wird nach Mörner 
auch durch Bleiessig und Ammoniak nicht gefällt und die Substanz, welche die 
Indophenolreaktion gibt, bleibt dabei in Lösung. 

Lactophenin - Harn gibt nach Sternberg sowie v. Jaksch 2 ) die Indo- 
phenolreaktion gleichfalls, sowie nach Stranss die l'henetidinreaktion. Andere 
Derivate des Phenetidins wie Phenokoll, Kryofin, Apolysin, Amygdophenin 
verhalten sich ebenso. 

Xach Einführung von Phenokoll nimmt der Harn nacli Mosso und Fag- 
gioli 3 ) sehr bald auf Zusatz einiger Tropfen Natriumhypobromitlösung eine 
rubinrote Farbe an. 

Antipyrin (Phenyldimethylpyrazolon) C,jH G N 2 0(CH 3 ) 2 . 

C 6 H 5 N 
CCK^N . CH 3 

CH C . CH, 

Nach der Zufuhr von Antipyrin ist die Ätherschwefelsäure des Harns vermehrt, 
besonders nach grossen Gaben (F. Müller), beim Hunde mehr als beim Menschen 
(Ca Im, Umbach). Zum Teil geht das Antipyrin noch unverändert in den Harn 
über (Jones cu). Beim Hunde findet sich auch eine gepaarte Glycuronsäure. 
Wahrscheinlich handelt es sich um ein Oxyantipyrin, das die Paarungen eingeht 
(Lawrow). Der Harn ist meist dunkel, besitzt aber kein Drehungsvermögen 
und reduziert nach dem Kochen mit Salzsäure nicht (Cahn). Der Harn färbt sich 
mit Eisenchlorid braunrot und behält diese Färbung auch beim Kochen (Ale- 
xander). Zusatz von Säure hebt aber die Färbung auf. Äther entzieht dem an- 
gesäuerten Harn eine Substanz, welche sich mit Eisenchlorid braun färbt (v. 
Jaksch 4 )). Kocht man den Harn mit Salzsäure, neutralisiert ihn mit Natronlauge 
und destilliert, so lässt sich nach Fr. Müller im Destillat Antipyrin (mit salpetriger 
Säure) nachweisen. Um das freie Antipyrin nachzuweisen, schüttelt man den 



*) Fr. Müller, Therap. Monatsh., August 1888; Jahresb. f. Tierch. 1888. 
149. — K. A. H. Mörner, Hygiea, Festbd. 1889; Jahresb. f. Tierch. 1889. 80. 

2 ) C. Sternberg, Allg. Wiener med. Zeitung 1894. 369; Jahresb. f. Tierch. 
1896. 64. — v. Jaksch, Zentralbl. f. inn. Med. 11. 1894. — H. Strauss, Therap. 
Monatsh. 8. 442. 1894. 

3 ) CJ. Mosso und F. Faggioli, Arch. f. exp. Path. 32. 432. 1893. 

4 ) Fr. Müller, Zentralbl. f. klin. Med. 36. 1884. — A. Cahn, Berl. klin. 
Wochenschr. 36. 1884. — C. Umbach, Arch. f. exp. Path. 21. 163. 1886. — Ale- 
xander, Bresl. ärztl. Zeitschr. 11. 1884. — v. Jaksch, Zeitschr. f. klin. Med. 
8. 551. 1884. — D. Lawrow, Ber. d. ehem. Gesellsch. 33. 2344. 1900. 



1482 Schulz, Zufällige Bestandteile. 

angesäuerten Harn nach Blumenbach erst mit Petroläther, dann, nach dem 
Übersättigen mit Ammoniak, mit Chloroform (oder Benzol, oder Amylalkohol) 
und verdunstet das Lösungsmittel. Zuweilen ist der Harn dichroitisch (rot im durch- 
fallenden, grün im reflektierten Licht. 

Jonescu 1 ) isoliert das Antipyrin in folgender Weise: 

Der Harn wird auf ein kleines Volum eingeengt, dann mit Schwefelsäure an- 
gesäuert und mit Kaliumwismutjodidlösung versetzt. Hierbei fällt neben Purin- 
basen das Antipyrin aus. Der Niederschlag wird durch Verreiben mit Silber- 
carbonat zerlegt. Dann wird filtriert, das Filtrat durch Schwefelwasserstoff vom 
Silber befreit und dann bei alkalischer Reaktion mehrmals mit Chloroform aus- 
geschüttelt. Der Chloroformrückstand wird durch Umkrystallisieren aus Wasser 
und Benzol gereinigt. 

Eigenschaften des Antipyrin. Antipyrin bildet aus Wasser krystallisiert 
grosse monokline Krystalle, aus Äther krystallisiert glänzende Blättchen, vom 
Schmelzpunkt 113°. Es ist leicht löslich in Wasser, Chloroform, Alkohol, schwer 
in Äther, Toluol, Ligroin. Antipyrin wird durch Alkaloidreagentien gefällt, z. B. 
durch Tanninlösung als starke weisse Fällung niedergeschlagen (Blumenbach, 
Schweissinger 2 ). 

Eine Lösung von Antipyrin in verdünnter Essigsäure färbt sich beim Ver- 
setzen mit Natriumnitritlösung grün. Bei genügender Konzentration scheidet 
sich Nitrosoantipyrin als grüner Krystallniederschlag aus. Wässerige Antipyrin- 
lösungen 1 : 100 000 färben sich mit Eisenchloridlösung noch tief braun ; die 
Färbung ist bei neutraler Reaktion besser als bei saurer Reaktion. 

Erwärmt man eine Antipyrinlösung mit konzentrierter Schwefelsäure und 
etwas rauchender Salpetersäure, so tritt Rotfärbung ein. 

Pyramidon-Dimethylaminantipyrin C^H^NgO . N (CH 3 ) 2 . 
C 6 H 5 .N 

CO/ X N • CH 3 

I I 

(CH 3 ) 2 N • C = C • CH 3 

Pyramidon geht nicht selbst in den Harn über. Es finden sich 
aber Derivate und zwar Rubazonsäure sowie Antipyrylharnstoff.. 

1. Rubazonsäure. Wiederholt ist beim Menschen nach Pyramidonge- 
brauch das Auftreten einer kirschroten Färbung, sowie auch eines roten krystal- 
linischen Sedimentes beobachtet worden (Gregor, Hoff mann, Jaffe 3 ), identi- 
fizierte in Versuchen am Hund als Rubazonsäure. Im Menschenharn ist diese 
Rubazonsäure wenigstens in manchen Fällen präformiert. Im Hundeharn ist 
zunächst Phenylmethylaminopyrazolon vorhanden, aus diesem entsteht erst nach 
dem Ansäuern durch Oxydation mit Luftsauerstoff die Rubazonsäure. 

Eigenschaften. Rubazonsäure C 2 oH, 7 N 5 2 wurde von Knorr 4 ) darge- 
stellt aus Phenylmethylaminopyrazolonchlorhydrat durch Oxydation an der Luft. 
Sie bildet rote Krystallnadeln vom Schmelzpunkt 184°, die in Wasser und ver- 
dünnten Säuren unlöslich, in Weingeist schwer löslich, leicht löslich in Essigäther, 



x ) D. Jonescu, Ber. d. pharmazeut. Gesellsch. 16. 133. 1905. 

2 ) Blumenbach, Diss. Dorpat. 1885. — Schweissinger, Zeitschr. f. 
analyt. Ch. 24. 468. 1885. 

3 ) K. Gregor, Therap. Monatsh. 14. 298. 1900. —Hoff mann, Arch. Internat, 
de Pharmacodvnamie 6. 171. 1891. — M. Jaffe, Ber. d. ehem. Gesellsch. 34. 
2739. 1901 u. 35. 2891. 1902. 

4 ) L. Knorr, Annal. d. Chem. 238. 192. 1887. 



Pyramidon, Nitrobenzol. 1483 



Chloroform, Benzol, Eisessig sind. In Alkali und Ammoniak lösen sie sich mit 
purpurroter Farbe. 



C 6 H 5 .N C 6 H 5 .N 



N CO CO N 

II I II 

CH 3 .C — CH.N= C~C(CH 3 ) 

Darstellung nach Jaffe aus Hundeharn. Der Hundeharn wird in weiten 
offenen Gefässen nach Ansäuern mit Salzsäure sich selbst überlassen. Der Nieder- 
schlag wird mit Ammoniak Übergossen und so lange mit Essigäther ausgeschüttelt 
als noch Farbstoff aufgenommen wird. Der Farbstoff geht als Ammoniakver- 
bindung in den Essigäther und hinterbleibt beim Abdestillieren als ammoniak- 
freier Farbstoff in prachtvollen roten Nadeln. 

Die Menge der ausgeschiedenen Rubazonsäure beträgt beim Hund etwa 
3 ° des eingegebenen Pyramidon. 

2. Ebenfalls durch Entmethylierung entsteht Antipyrylharnstoff. Es er- 
scheinen etwa 6% des verfütterten Pyramidon im Hundeharn (Jaffe). 

Eigenschaften. Antipyrylharnstoff = Uramidoantipyrin, bildet in 
Wasser lösliche farblose Krystalle vom Schmelzpunkt 247 — 248° (Knorr und 
Stolz 1 )). Er ist in Alkohol schwer löslich. Die wässerige Lösung färbt sich mit 
Eisenchlorid violett. — Beim Erhitzen mit Millonschem Reagens färbt sie sich 
zuerst gelb, später rot, unter Bildung eines roten Niederschlages. 

Darstellung nach Jaffe. Die von der Rubazonsäure abgetrennte saure 
Harnflüssigkeit wird mit Natriumcarbonat schwach alkalisch gemacht und einge- 
engt. Der Rückstand wird wiederholt mit Ätheralkohol ausgezogen, der Äther- 
alkohol wird abdestilliert, die hinterbleibende Krystallmasse in 5 %iger Schwefel- 
säure gelöst und mit Phosphor wolframsäure gefallt. Der Niederschlag wird mit 
Barythydrat zerlegt, der Barytüberschuss durch Kohlensäure entfernt und die 
Flüssigkeit bei 30 — 40° im Vakuum eingeengt. Der erhaltene Syrup erstarrt 
bald zur Krystallmasse. Die Krystallmasse wird mit Aceton versetzt, dabei fällt 
Kreatinin aus, während der Antipyrylharnstoff in Lösung geht. Das Aceton wird 
verdampft, der Rückstand kann noch aus Wasser umkrystallisiert werden. 

Ausser diesen beiden Stoffen fand Jaffe noch eine nicht isolierbare Glycuron- 
säure im Hundeharn. 

Nitrobenzol. 

Nitrobenzol führt zu Fabrikvergiftungen und wird auch als Abortiv- 
mittel benutzt. Der Harnbefund ist von Mering sowie von E. Meyer 2 ) be- 
schrieben. Der Harn riecht nach Nitrobenzol. Durch Destillation mit Wasser- 
dämpfen bei saurer Reaktion lässt sich das Nitrobenzol gewinnen. Mit Eisen- 
chlorid entsteht eine intensiv braunrote Färbung (p-Amidophenol). Der Harn 
reduziert Kupfersulfat in alkalischer Lösung nicht direkt, sondern erst nach Kochen 
mit konzentrierter Salzsäure. Die reduzierende Substanz gärt nicht; es besteht 
Linksdrehung. Es handelt sich also um Ausscheidung einer gepaarten Glycuron- 
säure. Ferner lässt sich im Harn das auch nach Anilinvergiftung auftretende 
p-Aminophenol (siehe dort) nachweisen und zwar in dem Fall von E. Meyer noch 
12 Tage lang. 

Auch bei Kaninchen Hess sich nach Eingabe von 0,5 — 0,7 g per os Nitro- 
benzol und p-Amidophenol nachweisen. 

Zum Nachweis des Nitrobenzol wird dasselbe erst bei saurer Reaktion mit 
Wasserdämpfen ausgetrieben. Dabei wird eine ölige, stark riechende Flüssigkeit 

1 ) L. Knorr und F. Stolz, Annal. d. Chem. 293. 58. 1896. 

2 ) J. v. Mering, Zentralbl. d. med. Wissensch. 1875. 945. — E. Meyer, Zeit- 
sehr. f. physiol. Chem. 46. 497. 1906. 

Neubauer-Huppert, Analyse des Harns. 11. Aufl. 94 



1484 



Schulz, Zufällige Bestandteile. 



erhalten. Bei Reduktion dieser Lösung mit Zink und Schwefelsäure wird Anilin 
erhalten, das in der Flüssigkeit vor der Reduktion nicht vorhanden ist. Über die 
Identifizierung des Anilin siehe dort. 

Alkaloide. 

Tanret 1 ) sowie Bouchardat und C a d i e r empfehlen zum 
Nachweis der Alkaloide im Harn überhaupt eine mit Essigsäure ange- 
säuerte Lösung von Jodquecksilberkalium. Das Reagens gibt zwar 
auch mit anderen Bestandteilen normaler und pathologischer Harne 
Niederschläge, der Alkoholniederschlag unterscheidet sich von diesen 
aber durch seine Löslichkeit in Alkohol und in der Wärme. 



I. Chinin 



^20^24^*2^2 



A. Vorkommen. Chinin geht unverändert in den Harn über 
(Schmitz, Nishi, Giemsau. Schaumann, Mariani, Katz, 
Grosser) 2 ). Die Ausscheidung beginnt schon nach kurzer Zeit (15 bis 
30 Minuten). Bei einmaliger Dosis werden etwa 10 — 40% unverändert 
ausgeschieden. Es erscheint die Hauptmenge innerhalb 24 Stunden. 
Nach vier Tagen ist die Ausscheidung beendigt. Bei fortgesetztem Ge- 
brauch von Chinin bleibt die Ausscheidung ziemlich gleichmässig (etwa 
20 — 30o/o). Die Ausscheidung ist am stärksten bei innerlicher Dar- 
reichung, schwächer bei subkutaner, am schwächsten bei intramusku- 
lärer Applikation. 

Für den Hund hatte Merkel 3 ) angegeben, dass er kein unverändertes Chinin 
im Harn ausscheide. Katz hat diese Angabe widerlegt. 

Umwandlungsprodukte des Chinin sind im Harn mit Sicherheit nicht nach- 
gewiesen, insbesondere hat Schmitz vergeblich nach Dihydroxylchinin gesucht. 
Merkel will aus Hundeharn ein Umwandlungsprodukt des Chinins isoliert haben. 

B. Eigenschaften. 1. Chinin ist in Wasser wenig löslich. 
Die wasserfreie Base erfordert 1960 Teile Wasser, das Hydrat der Base 
1670 Teile Wasser von 15° zur Lösung. In heissem Wasser ist die 
Löslichkeit etwas grösser. Alkohol, Chloroform, Äther, Schwefelkohlen- 
stoff lösen Chinin leicht, Benzol weniger gut. Die Lösungen des Chinin 
sind linksdrehend. Aus heissem Benzol lässt es sich mit Vorteil um- 
krystallisieren. 

J ) Tanret, Journ. de pharm, et de chimie [5] 28. 433 u. 490; Chem. Zentralbl. 

I. 109. u. 111. 1894. 

2 ) G. Giemsa und H. Schaumann, Beiheft z. Arch.f. Schiffs- u. Tropenhyg. 

II. 1907. — P. Grosser, Bioch. Zeitschr. 8. 48. 1907. — R. Schmitz, Arch. f. 
exp. Path. 56. 301. 1907; siehe auch Dissert. Bern 1906. — Mariani, Atti della 
societä per gli studi della Malaria. 1903 u. 1904. — A. Nishi, Arch. f. exp. Path. 
60. 312. 1909. — J. Katz, Biochem. Zeitschr. 36. 146. 1911. — G. Giemsa, ebenda, 
38. 161. 1912. 

3 ) Merkel, Arch. f. exp. Path. 47. 165. 1902. 



Chinin. 1485 



2. Das Chinin fällt aus seinen Salzlösungen durch Alkali amorph 
und wasserfrei aus, aber es geht bald in den krystallisierten Zustand 
über und bildet ein Hydrat mit drei Mol. Krystallwasser. 

3. Das krystallinische Chininhydrat (C 20 H 24 N 2 O 2 + 3H 2 0) ist farb- 
los, schmeckt sehr bitter, schmilzt bei 57° und verliert das Wasser 
beim Stehen über Schwefelsäure und beim Erhitzen auf 120°. Dieses 
wasserfreie Chinin schmilzt bei 173°. 

4. C hi n i n in schwefelsaurer Lösung fluoresziert blau. Die Fluores- 
zenz wird durch Halogenwasserstoff säuren, durch Hyposult'ite, auch 
Phena cetin (Sestini und Campani 1 ) aufgehoben bezw. be- 
einträchtigt. Phenacetin geht aber nicht als solches in den Harn über 
(siehe dort). 

5. Versetzt man eine Chininlösung mit Chlorwasser oder Brom- 
wasser und dann mit Ammoniak, so entsteht eine intensiv smaragdgrüne 
Farbe, die sogen. Thalleiochinreaktion (Brandes u. Lebe r). 
Bei genauem Neutralisieren mit einer Säure geht die Farbe ins Himmel- 
blaue und durch einen Überschuss von Säure ins Violette bis Rote 
über. Bei sehr kleinen Mengen Chinin verwendet man zweckmässig 
Bromwasser statt Chlorwasser. Es lassen sich V20000 Chinin so nach- 
weisen (F 1 ü c k i g e r 2 )). 

6. Wird neutrales Chininsulfat mit etwas Wasser übergössen und 
hierzu starkes, salzsäurefreies Chlorwasser gebracht, bis eine gelb- 
liche Färbung entsteht, so zeigt sich auf Zusatz von gepulvertem Ferro- 
cyankalium zuerst eine hellrosenrote Färbung, die auf Zusatz von 
mehr Ferrocyankalium tief dunkelrot wird. 

7. Herapathitreaktion. Setzt man zu etwas Chinin auf dem Objektträger 
einen Tropfen einer Lösung, welche 12 g Essigsäure, 4 g Alkohol, 6 Tropfen ver- 
dünnte Schwefelsäure enthält, und bringt dazu mit einer ausgezogenen Glas- 
röhre ein Tröpfchen Jodlösung in Alkohol, so entsteht sogleich eine zimmet braune 
Färbung, bedingt durch eine Jodchinin Verbindung, und später erhält man das durch 
seine Polarisationserscheinungen merkwürdige schwefelsaure Jodchinin, welches 
man unter dem Mikroskop erkennt. Das schwefelsaure Jodchinin, 4C 20 H 24 N 2 O 2 , 
3H 2 S0 4 , 2HJ, 2 J 2 + 6H 2 0, krystallisiert in äusserst dünnen Platten, die im durch- 
fallenden Licht blass olivengrün, im auffallenden metallglänzend, canthariden- 
grün erscheinen. Ihr Polarisationsvermögen ist so stark, dass man sie statt der 
Turmalinplatten anwenden kann. Zwei Platten, so dünn wie Blattgold, lassen, 
sobald sie sich unter einem rechten Winkel kreuzen, gar kein Licht mehr durch 
(Herapath 3 )). 

C. Nachwei s. Der Nachweis beruht auf der Isolierung des 
Chinin. Die Nachweismethoden lassen sich vielfach auch zur Schätzung 



!) F. Sestiniund R. Campani, L'Orosil4. 305. Chem. Zentralbl. 1. 184. 1892. 

2 ) Brandes und Leber, Annal. d. Chem. 32. 270. 1839. — Flückiger, 
Zeitschr. f. analyt. Chem. 11. 318. 1872. 

3 ) Herapath, Journ. f. prakt. Chem. 61. 87. 1853. 

94* 



1486 



Schulz, Zufällige Bestandteile. 



der Chininmenge benutzen. Wirklich quantitativ brauchbar soll die 
Methode von Katz sein (s. dort). 

1. Zum Nachweis des Chinins im Harn macht Vitali 1 ) (nicht 
zu kleine Mengen) Harn mit Ammoniak alkalisch und schüttelt ihn mit 
Äther aus. Der Auszug wird nach Zusatz eines Tropfens Salzsäure ver- 




Fig. 48. 

dunstet, der Rückstand in Wasser gelöst, 'die Lösung nochmals mit 
Ammoniak und Äther behandelt und der beim Verdunsten der ätherischen 
Lösung nun bleibende Rückstand zum Nachweis verwendet. 

Nach Herapath 2 ) macht man den Harn durch etwas Kali alkalisch, schüttelt 
mit Äther und lässt den Äther verdunsten. 

2. Nach Personne 3 ) fällt man den Harn mit Tannin, wäscht 
den Niederschlag aus, presst ihn ab, mischt ihn mit Ätzkalk und 
bringt die Mischung im Wasserbad zur Trockne. Der Rückstand wird 
mit Sand verrieben und (in einem Extraktionsapparat) mit Chloroform 
erschöpft. Wird das Chloroform von dem Auszug abdestilliert, so bleibt 
das Chinin vermengt mit harziger Substanz zurück; verdünnte Schwefel- 
säure nimmt in der Wärme das Chinin auf und lässt die harzige Substanz 
ungelöst zurück. 

3. Nach B i n z 4 ) lässt sich durch eine Lösung von 2 Teilen Jod 
und 1 Teil Jodkalium in 40 Teilen Wasser noch 1 g Chinin in 40 
bis 50 Liter Harn entdecken. 



seh. 



x ) Vitali, Journ. de chim. med. 1874. 210. 

2 ) Herapath, Journ. f. prakt. Ch. 61. 87. 1853. 

3 ) Personne, Bull, de l'Acad. de med. 35. 1878; Zentralbl. f. d. med. Wissen- 
1879. 110. 

4 ) Binz, Zeitschr. f. analyt. Ch. 9. 538. 






Chinin, Bestimmung. 1487 



4. Kern er verwendet zum Nachweis des Chinins im Harn seine Fluores- 
zenz. Nach Kerners Versuchen lässt es sich selbst noch bei zweimillionenfacher 
Verdünnung nachweisen. Da jedoch das vorhandene Chlornatrium die Fluores- 
zenz aufhebt, so muss das Chlor zunächst entfernt werden, was am zweckmässigsten 
durch eine konzentrierte Lösung von salpetersaurem Quecksilberoxydul geschieht. 
Man versetzt 25 bis 50 ccm Harn so lange mit dem Reagens, bis kein Niederschlag 
mehr entsteht und ein kleiner Übcrschuss vorhanden ist, filtriert und wäscht den 
Niederschlag aus. Von der ursprünglichen Harnfarbe ist höchstens noch ein licht- 
gelber Schein übrig und wenn nicht allzu kleine Mengen Chinin vorhanden sind, 
nimmt man schon während der Filtration bei Tageslicht die Fluoreszenz wahr. 
Füllt man jedoch die Flüssigkeit in das Fig. 48 abgebildete, von Kerner kon- 
struierte Fluoreskop, so wird man, sobald der Induktionsstrom durch die Geissler- 
sche Fluoreszenzröhre geht und man bei geschlossenem Deckel durch den pyra- 
midalen Trichter beobachtet, noch bei zweimillionenfacher Verdünnung die Fluores- 
zenz aufs schönste eintreten sehen. Zum Vergleich füllt man zweckmässig nur 
den einen Schenkel der U-förmigen Röhre mit der Harnflüssigkeit, den anderen 
mit Wasser. Noch empfindlicher fällt die Reaktion aus, wenn man die Harnfl Bissig- 
keit vor der Prüfung vollständig entfärbt, was am einfachsten durch Einleiten 
einiger Blasen Schwefelwasserstoff zu erreichen ist, indem das ausfallende Queck- 
silbersulfür den letzten Rest von Farbstoff einschliesst. Immer noch sehr deutlich 
aber minder scharf ist die Fluoreszenz nach Flückiger x ) zu erkennen, wenn man 
mit einer Lupe einen Lichtkegel auf die in einem Reagenzglas befindliche Lösung 
fallen lässt. 

D. Bestimmung des Chinins. 
1. Bestimmung des Chinins nach Katz 2 ). 

A. Prinzip der Methode. Das Chinin wird dem Harn durch Ausschütteln 
mit Chloroformäther entzogen. Um eine Emulsionsbildung beim Schütteln zu 
vermeiden, wird das Ausschütteln in einem mit reichlich Ammoniumsulfat ver- 
setzten Harn vorgenommen. Diese „Ammoniumsulfatmethode" wird von Katz 
ganz allgemein empfohlen, wenn es sich darum handelt, schleim- oder eiweisshaltigen 
Flüssigkeiten, die zur Emulsionsbildung neigen, irgend eine Substanz durch Aus- 
schütteln mit Äther, Chloroform etc. zu entziehen. Man kann derartige salzreiche 
Flüssigkeiten auch mit Alkohol oder Methylalkohol ausschütteln, wobei eine Tren- 
nung in eine salzreiche wässerige Schicht und eine alkoholische Schicht bestehen 
bleibt. Giemsa hat eine ähnliche Ammoniumsulfatmethode schon früher zur 
Bestimmung des Chinins in der Milch angewandt. 

Das so isolierte Chinin wird durch Eindampfen in alkoholischer Lösung 
unter Zusatz von Salzsäure in das zweisäurige Salz verwandelt, die überschüssige 
Säure wird durch Kochsalz verflüchtigt und in dem erhaltenen zweisäurigen 
Salz die Säure in alkoholischer Lösung mit alkoholischer Kalilauge unter Ver- 
wendung von Poirriers Blau titriert. 

Nach Katz besitzt die Methode eine hohe Genauigkeit. In einem Versuch 
wurde aus 200 ccm Hundeharn von 0,245 g Chininum purum, die zugesetzt waren, 
100,6 %, in einem anderen Fall von 0,165 g aus 210 ccm Harn 97,9 % wieder- 
gefunden. Die Methode ist von Katz eingehend begründet und wird von ihm für 
genauer und zuverlässiger erklärt als alle anderen. 

B. Ausführung. 400 ccm Harn, die durch ein in einem Trichter 
befindliches lockeres Wattebäuschchen filtriert sind, werden in einem 



x ) Kerner, Pflügers Arch. 2. 230 u. 238; Zeitschr. f. analyt. Ch. 9. 134. 
A. Flückiger, Zeitschr. f. analyt. Ch. 1. 373. 

2 ) J. Katz, Biochem. Zeitschr. 36. 147. 1911. — Pharmaz. Zentralh. 1901. 285. 



1488 



Schulz, Zufällige Bestandteile. 



weithalsigen Erlenmeyer- Kolben mit 200 g Ammoniumsulfat und 
10 ccm Essigsäure (30%ig) versetzt' und unter Umrühren auf dem 
Wasserbad erwärmt, bis sich das Ammoniumsulfat vollständig gelöst 
hat. Man lässt die Mischung erkalten, bringt sie in einen grossen, wenn 
möglich zylindrischen Scheidetrichter, macht sie mit Ammoniak (20 bis 
25 ccm 10°/oigen Salmiakgeist) stark alkalisch und schüttelt sofort mit 
150 ccm einer Mischung aus 1 Teil Chloroform und 3 Teilen Äther aus. 
Die Ausschüttelung wird zweimal mit je 50 ccm obiger Mischung wieder- 
holt. Die Chloroformätherextrakte werden filtriert, eventuell unter Zu- 
satz von etwas gebrannter Magnesia, falls Farbstoffe in den Chloroform- 
ätherextrakt übergegangen sind; man destilliert den Chloroformäther 
zur Trockne ab. 

Den Rückstand löst man durch vorsichtiges Erwärmen auf dem 
Wasserbad in 10 ccm einer etwa 10°/oigen Schwefelsäure und lässt 
erkalten. Dann filtriert man in einen kleinen Scheidetrichter, wäscht 
das Filter zweimal mit 5 — 10 ccm W'asser nach, macht mit Natron- 
lauge stark alkalisch und schüttelt nacheinander mit 50 ccm und zweimal 
mit 25 ccm Chloroformäther aus. Die Extrakte werden wieder unter 
Zusatz von etwas gebrannter Magnesia filtriert und der Chloroform- 
äther bis auf etwa 1 ccm abdestilliert. Der Rückstand wird dreimal 
mit 3 ccm Alkohol in ein Schälchen gespült, mit 10 Tropfen offizineller 
Salzsäure und 20 Tropfen 25o/oiger Kochsalzlösung versetzt und auf 
dem Wasserbad zur Trockne verdampft. Gegen Ende des Verdampfens 
sorge man durch fleissiges Schwenken des Schälchens dafür, dass sich 
das Kochsalz als feines Krystallmehl und nicht in grossen Krystallen 
absetzt und dass die Masse sich möglichst dünn auf dem Boden des 
Schälchens verteilt. Darauf spült man die an den Wänden des Schäl- 
chens befindliche Masse mit Hilfe der Spritzflasche mit Alkohol an den 
Boden der Schale und dampft unter fleissigem Umschwenken wiederum 
ein. Der trockne Rückstand bleibt noch Y4 Stunde auf dem Wasserbade 
oder besser im Wassertrockenschrank stehen. Darauf löst man die Masse 
in etwas Alkohol und spritzt sie mitsamt dem ungelösten Kochsalz in 
einen kleinen E rl e nme y er- Kolben, ergänzt die Flüssigkeit mit Al- 
kohol auf etwa 25 ccm, setzt 5 Tropfen einer 0,3 o/o igen Lösung von 
Poi rriers Blau hinzu und titriert mit einer alkoholischen n/ 10 - 
Kalilauge, die man sich ex tempore durch Mischen von 10 ccm n-Kali- 
lauge mit absolutem Alkohol ad 100 ccm hergestellt hat, bis die 
Blaufärbung in eine schwach Rosafärbung übergegangen ist. Die ver- 
brauchten Kubikzentimeter n/ 10 -Kalilauge mit 0,0162 multipliziert, er- 
geben die vorhandene Menge Chinin (Molekulargewicht des Chinins 
= 324). 



Chinin, Bestimmung. 1489 



2. Bestimmung nach Schmitz. Schmitz benutzte das von 
Kleine angegebene Verfahren zur Isolierung. Bestimmte dann aber 
nicht wie Kleine durch Wägung, sondern titrimetrisch nach der 
C o r d i n sehen x ) Alkaloidbestimmungsmethode. 

200 — 300 cem Harn werden mit Schwefelsäure angesäuert und 
mit gepulverter Pikrinsäure im Überschuss versetzt. Nach eintägigem 
Stehen wird der Niederschlag abfiltriert und zwar, falls das Filtrat 
trüb ist, unter Zusatz von etwas Eiweiss. Filter mit Niederschlag werden 
in einem Kolben mit 3°/oiger Kalilauge digeriert und die erhaltene 
Lösung zweimal mit Chloroform ausgeschüttelt. Das Chloroform wird 
verdunstet, der Rückstand in 30 cem V^-n-Schwefclsäure unter Er- 
wärmen gelöst, die Lösung quantitativ in ein 100 ccm-Kölbchen ge- 
bracht und Jodjodkaliumlösung (1 Teil J, 1,5 Teil KJ, Wasser ad 100) 
hinzugegeben, bis die Fällung vollständig ist, und dann auf 100 cem 
aufgefüllt. Man filtriert genau 50 cem des Filtrates ab, entfärbt durch 
einige Tropfen 10°/oige Thiosulfatlösung und titriert die überschüssige 
Säure zurück. Schmitz fand, dass 1 cem der 1 / 20 -Schwefelsäure 
0,00885 g Chinin entsprach. 

Schmitz fand in Kontroll versuchen mit bestimmten zum Harn zugegebenen 
Chininmengen nur eine Fehlergrenze von 1,4 bzw. 2,5%. Katz 2 ) hält trotzdem 
die Methode für ungenau namentlich bei der Bestimmung kleiner Alkaloidmengen, 
da durch das Filtrierpapier und den voluminösen Niederschlag Säure adsorbiert wird. 

3. Verfahren von N i s h i 3 ). Der Harn wird sehr stark alkalisch 
gemacht und im Extraktionsapparat ca. 25 — 30 Stunden mit Äther 
extrahiert. Das Ätherextrakt wird verdampft, der Rückstand in wasser- 
freiem Äther aufgenommen, filtriert und das Filtrat mit einer Lösung 
von wasserfreier Zitronensäure in wasserfreiem Äther versetzt, bis 
alles Chinin als saures Chinincitrat gefällt ist. Der Niederschlag wird 
durch Asbeströhrchen abfiltriert, vom Äther durch gelindes Trocknen 
befreit und gewogen. Dem Chinincitrat schreibt N i s h i auf Grund 
von Versuchen mit reinem Chinin die Formel C 20 H24N 2 O 2 . C 6 H 8 7 zu. 

Nach Nihsi werden nach seiner Methode 99 — 101 % von zugesetztem Chinin 
wiedergewonnen. 

Die Methode ist, wie Katz hervorhebt, keinesfalls bequem zu handhaben. 
Katz bezweifelt, ob eine Extraktion stark alkalischer Harne ohne störende Emul- 
sionsbildung stets möglich sei. 

4. Verfahren von Kerner. Kerner fällte das Chinin aus dem mit Salpeter- 
säure angesäuerten Harn mit Phosphorwolframsäure, zersetzte den Niederschlag 
mit Barytwasser, extrahierte mit kochendem Alkohol, behandelte das Filtrat 
mit Kohlensäure, dampfte das barytfreie Filtrat zur Trockne, löste den Rückstand 

J ) F. K. Kleine, Zeitschr. f. Hyg. u. Infektionskrankh. 38. 548. 1901. — 
H. M. Cordin, Ber. d. ehem. Gesellsch. 32. 2873. 1899. — R. Schmitz, Arch. 
f. exp. Path. 56. 301. 1907; Dissert. Bern 1906. 

2 ) J. Katz, Biochem. Zeitschr. 36. 147. 1911. — Pharm. Zentralbl. 1901. 285. 

3 ) M. Nihsi, Arch. f. exp. Path. 60. 312. 1909. 



1490 Schulz, Zufällige Bestandteile. 

in verdünnter Essigsäure und fällte die freie Base mit Natronlauge aus. Grosser 1 ) 
benutzt ebenfalls die Fällung mit Phosphorwolframsäure, verreibt den Niederschlag 
mit Barythydrat und Tierkohle, trocknet vorsichtig und extrahiert aus dem trockenen 
Pulver das Chinin mit Chloroform. Auch gegen dieses Verfahren erhebt Katz 
gewichtige Bedenken. — Auch noch andere Alkaloidfällungsmittel haben gelegent- 
lich (Kerner) Verwendung gefunden. 

5. Verfahren von Mariani. Der eingeengte Harn wird mit 
Alkali gefällt, der Niederschlag mit Äther ausgeschüttelt; der Äther- 
rückstand in Schwefelsäure gelöst, Farbstoffe mit Äther entfernt, die 
Lösung wieder mit Alkali gefällt, ausgeäthert, der Ätherrückstand ge- 
wogen. Nach Grosser 2 ) lässt sich jedoch Chinin nicht quantitativ 
mit Alkali fällen. 

II. Cinchonin. 

Cinchonin. Die sauren Salze des Cinchonin geben mit Ferrocyan- 
kalium einen amorphen Niederschlag, der sich beim Erwärmen löst und sich beim 
Erkalten in Form goldgelber, keilförmig zugespitzter Prismen wieder ausscheidet 
(Bil). Nach dieser Methode hat Selig söhn 3 ) Cinchonin im Harn nachgewiesen. 

H i 1 d e b r a n d t 4 ) benutzte zum Nachweis des Cinchonin dessen 
Fällbarkeit durch Natronlauge. Beim Cinchonin tritt die Ausfällung 
im Gegensatz zu dem Chinin sofort ein. 

III. Chinolinharne. 

Chinolin geht nicht als solches in den Harn über. Nach Eingabe von 
Chinolin und Chinolinderivaten zeigt der „Chinolinharn" nach Fühner 5 ) bei 
Kaninchen ein eigentümliches Verhalten. Der frisch gelassene Harn wird mit 
konzentrierter Salzsäure (1 Teil auf 2 — 3 Teile Harn) gekocht, bis Dunkelfärbung 
eintritt. Nach dem Abkühlen wird Ammoniak im Überschuss hinzugegeben. 
Die Flüssigkeit färbt sich beim Schütteln von der freien Oberfläche aus erst gelb- 
grün, später blaugrün. Allmählich bildet sich ein dunkler Niederschlag und nach 
eintägigem Stehen ist die Grünfärbung meist verschwunden. Chloroform nimmt 
die grüne Farbe z. T. auf. Der Harn von Hunden zeigt nach Chinolingabe das 
gleiche Verhalten, ebenfalls der Harn des Menschen in einem Versuch (Fühner). 

Schöner bekommt man die Reaktion, wenn man das die Reaktion bedingende 
Chinolinprodukt erst isoliert. 200 ccm Harn werden mit 50 ccm konzentrierter 
Salzsäure auf dem Wasserbad etwa zur Hälfte eingedampft. Man versetzt dann 
mit Natronlauge unter sorgfältiger Vermeidung alkalischer Reaktion, bis die Flüs- 
sigkeit schwach sauer oder neutral reagiert, filtriert, wäscht das Filter mit etwas 
Alkohol nach und schüttelt die erkaltete Flüssigkeit mit etwas Äther aus. Der 
Äther wird einige Mal mit etwas destilliertem Wasser gewaschen und dann mit 
stark verdünnter Salzsäure geschüttelt. Die Salzsäure nimmt hierbei intensiv 
gelbe Färbung an, während der überstehende Äther carminrot erscheint. Ver- 

!) G. Kerner, Pflügers Arch. 2. 200. 1869. — P. Grosser, Biochem. 
Zeitschr. 8. 98. 1907. — J. Katz, 1. c. 

2 ) Mariani, Atti della societä per gli studi della Malaria 1903 und 1904. 
— P. Grosser, Biochem. Zeitschr. 8. 100. 1908. 

3 ) M. Selig söhn, Med. Zentralzeitg. 17. 1861. 

4 ) H. Hildebrandt, Arch. f. exp. Path. 59. 127. 1908. 

5 ) H. Fühner, Arch. f. exp. Path. 55. 27. 1906; Ber. d. ehem. Gesellsch. 38. 
2713. 1905. 



Chinolin, Morphium. 1491 



dünnt man einige Tropfen der gelbgefärbten Salzsäure mit Wasser und versetzt 
nunmehr mit Ammoniak, so tritt Grünfärbung auf, welche unter Einwirkung 
der Luft rasch in reines Blau übergeht. Bei längerem Stehen bilden sich dunkel- 
blaue Flocken, die sich zu Boden setzen. Diese lösen sich abfiltriert in Alkohol 
mit blauer, in Mineralsäuren mit braunroter oder carminroter Farbe. 

Die Reaktion rührt wahrscheinlich von der Anwesenheit von 5,6-Chinolin- 
chinon her, welches in dem frischen Harn mit Glycuronsäure oder mit Schwefel- 
säure gepaart ist. 

Frisch gelassener Kaninchenharn ohne Vorbehandlung mit Säure zeigt die 
Reaktion nicht. 

IV. Morphium. 

A. Vorkommen. Morphin lässt sich nach Morphingaben mit 
Sicherheit sowohl beim Menschen als auch bei Tieren im Harn nach- 
weisen. (Literatur siehe bei Heffter.) Aber auch nach grossen Dosen 
ist die Ausscheidung durch den Harn nur gering. Marquis fand 
bei einem Morphinisten, der täglich 1,2 — 1,35 g subkutan bekam, ein- 
mal 0,001 1 g, ein anderes Mal 0,007 g. Katzen schieden nach intravenöser 
Eingabe von 0,06 g 0,002—0,003 g im Harn aus. Im Gegensatz hierzu 
will van Rijn 1 ) bei einem Kaninchen, dem erst 0,1 g per os and 
nach 2 1 / 2 Stunden 0,1 g subkutan gegeben waren, innerhalb 6 Stunden 
0,0703 g Morphin, mehr als die Hälfte der im ganzen Körper wieder- 
gefundenen Menge, aufgefunden haben. — Ein grosser Teil des Morphin 
verlässt den Körper im Kot (Tauber, Faust 1 ). 

Dragendorff konnte nach dem Verfahren von Dragendorff und Kauz- 
mann noch sehr kleine Mengen Morphin im Harn nachweisen, Schneider bei 
Tieren solches noch nach innerlicher oder subkutaner Anwendung von 0,03 bis 
0,01 g. Beim Menschen mit gesunden Nieren fand es Marme mit Sicherheit 
noch nach Verbrauch von 0,1 g, nach gleicher Dosis wiesen es auch Notta und 
Lugan noch mit Sicherheit nach; bei Tieren kann nach Marme die Gabe ge- 
ringer (0,01 g) sein. — Aus dem Tagesharn von Morphinisten stellte Burkart nach 
der Zufuhr von 1,3 — 1,4 g Morphin soviel des Alkaloids dar, dass es bei Kaninchen 
einmal eine leichte, einmal eine schwere Vergiftung bewirkte. Landsberg hat nur 
einmal, nämlich nach intravenöser Einverleibung von 0,8 g, Morphin im Harn auf- 
gefunden. Nach Donath 2 ) geht das Morphin C 17 H 19 N0 3 im Organismus in 
Pseudomorphin (Dehydromorphin) (C 17 H ]8 N0 3 )2 über. 

B. Eigenschaften. 

1. Morphin krystallisiert in seidenglänzenden Nadeln oder derben Prismen 
mit 1 Molekül Krystallwasser. Es verliert das Krystallwasser bei 128° und schmilzt 
bei 230° unter Zersetzung. Morphin löst sich in 400 Teilen heissem Wasser, in 
1000 Teilen Wasser von 10° löst sich nur 0,1 g Morphin. Das Hydrochlorid löst 
sich in ungefähr 24 Teilen Wasser. — 100 Teile Alkohol lösen beim Kochen 



x ) A. Heffter, Ergebnisse der Physiol. (Asher- Spiro). 4. 292. 1905. — E. Mar- 
quis, Dorpater Arbeiten 14. 117. 1896. — W. van Rijn, Pharm. Weekblad. 
1907. 46.; Jahresber. f. Tierch. 37. 147. 1907. — E.Tauber, Arch. f. exp. Path. 
27. 336. 1890. — E. St. Faust, ebenda 44. 453. 1900. 

2 ) Marme, Deutsche med. Wochenschr. 1883. 179. — R. Burkart, Schmidts 
Jahrb. 196. 124. — E. Landsberg, Pflügers Arch. 23. 425. — J. Donath, 
Ebenda 38. 528. 1886. 



1492 



Schulz, Zufällige Bestandteile. 



7,5 Teile, in der Kälte 5 Teile Morphin. In Äther lösen sich bei 5° 0,049 % Mor- 
phin. Das Hydrochlorid löst sich sehr wenig in Alkohol, nicht in Äther, dagegen 
in Glycerin (und zwar in 19 Teilen). 

2. Morphin färbt sich mit einer frisch bereiteten Lösung von molybdänsaurem 
Natron in konzentrierter Schwefelsäure, welche im Kubikzentimeter 1 — 5 mg 
Molybdänsäure enthält, zuerst schön violett, dann blau, dann schmutzig grün 
(Fröhde). 

3. Eine Lösung von Morphin in konzentrierter Schwefelsäure, welche 12—15 
Stunden gestanden hat oder kurze Zeit auf 150° erwärmt wurde, färbt sich mit 
etwas verdünnter Salpetersäure oder einigen Körnchen Salpeter erst blauviolett 
und darauf dunkel blaurot (Husemann). 

4. Eine neutrale konzentrierte Lösung eines Morphinsalzes wird durch 
Eisenchlorid schön dunkelblau. 

5. Löst man etwas Morphin in 1 — 1,5 ccm rauchender Salzsäure, gibt einige 
Tropfen konzentrierte Schwefelsäure hinzu und verdampft nun auf dem Wasserbad, 
so tritt eine purpurrote Färbung ein. Fügt man nunmehr etwas Salzsäure hinzu, 
neutralisiert mit Natriumbicarbonat und gibt dann mit einem Glasstab ganz wenig 
Jodtinktur hinzu, so färbt sich die Flüssigkeit intensiv grün. Schüttelt man mit 
Äther, so nimmt der Äther die Farbe mit Purpurfarbe auf. Die Reaktion beruht 
auf der Bildung von Apomorphin (Pellagri). 

C. Nachweis im Harn. Dem Nachweis hat die Isolierung vor- 
auszugehen. Morphin ist nur in seltenen Fällen krystallinisch aus dem 
Harn erhalten worden (Marme, Schneider, Landsberg). 

1. Um das Morphin aus Harn zu extrahieren, wird derselbe nach 
Drag-endorff u. Kauzmann 1 ) auf ein Viertel eingedampft, d er 
Rückstand mit dem 3 — 4 fachen Volumen Alkohol, dem etwas Schwefel- 
säure zugesetzt ist, 24 Stunden stehen gelassen, die Lösung abfiltriert 
und der Alkohol von dem Filtrat abdestilliert; der Rückstand wird 
nach dem Erkalten durch ein feuchtes Filter filtriert und bei saurer 
Reaktion so oft mit je 1 / 4i — 1 / 2 Volumen Amylalkohol geschüttelt, bis 
sich der Amylalkohol nicht mehr färbt; die Sonderung der beiden 
Flüssigkeiten lässt sich durch Erwärmen auf 60 — 80° beschleunigen. 
Färbt sich der Alkohol nicht mehr, so macht man die heisse Flüssig- 
keit mit Ammoniak alkalisch, schüttelt eine Zeitlang tüchtig, hebt den 
Amylalkohol ab und ersetzt ihn durch mindestens noch eine frische 
Portion Amylalkohol. Die letzteren Auszüge werden mit destilliertem 
Wasser gewaschen und ihnen das Alkaloid durch Schütteln mit wenig- 
stens 2 Portionen des 10 — 12 fachen Volumen heissen schwefelsauren 
Wassers (etwa 1 Teil Säure auf 60 — 80 Teile Wasser) entzogen. Die 
wässerigen Lösungen werden auf ein kleines Volumen verdunstet und 
so lange mit Amylalkohol geschüttelt, bis dieser farblos bleibt. Darauf 
wird das Alkaloid wieder, nach dem Übersättigen mit Ammoniak, 
durch erneute Mengen Amylalkohol aufgenommen, die Lösungen durch 
ein trockenes Filter filtriert, der grösste Teil des Amylalkohols ab- 
destilliert und der Rest im Wasserbad verdunstet. Ist der Rückstand 
für die Anstellung der Reaktion noch nicht rein genug, so löst man 



2 ) Dragendorff, Pharm. Zeitschr. f. Russland 1868. 4. Heft. 



Morphium. 1493 



ihn wieder in schwefelsaurem Wasser und reinigt ihn nochmals in 
der angegebenen Weise. — Statt dem alkalischen Amylalkohol das 
Alkaloid durch Schütteln mit saurem Wasser zu entziehen, kann man. 
auch den sonst ganz in der beschriebenen Weise gewonnenen trockenen 
Rückstand wiederholt in saurem Wasser lösen und das Filtrat, nach dem 
Übersättigen mit Ammoniak, mit Amylalkohol schütteln; man gelangt 
so schneller und ohne grossen Verlust zum Ziele. — Das Alkaloid bleibt 
bei diesen Darstellungen amorph zurück; um es krystallisiert zu erhalten, 
löst man den Rückstand in wenig starkem Alkohol und lässt die Lösung 
langsam verdunsten. Das Alkaloid krystallisiert dann in sternförmigen 
Drusen scharf begrenzter, schief abgestumpfter Prismen. — Es gelingt 
nach diesem Verfahren nur schwer, das Morphin vom Harnstoff zu 
befreien, doch stört dieser die Morphinreaktionen nicht. 

Landsberg 1 ), welcher mit der Dragendorff sehen Methode keine posi- 
tiven Resultate erhielt, brachte folgendes von Wislicenus entworfene Verfahren 
in Anwendung. Der Harn wurde nach Zusatz von Essigsäure zum Sirup verdunstet, 
der Rückstand wiederholt mit absolutem Alkohol in der Kälte ausgezogen, der 
Alkohol vom Filtrat abgedampft, der Rückstand mit Wasser ausgezogen und die 
Lösung nach Zusatz einiger Tropfen Essigsäure so oft mit Amylalkohol bei 70° 
ausgezogen, bis sich der Alkohol nicht mehr färbte. Die rückständige saure wässerige 
Lösung wurde verdampft, der Rückstand alkalisch gemacht, wiederholt mit heissem 
Amylalkohol ausgezogen, und der Amylalkohol verdunstet. 

Ähnliche Verfahren haben Warnecke, ferner Notta und Lugan, sowie 
Wormley angegeben. Schneider schüttelt den mit etwas Schwefelsäure ver- 
setzten Harn direkt mit Amylalkohol. Donath 2 ) gibt der Fällung des Harns mit 
Jodquecksilber jodkalium den Vorzug. 

2. Verfahren von Autenrieth. 

Autenrieth 3 ) säuert den Harn mit Weinsäure stark an, ver- 
dampft zum Sirup, kocht den Sirup mit dem mehrfachen Volum abso- 
lutem Alkohol aus. Der Alkoholrückstand wird in Wasser aufgenommen 
und zunächst bei saurer Reaktion, dann nach Zusatz von Natronlauge 
mit grösseren Mengen Äther wiederholt ausgezogen. Dann wird die 
wässerige Flüssigkeit mit Ammoniumchlorid versetzt und mit reichlich 
Chloroform unter häufigem Umschütteln auf dem Wasserbad erwärmt. 
Das Chloroform wird abgetrennt, durch Zusatz von etwas Kochsalz ent- 
wässert, durch ein trockenes Filter gegossen und verdunstet. Der Rück- 
stand enthält das Morphin, das durch obige Reaktionen identifiziert 
werden kann. 



x ) E. Landsberg, Pflügers Arch. 23. 425. 

2 ) H. Warnecke, Pharm. Zeitg. 28. 234; Zeitschr. f. analyt. Ch. 22. 635. — 
Notta und Lugan, Arch. d. Pharm. [3] 23. 512; Zeitschr. f. analvt. Ch. 25. 145. 

— Th. G. W T ormley, Chem. News 62. 65, 79 u. 99; Ch. Zentralbl. 2. 565. 1890. 

— R. Schneider, Über das Schicksal des Caffeins und Theobromins im Tierkörper 
nebst Untersuch, über den Nachweis des Morphins im Harn. Dissert. Dorpat 
1884; Zeitschr. f. analyt. Ch. 24. 302; Jahresber. f. Tierch. 1884. 235. — J. Donath, 
Pflügers x\rch. 38. 528. 1886. 

3 ) W. Autenrieth, Ber. d. pharm. Gesellsch. 11. 494. 1901. 



1494 



Schulz, Zufällige Bestandteile. 



3. Van Rijn 1 ) engt den Harn unter Zusatz von Weinsäure ein; der Rück- 
stand wird mehrmals mit starkem Alkohol ausgekocht (jedesmal einige Stunden). 
Nach 24 Stunden wird filtriert, eingeengt. Dann wird mit Wasser versetzt und ein 
abermaliger Niederschlag nach 24 Stunden durch Filtration entfernt. Es wird 
wieder eingedampft, mit absolutem Alkohol gefällt. Filtrat eingedampft und in 
Wasser aufgenommen. Die wässerige Lösung wird mit Äther ausgeschüttelt, 
dann mit NH 3 alkalisch gemacht und wieder ausgeschüttelt; dann wird mit Schwefel- 
säure angesäuert und der Äther durch Eindampfen vertrieben. Dann wird die 
Flüssigkeit mit 100 ccm heissem Amylalkohol Übergossen, sehr vorsichtig mit 
NH 3 alkalisch gemacht, sofort kräftig geschüttelt. Die Ausschüttelung wird 
zweimal wiederholt. Dann wird die amylalkoholische Lösung mit Schwefelsäure 
ausgeschüttelt und schliesslich der Anwlalkohol verdunstet. Der Rückstand 
enthält das Morphin. 



V. Codein, Methylmorphinäther C 17 H 18 (OCH 3 )0 2 N. 

Im Gegensatz zum Morphin erscheinen von eingegebenem Codein grosse 
Mengen (70—80%) im Harn (Tauber, Bouma 2 )). Zum Nachweis bzw. zur 
Bestimmung im Harn wird nach Bouma der mit Essigsäure angesäuerte Harn 
zum Sirup eingedampft und mit 95 %igem Alkohol ausgezogen. Der Alkohol- 
rückstand wird in Wasser gelöst, mit Schwefelsäure angesäuert und mit Äther 
ausgeschüttelt, so lange der Äther sich noch färbt". Dann wird die wässerige 
Flüssigkeit mit Ammoniak stark alkalisch gemacht und durch wiederholtes 
Ausschütteln mit Äther das Codein entzogen. Die letzten Reste werden durch 
Ausschütteln mit Benzol herausgenommen. Die Äther-Benzolauszüge werden 
zusammengetan und mit Wasser gewaschen und abdestilliert. Der Rückstand wird 
aus wasserfreiem Äther umkrystallisiert bei 100° getrocknet und gewogen. 

Codein hat den Schmelzpunkt 155°. Erwärmt man Codein mit konzentrierter 
Schwefelsäure, der eine sehr geringe Menge Eisenchlorid hinzugefügt ist, so nimmt 
die Lösung eine tiefblaue Farbe an. — Mit dem Reagens von Froehde (siehe bei 
Morphin) löst sich Codein zuerst mit gelblicher, dann grünlicher und tiefblauer 
Farbe. — Fügt man zu einer auf 150° erhitzten Lösung von Codein in konzentrierter 
Schwefelsäure nach dem Erkalten 1 Tropfen Salpetersäure, so färbt sich die Flüssig- 
keit blutrot. 

VI. Strychnin. 

Nach den übereinstimmenden Untersuchungen von Kratter, Plugge, 
v. Rautenfeld, Ipsen 3 ) geht Strychnin als solches und nicht als Strychnin- 
säure in den Harn über; die Ausscheidung dauert mehrere Tage. — Nach töd- 
lichen Dosen fand Ipsen bei Tieren schon nach 2 — 5 Minuten Strychnin im 
Harn. Nach kleiner Dosis ist Strychnin nach 1 — 2 Stunden im Harn nachweisbar. 

Eigenschaften. 1. Strychnin ist in Wasser schwer löslich (1:7000). In ver- 
dünnten Säuren löst es sich leicht. In Benzol lösen sich 0,6 %, in Alkohol je nach 
der Temperatur 0,3—1,8 %. 

2. Bringt man in eine Lösung von Strychnin in konzentrierter Schwefelsäure 
ein stecknadelkopfgrosses Stück Kaliumbichromat und bewegt dasselbe etwas, so 
entstehen vom Bichromat ausgehend violette oder blaue Streifen, bis die Flüssigkeit 



x ) W. van Rijn, Pharmaz. Weekblad. 1907. 46; Jahresber. f. Tierch. 37. 
147. 1907. 

2 ) E. Tauber, Dissert. Strassburg 1892. — J. Bouma, Arch. f. exp. Path. 
50. 353. 1903. 

3 ) P. C. Plugge, Jahresber. f. Tierch. 1885. 96. — P. v. Rautenfeld, 
Petersburger med. Wochenschr. 1. 1885; Jahresber. f. Tierch. 1885. 202. — 
J. Kratter, Wiener med. Wochenschr. 8 — 10. 1882. — C. Ipsen, Vierteljahrs - 
schritt f. gericht. Med. [3] 4. 15. 1892. 



Strychnin, Theobromin und Caffein. 1495 



im ganzen eine blaue Farbe annimmt. 0,001 mg Strychnin sind so noch nach- 
weisbar. Man führt die Probe auf einem Tiegeldeckel aus. 

3. 1 ccm einer höchstens 0,1 %igen Strychninlösung wird mit 1 ccm kon- 
zentrierter Salzsäure und 1 g chemisch reinem Zink zusammengebracht. Nach 
2 — 4 Minuten wird rasch zum Sieden erhitzt, abgekühlt und auf 2 ccm konzen- 
trierter Schwefelsäure aufgegossen. An der Berührungstelle entsteht ein rosa- 
farbener Ring. Mit der Zeit nimmt die ganze Flüssigkeit die Rosafarbe an. 

4. Bei Injektion einer Strychninlösung in den Rückenlymphsack des Frosches 
treten die charakteristischen Strychninreflexkrämpfe ein. Es genügen schon einige 
Hundertstel Milligramm. 

Darstellung. Schultzen 1 ) konnte es bei einer Strychnin Vergiftung nach 
folgendem Verfahren aus Harn darstellen. Der Alkoholauszug des verdunsteten 
Harns wurde eingedampft, der Rückstand mit Kali alkalisch gemacht und mit Äther 
ausgeschüttelt. Dieser hinterliess beim Verdunsten kleine vierseitige Säulen, welche 
in Wasser fast unlöslich waren, demselben aber einen intensiv bittern Geschmack 
erteilten und mit chromsaurem Kali und Schwefelsäure die Strychninreaktion 
gaben. — Kratter verdunstet den mit Schwefelsäure angesäuerten Harn auf 
1 j- a Vol., kocht den Rückstand mit Alkohol, filtriert den Alkohol nach dem Erkalten 
ab, engt das Filtrat ein und schüttelt die rückständige Flüssigkeit erst direkt und 
dann, nach dem Übersättigen mit Ammoniak, mit Chloroform aus. Die nach dem 
Abdestillieren des Chloroforms bleibenden Rückstände werden mit konzentrierter 
Schwefelsäure gelinde erwärmt, in Wasser gelöst, das Filtrat mit Ammoniak über- 
sättigt und mit Chloroform ausgeschüttelt. Das Verfahren wird mehrfach wieder- 
holt. Zuletzt lässt man die Chloroformlösung auf einem Uhrglas verdunsten. — 
Chloroform eignet sich nach Plugge am besten zur Extraktion des Strychnins. 

Ipsen verdampft den Harn mit Weinsäure zur Sirupkonsistenz und ver- 
arbeitet dann wie Kratter (siehe vorher). Zur Reinigung des Chloroformrückstandes 
löst Ipsen denselben in Schwefelsäure 1 : 1000 durch gelindes Erwärmen; filtriert, 
macht mit NH 3 alkalisch und schüttelt mit Chloroform aus. Dieser Chloroform- 
rückstand wird mit wenig wässeriger Schwefelsäure gelöst und im Uhrglas der 
Krystallisation überlassen. 

VII. Theobromin und Caffein 2 ). 

A. Auftreten. Thein (Caffein) und Theobromin gehen im Tierkörper 
in Heteroxanthin (Monomethylxanthin) über und daher findet man nach der 
Zufuhr dieser Basen nichts oder nur einen kleinen Teil von ihnen im Harn wieder ; 
da die Reaktionen , mit welchen man sie nachweist, eine Verwechselung mit 
Xanthin und Heteroxanthin zulassen, so ist für eine Entfernung der Xanthin- 
basen Sorge zu tragen. 

B. Eigenschaften. I. Theobromin, 3,7-Dimethyl-2,6-Dioxypurin (3,7-Dime- 
thylxanthin), C 7 H 8 1S T 4 2 . 

HN : - 6 CO 



OC2 


5 C— N.CH 3 




1 ,> H 


.W 3 


— *0 — N 



CH3 

1. Theobromin bildet ein weisses, aus kleinen rhombischen Prismen bestehendes 
Pulver, sublimiert unzersetzt bei etwa 290°. Es ist leicht löslich in Wasser und 
Alkohol, fast unlöslich in Äther und Tetrachlorkohlenstoff. 

2. Gibt mit Sublimat ein Salz (Schneider), meist dichte Drusen kleiner 
Prismen. Die Verbindung mit Silbernitrat erscheint in Drusen grosser breiter 
Prismen. Beim Verdunsten von Theobromin mit Salpetersäure auf dem Wasser- 

x ) Schultzen, Arch. f. Anat. 1864. 498. 

2 ) siehe auch in dem Abschnitt Xanthinbasen. 



1496 Schulz, Zufällige Bestandteile. 

bad oder über freier Flamme bleibt ein graugelber Rückstand, der sich im Ammoniak- 
dampf oder mit wässerigem Ammoniak kaum rot färbt, mit Natronlauge gelb. 
Gegen Chlor verhält sich das Theobromin wie das Caffein, nur wird das mit Ammo- 
niak behandelte Reaktionsprodukt durch Natronlauge etwas mehr blau und hat 
diese Färbung Bestand (siehe bei Caffein). 

II. Caffein (Coffein, Thein, Guaranin). l,3,7-Trimethyl-2,6-Dioxypurin 
(1,3,7-Trimethylxanthin), C 8 H 10 N 4 O 2 . 

1. Caffein krystallisiert in seideglänzenden Nadeln mit 1 Mol. Krystallwasser. 
Es verliert das Krystallwasser bei 100°, schmilzt bei 234,5°, ist unzersetzt sub- 
limierbar. Es ist geruchlos, schmeckt bitter, löst sich wenig in kaltem, reichlich 
in heissem Wasser. Es ist leicht löslich in Chloroform, Benzol, Schwefelkohlenstoff. 

2. Auf Zusatz von Silbernitrat oder Sublimat entstehen auf dem Objektträger 
bald die Verbindungen der Basis mit diesen Salzen (Schneider); die Verbindung 
mit Silbernitrat bildet, dichte gewimperte Kugeln, die mit Sublimat ein Haufwerk 
von Prismen. 

3. Dampft man Caffein mit Salpetersäure im Wasserbad ein, so bleibt ein 
krystallinischer, zitronengelber Rückstand, welcher seine Farbe durch Ammoniak 
oder Natronlauge nicht ändert; verdamnft man dagegen über freiem Feuer, so er- 
hält man einen amorphen Rückstand, der sich in Ammoniak mit Purpurfarbe 
löst ( R o c h 1 e d e r) ; Zusatz von Natronlauge bringt diese Färbung zum Verschwinden ; 
im Ammoniakdampf wird der Rückstand rosenrot, Wasser löst ihn darauf purpur- 
farben. 

4. Beim Verdunsten von Caffein mit Chlorwasser (Salzsäure und chlorsaurem 
Kali) bleibt ein purpurroter Rückstand, der bei stärkerem Erwärmen goldgelb, 
durch Ammoniak aber wieder rot wird (Schwarzenbach); er verhält sich sonst 
wie der mit Salpetersäure erhaltene Rückstand. Die Reaktion tritt schon im Wasser- 
bad ein. Die Reaktion beruht auf der Bildung von Amalinsäure (Tetramethyl- 
alloxanthin). Theobromin gibt die gleiche Reaktion. 

C. Darstellung. Hammarsten versetzt den Harn mit wenig Schwefelsäure, 
verdunstet auf ein kleines Volumen, lässt den Rückstand mit 3 Volum Alkohol von 
97% 12 Stunden in Berührung, verdunstet das Filtrat und schüttelt die rückständige 
Flüssigkeit 3 — 4 mal mit dem halben Volum Benzol. Schutz kwer sowie Rost ver- 
fahren in ähnlicher Weise, nehmen aber das Caffein mit Chloroform auf. — Schneider 
behandelt den Harn direkt mit Extraktionsmitteln. Da Petroläther dem Harn 
kein Caffein entzieht, Benzin weniger Unreinigkeiten aufnimmt als Chloroform, 
so schüttelt er den Harn zuerst, zur Entfernung von fremder Substanz, die in das 
Benzin übergehen würde, mit Petroläther, dann, bei alkalischer Reaktion, mit 
Benzin und verdunstet dieses. Das Theobromin lässt sich dem Harn nach Schnei- 
der nur bei saurer Reaktion und nur durch Chloroform entziehen. Nach diesen 
Methoden Hess sich zwar das Caffein noch leicht nachweisen, welches Harn zuge- 
setzt war, aber nicht mehr so nach der Einverleibung. Nur Maly und Andrea seh *) 
gelang es, dem mit Chlorbarium und Bariumhydrat von Phosphaten befreiten Harn 
eines Hundes nach Verabreichung von 0,1 g Thein 0,066 g durch Chloroform zu 
entziehen. Der Auszug gab die Schwarzenbach sehe Reaktion. Möglicher- 
weise liegt hier eine Verwechselung mit Xanthin und Heteroxanthin vor. 

Vollständig gefällt werden diese Basen aus dem mit Salzsäure oder Schwefel- 
säure angesäuerten Harn durch Phosphorwolframsäure, zugleich aber mit den 
Xanthinbasen und der Harnsäure. Um diese auszuschalten, genügt es nicht, den 



x ) Harn mar sten, Virchow-Hirschs Jahresb. 1. 114. 1870. — N. Schutzkwer, 
Dissert. Königsberg; Jahresber. f. Tierch. 1883. 209. — E. Rost, Arch. f. exp. 
Path. 36. 56. 1895. — R. Schneider, Über das Schicksal des Coffeins und 
Theobromins im Tierkörper nebst Unters, über den Nachweis des Morphins im 
Harn. Diss. Dorpat. 1884. Jahresb. f. Tierch. 14. 255. 1884. — Maly und 
Andreasch, Monatsh. f. Ch. 4. 383. 1883. 






Glykuronsäure. 1497 



Harn mit Bleiessig und Ammoniak auszufällen (Albanese). Albanese empfiehlt 
dazu den mit Essigsäure schwach angesäuerten Harn in der Wärme mit neutralem 
Kupferacetat auszufällen. Sicherer dürfte die Entfernung der Xanthinbasen 
und der Harnsäure gelingen durch Fällen mit Kupferoxydulsalz, durch welches 
Caffein und Theobromin nicht niedergeschlagen werden (Balke, Krüger). Diese 
Trennung kann man auch ausführen, nachdem man den Phosphorwolframsäure- 
niederschlag mit Bariumhydrat zerlegt und die Basen in Lösung gebracht hat. 
Aus dieser Lösung lassen sich die Xanthinbasen auch durch ammoniakalische 
Silberlösung abscheiden, wobei Caffein und Theobromin in Lösung bleiben, beim 
Wegkochen des Ammoniaks fällt nur das Theobromin als Silbersalz aus (Kunze). 
Den Flüssigkeiten sind dann die gesuchten Basen durch geeignete Lösungsmittel 
(Chloroform und dergl.) zu entziehen. Rost 1 ) zerlegt zum Aufsuchen des Theo- 
bromins den Phosphorwolframsäureniederschlag wie üblich mit Bariumhydrat, 
entfernt den überschüssigen Baryt mit Kohlensäure, trocknet das Filtrat auf Gips 
ein, extrahiert im Soxhletschen Apparat mit Chloroform, verdunstet dieses, 
löst den Rückstand in verdünnter Natronlauge, versetzt mit ammoniakalischer 
Silberlösung und entfernt aus dem Filtrat das Ammoniak durch Kochen. 



Anhang. 

Glykuronsäure und gepaarte Glykuronsäuren. 

I. Glykuronsäure. 

OH H OH OH 

CHO — C — C — C — C — COOH 

I I I I 
H OH H H 

A. Vorkommen. Die Glykuronsäure kommt nicht als solche im 
Harn vor, sondern tritt in glykosidartiger Verbindung mit den ver- 
schiedensten fetten und vorzüglich aromatischen Alkoholen auf. (Vgl. 
S. 1504.) Nur nach Einführung grosser Mengen von Glykuronsäure — 
namentlich subkutan — erscheint freie Glykuronsäure in geringen 
Mengen im Harn (Neuberg 2 )). 

de Chalmot unterwarf den Abdampfungsrückstand von 200 ccm normalem 
Harn der Destillation mit Salzsäure und gewann dabei weniger als 25 mg Furfurol; 
wenn bloss Glykuronsäure das Furfurol geliefert hätte, so wären in den 200 ccm 
Harn weniger als 40 — 50 mg Glykuronsäure enthalten gewesen. — Mit verbesserter 
Methodik kamen Tollens und Stern auf 0,025 g Glykuronsäure in 100 ccm Harn. 
— Neuberg und Mayer fanden bei direkter Darstellung (aus 50 1 Harn) 0,004 g 
Glvkuronsäure auf 100 ccm Harn. Hervieux 3 ) fand ähnliche Werte (s. auch 
S. 1511). 



J ) M. Albanese, Arch. f. exp. Path. 35. 451, 455. 1895. — Balke, Journ. 
f. prakt. Ch. [2] 47. 537. — M. Krüger, Zeitschr. f. physiol. Ch. 18. 355. — W. E. 
Kunze, Zeitschr. f. anal. Ch. 33. 25. 1894. — Rost, a. a. O. 65. 

2 ) C. Neuberg, Der Harn. Verlag Springer. 1912. S. 430. 

3 ) G. de Chalmot, Ber. d. ehem. Gesellsch. 25. 2571. 1891. — C. Tollens 
und F. Stern, Zeitschr. f.phys.Chem. 64. 39. 1910. — C. Neuberg und P. Mayer, 
Ebenda 20. 256. 1900. — Ch. Hervieux, Bull, de la soc. chim. [4] 3. 349. 1908. 



1498 Schulz, Zufällige Bestandteile. 

Die zuerst bekannt gewordene gepaarte Glykuronsäure ist die von Musculus 
und v. Mering entdeckte Urochloralsäure (Trichloräthyl- Glykuronsäure). Nach- 
dem Ja ff e das Bestehen der Glykuronsäure wahrscheinlich gemacht hatte, ist 
sie von Schmiedeberg und H. Meyer zuerst dargestellt und die Konstitution 
ihrer Verbindungen erkannt worden. Weiter untersucht wurde die Glykuronsäure 
von Spiegel, von E. Külz und namentlich von Thierf eider und C. Neuberg x ). 
Im normalen Harn kann die Glykuronsäure vorkommen in Verbindung mit Indoxyl, 
Skatoxyl, Parakresol, Phenol und anderen Phenolen (s. dort sowie S. 1507). 

Neben stickstofffreien gepaarten Glykuronsäuren findet sich im Harn manch- 
mal noch gepaarte stickstoffhaltige Glykuronsäure, welche beim Erhitzen mit 
Barythydrat die stickstofffreie gepaarte Glykuronsäure neben Ammoniak und 
kohlensaurem Baryt liefert: Uramido - Glykuronsäure (Wiedemann, 
Schmiedeberg und Meyer, Schmiedeberg, Pellacani 2 ). Sie ist nicht zu 
verwechseln mit den Harnstoffsalzen organischer Säuren, welche einige Male aus 
Harn gewonnen wurden. 

B. Eigenschaften. Zur Darstellung von reiner Glykuronsäure 
geht man von Piuri (Purree, Jaune indien), einer Malerfarbe, die 
wahrscheinlich aus dem Harn von mit Mangoblättern gefütterten Kühen 
wonnen wird, aus, oder von Mentholglykuronsäure, die durch Ver- 
abreichung von Menthol an Kaninchen erzeugt wird (Neuberg, Neu- 
berg u. Lachmann 3 )). 

1. Die Säure bildet einen in Wasser und Alkohol löslichen Sirup. 
Sie dreht die Ebene des polarisierten Lichtes nach rechts. Bei ein- 
stündigem Kochen mit Wasser liefert sie 20o/o eines laktonartigen 
Anhydrids, bei längerem Kochen nicht mehr. 

2. Das Anhydrid (Lakton) Glykuron, C 6 H 8 6 , bildet wasser- 
helle, dicke, monokline Tafeln, welche nach Thierfelder um 167°, 
nach Mann und Tollens 4 ) bei 170 — 175° unter Bräunung und 
Zersetzung schmelzen. Es löst sich sehr leicht in Wasser, gar nicht 
in Alkohol; es schmeckt süss und etwas bitter. Seine Lösungen drehen 
rechts. In 5 — 14o/ iger Lösung beträgt bei 18° C nach Thierfelder 
[a]i> = 19,4 (Mittel aus 5 Bestimmungen), in 3o/oiger Lösung nach 
Külz gleichfalls — 19,4°, in 2o/oiger Lösung bei 22,6° nach Mann und 
Tollens im Mittel 18,17°. Nach Thierfelder scheint die spez. 
Drehung mit dem Wachsen der Konzentration der Lösungen etwas ab- 
zunehmen; mit steigender Temperatur der Lösung wächst sie. 



x ) Musculus und v. Mering, Berichte d. ehem. Gesellsch. 8. 662. 1875. — 
Jaf f e, Zeitschr. f. phys. Chem. 2. 59. 1878/79. — O. Schmiedebergund H. Meyer, 
Zeitschr. f. phys. Chem. 3. 422. 1879. — A. Spiegel, Berichte d. chem. Gesellsch. 
15. 1965. 1882. — E. Külz, Zeitschr. f. Biologie 23. 475. 1887. H. Thierfelder, 
Zeitschr. f. phys. Chem. 11. 388. 1887; 13. 275. 1889. — C. Neuberg, Ergebn. d. 
Physiol. (Asher-Spiro). III. I. Abt. 431. 1904. 

2 ) C. Wiedemann, Arch. f. exper. Path. 6. 232. 1877. — Schmiedeberg 
und Meyer, a. a. 0. 446. — Schmiedeberg, Arch. f. exper. Pathol. 14. 307. 
1881. — P. Pellacani, das. 17. 390. 1883. 

3 ) C. Neuberg, Ber. d. chem. Gesellsch. 33. 3317. 1900. — C. Neuberg 
und S. Lach mann, Biochem. Zeitschr. 24. 416. 1910. 

4 ) F. Mann u. B. Tollens, Ann. d. Chem. 290. 156. 1896. 






Glykuronsäure. 1499 



3. Das Glykuron ist in trockenem Zustand haltbar, bei Gegenwart 
von Feuchtigkeit und namentlich von (Spuren) Mineralsäure bräunen 
sich die Krystalle und zerfliessen. Seine wässerige Lösung ist in der 
Kälte beständig, bei Wasserbadtemperatur geht aber ein Teil des Laktons 
in die Säure über. Ebenso verwandelt sich das Glykuron beim Be- 
handeln mit Alkali- oder Erdalkalihydraten und -carbonaten in die 
Glykuronsäure. 

4. Die Glykuronsäure ist einbasisch, ihre normalen Salze sind in 
Wasser löslich. 

a) Eine lOprozentige Lösung d< ;s Kalisalzes wird nachThierf eider durchgleich 
konzentrierte Lösungen von Zink-, Cadmium-, Kupfer-, Magnesiumsulfat, Eisen- 
chlorid, essigsaurem Quecksilber, Strontium und Silbernitrat nicht gefällt. Mit 
überschüssigem Baryumhydrat bildet die Säure ein schwer lösliches hasisches Salz. 
Das Anhydrid wird nicht durch Bleizucker, wohl aber durch Bleiessig gefällt, es 
löst kohlensauren Baryt unter Brausen zu glykuronsaurem Salz. 

b) Das Kalisalz C 6 H 9 K0 7 (bei 100° getrocknet) krystallisierf nach Thier- 
felder leicht in farblosen, stark lichtbrechenden Nadeln mit 4 Prismenflächen 
und domatischen Abstumpfungen, auch in blumenkohlartigen Massen, bräunt sich 
in feuchtem Zustand an der Luft, hält sich aber über Schwefelsäure unverändert. 
Das Salz dreht rechts [«Jd = +21,3 bis +21,8°. 

c) Das Natronsalz kristallisiert gleichfalls leicht in dendritisch verzweigten, 
radiär gestellten Nadeln. 

d) Das Kalk-, Baryt-, Zink-, Silber-, Cadmium- und Kupfersalz sind bisher 
nur amorph gewonnen worden; das Bleisalz ist gewöhnlich amorph, einmal wurde 
es (von Seh miede berg und Meyer) in farblosen Nadeln erhalten. Das Barytsalz 
wird durch Alkohol aus seiner wässerigen Lösung gefällt und bildet nach dem 
Trocknen im Vakuum ein außerordentlich lockeres weisses oder gelbliches Pulver. 
Das basische Barytsalz fällt aus einer konzentrierten Lösung des Barytsalzes oder 
des Glykurons auf Zusatz von Barytwasser in Flocken aus, bei Verwendung des 
Anhydrids nur allmählich. Durch C0 2 wird es gelöst, aber nicht in normales Salz 
übergeführt; durch verdünnte Schwefelsäure wird es zerlegt. 

e) Glykuronsäure wird von neutralem Bleiazetat nicht gefällt. Mit Bleiessig 
oder Bleiessig und Ammoniak entstehen voluminöse Fällungen von basischem Salz. 

5. Schüttelt man eine Lösung von 1 Mol. Glykuronsäure mit 
9 Mol. Ben z oylehl ori d und 12 Mol. Natriumhydrat (in lO/oiger 
Lösung), so erhält man einen zähen, in Wasser unlöslichen, in Alkohol, 
namentlich in warmem, leicht löslichen Niederschlag von Dibenzoyl- 
Glykuronsäure C 6 H 8 7 (CO . C 6 H 5 ) 2 . Die Substanz schmilzt für sich bei 
107°, unter Wasser aber schon bei gelinder Wärme; sie reduziert 
F e h 1 i n g sehe Lösung. Verwendet man zur Darstellung der Verbin- 
dung viel mehr Natronlauge, so ist die Ausbeute gering (T h i e r f e 1 d e r). 

6. Nach Thierfelder und P. Mayer 1 ) liefert Glykuronsäure 
Verbindungen mit Phenylhydrazin. Eine scheidet sich (ungefähr 



*) Thierfelder, a. a. O. 11. 395. — P. Mayer, Ebenda 29. 59. 1900. 

Neu bauer-Huppert, Analyse des Harns. 11. Aufl. 95 



1500 Schulz, Zufällige Bestandteile. 

25<>/o der Säure) sehr langsam in schön gelben, sich bräunenden Nadeln 
vom Schmelzpunkt 114 — 115° ab; eine andere hat den Schmelzpunkt 159 
bis 164° (wie die Pentosazone), eine dritte 210° wie verschiedene 
Hexosazone. 

Nach Neuberg und Neimann 1 ) entsteht reines Glykuronsäurephenylos- 
azon C 18 H_, O 5 N 4 bei Einwirken von 1 Mol. Glykuron auf 3 Mol. Phenylhydrazin 
in Essigsäure gelöst bei 40° in einigen Tagen. Es kristallisiert in Nadeln. Smp. 
200 — 202°. Es ist leicht löslich in Pyridin und Azeton, sehr wenig löslich in 
Wasser, Benzol, Äther; es ist linksdrehend. 

7. Glykuronsäure- p-Bromphenylhydrazinverbin- 
dung (Neuberg) 2 ). In einer Lösung von 2 g Glykuronsäure in 250 ccm 
Wasser gibt man eine vorher zum Sieden erhitzte Lösung von 5 g 
reinem salzsaurem p-Bromphenylhydrazin und 6 g Natriumacetat. 
Man bringt ins Wasserbad. Nach 5 — 10 Minuten beginnt die Abschei- 
dung hellgelber Nadeln. Beim Abkühlen entsteht ein reichlicher Nieder- 
schlag. Es wird abfiltriert und von neuem erwärmt etc. Dasselbe 
wird 4 — 5 mal wiederholt. Durch Umkrystallisieren aus 60o/oigem 
siedendem Alkohol bekommt man Krystalle vom Schmelzpunkt 236°. 
arj = —91,2° (im Pyridin-Alkoholgemisch nach Neuberg [s. S. 332]). 

8. Glykuronsäure semicarbazon C 7 H 12 6 N 3 entsteht aus den Kompo- 
nenten in der Wärme. Es bildet lange Nadeln, Smp. 188°, ist schwer löslich in 
Alkohol, Äther, Wasser; reduziert stark, Giemsa 3 ). 

9. Glykuronsaures Kali vereinigt sich nach Thierfelder unter Austritt 
von 1 Mol. Wasser zu gleichen Mol. mit Anilin und unter Austritt von 2 Mol. Wasser 
zu 2 Mol. mit 1 Mol. Toluylendiamin. Die krystallisierenden Verbindungen ent- 
sprechen den analogen des Traubenzuckers ; sie drehen, wie die gepaarten Glykuron - 
säuren, links. 

10. Bei anhaltendem Erwärmen mit Wasser zersetzen sich Säure 
und Anhydrid unter Bildung brauner Produkte. 

11. Die Glykuronsäure gibt die Beduktionsproben des Trauben- 
zuckers. Wird die Glykuronsäure anhaltend mit starker Kalilauge er- 
hitzt, so liefert sie nach Thierfelder wie der Traubenzucker unter 
Bräunung der Lösung, Brenzkatechin und Protokatechusäure, aber im 
Gegensatz zum Zucker keine Milchsäure, sondern Oxalsäure. Dement- 
sprechend gibt die Glykuronsäure nach Moritz 4 ) auch die Rubner- 
sehe Zuckerprobe mit Bleihydrat (S. 455). Das Anhydrid (und die 
Säure) reduziert Kupfer- und Wismutoxyd in alkalischer Lösung, ferner 
ammoniakalische Silberlösung und alkalische Indigolösung. Gegen F e h - 



x ) C. Neuberg u. W. Neimann, Zeitschr. f. phvs. Chem. 44. 97. 1905. 

2 ) C. Neuberg. Ber. d. chem. Gesellsch. 32. 2395. 1899. 

3 ) S. Giemsa, Ber. d. chem. Gesellsch. 33. 2996. 1900. Zeitschr. f. phys. 
Chem. 41. 548. 1904. 

4 ) F. Moritz, Arch. f. klin. Med. 46. 265. 1890. 



Glykuronsäure. 1501 



1 i n g sehe Lösung ist das Reduktionsvermögen des Anhydrids ebenso 
gross, wie das der Dextrose (T hi e r f e 1 d e r). 

12. Beim Erhitzen mit verdünnter (12o/ iger) Salzsäure liefert die 
Glykuronsäure nach T o 1 1 e n s und seinen Mitarbeitern, wie die Pen- 
tosen, reichliche Mengen von Furfurol nach der Gleichung 

C 6 H 8 O c = C 5 H 4 2 + 2H 2 + C0 2 . 

Das Glykuron liefert dabei nach Mann und Tollens jedoch statt der be- 
rechneten 54.55% Furfurol nur 15 — 17%, aber die berechnete Menge Kohlen- 
säure; ein Teil des Glykurons wird dabei in Huminsubstanzen verwandelt. Die 
gepaarten Glykuronsäuren : Euxanthinsäure, Urochloralsäure und Urobut} T lchloral- 
säure ergaben dagegen die berechnete Menge Furfurol. Das Furfurol wurde als 
Phenylhydrazon gewogen. 

In älteren Versuchen, in welchen das Furfurol in weniger verlässlicher Weise 
mit Phenylhydrazin titriert wurde, erhielten Günther und Tollens aus der 
Glykuronsäure 46% Furfurol, de Chalmot und Tollens 1 ) aus der Euxanthin- 
säure auf Glykuron berechnet nur 29 %, aus der Urochloralsäure ebenso nur 31 % 
Furfurol. 

Thierfelder wies nach, dass bei derartiger Zersetzung der Glykuronsäure 
keine Lävulinsäure C 5 H„0 3 entsteht; er erhielt neben Ameisensäure in sehr kleiner 
Menge eine Säure C 5 H 6 3 , die mit keiner ihr isomeren identisch ist. Sie bildet 
hellgelbe kurze Säulen, schmilzt bei 197°, löst sich wenig in kaltem Wasser und 
in Äther, leicht in warmem Wasser und in Alkohol, gibt mit Barytwasser einen 
Niederschlag und reduziert alkalische Kupferlösung augenblicklich in der Kälte. 

13. Brom oxydiert die Glykuronsäure nach Thierfelder 2 ) zu Zuckersäure 
COOH— (CH . OH) 4 — COOH, wie den Traubenzucker nach Kiliani zu Glykon- 
säure CH 2 . OH — (CH . OH) 4 — COOH. 

14. Bei der Oxydation mit Chromsäure liefert die Glykuronsäure Kohlen- 
säure, Ameisensäure (Schmiedeberg und Meyer) und Aceton (Flückiger 3 ). 

15. Durch Reduktion mit Natriumamalgam geht die Glykuronsäure nach 
Thierfelder 4 ) in die Gulonsäure C 6 H 12 7 über. 

16. Mit Alkoholhefe gärt die Glykuronsäure nicht; in kleinen 
Mengen ist sie vielleicht neben viel Traubenzucker vergärbar (Daiber). 
— Im Gegensatz hierzu gibt Hildebrandt 5 ) an, dass freie Glukuron- 
säure durch Hefe oder Zymin vergärbar sei zu C0 2 und Essigsäure event. 
Malonsäure. 

Bei der Gärung mit Kloakenschlamm liefert die Glykuronsäure anfangs 
Kohlensäure und Wasserstoff, denen sich später noch Sumpfgas hinzugesellt; zu- 



x ) F.Mann u. B. Tollens, Ann. d. Chem. 290. 157. 1896. — A. Günther, 
G. de Chalmot und Tollens, Ber. d. chem. Gesellsch. 23. 1751. 1890; 25. 2569. 
1892. 

2 ) Thierfelder, a. a. 0. 11. 401; Berichte d. chem. Gesellsch. 19. 3148. 

3 ) Flückiger, Zeitschr. f. phys. Chem. 9. 351. 1885. 

4 ) Thierfelder, Zeitschr. f. phys. Chem. 15. 71. 1890; Ber. d. chem. 
Gesellsch. 24. 521. 

5 ) A. Daiber, Schweizer Wochenschr. f. Chem. u. Pharm. 33. 229. 1895. — 
H. Hildebrandt, Beitr z.. chem. Phys. u. Path. 7. 439. 1905. 

95* 



1502 Schulz, Zufällige Bestandteile. 

letzt tritt nur Kohlensäure und Sumpfgas auf. T'hierf eld er erklärt dieses Resultat 
durch die Annahme, dass die Glykuronsäure zunächst in Essigsäure, Milchsäure 
und Kohlensäure, dann die Milchsäure in Essigsäure, Kohlensäure und Wasserstoff 
und endlich die Essigsäure in Kohlensäure und Sumpfgas zerlegt wird. 

17. Bei der Behandlung mit Salzsäure und Phlorogluzin oder 
Orcin. geben die Glykuronsäure und ihre Paarlinge nach T o 1 1 e n s und 
seinen Mitarbeitern die Farbenreaktion der Pentosen (S. 362 ff.), die- 
selbe Rotfärbung und dasselbe Spectrum. Auch gegen a-Naphthol 
zeigt die Glykuronsäure nach v. Udränszki sowie Luther ein dem 
Traubenzucker gleiches Verhalten, wenn man nach Luther 1 ) zu 
starkes Erhitzen der Flüssigkeit vermeidet. 

18. Die N a p h t h o r e s o r c i n p r o b e von B. Tollens 2 ). 
Glykuronsäure gibt mit Naphthoresorcin und Salzsäure eine Farben- 
reaktion, durch welche sie sich von den Pentosen unterscheiden lässt. 
Nach B. T o 1 1 e n s verfährt man folgendermassen : Zu 5 — 6 ccm Harn 
werden in einem 15 — 20 mm weiten Reagenzrohr 0,5 — 1 ccm einer 
lo/oigen alkoholischen Lösung von Naphthoresorcin hinzugegeben und 
dann das gleiche Volum Salzsäure (1,19 D). Es wird dann langsam zum 
Kochen erwärmt und unter Bewegung des Rohres 1 Minute gelinde ge- 
kocht. Dann setzt man das Rohr beiseite und schüttelt es nach, 4 Minuten 
unter einem Wasserstrahl bis 1 zum Erkalten. Dann giesst man das 
gleiche Volum Äther hinzu, schüttelt gut durch und bringt nach dem 
Absitzen die Ätherschicht vor den Spalt des Spektralapparates. 

Der Äther ist bei Anwesenheit von Glykuronsäure blau bis violett 
gefärbt; bei Anstellung der Probe im Harn ist die Probe mehr rot 
(Tollens). Nach Neuberg 3 ) schwankt die Farbe bei Verwendung 
von Glykuronsäure nur wenig, bei Anstellung der Probe im Harn dagegen 
sind die Schwankungen bedeutend. Auch Toll ens gibt später an, 
dass im Harn bei Gegenwart von Pentosen und Glycosen die Farbe rot 
bis rotbraun sein kann. — Die Ätherlösung zeigt eine dunkle Spektral- 
bande etwas rechts von und auf der D-Linie liegend. 

Die Reaktion ist mit Lösungen, die 0,1 o/o Glykuronsäurelacton 
enthalten, noch sehr stark. 

Wenn der Äther sich langsam absetzt, oder wenn sich beim 
Schütteln mit Äther eine dunkle Schicht an den Wandungen des Glases 



^H.J.Wheeleru.B.Tollens^n.d.Chem. 254.333; 260.305. — Günther, 
de Chalmot und Tollens, Ber. d. ehem. Gesellsch. 25. 2569. — v. Udränsky, 
Zeitschr. f. phys. Chem. 12. 389. — E. Luther, Über das Vorkommen von Kohlen- 
hydraten im normalen Harn. Diss. 1890. 37. 

2 ) B. Tollens, Ber. d. chem. Gesellsch. 41. 1788. 1908. 

3 ) C. Neuberg, Biochem. Zeitschr. 24. 436. 1910. — B. Tollens, Abder- 
haldens Handb. d. Biochem. Arbeitsm